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Nr. 49

BADENER TAOBLATT

Freitag, den 10. Juni 1947

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WELT DER FRAU

Zur Schulreform

„Man darf nicht auf H^r Ruhmpreisung der Ver­gangenheit bestehen, sondern muß sein Augenmerk auf den Aufbau der Zukunft richten. Die voraus­schauenden Menschen überall in der Welt werden sich niemals mit der Aufrechterhaltung eines Er­sieh ungswesens einverstanden erklären können, das nicht dem ärmsten Kinde ebenso wie dem reichsten gleiche Ausbildungsmöglichkeiten gewährt“, so führte General C1 a y auf der 20. Sit­zung des süddeutschen Länderrats in Stuttgart im Hinblick auf die deutsche Schulreform aus. „Was hat sich von dem „Alten“ bewährt?“ warf Minister Grimme als Frage bei der Versammlung der Päda­gogen in Berlin auf. Nichts hat sich bewährt. Aber „Stehen vor dem Nichts, heißt zugleich Stehen vor allem. Eine radikale Schulreform als ethi­sche, nationale und europäische Aufgabe und Um­gestaltung der politischen und gesellschaftlichen Struktur ist notwendig.“

Mehr denn je muß unser Blick dem vor uns Lie­genden, Zukünftigen zugerichtet sein, denn es geht darum, daß das Antlitz der jungen deutschen Ge­neration die Züge wahrhafter Humanität trägt

Deshalb wird es wohl die Aufgabe der deutschen Frau sein, an dieser neuen Menschengestaltung in­tensiv mitzuformen. Ihr ist die Erziehung des Kin­des und jungen Menschen anvertraut. Sie kann von Anbeginn an den Heimsiegen, der Saat verspre­chen darf. Aber über die mütterliche Funktion fällt ihr noch eine große staatsbürgerliche Pflicht auf diesem Gebiet zu. Das Interesse, das sie an der Pflege von Geist und Seele ihres Kindes nimmt, muß sie erstrecken auf alle Kinder des Vplkes. Keine konventionelle Bindung und keine „beamtete Luft“ dürfen die Entwicklung jenes deutschen Menschentyps beschränken, der, woher auch der Einzelne kommt und welchen Stand er einmal ver­körpern wird, wissen muß, daß von jedem ein bes­seres Deutschland würdig in aller Welt zu vertre­ten ist. Darum sollte sich auch die Frau dafür in­teressieren, was diese Schulreform sowohl dem In- dividium als auch der Allgemeinheit zu bieten hat.

Annedore Leber .

Frauenring Baden-Baden;

„Aus dem Buche der Nafur"

In dem mit duftenden Rosen geschmückten Speiseraum des Hauses Quisisana in Baden-Baden brachte Frau Frieda Maria Arnold, die bekannte Märchenerzählerin, Legenden und Gedichte zu Ge­hör. Die Veranstaltung wurde von kleinen Musik­stücken umrahmt.

Letzte Sonnenstrahlen fielen durch dunkle Tan­nen und dichtbelaubte Kastanienbäume in den et­was düsteren Raum und schufen so in Verbindung mit der Musik die geeignete Stimmung für die Er­zählungen.

Frau Arnold begann mit der bulgarischen Le­gende „Die Schöpfung“. Gedichte von C. F. Meyer, Annette von ‘Droste-Hülshoff, Stefan George und zwei Grimm’sche Märchen „Der Zaunkönig“ sowie „Jörinde und Jöringel“ folgten.

Zum Abschluß des Abends brachte Frau Arnold Gedichte von Brentano und Franz Werfel sowie „Der Eichbaum“ von Hölderlin .

Der kleine Kreis der Zuhörer dankte herzlich für die ausdrucksvolle Erzählkunst Frau Arnolds.

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Zu Beginn der Veranstaltung gab Fräulein K a t z die vorläufige Genehmigung für den Frauen- r i n g des Landes Baden bekannt, der nunmehr mit den verwandten Organisationen in anderen Zonen Zusammenarbeiten kann.

Den Stopfnachmittagen des Frauenrings soll in Kürze ein Pantoffelkur s angegliedert werden.

F. F.

Parlamenf ohne Frauen

Dem „Schwäbischen Tagblatt“, Tübingen entneh­men wir:

Trotzdem die Wahlvorschläge aller Parteien nicht wenig Frauennamen enthielten, kann auch das schärfste Auge im Landtag zu Bebenhausen keine Frau entdecken, weder eine tüchtige Berufs­dame, noch eine ehrwürdige Mutter, von einer , reinen Politikerin ganz zu schweigen.

Aus der Wahlkartei geht deutlich hervor, daß sich die Frauen „gut“, das heißt zahlreich, an der Wahl beteiligt haben. Es kann deswegen nicht be­hauptet werden, die Frauen hätten nicht das ihrige getan, um „ihre" Kandidatinnen durchzubringen.

Die stärksten Parteien hatten keine Frau an sicherer Stelle. Es kamen, grob gesagt, alle Frauen­stimmen den Männern zugute.

So ist aber die Sache mit dem passiven Wahl­recht der Frau sicher nicht gedacht.

Freilich, wer es schon erlebt hat, wie die glei­

chen Männer, welche so verführerisch um unsere Stimmen buhlen, sich hei 'der Aufstellung der Kan­didaten in hitzige Feinde aller „Unterröcke auf dem Rathaus“ verwandeln, der wundert sich über nichts.

„Die Frau schweige in der Kirche“ sagt Paulus , der Apostel. Er scheint in diesem Punkte in Würt- temberg-Hohenzollern eifrige Anhänger zu haben.

Ein Glück ist es vielleicht, daß unsere Parlamen­tarier Gattinnen, Freundinnen, Mitarbeiterinnen, Mütter und Töchter haben. Diese sollten ihnen mit weiblichen Spezialwünschen so lange In den Ohren liegen, bis etwas davon in die Politik ein­dringt.

An Stoff dazu fehlt es nicht. Luise.

Ueberwindung der Ehekrise

Die Kath. Arbeitsgemeinschaft in Ba­ den-Baden behandelte in einer Reihe von Vorträgen, an denen besonders die Jugend interessiert war, die Fragen der Ehekrise.

Dr. Müller legte in klaren und eindringlichen Worten die katholische Auffassung von der Un­lösbarkeit der Ehe dar, wobei er nicht der Versu­chung verfiel, sich starr auf den Doktrin festzulegen. Er möchte den Ehen wieder jenes christliche Ethos eingeflößt sehen, das beide Partner jederzeit die inneren Nöte und Sorgen des anderen verstehen läßt, wodurch sich während des Krieges Entfrem­dete wieder finden können.

Dr. med. Koch befaßte sich mit den gesundheit­lichen Seiten des Sexualproblems, wobei er an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig ließ. Er warnte mit ausführlichen Begründungen vor den Gefahren des vorehelichen Verkehrs, worunter er auch die sogenannten Liebeleien versteht, bei denen es nur aus Angst nicht zum Letzten komme und man seine seelische Kraft, lieben zu können, tropfenweise verplempere.

Zum 8 218 wies er auf die gesundheitlichen Schä­digungen für jede Frau hin und bekräftigte des weiteren die Auffassung der katholischen Kirche , daß Abtreibung Mord sei, Mord am keimenden Leben.

Nach Beendigung der beiden Referate trug eine fruchtbare Diskussion dazu bei, weitere Fragen zu klären, so daß jedermann tief beeindruckt war von der frischen und prägnanten Art, mit der sich die Kirche hier an diese Probleme herangewagt hat. -fi-

Kurznachrichten

Tuberlailosegefahr

Die Tuberkulose soll jetzt durch einen neuen Versuch in Dänemark bekämpft werden, mit einem Impfstoff BCC, der sich erfolgreich gezeigt haben soll. Abordnungen des dänischen Roten Kreuzes gehen in diesen Wochen nach Warschau , Budapest und Rendsburg , um mit der Impfung der dortigen Bevölkerung, und zwar zuerst der Kinder, zu be­ginnen.

Nach neuen Zahlen sollen in Polen monatlich etwa 18 000 meist junge Menschen an TB sterben. In Jugoslawien ist die Krankheit um 50 Prozent gestiegen. In Deutschland sind allein in der amerikanischen Zone 120 000 TB-Kranke.

Mädchen als Reparationen Australien hat als einziges Land mit Männer­überschuß den Plan gefaßt, von Deutschland an Stelle von Reparationen 200 000 deutsche Mädchen zu verlangen. Um jede Ansteckungsgefahr von nazistischen Ideen auszuschalten, dürfen die Mäd­chen heute aber erst 12 Jahre alt sein. Bis sie hei­ratsfähig sein werden, wird manches Jahr ver­gehen. Das ganze klingt deshalb stark nach Zu­kunftsmusik.

Erster weiblicher Minister in Schweden In Schweden wurde zum erstenmal ein weiblicher Minister ernannt. Frau Professor Karin Kock- Lindberg war vorher als Sachverständige im schwe­dischen Handelsministerium tätig.

Lehrgänge für Hauspersonal in England Um dem auch in England fühlbaren Mangel an Hausgehilfinnen abzuhelfen, plant die britische Re­gierung, in 11 Instituten in verschiedenen Bezirken junge Mädchen zu Hausgehilfinnen auszubilden. Außerdem sollen die Arbeitsbedingungen wesent­lich verbessert werden: Die Arbeitszeit wird auf 48 Stunden in der Woche festgesetzt. In jeder Woche müssen drei halbe Tage frei sein, außerdem alle öffentlichen Feiertage; es muß ein bezahlter Ur­laub von zwei bis drei Wochen gewährt werden; außerdem muß Ihnen ein gutgeheiztes Wohn-, Schlafzimmer oder ein Schlafzimmer und die- Be­nutzung eines Wohnzimmers zugesichert werden. Die Zentrale der Institute wurde ln London von Mrs. Attlee eröffnet.

Der gefeierte Gast teilte sich mit dem Orchester in die minutenlangen Ovationen.

Solist des Abends war der berühmte französische Geiger Jacques Thibaud , dessen poesiereicher Vor­trag das Publikum immer wieder entzückt Er spielte Mozart G-dur-Konzert (K. V. 216) mit be­rückender Klangschönheit vor allem das Adagio so innig, beseligend, verklärt, daß man himmlisch sa­gen möchte. In technischer und stilistischer Hin­sicht war die Wiedergabe allerdings ziemlich be­denklich, was der Begeisterung der Zuhörer aber keinen Abbruch tat

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Di« Programme der Liederabende, die in den letzten Wochen stattfanden, wichen erfreulicher­weise von der in solchen Veranstaltungen üblichen Schablone ab. Die von den Künstlern gewählten Vortragsfolgen waren keine Zusammenstellungen bekannter Lieder, sondern interessante Verbindun­gen selten gehörter Stücke aus dem 18. und 19. Jahrhundert mit Kompositionen zeitgenössischer Musiker. Der groß^ Erfolg, den vor allem die mo­dernen Liederzyklt hatten, widerlegte die Ansicht der konservativen Kreise, .daß unser Publikum das klassisch-romantische Programmschema bevorzuge.

Der künstlerische Höhepunkt dieser Konzerte war der Liederabend der Sopranistin Felicie Hüni- Mihascek, die sich von München aus einen großen Namen gemacht hat. Was heutzutage ihrer Stimme schon an Glanz und Wohllaut fehlt, wird durch ungewöhnliches technisches Können, vorbild- licbe Textbehandlung und mimischen Ausdruck er­

setzt. Kleine, geradezu schauspielerische Gesten, die auf den Zuhörer suggestive Wirkungen aus­üben, machen bisweilen das Podium zur Szene, ohne die Grenzen des Konzertgesangs zu über­schreiten.

Als Erstaufführung sang Felicie Hüni-Mihascek Lieder aus Girauds „Pierrot lunaire“ von Carl Prohaska und Friedrich Bischoffs „Lieder der Kind­heit“ von Mark Lothar , der das ganze Programm begleitete und sich als ein ausgezeichneter Pianist vorstellte. Was Lothar als Komponist erstrebt, hat er seihst einmal mit wenigen Worten erklärt: „die Verbindung traditionsgebundener Formen mit neuer Klanglichkeit, einen durchsichtigen Satz, in Liedern und Opern die Einheit von Wort und Mu­sik.“ Um diese vollkommene Übereinstimmung zwischen dem musikalischen und dichterischen In­halt zu erreichen, hat Lothar ln Bischoffs Gedich­ten auch viele tonmalerische Mittel angewendet, die besonders wirksam und reizvoll in allen humor­vollen Episoden sind. Einige dieser Lieder wurden so beifällig aufgenommen, daß sie wiederholt wer­den mußten.

Eindrucksvolle Lieder von Othmar Schoeck und Hermann Reutter standen im Mittelpunkt des erle­senen Programms, das die Altistin Erna Stell bot. Ihr gut geschultes Organ, das für eine Alt­stimme in der Höhe eigenartig hell klingt, wird allerdings durch schlechte Vortragsmanieren beein­trächtigt. Mit ihrer übertrieben deutlichen Aus­sprache. in der beispielsweise die Endkonsonanten nachgeklappt werden, verdirbt die Künstlerin Stim­mung und Poesie der Lieder und kann daher ihre

KULTUR SPIE GEL

Festwoche

In der Zeit vom 14. Juni bis zum 16. Juli finden die Schweizinger Festspiele statt. Das Programm sieht Werke von Mozart , Bellini, von Cornelius und Wolf-Ferrari vor. Ferner sind unter den neuen Opernkomponisten Menotti , Boris Blacher und Carl Orff vertreten.

Nach dem vorjährigen großen Erfolg der Trierer Kulturwoche findet dieses Jahr Mitte Juni in Trier eine Woche moderner Kunst statt.

Brüssel ist vom 8. bis 28. Juni Schauplatz einer internationalen „Kunst- und Kulturwoche“. Eine reichhaltige Auswahl von Filmen — 50 lange Spiel­filme und zahlreiche Kurzfilme — wird vor der Jury im großen Saal des Palais des Beaux Arts abroüen.

Uni vei sitätsleben

In der Universitätsstadt Lund wurde unter Be­teiligung von 9 Nationen der erste Philo- sophenkongreß nach dem Kriege eröffnet. Er dauerte bis zum 14. Juni.

Am 12. und 13. Juni fand ein Treffen junger Ärzte aus allen vier Besatzungszonen Deutsch­ lands in Marburg statt. Auf der Tagung wurden Möglichkeiten für eine Verbesserung der sozialen Lage der jungen Ärzte und die Neuordnung des Medizinstudiums besprochen.

Erziehiuigswesen

Im Schloß Oberimsingen bei Freiburg wird ein Erziehungsheim für solche Jugendliche eingerichtet, die von den Militärgerichten zu Gefängnisstrafen verurteilt worden sind. Anstatt ihre Strafe in einer Strafanstalt abzubüßen, wird den Jugendlichen Ge­legenheit geboten, bei den örtlichen Meistern ein Handwerk zu erlernen und sich dabei zu bewähren.

Literatur

Der bekannte französische Schriftsteller Andre Gide erhielt in der Universität Oxford am Sonntag das Ehrendoktordiplom überreicht. In der Feier wurde Gide als „ein Weltbürger“ geehrt, der sieh durch meisterhafte französische Übersetzungen von Shakespeare und Conrad bedeutende Verdienste um die englische Literatur erworben hat.

Frau Dr. h. c. Katharina Kippenberg , die langjährige Mitarbeiterin ihres Gatten im Insel­verlag, eine Freundin und Biographin Rainer Maria ^Rilkes, ist im Städtischen Krankenhaus Frankfurt nach schwerer Krankheit verstorben.

Es ist beabsichtigt, eine Gesellschaft der Freunde Rainer Mariä Rilkes ins Leben zu rufen. Frau Käthe Theil, Berlin-Friedenau, Saarstraße 8, bittet literarisch Interessierte, sich mit ihr in Verbindung zu setzen.

Alfred Herr, der bekannte Schriftsteller und Kritiker, ist mit seiner Frau aus dem Londoner Exil nach Deutschland zurückgekehrt.

Theater

Der bekannte deutsche Spielleiter Heinz Hil­ pert wurde vom Stadtr^it Konstanz als Intendant des Konstanzer Stadttheaters bestätigt.

Das Karlsruher „Neue Theater“ ist in Konkurs geraten.

Studenten in Bonn , einer der regsten Theaterstädte des Westens, trafen sich am 10. Juni nach der Vorstellung von „Cäsar und Cleopatra“ von Shaw, einer Einladung des Intendanten Erich Thormann folgend, zu einem Diskussionsabend.

Das Stuttgarter „Neue Theater“ brachte die dra­matische Historie „Juarez und Maximilian“ von Franz Werfel , in der am Beispiel des mexika­nischen Freiheitskampfes der Gegensatz zwischen demokratischem und monarchistischem Prinzip ent­wickelt wird.

Constantin Simonow’s Drama „Die russische Frage“, das anläßlich seiner Aufführung in Berlin und anderen Städten der Sowjetzone stark dis­kutiert wurde, wurde im Rahmen des Stalin-Preises 1946 mit 100 000 Rubel ausgezeichnet.

Musik

Dreitausend Konzertbesucher feierten Wilhelm Furtwängler am Schluß seines ersten Sympho­niekonzertes in der amerikanischen Zone, das jetzt im Kongreßsaal des deutschen Museums in Mün­ chen stattfand.

Die Bach-Festspiele in Strasbourg fanden mit drei bedeutenden Konzerten einen glänzenden Abschluß. In einem Orgelkonzert spielte Frank­ reichs größter Organist Marcel Duprä auswendig die Hauptwerke Bachs mit bewundernswerter Mei­sterschaft. Eine einzigartige Wiedergabe der Sonate für Soloflöte bot Renö Le Roy. Den würdigen Aus­

Absichten meistens nicht verwirkliche». Am Flügel saß Maria Bergmann, die sich in letzter Zeit sehr gut entwickelt hat und in glänzender Form war.

Mit Max Lang als Begleiter gab Willy Rose­ nau einen Lieder- und Balladen-Abend, der nur bescheidene Ansprüche befriedigen konnte. Ohne Zweifel hat der junge Bariton eine voluminöse, klangvolle Tiefe und zeichnet sich durch Sprach­gefühl und Musikalität aus. Aber seine Mittellage ist farblos, die Höhe sogar dünn und gepreßt. Man kann sich auch des Eindrucks nicht erwehren, daß der Künstler gewisse Hemmungen hat, die jene auffallend zaghafte, fest ängstliche Tongebung ver­ursachen, die überall spürbar ist. Auf diese Weise vermag sich die Stimme niemals richtig melodisch zu entfalten und ist daher für epische Aufgaben geeigneter als für lyrische. —

Im Herbst vorigen Jahres besuchte der Moskauer Staatschor des russischen Liedes einige Städte der deutschen Ostzone und erregte mit seinen außer­gewöhnlichen Leistungen Aufsehen und Bewunde­rung. Ende Mai gab der Ukrainische Volkschor, den Grigorij Serejowskij kurz nach der Befreiung Kiews gegründet hatte, sein erstes Gastspiel in Moskau . Um diese Zeit erschien in Baden-Baden das Män­nerensemble „W a t r a“, das ebenfalls ein ukraini­scher Chor ist — allerdings aus östererich. Unter der Leitung von Lew Turkiewycz wurden »ukra­inische, französische und deutsche Volkslieder mit beachtlicher Präzision und Dynamik gesungen. Die Verschiedenartigkeit des Stimmenmateriais, die be­sonders in den Tanören unangenehm auffällt, ver­

klang bildete die Aufführung der Messe in h-moh unter der Leitung von Charles Munch .

Der weltbekannte aus Czestochowa in Polen stammende Violinist Bronislaw Hubermann ist am 16. Juni im Alter von 65 Jahren in der Schweiz gestorben.

Bronislaw Hubermann war lange Zeit Direktor der Meisterschule für Violine an der staatlichen Musik-Hochschule in Wien . Zu den Schriften, die Hubermann veröffentlichte, gehören neben zahl­reichen Zeitungsartikeln über Kunst und Politik die Bücher „Vaterland Europa“, „Mein Weg zu Paneuropa“ und „Aus der Werkstatt des Virtuo­sen“.

Film

Dieser Tage findet in Berlin der erste Film- autoren-Kongreß der DEFA statt, an dem rund 300 Schriftsteller teilnehmen.

Die „Filmfestspiele von Cannes “ finden in diesem Jahr vom 12.—25. September statt. Bei der Preis­verteilung an die zur Aufführung gelangenden französischen und ausländischen Filme ist insofern eine Neuerung getroffen worden, als das Publikum an der Abstimmung über den künstlerischen Wert der einzelnen Filme teilnehmen kann.

Funk

Vom Theätre des Champs Elysees aus wurde am Donnerstagabend erstmalig in Frankreich ein voll­ständiges Drama durch den Fernsehfunk übertra­gen.

Bildende Kunst

Die „Städtische Kunsthalle Mannheim“ zeigt von Juni bis August Meisterwerke deslmpres- sionismus.

Die berühmten Altäre von L,ukas Moser und Hans Schuchlin in der Tiefenbronner Magdalenenkirche sollen in den nächsten Monaten gründlich erneuert werden. Gleichzeitig will man versuchen, die erst vor kurzem entdeckten mittel­alterlichen Wandfresken im Chor und im Schiff frei zu legen.

Picasso hat dem Pariser Museum für moderne Kirnst zehn Gemälde zum Geschenk gemacht.

Der Kunsthistoriker Geheimrat Professor Dr. Wilhelm Pinder ist am 13. Mai in Berlin im Alter von 68 Jahren an einem Magenleiden gestorben. Professor Pinder , der zu den bekanntesten deut­ schen Kunsthistorikern zählte, ist am 25. Juni 1888 in Kassel geboren. Er stammt in der 5. Generation aus der im 18. Jahrhundert berühmten hessischen Kunstmalerfamilie Tischbein. Nachdem er in Göt­ tingen , Berlin , München und Leipzig studiert hatte, wurde er 1905 in Würzburg Privatdozent. Später lehrte er an den Universitäten Breslau , Straßburg , Leipzig , München und Berlin .

Buch- und Zeitschriftenwesen

In der Sorbonne wurde in einem feierlichen Akt das einjährige Bestehen der Zeitschrift „Lancelot “ begangen. Der Kundgebung wohnten der franzö­ sische Oberbefehlshaber in Deutschland , General Koenig, sowie verschiedene Vertreter der franzö­ sischen Staatsregierung und der Militärregierung in Deutschland bei. In der Feierstunde wurde der hohe Wert der in Baden-Baden erscheinenden Zeit­schrift gewürdigt, die in guter Aufmachung den deutschen Lesern beste französische Literatur ver­mittelt und so eine wichtige geistige Brücke über den Rhein darstellt.

Die deutsche Buchausstellung 1947 in Berlin zeigt rund 4500 deutsche und 800 ausländische Bücher neben rund 280 Zeitschriften in 11 Räumen und nach Themen geordnet. „Die Bücher von heute sind die Tatsachen Von morgen“, sagte Sir Stanley Unwin , der Präsident des internationalen Verleger­kongresses Genf auf einem Presseempfang am Vor­abend der Eröffnung der Ausstellung im Charlotten­ burger Schloß am 7. Juni.

Die französische Militärregierung erteilt an Jo­ hannes R. Becher und Paul W i e g 1 e r die Li­zenz für eine Literaturzeitschrift, die unter dem Titel „Die Tradition“ am 1. Oktober dieses Jahres erstmalig erscheinen wird.

Im Auftrag der Jugendkammer des evangelischen Bischofs von Berlin-Brandenburg erscheint eine neue Monatsschrift für evangelische Jugend unter dem Titel „Die Staffelte“.

Die Verlagsanstalten der Sowjetunion planen im Jahre 1947 die Herausgabe von 25 000 Werken, die in 50 verschiedenen Sprachen in einer Gesamtauf­lage von 450 Millionen Bänden erscheinen sollen.

Kulturgeschichtliches

In der neuesten Ausgabe der Encyclopedia Britan- nica sind dem Wort Atom nicht weniger als 5 Seiten gewidmet. In der 1. Ausgabe von 1768 war die Definienmg dieses Wortes auf 4 Zeilen be­schränkt. \

langt jedoch eine bessere klangliche Erziehung des Chores. Den Sängern muß gelehrt werden, den erforderlichen KI an gausgleich durch eine einheit­lichere Singweise zu unterstützen. Dann werden auch jene Steigerungen und Wirkungen möglich sein, die dem Chor noch versagt sind. Gh. Bh.

Französische Altertumsforscher in Baden und Württemberg

In diesen Tagen besuchten bedeutende französi­ sche Altertumsforscher im Rahmen des 105 Archäologen-Kongre sses Baden und Württemberg .

Die Forscher, die alljährlich in Form eines Kon­gresses vor allem die Baudenkmäler eines bestimm­ten Landes eingehend studieren, interessierten sich dieses Mal besonders für die ottonische Malerei auf der Insel Reichenau , die Gotik des Freiburger Münsters und die romanische Baukunst in Alpirs- bach bei Freudenstadt .

In Freiburg besuchte man zuerst das Münster und anschließend eine mit. Hilfe von Dr. .Martin, dem Direktor der badischen Museen, und Dr. N o a c k, dem Konservator des Augustiner -Mu- seeums veranstaltete Ausstellung von Goldschmie­dekunst und Reichenauer Handschriften. Die Aus­stellung wurde zur Ehrung der Studien-Gäste er­öffnet,

Die Schlußsitzung des Kongresses wurde am 19. Juni in Baden-Baden abgehalten, wo General Koenig die Forscher empfing und ihnen zu Eh­ren »m Kurhaus eine Ausstellung mittelalterlicher Plastik und Malerei aus Südwestdeu te ch ian d er­öffnet».