anderersitts sinn vielt Hund 's Hase Dod; odder, uff unser Hanauer Fall üwerdrage:
Wenn d' Rubbe d' Köpfle am Acker zowwle,
Brucht si dr Tiroler nimmi howwle.
Es grust eim, Bürger, wemmer dran denkt, wiä elend diß- johr unseri Hanauer Bure ihn Kruttfelder dogschtande sinn, wo deß fiendselig Heer vum Schtamm Ruppeschißer driwer hergfallen isch, wiä hungerigi Wölf üwer ä Schoofherd, un nix meh üwerig glosse hett als sufer abgnagti Rippli. En Arwet, wiä si unseri Dawackentripper im Grawe-Hotel sich als Muschter nemme kinnte, Wenns nit grad so drurig wär.
D' Marlemer riäfe: „'s gilt keß!" Waß mache mr do, um unseri Kruttschtande ußz'schtopfe? D'Schwowe kinne au nit gnuä fürs Filderkrutt vrlange; unser einziger Droscht bliewe d' Holländerlangköpf, wemmer zuem Schwienewickel unser Suurkrutt vrschnaweliere Welle.
Unseri Hanauer Bure losse Wege dere Kruttskopslosig- keit ihn eigeni Köpf nitt hänke. Wer sie im Herbscht biem WillschtetterDroschtrenne gsehne hett, wurd mr recht geen. Am Samschdig noch em Hanauer Rennsescht hockt e Legelshurschter Buur in siem rote Schillee ins Michels un schtichelt immer uff e Jux. wo z' Willschtett bassiärt sien soll: vum e Schueschter siem blöde Sitzleder unterem Schpritzleder.
Alles, waß mr uß em rußkriägt hett, gitt ebbs fürs Offeburiger Narreblatt, wenn Selli, wo de Gschbaß erlewt henn, ne selwer uffs Babier bringe. E Klüpperli luschdigi Offeburiger nemme sich e Bräck un fahre em Willschtetter Reche zue, deß heißt, uff dr Rennplatz, wo si hinter ere Heck 's Fuehrwerk warte lasse mit em anbundene Gaul.
Jetzt awer heißts bigoscht e Platz erowere, wo mr noch d' Roßschinderei guet üwersehne kann. Jeder schaut, wo er bie dere Menschemaß vom e Bublikum z' buffe kummt. Dr Schueschter macht Schbrüng wiä so e jungs Hutscherli un setzt, als wär er e Wettrennegaul, üwer alli Hindernisser weg un grawelt mit affenardiger Preisdurnerkunscht an de Brettervrschläg nuff. Bums — e Krach! Awer nitt e
Böhlerschuß odder e Kanoneschlag-, dr Sunndigshose-
zieg rißt retschend ußenander, dert, wo er als in früehere Zitte vuns Schueschters Batter odder Lehrer als Abziähbild angschbannt waren isch. E Kahlhieb üwer dr nördlige Erdkugel ischs Resuldat vun dem Retsch, waß dr Schueschter durch en Expedition sinnere rechte Hand unters Schallet nach Sitz-iliä zue siem große Leidwese glich innewurd.
Jetz isch gueter Rot dhier. Nur nitt lang bsinne, sunscht gitts noch en abardigi Bolksbeluschdigung uff em Hanauer Rennplatz. — Kehrt, marsch, marsch, uff em nägschde Weg em Wage zue hinter dr Wiedeheck! Dr Schtrang an- gmacht, uff dr Bock gsesse un dr Liebschade unter em Schbritz- leder Offeburg zue dirigiärt; adje Wettrenne! Aß de gallöppersch!
Waß d'Kollege, wo vun dere Flucht nix gwißt henn, drzue sage? Es isch e hinterlischtigi Sach gsien, Bürger!
Die Fleisch- und Brotlieferungen für das städtische Krankenhaus und für das Armenhaus, sowie die Lieferungen des Brotes für städtische Arme sollen von Neujahr ab jeweils im Wege des öffentlichen Ausschreibens für je ein Quartal vergeben werden. Es kann bei dieser Gelegenheit nicht dringend genug gewünscht werden, daß gerade bei der öffentlichen Brotabgabe, die ohnehin für die Armen meist eine peinliche Situation ist, die wohl ebenso wie die Abgabe der Milch usw. durch Ueberweisung von Gutscheinen geregelt werden könnte, strenges Augenmerk daraus gerichtet wird, daß den Armen volles Gewicht und vollwertige, gutausgcbackene Ware geliefert werde.
Die Bestellung städtischer Wiesen mit Kunstdünger wurde im letzten Jahre probeweise vorgcnommen. Die Resultate befriedigten, darum soll wiederum ein Teil der städtischen und Spitalwiesen' mit Thomasmehl und Kainit gedüngt werden. Das erforderliche Material soll durch den land- wirtschastlichen Bezirksverein bezogen werden.
Das Vermessungswerk bat ergeben, daß bei Ankäufen kleinerer Parzellen an der Frieden- bezw. Hildastraße in den Jahren 1887 und 1896 die Verkäufer in Nachteil gekommen sind. Herr Johann Kopp hatte 8, Herr Meliert 5 qm mehr abgetreten, als von der Stadt grundbuchmäßig erworben und bezahlt wurde. Der Stadtrat beschloß dieses Gelände zum Grundbuch einzutragen und den damaligen Verkäufern den damaligen Verkaufswert nachträglich zu ersetzen. Bei dem Koppschen Gelände kommen danach pro qm Mk. 2.77 und bei der Mellertschen Parzelle pro qm Mk. 4. — in Betracht
Das städtische Adrehbnch, von dem wir an anderer Stelle berichteten, soll fürderhin regelmäßig alle zwei Jahre neu herausgegeben werden, vorausgesetzt, daß die Einwohnerschaft durch regere Abnahme ihr Interesse an der Einrichtung bekunde.
Der Zentral-Zuchtvieh-Markt soll auf Anregung des Gr- Zuchtinspektors Hink eine Erweiterung erfahren. Es soll ihm ein Fohlen-,
Eber-, Mutterschwein-, Zuchlserkel-, Jungbock- und Geisenmarkt angegliedert werden. Als Unternehmerin dieses Spezialmarktes soll die Stadtgemeinde eintreten. Herrn Zuchtinspektor Hink wird für sein bewiesenes Interesse der Dank der Stadt ausgesprochen. Die Vorbereitungen zu dem Markte -werden einer Kommission überwiesen, der die Stadträte Merk, Mansch und Schimpf, die Inspektoren Hink und Huber unter dem Vorsitze des Oberbürgermeisters angehören.
Für das Volksbad der Frauen wird die Ausstellung dreier weiterer Badewannen im Mädchenschulhause nötig. Zuvor muß durch das Tiefbauamt die Ableitung des Badewassers geregelt werden.
Der Armenkontrolleur, oder wie er neuerdings auch nicht geschmackvoller bezeichnet wird „Armenaufseher", der seit Juli provisorisch seines Amtes waltet, soll nun zu einer dauernden Institution werden. In der letzten Sitzung des Armenrates erkundigte sich Oberbürgermeister Hermann nach den Erfahrungen, welche die Mitglieder des Kollegiums in der Zeit des Zusammenarbeitens mit dem provisorischen Beamten gemacht haben. Es wurde einstimmig anerkannt, daß die Art und Weise, wie der Beamte (Herr Blesch) sein Amt bisher ausübte, zu keinerlei Beanstandungen Anlaß gab. Die notwendigen Erhebungen wurden objektiv, taktvoll und diskret behandelt und nicht vom rein fiskalischen Standpunkt aus beurteilt. Es wurde von Mitgliedein betont, daß, wenn die Persönlichkeit des Herrn Blesch auch sür das Definitivum in Betracht komme, manche srühern Bedenken gegen diese neue Stelle wegfallen. Der Oberbürgermeister konnte aber auch nicht konstatieren, daß durch diese neue Einrichtung die Stadtgemeinde Ersparnisse in der Richtung mache, daß das vielangegriffene Armenbudget eine Herabminderung erfahre. Der Oberbürgermeister betonte, daß dies ja auch nicht der Hauptzweck gewesen sei, es müsse aber anderseits den Kommissionsmitgliedern eine Genugtuung gewähren, der Bürgerschaft den Nachweis zu liefern, daß die erhobenen offenen und versteckten Angriffe, als würden von der Armenbehörde öffentliche Gelder unzweckmäßig verwendet (eine Biertisch-Tirade, von der sich wohl kein Armenratsmitglied je ernsthaft betroffen oder gekränkt fühlen konnte. D. B.), unberechtigt waren.
Die desinitive Schaffung dieser neuen Beamtenstelle, di- das städtische Budget mit mindestens 22—2400 Mk. jährlich belasten wird, untersteht nunmehr noch der Genehmigung des Stadtrates und des Bürgerausschusses. Ob letzterer sich entschließen kann, ohne rechnerische Grundlagen — die wohl kaum einmal mit absoluter Sicherheit aufzustellen sein werden — die Schaffung dieser Beamtenstelle gutzuheißen, bleibt dahin gestellt. Die praktischen Erfahrungen aus den Sitzungen der Armenkommission führen zu dem Resultat, daß in der Zeit des Provisoriums nicht konstatiert werden konnte, daß aufgrund des neuen Kontrollsystems an die Armenkasse geringere Unterstützungsanforderungen gemacht wurden, oder daß bei einzelnen Unterstützten Abstriche vorgenommen werden konnten, welche nicht auch ohnehin — durch veränderte Verhältnisse — bedingt gewesen wären.
Der Verkehrsoerein hat unter anderm vor längerer Zeit beim Stadtrnt angeregt, es möge alsbald ein neues Adreßbuch herausgegeben werden, da eine Herausgabe erst nach der nächsten Volkszählung ^Weihnachten 1910) doch gar zu lange anstünde, zumal das alte Adreßbuch heute schon veraltet und ungenügend erscheine. Man wollte sich in der Zwischenzeit mit einem verkürzten Inhalt begnügen. Nnnmehr ist aber der Stadtrat und der Verkehrsvcrein doch zn dem Entschluß gekommen, daß ein neues Adreßbuch auf Grundlage des bestehenden herausgcgebcn werden soll. Der Erscheinnngc-termin ist auf 1. Mai festgesetzt, so daß die Wohnungoverändernngen vom 1. April 1909 noch vermerkt werden können. Die Verhandlungen über die finanziellen Fragen schweben noch, werden aber zum Abschluß kommen, da die Herausgabe eines neuen Adreßbuches eine zwingende Notwendigkeit ist.
Die Aufräumungsarbeiten vor dem neuen Kirchplatz schreiten voran. Ihnen muß auch die letzte Ruhestätte des im Jahre 1848 verstorbenen Stadtpfarrers und Dekans Mersy weichen. Das Grab bot in den letzten Jahren stets ein Bild unwürdigster Verwahrlosung. Solche Pietätlosigkeit hatte der darunter Ruhende nicht verdient. Der „Alt Offeburger" machte wiederholt darauf aufmerksam. Nun soll das. Grab entweder — wie die umliegenden Gräber — eingeebnet oder aber die Überreste auf den neuen Friedhof überführt werden. Ersteres wäre wohl zumeist im Sinne des edlen ehemaligen Priesters, des Freundes und Zeitgenossen der Wessenberg, Biechele, Ronge, Burg usw. Die Grabschrist aus dem schlichten Leichensteine, den die Zeichen der Priesterwürde schmücken, lautet:
Vorderseite:
Franz Ludwig Mersy geistl. Rath, Dekan und
Siadtpfarrer geb. d. 29. Nov. 1785 gest. d. 12. Aug. 1848 Rückseite:
Gesetzt in dankbarer Erinnerung von der Pfarrgemeinde Offenburg .
Demnach wäre heute Mersy's 123. Geburtstag. Im Jahre 1832 hatte Mersy , als Vorsitzender des Landkapitels Offenburg , der Kurie eine Eingabe der Pastoralkonferenz über kirchliche Resormvor/chläge unterbreitet. Herr Stadtpfarrer Kreusch von der hiesigen altkatholischen Gemeinde benützt diese eben gegebene Auffrischung des Andenkens Mersy's zum Thema eines Vortrags: „Die kirchlichen Resormvorschläge des Landkapitels Offenburg im Jahre 1832", auf welchen wir hiermit (s. Inserat) besonders Hinweisen.
Es ist zu bedauern, daß der Vortrag kollidiert mit dem Stadttheater, wo Ibsen zu Worte kommt. Beide Veranstaltungen werden darunter leiden.
Die Bäume der Bahnhofstrahe sind dem Untergange geweiht; sie sollen beseitigt werden, wie der Oberbürgermeister in der Bürgerausschuß-Sitzung mitteilte. Somit ist keine Aussicht vorhanden, daß die einstige Zierde der Stadt Offenburg , die grüne Eingangspforte am Bahnhof, wieder hergestellt wird. Als vor einigen Jahren die radikale Zurückschneidung der Bäume im Ausschuß angeregt wurde und heftigen Widerspruch fand, tröstete man die Gegner mit dem Urteil der Sachverständigen, die eine Erneuerung der Schönheit nach wenigen Jahren in Aussicht stellten. Bekanntlich ist auch bei der Beseitigung der schönen Allee der Hauptstraße der Trost nicht in Ersüllung gegangen. Wie es mit dem Baumwuchs der neuen Ostanlage an der Bahn vor sich gehen wird, die uns in der Sitzung als ein Muster hingestellt worden ist, bleibt abzuwarten.