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Mittwoch, 22. Oktober 1947

2. Jahrgang ✓ Nummer 84

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Erscheinuogstage Mittwoch und Samstag / tinaej- prei* 20PI ' Mnaatsbejugspmi KM I hO einscblieB- lieh frägerinhn. durch die Poet bezogen KM 1.8* Anzeigen laut Taril 1 gegen Kenokartenauawei».

Organ der .

Sozialdemokratischen Partei Badens

Herausgegeben vom Sozialistischen Verlag Freiburg GmbH, Freiburg 1 Br., Kaiser-Joseph Straße 229, Verbreitungsgebiet: Land Baden (Französische Zone ) Geschäftsstellen und Vertretungen tn a 1 >®??l-ec . Fernruf Nr 2810. Bankverbindungen Deutsche Bank, Filiale Freiburg : Freiburger Gewerbebank e.G.m.b.H., Orten. - Anzeigenpreisliste Nr 2. - Gerichtsstand Freiburg 1. Br. - Schnftleitung Dr * “’V"'; * , S“ Freiburg 1 Br öffentl Sparkasse Freiburg i Br (Städt Sparkasse); Postschecte-Kto Ludwigshafen'Rh Nr. 25 460 leitung Karl May . E. Bauermeister. - Druck; Universitätsdruckerei Poppen & Ortmann, rreiourg

Gaullistischer Sieg in Frankreich

Kommunisten und Sozialisten behaupten ihre Position — MRP erheblich geschwächt

MRP RPF übrige abgegeb. de Gaulles Part Stimmen

Von den französischen Kommunalwahleo, die am 19. Oktober stattlanden, liegt noch kein end- «ültijr’es Ergebnis vor. Die bisherigen Resultate, die sich auf 3618 266' Stimmen beziehen, lassen jedoch eindeutig erkennen, daß die neue poli­tische Bewegung General de Gaulles einen vollen Erfolg für sich buchen kann. Diie Verteilung der Stimmen beträgt danach:

Komm. Sozial.

Partei Partei Paris :

154515 53984 39645 365383 22486 641013 Vororte von Paris :

102519 26411 21801 86683 5363 242777

Provinz:

851809 613062 276244 936718 56643 2734476

insgesamt:

1103843 698457 337690 1 388784 84492 3618266 De r prozentuale Anteil der Parteien beträgt:

In der angegebenen Reihenfolge:

30,65% 19,30% 9,30% 38,40% 2,35%

Ein endgültiges Bild kann erst gewonnen wer­den, wenn alle Resultate aus dem Lande vorliegen. Außerdem müssen die Ergebnisse der Stichwahlen des kommenden Sonntags abgewartet werden. Sie werden jedoch das Gesamtbild, was sich bis­her ergibt, grundsätzlich kaum ändern.

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Mit außerordentlicher Spannung sind ln Frankreich die Kommunalwahlen erwartet wor­den. Sie stellen ein politisches Ereignis von größter Tragweite dar. Man braucht nur in den letzten Tagen die großen französischen Zeitun­gen in ihren Überschriften zu lesen, um fest­zustellen, daß es hier nicht um kommunale Fra­gen ging, sondern um ganz große innen, und außenpolitische Entscheidungen. Die kommuni­stische „Humanitö“ z. B. hatte in ihrer Num­mer vom Samstag'Sonntag als große Schlag­zeile „Stimmt für die Unabhängigkeit Frank­ reichs “. Ein Bild von T h o r e z erschien mit der Überschrift: „Der beste Verteidiger der na­tionalen Unabhängigkeit.“ Eine andere Über­schrift lautete: „Unser Land wird nicht durch amerikanische Senatoren beherrscht werden.“ Die Sozialisten wandten sich gegen jede Dik­tatur, erklärten sich für die wirkliche soziale Republik . Auf der Rechten wurde von den Gaullisten dar Kampf für die Unabhängigkeit Frankreichs von jedem bolschewistischen Ein­fluß gefordert. Komintern und Marshall-Plan bestimmten die französischen Kommunalwahlen.

Das Ergebnis der Wahlen ist eindeutig. Die Bewegung General de Gaulles , das „Rassemble- ment du Peuple francais“, die französische Volksunicn, ist nach den bisher vorliegenden Resultaten einwandfrei als stärkste Partei aus den Wahlen hervorgegangen. Sie hat in einer Reihe großer französischer Städte wie Paris , Bordeaux , Nantes und Algier die ab­solute Stimmenmehrheit erzielt. In Marseille , in Lyon , in Lille , Nan' -, Rennes und Grenoble ist sie die stärkste Partei. Die Kommunisten haben Ihre Stelluno behauptet und noch leicht zu­genommen. Sie sind weiter in den Vororten von Paris die stärkste Partei, obwohl auch hier, in diesen von jeher kommunistischen Bezirken, das RPF sehr bedeutende Erfolge erzielen konnte. Die Sozialistische Partei Frankreichs hat ihre Position gut behauptet. Das ist beson­ders deshalb bedeutsam, weil sie ja heute in der Regierung die Verantwortung für sehr viele unpopuläre Maßnahmen trägt. Dagegen ist die

Volksnationale Sammlungsbewegung (MRP) in viel«: Teilen Frankreichs völlig zusammen­gebrochen ist. Auch die anderen Parteien ha­ben keinerlei Bedeutung mehr, wobei allerdings zu . bemerken ist, daß die Radikal-Soziale Partei und andere bürgerliche Gruppen zum Teil Bündnisse und Listenvereinigungen mit dem RPF eingegangen sind.

Der Zusammenbruch des MRP nimmt insofern nicht wunder, als die Partei sich bei ihrer Gründung als die Partei General de Gaulles bezeichnen konnte Nachdem de Gaulle mit einer eigenen Partei in die politische Arena getreten ist, war es vorauszusehen, daß ein

großer Teil der MRP-Anhänger sich nunmehr unmittelbar für ihn entscheidet.

Schon jetzt läßt sich sagen, daß die Auswir­kungen dieser Wahl außerordentlich sein wer­den. Einer sehr starken extremen Linken steht eine noch stärkere Rechte entgegen. Die Sozia­listen nehmen wie bisher in noch stärkerem Maße eine Schlüsselstellung ein. Sie werden, ge­rade auf Grund dieser Tatsache, die französi­ sche Politik entscheidend mitbestimmen können. Sehr beachtlich ist auch das Echo im Ausland. Nach bisher vorliegenden Meldungen wird der Sieg General de Gaulles besonders in Amerika auf das stärkste begrüßt.

Dr. Schumacher in Amerika

Katastrophenwirkung der Demontagen — Ohne Sozialisierung kein Aufbau Deutschlands

Der Vorsitzende der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, Dr. Kurt Schumacher, erklärte in einer Rede auf der Jahrestagung des amerikani­ schen Gewerkschaftsbundes American Federation of Labor (AFL): „Die weitere Anwendung des alten und gefährlichen Mittels der Demonta­gen hat ökonomisch und mehr noch psycholo­gisch Katastrophenwirkung., Von dieser Stelle her drohen die Stimmungen der Aussichtslosigkeit und der Glaubenslosigkeit wieder Raum zu ge­winnen. Selbstverständlich muß die Herstellung von Kriegsmitteln verhindert werden. Aber hier geht es • in der übergroßen Mehrzahl der Fälle um die Produktionsstätten der Friedensgüter- Industrie. Die demokratische Arbeiterbewegung, repräsentiert durch die Gewerkschaften und die Sozialdemokatische Partei, muß eintreten für die Erhaltung der Produktionsmittel und des Arbeits­platzes. Mit einer Politik der Demontagen ge­fährdet man die Reorganisation Deutschlands aufs stärkste“.

Monopolgewinne wären Dynamit

Zum Thema Sozialisierung sagte Dr. Schu­macher: „Für uns ist Sozialisierung keine Verstaatlichung, kein enormer Staatskapitalismus. Das entscheidende Stück deutscher Produktionskraft soll als Eigentum dem deutschen Volke Vorbehalten bleiben, so differenziert und der modernen Wirtschaftsent­wicklung entsprechend auch seine Organisations­formen sein mögen. Diese Sozialisierung bedeutet keine Ab'ehnung der Marktwirtschaft und der Konkurrenz. Die Basisindustrien, ohne die kein Aufbau und keine Reparationen geleistet werden können, dürfen nicht für private Monopol­gewinne mißbraucht werden. Das Sozialprodukt in Deutschland ist viel zu klein, um solche Ge­winne zu ertragen. Würde man sie zulassen,

dann würden die armen und hilflosen Menschen dafür Elend und Tod in Kauf nehmen müssen. Solche Privatgewinne sind in Deutschland _ nicht ohne die schlimmsten sozialen und politischen Konsequenzen möglich. Sie würden im gesell­schaftlichen Leben des Volkes geradezu wie Dy­namit wirken und alles das hervorrufen, was national und international vermieden werden muß. Alles, was noch gut und stark im deutschen Volke ist, drängt auf eine wirklichkeitsnahe und gerechte Gesellschaftsstruktur.“

Verhältnis Frankreich — Deutschland Gradmesser für die Vernunft in Europa

„Europa hat ein gemeinsames Schicksal“, so er­klärte Dr. Schumacher. „Seine veraltete politisch­ökonomische Struktur hindert es daran, diese Gemeinsamkeit auszunutzen. Solange wir im Sta­dium einer Konkurrenz > der Nationalstaaten und Nationalwirtschaften leben, wird die verhängnis­volle Abwärtsbewegung nicht aufgehalten werden können. Es besteht die Gefahr, daß wir von einer Wirtschaftskrise in die andere stolpern. Vor allem Deutschland wäre dann eine ständige Last für Europa und für die Welt. Eine Tatsache, die sich nicht nur ökonomisch, sondern auch poli­tisch in den Chancen für die Erweiterung des Ostblockes ausdrücken könnte. Kein Land Europas kann die Schwächung eines anderen europäischen Landes ertragen, keine® kann durch Ausbeutung eines anderen erfolgreich sein. Daß der Marshall-Plan die europäischen Völker zur Annäherung zwingt, ist einer seiner stärksten Vorteile. Am wichtigsten ist die Annäherung der Franzosen und der Deutschen-, Das Verhältnis Frankreich — Deutschland ist der Gradmesser für die wirtschaftliche Vernunft und die lebendige Menschlichkeit in Europa.“

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Wiederaufbau durch Abbau?

Erich Otlenhauer zur Demontagetiste für die Doppelzone

Der stellvertretende Vorsitzende der Sozial­demokratischen Partei Deutschlands, Erich Ol- lenhauer, hat sich in einem Interview zur De­montageliste für die Doppelzone geäußert. Die psychologische Wirkung auf die deutsche Ar­beiterschaft, so erklärte Erich Ollenhauer , kann nur schlecht sein. „Die Veröffentlichung der Liste erfolgt in einem Augenblick in dem die Menschen mit 'größter Sorge dem kommenden Winter entgegensehen. Die deutsche Arbeiter­schaft will wieder produktive friedliche Arbeit

Das amerikanische Hilfsprogramm

1948 — ein Jahr des Kreuzgangs für Europa

In zuständigen Washingtoner Kreisen erklärt man, daß die Berater Trumans, nachdem sie den Bericht von Innenminister Jules Krug ge­prüft haben, dem Präsidenten versicherten, daß es der amerikanischen Nation möglich ist, ein Programm für eine wirtschaftliche Hilfe für das Ausland in Höhe von 20 Milliarden Dollar auf fünf Jahre verteilt, durchzuführen. Diese Be­rater sollen zu der Ansicht gelangt sein, daß die amerikanische Wirtschaft keinen ernsthaf­ten Rückschlag erleiden dürfte, nachdem die in­dustrielle und landwirtschaftliche Erzeugung der Vereinigten Staaten auf annähernd 225 Milliarden Dollar geschätzt wird.

Die Berater sind ferner der Ansicht, daß das Jahr 1948, wie Herve Alpphand erklärte, „e i n Jahr des Kreuzganges“ für Europa sein wird und sollen eine ganz besondere Unter­stützung für dieses Jahr als; zweckmäßig emp­fohlen haben, für we’ches die Sechzehner-Kcn- ferenz genau eine Hilfe von 8 Milliarden Dol­lar verlangte. Nach der Ansicht der Berater sei jedoch die amerikanische Hilfe auf fünf Jahre zu verteilen und nicht auf vier, wie es die Konferenz für die wirtschaftliche Zusam­menarbeit Europas ln ihrem Bericht vorgeschla­

gen hat. In denselben Kreisen erklärt man außerdem, daß die gesamte Hilfe, welche die Regierung den parlamentarischen Kommissio­nen zum Vorschlag lm Kongreß empfehlen wird, etwas unter den europäischen Voranschlägen liegen wird. Mm muß nämlich in Rechnung stellen, betont man, daß die amerikanische Re­gierung und dem Ausland außerdem bis zur Durchführung des Marshall-Planes eine Uber­gangshilfe in Höhe von sechs- bis achthundert Millionen Dollar gewähren will.

Im übrigen weist man darauf hin, daß es ver­früht sei, jetzt schon die genaue Höhe der Summe im voraus festsetzen zu wollen, die Europa in den nächsten Jahren zur Verfügung gestellt werden solL

Die amerikanische Regierung wird sich vor allem bemühen, wie man sagt, Lurona zu helfen, die schwierige Klippe des Jahres 1948 hinter sich zu bringen,

erst dann wird man einen 'Gesamtvoranschlag aufstellen, wobei man gleichzeitig den in den europäischen Ländern erzielten Ergebnissen und der Preisentwicklung in den Vereinigten Staa­ ten Rechnung tragen will.

leisten und seit zwei Jahren hofft sie auf den Augenblick, in dem der Zerfall in der Wirt­schaft abgelöst wird durch einen planmäßigen Aufbau. Statt dessen wird ihr jetzt eine neue Demontageliste präsentiert.

Wirtschaftliche Not, verbunden mit Arbeits­losigkeit, führen immer zu einer Schwächung der besonnenen und verantwortungsbewußten Kräfte im Volk. In der gegenwärtigen labilen politischen Verfassung großer Teile des deut­schen Volkes bedeutet eine Politik des Abbaues und der Zerstörung eine Förderung der nationalistischen und kommunisti­schen Kräfte, die einen friedlichen de­mokratischen Aufbau in Deutschland hemmen oder verhindern wollen.“

Auf die Frage, ob er es für möglich halte, daß von den Vätern der Demontage der Wider­sinn des Rezeptes „Wiederaufbau durch Abbau“ übersehen wird, antwortete Erich Ollenhauer : „Man kann unmöglich von der Annahme aus­gehen. daß die Väter der neuen Demontageliste sich über den Widerspruch nicht im klaren sind, der darin Hegt, daß auf der einen Seite die orößten Anstrengungen oemacht werden, um die europäische Wirtschaft einschließlich der westdeutschen aufzubauen, während auf der anderen Seite ein weiterer Abbau von Produk­tionsmitteln und Maschinen erfolgt. Nach mei­ner Auffassung erklärt sich der Widerspruch aus der Tatsache, daß gegenwärtig die Politik der West-ATlilerten ln Deutschland von zwei nicht miteinander zu vereinbarenden Vorstel­lungen bestimmt wird. Auf der einen Seite von der Vorstellung, die Abmachungen von Potsdam innezuhalten und auf der anderen Seite von der Erkenntnis, daß die europäische Krise nur gelöst werden kann, wenn auch die deutsche wirtschaftliche Leistungsfähig­keit wieder hergestellt wird, die zu dem londoner Industrien'an und zu der Pari­ ser Konferenz über den Marshall-Plan geführt hat.“ Auf die Frage, was die Leitung der stärk-

Entspannung?

Das Echo der Neubildung der „Komintern “ oder, wie man jetzt sagt, der „Kominform “, ist noch nicht ganz verhallt. Vor allem die sozialistischen Führer nehmen weiter in allen Ländern zu diesem wichtigen Ereignis Stellung. Hier und da ist die Frage aufgetaucht, ob nicht die Neubildung einer wirksamen Internationale der sozialistischen Par­teien cfie richtige Antwort sein würde. Aber man zögert doch, einen solchen Entschluß zu fassen, weil man gerade in sozialistischen Kreisen alles vermeiden will, was eine Verschärfung der Situa­tion herbeiführen könnte. Das ist vor allem offen­sichtlich auch das Bestreben der englischen Ar­beiterregierung. Der englische Rundfunk hat sich in seinen Auslandssendungen in der letzten Woche jeglicher scharfer Angriffe auf Rußland enthalten, im Gegensatz zu Amerika , wo die Reaktion auf die Kominternerklärung viel lebhafter war. Aber auch hier ist in den letzten Tagen eine merkliche Beruhigung eingetretpn. Die Tatsache, daß die Russen auf der Generalversammlung der Vereinten Nationen in der Palästinafrage die gleiche Hal­tung wie die Amerikaner eingenommen, d. h. sich für die Bildung eines autonomen Araber- und eines autonomen Judenstaates erklärt haben, hat die Hoffnung geweckt, daß die Russen es doch nicht zum Äußersten kommen lassen wollen. Auf der anderen Seite widersetzen die Russen sich allerdings nach wie vor dem amerika­ nischen Vorschlag, einen permanenten Aus­schuß der ONU zu bilden, der während der Zeit, in der die Generalversammlung nicht tagt, die wichtigsten Fragen der Vereinten Nationen be­handeln soll. Die ' Russen scheinen diesen An­trag auch in der englischen Abänderung ablehnen zu wollen, die diesem Komitee die Behandlung der Fragen Vorbehalten will, die nicht im Sicherheits­rat der ONU behandelt werden.

Als Zeichen dieses amerikanisch -englischen Ver­ständigungswillens ist auch die scharfe Ablehnung der Vorschläge des früheren amerikanischen Staats­sekretärs Byrnes zu werten, der eine inter­nationale Konferenz fordert, die das deutsche Problem im Sinne der Wiederherstellung der Ein­heit Deutschlands lösen soll. Er schlägt dabei vor, die Russen, wenn sie die dort angenommene Lösung nicht akzeptieren und ihre Truppen nicht aus Ostdeutschland herausziehen sollten, mit militärischer Gewalt aus diesem Gebiet zu ver­treiben. Weder Präsident Truman noch sein Außenminister Marshall teilen, wie aus verschie­denen Erklärungen der letzten Zeit hervorgeht, diese Meinung. Es scheint sich mehr und mehr in Amerika die Auffassung durchzusetzen, daß die beiden großen Blöcke, deren Formung un­vermeidbar zu sein scheint, sfhr wohl nebenein­ander bestehen können, ohne daß es zu einem kriegerischen Konflikt kommt. In dem Sinne hat der amerikanische Handelsminister H a r r i m a n erklärt: „Wir verwerfen kategorisch die Behaup­tung, daß verschiedene Formen der Gesellschaft nicht friedlich nebeneinander existieren können.“ Ist das nicht aber die Meinung, die auch Stalin bereits im vorigen Jahr in einem Interview einem Vertreter der „Times“ gegenüber ausgedrückt hat? Auch die Erklärung, die Stalin jetzt dem Vertreter der Linksgruppe der englischen Ar­beiterpartei Zilliacns gemacht hat und in der er im Gegensatz zu den Erklärungen der Komintern sich für eine lovale Zusammenarbeit zwischen England und Rußfand ausgesprochen hat, liegt auf dieser Linie. Ist es das Ziel der russischen Politik, durch die immer , engere Heranziehung der von ihm abhängigen Länder im Osten Europas, einen großen wirtschaftlich sich selbst genügenden Block zu schaffen, der sehr wohl neben einem ideologisch ganz anders ausgerichte­ten amerikanischen Block existieren kann? Das Bedenkliche dabei ist nur das Obergreifen der „Kominform * auf westeuropäische Länder wie Italien und Frankreich .

Gerade wenn man diese Entwicklung betrachtet, die auch Churchill kürzlich in einer Rede als möglich erachtet hat. wird die Frage eines euro­päischen Zwischenreiches, das sich weder dem russischen noch dem amerikanischen Block an­schließt: so außerordentlich bedeutsam. Ein sol­ches Zwischenreich, vor allem wenn es in der Form eines demokratischen Sozialismus sich ver­wirklicht, kann am ersten den Zusammenprall der beiden großen Machtblöcke verhindern. Sowohl in Frankreich wie in England setzt sich diese Auffassung mehr und mehr durch. Das schwie­rigste Problem bleibt dabei allerdings das deutsche Problem. Denn hier stoßen im Augen­blick die Gegensätze am stärksten aufeinander. Auf der November-Konferenz wird deshalb die Entscheidung nicht mir über das deutsche Schick­sal fa'ien. sondern über die gesamte Writpolitik der nächsten Jahre. Dr. Gr.

sten deutschen Arbeiterpartei der deutschen Ar­beiterschaft in der schwierigen Situation, ihre eigenen Arbeitsstätten, auch soweit sie fried­lichen Zielen dienen, niederzureißen, zu sagen habe, erwiderte Ollenhauer: „Ich glaube, daß in der gegenwärtigen Situation niemand den deutschen Arbeitern zumuten kann, an der Demontage von Arbeitsstätten und Ma­schinen, die ausschi'eßlich und eindeutig der Friedensproduktion dienen, mitzuhelfen.“