transkribiert von Dimtsch, Rona

Verehrter Freund

Von Tag zu Tag habe ich gehofft, persönlich in Heidelberg
zu erscheinen u. Ihnen, wie dem gesam̅ten Engern1
einmal meinen gerührten Dank auszusprechen für die
Weihnachtsendung aus den Kellern des Museums, sodan̅
Bericht zu erstatten, wie die Dinge an Donau und
Oberrhein, wohin kein Agendenstreit u. kein Rheingauwein
dringt, unter den Gesichtspunkten des Engern sich ausnehmen.
Ja ich hätte gern wieder einen lebendigen Mittwoch
abend als Erin̅erung würdigerer Cultusformen, den̅ derer
die ich im Honoratioren tabaksqualm meines donauesch.
Museums zu begehen gezwungen bin, mit zurück:
genom̅en. Aber ein Anfang Decembris verstauchter,
resp. luxirter Fuß macht mich zum hinkenden Boten
u. ich muß mich aufs Aeusserste schonen. Von ärztlichem
Verbot getroffen, bin ich in 10 Tagen hiesigen Besuchs itzt
im Ganzen 2 mal zum Hause hinausgekom̅en u. auf
die Rückfahrt, die ich übermorgen antreten muß, ist mir
ein wenig bang.
Ich bitte, mich dem Engern als rite
excusatum vorzu führen. Sobald ich in Donaueschingen
angelangt bin, werde ich mit einigen sachverständigen
Männern Probe des musealischen Weines abhalten u. dem
Engern specificirten Bericht über die Eindrücke erstatten, die
ein jeder der betreffenden, vom schlichten Tischwein bis zum
stolzen Kirschgarten und Hallgartener, individuell hervorrufen
wird. Ich werde damit die Aufpflanzung der wilden Jagd verbinden,
die Meder2 so freundlich war, mir zu übersenden.


  1. Engern: Der "Engere" war in den 1840er und -50er Jahren eine literarisch-kulturelle Gesellschaft, die sich mittwochs in Heidelberg traf. Mitglieder waren u.a. Professor Ludwig Häusser und J. V. von Scheffel ↩
  2. L. Meder, Kunst-, Papier und Musikalienhandlung in Heidelberg ↩