Virtuelle Schatzkammer

Die Badische Landesbibliothek besitzt einen umfangreichen Bestand an Handschriften, Inkunabeln, alten und seltenen Drucken, Musikhandschriften, historischen Karten, Autographen und weiteren wertvollen Sammlungsgegenständen. Unter diesen befinden sich Spitzenstücke wie zum Beispiel die Handschrift C des Nibelungenlieds. In unserer „Virtuellen Schatzkammer“ präsentieren wir einzelne digitalisierte Kostbarkeiten. Sie können einen ersten Eindruck vom hohen Wert des überlieferten historischen Erbes vermitteln; sie sollen aber auch dazu anregen, das gesamte Angebot der Digitalen Sammlungen intensiver kennenzulernen.
Stundenbuch des Markgrafen Christoph I.
Handschrift auf Pergament. 1488. 108 Blatt.
Sprache: lateinisch. Signatur: Durlach 1.

Das Stundenbuch des Markgrafen Christoph I. (1453-1527) ist das älteste Zeugnis markgräflich-badischen Buchbesitzes, das sich in der Badischen Landesbibliothek in Karlsruhe erhalten hat. Als frommer Mann besaß Christoph sein eigenes Gebetbuch, in diesem Fall ein Stundenbuch, das die zu bestimmten Tageszeiten zu verrichtenden Gebete enthält. Das in Paris um 1490 hergestellte lateinische Stundenbuch wurde für den Markgrafen luxuriös ausgestattet: mit auf Goldgrund reich verzierten Bordüren, prächtigen Miniaturen und dekorativen Initialen. Eine ganzseitige Miniatur zeigt den knienden und betenden Markgrafen selbst; auch Markgraf Bernhard II. von Baden und weitere Persönlichkeiten sind in der Handschrift zu entdecken.

zur digitalen Ausgabe des Stundenbuch des Markgrafen Christoph I.

Breviculum des Raimundus Lullus
Handschrift auf Pergament. Nach 1321. 45 Blatt.
Sprache: lateinisch. Signatur: St. Peter perg. 92.

Das nach 1321 vermutlich in Nordfrankreich entstandene Breviculum des Raimundus Lullus enthält eine kurz gefasste Darstellung von Leben und Werk des katalanischen Philosophen und Theologen Ramon Llull (1232-1316), die von dessen Schüler Thomas le Myésier, einem Kanoniker aus der nordfranzösischen Stadt Arras verfasst wurde. Die im Auftrag der französischen Königin entstandene Handschrift wurde 1736 vom Kloster St. Peter im Schwarzwald erworben und gelangte im Zuge der Säkularisation in die Großherzogliche Hofbibliothek in Karlsruhe. Das Werk ist nur in einer einzigen Handschrift überliefert.
Um die komplizierte philosophische Lehre Lulls verständlich zu machen, setzte le Myésier auf die bildliche Anschauung. Er stellte deshalb seinem Text zwölf ganzseitige Miniaturen voran, die Leben und Werk seines Lehrers illustrieren.

zur digitalen Ausgabe des Breviculum des Raimundus Lullus

Chronik des Konstanzer Konzils
Handschrift auf Papier. Um 1470. X, 223 Blatt.
Sprache: deutsch. Signatur: St. Georgen 63.

Schon während des Konstanzer Konzils, das von 1414 bis 1418 am Bodensee stattfand, sammelte der Konstanzer Bürger Ulrich von Richental (1360-1437) Quellen und Texte dieser Kirchenversammlung. In der Folgezeit verfasste er eine Chronik, von der heute 16 Abschriften auf Papier bekannt sind. Zwei der bebilderten Handschriften besitzt die BLB. Die um 1470 in Konstanz entstandene, farbig illustrierte Handschrift stammt aus dem Kloster St. Georgen im Schwarzwald (Codex 63). Eine weitere, in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts in Überlingen hergestellte Handschrift ist aus der Benediktinerabtei Ettenheimmünster überliefert (Codex 11). Beide Exemplare gelangten im Zuge der Säkularisation in die Karlsruher Hofbibliothek.

zur digitalen Ausgabe der Chronik des Konstanzer Konzils

Nibelungen-Handschrift C
Handschrift auf Pergament. Zweites Viertel des 13. Jahrhunderts. 114 Blatt.
Sprache: deutsch. Signatur: Donaueschingen 63.

Die Karlsruher Handschrift C entstand im alemannisch-bairischen Raum und ist die älteste überlieferte Handschrift des Nibelungenlieds, einem mittelalterlichen Heldenepos um Siegfried den Drachentöter, seine Frau Kriemhild und Hagen von Tronje, das gerne als Nationalepos der Deutschen angesehen wird. Neben dem eigentlichen „Lied“ umfasst die Handschrift auch die „Klage“, in der der Untergang der Burgunden nochmals zusammengefasst und aufgearbeitet wird. Treue und Verrat sind die zentralen Motive beider Werkteile.
Seit 2001 befindet sich der Codex als Eigentum der Landesbank Baden-Württemberg und der Bundesrepublik Deutschland in der Badischen Landesbibliothek. Als herausragendes Beispiel der europäischen Heldenepik wurde die Handschrift 2009 in das UNESCO-Weltdokumentenerbe aufgenommen.

zur digitalen Ausgabe der Nibelungen-Handschrift C

Wonnentaler Graduale
Handschrift auf Pergament. Um 1340. 258 Bl.
Sprache: lateinisch. Signatur: U. H. 1

In den Sammlungen der Badischen Landesbibliothek finden sich auch einige Handschriften unbestimmter Herkunft, d.h. Handschriften, deren Provenienz nicht bekannt ist.
Das kostbarste Stück dieser Sammlung ist das sog. Wonnentaler Graduale, ein Choralbuch aus der Mitte des 14. Jahrhunderts. Es wurde für die Zisterzienserinnen des Klosters Wonnental geschrieben und gehört zu den am reichsten ausgestatteten liturgischen Handschriften des 14. Jahrhunderts.
Angefertigt in den 1340er-Jahren, wurden die Texte und die in Quadratnotation auf jeweils vier Linien wiedergegebenen Melodien der enthaltenen Psalmenabschnitte in diesem Band mit 240 großen Schmuckinitialen verziert. Zehn dieser Initialen weisen figürliche Darstellungen auf, darunter auch ein Bild des heiligen Bernhard, der den gekreuzigten Christus umfängt. Es ist die erste bekannte Darstellung des sog. Amplexus-Motiv. Erst ab dem 15. Jahrhundert fand diese ikonographische Variante der Bernhard-Darstellung weitere Verbreitung. Sie verweist auf die große Bedeutung, die der Gründungsabt von Clairvaux für den Zisterzienserorden hatte, und auf die von ihm geprägte Christusmystik.

zur digitalen Ausgabe der Wonnentaler Graduale

Breviarium cisterciense
Handschrift auf Papier. 2. Hälfte 15. Jahrhundert. 310 Bl.
Sprache: lateinisch. Signatur: Lichtenthal 20

Die Handschriften aus dem Zisterzienserinnenkloster Lichtenthal nehmen in mancher Hinsicht eine Sonderstellung innerhalb der Sammlungen der Badischen Landesbibliothek ein. Denn als 1245 gegründetes Hauskloster und Grablege der Markgrafen von Baden wurde das Kloster zu Beginn des 19. Jahrhunderts als eines der wenigen in Baden nicht säkularisiert, sondern besteht bis heute.
Ein besonders prächtig illuminiertes Stück aus Lichtenthal ist ein in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts in Südwestdeutschland entstandenes Psalterium. Geschrieben hat es Johannes Zürn aus Neibsheim, der am Ende des 15. Jahrhunderts als Mönch im Zisterzienserkloster Herrenalb lebte. Es wird vermutet, dass diese Handschrift von Anfang an für die Zisterzienserinnenabtei Lichtenthal vorgesehen war. Von besonderem Reiz sind bei dieser Handschrift die sorgfältig ausgeführten Darstellungen von Heiligen, die stilistisch in die Mitte des 15. Jahrhunderts einzuordnen sind. Abgebildet sind neben Anna Selbdritt Johannes der Evangelist, Agnes, Benedikt und Scholastika, Johannes der Täufer, Maria Magdalena, Bernhard von Clairvaux und Jesus sowie der Erzengel Michael. Im Bestand der Lichtenthaler Klosterbibliothek sind noch weitere Handschriften aus dem benachbarten Männerkloster Herrenalb erhalten. Sechs von ihnen stammen von Johannes Zürn.

zur digitalen Ausgabe des Breviarium Cisterciense

Karlsruher Tulpenbücher
Handschrift auf Papier. Um 1730. 4 Bde.
Sprache: lateinisch. Signatur: Karlsruhe 3301 und 3302

Zu den bekanntesten Handschriften aus der Provenienz Karlsruhe zählen die unter dem passionierten Blumenfreund und Karlsruher Stadtgründer Markgraf Karl Wilhelm von Baden-Durlach (1679–1738) bei professionellen Blumenmalern in Auftrag gegebenen Karlsruher Tulpenbücher. In ursprünglich 20 Bänden zusammengefasst, ließ der Markgraf Tulpen und andere Pflanzen des Karlsruher Schlossgartens detailgetreu abbilden. Von diesen 20 Bänden sind heute lediglich noch vier erhalten: zwei im Generallandesarchiv Karlsruhe und zwei in der Badischen Landesbibliothek.

zur digitalen Ausgabe der Karlsruher Tulpenbücher

Gebetbuch der Katharina Röder von Rodeck
Handschrift auf Papier. 1540. 206 Bl.
Sprache: deutsch. Signatur: Karlsruhe 3356

Das Gebetbuch der Katharina Roeder von Rodeck ist eine der bedeutendsten Neuerwerbungen der Badischen Landesbibliothek in den letzten Jahren. Die badische Adlige aus dem Benediktinerinnenstift Frauenalb schrieb in dem kleinformatigen Buch, das sie im Jahr 1540 fertigstellte, eigenhändig und für den eigenen Gebrauch eine ganz persönliche Zusammenstellung von Gebeten und Andachtstexten nieder. Viele Seiten schmückte sie mit bunten Federzeichnungen und ergänzte den Band mit relativ ausführlichen Angaben zu ihrer eigenen Biographie.
Das Besondere an dem Band ist, dass Katharina ihn als sog. Beutelbuch binden ließ. Diese Buchform, bei der das Leder des Einbands an einer der Schmalseiten nicht eingeschlagen, sondern lang belassen wurde, war im späten Mittelalter weit verbreitet. Man sieht sie häufig auch auf Bildern jener Zeit: An dem überstehenden Leder ließen sich die Bücher leicht in der Hand tragen oder an den Gürtel hängen und konnten so überall hin mitgeführt werden. Praktikabel war dies jedoch nur für relativ kleinformatige Bücher, wie z.B. Gebetbücher. Tatsächlich finden sich unter den weltweit nur noch 26 mit ihrem originalen Einband erhaltenen Beutelbüchern allein 19 mit religiösen Inhalten – die meisten von ihnen Gebetbücher.

zur digitalen Ausgabe des Gebetbuch der Katharina Röder von Rodeck