Die Zustände in der Hausindustrie.

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der Firma Provision erhalten; die Auszahlung des Verdienstes erfolgt unmittelbar. Eine Firma der Militäreffektenbranche gibt Heimarbeit durch Vermittlung eines in Malsch ansässigen Geschäftsführers aus. Die Arbeitsvermittlung zwischen den Strohseilflechterinnen zu Rohrbach und der arbeitgebenden Firma zu Mannheim findet durch den Schwieger­vater des Geschäftsinhabers, einen in Rohrbach ansässigen Landwirt, statt. Einige Bürstenfabriken unterhalten in entfernteren Landorten Niederlagen für den Verkehr mit den Heimarbeitern. Die Lagerhalter sind Frauen, die eine feste Entschädigung erhalten und mit Lohnverrechnung und Auszahlung nichts zu tun haben. Den Verkehr zwischen den Safranleserinnen und der Arbeitgeberin, einer Mannheimer Handelsfirma, vermitteln einige Frauen, die selbst Safranleserinnen sind; sie bezahlen den von ihnen beschäftigten Personen einen um IZsch geringeren Lohn. Der in Bietigheim ansässige Zwischenmeister einer Lörracher Kleiderfabrik beschäftigt im Ort eine Anzahl Konfektionsschneider; aus dem Gewinn, den er durch Ansehung niedrigerer Stücklöhne zieht, hat er die Versandkosten zu bezahlen; die Konfektions­arbeiter würden sich bei direktem Verkehr wesentlich besser stellen. Eine Wäschekonfektionsfirma in Ludwigshafen (Pfalz ) hat eine Vertreterin in Malsch , welche die Arbeit ausgibt, den Versand und die Lohnzahlung besorgt; sie wird von der Firma honoriert.

Das Truckshste m ist auf dem Lande noch nicht ausgestorben. Wo Arbeitgeber oder Arbeitsvermittler ein offenes Ladengeschäft haben, wird der Verdienst oder ein Teil des Verdienstes in Waren bezogen, ohne daß es hierzu irgend eines äußerlich erkennbaren Zwanges oder auch nur einer Ermunterung bedarf. Wer seinen Lohn bar auf den Ladentisch bezahlt erhält, der scheut sich ihn einzustecken, während links und rechts Geld gebracht und Ware geholt wird. Unnötiges wird ja wohl kaum eingekauft; von Überforderungen ist nichts bekannt geworden; manchem mag es sehr bequem sein, mit einem einzigen Gange den Verdienst zu empfangen und seinen Bedarf zu decken. Daß aber in dieser so harmlos aussehenden Übung Schäden verborgen liegen, darüber kamt kein Zweifel bestehen. In Wyhl halten die Heimarbeiterinnen es für ungehörig, der Arbeitsvermittlerin, die einen Kramladen hält, das Geld nicht wieder zugute kommen zu lassen, und würden keine Ungerechtigkeit darin erblicken, wenn eine Behandlung des Rrbeitsverhältnisses nach der Höhe des Warenbezuges stattsände. In Kiech- linsbergen setzen die Heimarbeiter in den meisten Fällen das ausbezahlte Geld im Kramladen der Agentin sofort wieder in Waren um. In der Uhren­industrie habeil sich die Zahlungsanweisungen an Geldesstatt, die „Wechsele" manchenorts von alters her erhalten; welche Dimensionen dieser Unfug noch hat, läßt sich bei der Verschwiegenheit der Beteiligten schwer feststellen: ein Uhrmack>er erklärte, die Leute ließen sich lieber totschlagen, als daß sie etwas ausplauderten und den Verdienst verlören. Schneller empfangen voll Bernauer -Händlern häufig Waren an Zahlungsstatt; sie halten dies für durchaus gerechtfertigt und werden nach ihrer eigenen Aussage reell bedient. Nicht immer erhalten die Strohflechterinnen ihren schmalen Lohn in barem Gelbe; die Zahlung in Waren ist sehr verbreitet; in Schonach z. B. ist Barzahlung eine Ausnahme. Zwar können die Flechterinnen auch bares Geld kriegen, aber sie bitten nur im äußersten Notfall darum und mit vielen Entschuldigungen: bei Wiederholungen wird ihnen kein Geflecht mehr ab-