Die Grganiſation eines einzelnen Bauunternehmens an einem Beiſpiel einmal bis in die letzten Einzelheiten zu zergliedern, zeitigt bisher unbekannte Erkenntniſſe von allgemeiner Bedeutung. Dieſe Unterſuchung ſoll auf die Gefahr hin, daß ſie Dieſem und Jenem langweilig und überflüſſig erſcheint, hier bei der Stephanskirche, deren Akten ſich dazu beſonders eignen, durchgeführt werden. Eine Arbeitsvergebung im Submiſſionsverfahren hat zu— nächſt nicht ſtattgefunden. Für die Ausgrabung des Kirchenfunda— ments hat der Taglöhner Wingerter 293 fl 34% Kr., für die Aus— grabung der Sakriſteifundamente 6 fl 33½% Kr. und für die Kalk⸗ gruben 25 fl 42 Kr. empfangen. Die Maurerarbeit iſt zwanglos dem Baumeiſter Berckmüller““ in den Schoß gefallen, deſſen Ge— wiſſen„in ſeiner dreyfachen Eigenſchaft 3) als Kunſtverſtändiger, Jals mitglied des Kath. Kirchenvorſtandes und 3) als bey dem Bau ſelbſt Betheiligter“ bei aller Gewiſſenhaftigkeit auf eine harte Probe geſtellt worden iſt. Die Zimmerarbeit durfte Ludwig Wein brenner ausführen. Er war zwar nicht katholiſch, aber er war der Bruder des Ober Baudirektors. Für die Steinhauerarbeit hat marmorier Schwind verantwortlich gezeichnet. Dieſe Unternehmer hatten aber ihre Arbeit nicht etwa in Ak— kord übernommen. Sie haben lediglich ſich ſelbſt und die in ihrem Sold geſtandenen Arbeiter zur Verfügung geſtellt und ſich deren Taglöhne ausbezahlen laſſen und nur gelegentlich Einzelleiſtunge in Unterakkord weiter vergeben. Die Beſchaffung der Baumateria lien war ebenſowenig ihre Sorge, wie die Stellung des andwerks zeuges, und um die Bauplatzeinrichtung hatten ſie ſich auch nicht 31 kümmern.„Ordinairer Taglohn an Balier, Maurer, andlanger und Jungen“ ſind im erſten Bau-Jahre 3808 44638 fl 40% Kr., ar Zimmerleute 342 fl 33% Kr. und an Fuhrleute„für Sand und Erde zu führen“ 363 fl 599. Kr. und„eytraordinairer Taglohn in der Feyerſtunden als Stein aufzuſetzen und Kalch abzulöſchen“ 386 f 48 Kr. bezahlt worden. Im Jahre 38öo iſt verausgabt worden 2 Johann Andreas Joſeph Nr. 15 der weiter unten zur Veröffentlichung kommenden Stamm tafel Berckmüller. Die geſellſchaftliche Stellung Berckmüllers war eine ſehr gehobene. Seine Schweſter Eliſabeth war die Gemahlin des Bofrats Johann Baptiſt von Holzing. Sein Sohn Uarl Joſeph war mit der Tochter des Freiherrn von Sichthal und ſeine Tochter Maria Luiſe mit dem Uammerherrn und Stallmeiſter Freiherrn Adolph von Seldeneck vermählt. Das vornehme Gehaben Berckmüllers läßt ſich auch daran beobachten, daß ſeine Streuſandbüchſe mit Goldſtaub gefüllt war. Die von ſeiner Band herrührenden Schriftſtücke laſſen dies heute noch erkennen. Daß ſich des Bofvergolders Schaaf Wittwe dieſen Luxus auch geſtattete, iſt nicht verwunderlich. — 406—
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