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BADEN-BADEN, MITTWOCH, DEN 5. JUNI 1946

PREIS 15 PFENNIG

Hoovers Plan: 1500 Kalorien für Deutschland

Frankreich erwartet ausgezeichnete Ernte / England bereitet Brotkarte vor

WASHINGTON — Herbert H o o v e r, der „Ver- •OTgungSbotschaftar“ des Präsidenten Truman , der totst seine Reise durch Südamerika angetreten hat, hat sich einen genauen Oberblick über die verfügbaren Überschüsse in den Erzeugerländern verschafft. Er wird diese Kenntnis für die Lö­tung der Aufgabe verwerten, 800 Hill. Menschen rem Hunger zu befreien. Hoover erklärte, der grünte Teil dieser Aufgabe falle dem amerikani­ schen Erdteil zu. Sein Plan bestehe darin, in den befreundeten Ländern täglich 1800 Kalorien, und iS den ehemaligen Feindländern 1500 Kalorien je Kopf zu verteilen. Gegenwärtig liegen die Ratio­nen in Deutschland , besonders in den westlichen Zopen wesentlich unter dieser Norm und in Österreich können zur Zeit sogar nur Lebensmit­tel mit einem Nährwert von 700 Kalorien täglich verteilt werden.

Nach Hoovers Urteil ist die Lage sehr ernst ln Indien . In China sei sie jedoch praktisch hoffnungslos, vor allem weil Transportmöglich- keiten fehlen. Die Weltreisernte hat ge­genüber normalen Jahren einen recht geringen Ertrag gebracht, sodaB der Fehlbetrag durch Wei­zen gedeckt werden muß. Die Welternte an Reis erreichte 1945/48 nur 6200 Mill. Scheffel gegen 5880 Mill. im Jahr vorher und 7400 Mill. im Durch­schnitt der letzten 5 Jahre.

Ein eigenartiger Sachverständigen-Ausschuß ist gegenwärtig nach Europa unterwegs. Eine Haus­freu, ein Farmer und ein Lebensmittel­händler aus dem mittleren Westen der Ver­ einigten Staaten , ihrem Hauptweizengebiet, wer­den in Regleitung eines Rundfunkberichters die Ernährungslage der europäischen Länder studie­ren und ihre Eindrücke unmittelbar über den Rundfunk an die Bevölkerung der Vereinigten Staaten berichten. Man erwartet von dieser Pro­paganda eine gute Wirkung auf die Hilfsbereit­schaft der amerikanischen Erzeuger und Verbrau­cher.

LONDON — Im britischen Unterhaus hat Ernäh­rungsminister Herbert Morrison über seine Reise nach, den Vereinigten Staaten berichtet und mitgeteilt, daß, das Emährungsministerium die Ausgabe von Brotkarten für den.FaH vorbe­reite, daß die Versorgungslage dies erfordere. Die Hnngerdrohung - sei keine vorübergehende Krise. Sie .hänge über der Menscheit mindestens bis die 1947er Ernten zum Verbraucher gelangt wären. Uber die Versorgung' der britischen Zone Deutschlands sagte Morrison, es sei für Groß­ britannien eine politische, wirtschaftliche und mi­litärische Notwendigkeit; in der britischen Zone ein Mindestmaß an Versorgung aufrecht zu er­halten. Eines der Ergebnisse seiner Amerikareise sei, i daß die . Drohung,' . die über dem britischen Prestige und. über . der Sicherheit in der Zone lastet Jetzt beseitigt ist. Die amerikanischen Stellen hätten in Aussicht genommen, 675 000 t Ge­treide in der Zeit bis September 1846 nach der bri­ tischen . Zone .Deutschlands , zu senden. Nach In- typ n sollen ln der gleichen Zeit 1,165 Mill. t Ge- treidäaus Amerika ' transportiert werden. Das Opfer,, das Großbritannien bringt, indem es auf 200,OOQ' t ' einzuführendes Getreide verzichtet, Bringe es für die hungernden Menschen in an­dern Ländern.

; Großbritannien wird,, aus seinen Getreidebestän­den Alich nach 11 a 1 i e n liefern, um diesem Land die . Überbrückung der. schlimmsten Zeit bis zur heuen. Ernte tu, erleichtern. Die italienische Ein­kauf smissibi» in den USA hat zwar erhebliche Mengen 'Brotgetreide gekauft, es. stellt sich aber als unjnögJHch heraus, dieses Getreide rechtzeitig hach Italien zu schaffen,' so daß Großbritannien geböten wurde,' schnell - auszuhelfen.

'HARRIS' —. Auch Fränkreichs Versorgungs­minister Longch'ambön, der an der Land- wirtscbaftskonferenz. J in Washington teilgenommen hat nhd 'im gleichen Flugzeug mit Leon Blum nach Frankreich zurückgekehrt ist, kommt nicht mit leeren Mander, aus den USA zurück- Er konnte erreichen, daß schon vorige Woche 7 Ge­

treideschiffe nach Frankreich abgefahren sind. Um für Nordfrankreich die dringend benötigten 20 000 t Brotgetreide zu beschaffen, konnte Long- chambon den holländischen Gesandten in USA bit­ten, daß Holland diese Lieferung übernimmt. Mit dem in Washington anwesenden Vertreter Argen­ tiniens hat er bereits für Juni erhebliche Liefe­rungen an Weizen und Mais für Frankreich ver­einbart.

Frankreich erwartet übrigens eine ausge­zeichnete Ernte. Wir erhalten darüber fol­genden Bericht:

PARIS — In einem Monat beginnt in Südfrank­ reich die Getreide-Ernte, vorausgesetzt, daß das warme Sommerwetter anhält. Im allgemeinen fallen die ersten Weizenschnitte Anfang bis Mitte Juli, beginnend im Departement Bouches du Rhone , das von Ministerpräsident Felle Gouin im Parlament vertreten wird. Ein den Ernteerfolg

bestimmendes Moment ist — so merkwürdig ec klingen mag — das Weinproblem.

Die Ernte-Voranschläge für Frankreich sind überaus günstig; die mit Weizen bestellte Boden­fläche ist mit 4,058 Mill. ha etwa um 13 v. H. grö­ßer als im Vorjahr und Hegt nur um 15—20 v. H. unter dem Stand von 1938. Auch die Roggen­fläche ist mit 392 000 ha um 50 000 ha größer als 1945: Gerste ist auf 670 000 ha angebaut (gegen­über 624 000 ha i. V.); die mit Hafer angebaute Fläche ist mit 2,350 Mill. ha gleich geblieben. Der Stand der Kulturen verspricht eine wesentlich bessere Ernte als 1945.

Für Zucker sind die Aussichten nicht ganz so günstig, obwohl die Anbaufläche von Zuckerrüben um 40 v. H. höher ist als i. V. Die Kunstdünger­lieferung war nicht überall rechtzeitig möglich. Auch ist die Frage der Arbeitskräfte für die Zuckerrüfcenemte, sowie der maschinellen Aus­rüstung der Zuckerfabriken noch nicht gelöst.

Vor der zweiten Vierer-Konferenz

Republikanische Volksbewegung stärkste Partei

Stimmengewinn erfolgte anf Kosten der Sozialisten und Kommunisten

PARIS — Die Wahlen sind in ganz Frankreich in Ruhe und Ordnung vor sich gegangen. Kurz vor Redaktionsschluß liegt für 553 Wahlkreise des Mutterlandes und Nordafrikas folgendes Gesamt­ergebnis vor:

Parteien !

2. Juni

21. Okt.

Gew.

Verl.

Kommunisten u. ihnen

1946

1945

Nahestehende

149

155

—

6

Sozialisten

M.R.P. (Republikanische

122

137

—

15

Volksbewegung) Demokratisch-soz. Union

162

148

14

d. Widerstandsbewegung

—

13

—

—

Radikale

Zusammenschluß der

26

Linksparteien

Gemäßigte u. Unabhäng.

40

1

der Rechten

P.R.L. (Republikanische Freiheitspartei)

37

57

Gemäßigte ü. Unabhäng. (der Rechte)

26

6

Verschiedene

17(H

553

14(2)

550

3

Aufgrund dieser Wahlergebnisse kann man schon jetzt gewisse Folgerungen bezüglich des

Vor neuen Streiks in USA

Erhöhung der Kohlenpreise um 25 v. H.

WASHINGTON — Nach der Beendigung des Streiks in den Steinkohlengruben ist eine Welle der allgemeinen Entspannung durch das Land ge­gangen. Allerdings ist man sich auch der Ver­luste bewußt, die der Streik verursacht hat. Der Streik hat einen Förderausfall von 100 Mill t Kohle im Wert von 2 Mrd. Doll, gebracht. Darin sind aber die Lohnausfälle der über 1 Mil­lion arbeitslos gewesener Bergleute noch nicht enthalten. Der Förderausfall hat zusammen mit den andern Streiks die Herstellung von Autos und andern wichtigen Verbrauchsgütern um minde­stens 3 Monate zurück geworfen. Wie Innen­minister Krug, dem auch die Verwaltung der von der Regierung beschlagnahmt gewesenen Gruben unterstand, mitteilte, werde wahrscheinlich eine Kohlenpreiserhöhung um 25 v. H. nötig werden, um die Steigerung der Gestehungskosten durch die Lohnerhöhung auszugleichen.

Die 75000 Bergleute der Anthrazitgruben hoffen, wie ihre Gewerkschaft an Innenminister Krug telegraphierte, daß der Streik in Kürze auf Grundlage des mit den Steinkohlenbergleuten vereinbarten Tarifvertrags bei gelegt werden kann.

Mit 61 gegen 20 Stimmen hat der Senat das Ausnahmegesetz Trumans gegen den Streik ange-

Schlußergebnisses ziehen. Die Republikanische Volksbewegung (MRP) dürfte die größte und stärkste Partei Frankreichs werden und dement­sprechend die meisten Sitze im Parlament gewin­nen. Der Erfolg beruht auf dem starken Zuwachs in der Provinz. Dagegen werden die Kommu­nisten im Parlament etwas schwächer vertreten sein, während die Sozialisten die drittgrößte Par­tei darstellen.

Der ehemalige Minister und Oberkommissar für deutsche Angelegenheiten Renä Mayer, wurde in Constantine gewählt Zusammenschluß der republikanischen Linken), der ehemalige Mi­nisterpräsident Daladier im Departement Vau- cluse (ebenfalls Zusammenschluß der republika­nischen Linken).

Die neugewählte Versammlung soll die Gesetze für die laufenden Angelegenheiten ausarbeiten und den Ministerpräsidenten ernennen, der ihr gegenüber verantwortlich ist. Gleichzeitig soll sie jedoch auch das endgültige Regime Frank­en rii» fMtantren sowie eine , H^faseung ausarbei­ten. die dem Volke spätestens nach 7 Monaten zur" Entscheidung vorgelegt wird.

1) Unter Einschluß 11 Abgeordneter der „demokratischen Union des algerischen Manifestes'*.

2) Unter Einschluß von 4 Abgeordneten der ..kranLOsisch- muselmanischen Union".

- Das Streikgesetz Trumans angenommen

nommen, allerdings unter Streichung der von ver­schiedenen Seiten stark angefeindeten Mobili­sierungsklausel, die es dem Präsidenten erlaubt hätte, die Arbeiter zum Heeresdienst ein­zuziehen, die nach der Beschlagnahme eines In­dustriewerkes durch den Staat in den Streik ge­treten wären. Die Weigerung, dem Befehl des Präsidenten zu entsprechen, hätte : die Arbeiter vor das Kriegsgericht gebracht.- Der Senat strich auch die Bestimmung des Entwurfs, die der Re­gierung das Recht geben sollte, die während der staatlichen Verwaltung der zeitweilig beschlag­nahmten Betriebe erzielten Gewinne zu behalten.

Ein neuer gefährlicher Streik droht auszu­brechen, wenn die 200 000 Seeleute ihre Dro­hung wahrmachen, am 15. Juni in den Streik iu treten, wenn ihre Lohnforderungen und ihre For­derungen auf bessere Arbeitsbedingungen nicht von den Reedern angenommen werden. Auch die Ankündigung des Präsidenten Truman , daß er die Kriegsmarine und die Marineinfan­terie aufbieten werde, um den Seetrans­portdienst aufrecht zu erhalten, wird die Gewerk­schaft der Seeleute, wie ' sie bestimmt erklärt, nicht vom Streik abhalten. Die Anträge auf Lohn­erhöhung und Verkürzung der Arbeitszeit wurden von den Reedern vorerst abgelehnt. Sie erklär­ten, daß die Befriedigung dieser Ansprüche „die amerikanische Handelsmarine als Faktor des Welthandels und der nationalen Verteidigung lahmiegen würde.“

^einerlei Fortschritt in den Verhandlungen der stellvertretenden Außenminister

PÄHIS — Neben den Wahlergebnissen steht die französische Presse J zu einem bestimmten Teil immer noch unter dem Eindruck der Ergebnisse der ersten Viererkonferenz. Kaum ein Blatt über­rieht die durch die Konferenz entstandene ge­spannte außenpolitische. Lage. Die Erklärung Moiotows, über die wir vor acht Tagen berich­teten, wird im allgemeinen , als eine heftige Ant­wort i an Byrnes aufgefaßt. So spricht die „Paris Prpsße“ von einem t „Angriff Moiotows gegen die angelsächsiche. Koalition und gegen den anglo- amerikanischen Kapitalismus“. Wie „L’Epoque“ wissen will, habe rpan die Erklärung Moiotows m England mit großem fernst aufgenommen und fest- ttestellt, daß, der schon T bestehende Riß zwischen den Alliierten in den Fragen über'Donau , Italien , Jugoslawien , Österreich nur noch vergrößert wor­den- sei.

tdererseits befassen sich einige Zeitungen be- lers mit der Gegenerklärung des amenkani- n , Außenministers Byrnes , der im Rahmen ei- -Pressekonferenz. die Vorwürfe Moiotows als un - Ündet zurückweist.

l der Konferenz wird, wie aus Washington ge- iet wird,- Byrnes von den Senatoren Connaly Vandenberg begleitet sein. Außerdem liegen j» zwei Pressekommentare vor:

„Le Monde “ schreibt: „Vor der zweiten Kon- ferehz der Vier unterstreicht Georges Bidault die Notwendigkeit eines raschen Abschlusses der Frie­densverträge", wobei das Blatt vor allem die Hoff­nung auf ein günstiges „Konferenzklima“ aus­drückt, das eine Einigung über die strittigen Fra­gen ermöglichen möge; denn die Einigkeit zwi­schen den 4 Mächten sei unerläßlich, besonders zur Lösung des deutschen Problems.

Franc-Tireur gibt als einziges Blatt eine Londoner Information wider, wonach ein hoher ausländischer Diplomat bei seiner Rückkehr von einer Balkanreise geäußert hat, daß die sowjet­russische Politik eine neue Richtung erhalten werde. Und zwar wollte Molotow gern vermei­den, daß die nächste Viererkonferenz wieder mit einem Mißerfolg endet; daher sei er zu einem Kompromiß in der Triest -Frage bereit.

Was die Verhandlungen der stellvertretenden Außenminister betrifft, so befassten sich diese mit der Aufteilung der italienischen Flotte. Die Vereinigten Staaten möchten Italien eine moderne Flotte belassen, während Frankreich und die UdSSR der Ansicht sind, es sei nicht notwendig, daß Italien im Mittelmeer eine bedeutende Flotte behält, die einen gewissen militärischen Wert hätte.

Es wurde keinerlei Einigung erzielt.

CORNWALL (Ontario ) — 5000 Seeleute der ka­nadischen Seen sind in den Streik getreten, um eine Herabsetzung ihrer Arbeitszeit von 12 auf 8 Stunden zu erzwingen. Der Streik hat die Getreide- und Lebensmittellieferungen aus Ka­ nada bereits erheblich beeinträchtigt

Sieg der Republik in Italien ?

ROM . — Nach den halbamtlichen Teilergebnissen des Referendums über die Verfassungsfrage erhielt die Republik 1154 000 Stimmen, dagegen die Mo­narchie nur 905 (KM) Stimmen.

Die Zählung der für die Konstituante abgegebe­nen Stimmen ergab bis Dienstag früh 7 Uhr fol­gendes Bild:

Christliche Demokraten

2 862 800

Sozialisten

1615 350

Kommunisten

1565 450

Demokratische Union

267 819

Republikaner

219902

Uomo Qualunque

210199

Freiheitsfront

95 128

Aktionisten

89 750

Verschiedene

131716

Um Unruhen zu vermeiden, hat der Innenmini­ster die Benützung von Lautsprechern zur Bekannt­gabe der Wahlergebnisse und der Ergebnisse des Referendums verboten.

DR. H. F. GEILER:

Inerika hilft Frankreich

Mit dem Abschluß der Wirtschafts- und Finanz* Verhandlungen, die der ehemalige Ministerpräsident und Sozialistenführer Läon Blum als Sonderbot­schafter Frankreichs seit zwei Monaten in Wa­ shington geführt hat, kann das französische Volk zufrieden sein. Das Abkommen gibt ihm die geld­liche Möglichkeit, seinen Vierjahresplan für den Wiederaufbau und die industrielle Erneuerung durchzuführen. Zwar hatten die französischen Un­terhändler als Betrag an neuen Krediten mehr als die 650 Mill. Doll, erwartet, die Frankreich jetzt von der Eximbank (Export and Import Bank) er­halten wird. Aber dieser Betrag wird nur ein Teil der USA -Hllfe sein. Die Regierung der Vereinigten Staaten hat nämlich auf die Rückzahlung der Be­träge verzichtet, die Frankreich für die Pacht-Leih- Lieferungen während des Krieges an die USA schul­det, und die auf etwa 1800 MiU. Dollar beziffert werden. Diese Schuld Frankreichs ist gestri­chen und Präsident Gouin konnte mit Befrie­digung in seiner gemeinsam mit Präsident Tru­ man abgegebenen Erklärung darauf hinweisen, daß Frankreich jetzt seinen Aufbau von einer besseren Grundlage aus beginne als 1918, als es an die Ver­ einigten Staaten noch 3 340 Mill. Dollar schuldete. In der gleichen Erklärung nannte Gouin die Gründe, die an der Verringerung der Produktion in der Welt schuld sind. Er sagte: „Ein einziges Land auf der Welt könnte der Lieferant der zivi­lisierten Nationen werden: Deutschland mit seiner Produktionsfähigkeit von 300 Mill. Tonnen im Jahr. Aber nur ein einziges Land, das aus dem Krieg mit einem verstärkten Wirtschaftspotential hervor gegangen ist, konnte uns zu Hilfe kommen: die Vereinigten Staaten .“

Natürlich werden die 650 Mill. Doll, bei weitem nicht ausreichen, um den Vierjahrsplan, der . nach seinem Schöpfer und Organisator Jean Monnet , der „M o n n e t - P1 a n“ heißt, zu finanzieren. Die­ser Plan tat mit genauen statistischen Angaben über die Erzeugungsverhältnisse in allen wichtigen fran­ zösischen Wirtschaftszweigen den amerikanischen ' Regierungsvertretem vorgelegt worden und diese Unterlagen haben als' Grundlage für die Verhand­lungen und für das Abkommen selbst gedient. Die­ses sieht vor, daß die Regierung der Vereinigten Staaten ihren Einfluß bei der Internationalen Wie­deraufbaubank geltend machen wird, damit Frank­ reich von diesem Institut zusätzliche Kredite er­hält. Man spricht von einem Betrag zwischen 500 und 600 Mill. Doll. Weitere Kredite erwartet Frank­ reich von dritten Ländern, wie Kanada , der Schwefer- Arg e ntinien u»d Brasilien . — ___ ,

Der von der Eximbank gewährte Kredit von 650 Mill. Doll, ist mit 3 v. H. zu verzinsen und in 25 Jahren zurückzuzahlen. (Der Kredit von 550 Mill. Doll., den die Bank bereits im letzten Herbst Frankreich eingeräumt hatte, hat einen Zinssatz von 2*/« v. Hi und eine Laufzeit von 30 . Jahren). Die USA -Regierung räumt Frankreich weitere Kre­dite in Höhe von 720 Milli Doll, ein und zwar zu 2 v. H. und rückzahlbar in 35 Jahren, Davon stel­len 400 Mill. den Gegenwert der seit Aufhören des Pacht-Leihsystems an Frankreich gemachten Liefe­rungen dar, 300 Mill. werden Frankreich zum An­kauf der auf französischem Boden befindlichen Vorräte des amerikanischen Heeres zur Verfügung gestellt und 20 Mill. dienen zum Ankauf der 75 Liber ty - Sch if'f e. Diese haben zwar einen Kaufwert von 37,5 Mill. Doll., wovon aber 17,5 MiU. als Entschädigung für den an die USA überlassenen französischen Riesendampfer „Normandie “ und die andern unter USA -Flagge gefahrenen französischen Schiffe abgerechnet wer­den. Frankreich erhält also von den USA eine Geldhilfe von 3170 Mill. Doll-, davon 1800 Mill. in Fbrm der Kriegsschuldenstreichung, und 1370 Mill. als Kredite. Von diesen sind 970 Mill. Doll, neues Geld. -

Der wirtschaftliche und politische Wert des Ab­kommens geht aber weit über diese geldlichen Re­gelungen hinaus. Aus eigener Kraft Frankreichs würde die Verwirklichung des Monnet-Plans 10 bis 12 Jahre beanspruchen. Durch die amerikanische Hilfe hofft, die Regierung, den Plan in vier Jahren, h(s 1950, vollenden zu können.

Bis dahin wird Frankreich seine Industrie und seine Landwirtschaft völlig neu mit M a - s.chlnen und andern Einrichtungen ausstatten, um die Erzeugung so zu steigern und zugleich zu verbilligen, daß genügend Erzeugnisse ausgeführt werden können, mit deren Erlös die notwendige Einfuhr bezahlt werden kann. Die jetzt vereinbar­ten Kredite werden dazu dienen, in der Zwischen zeit, d. h. bis die Ausfuhrkraft Frankreichs genü­gend erstarkt sein wird, das Defizit der Zahlungs­bilanz auszugleichen. Die Kredite werden also auch dazu helfen, den Außen wert des französischen Gelds zu sichern und seine Stabilität zu wahren. Was am völligen Ausgleich der französischen Zahlungsbilanz in dieser Entwicklungszeit dann noch fehlen wird, hofft Frankreich in Form deutscher Wieder- gütmacltungs-Leistungen zu erhalten.

Mit Hilfe der neuen maschinellen Ausrüstung der Industrie und den eingeführten Rohstoffen soll nach dem Monnet-Plan die französische Produktiv­kraft so steigen, daß im Jahr 1950 die Industris­erzeugung um 50 v. H. über der von 1938 liegt. Die Kohlenförderung soll dann um 40 v. H., die Ma­schinenherstellung um 60 y. H. und die Erzeugung von Strom, von Stahl und von Baustoffen um 100 v. H. größer sein als 1938

Um diese Aufgabe zu bewältigen, braucht Frank­ reich viel Kohle, vor allem Ruhrkohle, und die amerikanische Regierung hat bestimmte Zu­sagen gemacht, daß sie den französischen Wunsch auf Zuweisung eines größeren Anteils an der Ruhr­kohlenförderung unterstützen werde.

Nachdem schon Großbritannien in seinen Anleihe­vereinbarungen mit Washington bindende Ver­pflichtungen über die künftige Gestaltung seines Außenhandelssystems übernommen hat, sind gleich­artige gegenseitige Verpflichtungen jetzt auch von Frankreich und den USA festgeigt worden. Sie sind in einer gemeinsamen Erklärung der beiden Regierungen enthalten und haben das Ziel, die Hemmnisse abzubauen, die bisher noch einem freieren Warenaustausch und damit einer Auswei-