WOCHENSCHRIFT FUR CHRISTLUICH-SOZIALE PotifiKk UN KULTUR

ORGAN DER CHRISTLIOH-SOZIALEN RHICHSPARTEIL Urscheint jſeden Samstag, Bezugspreis monatl. für Deutsch⸗

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Die Krisis Im Katheollsch-polltischen lager.

Wir sindl keine katholische Partei, sondern eine christ- liehe. Aber die Vorgänge und Entwicklungen innerhalb des leutschen Katholizismus gehen nicht nur Unsere katholischen Parteifreunde persönlich nahe an, sohdern sie berühren ch das gesamtpolitische Leben Deutschlands auf das lekste, nachdem seit den Tagen von Weimar das Zentrum mer als Partei der Mitte„das Zünglein an der Wage und damit ausschlaggebend“ war und abe auch verantwortlich Ur das politische Geschehen seit dieter Zeit. Die äußere Macht des Katholizismus.

Es ist gant außer Zweifel, daß der deutsche Katholixis- Muis, genau wie der Protestantismus , àuf niedergehender Kurve sich hefindet. Das bezieht sich nicht auf die äuflere Macht des Katholizismus. Nach dieser Richtung, rein äußer⸗

h, hat der Gesamtkatholizismus einen ungeheuren Auf⸗

Ichwung genommen. Die Fesseln des Obrigkeitsstaates sind

ſefallen. Die katholische Kirche hat ihre volle verfassungs-

Rätzige Freilieit erkalten. Konkordate mit günstigsten Ergeb⸗

lssen für die Kir d abgeschlossen Worden, nicht nur

hr gut. Neben den gelcllichen Zuwendlungen 6 Staates, der Einzelländer, kommt als Neuerung und neue Heldquelle seit der Revolution die Einführung der Kirchen- teluer, die sich den jeweiligen Geldbedürfnissen anpassen unn. Dazu genießzt die Kirche noch den Vorzug vor Kom- unen, Wyürtöchaftsunternehmungen, billiges Kapital zu ganz ringem Zinsfulß aus dem Auslande, aus Holland und Anie- Ka hereinzuholen. Eine Reihe großber leirchlicher und reli⸗ löser Balten sind geracle in der letzteag Zeit entstanclen. cdlensgenossenschaften, kirchliche den ete, bauen nicht nur Kirchen, sondern auch äuser, Studien- bäuser, Institute für Schulen etc. eInflation die iftungsvermögen dieser Gesellscha n groben Teile Vernichtet hat, sind sie heute in de dag wieder mit Hilfe dieses auslündischen Kapitals wettzumachen.

Neue Bistümer sind errichtet worden, Klöster und Ordensnieclerlassungen haben keine Behinderung mehr. Im toten Freidenker-Berlin kann die Fronleichnamsprozession tuhig uncl ungehindert durch die Straben ziehen!

Erscheinungen des inneren Niedergangs.

Aber dieser üußberen Entfaltung gegenüber steht die Er- gecheinung eines inneren Niedergangs und Zerfalls.

Die katholischen Arheitervereine sind heute bei weitem das nicht mehr, was zie vor dem Kriege gewesen sind Helbst in den viel intensiver organisierten Gesellenvereinen kehlt das alte, keinige Kolpingsleben. Und gar im Volles- Verein für das katholische Deutschland prägt sich der Nieder gang am deutlichsten aus.

Der Völlsveérein war einmal die wirkelich grohge, mächtige Organisation der deutschen Katholiken. Hervorragende Rührer standen an seiner Spitze: Fabrikbesitzer Brands, Generaldirektor Dr. Pieper, der frühere Direktor Dr. Datzu kamen in engerer Verbindung: Dr. Hitze, der keinsinnige Geistliche Dr. Nieder, vor allem Dr. Sonnen⸗ ei 16 Hilfskräfte Dr. Beusch, Dr. Höfle— eine sene Schar geistiger Führer und auch wissen

Aehaftlich anerkannter Kräfte.

Dr. Bräuns begab sich in die hohe Politik. Dr. Beusch mitgenommen und starb frühzeitig als Ministerial in, Berlin . Dr. Höfle war einige Jahre vor dem

geschieden und starbdlen tragischen Tod im damals verlassen von vielen seiner eigencn Rarteifreunde. Dr. Nieder starb. Dr. Sonnenschein 20g nach 50 lin, vyo er als G rohstadtapostel weit über die Reihen der Käth n hitiaus sich Liebe und Hochachtung verschaffté zurück

Log tzich von der hohen Politik Und

nur noch im stillen. Niedergang des Vollesvereins. Nach dem Kriege war der Volksverein auf die Hälfte Mitglieder gesunken, und dieser Verlust konnte bis nicht éingeholt wWerden. Das innere geistige Leben Knk tief unter jenes Vorkeriegszeit-Niveau daßb der Vollesvereinsverlag in s handelt sich um einen Ver Schon vor We¹ Jahren wurdle

in Preullen. Die finanzielle Lage

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geber u, gesamtverantwortlic Würsburgz Geschäktsstelle: Würzburs, Karthause 1 La, Fern⸗ ruf Nr. 6015. Postscheckkonten: Ve 12329 Nürnberg, Farteikasse 33038 Nürnberg. Druck: Werkbund Würaburg.

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Haag- Zinssenkung- Reichst

Was ist das für ein Reden und Verhandeln im Haag! Um was geht es denn und was wird herauskommen?

Der Voungplan legt uns für über 70 Jahre hinaus die jährliche Verpflichtung von etwa 2 Milliarden Mark auf. Das ist der fünfte Teil der gesamten landwirtschaftlichen Produktionl Es dürfte klar sein, dab keiner von denen, die im Haag verhandeln, überzeugt sind, daß das deutsche Volk ohne weiteren Selbstmord das tragen kann.

Die Lage ist aber sehr einfach: Unsere Politiker, ob Stresemann , Wirth oder Curtius, handeln unter Zwang. Es ist nicht mehr der militaristische Zwang drohender Kano- nen. Es ist der Zwang der anderen Macht, der internatio- nalen Bankmacht, des Finanzkapitals! Die Welt ist immer vom Gelde regiert worden, aber jetzt wird diese Herrschaft der Geldmächte katastrophall

Es liegt nicht am bösen Willen der früheren Feindel Es liegt nicht am bösen Willen der französischen oder eng⸗ lischen Staatsmänner, die etwa partout das deutsche Volk nicht mehr hochkommen lassen Wollen. Es liegt daran, daß diese Staatsmänner und deren Völker selber wieder gezwun⸗ gen sind, von Deutschland diese Summen zu fordern, und immer unnachgeblich zu, gein D 75 hinter ihnen steht die Peitsche der amerikamtschken Schüldkörddekungkn. Diese fat⸗ sache ist sehr einfach, eindeutig unck klar.

Der Fehler ist, daßß unsere Politiker diese Seite entweder gar nicht oder zu hedeutungslo sehen, oder aus dlieser Tat⸗ sache nicht die politischen Konsequenzen und Handlungen ziehen!

Sonst hätten die deutschen Staatsmänner nicht das Sonderabkommen mit Amerika treffen dürfen. Amerika ist nun an den Verhandlungen im Haag desinteressiert. Wie sich die europäischen Staatsmänner herumbalgen, ist ihm ziemlich gleichgültig, Es besteht auf seinem Schein, und Deutschland mubß zahlen. Und zuletzt kann Amerika noch sagen:„Ich bin es nicht!“

Die Treiber hinter der Front sind die Bankgewaltigen der Welt. Nicht vergebens fuhr Dr. Schacht nach dem Haag und ließ seine Bombe platzen, Er zeigt nur dde Macht, die er hatl Die Regierung hat ja gegenüber diesen Finanz⸗ gewaltigen nichts zu sagen! Die Reichsbank treibt ihre

béekannt, daß die Finanzwirtschaft Dr. Hohns dem Verlag ein großes Defizit gebracht hat. Damals gelang es noch ein- mal, die Sache etwaßg über Wasser zu halten, aber trotz des intensiven Einspringens Dr. Marx' und Dr. Brauns konnte der Verlag nicht saniert werden. Volksvéreinsverlag und Volksverein sind wohl auf dem Papier getrennt, lassen sich aber tattzächlich nicht trennen.

Gründe der inneren Zerrissenheit.

Das alles sind Zeichen der inneren Zerrissenlleit des deutschen Katholizismus, deren tiefste Ursache die Partei⸗ politile und das Nichterfassen der modernen Zeitaufgaben iat. Der Volksverein ist groß geworden als eine Organisation der Erfassung der sbrialen Probleme. Die Entwicklung des sozialen Problems aber, des Hochkapitalismus unseter Zeit, ist weit über all jene positiven Einstellungen und Inangriff nahmen hinausgegangen. Die furchtbare Anschwellung der Macht des Kapitalismus zur nationalen und internationalen Trustbildung, dag Roch stärkere Anschwellen der inter⸗ nationalen Hochfinanz, des Rankkapitals, mit all ihren furchtbaren Begleiterscheinungen haben immer mehr das Proletariat vermehrt, Millionen Arhbeitsloser geschaffen, und sind nun im Begriff, auch vernichtend auf die Schichten des Mittelstandes, der Akademiler, det Klein- und Mittel⸗ bauern überzugreiten. Für einen groben Teil, der Jugencl, der jungen Generätion, die den Weltkrieg erlebte, scheint die Zukunft dags Verdammungsurteil Skla verei zu bedeuten. Die wirtschaftlich-soziale Not übertönt die Rufé stillèr Beschaulichkeit und Innerlichkeit! Der revo- lutionäre Geist Wächst im Volke von linles bis rechts, Zahl reiche Käthaliken gingen mit den Reclitäpartcien. Mittel Schichten des

dauerndeér

standspartelen standen gufk und sammeln

Handwerkers, des Handels. Racdlilcale Parteien eines natio nalen Sorlalisynis holen weitere Schickten zu Hlitler, In der christlichen Arhelterschaft und den unteren lLathiolischien

Schichten hat tenau 60 wie im Protestantismus auch im

untragbe Geldverge

eigene Politik! Morgan bestimmt die Politik des Weißen Hauses , Dr. Schacht die der Wilhelmstraßel

Zugleich kommt die Meldung auf Herabsetzung des Dis- konts von 7 auf 6½% Proꝛent!l Wir sind überzeugt davon, daß der Diskont längst hätte herabgesetzt werden können. Wir sind überzeugt, daß man es nicht getan hat im Hinblick auf die Verhandlungen im Haag. Wir sind aber darüber hinaus

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überzeugt, daß der Diskontsatz und der allgemeine Zinsfub in Deutschland ganz gewaltig herabgesetzt werden könnte, wenn die Reichshoheit über die Reichsbank und über die ganze Geidwirtschaft herbeigeführt würde, wenn das Reich igene, und zwar grundsätzlich geänderte Währungs⸗ politik treiben würde! Es hätte für die deutsche Delegation eine Hauptforderung im Haag geben müssen:„Wiederher⸗ stellung der vollen Finanzhoheit des Reiches! Dies ist viel wichtiger als die wiederhergestellte politische Reichshoheit über die Rheinlande! Es ist Anachronismus, daß das be- deutungsvollste Mittel einer Gesamtwirtschaft und eines gan- zen Volkslebens, das Geld, der Hoheit des Willens des Vol- kes und des Reiches entzogen und in die wilden Sbeku⸗ lätionshände der Bankgewaltigen gelegt ist. E, ist, ferner daßz, die deutschen Banken das Monopol der hunc Haben, daßz billiges Geld zu 5 oder 4% Pfo-⸗ zent aus Holland und Frankreich nicht frei herein xann, daß auf dem Geldmärkte die Konkürrenz gegenüber dém Kapital mit 10 und 12 Proꝛzent Zinsen ausgeschaltet ist. Die Grenten auf gegenüber billigem Geldl Mit einem Schlage würde der Zins in Deutschland auf mindestens) Prozent und der Dis- kont auf mindestens 5 Prozent herabsinken!

Wir sind mit der Forderung der republikanischen Links- presse, daß die Herrschaft Dr. Schachts zu Ende sein mußz, einverstanden, aber darüber hinaus verlangen wir ganz an⸗ dere Konsequenzen aus dieser Forderung. Nicht nur Dr. Schachts persönliche Erledigung verlangen wir, sondern die Erledigung einer ganz verkehrten Währungs- und Geld- politik, die die deutsche Wirtschaft ausverkauft, versklavt, mit Schulden und ungeheuren Zinsen immer mehr belastet, und damit nicht nur Arbeitslosigkeit, sondern im weiteren Verlaufe der Entwicklung die Katastrophe herbeiführen muh!

eine

Katholizismus die Gärung und Revolutionierung eingesetzt. Die Christlich-Soziale Reichspartei ist hier eingebrochen, als eine Zeitnotwendigkeit, und reißt neue Fronten dieser jun⸗ gen Generation auf.

Parteipolitil und verpuflte Autorität.

Mit dieser Entwicklung muhte die Tatsache, daß die Politik des Zentrums an die Fundamentalfragen gar nicht heranreichte, daß eine Politik gegen diese Schichten prak⸗ tisch zich richtete, da man Zentrum als die„Partei der deut- schen Katholiken“ herausgestellt hatte, ganz logisch und zwangsläufig auf das gesamtkatholische Leben destrultierend wWirken! Die Inflation undk Aufwertung, die Stellung zur Fürstenabſindung, die Haltung in der Frage Pazifizierung oder Neumilitarisierung hat das deutsche Volk in seinen breiten Massen in zwei große Lager gespalten, in zwei Fron⸗ hin⸗ des wirtschaftlichen, sozialen und politischen Kampfes heraus⸗ entwickeln sie ihn in die Kreise der Protestanten, Freidenker ete ge·

ten, die sich durch alle alten Parteien, Konfessionen ete.

durchziehen, die immer stärker den Klassencharaleter

Und die diesen Klassencharakter genau so, Wie tragen haben, auch selbstverständlich vor dem Katholizis⸗ mus gicht haltmachten. Diese„Politik der Mitte“ geigte sich als KoH⁰οονοοοihpolitik, heute mit rechts, morgen mit links, als Schätikelpolitik, ohne radikale, odler gagen Wir konse⸗ sich dlie kirchlichen eindeutig

guente Lösungsmöglichkeiten. Da Autoritäten in Deutschland hisher diese Politik des Volkspartei eled,Udr A0 NueludMAUStkr0Anmundn ir Uilll, A ddadll.604 ulnlldlmtteh DEKI INFIALT:

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