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Nr. 28

BADEN!» TAGBLATT

Mittwoch, den 12. März 1947

Aach ein Atomenergie-Abkommen zur Debatte ?

Weltbank und Weltnot

Eine „verzweifelte Welt Situation“ befürchtet

LONDON — Ein Komitee britischer Atomwissen­schaftler und Politiker in England hat an den bri­ tischen Außenminister Bevin eine dringende Auf­forderung gerichtet, mit Generalissimus Stalin und dem amerikanischen Außenminister Marshall sofort die Frage eines Atomenergie-Abkom­mens zu beraten. In einer Erklärung des Komitees wird unterstrichen, daß in der nächsten Zukunft ei­ne strickte internationale Atomkontrolle errichtet werden müsse, wenn £ich nicht eine „verzwei­felte Weltsituation“ entwickeln solle.

Das Komitee stellt fest, daß die Erklärungen der drei Großmächte über eine internationale Kontrolle

der Atomenergie keine grundsätzlichen Differenzen aufweisen. Die bestehenden Meinungsverschieden­heiten können durch den Entwurf eines Planes ge­löst werden, der außer einem Verbot von Atom­waffen in den nationalen Rüstungen die Schaffung einer internationalen Atombehörde vorsieht, ihre Vollmachten zur Kontrolle und Inspektion festlegt und für das Inkrafttreten dieser Vollmachten im voraus bestimmte Zeitpunkte festsetzt. Die Rege­lung dieser Frage, so wird in der Erklärung des Komitees abschließend festgestellt, würde die Lö­sung aller anderen wichtigen internationalen Pro­bleme weitgehend erleichtern.

Beveridge -Plan für Deutschland

Ein Fflnf-Punkte-Programm, um Deutschland die Lust am Kriegführen zu verleiden

LONDON — Lord Beveridge erklärte in einer Rede, es gibt fünf Hauptbedingungen, um Deutsch­ land für immer die Lust am Kriegführen zu ver­leiden, und zwar:

1. Das deutsche industrielle Leben und sein Le­bensstandard dürfen nicht künstlich gehemmt wer­den. 2. Die Alliierten müßten alles tun, was in ihrer Macht steht, um sicher zu gehen, daß den Deutschen wirklich die wahre Demokratie gegeben werde,' wobei diese die Wahl hätten, ihre leitenden Persönlichkeiten zu entlassen, wenn der Wunsch danach bestünde. 3. Deutschland solle nur dann ln verschiedene Staaten aufgespalten werden, wenn es

Meldungen

BERLIN — Drei Transporte mit insgesamt 2059 Heimkehrern aus der Sowjetunion kamen in der Zeit vom 2. bis 6. März in Frankfurt/Oder an.

BERLIN — Die nächste Vorstandssitzung der CDU - Interzonenarbeitsgemeinschaft findet vom dreizehnten bis fünfzehnten März in Berlin statt.

DARMSTADT — Vor der Lagerspruchkammer Darmstadt ist das Ermittlungsverfahren gegen den ehemaligen Oberpräsidenten von Hessen-Nassau , Philipp, Prinz von Hessen, eingeleitet worden.

DARMSTADT — Ein Schaden von 120 000 Mark entstand bei einem Großbrand im Gebäude der Staatsbauschule. Das Gebäude wurde zerstört.

BREMEN — Die von der Wesermünder Stadtver­ordnetenversammlung einstimmig beschlossene Na­mensänderung von Wesermünde in Bremerhaven wurde auch von der' amerikanischen Militärregie­rung bestätigt

DÜSSELDORF — Die Rhein -Fähre, die Düssel -

dsm freien Wunsch des deutschen Volkes ent­spräche. 4. Die Alliierten müßten Deutschland füh­len lassen, daß es wirklich ein Teil der Völker­familie sei. S. Man dürfe den Deutschen in den Grenzfragen, besonders bei den Ostgrenzen, nicht das nagende Gefühl des Unrechts spüren lassen.

Ich bin der Ansicht erklärte Beveridge , „daß nach der Lektion, die dieses hochintelligente Volk durch das Grauen des totalitären Despotismus er­halten hat wir jetzt die große Chance haben, die Deutschen auf den richtigen Weg zu bringen. Es ist der Weg, den jene beschreiten, die der Ansicht sind, daß es nie wieder einen Krieg geben soll."

vom Tage

dort mit Himmelgeist und Udesheim verbindet, kenterte. 30 Personen waren an Bord.

WARSCHAU — 19 ehemals deutsche Handels­schiffe mit 63.000 T. werden* Polen von der Sowjet­ union zur Verfügung gestellt werden.

WARSCHAU — Allenstein soll nach einer Mit­teilung der polnischen Militärmission den Namen Oldetin erhalten. -

NEAPEL — Die Tätigkeit des Ätna hat plötzlich nachgelassen. Die bedrohten Siedlungen sind jetzt außer Gefahr.

LAKE SUCCES — Die deutschen Staatsangehöri­gen, die in dem unter britischen Mandat stehenden Gebiet von Tanganyika leben, haben die UNO ge­beten, einzugreifen und zu verhindern, daß sie von den englischen Behörden nach Deutschland zurück­geschickt werden. Gegebenenfalls wollen die Deutschen nach Rhodesien (Südwestafrika) oder Lateinamerika auswandern.

General Koenig In Tübingen TÜBINGEN

— AÄi 6. März fand in Tübingen auf dem Universitätsplatz eine Parade vor dem Ober­befehlshaber der französischen Besatzungstruppen in Deutschland , General Koenig, statt, die er anläß­lich des Abschieds von General Mozat — der zum Kommandeur der 5. D.B. ernannt worden ist — und der Übernahme des Kommandos in Tübingen durch Oberst du Breuil abhielt. — Dem festlichen Akt wohnten außer den genannten Offizieren auch Ge­neral Sevez, Commandant superieur der Basat­zungstruppen und Gouverneur Widmer bei. Bei dieser Gelegenheit überreichte General Koenig ver­dienten Offizieren hohe Auszeichnungen.

Landtagswahlen am 18. Mai

Der 18. Mai ist für die Landtagswahlen ln den verschiedenen Ländern der französischen Besat­zungszone und für den Volksentscheid, durch den über Annahme oder Ablehnung der zur Zeit von ' den Beratenden Landesversammlungen ausgearbei­teten Verfassungsentwürfe entschieden werden soll, vorgesehen.

Kommando-Uebergabe an General Clay

FRANKFURT — General Joseph Mc N a r n e y wird, wie das Hauptquartier der amerikanischen Truppen in Europa bekanntgab, das Kommando über die US-Streitkräfte in Europa und das Amt des Militärgouverneurs für die amerikanische Be­satzungszone Deutschlands , am 15. März, um 10 Uhr, in feierlicher Weise vor dem Gebäude des amerikanischen Hauptquartiers in Frankfurt an Ge­ neral Luciua D. Clay übergeben.

BERLIN — Der Personenwagen General Lucius D. Clays wurde vom Parkplatz vordem Haupt­quartier der amerikanischen Militärregierung in "Berlin gestohlen.

Demokratischer Frauenbund gegründet

BERLIN — Auf dem am Sonntag in Berlin ab­geschlossenen Frauenkongreß wurde der Demokra­tische Frauenbund Deutschlands gegründet Erste Vorsitzende ist Frau Dr. Annemarie Durand-Weber, ihr stehen vier Vertreterinnen mit gleichen Rechten zur Seite. In einer Ansprache gab die Abgeordnete der Internationalen Frauenföderation, Bien Liro, der internationalen Frauendelegation bekannt, daß der Generalrat der Frauenföderation in Prag einen Protestantrag gegen die Auflösung der Berliner Frauenausschüsse erhoben hat Auf dem Kongreß, auf dem zwei Vertreterinnen 'der Frauen in der französischen Zone anwesend waren, wurde eine' Entschließung zur baldigen Rückführung der Kriegsgefangenen angenommen.

Freilassung deutscher Kriegsgefangener

LONDON — Deutsche Kriegsgefangene, die in belgischen Bergwerken arbeiten, werden ab Juni 1047 heimgeführt werden. Diese erfreuliche Mit­teilung gab der belgische Ministerpräsident Camille Hymans.

Freundschaftspakt Prag —Warschau

PRAG — Am Montag wurde der polnisch-tsche­choslowakische Freundschafts- und Beistandspakt unterzeichnet und in Prag und in Warschau ' ver­öffentlicht Hauptzweck dieses Paktes ist es, die Sicherheit und die Verteidigung der „beiden sla­wischen Nachbarländer gegen die deutsche Gefahr" zu gewährleisten. Er ist für die Dauer von 20 Jah­ren abgeschlossen worden.

In einem Zusatzabkommen verpflichten sich beide Parteien, sämtliche territorialen Meinungsverschie­denheiten innerhalb zwei Jahren beizulegen. (Das bezieht sich vor allem auf die Teschener Frage). Ferner sollen in Kürze wirtschaftliche und kultu­relle Abkommen abgeschlossen sowie den Staats­angehörigen im Bereich des änderen Partners volle Gleichberechtigung und freie Entwicklung gewährt werden. Die Minderheiten dürfen eigene Schulen errichten, eigene Vereine gründen und erhalten die Kultfrelheit garantiert '

Fernand de Brinon znm Tode verurteilt

VERSAILLES — Der Gerichtshof von Versailles hat den ehemaligen Botschafter der französischen Vichy-Regierung bei der deutschen Regierung, Fernand de Brinon , zum Tode verurteilt Außerdem wurden dem Verurteilten die bürger­lichen Ehrenrechte aberkannt und der Einzug sei­nes Vermögens verfügt.

Mißtranensantrag Churchills

LONDON — Im Namen der Konservativen Par­tei stellte Churchill folgenden Zusatzantrag zu einer Resolution, über die' im Unterhaus abge­stimmt werden soll: „Das Unterhaus hat kein Ver­trauen zu einer Regierung, deren Handlungen die Schwierigkeiten, in denen sich unser Land befin­det, bis Jetzt nur verschlimmert haben, und deren Pläne für die Zukunft entweder unzulänglich oder schädlich sind".

Erste deutsch -amerikanische Heirat

FRANKFURT — Die erste amtliche Genehmigung der amerikanischen Militärregierung für eine deutsch -amerikanische Heirat in Europa wurde dem amerikanischen Zivilangestellten Peter Rupeka aus Hempstead (New York ) und Erika Schäfer aus Frankfurt gewährt.

Der Erfinder des Schwimmwagens vor Gericht

Industrieller Hans Trippei bestreitet die Anschuldigungen des Rastatter Anklägers

RASTATT — Nach einer dreitägigen Pause nahm das Hohe Gericht in Rastatt die Verhandlungen am Montag wieder auf. Die Beweisaufnahme wurde > mit dem Verhör der Angeklagten fortgesetzt Zu­nächst erschien der aus dem Lager Sulz/Neckar an- geklagte Industrielle Hans Trippei. Dem Staatsan­walt kam es darauf an, dem Angeklagten mit seiner Vergangenheit zu beweisen, daß er Nutznießer des Dritten Reiches gewesen sei. Trippei behauptete, daß alle materiellen Gewinne, die er gehabt habe, ihm ausschließlich aus seinen Erfindungen, haupt­sächlich aus der Erfindung des Schwimmwagens er­wachsen seien. Trippei ist schon 1930 zur NSDAP gekommen und will 1939 wieder ausgetreten sein. Als Barvermögen bezeichnet er sein Bankguthaben mit 25 000 RM. gibt aber zu, daß er weitere 500 000 RM als Anteil an seiner Erfindung besitzt. Der Schwimmwagen wurde 1934 von Trippei entwickelt und hat unter den Augen des Stabschefs Lutze zum erstenmal den Rhein überquert Trippei weigert sich aber, zuzugeben, daß er durch die NSDAP be­sonders unterstützt worden sei.

Der Staatsanwalt machte Trippei darauf aufmerk­sam, daß Lutze später Geldmittel zur Verfügung gestellt habe. Trippel bleibt aber bei seiner Be­hauptung, daß er diesen Wagen damals selbst finan­ziert habe. Für seine Erfindung ist Trippel zum

SS-Obersturmbannführer ehrenhalber ernannt wor­den. Trippel bestreitet, daß ihn die Verleihung dieses Titels zu einem vollgültigen Nazi stemple, und führte an, daß beispielsweise Professor Por­sche für seine Erfindungen SS-Standartenführer geworden sei und der große Chirurg Sauerbruch seinerzeit sogar zum SS-Obergruppenfülyer enannt worden wäre. Dennoch sei letzterer heute wieder Chefarzt aller Berliner Krankenhäuser. Ferner sei er ja auch bereits schon 1930 in die Partei einge­treten, zu einer Zeit also, in der man noch keine Vorteile habe erwarten können.

Das' Verhör geht dann auf die in diesem Prozeß zur Verhandlung stehende Tätigkeit Trippeis im Lager Sulz am Neckar ein. Dorthin hatte Trippe! sein Werk evakuiert und dorthin forderte er auch Häftlinge als Arbeitskräfte an. Der Angeklagte gib’ zu, diese Leute selbst bei dem Kommandanten de Lagers Schirmeck, Buck, angefordert zu habe: Die Gefangenen, so sagte Trippel, seien fast aus schließlich in sehr schlechtem körperlichen Zu­stand angekommen. Im übrigen wäre für die Un­terkünfte auch die OT verantwortlich geweser. und diese Organisation habe wenig getan. Nac* Zeugenaussagen haben die Häftlinge zwar nicht ge nüg:.nd. aber für die damalige Zeit verhältnismäßig gute Nahrung erhalten.

hfg. — Auf Anregung und Unter Führung de: USA haben die reicheren Staaten dieser Erde im letzten Jahr eine Weltbank gegründet. Sie hat den Namen „Internationale Bank für den Wiederauf­bau“. Die Welt wird ihre Leistung danach beur­teilen, ob es ihr gelingt, die fundamentalen Schwie­rigkeiten dieser Erde, die vorwiegend organischer, geistiger- und moralischer Natur sind, zu bewälti­gen und ob sie einen brauchbaren und wesentlichen Beitrag zum Glück der Erdenkender- wird leisten können. Die Bank ist gegründet für die Armen die­ser Erde, denn die reichen Gründer haben sie zur Erhaltung oder Mehrung ihres Glücks nicht nötig gehabt.

Die armen Völker erwarten von der Weltbank vor allem eines: daß sie es ermöglicht, in der Welt vorhandenen und erzeugbaren Güter auf alle Völ­ker vernünftig zu verteilen, also auch auf diejeni­gen, die ihrer am meisten bedürfen. Wir haben es in den letzten Jahrzehnten schaudernd erlebt, daß Riesenmengen kostbarer Nahrungs- und Genuß­mittel, wie Weizen, Mais, Kaffee, Fische, gelegent­lich aber auch Baumwolle ins Meer gewor­fen, ln Lokomotivfeuem verbrannt oder zu min­deren Zwecken vergeudet worden sind, bloß um sie los zu werden und die Lagerkosten zu sparen, wäh­rend in anderen Ländern hungernde und frierende Menschen die Hände rangen nach solchen Kostbar­keiten.

Wir Deutsche haben erst vor wenigen Monates» noch mit ansehen müssen, wie vor-unserer Tür, in Dänemark und Norwegen , viele Tausend Tonnen Fische verfaulten und ins Meer geschüttet wurden,- weil cs im Zeitalter der höchst entwickelten Tech­nik nicht möglich war, diese Nahrungsmittel in die hungernden Städte zu schaffen, die nur einen Kat­zensprung entfernt liegen.

Wenn die Gründung einer, Weltbank einen Sinn haben soll, so kann es in erster Linie nur der sein, daß sie solche „Verbrechen gegen' die Menschlich­keit“, geboren aus einem erschütternden Versagen, des wirtschaftlichen Systems, in aller Zukunft ver­hindern soll. Ihre Kredit- und Finanzierungshilfe, für die ihr die Gründer und Mitgliedsvölker reich« Mittel zur Verfügung stellen, wird es möglich ma­chen, daß die Lebensmittel und Rohstoffe aus den Kolonien auch den - Völkern zugänglich sind, die selbst keine Kolonien besitzen, und das vicht hier große Nahrungs- und Rohstoffmengen keine Käufer finden, während dort die Völker hungern und darben.

Die armen Völker sind überzeugt, daß die Be- werkstelligung dieses Ausgleichs zwischen reich und arm das Kernstück jenes Wiederaufbaus unse­rer Welt bildet, zu dessen Finanzierung man di« Weltbank geschaffen bat.

Sowjetrussische Handelsabkommen

w — In der amerikanischen Zeitschrift „Foreign Affairs“ behandelt Herbert Fels, der frühere Wirt­schaftsberater des amerikanischen Staatsdeparte­ments, die Gegensätze in der Wirtschaftsauffassung der auf der Londoner Konferenz vertretenen Staa­ten und gibt dabei einen Überblick über die bis­her nur unvollkommen bekannt gewordenen Han­delsabkommen der Sowjet-Union mit den angren­zenden Staaten.

Die Verträge mit Bulgarien , Rumänien und Un­ garn sind zwar in ihren Einzelheiten geheim ge­blieben, aber es scheint doch allerlei durchgesickert zu sein, sodaß sich nach der Darstellung von Her­bert Fels im wesentlichen folgendes Bild ergibt:

Die Verträge gliedern sich in zwei Gruppen, in ausgesprochene Handelsverträge über den Aus­tausch von Produkten, Preise und Bezahlung und in Abkommen über eine wirtschaftliche Zusam­menarbeit, die im allgemeinen eine 50prozen- tige Beteiligung der Sowjet-Regierung in verschie­denen Teilen des Wirtschaftslebens der Staaten darstellt, die im zweiten Weltkrieg gegen die So­wjet-Union standen.

Das Handelsabkommen mit Rumänien sieht einen Güteraustausch von 20 MiU. Dollar vor, aber die Forderungen an Rumänien waren zu hoch, so daß im ersten Jahr nur 30 vH der vorgesehenen Mengen ausgfeführt werden konnten. Außerdem wurden gemeinsame sowjetrussisch-rumänische Gesellschaften für Urproduktion. Schiffahrt, Zivilluftfahrt, Banken und Holzindustrie gegründet Sie haben eine nahezu monopolistische Stellung. Außerdem muß Rumänien große Lieferungen für Reparationen machen. Aus diesem Grund ist Ru­ mänien

außerstande, mit einem anderen Land tu ausreichende Handelsbeziehung zu treten.

Ähnlich sind die Verhältnisse in Bulgarien . Der Geldwert des Handelsvertrages machte di« Hälfte des Gesamtwertes des bulgarischen Handel* 1939 aus. In Wirklichkeit wurden diese Zahlen aber nicht erreicht. Sehr stark ist die sowjetrus­sische Einflußnahme bei der Bergwerks-Industrie.

Das Handelsabkommen zwischen der Sowjet­ union und Ungarn sieht einen Güteraustausch im Wert von 30 Mill. Dollar in jeder Richtung vor. Das sind 19 vH des ungarischen Außenhandels 1939 und weniger als der frühere Umfang des Han­dels zwischen Deutschland und Ungarn . Die­ses Abkommen scheint aber nicht befriedigend er­füllt worden zu sein, man nimmt daher an, daß neue Verhandlungen im Gange sind.

In dem Artikel wird darauf hingewiesen, daß man zwar noch keine endgültigen Schlüsse über die wirtschaftlichen Auswirkungen dieser Abkom­men ziehen könne, aber es sei verständlich, daß dl« amerikanische und andere Regierungen zu der An­nahme kämen, daß die Sowjetunion auf diese Weis« die Wirtschaft der kleinen Länder beherr­schen wolle. Man sei sich nur noch nicht dar­über einig, wie weit man mit den Vorstellungen gehen wolle. Immerhin sei im Rat der Außenmini­ster dieses Problem bereits zur Sprache gekommen und habe dort zu Auseinandersetzungen geführt Wenn die Sowjetunion davon absehen würde, ihre wirtschaftliche Einflußnahme zur politischen Be­herrschung und sozialen Revolution auszudehnen, dürften sich auch die Vereinigten Staaten bereit finden, ihre Wirtschaftsauffassungen elastisch zu halten.

Volkswagen erst wieder ab April

gl. DÜSSELDORF — Die Produktion an. Kraft­fahrzeugen ist seit Dezember in der britischen Zone rückläufig. Das Volkswagenwerk in Wolfsburg bei Fallersleben liegt seit Januar still und wird erst An­fang April die Produktion wieder aufnehmen. Die Ford- Motor-Company AG. in Köln berichtet, daß gegenwärtig die gesamte Produktion an deut­ sche Abnehmer verkauft wird, die eine Zuwei­sung durch das Straßenverkehrsamt erhalten. In der Motorenabteilung werden keine Austauschmotoren für Kanada und England gebaut wohl aber Moto­ren für Fahrzeuge der Besatzungsmacht überholt Die Standard-Motoren, die Normalen Motoren für Fordfahrzeuge, werden ausschließlich für die deut­sche Fahrzeugproduktion gebaut. Bei den LKW- Modelien der Ford-Werke handelt es sich um ein Fahrzeug von 3 Tonnen Nutzlast.

K. — Die Fa. L. & Ri111 er in Bietigheim er­hielt einen größeren Auftrag zum Bau von Baracken für das Volkswagenwerk in Muggensturm .

Berliner Bortigwerk wird stillgelegt

BERLIN — Die Stillegung des im französischen, Sektor Berlins gelegenen BorsigwCrks hät die französische Militärregierung auf Grund ei­nes Kontrollratsbeschlusses angeordnet.

General Gäneval hat mitgeteilt, daß Gerüchte über weitere geplante Demontagen im französi­ schen Sektor Berlins nicht den Tatsachen ent­sprächen.

Verstaatlichungen in der Ostzone Die Benz in-Werke und Mineralöl-Raffinerien von Klaffenbach bei Chemnitz sind auf Anordnung des Marschalls Sokoiowsky verstaatlicht worden. Sie sind das größte industrielle Unternehmen die­ser Art in der sowjetischen Zone. Die Max- Hütte- Hochöfen von Unterwellenhorn in Thü­ ringen sind ebenfalls verstaatlicht worden.

Lokomotiven von Blohm & Voß Hwg. Die Hamburger Werft Blohm & Voß soll, wie unser Hamburger Korrespondent erfährt, die Genehmigung zum Bau von Lokomotiven erhalten. Teile davon sollen Im Zweigwerk Hamburg -Ved­del angefertigt werden. Der katastrophale Zustand des Reichsbahn-Materials soll die alliierten Stel­len zu diesem Schritt veranlaßt haben. Die gegen­wärtig im Verkehr befindlichen Lokomotiven Ver­brauchen, da sie wegen Materialmangel nicht über­holt werden können, fast das doppelte an Kohle wie in normalen Zeiten.

Mehr Backpulver in Aussicht?

Wwg. — Der Betrieb der Nährmittelwerke Dr. August Oetker konnte in den letzten Wochen weiter ausgebaut werden. Von 1200 vor dem Krieg beschäftigten Arbeitskräften sind wieder 750 tätig. Da die Nährmittelverarbeitung durch Schwierig­keiten in der Rohstoffbeschaffuiig leidet, sind Ver­suche im Gang, neue Erzeugnisse herauszubringen. Die Herstellung von Backpulver soll ebenfalls ge­steigert werden.

Rhenanla—Ossag ändert Namen Hwg. — Di« Rhenania-Ossag Mineralölwerke AG. Tamburg hat ihren Namen jetzt in Deutsche -keil AG. geändert Die Gesellschaft hat sofort ach Beendigung des Kriegs ihre in allen vier Zo­en arbeitende Organisation wieder aufgebaut und iie Raffinerien anlaufen lassen.

Ostzone fördert mehr Köhl *

Die Steinkohlen-Förderung in der Ostzone hat iahezu 75 vH der Vorkriegsförderung erreicht Im laufenden Jahr soll die Förderung um 15 vH gestei­gert werden,

Für die Bauern

FREIBURG i. Br. — Das Badische Ministerium für Landwirtschaft stellt im laufenden Jahr Be­kämpfungsmittel gegen die Dasselfliege ix» Aussicht Die Ausbildung von „Abdaßlem“ ix» den betroffenen Kreisen ist vorgesehen.

Im Rahmen der in Minden vereinbarten Geschäf­te zwischen der französischen und englisch - amerikanischen Zone ist auch die Einfuhr land­wirtschaftlicher Maschinen und Geräte im Wert von 10 Mill. Mark in die französische Zone (außer dem Saargebiet) vorgesehen. Ein Teil davon wird den badischen Landwirten auf Antrag über den Handel oder die Landwirtschaftsämter zur Ver­fügung gestellt werden.

Als Prämie für den Anbau von Hanf und Flachs werden für ein Drittel des Verkaufswerts abgelieferter Faser dem Erzeuger, Webwaren nach seiner Wahl zum Friedens-engros-Freis ge­liefert werden

Für den Somme/ -ölfruchtanbau können mit der Firma Sonoli in Offenburg wieder An­bau-Verträge auf Senfsaat vereinbart werden. Für die Ablieferung von je 100 kg Senfsaat wird eine Prämie von 2 kg öl gewährt.

USA stellen Weizeoausfuhr ein

WASHINGTON — Das amerikanische Landwirt­schaftsministerium hat angekündigt, daß die U.S.A im April 1 524 000 t Weizen (oder Weizenmehl), Mais, Hirse, Hafer und Gerste für die Ausfuhr be­reitstellen. In den folgenden Monaten und voraus­sichtlich bis zur endgültigen Schätzung der Getrei- dereserven, also Juni oder Juli wird wahrscheinlich kein Weizen mehr ausgeführt werden. Mai und Ju­ni werden sich daher die amerikanischen Getreide­exporte auf Mais und ähnliche Sorten beschränken. Die schwierig gewordene Lage der amerikanischen Weizenversorgung hat in der vergangenen Woehe zu einer Erhöhung der Getreidepreise geführt. Wäh­rend der Monate, in denen die Vereinigten Staaten keinen Weizen ausführen, soll die Weizenausfuhr Kanadas und Argentiniens gesteigert werden.

Wirtschaft in Kürze

Neue Eisenbahntarife\

w. Der Nachrichtendienst der Mannheimer In­dustrie- und Handelskammer weist darauf hin. daß Verhandlungen schweben wegen einer Anpassung der Eisenbahntarife an die veränderte politische Lage. Es werde, davon gesprochen, daß dar Staf­feltarif dem heutigen Umfang Deutschlands nicht mehr entspreche. Auch d ; e Ausnahmetarife müßten einer gründlichen Überprüfung unterzogen werden.

Wieder Sondertarife ln der Ostzone

Die Ausnahmetarife der Reichsbahn waren Ir der Sowjetzone am l. Oktober 1945. außer für Dün­gemittel und Milch, aufgehoben worden. Jetzt wer­den die wichtigsten Ausnahmetarife wieder einge­führt, darunter für Kohle und Nahrungsmittel. Außerdem werden Fahrpreisermäßigungen, beson­ders für Arbeiterrückfahrkarten und Monatskarten, mit gewissen Einschränkungen, wieder nach dem Stand vor dem 1. Oktober 1945 eingeführt.

Bulgarien zieht Banknoten ein

Alle bulgarischen Banknoten und Staatsschuld­verschreibungen ab 200 Lewa werden ab 11. März aus dem Verkehr gezogen. Sie werden durch neue Banknoten ersetzt werden, kleinere Wert« bleiben gültig und werden nicht eingezogeii.

Wieder Kölner Messe

Die erste Kölner Messe nach dem Krieg ist fü Herbst 1947 geplant. Firmen die auf der Köinc Messe ausstellen wollen, erhalten Auskunft durch die Kölner Messe- und Aussteilungs-GmbH.

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