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erkennen die Mächte Europa's die Gerechtigkeit unserer Sache".

„Ja, theure Landsleute, erheben wir Hand und Herz zu dem der alles für unser theures Vaterland vermag:

„Wir wollen sein ein einig Volk von Brüdern, „In keiner Noth uns trennen und Gefahr". Stuttgart , 22. Juli. Die Abgeordnetenkam­mer nahm das Kriegskreditgesetz mit 85 gegen 1 Stimme an. Die Volkspartei begründet ihre Abstimmung durch die Gefahr des deutschen Vaterlandes/

Stuttgart , 23. Juli. Der französische Ge­sandte wird in der Nacht von Sonnabend auf Sonntag abrcisen. — Die erste Kammer gab zu dem Beschluß der Abgeordnetenkammer be­züglich der Creditbewilligung ihre Zustimmung. Die Kammer wurde vertagt.

Mönche», 22. Juli. Der Landtag hat sich vertagt.

Saarbrücken , 21. Juli. Gestern hat es fran­zösischer seits schon ein Menschenleben gekostet. Ein auf Vorposten-Patrouille begriffener Gefrei­ter der 6. Compagnie des Hohenzollern 'schen Füsilier-Negiments Nr. 40 erschoß heute Vor­mittag einen Mann der französischen Vorposten Ein weiterer Zusammenstoß der beiderseitigen Feldwachen, wobei 8 französische auf 2 preußi­sche Uhlanen gleichzeitig feuerten, blieb ohne Folge. Bei allen bisherigen Zusammentreffen ogeu die Franzosen sich jedesmal vor den dies- eitigen Mannschaften sofort zurück.

Wiesbaden , 21. Juli. Prinz Nikolaus von Nassau ist mit dem Range eines Generalmajors in das preußische Heer eingetreten.

Kassel , 21. Juli. Der Divisions-General v. Bose, bisher in Hannover , ist, wie die „Hess. Mrgztg." meldet, znm Höchstcommandirenden des XI. Armeecorps ernannt und bereits hier eingelxoffen.

— In Düsseldorf wurde am 20. d. M. einem Correspondenten der „Elberf. Ztg." ein aus Belgien gekommenes französ. Extrablatt gezeigt, das lautete:

„Schlacht bei Thionville . Großer Sieg der Franzosen : Chassepot hat Wunder gewirkt. Ehe die Preußen einen Schuß abfeuern konn­ten, lagen sie schon hingestreckt wie die Aehren durch die Sense des Schnitters. Die Preußen verloren 7000 Todte und 15,000 Verwun­dete." (!!!) (Nord. Allg. Ztg.)

Ein Militär. Berichterstatter des „Moniteur" schreibt aus St. Aoold, daß preußische Land­wehrmänner, worunter auch Offiziere, nichts Ei­ligeres zu thun wüßten, als ihre Waffen in den französ. Zollhäusern abzugeben, die auf diese We'se zu Arsenalen würden. (!!)

Köl», 23. Juli. Die Kölnische Zeitung ent­hält eine Nachricht aus Saarbrücken vom 22., nach welcher eine Begegnung der preußischen Vorposten mit den französischen an diesem Tage stattfand, wobei Schüsse gewechselt, ein franzö­sischer Chasseur getödtet und ein preußischer Fü­silier verwundet wurde.

Berlin , 20. Juli. Der Herzog kKarl von

Holstein-Glücksburg , Bruder des Königs von Dänemark , hat sich entschloffen, den Feldzug ge­gen Frankreich mitzumachen.

Berlin , 22. Juli. Der Reichstag ist bis zum 31. Dezbr. verlängert, der Kriegszustand ist ver­kündigt.

Bern , 23. Juli. Der Nationalrath geneh­migte den Vertrag betreffend die St. Gotthardt­bahn mit 88 gegen 16 Stimmen.

— Die Zeitung von Turin spricht von der Wahrscheinlichkeit Garibaldischer Bewegungen gegen Nom.

Paris , 21. Juli. Noch eine Sitzung und die Session 1869/70 ist geschloffen, nicht vertagt, so daß sie ohne Specialbesehl des Kaisers, der zum Heere geht, nicht wieder zusammentreten kann. Unter diesen Umständen sehr bezeichnend. Der Gesetzgebende Körper hatte auch die Kriegs­erklärung gar nicht so feurig ausgenommen und keine Abordnung geschickt, wie der Senat.

Keratry behauptet, Baden allein sei dem Ver­trage, keine Sprengkugeln anzuwenden, nicht bei­getreten, man solle es deßhalb benachrichtigen, daß im Anwendungsfalle seine Städte und Dörfer geplündert würden. Keine Plünderung! ruft Garnier-Pagvs; die Rache gehört der Ar­mee. (Baden hat bekanntlich auf Anfrage ge- autwortet, daß es an Sprengkugeln nie gedacht habe.) Der Antrag des Hrn. Jouvencel auf Errichtung von Freiwilligen-Compagnien für Unglücksfälle der Armee wird mit Geschrei ver­worfen.

Die feindlichen Frachtschiffe haben eine Frist von 30 Tagen, die französischen Häfen zu ver­lassen (auch so in Norddeutschland); die Unter- thanen der kriegführenden deutschen Staaten können unterSpecialaufstcht in Frankreich bleiben.

Der Kaiser soll erst Montag zum Heere gehn; ob in großem Auszug, wie 1859, ist ungewiß. Keine Zeitungs Berichterstatter werden bei der Armee zugelassen.

Der Mord in China bestätigt sich. Der französ. Consul und 13 andere Franzosen, wor­unter 8 barmherzige Schwestern und 2 Missio­näre, wurden am 22. Juni von der Bevölke­rung von Tien-Tsin niedergemacht. Der fran­ zösische Gesandte sagt in seiner Depesche über Kiachta, Proselytenmacherei sei schuld.

Börse flau. Die Flotte soll einen Erfolg gehabt haben, aber wo? Vimercati soll mit einem Allianzoertrag nach Florenz gegangen sein.

Der Empfang des Königs bei seiner Rück­kehr nach Berlin erschien einem anwohnenden Franzosen hirnwüthig.

Zu Bordeaux schloß ein Seidenhändler, so­bald die Kriegserklärung bekannt geworden, sei­nen Laden und ließ eine Aufschrift hinsetzen:

Der Krieg . . .

Oeffentliche Trauer....

Das Publikum sammelte sich alsbald darum, bis die Polizei die Aufschrift wegnahm.

Paris , 22. 'Juli. Eine Depesche des Herzogs von Gramont an die auswärtigen Vertreter vom 21. sagt, Frankreich habe die Gleichgewichts­frage in die Hand genommen, d. h. die Sache

aller Völker, welche, wie es, durch die unver- hältnißmäßige Vergrößerung eines Königshau­ses bedroht seien.

Paris , 22. Juli. Heute hat der Kaiser den Gesetzgebenden Körper in denTuilerien empfan­gen. Der Präsident Schneider hielt eine An­rede; die ganze Welt werfe die Verantwortung auf Preußen, welches, durch unerwartete Er­folge und Frankreichs Langmuth und Friedens­liebe ermuthigt, glaubte gegen uns sich verschwö­ren und unsere Ehre verletzen zu können. Der Kaiser dankt für die patriotische Beistimmung der Landesvertretung, welche den Krieg gerecht mache. Der Urheber des Kriegs sei nicht der welcher ihn erkläre, sondern der welcher ihn nothwendig mache. Er empfehle ihnen die Kai­serin an; den Prinzen nehme er mit, auf daß er in der Armee seinem Lande dienen lerne. Er habe Vertrauen auf Frankreich und Gott, der es beschütze.

— Die französische Armee, ohne das Reserve­korps der kaiserl. Garde zählt:

1. Corps, Straßburg , 4 Divisionen Infan­terie, 1 Cavalerie, Mac-Mahon.

2. Corps, Saint-Avold , 3 Divisionen Inf., 1 Caval., Froffard.

3. Corps, Metz , 4 Divisionen Inf., 1 Caval., Bazaine.

4. Corps, Thionville , 3 Divisionen Inf., 1 Caval., Ladmirault.

5. Corps, Bitsch, 4 Divisionen Inf., 1 Caval. de Failly.

Reservecorps, Chälons, 3 Divisionen Inf.

I Caval., Canrobert.

Generalstab, Nancy, Jnfant. der kaiserl. Garde, Bourbaki , Belfort , Caval. der Garde, Douay.__

Bermtschte -taqrtqien.

* Urloffen, 22. Juli. Wie man hört hat der am 15. ds. Monats als Bürgermei­ster gewählte Jakob Laible nachträglich um Enthebung von diesem Dienste gebeten.

* Kork , 25. Juli. Gestern Nachts gegen

II Uhr brach hier Feuer aus, dem zwei Häu­ser zum Opfer fielen. Brandstiftung vermuthet.

— Stuttgart , 20. Juli. (N.Tgbl.) Ge­stern fand auf dem hiesigen Stadtpolizeiamt eine Verhandlung dadurch ihre Erledigung, daß der Kläger (ein Magdeburger Kaufmann) dem Beklagten (einem Amerikaner) den Antrag stellte, er wolle seine Klage zurückziehen, wenn letzterer 100 Thlr. hinterlege, welche demjenigen Solda­ten zufallen sollen, der die erste französische Fahne erobere; bei Nichtausbrechen des Kriegs soll das Geld unter die hiesigen Armen ver­theilt werden. Der Beklagte, welcher die Summe sofort hinterlegte, wurde alsbald freigesprochen.

— CHaux de Fond s, 19. Juli. Im Casinokafe entstand ein Streit zwischen dem Mäkler Miöoille, der auf die Deutschen schimpfte, und einem jungen Oesterreicher, der ihm dies verwies. Da ersterer nichts destoweniger fort­fuhr, wurden beide handgemein und stürzten zu Boden, wobei Mieoille die Wirbelsäule brach und alsbald verschied.

sind. Die Mutter einer Verwandten, welche in Dessau lebte, war bedenklich erkrankt; die Toch­ter befand sich in großer Unruhe darüber in Berlin , so daß unser Gewährsmann sie nur mit großer Mühe zu einem Spaziergange mit ihm und ihrem Gatten zu bewegen vermochte.

„Znm Glück war eben ein ausführlicher Brief von der Hand der Mutter angelangt, welcher bedeutende Besserung, ja Genesung mel­dete; heiter und ganz beruhigt trat Sophie den Weg mit uns an. Allein im Garten ward sie stiller, in sich gekehrt, zuletzt auf das leiden­schaftlichste bewegt. Den grünen Schleier mit den Worten: „Ich darf nicht grün, ich muß Trauer tragen," vom Hut reißend, brach sie in laute Wehklagen aus. Wir mußten sie heim­führen. In derselben Stunde (so meldete nach nur wenig Tagen ein Brief) war die scheinbar Genesene gestorben."

(Fortsetzung folgt.)

Wie aus Stuttgart gemeldet wird, haben sich die sämmtlichen Polytechnikcr Württembergs , sowie 200 Tübinger Studenten der Regierung als Freiwillige zur Verfügung gestellt. Das

Polytechnikum in Stuttgart ist deßhalb geschlos­sen worben.

Aufruf.

Frisch auf, mein Volk! die Flammenzeichen rauchen!

Hell aus dem Nord n bricht der Freiheit Licht. Du sollst den Stahl in Feindes Herzen tauchen; Frisch auf mein Volk! — Die Flammenzeichen rauchen.

Die Saat ist reif; ihr Schnitter zaudert nicht! Das höchste Heil, das letzte, liegt im Schwerte !

Drück' dir den Speer ins treue Herz hinein,

Der Freiheit eine Gaffe! — Wasch' die Erde.

Dein deutsches Land, mit deinem Blute rein! Zerbrich die Pflugschaar, laß den Meisel fallen,

Die Leyer still, den Webstuhl ruhig stehn!

Verlasse deine Höfe, deinen Hallen! —

Vor dessen Antlitz deine Fahnen wallen,

Er will sein Volk in Waffenrüstung sehn.

Denn einen großen Altar sollst du bauen In feiner Freiheit ew'gem Morgenroth;

Mit deinem Schwert sollst d» die Steine hauen, Der Tempel gründe sich auf Heldentod. —

Was weint ihr, Mädchen, warum klagt ihr, Weiber, Für die der Herr die Schwerter nicht gestählt;

Wenn wir entzückt die jugendlichen Leiber t Hinwerfen in die Schaarcn eurer Räuber,

Daß euch des Kampfes kühne Wollust fehlt?

Ihr könnt sah froh zu Gottes Altar treten!

Für Wunden gab er zarte Sorgsamkeit,

Gab euch in euern herzlichen Gebeten Den schönen reinen Sieg der Frömmigkeit.

So betet, daß die alte Kraft erwache,

Daß wir dastehn, das alte Volk des Siegs!

Die Märtyrer der heil'gcn deutschen Sache,

O ruft sie an als Genien der Rache,

Als gute Engel des gerechten Kriegs!

O Hermann, deutscher Freiheit erilcr Meister,

Der du vernichtet einst der Römer Zug,

Und all' ihr deutjchen freien Heldengeister,

Mit uns, mit uns, und uns'rer Fahnen Flug!

Der Himmel hilft, die Hölle muß uns weichen!

Drauf, wackres Volk! Drauf! ruft dieFreiheit, drauf! Hoch schlägt dein Her;, hoch wachsen deine Eichen. Was kümmern dich die Hügel all der Leichen?

Hoch pflanze da die Freibeitsfahne aut! —

Doch stehst du dann, mein Volk^ bekränzt vom Glücke, In deiner Vorzeit heil'gem Lulberglan;:

Vergiß die treuen Tobten nicht, und schmücke Auch unsre Urne mit dem Eichenkranz!

Theodor Körner , s