Betaͤubung deß Leibes. 445 genommen/ und heiſt den Leib betaͤuben und zaͤhmen ſo viel/ als dem ſuͤndli⸗ chen Fleiſch ſamt ſeinen Loͤſten und Begierden widerſtehen/ einen Abbruch thun und daͤmpffen/ auch den natuͤrlichen Menſchlichen Leib alſo regieren/ und durch Maͤſſigkeit/ Arbeit/ wachen/ auch bißweilen durch faſten/ den Leib Wie bas ger im Zaum halten/ daf das Bleif denr Geif nicht mehr ſo hart widerſtrebe/ feba, und der Leib zuden Weicken der Gottſeligkeit nicht faul und traͤg werde/ und de: Menſch darůber ſolche Schand und Laſter begehe/ wie diellnglaubige Hey⸗ den/ die von G Ott und ſeinem Wort nichts wiſſen. Auff ſolche weiß/ ſagt Paulus/ bet aͤube ich meinen Leib und zůhme ihn/ und ſtellt ſich uns hiemit ſelb⸗ ſten zueinem Exempel der Nachfolge/ wann wir anderſt auch in dem Lauff und Kampff unſers Chriſtenthums ungehindert fortkommen ſollen und wollen. Lehr. F íi 8) Sihir haben wir nun wieder ein andere Tugend/ ſo auf uns ſelbſten geht/ | mit einander zu lernen/ nemlich die Betaͤubung und Zaͤhmung pr sali unſers Leibs/ daß und warum wir unſer fuͤndliches Fleiſch zwingen/ unſeren Leib betaͤuben/ und deſſen ſuͤndliches Beginnen im Zaum halten ſollen< Solches ſoll nun geſchehen um nachfolgender 5. Urſachen willen. 1. Sollen wir unſern Leib betaͤuben und zaͤhmen wegen deß Goͤ chen Befehls. Im Beſetz ſagt G Ott der HErꝛ/ du ſolt die í iten 2. Moſ 20. Zum Cain ſagt der HErꝛ: Laß der herꝛſche du uͤber ſie/. Moſ. 4. Syr. ſagt: Jolge nich ſondernbrich deinen Willen/ Cap. 18. Im N. T. pr 0 ſtus davon alſo/ und ſagt: So dein Hand oder dein Fuß dich aͤr⸗ gert/ ſo haue ihn ab/ und wirff hn von dir. Und ſo dein Aug dich aͤrgert/ ſo reiß es auß und wirff es von dit/ Matth. F. und 18. Diß verſtehet aber der HErꝛ athas- Chriſtus nicht von den Haͤnden/ Fuͤſſen und Augen deß natuͤrlichen Leibs/ dann der ſelbe iſt an ihm ſelber ein gut Geſchoͤpff GOttes/ das man nicht ver⸗ letzen noch verſtöm̃len ſoll/ ſonſten wurde man ſich verſuͤndigen wider das ç, Geboit/ welches ſagt: Du ſolt nicht toͤdten/ ſolt dich weder an deinem eigenen noch an deines Nechſten Leib und Leben vergreiffen/ 2 Moſ.20. Gondern er verſtehets von den Gliedern deß alten Menſchen/ das iſt/ von den boͤſen Lͤͤ⸗ ſten/ die in des Menſchen Leib und Gliedern ſich ereignen/ die ſoll man abhauen und außreiſſen/ durch Zaͤhmung und Ablegung ſolcher ſuͤndlichen Begierden: Deß HEr ꝛn Chriſti Meynung iſt nicht/ daß einer ihm ſelbſt fein Hand ſolte ab⸗ nehmen/ wie der Roͤmer Murius Scævola, welcher ſein rechte Hand ins Feuer gehalten und abgebrant/ weil er damit geirret/ und an ſtatt deß Koͤnigs bor⸗ ſennæ, deſfen Cantzler erſtochen/ ſondern unſere Haͤnd ſollen wir davon abhal⸗ ten/ daß ſie nicht zu weit greiffen/ und den Nechſten vervort heilen im Handel/ 1Theff. 4. Sein Meynung iſt nicht/ daß ihm einer ſeinen Fuß lelbſten ſolte Kkkz abhauen/