Leitung für Voiitik, Wirtschaft und tfiütur
BADENER TAGBIAIT
NR. 17 A. 8 1. BJ.C DIENSTAG, 2 MAEHZ 1948 b. b. o. w le. PREIS 20 PFENNIG
Bidault : Prag - ein Alarmsignal für die Welt
Pariser Echo — Eiae westenropäisdie Koalition — Die Vorgänge in Prag
PARIS — Die weltpolitischen Konsequenzen des kommunistischen Staatsstreiches in der Tschecho slowakei , in dem man in den Hauptstädten der westlichen Demokratien ganz allgemein nur eine neue Epoche auf dem Weg der sowjetrussischen Expansions-Politik erblickt, sind noch nicht abzusehen. In hiesigen diplomatischen Kreisen hat man den Eindruck, daß die Vorgänge in Prag in jedem Falle den Aufbau einer starken Union in Westeuropa beschleunigen und die von Bevin geplante Union der westeuropäischen Länder rascher zustande kommen werde, als man ursprünglich annahm. „Le Monde “ betont die absolute Notwendigkeit für die Westmächte, dem immer stärker und geschlossener werdenden Ostblock eine Machtkoalition entgegenzustellen, die noch über die Gruppe der am europäi schen Aufbau im Rahmen des Marshall-Planes zusammenarbeitenden sechzehn Länder hinausgreifen müßte.
Auch die von der Londoner Konferenz herüberdringenden Stimmen lassen erkennen, daß sich dort unter dem Eindruck der Ereignisse in Prag die Diskussionen über die Deutschlandfrage immer mehr zu einer Aussprache über die Schaffung einer machtvollen und zweckentsprechenden Organisation in Westeuropa weiten, einer Organisation und einer Allianz unter direkter amerikanischer Mitwirkung. Die Benelux-Staaten hatten erst kürzlich das amerikanische Staatsdepartement wissen lassen, daß sie nur dann der von Bevin vorgeschlagenen westeuropäischen Union beitreten könnten, wenn die Vereinigten Staaten dabei als Garanten gegen eine eventuelle russische Bedrohung mitwirkten.
PARIS — In der außenpolitischen Debatte in der Nationalversammlung betonte Außenminister Geor ges Bidault : „Es ist nicht zum ersten Mal, daß ein Drama in Prag für die ganze Welt zum Alarmsignal wird“. Als sich der Protest der kommunistischen Abgeordneten gelegt hatte, verwies Bidault auf den Wortlaut der gemeinsamen französisch-englischamerikanischen Note, die sich gegen „den künstlichen Charakter der Krise wende, dite zur Vorherrschaft einer Minderheitspartei führte“.
PARIS — Das französische Außenministerium gibt bekannt: „Die Regierungen der USA, " Frank reichs und Großbritanniens haben mit Aufmerksamkeit die Ereignisse verfolgt, die sich in der Tsche choslowakei abgespielt haben und durch die der Fortbestand der Grundsätze der Freiheit betroffen wird, mit denen sich alle demokratischen Nationen verbunden fühlen. Die Regierungen stellen fest, daß mit Hilfe einer künstlich und willkürlich hervorgerufenen Krise und durch Anwendung gewisser, schon an verschiedenen anderen Plätzen erprobten Methoden das unbehinderte Funktionieren der parlamentarischen Einrichtungen aufgehoben wurde und die getarnte Diktatur einer einzigen Partei unter dem Deckmantel einer nationalen Einhe'ts- regierung errichtet wurde. Die Regierungen können eine solche Entwicklung nur verurteilen, die von unheilvollen Folgen für das tschechoslowakische Volk begleitet sein muß, das während der Leidenszeit des zweiten Weltkrieges erneut seine Verbundenheit mit der Sache der Freiheit erwiesen hat“
PRAG — Die Aktionsausschüsse, die man auch „sowjetische Aufstandsausschüsse“ genannt hat setzen ihre Säuberungsaktionen fort, die alle nicht im kommunistischen Sinne zuverlässigen Personen
aus Verwaltung, Presse und Wirtschaft entfernen. Sie sind in den Gemeinden an die Stelle der Nationalausschüsse getreten.
PRAG — Der Vizeaußenminister der UdSSR , Zorin hat Prag im Flugzeug in Richtung Moskau verlassen.
LONDON — Der New Yorker Korrespondent der „Daily Mail“ berichtet: f,Die amerikanische Regierung beschäftigt sich augenblicklich mit den Einzelheiten eines von ihr gewünschten Verteidigungspaktes mit Frankreich , Großbritannien , Belgien und Holland . Dieser Fünfer-Pakt der den Bestimmungen der Charta der Vereinten Nationen entsprechen würde, soll die Antwort Washingtons auf den kom munistischen Staatsstreich in der Tschechoslowakei
sein. Man vermutet, daß das Staatsdepartement zur Ansicht gelangt ist, daß der Marshallplan als Bollwerk gegen das kommunistische Vorrücken nicht genügt.
PRAG — Auf einer Bauernkundgebung auf dem Wenzelsplatz erklärte Ministerpräsident Gottwald: „Wir werden keine Kolchosen Wirtschaft hier einführen.“ Der Ministerpräsident kündigte an, daß binnen kurzem alle Grundbesitzer, die mehr als 60 ha Land besitzen, vom Staat enteignet werden und der Bodenbesitz auf die kleinen Landwirte und die Bauern die kein Land haben, verteilt wird. Er versprach, daß der unter 50 ha betragende Landbesitz garantiert und von der zukünftigen Verfassung geschützt werden solle.
Wird Benesch zurücktreten?
FRANKFURT — Die Anwesenheit des sowjetischen stellvertretenden Außenministers Zorin, während und vor Beginn der Regierungskrise in der Tschechoslowakei lasse, so erklärten hier zwei führende Vertreter der tschechoslowakischen katholischen Volkspartei vor in- und ausländischen Pressevertretern, eindeutig die Vermutung zu, daß dieser den Befehl für die Kommunisten zum Losschlagen mitgebracht habe.
Den beiden Politikern gelang es noch vor der endgültigen Sperre der Grenze in die amerikanische , Zone einzureisen'. Sie erklärten ferner, es sei wohl
anzunehmen, daß Präsident Benesch in absehbarer Zeit seinen Rücktritt anbieten werde. Man könne sich nicht vorstellen, daß ein Mann, der über zwanzig Jahre für die demokratische Freiheit gekämpft habe, nun den Gegenkurs mitmache. Wahrscheinlich sei es auch auf Beneschs Veranlassung geschehen, daß Jan Masaryk als Außenminister in dem neuen Kabinett verblieb. Als Urheber und Rädelsführer des kommunistischen Staatsstreichs bezeich- neten sie den tschechoslowakischen Premierminister nach der Befreiung und jetzigen Industrieminister, den Sozialdemokraten Zdenek Fierlinger .
Finnland auf dem Wege zur „Volksdemokratie“
Stalin fordert Helsinki znm Abschluß eines Beistandspaktes auf
HELSINKI — Radio Moskau bestätigte unter Bezugnahme auf die offizielle Agentur Tass, das Generalissimus Stalin am 22. Februar an den Präsidenten der finnischen Republik , Paasikivi , eine Note gerichtet hat, die den Abschluß eines gegenseitigen Freundschafts- und Beistandspaktes vorschlägt.
Uber dieses Dokument werden folgende nähere Angaben gemacht: Die' sowjetische Regieruhg schlägt 'vor die Verhandlungen in Helsinki oder in Moskau im Sinne des Freundschafts-, Züsam- menarbeits- und Beistandspaktes, der am 18. Februar zwischen Rußland und Ungarn unterzeichnet worden ist aufzunehmen. Paasikivi , hat auf Stalins Einladung erklärt, Finnland sei bereit, mit der Sowjetunion Verhandlungen über einen neuen Vertrag aufzunehmen, der die Entwicklung der Beziehungen zwischen den beiden Ländern regeln soll. In dem Antwortschreiben Paasikivis heißt es weiter, Finnland sei jedoch der Ansicht, daß die Besprechungen auf anderer Basis geführt werden müßten, als die Verhandlungen für die kürzlich von Sowjetrußland mit Ungarn und Rumänien abgeschlossenen Verträge, da diese Übereinkommen in vielen Punkten für Finnland nicht in Frage kämen.
In der finnischen Hauptstadt beobachtet man die Entwicklung der Lage mit Sorge. In London und Washington bildet der Brief Stalins das Hauptthema der Presse. Die „Times“ betont, die Sowjet union würde es ohne Zweifel gerne sehen, wenn der vorgeschlagene Pakt noch vor den bevorstehenden Wahlen im Juli unterzeichnet würde. Diese Verein
barung würde das Netz der Verträge zwischen Ruß land und seinen Nachbarn vervollständigen. Es fehle dann nur noch ein Vertrag mit Norwegen , mit dem die Sowjetunion eine kurze gemeinsame Grenze hat
Spaltung In der bayrischen CSU ?
MÜNCHEN — Nach Besprechlungen zwischen der LarfdtvfeiEnng der CSU und dem Vorsitzenden des Bezirksverbandes Oberbayern der CSU , Dr. Fritz Schäffer , rechnet man damit daß Dr. Fritz Schäffer in den nächsten Tagen seinen Austritt aus der- CSU erklären wird. Der bayrische Ministerpräsident Dr. Hans Ehard wird aber noch einen Vermittlungsversuch machen, da von einem endgültigen Brucn zwischen Dr. Müller und Dr. Schäffer auch eine Bedrohung der gegenwärtigen Regierung zu erwarten wäre. Mit Schäffer würden ohne Zweifel eine beträchtliche Anzahl weiterer CSU -Landtagsabge- ordnete aus der CSU ausscheiden, wodurch die Regierung nicht mehr über die absolute Mehrheit im Landtag verfügen würde.
TARENT — „Die Vereinigten Staaten werden keiner Macht der Welt gestatten, sich der Vorherrschaft über Europa zu bemächtigen“, erklärte der stellvertretende italienische Ministerpräsident und Vorsitzende der Minderheits-Sozialisten, Ginseppe Saragat, in einer Wahlrede in Tarent . Er wies in seinen Ausführungen anf die Bedeutung der kommenden italienischen Parlamentswahlen hin, die „für Italien und Europa ein entscheidendes Ereignis darstellen, da Italien mit dieser Volksbefragung zwischen Demokratie und Diktatur wählen muß.“
LONDON — „Das beschleunigte Vorgehen der Sowjets“, schreibt die „Sunday-Tlmes“, „veranlaßt zu der Annahme, daß die Sowjetunion entschlossen ist, den Marschallplan zum Scheitern zu bringen; ihre schnellen Aktionen verlangen eine ebenso schlagfertige Antwort bei der Verwirklichung der Organisation der Westmächte.“ Ais Entgegnung auf die kommunistische Drohung schlägt der „Observer“ die beschleunigte Bildung eines politisch und militärisch geeinten Euro pas vor, das von den Vereinigten Staaten garantiert würde. >
General Sevez tödlich verunglückt
BADEN-BADEN — Der Oberkommandierende der französischen Besatzungstruppen in Deutsch land , General Sevez, ist am Sonntagmorgen seinen bei einem Jagdunfall erlittenen schweren Verletzungen im Offenburger Krankenhaus erlegen. General Sevez wurde vor Kriegsende von General de Gaulle auf den Posten des stellvertretenden Generalstabschefs der Landesverteidigung berufen und Unterzeichnete im Namen Frankreichs die Kapitulationsurkunde Deutschlands . Am 8. Oktober 1948 wurde General Sevez als Nachfolger des Generals de Montsabert zum Befehlshaber der französischen Besatzungstruppen ernannt.
Meldungen in Kurze
DÜSSELDORF — Die französischen Besatzungsbehörden heben dem Vorsitzenden der kommunistischen Partei in der britischen Zone, Max Reimann , die Einreise in die französische Zone verweigert.
NEUSTADT — Der ehemalige Stellvertreter Himm lers und Befehlshaber des Ersatzheeres, Max Juettner , wurde von der Sonderspruchkammer des Internierungslagers Neustadt bei Märburg in die Gruppe der Hauptschuldigen eingereiht und auf die Dauer von zehn Jahren »- rj.n Arbeitslager verwiesen.
STUTTGART — Der württemberg -badische Ministerpräsident Dr. Reinhold Maier und Landtagspräsident Wilhelm Keil haben eine an alle deutschen Ministerpräsidenten und Landtagspräsidenten ergangene Einladung der Stadt Berlin zu der am 18. März geplanten Feier der hundertjährigen Wiederkehr der Märzrevolution des Jahres 1848 abgelehnt.
MÜNCHEN — *Die Bizone wird 1948 rund 10 000 Tonnen Walöl erhalten.
MÜNCHEN — Der österreichische Bundeskanzler Dr. Leopold Figl wird im April in München erwartet.
LONDON — Wie italienische Kreise der britischen Hauptstadt versichern, soll sich der Leiter der italienischen kommunistischen Partei, Palmiro Togliatti , zur Zeit in Moskau befinden.
Einstellung der Entnazifizierung in der Sowjetzone
Ehemalige Parteigenossen können wieder anf ihre Posten zurückkehren
Zwölf staatliche Feiertage in Südbaden
Agrarreformgesetz auch in zweiter Lesung angenommen
FREIBURG — Die Sitzung des Badischen Landtags am 28. 2. eröffnete Präsident Dr. Person mit Worten des Gedenkens lür den verstorbenen Erzbischof Dr. Gröber, zu dessen Ehren sich die Abgeordneten von den Sitzen erhoben. Der Präsident erhielt anschließend die Ermächtigung, dem Kreispräsidenten von Lindau für eine Spende von 80 000 Mk. für die Hochwassergeschädigten den Daniö des Landtags auszusprechen.
Das Haus trat dann in die Debatte über den Gesetzentwurf über den Schutz der Sonn- und Feiertage in zweiter Lesung ein. Die Demokraten, Sozialdemokraten und Kommunisten waren der Auffassung, es sei nicht richtig, mehr Feiertage einzuführen, als es vor 1933 gegeben habe. Trotz der Gegenvorschläge der Opposition wurde das Gesetz mit 28 gegen 21 Stimmen angenommen. Danach sind in Südbaden nun folgende Tage staatliche Feiertage: Der Neujahrstag, der Josephstag (19- März), der Karfreitag, der Ostermontag, der 1. Mai, Christi Himmelfahrt , der Pfingstmontag, Fronleichnam, Allerheiligen (1. November), der Buß- und Bettag, und der 1. und 2. Weihnachtsfeiertag. In Gemeinden, in denen die katholische Kirche Pfarrechte besitzt, sind der Dreikönigstag (6- Jan.) und Mariä Himmelfahrt (25. Aug.) staatliche Feiertage. Unter den kirchlichen Feiertagen genießen besonderen staatlichen Schutz in Gemeinden. in denen die katholische Kirche Pfarrechte besitzt: Peter und Paul (29. Juni), Mariä Empfängnis (8. Dez.), in Gemeinden, in denen die evangelische Kirche Pfarrechte besitzt: der Gründonnerstag, das Reformationsfest (31. Okt.).
Nach Paragraph 7 dieses Gesetzes sind an Sonn- und Feiertagen bis 10.30 Uhr — mit Ausnahme des 1. Mai — alle öffentlichen Versammlungen, Auf- und Umzüge, sportliche und turnerische Veranstaltungen, Hetz- und Treibjagden und alle der Unterhaltung dienenden öffentlichen Veranstaltungen verboten.
Weiter wurde ein Gesetz angenommen, das die Bezahlung des Lohnausfalles für staatlich anerkannte und kirchliche Feiertage, die nicht auf einen Sonntag fallen, durch den Unternehmer regelt.
Das Haus trat dann in die zweite Lesung des Agrarreformgesetzes ein. Abg. Dr. Zürcher (CDU ) berichtete über die Beratungen des Rechtspflegeausschusses. Bei der anschließenden Debatte war kaum eine Änderung der Meinung der Parteien gegenüber der ersten Lesung festzustellen. Es handelte sich im wesentlichen um die alten Probleme: die Behandlung des Großgrundbesitzes, des Pachtlandes und des Grundeigentums der öffentlichen Hand, sowie die Abgabe von Wald. In der Frage der Heranziehung der Kirchen zur Landabgabe wurde insofern eine Annäherung der Ansichten erzielt, als die Kannvorschrift durch eine Mußvorschrift ersetzt wurde. Es ist also nunmehr bestimmt, daß das Grundeigentum der toten Hand, also auch der Kirchen, zur Landabgabe heranzuziehen ist
Der Vorsitzende der sozialdemokratischen Fraktion, Abg Maier, erklärte, die Vorlage enthalte in ihrer jetzigen Form keine Änderung der grundsätzlichen Struktur des Gesetzentwurfes. Er teilte für seine Fraktion mit, sie sehe sich daher genötigt, für ihren ursprünglichen Entwurf das Volksbegehren einzuleiten. Es sei möglich, daß dieses Volksbegehren auch für das Betriebsrätegesetz verlangt werden könne. Die Kommunisten schlossen sich dem Antrag auf Einleitung eines Volksbegehrens an:
In der Sitzung am Freitag wurde das Gesetz in zweiter Lesung auf sozialdemokratischen Antrag in namentlicher Abstimmung mit 36 gegen 13 Stimmen angenommen. Dagegen stimmten die Sozialdemokraten, die Kommunisten und der Abg. Klaus (CDU .), der bekanntlich Vorstand des Landwirtschaftlichen Hauptverbandes ist.
BERLIN — Marschall Sokolowski hat die Auflösung der Entnazifizierungskommission in der sowjetischen Besatzungszone Deutschlands zum 10. März 1948 angeordnet. Alle Verfahren gegen ehemalige Mitglieder der Nazipartei oder deren Gliederungen, die von den Kommissionen bis zu dieser Frist nicht abgewickelt werden können, und bei denen keine ausreichenden Gründe vorliegen, um ein gerichtliches Verfahren einzuleiten, werden eingestellt. Ehemalige Mitglieder der Nazipartei und deren Gliederungen, die ihrer Posten in öffentlichen Betrieben enthoben oder von diesen Posten abgesetzt wurden, aber ihr Wahlrecht laut Gesetz nicht einbüßten, können sieh, wie es heißt, durch ehrliche und loyale Arbeit im Laufe der Zeit die Rückkehr zu ihrer Tätigkeit verdienen. Die Posten in den Justiz- und Polizeiorganen sowie leitende Posten im Verwaltungsapparat bilden eine Ausnahme, die bis zu einer besonderen Verfügung in Kraft bleibt Verfahren gegen Kriegs- und faschistische Verbrecher werden von der deutschen Polizei oder durch die deutschen Gerichte durchgeführt.
In der Begründung dieser Maßnahme heißt es,
daß die Entnazifizierungskommissionen in der Ostzone ihre Aufgabe erfüllt haben. Es sei eine feste Grundlage einer antifaschistischen demokratischen Ordnung geschaffen worden, die jetzt eine umfassendere und unbedenklichere Heranziehung der ehemaligen Mitglieder der Nazipartei, soweit sie sich keiner Verbrechen schuldig gemacht hätten, zura Aufbau der sowjetischen Besatzungszone ermögliche Es sei zu berücksichtigen, daß es unter den ehemaligen Mitgliedern der Nazi partei vaterländisch gesinnte Menschen aus dem Volke gab. die gewillt sind, jetzt gemeinsam mit den demokratischen Kräften der Gesellschaft an der Sicherung und Einheit und der demokratischen Entwicklung Deutsch lands ehrlich mitzuarbeiten.
... and in der britischen Zone
BERLIN — Angehörige ehemaliger nationalsozialistischer Organisationen, die seit der Kapitulation in Internierungslagern der britischen Zone inhaftiert sind, sollen auf Ehrenwort entlassen werden. Aus genommen sind Fälle, in denen eine Entlassung aus Sicherheitsgründen nicht ratsam erscheint
LONDON — In einem ersten Kommunique zu den Londoner Besprechungen über das Deutschlandproblem heißt es u. a. „daß der Meinungsaustausch für alle Teilnehmer von Nutzen ist“. Auf die Besprechungen selbst wurde jedoch nicht eingegangen. Die englische Presse verzeichnet in ihren Meldungen aus New York die Möglichkeit eines Beitrittes der USA zu dem Sicherheitspakt, der Frank reich , Großbritannien und die Benelux-Staaten umschließen soll.
Die Idee eines Staatenbundes oder Bundesstaates für Deutschland findet die gleichen Anhänger wie schon früher, nämlich Frankreich , die Benelux-Staaten und die USA , während Großbritannien einer mehr zentralistischen Organisation den Vorzug gibt. Es ist möglich, daß der besondere Charakter der augenblicklichen Verhandlungen eine Annäherung der Auffassungen zuläßt
In Kreisen der Benelux-Delegation ist man der Auffassung, daß es wichtig sei, festzusetzen, welche Rolle die Benelux-Staaten unter den Alliierten bei
der gemeinsamen Politik spielen werden, die bei den Londoner Besprechungen definiert werden soll Von dieser Definition wird das Fünfer-Abkommen abhängen, das von London und Paris in Brüssel , im Haag und in Luxemburg vorgeschlagen worden ist. Als dritter Punkt der Tagesordnung erfolgte di* Prüfung der Rolle der deutschen Wirtschaft in der europäischen Wirtschaft und der Kontrolle aes Ruhrgebietes, Von französischer Seite werde dar »cd hingewiesen, daß dieses internationale Regime während der Besatzungsperiode leichter zu errichten sei, als nach Beendigung der Besetzung. Von englischer Seite jedoch lehnte man die Schaffung eines Sonderregime in der britischen Zone ab, da es di« Rechte der Besatzungsmacht beschränken würde.
General Koenig in London LONDON
— Der Oberbefehlshaber der französischen Besatzungszone in Deutschland , General Koenig, traf in London ein, wo er an der Dreierkonferenz teilnehmen wird.