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Mlttwod», den 7. Kovsmbsr 194S

Da Vorschlag >

Der 9. November Im nenem liebt

Jtot dem Köirigsplats m München hat das „dritte Rrich“ die ersten Blutzeugen der national­sozialistischen Bewegung beigesetzt und den Jahrestag ihres Todes feierlich begangen. Der Anblick dieser 16 Sarkophage weckt die Erin­nerung an den mißglückten Staatsstreich vom #. November 1932, der die bayrische Regierung •t Ursen, den Mansch nach Berlin und eine na­tionalsozialistische Diktatur eröffnen sollte. Ver­suche der Partei, eich in der Nacht zuvor der Regierungsstellen zu bemächtigen, waren fehl­geschlagen. Da kam die kühne Idee, einen Pro- pagandamanach durch die Straßen Münchens an­zutreten, mit fliegenden Hakenkreuzfahnen und den Führern an der Spitze. Etwa 3 tausend Mann erreichten kurz nach 1 Uhr mittags die FeldhermhaUe _ am Odeon«platz. In diesem Moment", berichtet der englische Journalist Ward Pries, „knallte ein Schuß. Darauf er­folgte eins Salve aus den Karabinern der Poli­zisten. In wenigen Augenblicken war alles vor­bei, aber 4 Polizisten und 14 Demonstranten la­gen tot auf der Strecke“. Mit noch 2 andern an diesem Tag in einem Geplänkel vor dem Kriegs­ministerium Gefallenen haben später Staats­gräber am Königsplatz diese 16 Parteigenossen — die ewige Wache des „3. Reiches" — auf genom­men, und alljährlich erhielten sie am 9. No­vember den Besuch der mit dem Blutorden ge­schmückten Ueberlebenden des einstigen Mar­sches zur FeldherrnhaHe.

Doch schon ist diese ewige Wache mitsamt dem „ewigen Reich“ vorbei. Dafür erstand dem deutschen Volk eine andere ewige Wache, deren Gedenken nun belöge Pflicht ihm wird. Denn hinter den Grüften am Königsplatz erhebt eich gespensterhaft gleich jener vor kurzem noch an allen Ecken unseres Landes drohenden dunklen Gestalt der Mann, der jenen blutigen November­tag heraufbeschworen hat, der nur die Toten aus den eigenen Reihen kannte und deshalb rühmend in die Welt posaunte, die unblutigste Revolution der Geschichte entfacht zu haben. Deutschland ist heute erwacht und sieht das Blut, das an den Händen dieses Mannes klebt. Erschütternd ist in Shakespeares „Macbeth“ jene Szene, wo Lady Macbeth nachtwandelnd sich die mordbefleckten Hände reibt. Wieviel Blutflecken' hätte Hitler von seinen Händen reiben müssen! Wie hat er die Stimme des Blu­tes vergötzt und eie allein als letzte Norm für Gut und Bös erklärt. Wenn nur bei ihm die Stimme jenes Blutes gesprochen hätte, das sein Cäsaren Wahnsinn freventlich vergossen hat, so­bald sich einer seinen Imperatorplänen zu w kl er­setzen wägte. Kaum an der Macht, fielen schon am 30. Juni 1934 die wegen Meuterei verklagten Führer der SA , an der Spitze ihr Gründer und oberster Chef Ernst Röhm , und die Aktion gab Me willkommene Gelegenheit, noch zahlreiche

Dachauer Bevölkerung stimmt gegen Wahlbe­teiligung irühersr Nationalsozialisten

Dachau . — Die Einwohner von. Dachau , in deren Nähe zieh das berüchtigte K.-Z. befand, haben sich in überwältigenden Mehrheit da­gegen ausgesprochen, daß ehemalige Mitglie­der der Partei und ihrer angeschlossenen Organisationen oder solche, die enge Ver­wandte in diesen Organisationen hatten, an den kommenden öffentlichen Wahlen teilneh- len sollten. Aus einer erfolgten Abstimmung geht folgendes Resultat hervor: Nein 82 '/», ja 14 *, keine Antwort 3,6 *

Parteimitglieder, die Erlaubnis erhalten ln politische Parteien einzutreten, Antwort: Nein 81,5 *6, Ja 13,7 **, keine Antwort 4,8 */».

Die Antworten auf verschiedene andere Fragen lauteten folgendermaßen: Sollten frü­here Mitglieder solcher Organisationen, wie S. A. «ad S, S. die Erlaubnis erhalten Parteien beizutreten: Nein 83 *b, Ja HL '/», keine Ant­wort 54 V».

Sollen frühere Mitglieder der S. A. und 8. S. das Recht erhalten zu wählen: Nein 82 '/>, Ja 124 keine Antwort 54 */•.

Sollen die nächsten Verwandten von Par­teimitgliedern oder ihren angeschlossenen Ver­bänden die Erlaubnis erhalten pollt. Parteien beizuttotuu: Nein 894 > ja 23,5 *!*, keine Ant­wort 7 *t*.

Personen anderer Richtung aus dar Walt zu schaffen. Und noch Im sehen -Jahr, am 26. Juli, griff Hitlers Mörderhand nach Kanzler Doll­ fuß . Anklagend folgen dann — um nur di* allgemein bekannten Opfer au erwähnen — die Millionen Toten des vergangenen Krieges, die der angeblich größte Feldherr aller Zeiten bis nach Stalingrad und den Kaukasus , Ms in dis Wüste Afrikad und die fast ewige Nacht des Nordens oder in die Weiten des Weltmeeres hetzte, wo eie in oft sinnlosen Unternehmen oder im stur befohlenen Stellunghalten verblutet sind. Wie blutig hat sich dann Hitler gerächt für den mißlungenen Angriff auf sein Leben am 20. JuH des vergangenen Jahreei Die Zahl ist groß: von den erhängten Generälen bis zum letzten Todes­urteil eines willfährigen sogenannten „Voacs“- Gerichtshofes. Wir vergessen schließlich jene Tausenden von Freiburg nicht, die dieser „Füh­rer“ am Schreckensabend des 27. November 1944 untergehen ließ, obwohl er um den Angriff vorher wußte. „Was haben wir zu fürchten“, so konnte er ja sein Gewissen betäubend seit Lady Mac­beth sagen, „da niemand unsere Gewalt zur Rechenschaft ziehen darf“. Wie nach der Röhm - Revölte war es auch später: waz nicht rechtens war, wurde rechtem erklärt

Aus alI

Die Wahlen ln Luxemburg Luxemburg. — Die Wahl im Großhsrxogtum Luxemburg hat folgendes Ergebnis: ChristL- Soziale 24 Sitze, gegenüber 25 vor dem Krieg; Sozialisten 12, früher 18; Vaterländische De­mokraten 8, früher keiner; Kommunisten 5, früher keiner; Unabhängige Demokraten 2, früher 6.

Das Verfahren gegen Knut Hamsun Oslo . — Nach einer Meldung der Zeitung Aftonbladet ist der Untersuchungsrichter zu dem Entschluß gekommen, den Geisteszustand von Knut Hamsun , der der Zusammenarbeit mit den Deutschen angeklagt ist, untersuchen zu lassen. Knut Hamsun wurde ln eine psy­chiatrische Klinik überführt. Wenn das Medi­zin! che Gutachten den Geisteszustand des Hamsun für normal erklärt, wird er wegen Landesverrat abgeurteilt werden.

Verkehrssperre in Oeeterreieh St Margarethen. — Man erfährt von der öster­ reichischen Grenze, daß als Folg« einer Be­kanntmachung der französischen Besatzungsbe­hörden am Freitag in Vorarlberg aller Verkehr gesperrt worden ist. Die Autobus-Linien waren außer Betrieb, und Schweizern, die eich im Auto nach Bregenz begeben wollten, wurde die Geneh­migung hierzu verweigert.

Die Reise des Marschalls Mannerheim Helsinki. — Manschall Mannerheim hat Finn­ land zu Schiff verlassen. Dem Rat seines Arztes folgend, begibt er sich nach Portugal und nicht nach der Schweiz , wie zunächst angegeben wor­den war. Marsch all Mannerheim leidet an Asth­ma und das Klima der portugiesischen Atlantik - Inseln ist speziell für die Heilung seines Leidens geeignet. Die finnische Presse bedauert seine Entscheidung, das Land ln der kritischen Lage, in der es sich befindet, zu verlassen, streitet aber jegliche politische Bedeutung dieser Reise ab.

Die Lage In Dänemark

Kopenhagen . — „Die Sozialdemokraten werden sich nicht an der Regierung beteiligen“, erklärte der ehemalige Ministerpräsident. „Die andern Parteien werden wahrscheinlich an den gegen­wärtigen Problemen scheitern, das neue Parla­ment ist nicht lebensfähig, und es werden wahr­scheinlich bald Neuwahlen nötig sein.“

- Ergebnisse der englischen Kommunal wählen.

London . — Die letzten, bis jetzt bekannten Ergebnisse der Kommunalwahlen aus den wieh- tigeten Städten Englands und aus Wales sind folgende: 2870 Kandidaten der Arbeiterpartei ge­wählt, 835 Konservativ« wieder gewählt. Die Ar­beiterpartei hat 1294 neue Sitae gewonnen und nur 39 verloren. Die Frauen haben sähen großen Erfolg davongetragen: von ungefähr 600, ßte sieh stellten, sind 210 gewählt worden.

Vom den Särgen am Königsplatz geht aber der Bück noch weiter, über den Mann hinaus auf das Volk, das in seiner Blutigkert sich seines Führers würdig zeigte. 16 Tote hat dieses Volk tan Münchner Ehrenhain betrauert. Muß heute nicht das deutsche Volk fast 0 Nullen anh äu­gen, um die Zahl zu erreichen, die es in den wenigen Jahren des I. Reiches zu beweinen hat? Da ziehen an uns vorüber all die Geisteskranken und schwächlichen Alten, die man für unwert hielt ran Leben; all die Juden, die dem grauen­vollen Vemlchtungeplan nicht mehr entrinnen konnten; all die Opfer der Konzentrationslager, die dort verhungert, zu Tode geprügelt oder er­schossen wurden, die in den Gaskammern oder als Versuchstiere kn Dienst der Wissenschaft ge­endet haben. Wieviele hat eine wie Hohn wir­kende Rechtsprechung serienweise durch die Maschine gelassen! Wieviele wurden ohne Urteil heimlich ' weggesohaft!

So grauenvoll erhebt sich der Mann über den Sarkophagen am _ Königsplatz. Nun gilt unser Blick der neuen, wirklich „Ewi­gen Wache“: es sind die Toten einer 12-jährigen Gewaltherrschaft. Mögen «le auch verscharrt, in ihrer Asche zerstreut oder voll Scheinheiligkeit in Ehren bestattet sein: sie verdienen, daß neben dom Allerseelentag ein ' Tag zum „Ge­denktag der Blutopfer des 3. Reiches“ werde und ein Ehrentempel von ihnen künde sie der

ewigen Wache kn neuen Deutschland. _

Dr, GtfAvd Müller.

@ r W @ D t

Die Beziehungen zwischen England und den Vereinigten Staaten

Washington . — Die englisch -amerikanischen Un­terhandlungen sind jetzt im Stadium konkreter Vorschläge und die engüseben Kreise erwarten die baldige Unterzeichnung einer Abmachung über die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen beiden Ländern. In dieser Abmachung soll es sich nicht nur um die durch England beantragte An­leihe handeln, sondern auch um Fragen der Zoll­tarife sowie um die Abwicklung des Leih- und Pachtgesetzes.

Ausschreitungen der „Arabischen Einheitsfront“

Kairo . — Die von der „Arabischen Einheits­front“, der die meisten Jugendvereine und poHti- echen Bewegungen angehören, ausgelösten Kund­gebungen haben sich in Kairo und Alexandrien rasch in regelrechte Aufstände verwandelt. Tau­sende von jungen Burschen haben die Geschäfte des Stadtviertel« Hamzaoni angegriffen, die Kauf­läden auageplündert und die Passanten belästigt. Sie sind auch in die Synagoge eingedrungen, ha­ben das Mobiliar und die heiligen Bücher zer­stört und das Gebäude in Brand gesteckt. Trotz­dem sieh der Ministerpräsident persönlich an Ort und Stell« begab, batte die Polizei alle Mühe, die Ruhe wieder herzuetedlen.

U nstira H

Einen 24-Sieg errangen Le Stuttgarter Sport­freunde beim VfL. Günaburg.

Schwedens FnBballer sind in großer Form. Nach dem I0:0-Ländereieg über Norwegen be­siegten eie die Dänen 4:1 und die Finnen 6:1.

Rapid Wien blieb im weiteren Verlauf der Wiener Fußballmeisterschaft knapp liO über den 1, FC. Wien erfolgreich. Weitere Ergebnisse: Admira—WAO. 1:1, WSC.—Helldorf 6:0, Ost­bahn—Oberlahr 2:6.

Nationaltdrwart Jahn, früher Berlin spielt jetzt für den FC. St. Pauli Hamburg.

Schwaben Augsburg gewann gegen Spvgg. Fürth mit 1:0. In der Sohwabenelf spielte erst­mals der Nationalspieler Urbanek, früher Ad­mira Wien.

Oberösterreichs Fußballmannschaft gewann in Linz vor 12 000 Zuschauern gegen Kärnten mit 3:2. Im Handball siegte Kärnten 15:7.

Beim Nationalen Hockeyturnier der Schweiz in Bern , an dem mehr als 300 Spieler beteiligt waren, gewannen die“ Preise für die fairsten Mannschaften der Berner HC, Red Sox Zürich und Blau-Weiß Olten.

Garaiszch-Partenkircheo bereitet sich auf den Winter vor. Amerikas Sportler planen größere Sportveranstaltungen.

Mit 256 666 Mark aasgestattet waren die sonn­täglichen Trabrennen in Berlin-Karlshorst . Am erfolgreichsten war wiederum Charly Mills, der die letzten drei Hauptrennen nacheinander ge­wann.

Kart Weiß, Deutschlands bekannter Hockey- mitteistüraaer, «vielte beim Hamburger Lokai-

Internationaler MiiitSrgerichtnhof

Bekanntmachung

Martin B o i m a n n ist angeklagt, Verbre­chen gegen den Frieden, Kriegsverbredhen und Verbrechen gegen die Menschheit be­gangen zu haben; dies ist in der Anklage­schrift dargestellt, die diesem Gerichtshof vor­gelegt worden ist.

Diese Anklageschrift kann im Justizgebäude zu Nürnberg (Deutschland ) eingesehen wer­den.

Wenn Martin Bormann sich stellt, hat ei das Recht, sich persönlich oder durch Ver­mittlung eines Rechtsanwalts zu verteidigen.

Im Falle des Nichterscheinens kann er vom 20. November 1945 an lm Abwesenheitsver­fahren im Justizgebäude zu Nürnberg (Deutschland ) abgeurteilt werden und, wenn er für schuldig befunden wird, die über ihn verhängte Strafe, sobald er aufgegriffen sein wird, ohne weitere Formalität und auf Be­fehl der Kontrollkommission für Deutschland vollstreckt werden.

Im Auftrag

des Internationalen MiUtärgerichtshoi Der Generalsekretär

Mord bei Saarbrücken

Saarbrücken. — Die 55 Jahre alte Ehefrau Zimmermann wurde in ihrer Notwohnung in einem Gartenhaus in der Nähe des Deutsch­mühlenweihers ermordet auigeiunden. Im Verlauf der Ermittlungen haben sich derart schwere Verdachtsmomente gegen den Ehe­mann der Getöteten ergeben, daß die Krimi­nalpolizei diesen vorläufig festgenommen hat.

Der Ehemann Zimmer .ist 68 Jahre alt und war von seiner ersten Frau geschieden. Veran­lassung zu seiner vorläufigen Festnahme gab hauptsächlich sein Verhalten nach Auffindung der Leiche seiner Frau. Z. kam Samstag nach­mittag gegen 2 Uhr nach Hause. Ais er angeblich die Türe verschlossen vorfand- will er zwar durch ein Fenster in das Gartenhaus geblickt haben. Er gibt jedoch an, die Leiche seiner Frau hierbei nicht entdeckt zu haben, obwohl eine spätere Besichtigung der Fundstelle durch die Kriminalpolizei einwandfrei ergab, Haß die Leiche vom Fenster aus ohne weiteres zu sehen war und auch Z. unbedingt gesehen haben mußte, wie seine Frau in gebückter Stellung tot neben einem Stuhl lag. Er will jedoch angenommen ha den, »eine Frau wäre im nahen Wald Holz su­chen. Er ist in die Stadt gegangen, wo er meh­rere Glas Bier trank. Abends will er nochmals an seiner Wohnung gewesen und abermals ver­geblich fortgegangen sein. Er hat angeblich au/ dem Saarbrücker Hauptbahnhof übernachtet

p © f t @ © k ©

derby bei Harvestehude , während Nationalspie­ler Mehlitz bei Uhlenhorst mitwirkte. Das Spiel endete 2:2.

Toni Heuser gewann bei den Berufeboxkämpfen in Celle den Schwergewiehtekampf gegen Erwin Klein knapp nach Punkten.

In Schleswig-Holstein gastierten Hamburg ! führende FußbaUveredne. Der HSV. echhu Preußen Itzehoe mit 6:1 und Eimsbüttel gewani beim neugegründeten VfB. Lübeck 3:2. Fortuna Glücksstadt spielte gegen eine jugoslawische Elf 3:3.

Nationalspieler Binder führte als Sturmführer von Rapid Wien seine Mannschaft an einem 4:1-Sdeg gegen Hedlfurt.

Fortuna Düsseldorf siegte kn westdeutsche» Fußball knapp Mit 5:4 gegen Duisburg 99, der VfL. Benrath unterlag einer Kombination VfB / Eintracht 10:1.

Am ersten Meiatersehaftsaonntag der württ

Länderliga schlug der Stuttgarter Sportklub Münster 2:0, der Meister Göppingen unterlag auf eigenem Platz gegen Feuerbash mit 2:3 und die Spvgg. Untertürkhelm schlug den FV. Eis­lingen leicht mit 5:0.

Gute französische Boxkämpfe wurden vom L

Regiment der Chasseurs d’Afrique in Tübingen veranstaltet. Die Ergebnisse: Galican-Tours Punktsieger gegen Ferianpin-Paris , Conte-Paris gegen Collian-Paris , Legers-Tours gegen Mas-Al­gier, Triay-Algier gegen Boee-Elsaß und Bnoena- fentes-Oran k.-Sleger gegen Fromager-Parls. Der deutsche Leichtgewichtsmeister Biehler besiegte in dieser Veranstaltung de» würfet. Exmeister Nuseer na ah Punkten.

Ist Holz ein Nahrungsmittel ?

Von Dt. B. Opfermann

Was hat denn, wird der erstaunte Leser fr» tten, das Holz mit der Ernährung zu tun?! Ge­wiß, man kann mit Holzfeuer Speisen zubered­ten, Kuchen backen, man kan aus Holz Wagen und Schiffe bauen und damit Nahrungsmittel transportieren, ja man kann, wie wir das jetzt täglich sehen, Holz vergasen und Autos damit treiben, ab« essen, essen kann man unsere ein­heimischen Hölzer bestimmt nicht!

Und so wird auch dem Naturfreund, der über die Höhen des Schwarzwaldes wandert und die ■ich wellenförmig vor ihm ausbreitenden Berge und Täler mit Millionen von Tannen, Fichten und Laubhölaem bestanden sieht, wohl kaum einmal der Gedanke kommen, daß alle diese Holzarten in einer doch sehr engem Beziehung au unser« Btmähmmgslage stehen, bezw. ste­hen könnten.

Es ist noch nicht lange her, cha las man ei­gentlich immer nur von der Kohle, u, was der Zauberetab des Chemikers dies« und dem aus Ihr gewonnenen Teer für herrliche Farbstoffe, wunderbare Heilmittel, künstlichen Gummi, Benzin, Treibstoffe und vielerlei andere, in un - •erm heutigen Leben nicht mehr wegzudenkende Produkte entlockt hat. Ja, nach dem ersten Weltkrieg wurde sogar ein brauchbares V«fah­nen entwickelt, um aus Rraunkohlenparaffin Fettsäure hersusteUan. Dieses synthetische Fett hat sich bewährt und 1937 wurden in Wietzen die ersten Großanlagen zu sein« Gewinnung errichtet. Erst waren ee nur Seifern der ver­schiedensten Art, die man daraus heret&Ute, aber bald ergaben Versuche im Redch-sgesundheitsamt, daß die Synthetischen Fette auch für die mensch­liche Ernährung durchaus in Frage kommen!

Und daß es dann im Institut 'für Gärungs­gewerbe, gelungen ist, es ebenfalls aus Kohle her­stellbaren Stoffen unter Verwendung von gewis­sen HefepCsen Eiweiß anfzubauen, eed hi« nur hon erwähnt.

Jedenfalls kommen wir eher damit der BVage, was das Holz mit unser« Ernährung zu tun hat, achon einen großen Schritt näher.

Denn wohl eh» jeder weiß, daß die Kohlen aus VermodanHigeprodukten verweltlich« Pflanzen, m denen Koniferen, Farne, Palmen usw. gebö­ten, entstanden sind. Dm Holz also und holz- tetige Gewöhne sind die Mtetfeeisafesfemas der Kohlen!

Und was wäre der Mensch überhaupt ohne das Holz?! Von der Wieg« bis zum Sarge sind wir ja in unzähligen Formen and Kombinationen vom Heiz umgeben. Dieser ideale Werkstoff, aus dem man Häuser, Wagen und Schiffe baut, Möbel und Hausgerät hersteilt, ist uns zu einem so selbstverständlichen Begriff ge­worden, daß auch «ine Madonna von Riemon- echnaider oder irgend eh» berühmtes Ohorg— ti i h l für uns ohne des Holz ebenso wenig denkbar wäre, wie ein Schiffern «st oder sh » Zahnstocher.

Indes sind das alles mehr äußere, direkt wahr­nehmbare Eigenschaften des Holzes, Le mit sei­nem chemischen Charakter weniger zu tun haben.

Wok« kommen dann nun aber Ls dar Kehle, bezw. also dem Hohe innewohnende!» Kalorien, die wir uns in so wunderbarer Weise nutzbar an machen wußte»?

Die Antwort ist einfach. Das Hoiagawächs Holz ist nämlich der Akzeptor oder der Akkumu­lator für die Sonnenenergie.

Den» nur unter dem Einfluß von Licht und Wärme bildet rieh in der Pflanzenzelle «US Kohlensäure und Wasser zunächst Trauben­zucker. der dann auf dem Wege eines kompli­zierten pfl«nzenphy«Lologlechen Vorgangs durch intramolekulare Umlagerung in Cellulose über­geht. In der jungen Pflanze noch ziemlich rein, ist die Men»bran alter Zellen im Hol« starr, d. h. mit Inkrusten und zwar dam Lignin durchsetzt und stets mit andern Polysacchariden, sogenann­ter Hemicellulosen vergesellschaftet.

Fichtenholz z. B. besteht aus etwa 53V» Cellu­lose, 13V» anderen Kohlenhydraten, 26V» Lignin und 5V» Harz , Fett Proteteatoffen und Asche. In der Baumwolle dagegen haben wir Ls Oellu- loee in fast rein« Form vorliegen.

Nun ab«, nachdem das Wort Kohlenhy­drat gefallen ist, wird uns sehen klarer, daß die Holz also der Träger eines überaus wichti­gen Nährstoffe« ist und somit auch viel mH un­serer Ernährung zu ton habe» könnte. Gehöre» nicht auch die unentbehrlich« Kartoffel, das Mehl, der Reis, dar Zucker, die Hirse und viel« andere Körnerfrüchte in L« Klane der Kohle­hydrate?!

Und während die Zuckerrübe mar etwa 36V» Zacker enteilt, b e steh t 4 m Sek mm niabt wenig« ak 86—78V» Kohlenhydrate»!

Tafeeächüdh ward « bsesefea tmn dMcfc gaa

Franzosen Braconnot entdeckt, daß der Hauptbestandteil des Holzes, die Cellulose, in Traubenzucker verwandelt werden kann. Aber es dauerte fast 100 Jahre, bis es 1912 gelang, Holz mittele hochkonzentriert« Säure in gär- fäbögen Zack« überzuführen und aus der Lö­sung Alkohol zu gewinnen.

Ab« die dann im Weltkrieg errichteten Holz- ■pritfabriksn scheiterten schließlich an unlös­baren, technischen Schwierigkeiten.

Erst 1924 glückte der erste großtechnische Ver­such zur rationellen Holzverzuckerung. Mit die­sen Arbeiten sind die Namen B e r g i u s und Scheller unlösbar verbunden.

Ausgangspunkt war die Not der Weltkriege­jahre. Und wie Acbard seinerzeit durch die Not der Kolond atepea-r« zur Verbesserung des Rü­benzuckers angetrieben wurde, so Bergius durch die Not der Biookadezeit des ersten Weltkrieges.

Viele Schwierigkeiten waren zu überwinden, ab« deutsch « Erfindergeist wurde ihr« Henri

Wo befinden sich unsei

* Ort: Neuer* Gef.-Nr.

Lux, Waldemar t Baden-Baden 810 785

Linsin, Fritz, Rneinfelden/Bd. 278 072

Krumm, Erwin, Elzach/Bd . 810 785

Conzelmann, Georg, Tailfingen/Wttbg . 272 934 Loeffel, Walter, Baden-Baden 275102

Bigott, Hermann, Baden-Baden 272 255

Blaich, Friedrich., Neuenburg/Schw . 272 752 Blank, Gottlieb, Niederbühl-Rastatt 272 257

Bleich, Walter, Oberbaugstett 811 051

Blickle, Walter, Bietz-Ebingen 808 816

Bongert, Kurt, Baden-Baden 272064

Büttner, Adam, Ludwigshafen/Rhein 809 840 Endrifi, Alfred, Büsingen/Bd . 272 283

Glunk, Eugen, Winzeln-Rottweil 278 605

Hauck, Erwin, Schifferstadt 273 536

Batzen, Hubert, Rheinhausen 809 480

Kienzle, Otto, Lörrach/Bd . 273 130

Hack, Engen , Ravensburg 809 584

niy, Friedrich, Marienborn-Main 272 730

Thiel, Franz, Beilingen-Trier 244 289

Engler, Raffael, Gnesingen 809 969

Gorner, Walter, Erbach/Rhein 809 856

Briet. Daniel, Oberndorf/Lahn 811 058

Brock« Pani, Ottweiler/Saar 270 703

Bfitting. Erwin. Ravensburg 809 424

In Mannheim -Rheinau , wo die ersten Anlagen zur Herstellung eynth«neben Ben­zins standen, wurde auch d« Holzzucker aus kleinen Laboratoriumsveisuchsn tu einem großindustriellen Rohstoff «mporgehoben.

Eine nach dieeem Verfahren in Regens bürg er­richtete Fabrik soll 1940 eine Hokzuckerkapa- zität von etwa 100 000 Tonnen erreicht haben!, während zwei Werke in Dessau und Holstein nach dem Verfahren von Dr. Scheller-Tornesch arbeiteten. Di« letzteren zielten hauptsächlich auf die Gewinnung von Alkohol und Futter­hefe ab, Bergius aber gelang es, auch absolut reinen Traubenzucker, wie er z. B. in dem uns bekannten, aus Maie gewonnene» Dextropur vor liegt, zu erzeuge».

Aber vielleicht wichtig« ist. daß diese ans Abfallholz, Sägemehl nsw. erhaltene» Zuckerlöeungen Ausgangspunkt für «ans Mol» tische Eiweißsynthese wurden.

(Fortsetzung folgt)

5 Kriegsgefangenen?

Erqug Gef.-Nr.

Jtmg, Erhard, Neunkirchen/Saar 879 018

Kunz, Wilhelm, Neunkirchen/Saar 878 981

Wächter, Adalbert, Waldkirch/Br . 878 966

Berroth, Rudolf, Nürtingen/Wttbg . 878 247

Böshans, Werner, Pirmasens/Pf . 878 243

Grathwohl, Alfons, Aixheim, Kreis Tuttlingen 878 319

Keßler, Heinrich, Luisenthal/Saarpf . 878 242 Lehre, Karl, Sunthausen/Bad. 878 301

Rogaczmeski, Leo, OffenburglBad. 878 505 Weißenrieder, Herrn., OffenburglBad. 878 245 Kraus , Karl, Idar-Oberstein 878 396

Engel, Gerhard, St. Goar/Rhein 878 546 Huber, Rudolf, Freiburg/Breisgau 878 520 Kees, Paul, Kinheim/Mosel 878 535

Mattem, Rudi Konstanz/Bodensoe 878 564 Raupp, Erwin, Söllingen/Baden 4Ü4 587

Sarter, Heiner, Klingennünster/Weinstr. 494 641 Schmidt, Otto, Hardert , Kr. Neuwied 494 594 Schulze, Günther, Biblis/Hessa » 878 523 Wenzel, Karl, Asselheim-Saarpf. 494 644 Glaser, Ernst, Singen a. H. 878514