Die Beiträge der Gemeinden sind im allgemeinen noch recht geringe. Äm besten sind diejenigen Städte daran, die über Stiftungen verfügen, welche zu diesem Zweck zur Ver­fügung gestellt werden können.

Zur Zeit setzen sich die Mittel des Zentralkomites zu­sammen aus den Bkitgliederbeiträgen und einmaligen Zu­wendungen, ferner seit 1901 dem Reichszuschuß von 60,000 Mark jährlich und drittens dem durch Lotterien Angebrachten Gewinn. Es sind vom Zentralkomite bisher zwei Lotterien init einem Reingewinn von je rund 500,000 Mark in 189)1 und 1902 und eine Lotterie mit einem Reingewinn von 400,000 Mark in 1905 abgespielt worden. Eine weitere mit 400,000 Mark Reingewinn ist bereits genehmigt und wird im Jahr 1908 gespielt werde». Die Mitgliederzahl ist von 400 in 1896 auf 1402 gestiegen.

Es bleibt noch viel zu tun übrig, und es bedarf der tatkräftigen Mitarbeit des ganzen Volkes, um die Tuberku­lose als Volkskrankheit zu unterdrücken.

Unter den 7 neugegründeten Heilstätten des Jahres 1905 ewähnt der Bericht auch eine im Amt Offenburg : „Die M. A. v. Rothschi lösche Stiftung hat die bisherige Anstalt des Dr. Hettinger in Nord rach im bad. Schwarzwald an­gekauft und sie mit 40 Betten als Lungelcheilstütte für vor-

zugslveise israelitische Kranke eingerichtet..Der frühere

Chefarzt der Heilstätte Friedrichsheim, Dr. Rumpf, hat in Ebersteinburg bei Baden-Baden eine Anstalt für 45 Frauen im Mai 1906 eröffnet."

In Ettlingen macht man Versuche, Kranke auch nachts in der Walderholungsstätte unterzubringen.

In der erwähnten Rothschildscheu Stiftung (Baronin Edmund v. Rothschild in Paris ) wird vollständig freie Ver­pflegung gewährt. Als Arzt ist Dr. Haldicke tätig; Doktor Hettinger praktiziert in Frankfurt a. M., trotzdem ist seine Anstalt Nordrach mit 100 Betten noch in dem Verzeichnis der Privatinstitute für Tuberkulose enthalten. Zu diesen zählen in Baden noch:

Lungenheilanstalt N ordrach -Kolo nie, Eigentümer Dr. Walther, gegründet 1889; Aerzte: Dr. Walther, Dr. Weltz und Dr. Remvig. 60 Betten; behandelt wurden in: vorigen Jahr 228 Kranke, darunter 24 ans internationalen Unter­stützungsfonds ;

Anstalt St. Blasien G. m. b. H., 100 Betten, be­handelt wurden 278 Kranke;

Wehrawald G.m.b.H., Dr. Lipps, 1901, 96Betten, 290 Patienten;

Billa Paul iit Badenweiler (JosefPaul) Doktor Fränkel, 1803, 20 Betten, 70 Patienten;

Reichelsheim im Odenwald (Helene GöttmannWw.) Dr. Fischer, 1897, 15 Betten für Männer, 15 für Frauen, 160 behandelte Kranke.

Die badischen Staatsanstalten.

F r i e d ri ch s h e i m bei Badenweiler (Landesvers.-Anst.) 1899, Dr. Curschmann, 170 Betten, 880 Kranke anno 1905.

Arten (Heinrich-Hospital) 1897, Dr. Weibel, 10—12 Betten für Frauen, 38 Kranke.

Stamberg b. Schriesheim , E.G.m. b.H., Dr.Schütz, 11104, 60 Betten für Frauen.

Luisenheim sBadeuweiler), Landesvers.-Anst., 1905, Dr. Schmidt, 134 Betten für Frauen, 148 Patienten.

Kinderheilstätten.

Rappenau . Kindersolbad „Silvah", (Evang. Dia­konissenverein Mannheim) 1884, Dr. Geiger, 40 Betten für Mädchen, 35 für Knaben, 344 Patienten, davon 10 Frei­stellen.

Kindersolbad Dürr heim (Bad. Franenverein), 1881 (1906Sonnenlicht), Dr. Huber, 120 Betten, 378Kranke, 1 Freistelle.

Dem deutschen A uss chu ß gehören aus Baden folgende Bkitglieder an:

Battlehn er, Dr., Geheimer Rat , Karlsruhe .

Haas, Geh. Kommerzienrat, Kgl. Belg. Konsul, General­konsul von Ecuador , Mannheim .

Ri a per, Emil, Vorsitzender des Anfsichtsrats der Lungen­heilstätte Stammberg, Mannheim .

Rumpf, Dr.. Sanatorium Ebersteinbnrg b. Bad.-Baden .

Schenkel, Dr., Exz., Bad. Minister d. Innern, Kalsruhe.

Aus der Statistik.

Tie K o st e n der Heilbehandlung lungenkranker Männer und Frauen beliefen sich im Jahre 1904 in den Ver­

sicherungsanstalten Badens aus 611,802 Mark (329,28 Mk. pro versicherte Person) bei 1858 Patienten von 362,553 ver- ; sicherungspflichtigen Personen. Davon entfallen 40 (5 M. pro Person) auf nichtständige, abgeschlossene Heil­behandlung. Bei der ständigen entfallen 73 Verpslegungs- tage und 330,68 Bk. Kosten auf einen Patienten, 4,54 Bk. auf den Verpflegungstag. Voin Gesamtkostenaufwand sind 37,602 Bk. auf Familienunterstützung verrechnet, 128,281 Bk. der Versicherimgsanstalt ersetzt durch die Krankenkassen, Ge- ineinden us>v.

In Baden wurden im Jahr 1900 ständig behandelt 1315 Personen, davon erfolgreich 475 (oder absolut 459) gleich 35 Prozent.

Offenburger Allerlei.

Aus dem Stadtrat. Die von der Bahnverwaltung erstellten Gebäude an der Bohlsbacherstraße, welche Dienst­wohnungen sowie Büroräume enthalten, wurden bisher als st euer- und Nmlagefrei erachtet, gemäß diesbezüglicher ver­waltungsgerichtlicher Entscheidungen. Nach neuerer Auffassung soll hierin eine Aenderung eintreten. Der Heranziehung zur Umlage seitens der Gemeinden für solche staatliche Bauten, welche vorwiegend Wohnzwecken dienen, stehe nichts im Wege. Infolgedessen beschließt der Stadtrat, die nötigen Schritte einzu­leiten zur Umlageerhebung für die bahnärarischen Häuser an der Bohlsbacherstraße, welche hauptsächlich Dienstwohnungen enthalten

Das Arbeiter- und Beamtenstatut, welches in einer besonderen Kommission von Stadtverordneten und Stadt­räten in sechs Sitzungen eingehend beraten wurde, lag heute dem Stadtrat mit den von dieser Kommission vorgeschlagenen Aende- rungen und Zusätzen vor. Bezüglich der Beamten-Dienst- und Gehalts-Ordnung erklärt sich Stadtrat mit den Vorschlägen der Kommission einverstanden. Bezüglich d s Gehalts des ersten Beamten beim Tiefbauamt findet ein Antrag auf weitere Er­höhung seines Höchstgehalts Annahme.

Bei der Allgemeinen Arbeitsordnung ruft der § 22, die Bezahlung der gesetzlichen Feiertage betreffend, lebhafte Erörterungen hervor. Die vom Stadtrat ursprünglich angenom­mene Fassung, wonach die gesetzlichen Feiertage, sofern sie in die Woche fallen und der Arbeiter an den übrigen Tagen der Woche gearbeitet hat, wie Arbeitstage bezahlt werden sollen, war von der Kommission abgelehnt worden. Ein Antrag aus dem Schoße des Stadtrats, die Wiederherstellung des § 22 betreffend, wurde mit Mehrheit abgelehnt, ebenso ein Vermittlungsantrag, die ge­setzlichen Feiertage als halbe Arbeitstage zu bezahlen. Stellt sich hier der Stadtrat auf den ablehnenden Standpunkt der Kom­mission, so auch andererseits auf den etwas bestimmten Vorschlag derselben, bezüglich des Erholungsurlaubs der städtischen Arbeiter. Nach ununterbrochener Tätigkeit im Dienste der Stadt während fünf Jahren erwirbt der Arbeiter ein Anrecht auf vier Tage — nach zehn Dienstjahren auf acht Tage — Urlaub unter Fortbezahlung des Lohnes. Wegen Zeitmangel wird die Beratung über den Lohntarif der städtischen Arbeiter nach den Vor­schlägen der Kommission auf die nächste Sitzung vertagt.

Die infolge Umbaues der Brücken über das Bahn­gelände bei der Zauberflöte sowie beim Zähringer Hof notwendige Verlegung der Wasser- und Gasrohre wird der hiesigen Firma Grassel fing er für den Preis von 4700 Mk. übertragen. Um derartigen kostspieligen Verlegungsarbeiten künftig aus dem Wege zu gehen, ist die Anlage eines begehbaren Tunnels unter den Bahnkörper geplant, durch welchen dann die Gas- und Wasserversorgung der Oststadt unbeeinflußt von zukünftigen Bahn­bauten erfolgen kann.

Unter den Bewerbern um die Wirtschaft zur alten Pfalz erhielt Herr Maaß aus Karlsruhe den Zuschlag.

Der Abschluß der Kohlenlieferung für das Gas­werk vollzieht sich in dieser Saison unter ganz bedeutend er­höhten Preisen, welche wesentlich verursacht sind durch erschwerten Schifftransport infolge niederen Wafferstandes. Als teilweisen Ersatz der höheren Kosten des Rohstoffes ist der Stadtrat ge­nötigt, den Kokspreis vom 1. Januar n. I. an um 2 0 Pfg. pro Zentner zu erhöhen.

Stadttheater. Es war vorwiegend die heitere Muse, welche in der vergangenen Spielwoche gepflegt wurde. Vor allem war es „Charlcys Tante" die Unverwüstliche, die nach dem Moserschen Hypochonder oder „Die Stadtver­ordnetenwahl" Lachsalven entfesselte. Ob Direktor Etlinger eine unbedeutende oder eine Charakterrolle hat, immer weiß er sie ins Kleinste auszugestalten.