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Der Obristwachtmeister von Schilling war allein ganz anderer Meinung, und hielt es für besser, sich nicderhauen zu lassen, als sich schimpflich zu ergeben. Er mußte aber den einhelligen Stimmen der gesammten Offiziers und dem Inhalt der Ordre nachgeben, und da keine Kapitulation zu erhalten war, mußte er sich kriegsgefangen ergeben, ungeachtet er sich von 10 Uhr Abends bis Morgens 3 Uhr äußerst bemüht hatte, freien Abzug und Schonung des fürstl. Schlusses zu erhalten, daher endlich dem General Pinconelk ein Thor cingcraumt, und die Garnison kriegsge- fangen übergeben ward.
Hierauf wurden die Soldaten, nachdem sie ihre Gewehre selbst hatten zerschlagen müssen, wehrlos in Kirchen eingespcnt, hernach gefesselt, und die Kapitulation überhaupt so schlecht gehalten, daß auch die Offiziers all ihrer Pferde und Equipirung beraubt wurden.
Die meisten Einwohner von Durlach hatten nun ihre besten Sachen in das fürstl. Schloß gebracht, und zwar in der sichern Voraussetzung, dort damit Schutz und Sicherheit zu finden. Allein in dieses Schloß wurden kurz hernach der größte Theil Kinder und andere Leute von den Feinden eingespcrrt und hierauf jedermann gestattet, in der Stadt selbst nach Belieben zu rauben und zu plündern; mit besonderer Begierde und Raublust wurde aber das herrliche fürstl. Schloß angcfallen, wo ihnen die mit Allem Erdenklichen angefüllten Zimmer und Gewölber ein kannibalisches Vergnügen darbotcn, welches sie dann auch darin fanden, das, was ihnen nicht gelüstete, auf die schändlichste Weise zu zertrümmern, und so wurden in wenigen Augenblicken