Nr. 49

BADENER TAGBLATT

Freitag, den 20. Juni 194t

Wirtschaft und Arbeit

Dr. Hermann F. Geiler :

DeFragedsrZwangswirtschaft

Es ist das innere Gesetz der Zwangsbewirtschaf­tung lebenswichtiger Waren, daß sie sich eines Tags tot laufen muß. Sie stirbt an dem Übermaß von bürokratischer Organisation, das sie erzeugt und das um so schlimmer ist, je knapper die bewirt­schaftete Ware wird. Sie stirbt aber auch an dem wachsenden Widerstand der Erzeuger, der Verteiler und der Verbraucher, die nur noch mit immer schärferen Strafen und. härterem Zwang notdürftig in Schach gehalten werden können. Sie stirbt aber vor allem an den wirtschaftlichen, sozialen und po­litischen Folgen, die sie schafft, ohne es zu wol­len. Diese Folgen, die immer mehr das gesunde Wirtschaften unmöglich machen und zu einer schweren Erkrankung der Wirtschaft führen, hei­ßen: Schwarzer Markt, Grauer Markt, Schieber- tum, Arbeitsscheu, Leistungsrückgang, Geldentwer­tung.

Daß wir schon längst in einem Stadium angelangt sind, das keine Steigerung des Zwangs mehr erträgt, zeigen am eindringlichsten die vielen Vorschläge und Pläne, die das Ziel haben, aus der Zwangs­wirtschaft endlich heraus zu kommen. Es unterliegt keinem Zweifel, daß die Vergewaltigung der Wirt­schaft durch die unsinnigen Zonengrenzen den un­erträglich gewordenen Druck der Zwangswirtschaft noch wesentlich verschärft hat, weil sie den Waren­mangel verschlimmert und die volkswirtschaftliche Erzeugung viel niedriger hält als es bei ungehemm­tem Warenaustausch nötig wäre. Die Zonengrenzen haben das Verdienst, den Bankrott der Zwangswirt­schaft beschleunigt zu haben, ein „Verdienst“, das dem deutschen Volk übermäßig teuer zu stehen kommt. Etwa die Hälfte unserer gewerblichen Erzeugung entzieht sich der Bewirtschaftung. Diese hat es verstanden, den Mangel zu organisieren und es ist ihr dadurch gelungen, den Mangel noch zu vergrößern. Es gibt heute kaum eine lebenswich­tige Ware, vom Hosenknopf und der Stecknadel bis zur Rotationsmaschine, die nicht bewirtschaftet wird. Die Bewirtschaftungsbehörden bei Gemein­den, Kreis, Provinz, Land und Zone sind so riesen­haft, "kostspielig und umständlich geworden, daß so­gar eingefleischten Bürokraten davor graust. Ein viel zu großer Teil der Bevölkerung ist mit diesen unfruchtbaren und heute geradezu sinnlos gewordenen Arbeiten befaßt» Die Frage muß schon überreif zur Lösung sein, wenn selbst Wirtschaftsbehörden den Abbau der Zwangswirt­schaft fordern.

Tatsächlich ist das die Frage, die das deutsche Vo'k heute am stärksten bewegt. Wir sind uns aber alle darüber klar, daß wir noch längst nicht so weit sind, daß wir etwa auf allen Gebieten die freie Marktwirtschaft wieder' einführen könnten. Für einen solchen Versuch sind Waren­mangel und Not des Volkes zu groß geworden. Deshalb laufen alle ernsthaften Vorschläge darauf hinaus, das System der Bewirtschaftung zu verein­fachen, sowie schrittweise und auf Teilgebieten zu einem Abbau zu gelangen. Das unmittelbare Ziel ist dabei ein doppeltes: den bürokratischen Auf­wand an Personal, Papier, Zeit und Verärgerung so stjrk als möglich zu verringern und die Erzeugung mit den vorhandenen Mitteln zu vermehren.

Die Lockerung der Bewirtschaftung stellt man sich vor allem so vor, daß der „Graue Markt“ in einem beschränkten Umfang gesetzlich zu­gelassen wird. Die Produktion vieler Betriebe ist tatsächlich nur noch möglich, so lange sie Kom­pensationsgeschäfte machen, also einen Teil ihrer eigenen Erzeugnisse gegen betriebsnotwendige Wa­ren, wie Ersatzteile, Treibriemen, Treibstoffe, aber auch Roh- und Hilfsstoffe tauschen können. Müß­ten alle diese Dinge, wie es heute vorgeschrieben Ist, auf dem Weg des Antrags beschafft werden, so müßten Tausende wichtiger Betriebe schließen. Wirtschaftsminister deutscher Länder (z. B. Hessen, ferner Dr. Buschmann, bis Ende 1946 Präsident der Eentralverwaltung für Handel und Versorgung in der Ostzone) und mehrere Industrie- und Handels­kammern (z. B. Bonn und Wuppertal ) haben daher mit guter Begründung die Zulassung produktions­fördernder Kompensationsgeschäfte verlangt. Kom­pensationen mit Lebensmitteln sollen dagegen aus­geschlossen bleiben, obschon von der besseren Ver­sorgung der Werkkantine ■ die Arbeitsfähigkeit der Belegschaft abhängt. Das „Handelsblatt “ (Düssel­ dorf ) vom 29. Mai schrieb dazu :

„Wenn Unternehmer den Versuch gemacht haben, durch Kompensationen die Ernährung über die Kanti­nen zu verbessern und Arbeitskleidung oder sonstige Konsumgüter für die Belegschaften zu beschaffen, so schufen sie einen zwar unerlaubten und unsystemati­schen, aber doch verständlichen Ausgleich dafür, daß die Opfer derjenigen für den Wiederaufbau unverhältnismäßig groß sind, die für Papiergeldlohn Weste schaffen und von der Tauschmöglichkeit ausge- »chlossen sind.“

Es wurde auch vorgeschlagen, die Kompensations­geschäfte auf den Rohstoffaustausch zu be­schränken und sie für den Handel einschließlich Großhandel weiterhin zu verbieten. Die Bewirt­schaftungsstellen könnten den Rohstofftausch ver­mitteln und somit auch kontrollieren. Dr. Busch­mann fordert den Umbau der Zwangswirtschaft in eine Planwirtschaft für lebensnotwendige Güter. Dabei sollen die landwirtschaftlichen Erzeugnisse am strengsten bewirtschaftet werden, etwas locke­rer industrielle Grundstoffe für die weiterverarbei­tende Industrie, die den vordringlichsten Bedarf herzustellen hätte.,So locker wie möglich sollen aber alle übrigen Gebiete bewirtschaftet wer­den, und zwar mit dem Ziel, die Bewirtschaftung bald überflüssig zu machen. Um die für den Nor­malverbraucher verbleibenden Warenmengen nicht noch mehr schrumpfen zu lassen, empfiehlt die Industrie- und Handelskammer Wuppertal, die Zahl der Sonderkontingentträger und ihre Zuteilungen möglichst einzuschränken.i Die Bewirt­schaftung soll sich im wesentlichen auf die Vertei­

lung von Roh- und Hilfsstoffen beschränken. Die Produktion solle gelenkt werden durch Einschrän­kung der Produktionsprogramme, durch Produk­tionsverbote und durch Stellung von Produk­tionsaufgaben, damit volkswirtschaftlich un­erwünschte Erzeugnisse aus den knappen Rohstof­fen nicht hergestellt werden.

Auf allen Gebieten, die dann noch bewirtschaftet werden, sollen schließlich die Bezugsrechte (Punkte oder Warenschecks) vom Verbraucher bis zum Erzeuger durchlaufen. Wie die Industrie­land Handelskammer Nordrhein-Westfalen in einer' Denkschrift zeigt, würde schon diese Maßnahme ei­ne wesentliche Verkleinerung des Behördenapparats zur Folge haben. Für die amerikanische Zone hat der bayerische Wirtschaftsminister Dr. Zorn schon Anfang Mai den „rückläufenden“ Bezugsschein an­gekündigt, der allmählich in allen Gewerbezweigen eingeführt werden soll. Voraussetzung für den Er­folg einer solchen Lockerung ist natürlich die aus­reichende Versorgung der Betriebe -mit Kohle, Energie und Rohstoffen. Hohe Kohlenförde­rung und ausreichende Rohstoffeinfuhr sind daher die beiden Grunderfordernisse, um unsere Wirt­schaft aus der unerträglich gewordenen Zwangs­jacke der „lückenlosen“ Bewirtschaftung zu be­freien. '

Die neue Währung im Saargebiet

Von unserem Saar -Korrespondenten

t SAARBRÜCKEN — Die Einführung einer neuen Währung durch die französische Militärregierung im Saargebiet stellt einen neuen Schritt der Be­satzungsmacht zur Vorbereitung des wirtschaftli­chen Anschlusses an Frankreich dar. Ab 16. Juni wurden alle Reichsmarkbestände im Saarland in Saarmark umgetauscht, die von diesem Termin ab einziges gesetzliches Zahlungsmittel ist. Eine Reichsmark ist gleich einer Saarmark. Kurz vor dem Umtausch der Währung wurden die Grenzen des Saargebiets gegenüber der übrigen französi­schen Zone erneut berichtigt.

Der Währungsumtausch dient nach amtlicher An­gabe vor allem dem Zweck, das weitere Ein­st r ö m e n von R e i c h s m a r k b e t r ä g en aus den übrigen deutschen Besatzüngszonen zu verhin­dern. Schon seit Ende des vergangenen Jahres soll­te die damals errichtete Zollgrenze zwischen Saar­ land und übriger französischen Zone den spekula­tiven Kapitalverkehr über die Saargrenze unter­binden. Die Vermutung, daß bei einem wirtschaft­lichen Anschluß der Saar an Frankreich die dorti­gen Reichsmarkbestände in französische Franken umgewechselt werden würden, konnte innerdeut­sche Spekulanten veranlassen, ihren Reichsmarkbe­sitz an die Saar zu verlagern, um ihn dann dort eines Tages in französische Währung umgewech- selt Zu bekommen und einer innerdeutschen Wäh­rungsreform zu entgehen. So riskant solche Spe­kulationen waren, vor allem im Hinblick darauf, daß noch keinerlei zuverlässige Schätzun­gen über den zukünftigen Umrechnungskurs an der Saar möglich sind, aber auch der Gefahr wegen, daß deutsche Guthaben nach einem wirtschaftli­chen Anschluß der Saar an Frankreich als Aus­landsguthaben betrachtet werden kön­nen und möglicherweise der Beschlagnahme verfal­len, so scheint doch, daß ein ständiger Kapitalzu­strom ins Saarland nicht verhindert werden konnte. Die Einführung der Saarwährung soll nun alle der­artigen Transaktionen unmöglich machen. Der Überweisungsverkehr zwischen dem Saarland und den übrigen Besatzungszonen wird zwar vorläufig aufrechterhalten, aber nur" unter den bisherigen einschränkenden Bestimmungen.. Danach müssen alle Überweisungen von hundert Mark an aufwärts von der saarländischen Landeszentralbank genehmigt werden, und diese gebührenpflichtige Genehmigung ist an den Nachweis, geknüpft, daß die Beträge aus dem normalen Warenverkehr, aus Dienstleistungen, Erbschaften, Versicherungen oder ähnlichem stammen.

Der Umtausch Saarmark «egen Reichsmark vollzieht sich zunächst unter, einschränkenden Be­stimmungen. Jedär Haushaltungsvorstand bekommt einen einmaligen Befrag von dreihundert Mark und für jeden Familienangehörigen* weitere hundert Mark umgetauscht. Arbeitgebern und juristischen Personen werden außerdem für jeden Beschäftigten weitere 250 Mark umgewechselt. Alle übrigen Be­träge sind bei den Wechselstellen, d. h. bei den Banken gegen Quittung einzuzahlen. Über ihre spätere Freigabe bestehen noch keine Bestim­mungen, sie ist jedoch alsbald in Aussicht gestellt. Man rechnet in Fachkreisen mit einer Zeitspanne von drei bis vier Wochen. In dieser Zeit werden vermutlich die Barvermögen finanzamtlich erfaßt. Der Umtausch wirkt sich also durch die vorüber­gehende Entblößung der Saarbevölkerung von Bar­mitteln gleichzeitig als ein Schlag gegen den

schwarzen Markt und vor allem gegen den schwarzen Geldkreislauf aus. Die Behörden bekom­men einen lückenlosen Überblick über das an der Saar zirkulierende Bargeld. Alle Gerüchte jedoch, daß die neue Saarwährung bereits in französische Franken umgetauscht werden könne, entbehren der Grundlage. Der Umtausch in Franken, mit dem man bei einem regulären wirtschaftlichen Anschluß der Saar an Frankreich natürlich rechnet, soll durch die Zwischenwährung der Saarmark nur vorbereitet werden.

Der Geldumtausch führte naturgemäß zu einer gewissen Nervosität, besonders jedoch in Krei­sen, die hohe Bargeldbeträge zu Hause haben und zum Schwarzen Markt zu zählen sind. Für den Fall, daß sie ihr gehortetes Bargeld verheimlichen un'd nicht zum Umtausch vorlegen, müssen sie nicht nur strenge Bestrafung gewärtigen, sondern sie werden auch ein erhebliches Risiko laufen, wenn sie versuchen sollten, diese Beträge über die neue Saargrenze in die übrige französische Zone zu schmuggeln. Der Passagier- und Gepäckverkehr an der Zollgrenze unterliegt seit einiger Zeit einer be­sonders strengen Kontrolle mit häufigen Leibesvisi­tationen. Die Grenze ist durch starkes Gen­darmerie- und Polizeiaufgebot be­wacht- Im Straßenbild Saarbrückens hat sich in­dessen nichts geändert, wenn man davon absieht, daß die als Wechselstellen vorgesehenen Banken, in denen das neue Geld schon einige Tage vor Be­ginn der Umtauschaktion eingetroffen ist, von fran­zösischem Militär bewacht sind.

Um eine dentsche Handelsflotte

jo. HAMBURG — Nach Ausführungen des Mini­sterialdirigenten Dr. Wilhelm Claussen vom Seeverkehrs- und Seeschiffahrtsamt Hamburg sind Deutschland von den 511 zugebilligten Schiffen mit etwa 200 000 dwt erst 422 mit 165.000 dwt zur Ver­fügung gestellt. Das Durchschnittsalter beträgt 40 das Höchstalter 7 3 Jahre. Der größte Damp­fer hat 1 469 BRT. Im letzten Jahr sind von deut­ schen Schiffen etwa 1 Mill. t Güter im Küstenver­kehr gefahren worden. Als einzige Auslandsfahr­ten sind nur Holztransporte nach England und Vieh­transporte für die Besatzungsmächte von Dänemark zugelassen. Ein Neubau Ist den Deutschen vorläu­fig nicht gestattet. Beschäftigt werden können bei dieser kleinen Flotte höchstens 3 500 Mann und au­ßerdem in der Fischerei etwa 10 000. Ende des Kriegs waren jedoch über 50—55 000 «ungebil­dete Seeleute vorhanden. Als völkerrechtli­ches Novum müsse das Zurückholen der Im Krieg aufgebrachten Prisen von den Alliierten und so­gar von den Neutralen trotz durchgeführ­ter ordentlicher Prisengerichtsverfahren bezeichnet werden.

Die Reste der deutschen Handelsflotte reichten bei weitem nicht aus, um die Bedürfnisse des deut­ schen Seeverkehrs zu befriedigen. Falls Deutsch­ land bei der endgültigen Friedensregelung gehört werde, sei zu beantragen, daß es wieder, wie andere Wirtschaftsvölker, eine eigene Seeschiffahrt . betreiben und Handelsschiffe bauen dürfe.

Der Vorschlag des Ex-Präsldenten Herbert H o o - vor, Deutschland 75 Libertyschiffe zur Ver­fügung zu stellen, sei zwar geeignet, den Lebens­mitteltransport nach Deutschland zu erleichtern, man dürfe diese 75 Schiffe aber nicht als den An­fang einer neuen deutschen Handelsflotte ansehen.

Bausparbeiträge steuerfrei

BERLIN — Der Kontrollrat hat ein Gesetz erlas­sen, das die einmalige Steuer von 2 vH, die von al­len Bausparbeiträgen bisher erhoben wurde, auf­hebt. Die Bausparkassen hatten sich über das Fi­nanzministerium an den Länderrat gewandt, der die Eingabe dem Kontrollrat vorlegte. Mit diesem Ge­setz ist dem Bauspargedanken ein neuer, starker Antrieb gegeben.

Minimax in der französischen Zone

STUTTGART — In Urach (Württemberg , franz. Zone) haben die MINIMAX GmbH. Stuttgart und Excelsior Feuerlöschgeräte GmbH. Lud­ wigsburg Ende Mai 1947 die Minimax-Reparatur- und Füllungsdienst GmbH, mit 20 000 RM Kapital gegründet. Die Gesellschaft, die einzige Feuerlö­scherfabrik der Zone, die ihre Tätigkeit schon seit Monaten auf genommen hat, repariert alte Feuerlö­scher, stellt Füllungen her und fertigt neue Feuer­löscher an. Dank der Unterstützung durch die fran­ zösischen Jehörden, konnte im März 1947 bereits mit den ersten Lieferungen begonnen werden. Der Füllungsdienst versorgt die 3 Westzonen und das Saargebiet, der Reparaturdienst arbeitet vornehm­lich für die französische und US -Zone sowie das Saargebiet. Die in Urach gefertigten Löschertypen werden durch die MINIMAX GmbH. Stuttgart in die 3 Westzonen und das Saargebiet verkauft.

Ans der Ostzone

Neue Grundstöcksregelung

Ein Gesetz über den Verkehr mit Grundstücken wurde vom sächsischen Landtag angenommen Es sieht eine Genehmigungspflicht'bei Eigentümsüber- gang von bebauten und unbebauten Grundstücken vor, von der nur der Staat und Körperschaften oder Anstalten des öffentlichen Rechts und Vererbungen ausgenommen sind. Nach dem Gesetz können auch gegen den Willen des Eigentümers Zu­sammenlegungen und Neugliederungen von Grund­stücken zugunsten von Baumaßnahmen im öffent­lichen Interesse vorgenommen werden.

Gummireifen gegen Buna

142 000 Gummireifen sollen aus der amerikanisch-bri­tischen Zone an dlp Ost-Zone geliefert werden. Im Austausch hat die Sowjetzone Buna zur Verfügung gestellt. Die ln der Ostzone angelaufene Reifen Pro­duktion sieht für das zweite Quartal eine Erzeugung von 2 000 Stück vor.

Papier gegen Fische

Zwischen der Ostzone und einem dänischen Ex­portkonsortium wurde ein Handelsabkommen abge­schlossen. Danach wird die Sowjetzone 3 600 t frische Fische aus Dänemark einführen und dafür Pappe. Pa­ pier und Fensterglas tiefem.

Umschulung auf Mangelberufe

In der Sowjetzone werden gegenwärtig W 217 Per­sonen auf handwerkliche Mangelberufe umgeschult Gebraucht werden vor allem Bergleute, Schmiede, Schlosser, Schweißer, Tischler, Stellmacher. Herren­schneider, Schuhmacher, Bauhandwerker und Gärt­ner. Bei Frauen stellen Schneiderinnen und Hochbau- helferinneD das größte Kontingent

Energie-Zusammenschluß ln Sachsen

kü. — Die Provfnzialsächsische Energie-Versor- gungs-AG. (Prevag) in Halle ist hervorgegangen aus dem Zusammenschluß der Elektrizitätswerk Sachsen-Anhalt AG. und der Landeselektrizitäts- G.m.b.H. mit 13 Überlandwerken. Einbezogen wer­den auch die Überlandwerke der Deutschen Con- tinental-Gas-Gesellechaft, Dessau .

Leipziger Marne kontingentiert Seeadler

LEIPZIG — Die erste Leipziger Herbstmesse nach dem Krieg findet vom 2. bis 7. September statt, für die eine erweiterte Ausstellungsfläche von 44 000 qm zur Verfügung steht Aussteller-Anmeldeschluß ist der 1. Juli. Um eine reibungslose Durchführung der Herbstmesse zu sichern, ist vorgesehen, durch eine strenge Kontingentierung der Mes­sebesucher ihre Zahl wesentlich niedriger zu hal­ten als im Frühjahr. Es wird deshalb jeder ge­schäftliche Besucher von seiner Industrie- und Handelskammer geprüft werden, ob sein Besuch in Leipzig im Interesse unserer Wirtschaft liegt

Verband dar Bandeisvertreter In Baden

Anfang Mai wurde in Freiburg der Verband der Handelsvertreter in Baden (frz. Zone) gegründet Als Vorsitzender wurde Clemens Pohlmann t Fa. Alexander Martin Komm.-Qes., Freiburg , gewählt (Hauptgeschäftsstelle: 'Freiburg i. Br., Hlldastr. 58.) Der Verband hat etwa 1000 Mitglieder zu betreuen.

Ein Wald als Denkmal

TEL-ÄVIV — In London wurde, wie die „Times“ meldet durch den jüdischen Natlonalfond der Er­werb von 8 Mill. Bäumen beschlossen, welche in Palästina zum Andenken an die 6 Millionen durch die Nazis ermordeten Juden auf den Hü­geln von Judäa bei Jerusalem gepflanzt werden sol­len. Ein neu zu errichtendes Dorf in der Mitte des Waldes ist für jüdische Einwanderer bestimmt, welche die besondere Aufgabe haben, diese Bäume zu pflegen.

mein Duft umfloß dich, aber du verstandest mich nicht. Der Duft ist meine Sprache, wenn ihn die Liebe entzündet.“ Der Abendwind strich vorüber und sprach: „ich umspielte deine Schläfe, aber du verstandest mich nicht, der Hauch ist meine Spra­che, wenn ihn die Liebe entzündet.“ Die Sonnen­strahlen brachen durch das Gewölk, und der Schein brannte wie in Worten: „ich umgoß dich mit glü­hendem Gold, aber du verstandest mich nicht; Glut Ist meine Sprache, wenn sie die Liebe entzündet.“ Und immer inniger und inniger versunken in den Blick des herrlichen Augenpaares, wurde heißer die Sehnsucht ... Aber als der letzte Strahl der Sonne schnell hinter den Bergen ver­schwand, und nun die Dämmerung ihren Flop über die Gegend warf, da rief, wie aus weiter • Ferne, «ine rauhe Stimme:

Hei, hei, was ist das für ein Gemunkel und Ge­flüster da drüben? — Genug gesonnt, genug gesungen — Hei, hei, durch Busch und Gras — durch Gras und Strom! — Hel, — hei — Her u — u — u nter — Her u — u — u nter! —

So verschwand die Stimme wie im Murmeln ei­nes fernen Donners, aber die Krystallglöcken zer­brachen im schneidenden Mißton. Alles war ver­stummt, und Anselmus sah, wie die drei Schlangen schimernd und blinkend durch das Gras nach dem Strome schlüpften; rischelnd und raschelnd stürz­ten sie sich in die Elbe, und über den Wogen, wo sie verschwunden, knisterte ein grünes Feuer em­por, das in schiefer Richtung nach der Stadt zu leuchtend verdampfte . . .

Werktreue und Klangsinn

Henri Tomasi als Gastdirigent des Großen Ordiesters des Südwestianks

Das zweite Orchesterkonzert, das im Rahmen der Baden-Badener Kunstwochen stattfand, wurde von Henri Tomasi geleitet. Der sechsundvierzigjährige Dirigent und Komponist korsischer Herkunft wurde In Marseille geboren. Seine Studien, die er in sei­ner Vaterstadt begann, beendete er als ein Meister- ■chüler des Pariser Conservatoire.

Nach Abschluß seiner Ausbildung hat Tomasi eine glänzende Laufbahn gehabt. Er hat die großen Pariser Orchester dirigiert, hohes Ansehen in an­

deren französischen Städten gewonnen und viele er­folgreiche Gastspiele im Ausland gegeben. Zur Zeit ist er künstlerischer Leiter und Dirigent der Sinfo­niekonzerte und der Oper in Monte Carlo.

Die Musikpreise, die Tomasi bisher erhalten hat, wurden ihm nicht nur für besondere Leistungen als Kapellmeister, sondern auch für einige seiner zahl­reichen Kompositionen verliehen. Sein vielseitiges Schaffen umfaßt mehrere für die Pariser Opern­häuser geschriebene Ballette, ferner sinfonische

Werke, Konzerte für verschiedene Instrumente, Lie­der und Kammermusik. Sein Requiem, das Anfang November vorigen Jahres während der Baden-Ba­ dener Aufbautagung der Internationalen Gesell­schaft für Erneuerung der katholischen Kirchen­musik aufgeführt wurde, machte einen tiefen Ein­druck und war ein großer Erfolg für Tomasi als Komponisten und Dirigenten.

Stürmischer Beifall begrüßte Tomasi , als er Sonn­tag abend an das Pult des Großen Orchesters des Südwestfunks trat. Das Programm begann mit Schuhmanns Manfred-Ouvertüre, die in Deutschland selten gespielt wird, bei französischen Musikern und Konzertbesuchem dagegen sehr beliebt ist. Ihre Wiedergabe allein hätte ausgereicht, um alle Merk­male zu kennen, die für den Gastdirigenten charak­teristisch sind. Von den drei Einleitungsakkorden bis zu dem verklingenden Schluß vermittelte die Aufführung des Werkes allgs, was Tomasi aus­zeichnet: sorgfältige Probenarbeit, -genaue Beach­tung aller in der Partitur enthaltenen Vorschriften, besondere Vorliebe für Details, Sinn für Klangfarbe und viel Stilgefühl.

Bei all diesen Vorzügen darf aber nicht übersehen werden, daß Tomasis großes Interesse für instru­mentale Einzelheiten den Aufführungen zum Nach­teil wird. Man bewundert die dynamische und rhythmische Präzision, mit der die Musiker spielen. Man freut sich, Dinge zu hören, die man oft ver­missen mußte. Man ist erstaunt, wie gut das Or­chester im großen und ganzen klingt. Aber man wartet vergebens darauf, daß sich die vielen be­glückenden Momente zusammenfügen und vom

Pult der suggestive Einfluß und das geheimnisvolle Fluidum einer großen Persönlichkeit ausstrahlt, • von der Orchester und Zuhörer mitgerissen werden.

Als Erstaufführung brachte Tomasi die sinfoni­sche Dichtung „La Päri“ von Paul Dukas , der nicht mehr unter den Lebenden weilt, wie der Programmzettel angab, sondern bereits seit 1935 verstorben ist. Die Perl ist die Bescützerin der Blume der Unsterblichkeit, die ihr im Schlaf von Iskender geraubt wird. Nachdem die Perl erwacht ist, tanzt sie so lange vor Iskender, bis er die Blu­me zurückbringt. Finsternis umgibt Iskender, wäh­rend die P6ri verschwindet.

Diese wenig interessanten Vorgänge haben auch durch die Musik nicht gewonnen. Denn Dukas hat die Handlung keineswegs mit jener tonmalerischen Virtuosität geschildert, durch die sein Orchester­scherzo „Der Zauberlehrling“ ein Welterfolg gewor­den ist. Im Gegenteil: Bei aller aparten Farbge­bung wirkt das Werk langweilig und ermüdend — t selbst in der ausgezeichneten Interpreation von Tomasi , der diesen Musikstil vorbildlich beherrscht.

Höhepunkt und Abschluß des Konzerts war die Wiedergabe der drei sinfonischen Skizien „La Mer “ von Claude Debussy . An Tomasis authentischer Deu­tung des musikalischen Impressionismus konnte man erkennen, wie weit die meisten deutschen Dirigen­ten von dieser Auffassung entfernt sind. In Toma­sis Aufführung geh es keine verschwommenen Klänge, kein mysteriöses Halbdunkel, keine Folge gestaltloser Farbtupfen. Bei ,!bm waren die drei Sätze so streng gegliedert, die Themen so plastisch herausgearbeitet, wie es Debussy beabsichtigt hatte.

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