J3. Vov. 3855 ſchreibt Weinbrenner:Um unter dem Portal und Haupteingang der hieſigen neuen lutheriſchen Stadtkirche nächtlicher Weiſe keinen Unfug begehen zu können und damit die vordere Zaupt und übrige Emporbühnenthüren doppelt verſchloſſen werden können, war es erforderlich, den zurücktretenden Raum, ober welchem die Orgel ſteht, vornen mit einem eiſernen Gitterwerk zu verſehen. Man glaubte von Anfang, das eiſerne Grillage, welches ſich vormals an dem ochaltar in der Kirche zu St. Blaſien befand, dazu verwenden zu können; allein nachher fanden ſich zu viele Anſtände gegen dieſen Vorſchlag, und es wurde von Einem hohen Finanz⸗Miniſterium an geordnet, ein ganz neues Grillage zu dieſer Beſchließung zu fertigen. Es iſt für das, was hier bewieſen werden ſollte, nämlich daß das Chorgitter von St. Blaſien, trotzdem es nachweislich für die lutheriſche Kirche beſtimmt worden iſt, hier keine Verwendung gefunden hat, gleichgültig, was für Anſtände gegen die Benützung ausſchlaggebend waren. Vielleicht konnte ſich Weinbrenner aus ſtiliſtiſchen Gründen nicht dazu entſchließen, dem Willen des Söchſt ſeligen Großherzogs Karl Friedrich zu entſprechen. Das Chorgitter von St. Blaſien wäre bei aller Schönheit ganz zweifellos hier aus dem Rahmen herausgefallen, in den das neu gefertigte Sitter ſich bei aller Dürftigkeit organiſch einfügt. Die Kunſt des zünftigen Zand⸗ werkers iſt nun allerdings zu Grabe getragen worden, als Wein brenner und nach ihm alle Architekten die bis dahin ſchöpferiſche Arbeit des Schmieds durch eine fein ſäuberliche Jeichnung erſetzt haben. Die Muskelkraft des Schmieds konnte ſich weiter betätigen, ſein Geiſt aber mußte verkümmern. Anderen Zandwerkszweigen iſt es nicht beſſer ergangen. Das iſt der Fluch, der an Weinbrenners Inſtitut und an allen Bauſchulen klebt. Tragiſch iſt es, daß gerade der ſelbſt aus dem Handwerkerſtand hervorgegangene Weinbrenner, wenn auch in dem ehrlichen Streben, ſich und ſeinen Stand zu heben, dem Kunſthandwerker den tötlichen Stoß verſetzen mußte. Blind iſt, wer dies nicht ſieht und unehrlich, wer es nicht ſehen will. Für die Entwicklung der Architektur im 19. Jahrhundert iſt die hier er wähnte Tatſache von ausſchlaggebender und unheilvoller Wirkung geworden. Das an dieſem Sitter angebrachte Kreuz hat zu einem kleinen Nachſpiel die Veranlaſſung gegeben, das als Spiegel der Jeitauf 666