Serz. Ein zahmer Kanarienvogel, den ich unter meinen Xindernauferzogen hatte, war ſein beſonderes Vergnügen. Sein Saß gegendie Franzoſen äußerte ſich offen bey jeder Gelegenheit und ſchienihm angebohren zu ſeyn. Er zeigte Jedermann ſein kleines Tanön—gen(Meſſing⸗RKanone), Franzoſen todt zu ſchießen. Jeden Prügel, dener ſah, wollte er zum Todtſchlagen der Franzoſen brauchen. Als er imJahre 3796 am erſten und letztenmale zu Sattersheim war, wo diunbeweglichen Süter meines Vaters getheilt worden, zog er dieLooſe für meine drey Schweſtern und mich. Die Blattern bekaner zwar durch Anſteckung der andern Kinder, aber am letzten; waſehr voll, und am Tage, wo die lieben Carl und Sanny begrabeworden, war er ſo elend, daß er geſtorben wäre, wenn man ihndie von Dr. Diemer vorgeſchriebene Mixtur fortgegeben hätte. Ichwarf ſie— faſt mit dem Arzte— zum Fenſter hinaus, gab demKinde Wein, die Blattern füllten ſich wieder, und ſo kam der guteJunge davon. Die Rödeln bekam er ebenfalls mit ſeinen übrigenGeſchwiſtern im Jahre 38oj, nachdem er das vorhergehende Jahrmit ihnen das Scharlach Fieber gehabt.“ Mit den Füßen ginger ſehr lang einwärts, ohnerachtet er bey dem Tanzmeiſter, der zu—gleich ein Korporal war, ſehr gut und leicht tanzen lernte. Während meiner Abweſenheit auf dem Raſtadter Rongreſſe ſchickte ihnſeine Mutter in die Schule. Dort lernte er Unarten, und als er mitdem Fritz einsmals auf einem Spaziergange ſehr ſtark lief, ſich dadurch ſehr erhitzte, verfiel er in ein hitziges Gallen-Fieber und lagneben ſeiner Mutter, als ich mit dem Arzt des Grafen von Metternich hieher eilte, ſie zu beſuchen. Ich hab ihn hierauf nach Raſtadtzu mir genommen, um ihn vollends auskuriren zu laſſen. Weil ichaber immer auf der Kanzley war, ſo bekam er lange Weile. Während der letzten Epoche des Krieges zerſchlugen die Bruchſaler böſBuben den oberen Theil des Grabmals, welches ich meinem liebeKRarl und Nanny auf dem Kirchhofe ſetzen laſſen. Ich ließ die Steinin meinen Garten tragen und ſetzte ſie, ſo gut es möglich war, zuſammen. Er lernte ſchneller und beſſer als alle ſeine übrigen Geſchwiſter die Franzöſiſche Sprache und begriff auch das Violoncelle ſehſchnell. Er fing auch an, zu zeichnen. Sobald ich von der Regierung220 Bei den zahlreichen und regelmäßig wiederkehrenden Epidemien, denen die mediziniſcheWiſſenſchaft hilflos gegenübergeſtanden war, und wenn man noch den ſtarken Aderlaß der vielenKriege berückſichtigt— von den 15 Söhnen des Poſtmeiſters Philipp Oehl(Nr. 5 der Stammtafel)ſind 12 gefallen, ein Sohn Caſpar Joſeph Oehls(Nr. 50 der Stammtafel) iſt als badiſcher Lieute—nant an der Bereſina geblieben— muß man ſich wundern, daß das Menſchengeſchlecht nicht ausge—ſtorben iſt. Der gewaltige Uinderreichtum nur konnte den Untergang verhüten.— 306—