Der Edle aber, der Geld bedurfte, fiel in ſchlimme Hände, gleich ſchlimm, ob es Juden, Klöſter oder Städtebürger waren, bei denen er ſeine Anleihen machte. Zehn, fünfzehn, ja zwanzig Prozent mußte er leiden, trotz aller Sicherheit des Unterpfandes, bei jedem Gültverkauf, und konnte er den Termin des Rückkaufs nicht einhalten, ſo war die Gült oft ewig verloren. Ausſtattungen von Töchtern, Ausrüſtungen von Söhnen, Feldzüge und Turniere, feſtliche Gelegenheiten machten auch dem ſparſameren edeln Hausvater größeren Aufwand nothwendig. Mancher aber rechnete Verſchwendung zur Ehre des Adels.
Während aber ſelbſt die einfacheren Bedürfniſſe zunahmen oder ſich vertheuerten, jedenfalls alſo die Ausgaben ſtiegen, minderte ſich oder ver⸗ ſiegte manche Quelle, woraus der Adel bisher Einkünfte und Zuflüſſe geſchöpft hatte.
Das Schießpulver zehrte auf mancherlei Weiſe am Vermögen des Adels, indem es ihm Einnahmen abſchnitt und ſchwere Koſten verurſachte: Das Letztere, indem jetzt eine Burg feſtere Mauern, koſtſpielige Geſchütze und Büchſenmeiſter nöthig hatte, und zur Fehdezeit leicht ein Schloß durch die Karthaunen zuſammengeſchoſſen wurde, das früher für unbezwinglich galt; das Erſtere, indem dadurch die Art des Kriegsweſens verändert wurde, denn es verſchaffte dem Fußvolk, das ſchon vor der Erfindung des Pulvers als beſonders tüchtig im Kampfe ſich erwieſen hatte, jetzt den entſchiedenen Vorzug vor der Reiterei. Der Kriegsdienſt um Sold war eine Haupt⸗ verdienſtquelle des Adels geweſen. Das Fußvolk, aus Bauern geworben, der Landsknecht, diente weit wohlfeiler als der Ritter.
So floß dieſe Quelle nur noch ſchwach, und der Landfrieden, die Reichsgeſetze ſchwächten auch eine zweite, ſonſt ergiebige Quelle, den kleinen Krieg, d. h. das Fehdeweſen, und das ritterliche Gewerbe, ſich wegelagernd an reichen Städten zu erholen, das fauſtrechtliche Beutemachen. Die Fehden, eine vielhundertjährige Erwerbsquelle der ritterlichen Lehensmannen, nahmen ſeit langer Zeit ab, theils von ſelbſt, theils dadurch, daß die ſtrengen Land⸗ friedensgeſetze ſeit der Mitte des fünfzehnten Jahrhunderts oft ſehr nach⸗ drücklich vollzogen wurden, beſonders durch den ſchwäbiſchen Bund. So warf der große und kleine Krieg dem Adel nicht mehr das ab was früher; der Fürſtendienſt am Hofe koſtete meiſt mehr, als er eintrug; nur Zweierlei blieb zu ergreifen, um die Ausfälle redlich zu decken, die Landwirthſchaft und die Wiſſenſchaften, zu welchen beiden aber Wenige ſich wandten.
Wollten nämlich die Adeligen die Vogteien, die ſie bisher inne gehabt, ihre Sitze als Räthe an den Fürſtenhöfen und am Kaiſerhof fortbehalten, ſo mußten ſie ſtudiren. Denn die Fürſten fingen theilweiſe an, die Dok⸗ toren, die wiſſenſchaftlich Gebildeten bei der Wahl ihrer Räthe vorzuziehen