Anerkennung und ſtaunende Verwunderung niemals verſagen können. Das wieder gehobene Freiheits— gefühl erhöht die Spannung und Aufmerkſamkeit und aus der verdunkelten Tiefe des Vorſtellungslebens leuchten wieder überraſchende Lichtblitze auf; der Geiſt des Verkehrs und der Unterhaltung und der erfri— ſchende Reiz wieder erwachender Eindrücke von Reminiscenzen führen zur Wiederkehr neuer Herzenswärme und heiteren Muthes, die Affekte und Gemüthsbewegungen und das in der Arbeit ausgebildete Gefühl, ſeine Pflicht gethan zu haben, gewährt ihnen ein ruhiges Gewiſſen.“

Wenn ferner Dr. Snell bezüglich der Ackerbaukolonie Finum ſagt:„es verblaſſen bei vielen Kranken unter dem regelmäßigen Getriebe des Tages die Wahnideen und die ſchmerzhaften Gefühle ihrer Vergangenheit, es erwächst ihnen gleichſam eine neue Heimath, die ſie durch das Werk ihrer Hände verdienen, und ſie fühlen den Segen der Arbeit, der auch der ſtumpferen Empfindung nie ganz fehlt.“

Wenn endlich Dr. Voppel(Direktor der Anſtalt Colditz mit Zſchadras) ſein aufrichtiges Bekenntniß „über die von ihm in Zſchadras gemachten Erfahrungen dahin ablegen kann: Wir gedenken in erſter Reihe der vortheilhaften Veränderungen vieler Perſönlichkeiten, welche für eine friſche und anregende Thätigkeit ge— wonnen und in der Art weiter geführt worden ſind, daß die Leiſtungen der Kranken auch bei den umwohnen— den Landwirthen volle Anerkennung finden, und man ſich um deren Gewinnung für die eigenen Fluren eifrig zu bemühen anfängt; Pferde und Kühe und Schweinſtälle werden unter gehöriger Anleitung von Kranken be— dient, auf den 4 Tennen wird gedroſchen, alle ländlichen Arbeiten ſind mit tüchtigen Kräften beſetzt, ſo daß ſchon 140 und mehr Perſonen gleichzeitig im Felde arbeiten u. f. w., fo greift aes ficher und ohne nam- hafte Störung ineinander, und Alles gereicht dem gemeinſamen Tagwerk ſichtbar zur Befrie— digung.“

Die Vorlage ſieht nun mit Rückſicht auf die in's Auge gefaßte Erweiterungsfähigkeit der Anſtalt und den damit zu verbindenden landwirthſchaftlichen Betrieb die Erwerbung eines Geländes von etwa 190 Morgen vor, wovon etwa 40—50 Morgen für die GebäumliHfeiten und die Übrigen 130—135 Morgen für den fandwirth- ſchaftlichen Betrieb beſtimmt ſind.

Es ſoll bei dieſem Betrieb, wie Ihre Kommiſſion in Uebereinſtimmung mit Großh. Regierung annimmt, ſelbſtverſtändlich nicht in erſter Reihe auf eine Erſparniß von Arbeitskräften Rückſicht genommen werden, ſon— dern vielmehr die Hauptaufgabe darin beſtehen, daß den in der Anſtalt vorhandenen Arbeitskräften, wegen der mit der Arbeit für die Kranken verbundenen wohlthätigen Wirkungen, Arbeitsgelegenheit geboten, und dieſe Arbeit daneben allerdings möglichſt nutzbringend verwerthet werde.

Wenn nun auch die finanziellen Ergebniſſe der Kolonien Zſchadras und Rakwitz„als ſehr zufrieden— ſtellend bezeichnet werden“(Urtheil des Großh. ſächſiſchen Miniſteriums des Innern) und der Reinertrag in den Jahren 1876/81 jährlich durchſchnittlich in den genannten Anftalten M. 282 bezw. M. 248 anf den Heftar betrug(wobei aerdings die Koften für Meliorationen, Drainagen zc. den Erträgen Hinzugezählt find), wenn ebenſo auch die Anſtalt Harburg vom landwirthſchaftlichen Betrieb beifpielsweiſe für 1881 einen Reinertrag von. 11210,05 berechnet, ſo ſoll doch auf das finanzielle Ergebniß des beabſichtigten Betriebs kein entſchei— dendes Gewicht gelegt werden, wenn ſich dasſelbe immerhin auch noch deshalb empfiehlt, weil es jedenfalls, wie dies bei Zſchadras und Rakwitz der Fall iſt, den Bedarf an landwirthſchaftlichen Erzeugniſſen der zu er— richtenden Anſtalt mehr als decken wird.

Was nun die Oertlichkeit für die Anſtalt betrifft, ſo iſt Ihre Kommiſſion in ihrer großen Mehrheit mit Großh. Regierung, welche im Jahr 1882 durch eine aus ärztlichen und bautechniſchen Sachverſtändigen gebildeten Kommiſſion 12 verſchiedene Oertlichkeiten(bei Freiburg , Emmendingen , Offenburg , Kenzingen , Her— bolzheim, Lahr , Heidelberg , Bruchſal , Staufen , Oberkirch , Endingen und Hochburg bei Emmendingen ) unter— ſuchen ließ, hinſichtlich der auf die nächſte Umgebung von Emmendingen gefallenen Wahl gleichfalls einver— ſtanden.

Das Terrain, im Ganzen 6843,29 Ar gleic circa 195 Morgen umfaſſend, liegt in unmittelbarer Nähe — th Stunde Entfernung— von Emmendingen , und es bietet in der That dieje OertliHfeit cine Reihe von Vorzügen, unter welchen die Kommiffion hervorhebt:

a. Die günjtige geographiſche Lage— nach Süden und Weſten offen, nah Norden und Oſten durch die

Höohenzüge geſchützt, an einem Berg mit herrlichen Waldungen ſich anlehnendes Terrain,