— 409—regelmäßigen Übung geworden iſt, die Verleihung von Ordens—dekorationen an die beiderſeitigen Gefolge.Am Abend des 30. September trafen die Söhne des Königs,die Prinzen Wilhelm und Karl ein, denen zu Ehren am 2. Oktobereine große Parade und Galatafel im Schloſſe ſtattfand, nach derenAufhebung ſie abends 5 Uhr ihre Reiſe nach Verona fortſetzten.Ein intereſſanter Gaſt, der vom 15. bis 23. Oktober 1824 inKarlsruhe verweilte, war der Infant Dom Miguel von Portugal, dermit größerem Gefolge ankam und im Gaſthofe„zum goldenen Kreuz“abſtieg. Er beſuchte am Sonntag den 17. Oktober den Gottesdienſt inder katholiſchen Kirche, an deren Thüre ihn die Geiſtlichkeit empfing,ſpeiſte mehrmals bei Hofe, erſchien im Theater, jagte mit dem Mark⸗grafen Leopold, zeigte ſich bei häufigen Spazierritten in der Um—gegend als gewandter Reiter und machte durch ſeine Liebenswürdigkeitden vorteilhafteſten Eindruck. Er befand ſich damals, nachdem ſeinVerſuch, ſeinen Vater zu entthronen und die Konſtitution abzuſchaffen,geſcheitert war, aus Portugal verbannt, auf dem Wege nach Wien. Erreiſte unter dem durchſichtigen Inkognito eines Herzogs von Beja,welches indes nicht hinderte, daß ihm alle mit dieſem irgend verein—barlichen Ehrenbezeugungen erwieſen wurden. Als er nach dem Todeſeines Vaters, um während der Minderjährigkeit ſeiner Nichte, derKönigin Maria da Gloria, die Regentſchaft zu führen, von Wien nachPortugal zurückkehrte, nahm Dom Miguel vom 13. bis 16. Dezem⸗ber 1827 abermals Aufenthalt in Karlsruhe. Er wohnte wieder im Gaſt—hof„zum goldenen Kreuz“, wo bei ſeiner Ankunft eine Kompagnie derGrenadiergarde als Ehrenwache aufgeſtellt war. Bei Hofe fandenmehrere Galatafeln ſtatt und im Hoftheater wurde bei beleuchtetemHauſe dem Prinzen zu Ehren die Oper„Der Maurer und derSchloſſer“ von Auber aufgeführt. Mit beſonderem Intereſſe beſichtigteer verſchiedene militäriſche Gebäude, beſonders eingehend die Kaſernenzu Gottesaue, wohnte im Gießhaus dem Guß einer Glocke bei,beſuchte das Kadettenhaus und in Begleitung des Oberſten vonLaſollaye die Militärwerkſtätten und wohnte den Übungen einerreitenden Batterie an. Nachdem er den ſonntäglichen Gottesdienſtin der katholiſchen Kirche beſucht hatte, ſetzte er ſeine Reiſe fort, vonder Karlsruher Zeitung mit Lobeserhebungen und Prophezeiungeneiner glücklichen Zukunft begleitet, die ſich nicht erfüllen ſollten.