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Parteikasse: Relchsgeschäftstelle der Arbelter- Deutschlands.— Druck: Werkbunddruckerel Würsburg.

Nr. 42/ 2. IAHRSANG

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KAMPFSLATT DER ARBETTER- UND BAUERNPARTET DEUTScHANDs

Geschäftsstelle: Würzburg , Karthause 11a, Fernsprecher Nr. 6015.— Postschecklkonto:

Verlag Nr. 12329 Nürnberg, Postscheckkonto Nürnberg Nr. 33038. und Bauernpartel

ZEMTRALORGAN DER A. B. P. U.

SAMSTXS/ IA. NOVEMEER 1931

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Erscheint jeden Samstag. Bezugspreis monatlich füt Deutschland 0.80 RM., für das Saargebiet Fr. 4.60 für Gsterrelich 8. 1.40 ausschlieslich AZusteligebühr FOSTVHRLAGSORTWVUVURZRUR G Herausgeber u. verantwortlich: Vitus Heller , Würsburg

EINNZEl NUMIER 20 PPGS.

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Zenlrumspolilik führt weiter in den Abgrund!

Der Seneralangrlit auf Köhne und Sehälter.

Der Wirtschaitsbelrat will zuerst die Preise, dunn die Röhne senken.

Wir haben an dieser Stelle schon oft gesagt, daß für den Verlauf der deutschen Politik seit der Weimarer Verfassung , wie für clie katastrophale Niedergangsentwicklung in unserm Volke in allererster Linie die Zentrumspolitilè verantwort- lich gemacht werden muß. Daß die anderen Parteien, vor allem die deutsche SPD . mit ihrer Waschlappigkeit und hrem grundsätzlichen Verrat an der deutschen Revolution 1918 und am Sorialismus, an den Massen des werkschaffen⸗ den Volkes, wie der ganzen deutschen Nation, ebenfalls ihr gerüttelt Maß an Schuld tragen, soll dabei mitgesagt werden. Abher ebenso ernst und wahr muß gesehen werden, daß auch an diesem abgrundtiefen Versagen dieser Parteien die Zen- trumspolitik eine Hauptschuld trägt, jene Politik, die alles unter dem Gesichtswinkel jener„Mystik“ sieht, von der Dr. Kaas auf der Zentrumstagung zu Berlin gesprochen hat. Diese Mystik ist nicht die tiefe Mystik christlichen Glaubens⸗ gutes, etwa im Sinne eines Franziskus oder der hl. Schriften.

Es ist

jene„Mystil“,

dlie eben nur einer Zentrumspäartei grundleigen sein kann, die man mit der Bezeichnung„aalglatt“ und„hyperschlau“ bezeichnen muß. Wir kennen jene„Mystik“ sehr genau und kämpfen gegen ihre innere Unsittlichkeit seit Jahren an. Es ist die weltmännische Kunst, alles, aher auch alles mit dem

Scheinmantel der Religiösität und sittlichen Wertung

zu umgeben, was im Wesen das Gegenteil ist. Diese Mystik lst die schamlose Mißbrauchung des guten naiven Vollesglau- bens undl der religiösen Hberzeugung christlicher Menschen zu politischen 50 wirtschaftlich-finanziellen Schacher- geschäften, zur Wechselstube, Diese„Mystik“ ist jene Poli- til, die es heute mit der 8SPD. treibht und morgen mit Dingel⸗ dey und übermorgen mit Hitler . Heute pazifistische Reden hält, morgen Panzerkreuzer bewilligt, übermorgen den Gene⸗ kal zum Diktator erhebt. Die 1918 die„Enteignung der da- zu reifen Großbetriebe“ forderte, im Reichsbanner mit⸗ machte, demoleratische Allüren nach außen mimte und 80 gehr mit der Diletatur regierte, daß von der Reichsverfassung nur noch Art. 48 übrig blieb. Die sogar das heiligste Recht eines Volkes, das seiner Meinungs-, Uberzeugungs⸗, Presse- kreiheit abschaffte und zuletzt Schleicher mit Hitler verhan- deln ließ. Die sogar daran geht,„Wehrverbände“ an der Kommunionbank zu gründen, die zur„Verteidigung des kigentums bis zur Tötung“ gehen.——Ill

Das Deutschland der Nachłriegszeit wird vom Zentrum beherrscht! Man känn diese Tatsache dem deutschen Ge⸗ ba ntvVolke nicht klar genug vorstellenl Dieses Zentrum tut alles, gibt alles, nimmt alles um das Prädikat der Macht und Herrschaft und um die

Erhaltung des LKapitalistischen Systems!

Noch niemals hat diese Politik es zugelassen, auch nur theoretisch einen Stein aus dem Gebäudle des Kapitalismus zu reighenl Die Massen in seinem Lager hat es durch eine be- wWuhte Erziehung in Presse, Versammlungen, Literatur und Uber seine Staatsmacht in der Schule ebenso bewußt im Dun— keln gehalten, in der Dummheit, um es ganz einfach zu zagen, Selbst die christliche Fundamentallehre von der ober⸗ zten Autorität des Einzelgewissens gegenüber allen Entschei⸗ dungen hat dieses„Mysterium“ Dr. Kaas' im breiten Volke direl't gefälscht und die Bigenverantwortlichkeit des Vollees und des Einzelnen im innersten Kern zerstört, eine Hammel⸗ herdle geschaffen, mit der man heute mit Gott und morgen mit dem Teufel gehen konnte und weiter gehen kannl

Das Zentrum hätte es mit seiner Macht in der Hand ge- habt, wirklich umstürzend einzugreifen und den Kapitalismus zu betzeitigen, Gerade auch in seiner Regierung Brüning hat dietzee Pärtei ein Staatsinstrument mit einer

derartigen Machtfülle, Wie sie noch keine Regierung

der Welt mit der einzigen Ausnahme: Ruhßland!— aufzeigen 14h Und wenn diese Macht dort angesetzt würde, Wo sie ange⸗ betzt Werden mulh, hätten wir längst den Aufbau des deut⸗ hen Vollees.

Aber Zentrumspolitik will und mulßz unter allen Umstän⸗ den das heutige System rettenl

Und darin liegt alles, was praktisch für unser Volk kommt:

Das System des Kapitalismus stürzt die Völker Europas und Amerileas in die ungeheure Wirtschaftslcrisis.

Dieses System hat 20 Millionen Menschen arbeitslos auf die Straße geworfen. Warum giht es in Rußland keinen Ar— beitslosen, warum braucht Rußland sogar Arbeitskräfte und die ganze kapitalistische Welt ringsum kann ihre Sklaven nicht mehr ernähren? Und wenn Ruhland Schwierigkeiten hat, s0 nur deshalb, weil die gesamte kapitalistische Welt alle Hebel ansetzt, um Rußland Schwierigkeiten zu machen, statt mit ihm in naturhaften Güteraustausch einzutreten! Der ganze Kampf gegen den„Bolschewismus“ ist doch letzten Endes nichts anderes als der Versuch, den wirklichen Auf⸗ bau einer neuen Wirtschafts- und Völkerordnung, einer ganz neuen Welt, in der die Menschen menschenwürdig leben und tlie Völker auf freiem Grunde stehen können, in letzter Stunde unmöglich zu mactièn, Dabei steht man selbst

mitten im ungeheuren Sterben deg eigenen Vollees. U

Eine solche Zentrums-Politik, begonnen mit dem Mord an Millionen im Weltkriege, fortgesetzt unter dem dauernden täglichen Mord im eigenen Volke, dem Morde politischen Terrous in allen deutschen Städten zwischen Hitlerleuten und Kommunisten, dem Morde der 62 täglichen Selbstmörder, dem Morde an mindestens einer Million Kindern unter dem Hertzen der Mütter im Jahre, dem langsamen Morde des Hin- siechens von Millionen Menschen, die heute nur noch mit Kaffee, Kartoffeln, Erbsensuppe ihr Dasein fristen können- eine solche Politik muß den inneren Fluch in sich tragen und hat den Fluch nicht nur dieser Millionen„Verdammter die- ser Erde“, sondern eines, ganzen Volkes, einer ganzen Nation und Kulturepoche auf sich lasten!

Auf der Zentrumstagung zu Berlin haben Reichskanzler Brüning und Stegerwald weiter die Ziele ihrer Politik dar- gelegt. Uns überkam ein kaltes Grauen:„In finanzieller Hin⸗

Weltere Belastungen der Hrbeiter-, Bauern- und Illittelstandsmassen.

Solddeckung unter 30 Prozent.

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Lohnabbau, weitere Vernichtung der Kaufleraft Der Staatsabbau in Bayern — Die Vernichtung det Nittelstandes— Kirche und Bauern in Spanien Bauernnot und Hakenkreu:— Man nennt mich Zim mermann— Wirtschaft, Horatio!l— Ründ um eii Urteil— Offene Antworten— Aus der Bewegung

sicht wird das Jahr 1932 das allerschwerste werden.“„Wir werden für 1932 um veitere ganz schwere und harte Bela⸗ stungen nicht herumkommen.“ So sprach Reichskanzler Brü⸗ ning. Und Stegerwald ging ins einzelne:„Die Sätze der Un⸗- terstützungen sollen auf das Maß der Krisenfürsorge herab⸗ gesetzt werden. In der Arbeitslosen- und Krankenversiche⸗ rung sind 80 bis 90 Prozent von dem abgebaut worden, Was man abbauen konnte..Wenn es hart auf hart geht, ist der gegenwärtige Staat noch lange nicht am Ende.“

Wir denken dabei an eine Familie, in der wir in der let:“ ten Zeit nachsahen, wo keine Milch, kein Zucker, keim Fleisch, keine Wurst, kein Tee mehr vorhanden ist, Wo es des Mittags nur noch Erbsensuppe gibtl(Wir dachten an die indischen Kulis, die mit einer Handvoll Reis im Tage leben können!) Nun sollen für diese Millionen noch weitere Lasten kommen? Um diese durchzusetzen, soll die Macht des Staa“ tes eingesetzt werden? Gegen wen? Gegen hungernde Kin⸗ der des Volkes, des eigenen Blutes!l Was ist denn der „Staat “? Ist er Diener, Werkzeug des Volkes? Oder gegen das Volk?

In diese Lage kommen

die Vorschläge des Wirtschaftsbeirates.

Die Golddeckung der Reichsbank soll unter 30 Prozent lie- gen. Dr. Schacht sprach von nur noch 14 Prozent Golddełk- kung. Trotzdem im Umlauf nur etwas über 7 Milliarden Mark sind, gegenüber 7 Milliarden in der Vorkriegszeit. Da will man den„Wert der Mark heben“ dadurch, daß

Arbeiter dürfen keine Arbeit beschaffen! Den GrohBagrarier gibt man Millionen Subventionen. Für Banksanierungen hatte man 300 Millionen.

Ein unerhörter Vorfall wird durch die Presse bekannt⸗ gegeben, In der Grafschaft Glatz hat die Wenzelausgrube Bankrott gemacht. 2600 Arbeiter und Angestellte sind damit arbeitslos geworden. Die Arbeiter haben sich nun unter fachmännischer Leitung zusammengetan, und ein Werk voll⸗ bracht, das alle Achtung verdient, Sie haben alle Vorarbei⸗ ten getroffen, die Grube selbst zu übernehmen, in Betrieb zu setzen und sich somit die Existenz zu erhalten, aber auch die Produktion für das Volk. Sie brachten selber 360 000 Mk. auf. Die weiteren 2 Millionen Mark sollten als Kredit vom Staate gegeben werden. Mit einem Mute, den die Presse „heroisch“ nennt, gingen die Arbeiter an die Tat.

Da meldet die Presse:

„Der kommunistische Antrug, die Grube zu enteignen und den Arbeitern zu geben, wurde im Haushaltsauschußb des preußlischen Landtages niedergestimmt. Ein Zentrumsantrag wurde angenommen, daß) das preußische Ministerium die Gelder aufhringen soll, wenn sich das Reich beteiligt. Der Zentrumsmann Dr. Schreiber verlas ein Schreiben des Reichs- Wirtschaftsministers, dalh es bei der Grube bei der Stillegung bleiben mlisge.“

Die Notverordnung verbietet uns, hier die Worte zu sa⸗ gen, die in diesem Falle gesagt werden mliſzten!l Der Kapi⸗ talismus kann es nicht haben, daßb bei dem vor aller Welt

oflen liegenden Banlerott seiner Wirtschaftsführung nun die Arbeiter selbst die Wirtschaft, die Betriebe in die Hand neh- men wollen. Sie werden ihnen nicht nur nicht enteignet, wyie es recht und billig wäre, sondern sie können sie nicht einimal kaufen, weil ihnen das Reich keinen Kredit gibtl Dabei händelt es sich um 2600 Menschen, die arbeiten wollen und könnten und die nun stempeln gehen müssen. Eine weitere Produletionsstätte der deutschen Wirtschaft aber ist atill⸗ gelegt. Das schaut verdammt nicht nach„Planwirtschaft“ aus. Wenn man bedenkt, daß das Reich so an die 24 Mil. lionen für obere Pensionen etc, ausgibt, einige hundert Mil⸗ lionen für die ostelbischen Grolhſunker, dalb das Reich bei dem Bankkrach 300 Millionen aufbrachte für die Sanlerung der Daimstädter, Dresdner , Schröderbanle und sieht hier, wie das Reich einfach erklärt:„Die Grube bleibt stillgelegt“, dann bleibt einem das gesunde Menschendenken einfach stehenl Ist denn das deutsche 63⸗Millionenvolk nur noch für die paqt tausend Grollindustrielle, Banlckönige und Grolz. agrarier da? Daſßß Zentrum und SPD., die in Preußen die Regierungsmehrheit haben, derart Schindluder mit der Ar⸗ beiterschaft treiben, das muß sich das deutsche Arbeiter · und Bäuernvolle merlkenl Die Millionenmassen der Bauern und Arbeiter sind wirklich nicht da, um allmählich elend xzu⸗ grunde zu gehen, Wo der deutsche Boden Nahrung in Fülle, Kohle eté, birgt!