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Fünfundzwanzig Jahre erst sind vergangen seit der bedingungs­losen Kapitulation Deutschlands am 8. Mai 1945. Eine neue Gene­ration wuchs heran, die sich nur noch undeutlich oder schon gar nicht mehr aus eigenem Erlebnis der Ruinenlandschaft erinnert, zu der auch Karlsruhe geworden war. Wir können froh und glücklich sein darüber; aber nur zum einen Teil.

Die meisten leben heute in der Gegenwart und nur noch für sie. Zwar denken sie an das Morgen, aber die Vergangenheit wollen viele damit bewältigen, daß sie das Gewesene einfach alsab­getan" betrachten. Doch derSchnee von gestern" stellt eben auch das Wasser für die Mühlen, aus denen das Mehl für unser tägliches Brot kommt.

Nun, es wurde, um beim bildhaften Vergleich zu bleiben, viel ge­backen in den vergangenen zweieinhalb Jahrzehnten. Jeder zweite Karlsruher lebt heute in einer nach dem Kriege neu- oder wieder aufgebauten Wohnung. Neue Stadtteile entstanden: Das Mühl­burger Feld wurde bebaut, danach das Rintheimer Feld und der Alte Flugplatz. Das Beiertheimer Feld erhält gegenwärtig sein großstädtisches Gepräge. Die Waldstadt wurde zum Musterbei­spiel für viele Städte, wie nun auch die Bergwaldsiedlung und Oberreut. Die Zahl der Industriebeschäftigten stieg seitdem um mehr als das Doppelte und der Industrieumsatz vergrößerte sich gar auf das Zwanzigfache, nämlich auf 3,31 Milliarden DM. Die vom Rathaus ausgehende Initiative und der Bürgerfleiß ergänzten sich in hervorragender, allen Erfolg bringender Weise. Alle, deren Namen in diesem Adreßbuch verzeichnet sind, dürfen stolz auf diese Entwicklung sein. Dankbar gedacht werden soll jedoch auch derer, die heute nicht mehr unter uns weilen, aber verewigt sind in ihren Werken.

Möge dieser glückhafte Weg der Stadt Karlsruhe auch im Jahre 1970 und weiterhin seine Fortsetzung finden in einer Welt des Friedens und des Fortschritts.

OBERBORGERMEISTER