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D r alt Gsseburger.

Belletristische und humoristische Chronik der Kreishauptstadt Gffenburg.

Nr. 186.

Ausgabe vom 7. Dezember 1902.

Preis 10 Pf.

Advent.

Durch die fchlummerflillen Wäldrv, Weise auf verschneitem Pfad,

Hold verklärt von Märchenfaubrr, Wirkliches Veheimniß naht.

Minder lauschen an den Scheiben In die dunkle Macht hinaus,

Wo von lichten Vngelfchwingen Mog rin Schimmer um das Haus.

Und pe fchau'n sich froh erschrocken Mit verträumten Mngen an — Uberm Hof, am Vergessaume,

Veht das Vhristkind durch den Tann.

Silbernüßlein seh'n sie glitzern Drüben an der Tanne Mst Und ein Mrönlein seh'n sie blinken Wie aus eitel Strrnenglast.

Zitternd falten pe die Händchen,

Want das froinme Herrchen schlägt— Vlückltch, wer in solchen Stunden Moch den Himmel in sich trägt.

' Minna Ranger.

Die Offenburger Leibspeise in den Sprichwörtern des deutschen Vottsmundes.

Die Offenburger sollen sie kennen lernen, die Sentenzen, die sich mit unserem Nationalgemüse, der Bohne, befassen. Von den etwa 70 Sprichwörtern, deren Mehrzahl unserer Einwohner­schaft unbekannt sein dürfte, sollen nur die geläufigsten erwähnt werden.

, . Er ist keine (rothe) Bohne werth.

Der im Jahre 1516 verstorbene Humanist Bebel (Hen­ riems Bebelius ) rechnet die schwäbischen Nonnen unter die Dinge, die keine Bohne werth sind (Triumphus Veneris).

Statt des abstrakten „nichts", bedient sich die deutsche Sprache einer ganzen Menge von solchen Umschreibungen, wobei insbesondere die kleinen Hülsenfrüchte als nichtige Dinge eine Rolle spielen: früher sagte man: nichts eine Erbse oder Linse oder Wick rc. geb ich drum. Heute hat sich nur noch die Bohne erhalten. Im Tristan des Gottfried von Straßburg heißt es:

• sie nehaeten um ein bezzer leben

, niht eine bone gegeben.

: Und bei-Luther steht geschrieben:

<■> „Der Wahlen Andacht und Deutschen Fasten möchte mp beide mit einer Bohne bezahlen."

Nit eine Bohe. heißt es bei Eisilein, wofür man auch die Ausdrücke hat: nit ein Stroh. Eierschale, Nußschale, taube Nuß) faule Birn, nit ein Pfifferling, nit Heller oder Deut;

nicht einen Schuß Pulver. Das lateinische nihil ist ne filum, nicht ein Fädchen.

In den deutschen Sprichwörtern spielt die Bohne aber doch auch eine angesehenere Rolle. Einige Beispiele:

Besser eine Bohne und frei,

Als Zuckerwerk in Sklaverei.

Dicke Bohnen und Schwartenmagen Kann der Bauer sehr wohl vertragen.

Eine Bohne ist einer Erbse werth.

Drei große Bohnen sind so gut als ein Mund voll Brod.

Früher verrmndete man bei den Wahlen als Hilfsmittel bei der Abstimmmig schwarze und weiße Bohnern Auf die unehrliche Handlung des Stimmenverkaufs, der von Leuten aus­geübt wurde, die bei Wahlen von Magistratspersonen ihre Stimmen verkauften, oder sich des Gewinnes halber in Volks­versammlungen aufhielten, anspielend, sagte man:

Er ist ein Bohnenfresser, oder lateinisch: fabarum arrosor. Wenn man sagte, es lebt Jemand von Bohnen, wollte man damit unerlaubten, schändlichen Gewinn bezeichnen.

Auf der andern Seite hatte es wieder eine ganz andere Bedeutung, von Jemanden zu sagen:

Er hat Bohnen gegessen oder auch er hat Bohnen in den Ohren. Damit soll ein „dalketer" Mensch gekennzeichnet werden, der schwer begreift. Unser Professor R, am Offen­ burger Gymnasium pflegte zu sagen: habt ihr denn Stocksisch gegessen? Die Bohnen und überhaupt die Hillsenfrstchte,. denen der Volksmund eine musikalische Bedeutung beilegt, verursachen Blähungen; dadurch sollen entstehen: Beängstigung. Herzklopfen und Beeinflussung des freien Denkens. Deßhalb Untersagte schon Plato seinen Schülern den Genuß der Bohnen. Das hat auch Pythagoras *) geihan. Horaz hat dies in der Satyre be­handelt. Auch Cicero (Oe ckitinatione) ist dieser Meinung und es heißt in den Adagia des Erasmus: a fabis abstineto, ne allia comedas et fabas. Der Franzose Leroux sagt: Feves manger fait gros songer.

Mit dem französischen Feve (Bohne) hängt nicht der Name der Offenburger Beef zusammen.

Von den Bewohnern der ostfriesischen Stadt Norden heißt ein Ausspruch: ; '

Dre gröte Bönen sünt nett so göd, als ’n Snüte vull (trüge Brot, seggen de Norders.

Dagegen in Osnabrück heißt es: Drei große Bohnen sind so gut als ein Mund voll Bohnen.

Jede Bohne hat ein schwarzes Pünktlein, d. h. hat ihre eigenen Flecken; oder im Englischert: Every bean has its black.

Er hat die Bohne gefunden, oder im Französischen: 11 croit avoir trouve la feve. — II a trouve la teve au gäteau.

Er hat die Bohne im Kuchen gefunden, d.h. er hat einen guten Fund gethan, den rechten Fleck getroffen. Mit dieser Redensart soll es folgende Bewandtniß habenz..

Am Vorabend des Dreikönigfestes versammelt in einzelnen Gegenden Deutschlands und Frankreichs der Hausvater seine Familie um sich. Bei Tische wird ein Kuchen aufgetragen, ■ in den eine Bohne gebacken ist und den man in so viele Theile zerschneidet, als Personen anwesend sind. Jede bekommt ein

*) Er wollte damit offenbar sagen, seine Schüler sollen sich nicht in die öffentlichen Angelegenheiten mischen, wo mit Bohnen abgestimmt wurde.