522
neuen Bildungen, welche der Geist der fortschreitenden Zeit- Entwicklung zum Treiben gebracht hatte, in der unserm Lande angemesienen Weise zu verwirklichen. Auf diese Art wurdm die größten und folgenreichsten Reformen im Bereiche des inuern Staatslebens durchgeführt: es wurden Grund und Boden von alten drückenden Lasten befreit; es wurde den Gemeinden die Selbstverwaltung ihrer bürgerlichen Angelegenheiten gegeben, und so der Grund zu einem wahrhaft freien Bürgerthum gelegt, wie es bis auf den heutigen Tag in dem großen Nachbarstaate nicht existirt und selbst in der
S eit parlamentarischer Freiheit nicht existirt, hat; es wurde e peinliche und bürgerliche Gesetzgebung vielfach verbessert, der Staatshaushalt mit musterhafter Gewissenhaftigkeit geordnet und der Credit unseres Landes in einer Weise gehoben, seine Hülfsquellen der Art gesteigert und entwickelt, daß unser kleiner Staat selbst die größten Unternehmungen ausführen konnte. Zwei der denkwürdigsten Unternehmungen der Regierung des verewigten Fürsten berühren die Interessen unserer Stadt auf's Nächste. Die Eisenbahn, durch welche wir mit nah und fern in den nächsten Verkehr gebracht sind, ein Vortheil, dem wir das Entstehen unserer Fabriken und den zahlreichen Besuch der Stadt und ihrer schönen Umgebung durch Fremde zum sichtbaren Gedeihen nicht nur der Stadt, sondern auch des ganzen Amtsbezirks verdanken, — dann die Heil- und Pflegeanstalt Jllenau, im In- und Auslande berühmt durch ihre Erfolge und ihre musterhafte Einrichtung und Verwaltung, eine Zierde der Gegend, ja des Landes. Gleiche Sorgfalt, wie den materiellen, ward der Pflege der böhem geistigen Jntereffen gewidmet. Kirche und Schule, Kunst und Wissenschaft erfreuten sich fruchtbarer Förderung und gewannen unserm Lande auch hierin Ehre und Anerkennung im Auslände. Wie glücklich im Innern, wie geachtet nach Außen hätte unser Vaterland sein können, wenn es in dem ruhigen Verlaufe gesetzlicher Entwicklung geblieben wäre! Im Rathe der Vorsehung aber war es anders beschlossen; der gewaltige Sturm im Westen, der die, wie es schien, sestbegründetsten Ordnungen der mächtigsten deutschen Staaten umstürzte, riß auch unser Land mit in den Strom des Umsturzes, und, verkennend das Glück und den Werth des Bestehenden, gab sich ein Theil ves Volkes den bösen Einflüsterungen heimathloser Menschen und des gesetzlosen Treibens hin und warf das Gute weg, was es hatte, um es zu vertauschen mit Dem, was nur im Verbrechen und in der Unvernunft wurzelte, und statt zum Segen, zum Fluche des Landes wurde. Die Gnade Gottes hat dem Lande schwerere Prüfungen erspart; seine durch die Revolution bedrohte Existenz ward durch den Sturz der Anarchie neu befestigt. Mit dem rechtmäßigen Fürsten kehrte Ordnung und Freiheit, Schutz des Eigenthums und der Person zurück; aber schwere Wundem waren dem Lande geschlagen worden, sie brauchen Zeit, um zu vernarben. Den Werth einer milden Fürstenherrschast einsehend. schloß das Volk mit neuer Liebe, in gereinigter Erkenntniß sich an Ihn an, Deffen Liebe zu seinen Unter- thanen, selbst als sie verkannt war, dieselbe geblieben. Als der Himmel Ihn zu sich rief, umgab Sein Grab der tiesste, ungeheucheltste Schmerz des Volkes aller Stände. Diesem unserm verewigten Fürsten und Herrn ein Ehrenmal soll sich erheben, womit des Künstlers Wahl unsere Stadt zu schmücken heschlosien hat. Und so möge die Hülle fallen, die es dem Auge verbirgt, damit die edlen, wohlwollenden Züge des Verklärten fortan noch im Tode zu uns reden, wie sie es im Leben gethan, von Liebe und Treue einer reinen Fürsten- feele, die nur zu lieben, nicht zu Haffen verstand!
Darauf gab der Redner das Zeichm zur Enthüllung, eine stille Bewunderung folgte und wurde nur durch die Fortsetzung des Festredners unterbrochen, welcher anhub:
„Sie stcht nun vor uns, die hehre, edle Gestalt, in aller Wahrheit der äußern Erscheinung und des innern Wesens! Stehe sie da, ein ewiges Denkmal reinen Wollens und Strebens, und was der Einzelne, der patriotische Künstler, gestiftet, was die Stadt, was wir Alle mit Jubel empfangen, das sei gestellt unter den Schutz der allgemeinen Verehrung. Es sei ein Mittelpunkt, um den sich das Volk stets schaart in Liebe und Treue, in guten und in bösen Tagen. Es sei ein Mahnzeichen, an dem wir uns stärken und befestigen in der Liebe ru P ecbt. Gesetz und Ordnung,
der Grundbedingung aller öffentlichen Wohlfahrt, in der Liebe zu dem erhabenen Fürstenhause, dem Stolze der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, ganz besonders aber in der Liebe zu unserm allverehrten Regenten, dem edlen Sohne des edlen Vaters! Ihm mögen unsere Herzen schlagen, wie sie nur je dem vielbeweinten Tobten geschlagen haben; Ihm mögen unsere besten Gefühle gelten, die Verehrung, die Liebe, die Treue, fortan, unwandelbar und immerdar! Seine Königlich« Hoheit der Regent lebe hoch!!!"
(Anmerk. Wie man uns berichtet, wird nächsten Sonntag den 12. d. M., Vor- und Nachmittags, eine Nachfeier des Festes mit Musik, Gesang und Volksbelustigungen statt- finden. D. R. )
Preußen. Danzig , 2. Aug. (Osts.Z.) Soeben geht hier die Nachricht ein, daß in Folge des Durchbruchs des Lübschaer Sees, der sämmtliches von der Höhe kommendes Waffer aufnimmt, der Hauptwall zwischen Gütland und Kriefkohl gestern um 10 Uhr Vormittags durchbrochen ist und sämmtliche Ländereien von ungefähr 10 Dorfschasten gänzlich unter Waffer gesetzt sind.
In Mecklenburg fehlt es an Händen, den reichen Aerntesegen einzusammeln. Die Bauern und Gutsbesitzer klagen, daß sie fast gar keine Taglöhner bekommen können, weil viele junge Leute aus der untersten Klaffe theils nach Amerika ausgewandert sind, theils sich unter die englisch « Fremdenlegion haben anwerben laffen.
Sachse«. Leipzig , 31. Juli. (N.-Z.) Vor einigen Tagen ist den 2-1 wegen Befreiung politischer Gefangenen in Untersuchung befindlichen Männern und Frauen das Straf- maaß publieirt worden, das von 1 Monat bis I Jahr lautet. Die längere Hast soll die Frauen treffen, die am meisten gra- virt waren. Die weitverzweigte Untersuchung hat über zwei Jahre gedauert.
Oesterreich. Wien , 30. Juli. Wie das „DreSd . Journ." wiffen will, wäre eine allgemeine Stände-Jnstitution für die Gesammtmonarchie im Werke. Was die Beschaffenheit dieses Verfaffungswerks betrifft, so dürfte dasselbe, mit Ausschließung der eigentlichen polittschen Elemente, vorzugsweise den materiellen Eesammtintereffen der Monarchie gewidmet sein, sowie dieselben in den Kronländem durch die Provincialvertretungen ihr Organ finden. So weit verlautet, werden die Mitglieder der allgemeinen, in Wien abzuhaltenden Stände- oder Reichsversammlungen, welche der Kaiser zusammenberust, aus den Mitgliedern der Provincialaus- schüffe bestehen, von diesen gewählt und durch den Monarchen bestätigt werden. — Es unterliegt jetzt keinem Zweifel mehr, daß die vorläufige Aufhebung der Grenzsperre zwischen Gra- niea, Michalowitze und Krakau sich ehestens auf die ganze russisch -österreichische Grenze erstrecken wird.
— Es werden aus Paris nähere Details über die von Seite Rußlands an Oesterreich gemachten Vorschläge berichtet, deren das „Journal des Debats " und die „Jndependanee" erwähnen. Rußland erklärte dem Wiener Hofe, „daß es sich um den Preis des Abschluffes eines Bündniffes mit Oesterreich zur Aufrechthaltung. der österreichischen Propositionen für alle Zukunft verpflichte." Oesterreich wies diese Änttäge zurück, indem es erklärte, es könne, getteu den Stipulationen des Vertrages mit der Pforte, sich in keine Separatunterhandlungen einlaffen.
— In der Nähe des Städtchens Jiejn in Böhmen lebt eine Juden-Wittwe, die mit 24 Kindern, sämmtlich Mädchen, gesegnet ist. Die älteste Tochter ist 24 und die jüngste 2 Jahre alt. Ein allerhöchstes Gnadengeschenk Sr. Maj. des Kaisers setzte die geldarme, aber kinderreiche Frau in den Stand, die zwei ältesten Mädchen zu verheirathen.
Schweiz . Ueber das Erdbeben in Wallis schreibt das Journ. de Geneve noch Folgendes: Der Donnerstag (26.) war für die Bewohner von St. Niklaus und Biege (Fischbachj viel schreckhafter, als der Mittwoch; die Erschütterungen warm ttvar nicht stärker, vielmehr weniger stark als vorhergehenden Tags, aber ihre Wirkung war dennoch eine weit heftigere. Die durch die Stöße des 25. Juli schon zerriffenen oder halb