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Die Glas- u. Emailplakatefabrikation der Firmen Schell and D o l d in Offenburg beschäftigt eine große Zahl Arbeiter. Unter den Steuerprojekten, welche dem Reichstag zum Bescheid vorliegen, be­findet sich auch eine Steuer auf Inserate und andere Anzeigen. Die­selbe erstrekt sich nicht nur auf Zeitungen, sondern auch auf Anzeigen vermittelst Email-, Porzellan- und Glasplakaten usw. Die hiesigen einschlägigen Geschäfte befürchten nun von dieser recht hoch angesetzten Steuer eine bedeutende Geschäftseinbnße und erheben Protest gegen deren Gesetzwerdung. Aber nicht nur die Geschäftsinhaber solcher Fa­briken haben schweren Schaden zu gewärtigen. Die Arbeiter haben durch Einschränkung der Betriebe und damit verbundener Arbeitslosig­keit und Lohnkürzungen zu leiden. Möge man doch bald allerorts erken­nen, daß der Aufwand für den unseligen Militarismus das Verkehrs­leben ruiniert und alle kulturellen Aufgaben unmöglich macht. Die Völker insgesamt sind friedlich gesinnt und sehnen eine Abrüstung her­bei, aber die großen Vorteile, welche die Militärwirtschaft den obersten Schichten bringt, läßt diese nichts nach solchem Sehnen und Wünschen fragen.

Stadttheater. Schuldig von Voß fand eine befriedigende Wieder­gabe. Insbesondere war es Herr Bach, dessen Leistung sich hervorhob. — Alt-Heidelberg übte die alte anziehende Wirkung auf das große Publikum aus. Es galt auch den Benefizabend des beliebten Künstlers W. v. Kaminietz zu feiern. Der Besuch war befriedigend. — Anzengruber, mit seinen „D i e Kreuzelschreiber" brachte uns das begrüßte und willkommene Gastspiel des Herrn Arthur Bauer vom Stadttheater in Frankfurt a. M. Er ver­körperte die prächtige Gestalt des „Steinklopferhans" wie der Dichter sie ge­schaut haben muß. Jeder kleinste intime Zug war kein Spiel, sondern Leben, echtes, warmes Leben. Vorzüglicher Beherrscher des Dialektes, Realist in der Darstellung der äußern Figur, bot uns der Künstler ein Bild, das so rasch nicht aus der Erinnerung schwinden wird. Die vollendete Kunst der Bauerschen Darstellung ließ hinwegsehen über den großen Abstand gegenüber den andern „Bauern". Dialektstücke haben meistens Klippen für Schauspieler, welche den betreffenden Volksschlag nicht genau kennen. Ein sächselnder Oberbayer ver­mag mit einem Schlag die ernsteste Situation in eine komische Szene zu verwandeln. Die Sprache und vor allem die Kostüme der übrigen Mit- wirkenden waren Talmi. Wir Offenburger sind, besonders durch unsres un­vergessenen Kaiser-Gustels Verdienste, an ein sehr kritisches Auge gewöhnt in bezug auf „Echtheit" der Kostüme und es kann einem wirklich einen Genuß vergällen, wenn nicht nur das Ohr durch falschen Dialekt, sondern auch das Auge durch „Salonbauern" malträtiert wird. Der Gast ebnete immer wieder jede Unstimmigkeit mit seiner, dem Leben abgelauschten, Realistik. Die Damen Eichenwald, Segisser und Schlosser boten von den hiesigen Kräften das Beste. Die beiden Erstgenannten erfreuten durch ihre Liedergabe. Eine schöne und des Spieles des Gastes werte Charaktervarstellung war der alte Brenninger des Herrn Bach. Ganz unverständlich blieb Herr Ferry als Großbauer. ! Vielen Zuschauern, welche die Kreuzelschreiber nicht kannten, ging dadurch der 1 Zusammenhang oder vielmehr das Grundmotiv des Stückes verloren. Der ! protzige Großbauer von Grundldorf ist es, der Kraft seines Einflusses die ! Bauern beschwatzt, ihre drei Kreuzel unter eine Adresse zu setzen, welche an

Döllinger, den Vorkämpfer des Allkatholizismus gerichtet ist. Daher die Erbitterung der katholischen Klerisei, die nun mit der Großmacht der Weiber sich verbündet und den ehelichen Streik inszeniert. — Wie gesagt, das blieb einem großen Teil der Zuschauer absolut unverständlich. Der Direktion ge­bührt große Anerkennung für das Arrangement dieses Gastspieles. Sie hat darum Teil an dem herzlichen und warmen Applaus, den das Publikum dem Gast spendete. — Der Spielplan für kommende Woche verzeichnet: „Nora" oder „Ein Puppenheim" von Ibsen , „Kleine Doris", „Madame Boniward".

Die kanfmiirmifchen Vereine Badens halten im Juli k. I. ihren Verbandstag in Offenburg ab. Mit diesem Kongreß verbindet der hiesige „Kaufm. Verein" die Feier seines 25 jährigen Stiftungsfestes.

Ein 112 er Tag findet im nächsten Jahre hier statt. Dagegen ist die mittelbadische landwirtschaftliche Ausstellung auf das Jahr 1910 verschoben.

Die Freiwillige Fenerwehr Offenburg feiert ebenfalls nächstes ihr 50jähriges Bestehen. Zugleich findet der Kreisseuerwehrtag hier statt.

Das kommende Jahr bringt also unsrer Stadt eine ganze Reihe größerer Feste und Versammlungen und damit einen regern Zufluß von Fremden aus Stadt und Land. Möge Offenburg die Gäste würdig empfangen!

Personalien. Die Wagenwärter Karl Schork und Friedrich Dietrich in Offenburg wurden etatmäßig angestellt. Lokomotivführer Karl Bühler hier wird unter Anerkennung langer und treuer Dienste zur Ruhe gesetzt; ebenso der Maschinist Wilhelm Meyer hier. Oberschaffner Tho­mas Albietz in Offenburg ist gestorben.

Oberschaffner Karl Schnurr hier wird nach Lahr versetzt.

Bei der 2. juristischen Staatsprüfung wurven zu Gerichtsassessoren er­nannt u. a. die Rechtspraktikanten Franz Knapp aus Griesheim , Alfons Wintermantel aus Heidenhosen.

Die Staatsprüfung für den höhern Finanzdienst haben bestanden: Franz Gottwald von Offenburg und Armin Wurz, z. Zt. in Heidel­ berg (Abiturient des Offenburger Gymnasiums).

Gewerbeschulkandidat Nikolaus Zimmerer in Offenburg erhält eine etatmäßige Gewerbelehrerstclle in Furtwrngcn, an seine Stelle kommt Gcwerbeschulkandidat Otto Ruprecht von Karlsruhe als Lehrer an die Offenburger Gewerbeschule.

Die Geometerprüsung bestand Adolf Bollack von Offenburg .

Aktuar Karl Schilling in Bonndorf wurde dem Amtsgericht Offen­ burg zuyewiesen.

Die kleine goldene Verdienstmedaille erhielt der Weichenwärter Jos eph Pfeiffer in Offenburg .

20 000 Mark bar Geld sür nur 1 Mark sind bei der badischen Jnoaliden-Geldlotterie zu gewinnen. Die Lotterie dient dem guten Zweck, den i Invaliden und deren Angehörigen die nötige Unterstützung zu verschaffen. Es l kommen im Ganzen 2928 Geldgewinne ohne Abzug zur Verlosung. Es ist ! zu empfehlen, sich bald mit solchen Losen A 1 Mark 11 Lose 10 Mark zu I versehen bei: I. Stürmer, Lotterieunternehmer, Straßburg i. E. Langestraße 107 und allen Losverkaussstellen. Näheres besagen die Inserate.

Orlsttankenkaffe Offenburg.

Sonntag den 29. November ds. Js., nachmittags 2 Uhr, im Bürgersaale

mit folgender Tagesordnung:

1. Vorstandswahlen: a) 1 Arbeitgeber auf die Dauer von 3 Jahren;

b) 2 Arbeitnehmer auf die Dauer von 3 Jahren.

2. Abhör der 1907er Rechnung.

3. Wahl des Rechnungsausschusses (§ 53 der Statuten).

4. Definitive Genehmigung der Vergütung an Vorstandsmitglieder, der Be­züge und Sicherheitsleistung des Rechners, des Dienstvertrages mit den Beamten, sowie der Bezüge des Kassenboten (§ 57 Absatz 1 Ziffer 6 der Statuten).

5. Mitteilungen, Wünsche, und Anträge.

Zu Punkt 5 der Tagesordnung sind Anträge bis längstens 23. November 1908 schriftlich beim Vorstand einzureichen; später eingebrachte Anträge können nicht mehr berücksichtigt werden.

Hierzu werden die Vertreter und Vertreterinnen mit dem Ersuchen um gefälliges Erscheinen ergebenst eingeladen.

Offenburg , den 11. November 1908.

Der Vorstand.

X. Mandel. 3313.2.2

vorschußverein Offenburg

eingetragene Genossenschaft mit unbeschrankter Haftpflicht.

Die verehrlichen Mitglieder werden hiermit höflich an die Einladung zur

GeneralvevsttinnBlung

mn Freitag den 4. Dezember, abends 8 Uhr, im Gasthaus zur »Alten Malz" (Joseph Mösch) erinnert.

'3320 Der Vorstand.

sämtliche

DelikatO«

kauft man am besten

bei 3306.3.2

Eudtf. Eeidner

Steinstraße 21.

Arbeitsnachweis-Anftalt

der Stadt Offenburg .

Hauptstraße Nr. 106. Vermittlung von Kost und Wohnung für Arbeiter und Arbeiterinnen.

Unentgeltlich für Arbeiter und Arbeitgeber.

Stelle« fimdeur

Männliches Personal:

Feuerschmied, Huf- und Wagenschmied, Werk­zeugschlosser, Eisendreher, Polierer, Holzdreher, Holzbildhauer (Figurist). Möbelschreiner. Stuhl­macher, Rahmenglaser. Wagner, verheir. Küfer , Säger, Dachdecker, Maler, Kundenmüller, Bäcker, Schneider auf klein u. groß Stück, Schuhmacher, Hafner (Former), Ziegler (Handformer), Stein­brecher, Fuhrknecht, Feldknecht, Melker.

Weibliches Personal:

Köchin für Wirtschaft u. Privat, Küchenmädchen, Zimmermädchen f. Wirtschaft u. privat, Kellner«, häusliche und landwirtschaftliche Dienstbpteu, Maschinennäherin. Fabrikarbeiterin.