Seite

513

Comxlott zu Grunde liegt, aus eigener Ueberzeugung bestäti­gen, indem wir den Studenten Becker (Sohn eines deutschen Gymnasialdirertors in Odessa) seit seiner Ankunft hier zufällig kennen und in ihm zwar einen unstäten und der Exaltation wohl fähigen, aber politisch durchaus unbedeutenden jungen Menschen gefunden haben. — Die D. A. Z. fügt diese» Mit- p «Heilungen Folgendes hinzu: „Der unselige Mann ist rer Sohn des Staatsraths Becker in Odessa, welcher vor 30 Jahren von Chemnitz , seinem Geburtsort, aus dem auch seine Frau, eine Schwester des Abg. Dörstling, stammt, nach Rußland ging, und in Odessa zunächst als Lehrer, dann als Direetor des dortigen Lyzeums angestellt ward. Oskar Becker ist in Odessa geboren, etwa 21—22 Jahre alt, hat einige Zeit die Krcuz- schule in Dresden besucht und studirte seit einigen Jahren hier mit gutem Erfolge, von dem er durch eine mit dem Preise gekrönte Abhandlung über den Constitutionalismus Zeugniß ablegte. Er wohnte hier in der Magazingaffe bei dem Brief­träger Knöfel und wird als langaufgeschlossener, unansehnlicher Mensch von mehr unmittheiliamen, etwas heftigem und un­stetem Wesen und als politisch überspannt, ohne viel nähern Umgang geschildert. Am vorigen Donnerstag soll er sich in Begleitung noch zweier junger Leute im hiesigen Schützxnhaus im Schießen mit einem Doppelterzerol, das er bei Meißner gekauft, geübt haben. Am Freitag soll er über Hof abgereist fein und sich in Frankfurt a: M. ein Bildniß des Königs von Preußen gekauft haben. Gestern Rachmitlag stnd die Papiere Becker's auf Telegramm von Baden aus polizeilich mit Be­schlag belegt worden.

Preußen. Berlin , 15. Juli. Der in Baden be­gangene Frevel hat hier unter der gesammten Bevölkerung eine ungeheure Aufregung hervorgerufen, die heute, nachdem alle Zweifel über das Befinden des Königs durch weiter einge- gangene Nachrichten beseitigt sind, der allgemeinen Freude über die Rettung des Königs aus so schwerer Gefahr Platz gemacht hat. Diesen Gefühlen geben die Blätter aller Stand­punkte , jedes in seiner Weise, Ausdruck. Die „Allg. Preuß. Ztg." spricht dabei den tröstlichen Gedanken aus, „daß der junge Verbrecher kein Preuße ist und trotz seines Namens und seiner Herkunft auch keinem andern deutschen Staate mehr anzugehören scheint". Sie äußert sodann ihr „auf­richtiges Mitgefühl an vcm Schmerz, den ein so frecher und schwerer Friedensbruch dem badischen Bruderlande bereitet hat, einem Lande, das uns durch die enge Familienvcrbindung der Herrscherhäuser besonders nahe getreten ist." Auch die „Neue Preuß Ztg." dankt Gott , „daß der Bösewicht kein Preuße war" Die „Rationalzeitung" sagt zum Beweise, daß die preußische Demokratie eben so loyal als national gesinnt ist: „Man fragt umsonst, was einen Ausländer, der kaum je seinen Fuß nach Preußen gesetzt zu haben scheint und auch in andern deutschen Städten nur vorübergehend als Fremder verweilt hat, zu einem meuchelmörderischen Angriff auf einen Fürsten treiben konnte, der in der ganzen Welt einer so hohen Achtung ge»ießt„ wie Se. Majestät der König. Das ge­lammte deutsche Volk wird die Empfindungen des preußischen und seine Freude theilen, daß das Verbrechen nur ein Versuch geblieben ist. Noch lange möge Se. Majestät seine glücklich begonnene Regierung fortführen! Wenn wir in kurzer Frist mit Sicherheit auf eine vollständige Genesung rechnen dürfen, so wird eben so gewiß keine Narbe dieser widerwärtigen Erfahrung in dem Herzen Zurückbleiben, das bisher unter keinem Erlebniß etwas eingebüßt hat von seiner Gerechtigkeit, Weisheit und Güte." Achnlich äußert sich die „Volkszeitung".

Düsseldorf , 14. Juli. Der Sieger des allgemeinen Schützenfestes, Konstantin de Le uw jSohn des jüngst ver­storbenen berühmten Augenarztes), Mitglied des Düsseldorfer Schützenvereins Wilhelm Teil , ist reich beladen mit Sieges­zeichen aus Gotha zurückgekehrt. Er hat ausschließlich aus freier Hand, ohne irgend eine künstliche Vorrichtung, geschossen, hat von 302 Schüssen 151 Mal das Centrum getroffen, und wurde von ^Sr. Hoh. dem Herzog Ernst als der beste deutsche Schütz verkündigt. Außer 120 verschiedenen Geldpreisen erhielt Hr. de Leuw folgende 9 Ehrengaben: 1) einen silbernen Hum­pen, gefüllt mrt 50 neuen Doppelthalern aus Frankfurt a. M.;

2) Büchse von der Schützencompagnie in Zella ldamascirt);

3) Büchsflinte von Pistor in Schmalkalden ; 4) einetrfitber. vergoldeten Pocal von der Darmstadter Schützengesellfchast;

5) einen Krystallpocal mit silbernem Deckel, worauf die Sta­tuette des Hubertus, von der Schiitzfncompagnie in Nordhau­ sen ; 6) einen silbernen Pocal vom Turnverein zu. Gotha ;

7) zwei große gemalte PoreeÜMvasen von der Stadt Zwickau ;

8) einen Pocal vom Fürsten von Thurn und Taxis; 9) einen Jagdtrinkbecher-von der Kasseler Turirgemeindc.

Oesterreich. W i e n , 10. Juli. (A. Z.) Heber die Gesundheitsumstände des Papstes sind so maunichfaltige Ge­rüchte verbreitet, daß es an der Zeit sein dürfte, dieselben auf das rechte Waaß zurückzuführen. Pie hier gegebenen thatsächlichen Notizen sind durchaus zuverlässig. .Se. Heilig­keit leidet an der Wassersucht; zwar ist die Krankheit.»och nicht bis zu einem unbedingt gefahrdrohenden Stadium vor­gerückt, und die einzelnen Kraäkheitserscheinuogen wären bis jetzt noch nicht beunruhigender Natur; in den letzten Monaten aber gesellten sich dazu Anfälle von Schwindel, von Blut­kongestionen, und diese allerdings sind, da sie sich immer häufiger wiederholen, bei dem Alter des Papstes und in Ver­bindung mit der erwähnten Krankheit, dte ihm die früher gewohnte heilsame körperliche Bewegung beschwerlich und zu Zeiten geradezu unmöglich uracht, sehr ernste und bedenkliche Erscheinungen. Unter diesen Umständen beschäftigt man sich im Schooße des heil. Kollegiums allerdings angelegentlich mit der Möglichkeit einer Erledigung des päpstlichen Stuhls, und es braucht wohl nicht erst gezeigt zu Werdens von welch großer Tragweite diese Möglichkeit unter den gegenwärtigen Verhältnissen ist. Nicht bloß Italien , unser Weliiheil wird davon nahe berührt. Aller Wahrscheinlichkeit nach würden bei der nächsten Papstwahl die ehxn^jigenParteigruppirüngen im Konklave wieder aüflebcn: man-würde nainentlick zwei Parteien, die man der Kürze halber eine französische und eine österreichische nennen will, im lebhaften Kampfe miietnander erblicken. Unser gewissen Umständen könnte sich sogar das Konklave von Venedig , aus welchem am 14. März 1800 Pius VII. hervorging, wiederholen.

— Aus Wien wird von dortigcn Blättern die schreck­liche That eines Jähzornigen berichtet: In der Silberwaaren- fabrik veS Hrn. Eduard Schiffner im Schottenfeld bestand zwischen dem Maschinisten Friedrich Steiner und den, Sil- Verarbeiter M. seit längerer Zeit ein tiefer Groll. Am 28. Juni d. I. geriethen Beide abermals in Streit. Der Ma­schinist Steiner nahm sich heraus, dem M. vorzuwerfen, daß dieser schon einmal wegen Diebstahls abgestraft worden sei. Kaum waren die Worte über den Lippen, so war es auch schon um ihn geschehen. Von höchster Wuth ersaßt, stieß ihn M. in das Schwungrad der Maschine, vor welchem Beide standen. Die Maschine war in vollster Thätigkeit, das Rad ergriff den Unglücklichen und zermalmte ihn im buchstäblichsten Sinne des Worts Als die Fabrikarbeiter herbeistürzten, und das Rad außer Thätigkeit gesetzt worden war, da wartete Aller ein An­blick des Entsetzens und Grauens: der Leib des Friedrich Steiner war in zwei Theile zerschnitten, die Knochen des Schädels lagen zerstreut im Maschinenhause, die Kopfhaut hing in Fetzen herab, das Gehirn war zerquetscht, Brustblatt und Schultern zerbrochen und gespalten. Die Verhaftung des zorn- müthigen Arbeiters erfolgte sogleich; er ließ Alles ohne Wider­stand über sich ergeben, ohne ein Wort zu sprechen.

Frankreich . Paris , 16 Juli. (Karlsr. Z.) Der Kaiser und die Kaiserin haben auf die erste Nachricht des in Baden versuchten Attentats dem König von Preußen ihre Glückwünsche durch den Telegraphen zukommen lassen. Ein Adjutant wird sich mit einem eigenhändigen Schreiben des Kaisers nach Berlin begeben. — Während kaum erst der Telegraph aus Baden die Nachricht von dem Attentat auf den König von Preußen brachte, meldet die amtliche „Tu- riner Ztg.", daß ln Rom ein Mordanfall auf Franz li. gemacht wurde, und erfährt man aus Rom von einer Verschwörung gegen das Leben des Papstes, während gleichzeitig die Banden Nicotera's in die dem Papste verbliebenen Provinzen ein­fallen sollten.

Paris , 12. Juli. (Karlsr. Ztg.) Wie man hört, werden Frankreich und England Flottenabtheilungen nach. Amerika schicken, deren nächster Zweck der Schutz der daselbst verweilenden Franzosen und Engländer während der Dauer des Kriegs sein soll.