— DA AE R S e 466 Berhandlungen der zweiten Kammer. Achte dffentlihe Sigung, am 27. April 4839,

man in der Ertheilung von landſtändiſchen Verfaſſungen cin Aufgeben von ſolchen gemeinſchaftlichen Eigenthums— rechten und Regierungsbefugniſſen ſehe, ſo muß man ein ſolches Aufgeben noch bei weitem mehr in dem Eintritt des Re- genten íin den deutfhen Bund erbliďen und annehmen, indem bei der darin ftehenden Unterwerfung unter die Befhlüffe der Mehrheit, und überhaupt bei dem ganzen efen eine Bündniffes von Staaten, wie der ceutfdhe Bund it, mehr Redt und Negierungsbefugnif aufgegeben wird, al durch eint Berfaffung, und demnach die Einwilligung der Agnaten zum Eintritt in den beutfchen Bund noth mehr nöthig ift, alg zu einer Berfaffung. Bedenke man eg wohl, der Tag, an dem in Franffurt ausgefprohen wird, dap ein Agnat und Regierunggnachfolger niht gebunden fei an die vom Nez gierungsvorfahrer ertheilte Verfaſſung, derſelbe iſt auch der Tag, wo ausgeſprochen wird, daß der Agnat und Regierungs⸗ nachfolger nicht gebunden ſei an den Eintritt ſeines Re⸗ gierungsvorfahren in den deutſchen Bund ſelbſt. Und hier, wo dieſe Frage bei dem präſumtiven Thronfolger von Groß— britannien vorkommt, iſt vielleicht der Gedanke nicht ſo fern, daß man ſich durch die Vernichtung der Rechte ſeines Volks den Weg bahnen wil, fih auh der Pflihten gegen den deutſchen Bund ſpäter zu entladen. Möge überhaupt der deutfche Bund die Lage der Sache niht verfennen. Nur zu oft war feit der Entftehung deg dDeutfhen Bundeg cin Lebeng: zeihen von ihm zugleih Die Todtenglocke für die deutſche Volksfreiheit. Die Zeit bietet nun dem deutſchen Bund in der hanndverſchen Frage eine Gelegenheit, wo er ſogar nach ſeinem eigenen, wahrlich nicht auf die Beſtaͤrkung der Freiheit gerichteten Grundgeſetzen gegen die unrechtmaͤßige Umſtürzung einer Verfaſſung einzuſchreiten hat, es bietet ſich ihm Gelegenheit dar, wo er zeigen kann, daß er wenigſtens bis auf einen gewiſſen Grad auch die Rechte der Völker gegen Unrecht und Willkühr in Schutz nimmt. Thut er dieß nicht, wuͤrde er den maßloſen Rechtsverletzungen jeder Art Rückſicht tragen, womit man in Hannover die Aufhe— bung der hanndverſchen Verfaſſung zu vertheidigen und zu erhalten ſucht, würde er ſich bei einer in ſich nichtigen Er— klaͤrung beruhigen, welche etwa eine durch ſo ungeheure, vom Abg. Duttlinger ſo kräftig geſchilderte, Rechtsver⸗ letzungen jeder Art zuſammen getriebene Kammer, für die Gewaltſchritte in Hannover abgeben wollte, ſo würde er uͤber ſeine eigenen Grundgeſetze hinaustreten, er würde an die

Stele deg Art. 43 der Bundesakte: in allen deutſchen Bun⸗ desſtaaten finden landſtändiſche Verfaſſungen ſtatt— den Satz ſetzen: alle landſtaͤndiſche Verfaſſungen in Deutſchland können und ſollen aufgehoben werden; und er, er würde dadurch das letzte ohnedies ſchon ſchwache Band des Vertrauens zu ibm in der Hoffnung auf Rechtsſchutz von ihm mit unvorſich⸗ tiger Hand zerreißen. Ich will dieſes nicht befürchten. Ich will hoffen, daß die deutſchen Fürſten die von ihnen ſelbſt ertheilten Grundgeſetze aufrechthalten, und damit Recht und Ordnung ſchützen und ſchirmen werden. Die deutſche Bun⸗ desakte, ſie ertheilt dem deutſchen Volke nicht nur Pflichten, ſondern auch Rechte, Rechte auf Verfaſſungen und ihre Aufrechthaltung, und ganz Deutſchland erwartet, daß der deutſche Bund auch im Schutze dieſer Rechte ſeine Pflicht thue und erfülle. Bravo!

Staatsminiſterv. Blittersdorff: Die ganze Diskuſſton kann keinen weitern Zweck mehr haben, Sie haben Alles ge⸗ ſagt, was Sie ſagen konnten. Sie hatten hierbei leichtes Spiel, weil ich keinen Widerſpruch einlegen, weil ich auf Ihre Fragen und Bemerkungen nicht antworten kann und nicht darf. Mir iſt es unbegreiflich, was Sie noch ſagen wollen. Meinerſeits habe ich nur noch wiederholen wollen, daf die Regierung feine Aufklaͤrung geben kann, will und darf, daß ſie Ihnen keine Eingriffe in die Bundesverhand⸗ handlungen geſtattet, und daß der Fürſt allein als Mitglied des Bundes in der Bundesverſammlung repräſentirt iſt. Uebrigens muß ich Ihnen noch bemerken, daß die Argumente, welche heute angeführt wurden, keineswegs entſcheidend ſind; auch auf andere Art können Unruhen erzeugt werden, und die wahre Staatsweisheit gebietet, auch hierauf Rüͤckſicht zu nehmen. Mich dünkt, daß Sie dieſe Verhandlung fuͤglich ſchließen, und uns auch noch einige Zeit für andere Geſchaäfte, die Ihrer harren, gönnen können.

Finanzminiſter v. Böckh: Meine Herren! Ich bin Ihrer Diskuſſion mit Ruhe gefolgt; ich habe viele Reden gehört fuͤr das auch mir achtbare hannöver'ſche Volk; ich habe viele Advokaten gehört, welche ſeine Sache mit allem Eifer und auf eine ſcharfſinnige Weiſe verfochten haben, aber keinen Advokaten, der für die andere Parthei das Wort genommen hat, was ich mir leicht erkläͤren kann. Ich kann und will dieſen Mangel nicht erſetzen.(Heiterkeit im Saale.) Unter dieſen Umſtänden, meine Herren, gehen Sie zu weit,