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Die Zustände in der Hausindustrie.
genommen. Ähnliches wurde aus Kathol. Tennenbronn bekannt. In Stetten «. k. M. betreibt der Fergger der Schweizer Unternehmer einen Kramladen, und die Vorhangsstickerinnen halten sich für verpflichtet, für den Lohnbetrag Bedarfsartikel mitzunehmen; bei größeren Einkäufen findet Kreditieren aus den künftigen Arbeitsverdienst statt; auch hier sind die Arbeiterinnen mit dem Zustand völlig zufrieden. Eine Heimarbeiterin der Zigarren- Industrie rechnet mit dem Arbeitgeber, der ein Ladengeschäft besitzt, allmonatlich ab und bezieht für den Lohnbetrag Waren. Dis Übung, den Hausgewerbetreibenden Tabake zu fingierten Preisen zu liefern, die den wahren Wert übersteigen, scheint früher häufiger gewesen zu sein.
Häufig findet die Auszahlung des Verdienstes bei Ablieferung der Arbeit statt; auswärtige Heimarbeiter erhalten den Betrag durch Posteinzahlung nach Einsendung der Arbeit oder der Rechnung. In achttägigen Fristen wird in zahlreichen Fällen gelohnt. In einigen Industrien findet die Auszahlung alle zwei Wochen oder zweimal monatlich statt. Auch monatliche oder vierwöchige Zahlungen haben einige Arbeitgeber eingerichtet. Zahltag ist vorwiegend der Samstag; einige Arbeitgeber zahlen Mittwochs oder Donnerstags aus; auch kommen Zahltage am Sonntag vor. Manchmal findet die Lohnzahlung sehr unregelmäßig und in langen Fristen statt. Die für kleine Meister beschäftigten Maßschneider empfangen ihren Verdienst oft erst, nachdem der Arbeitgeber von den Kunden Bezahlung erhalten hat.
Organisationen der Arbeiter.
Von allen Hausindustrien Badens ist die der Herrenkleider-Maßgeschäfte die einzige, die kräftige Organisationsbestrebungen zeigt und die mit den Arbeitgebern Lohntarise vereinbart hat. Schon wiederholt ist versucht worden, auch die in den Landgemeinden der Ämter Rastatt und Ettlingen ansäßigen Konfektions-Lieferungs- und Uniformschneider als Mitglieder des Verbandes zu gewinnen; nur wenige traten bei und auch vcn diesen meldeten die meisten ihren Austritt bald wieder an. Die Befürchtung, in einem Jnteressenkampf die Mbeit zu verlieren, das Hochgefühl selbständiger Meisterschaft und die Anschauung, daß ein Landwirt mit Haus und Hof es nicht nötig habe, sich mit Arbeitern zu organisieren, wirken hier zusammen. So kommt es, daß ein neuerdings für die Konfektions-Industrie in Südwestdeutschland abgeschlossener Tarifvertrag bis jetzt nicht überall eingehaltcn wird und noch aus sehr schwachen Füßen zu stehen scheint.
m. Schutz der Arbeiter vor Gefahren.
Gesundheitsschädliche Einflüsse.
Die Granatschleiferei in engen häuslichen Verhältnissen ist wegen des sich enttvickelnden bleihaltigen Staubes bedenklich; die mörderische Arbeit im Liegen ist aus dein hausindustriellen in den fabrikmäßigen Betrieb übcr- geführt worden. In der Uhrenindustrie sind die Schildmaler mit Bleikolik bedroht. Beim Verlesen von Baumwollabfällen, beim Lumpensortieren,