Am 3. Sept. 3585)producirt Sr. Vice Director Ludwig einige von hieſigen Gürtlern eingereichte Überſchläge für Fertigung der Inſchrift auf das Portal oder den Architrav der Kirche. Es ſollen nämlich die 23 Buchſtabendem Vater aller Menſchen mit latei⸗ niſchen ſchuh langen und proportionirt breiten Lettern aus Bronze gefertigt und vergoldet werden; hiernach würde jeder Buchſtabe auf zo und mehr Gulden zu ſtehen kommen. Concluſum: Da dieſer Be⸗ trag viel zu hoch iſt, ſo wäre vorerſt der Verſuch zu machen, ob nicht ebenfalls dieſe Buchſtaben von Eiſen gefertigt und mit Gel⸗ gold vergoldet mithin einer in den andern um 2 fl 42 Kr. zu erhalten ſeyn möge, in welchem Falle allein deren Fertigung geſchehen kann. Gürtler Deling, dem das Zaus Kronenſtraße Vr. 8 gehört hat Adreßbuch vom Jahre 383)), hatte pro Buchſtaben ſammt An⸗ ſchlagen mit Meſſingſtiften 6 fl, Mechanikus Abreſch§ fl averlangt wozu aber noch das Vergolden mit 36 fl pro Buchſtaben gekommen wäre. Die Buchſtaben ſind dann von Zeinrich Brühlmann aus Eiſen hergeſtellt und vonSchaafs Wittib zu z fl pro Buchſtabe vergoldet worden. Die Inſchrift war alſo am Bau angebracht, aber die Serrlichkeit hat nicht lange gedauert. Am 3z. Auguſt 383 be⸗ richtet Weinbrenner:Seine Rönigliche Soheit der Großherzog haben mir höchſt gnädigſt zu befehlen geruht, Einem hohen Mini ſterium des Innern Xatholiſches Xirchen Departement bekannt zu machen, daß Söchſt Dieſelben die äußere Aufſchrift über der Vor halle des Zaupteingangs in die neue Katholiſche RircheDem Vater aller Menſchen für unſchicklich finden und deßhalb wieder her untergenommen haben wollen. Schon Tags darauf ergeht der Beſchluß:Der Gberbaudirektor Weinbrenner erhält den Auftrag, den Allerhöchſten Willen Sr. X.. des Großherzogs auf der Stelle in ſchuldigſten Vollzug zu ſezen. Man fragt ſich: Warum hat Großherzog Karl die Inſchriftdem Vater aller Menſchen als un ſchicklich empfundens Glaubte er, ſeine evangeliſchen Untertanen vor einem überrgiff der katholiſchen Kirche bewahren zu müſſens Und was hat die katholiſche Großherzogin Stephanie dazu geſagt? Staatsrat Gehl klagt gelegentlich darüber,daß ſozuſagen jeder Stein, jedes Fuder Kalch und jeder Solzklotz, welcher auf dem Bauplatz liegt, oder aufgerichtet iſt, Schritt vor Schritt erkauft werden mußte. Nach den erfolgten Darlegungen ſtimmt dieſe mit⸗ teilung aufs Wort. Der Stoßſeufzer war um ſo berechtigter, als, wie wir weiter ſehen werden, außer der Beſchaffung der Materia 457 5