da wir gemeinsam in Neukölln wirkten. Brinnern sich noch des Dr.Kosmehl? Was wird wohl aus ihm geworden sein?- Damals waren noch erfreulichere Zeiten mit aufbauender Tendenz. Durch die Hitler- Aera wurden alle schönen Aufbaupläne restlos zerstört. Wir bemühen uns hier, so gut es geht, den geistigen Schutt wegzuräumen. Die Jugend zeigt sich aufgeschlossen und ist lebegierig. So hoffen wir trotz allem Elend in der Welt in absehbarer Zeit wieder eine brauchbare Musikergeneration in Deutschland heranzubilden. Zweifellos sind die politischen Verhältnisse in Deutschland verworren wie nie. Sie werden sich davon bei Ihrem Deutschland- Aufenthalt selbst überzeugt haben. Hoffentlich kommt bald etwas mehr Ordnung in die Dinge.
Der Tod von Paul Höffer hat mich tief erschlittert. Ich sah ihn zuletzt im Juni ds.Jahres in Berlin. Damals machte er einen frischen Eindruck, er war voller Pläne bzgl. seines Hochschulaufbaues. Ieider war es ihm nicht vergönnt das Amt des Direktors an der Hochschule länger zu verwalten, sodass seine durchgreifenden Reformpläne wohl kaum zur Auswirkung gekommen sind. Vorgestern erhielten wir von Annemie Höffer einen Brief. Die Ärmste hat es anscheinend sehr schwer. Sie wissen sicher, dass Paul Höffer eine neue Ehe einging? Im Frithjahr hatten wir während vier Monaten den kleinen Wolfgang Boettcher zur Erholung, bei uns. Der kleine Kerl hatte ein erstaunliches Untergewicht. Meiner Frau geleng es ihn tiichtig aufzupäppeln. Mit fast 20 Pfd.Gewichtszunahme strebte der Junge im September nach Berlin zuriick. Die armen Berliner Kinder einschliesslich der sie umsorgenden Eltern haben es sehr schwer. Frau Boettcher berichtete uns, dass sie mit Ihnen in Berlin kurz zusammentraf. Noch eine herzliche Bitte darf ich meinem Brief anschliessen. Aus Frankfurt/ Main sandte man mir einen Bericht, in dem Sie zur Frage von Dr.Hochs Konservatorium( Staatl.Hochschule flir Musik Ffm.) Stellung genommen haben. Wie Sie wissen, habe ich ab 1941 mit Hermann Reutter diese Anstalt verantwortlich geleitet. Nun bemüht man sich schon seit einiger Zeit mich nach Frankfurt zurückzurufen. Diese einstmals sehr fest fundamentierte Anstalt ist durch den Krieg und seine verheerenden Auswirkungen erheblich aus ihren Bahnen geraten. Z.Zt. scheint man nicht einmal die unbedingt notwendigen Etatmittel von Seiten des Staates und der Stadt zur Verf igung zu stellen. Man ist sich in Frankfurt garnicht bewußt, welchen Rang dieses Institut dermaleinst eingenommen hat. Deshalb war Ihr Bericht sicher sehr aufschlussraich und wird seine Wirkung hoffentlich nicht verfehlen. Die Anstalt schwimmt auch, de bisher. kein verantwortlicher Ieiter bestellt wurde. Ich interessiere mich für die Wiederaufnahme meiner dortigen Tätigkeit, da ich auf die Dauer doch nicht in der Kleinstadt bleiben möchte. Hier ist es zu ong, kein grosses Orchester, keine Chorvereinigung von Rang( ausser dem sehr fähigen Hochschulchpr) keine besonderen Anregungen auf musilischem Gebiet( Oper etc.), kein Sender usw. usw. Wirden Sie mir den grossen Gefallen tun und mich Herrn Ministerialdirektor Dr.Karl Holl vom Hessischen Kultusministerium in Wiesbaden empfehlen? Er hat, wie er mir im Juni bei einer persönlichen Aussprache in Ffm. sagte, grosses Interesse an mir. Herr Dr. Fried Lübbecke mit seiner Frau haben mich gleichfalls empfohlen. Es wäre sicher von entscheidender Bedeutung, wenn Sie mir diesen persönlichen Gefallen täten. Bitte, geben Sie mir eine kurze Nachricht, ob Sie meiner Bitte entsprechen wollen. Ihnen, lieber Herr Hindemith und Ihrer lieben Gattin wünschen wir von Herzen alles Gute. Ich grisse Sie in alter Anhänglichkeit und grosser Verehrung als
der auf ein gesundes Wiedersehen im Jahr 1950 hofft.