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Donnerstag, 25. A«gisst

Operation im Zwielicht

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Von Wolfgang Li pp

Diese Geschichte, so unglaublich sie auch er­scheinen mag, ist wahr. Sie hat sich vor einigen Jahren in den Vereinigten Staaten zugetragen. Wir haben nichts von Bedeutung weggelassen und nichts hinzugefügt; wie sie geschah, geben wir sie wieder, leidenschaftslos und ohne irgendwelche Schlüsse zu ziehen. Es soll dem Leser überlassen bleiben, sich seine eigenen Gedanken über das Spiel des Zufalls zu machen, das hier auf seltsame Weise am Werke war und von dem einmal gesagt wurde, er sei letzten Endes nichts anderes als die in Schleier gehüllte Notwendigkeit,..

An einem Sommerabend, als das Land im Zwie­licht lag, fuhr ein Mann (den wir Herbert O'Leary nennen) mit seiner Frau im Auto über eine einsame Landstraße, Neuyork entgegen. Die Frau, welche den ganzen Tag über guter Dinge gewesen war, wurde plötzlich von rasenden Koirfschmerzen über­fallen. Ein Blick auf ihr schmerzverzerrtes Gesicht zeigte O'Leary, daß rasches Handeln geboten sä. Glücklicherweise erinnerte er sich daran, daß sie vor etwa einer Viertelstunde ein kleines Gehöft durchfahren hatten, wo an einem der Häuser ein Äskulapstab die Anwesenheit eines Arztes an­zeigte. O'Leary wandte seinen Wagen um und fuhr, so schnell er konnte, zum Hause des Arztes zurück. Im Fond des Autos lag seine Frau, stöh­nend und halb von Sinnen vor Schmerzen.

Der Arzt war ein kleiner, grauhaariger Mann. Mit seltsam stechenden Augen musterte er die Frau und sagte mit zitternder Stimme: ,3ringen Sie die Dame in mein Sprechzimmer — rasch! Jede Sekunde ist kostbar!“ O'Leary schritt ungeduldig kn Wartezimmer auf und ab, während seine be­sinnungslose Frau untersucht wurde. Als der Arzt herauskam, sagte er: „Ihre Gattin muß auf der Stelle operiert werden. Jeder Aufschub würde ihr «nweigerlich den Tod bringen.“ O’Leary zögerte. „Ich hin bereit, die Operation durchzuführen“, fuhr der Arzt fort, „aber ich bin allein im Haus, und Sie müssen mir behilflich sein. Ich werde mein Bestes tun, kann jedoch keinerlei Verantwortung übernehmen, falls die Operation mißlingen sollte.“ Trotz des seltsam stechenden Blicks, trotz der zit­ternden Stimme lag in der Art des Doktors irgend­

etwas, das Vertrauen einflößte. Zudem war die Lage der Frau hoffnungslos. O'Leary blieb keine Wahl. „Operieren Sie!“ sagte er verzwäielt.

Die Operation hatte gerade den gefährlichsten Punkt erreicht, als O’Leary ein heftiges Pochen an der Tür vernahm. So schnell ihn seine Füße trugen, eilte er hinaus und sah sich zwei uniformierten Männern gegenüber, die Einlaß verlangten. Der eine hatte eine Maschinenpistole unter dem Arm. „Nun ist uns der kleine Professor wieder ent­wischt“, s#gte er zu O'Leary, „aber bisher haben wir ihn immer hier in seinem Landhaus gefunden.“ — „Wer sind Sie?“ fragte O'Leary. „Wir gehören zum Wachpersonal der Irrenanstalt Maryhill“, ant­wortete der Mann mit der Maschinenpistole „Ist der kleine Professor hier? Hoffentlich bringen wir ihn zurück, bevor er wieder zu toben beginnt!"

„Allmächtiger Himmel", flüsterte O'Leary, der totenbleich geworden war; „er hat meiner Frau soeben den Schädel aufgemeißelt. Ich flehe Sie an: lassen Sie ihn die Operation beenden! Und, bitte, besorgen Sie einen Krankenwagen, so schnell Sie können!“

Eine Viertelstunde später kam der kleine Pro­fessor aus dem Sprechzimmer und erklärte die Ope­ration für beendet. Inzwischen war der Kranken­wagen der Irrenanstalt eingetroffen. Der eine Wär­ter trug mit OLeary die Frau in den Wagen, wäh­rend der andere den kleinen Professor wegbrachte, der O'Leary einen lächelnden Blick zuwarf.

Die Fahrt nach Neuyork erschien dem verzwei­felten O’Leary als eine Qual ohne Ende. Seine Frau hatte das Bewußtsein noch nicht wiedergewonnen, als die beiden Wagen vor der Wohnung von O’Learys Hausarzt in der Park Avenue anhielten. „Ach, Doktor!“ rief O'Leary seinem Hausarzt zu, „irgendetwas Grauenhaftes ist Nancy zugestoßen. Sagen Sie mir, was wir tun können, bevor es end gültig zu spät ist!“

Der Arzt zog sich mit der Bewußtlosen in sein Operationszimmer zurück. Schon nach wenigen Minuten kam er wieder, sichtlich erregt. „Dies alles übersteigt mein Vorstellungsvermögen", sagte er und schüttelte den Kopf. „Frau Nancy ist außer Gefahr. Sie wurde in letzter Sekunde durch eine geradezu wunderbare Operation gerettet. Aber ge­rade das ist es, was mir so unbegreiflich erscheint. Ich kenne auf der ganzen Welt nur einen einzigen Mann, der die Kenntnisse und Fähigkeiten besitzt, um eine derart komplizierte Operation auszuführen. Aber dieser Mann ist der Wissenschaft für alle Zeiten verloren: seit sechs Jahren lebt er als un­heilbarer Irrer im Sanatorium von MaryhiH.“

Der Kugelblitz /

Von Jürgen Bleger

Wir waren in dumpfer Stube versammelt. Draußen tobte ein Gewitter. Nicht so ein land­läufiges, sondern eines, das sich allerhand vor­genommen hatte. Ein Gewitter „mit Ärmeln“, wie mein Freund Jan so etwas nennt.

Die Stube wurde immer dumpfer. Mir wurde sie zu dumpf. Ich erhob midi also, um das Fenster zu öffnen. Da aber brach der weibliche Teil der Gesellschaft in lebhafte Proteste aus. Dann würde Zug entstehen, sagten sie, und ob ich nie gehört hätte, daß Zug den Blitz anzöge? Ich behauptete, es nie gehört zu haben und es selbst dann, wenn ich es gehört hätte, nicht zu glauben.

Da aber meldete sich Jan zum Wort. Jan hat alle Länder und Meere dieser Welt bereist, hat

Der Diplomat und der Löwe des ßey /

Von

Olav SSImund

Der Admiral Dupetit-Thouars hatte von sei­ner Regierung den Auftrag erhalten, für eine dem französischen Konsul zugefügte Beleidi­gung Genugtuung zu erhalten.

Unter den drohend auf seinen Palast gerich­teten Schiffsgeschützen sah sich der Bey ver­anlaßt, sich zum Beigeben und zu Entschuldi­gungen bereitzufinden. Nachdem die Angelegen­heit beigelegt war, lud der Bey den Admiral zu einem üppigen Versöhnungsmahl.

„Seien Sie aber auf der Hut!“ warnte der Konsul den Seeoffizier, „dem Bey ist nicht zu trauen. Er ist tückisch, und wenn er sich den Bart streicht und dazu lächelt, können Sie sicher sein, daß er irgendeine Teufelei aus­geheckt hat!“

„Danke für den guten Rat, mein Lieber“, nickte der Admiral, „aber so leicht legt man mich nicht herein!“

Zur festgesetzten Stunde wurde Dupetit- Thouars im Palaste des Beys mit großen Ehren empfangen. Als man sich zu Tisch setzen wollte, stieß der Admiral mit dem Fuß gegen einen weichen, haarigen Gegenstand, der auf dem Teppich unter dem Tische lag und ein Knurren hören ließ. Er bückte sich und schaute in das fletschende Gebiß eines mächtigen Ber­berlöwen.

Der Bey lächelte und strich sich den Bart

Dupetit-Thouars zuckte mit keiner Wimper, I

wandte sich nur an seinen Dragoman (Dol-1 folgte, aus dem Saale.

metscher): „Meine Pistolen!“ war alles, was er sagte.

Mit einer Verbeugung entfernte sich der Diener, um kurz darauf mit zwei Pistolen wiederzukommen. Der Admiral legte beide Pistolen neben sich auf den Tisch.

Der Bey lächelte immer noch und strich dabei gelassen durch seinen Bart „Sage dem Admiral“, wandte er sich schließ­lich an den Dragoman, „daß, wenn er etwa die Absicht hat, mit seinen Pistolen meinen Löwen zu erschießen, er kaum die gewünschte Wirkung erzielen wird!“

Dupetit-Thouars lächelte nur, "als man ihm die ironische Bemerkung des Bey übersetzt hatte, und entgegnete: „Sagen Sie Seiner Ho­heit, daß ich keineswegs beabsichtige, den Lö­wen zu erschießen, sondern den Bey selbst und zwar in dem gleichen Augenblick, in dem die­ser merkwürdige Teppich auch nur die ge­ringste Bewegung gegen mich machen sollte!“ Der Diener verdolmetschte die Antwort sei­nem Herrn, auf dessen Gesicht nun das Lächeln erstarb. Bleich geworden, meinte dieser: „Mein Löwe ist viel zu gut erzogen, als daß er es wagen würde, meinen hohen Gast auch nur mit einer Kralle zu belästigen. Da aber seine Anwesenheit nicht erwünscht zu sein scheint, mag er sich entfernen!“

Und auf einen Wink des Bey geleitete ein Wächter die Bestie, die ihm wie ein Hund

einen rächen Schatz an Erlebnissen gesammelt und gibt von diesem gern hin und wieder das eine oder andere zum besten.

„Du bezweifelst, daß der Blitz vom Zug an­gezogen wird? Wenn du damals dabei gewesen wärest, wie ich quer durch Amerika reiste, würdest du es nicht mehr tun. Ich will euch die Sache mal erzählen. — Ihr wißt doch, was ein Kugelblitz ist? Daß ein so vermaledeites Ding die Eigenart hat, nicht gleich zu platzen, sondern ganz gemütlich vom Himmel herunter­zuschweben, sich dann noch irgendwo rumzu­treiben und schließlich gerade dann, wenn'man es am wenigstens wünscht, zu explodieren und dabei allerhand Unhäl anzurichten? Na, so ein Ding kam mal runter, als ich gerade auf der Aussichtsplattform des letzten Wagens im Chikago-Expreß stand und mir die Gegend an­schaute, über die ein manierliches Gewitter niederging. Ganz gemütlich kam es runter, setzte sich vielleicht hundert Meter hinter uns genau zwischen die Schienen, überlegte sich die Sache eine Weile und rannte dann plötzlich mit Windeseile hinter uns her. Ich kann euch sagen, uns allen standen die Haare zu Berge. Es war ja klar, daß das Ding vom Zug angezogen wurde und daß wir, wenn es uns einholte, ver­loren waren. Vom auf der Lokomotive hatten sie wohl auch etwas gemerkt. Jedenfalls fuh­ren wir immer schneller. Aber der Abstand wurde eher kleiner als größer. Und nun sollte gleich äne Station kommen, auf der wir fahr­planmäßig zu halten hatten. Na, das durften wir ja nicht, sonst hätte er uns gefaßt. Wir sausten also durch und sahen im Vorbeifliegen, wie die Leute, die da auf uns gewartet hatten, schreiend davonliefen. Nur einer bewahrte die Ruhe: der Stationsvorsteher. Der ging in sein Häuschen. Ganz friedlich. — Na, eine Weile ging die Hetzjagd noch weiter. Immer näher kam das Biest. Ich hatte das Gefühl, als ob er uns angrinste: ,Ihr seid mir sicher!“ dachte er wohl. Da, plötzlich schwenkte er in einer ele­ganten Kurve nach rechts ab, sauste noch ein Stück weiter, genau gegen einen Prellbock, und platzte mit einem wüsten Knall. — Ihr glaubt mir wohl nicht?!“, fuhr Jan hoch, als er uns nur grinsen sah.

„Doch doch, Jan, wir glauben es schon. Wenn es auch sonderbar klingt Warum hat der Blitz denn nur die Kurve gemacht?“

„Ach so, sagte ich das nicht? Ja, anfangs konnten wir es uns auch nicht recht erklären. Aber dann sahen wir es. Der Stationsvorsteher

Das Bild des Hieronymus

Von Peter Osten.

Es hing früher in meiner ausgebombten Woh­nung. Mit meinen Möbeln und allem anderen so liebgewordenen Inventar ging es in Schutt und Asche auf: mein Lieblingsbild „Der heilige Hieronymus “ von Albrecht Dürer . In diesen Tagen fand ich es in einer Zeitschrift wieder, schnitt es mir aus und konnte es sogar beschei­den rahmen lassen. Nun hängt es wieder bei mir im Zimmer, in meiner kleinen neuen Hei­mat. Nachdenklich sitze ich manchmal davor, betrachte den alten verbrauchten Mann, der da sinnend schreibt, und beneide ihn um sein» Ruhe und Ausgeglichenheit. Fast scheint es mir, als mahne er mich, mir Zeit zu lassen, das Leben zu überlegen, um Verständnis für das Leben zu ringen und mich selbst zu fragen, ob ich Werte schuf, die über den Alltag hinaus weiterleben und nicht spurlos verschwinden werden.

Immer wieder schaue ich dann auf den be­dächtigen Gräs, dessen edle Stirn von der Sonne Strahlen gesegnet scheint. Das Stun­denglas an der Wand hinter ihm deute kh, wie auch den von der Decke baumelnden lachenden Flaschenkürbis, als einen handfesten . Spott auf den Kardinalshut, dessen theo­retisches Wissen um das Leben längst durch did Praxis des Erlebten überwunden wurde. Sehen nicht auch die Tiere auf dem Bilde aus, als ob sie lebten? Als schliefen sie nur zum Schein und warteten darauf, aufzuspringen. Welch Gegensatz und dennoch Ausgleich ist der Leuch­ter des Gekreuzigten, der dem betagten Alten die Worte in die Feder zu diktieren scheint. Ruhe, Besinnung und Klugheit des Herzens sprechen mich aus dem Bilde an. Das Leben will gelebt werden, und seine Gesetze liegen in uns. Auf dem Sims der Totenkopf bestä­tigt mich in meinem Glauben. Er ist das Sinn­bild des wahren, Friedens, der -tiefen unirdi­schen Ruhe.

hatte abgewartet, bis wir über die nächste Weiche gefahren waren. Die hat er dann schnell zwischen uns und dem Blitz umgestellt“

Da mußten wir Jan ja wohl verhauen. Das haben wir getan, dann haben wir gelacht und dann haben wir die Fenster aufgemacht Das Gewitter war auch gerade vorüber.

900 Pfarrstellen unbesetzt

Wie die Zeitung „Sonntagsblatt“ mitteilt, sind nach dem neuesten Stande der Ostzone 900 Pfarrstellen unbesetzt Das Nichtmehr­zurückkehren von Oststudenten, die im Westen hängenblieben, sä ein schmerzliches Kapitel, das ernster sei als das Ausbleiben von Hilfe des Westens durch Übersendung von Pfarrern in die Ostzone. BH.

Kulturelles aus aller Welt

WUhelm-Raabe-Preia für Ina Seidel

Am 26. August wird ln der Braunschweiger Kant- Hochschule der Dichterin Ina Seidel , der Verfasserin der bekannten Romane „Das Wunschkind“ und „Lennacker“, der Wflheün-Raaibe-Preis für 1948 ver­liehen werden. Für 1947 war dieser Preis Werner Bergengruen zuerkannt worden.

Vom tlberlinger Hochaltar

Aus der Werkstätte des Freiburger Restaurator« Huebner kehren jetzt einzelne Teile des berühmten Uberiinger Hochaltars aus dem St.-Nikolaus-Münster , der während des Krieges sicher auf bewahrt worden war, zurück; sie seihen in nächster Zeit in einer Sonderausstellumg in Uberlingen aus Anlaß des Trachtenfestes im September gezeigt werden. Es handelt sich um besonders schöne Schnitzwerke de« Meisters Jörg Zürn aus dem 17. Jahrhundert.

Gustav Knuth — der „Harras" des Films

Innerhalb der englisch -deutschen Gemeinschafts­produktion, die Zuctanayers erfolgreiches Dram» „Des Teufels General“ verfilmt, wird die „Comedia- Filmgesellschaft“ im März 1950 die Dreharbeiten in Geiselgasteig aufnehmen. Die Regie des Films über­nimmt Helmuth Käutner , der auch zusammen mit Georg Hurdalek das Drehbuch schreibt. Für die Hauptrolle wurde nunmehr endgültig Gustav Knuth verpflichtet.

PLATIN m RIO »LANKA

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Er ging änfach zu den Leuten und sagte, daß da und da im Urwald Gold liege. Dann rech­nete er der Gesellschaft vor, was die Ausbeu­tung ergeben würde. Es stimmte meist genau. Sogar die Unkosten kalkulierte er mit ein. Und dann stellte er seine Forderungen. Nun, sie waren nicht gerade mäßig. Aber die Leute von den Gesellschaften wußten, daß sie Dalfinger vertrauen konnten. Wenn er sagte, ein Objekt würde fünf Millionen abwerfen, dann konnte die Gesellschaft sicher sein, das Doppelte ein­zustreichen.

Meist kritzelte er den Fundort auf einen Fet­zen Papier , legte noch eine primitive Skizze dazu und tauschte das Ganze dann gegen einen Scheck aus.

So ging die Geschichte schon über zwei Jahr­zehnte. Immer wieder zog er in den Urwald und Meß seine Frau, die er in den letzten Jah­ren erst geheiratet hatte, allein zu Hause. Ja, er saß mehr bei den Indios als an seinem eige­nen Herd.

Das letzte Mal kam er mit einer neuen Sen­sation zurück. Im Quellgebiet des Rio Bianca hatte er riesige Platinfunde gemacht.

Natürlich hatte er die Fundstelle nicht gleich ausgeplappert, sondern es hieß nur, Dalfinger habe viel Platin gefunden.

Diesmal wandte er sich an die Edelmetall­gesellschaft. Er war berät, dieses Irgendwo für ein Vermögen zu verkaufen. Die Edelmetall war beglückt über Dalfingers Besuch und der übMche Vertrag wurde gemacht. Es sollen nur ein paar Zeilen gewesen sein.

,Größtes Platinvorkommen in der ersten Bie­gung des Rio Bianca“, soll darauf gestanden haben. Und wenn Dalfinger .größtes Platin­vorkommen“ sagte, dann handelte es sich um ein phantastisches Geschäft Drei Mlütenfo

soll er dafür gefordert und erhalten haben. — Drei Millionen“, wiederholte der Argentinier mechanisch und starrte auf sein Glas.

„Ich wünschte nur, einmal dreißigtausend zu­sammen zu haben“, lachte er. „Damit könnte man schon was Ordentliches anfangen. Dieser Dalfinger war ein Narr . . . , oder der anstän­digste Mensch auf Gottes Erdboden. Er nahm diesen Scheck und überwies ihn wie immer irgendeiner wohltätigen Anstalt. Was er nur aus dem Urwald herausholte, das steckte er anschließend sofort in Schulen, Krankenhäuser und was weiß ich alles.

Kurz nachdem er nun seinen Scheck einge­strichen hatte, lud ihn ein Freund än, sein Flugzeug mit einzufliegen. Nun, Dalfinger war sofort dabei. Sie sind dann auch gestartet, aber durch einen mysteriösen Zwischenfall sprang plötzlich, als sie ungefähr hundert Meter hoch waren, eine Riesenstichflamme aus der Ma­schine heraus.

Der Apparat stürzte ab, und Dalfinger und der Pilot kamen dabei ums Leben. Sie mußten schon tot gewesen sein, noch bevor das Flug­zeug auf dem Boden zerschellte.“

Don Justo schwieg einige Augenblicke. Dann hob er sein Glas und trank Malten zu.

„War ein feiner Kerl, dieser Dalfinger. Soll­ten ruhig einen zu seinem Andenken trinken!“

Malten hob nachdenklich sein Glas.

„Ja, und jetzt nach seinem Tode entwickelte sich eine Tragödie“, setzte Don Justo hinzu. •

„Hier steht doch aber von einem Betrüge Dalfingers“, meinte Malten und schob Don Justo die Zeitung hin.

Dieser lachte grimmig.

„Glaubt Ihr, nachdem ich Euch so viel über Dalfinger erzählt habe, an einen Betrug dieses Mannes? Ich selbst stehe vor einem Rätsel. Ich zerbreche mir auch den Kopf, seitdem ich das gelesen habe. Vor allem verstehe ich die Zei­tungen nicht. Erst überschlugen sie sich mit Lobpreisungen für Dalfinger, nannten ihn den größten Sohn des Landes, ein Staatsbegräbnis

hat er gehabt wie kein Präsident vor ihm. Nachdem er tot war wurde auch die Platin­fundstelle näher bezächnet. Jede Zeitung, jedes Magazin brachte sein Bild. Jedes Gespräch drehte sich um seinen letzten großen Fund.

Ja, hier konnte man reich werden. Die Edel­metall war einfach zu beneiden. Immer höher kletterten die Aktien. Und der Name ,Dal- finger“ bürgte auch dem kleinen Mann, der in der Sache eine solide Möglichkeit erblickte, seine Ersparnisse auf das Zehnfache zu bringen.

Die Kurse kletterten ungeheuer. Ich habe noch nie von einem Papier gehört, das so sagenhaft schnell anstieg.

Aber irgendetwas mußte faul an der Sache sein. Das Syndikat machte noch immer keine Anstalten, mit der Ausbeutung zu beginnen. Immer andere Ausflüchte wurden vorgebracht. Einmal hieß es, man könne keine Arbeiter auf­treiben. Dann brauchte man unbedingt Spezial­maschinen; zuletzt war sogar das Wetter schuld. Die Regenperiode müsse erst abgewartet werden. Vielleicht wollte man die Aktien erst noch ein bißchen höher treiben, um einen grö­ßeren Gewinn zu erzielen. Vielleicht hatte man Angst, die Ausbeute könnte nicht den Erwar­tungen entsprechen. Hier und da rief qme war­nende Stamme. Wie schnell konnte ein Rück­schlag eintreten! Aber niemand hörte darauf. Wer wollte sich auch den Traum vom Glück zerstören lassen?

Schließlich war es ein Großaktionär, ich glaube, er hieß Montez. Ja, Ventura Montez. Er war der erste, der in verschiedenen Zeitungen seinb Stimme erhob und vor allzu optimisti­schen Erwartungen warnte. Das tat er, obwohl er einer der Hauptaktionäre war.

Das waren offene Worte eines ehrlichen Mannes. Er ging sogar noch weiter Castro, der große Geologe, untersuchte auf Montez’ Geheiß die Fundstelle. Montez hat die Unternehmung finanziert Gestern ist Professor Castro mit dem Untersuchungsergebnis zurückgekehrt.“ Don Justo lachte bitter auf. „Das Ergebnis . . “

Plötzlich war er hochgefahren. Der Satz war

ihm im Hals steckengeblieben.

„Caramba!“ zischte er und eilte zur Tür. Dort sah Malten gerade noch einen Schatten ver­schwinden.

Figueredo war nach ein paar Minuten wieder zurück. Sein Lachen war heiser, als er mit der Faust auf den Tisch schlug.

„Am hellen Tag sehe ich Gespenster!““

„Wen wollt Ihr denn gesehen haben?“ er­kundigte sich Malten.

„Einen Toten!“ entgegnete der Diamanten­sucher ruhig.

•

Malten sah ihn verwundert an.

„Ich erzähle Euch das später einmal“, lenkte der andere wieder ein.

„Zurück zu meinem Bericht! Eigentlich ist ja kaum noch etwas zu sagen. Es steht doch alles in der Zeitung. Auch nicht die geringste Spur Platin ist am Rio Bianca zu finden. Schon die gestrigen Abendzeitungen machten Andeutun­gen darüber. Kein Platin am Rio Bianca!“

„Das würde bedeuten, daß Dalfinger . . .“, meinte Malten.

. . ja, daß Dalfinger sich entweder geirrt hat, oder daß er ein abgefeimter Betrüger ge­wesen ist. Aber ich kann weder das eine noch das andere glauben. Mir ist die ganze Sache ein großes Rätsel. Castro ist anderseits auch über jeden Zweifel erhaben. Der Mann könnte sich niemals einen Schwindel leisten. Überdies hat er noch ein paar Leute mitgehabt.

Die Folge ist nun der Riesenkrach an der Börse. Die Edelmetallpapiere rutschten von ihrer gigantischen Höhe herunter. Jetzt gibt es unzählige vernichtete Existenzen. Wie viäst haben auf Hausse spekuliert!“

Malten mußte auf einmal wieder an die Men­schen denken, die er heute in so verzweifelter Lage gesehen hatte. Er schaute zu dem schwar­zen Barkeeper hinüber.

Don Justo hatte ihn dabei beobachtet.

(Fortsetzung folgt)