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SOdwestdentscbe Volfcseeftnng
Samstag, 14. Deiember 1946/Nr. 27
Der malende Narr
Von Gerd Lutz
Weisheit und Vernunft begabt hat; kurzum, Schäfer und Schafe hielten sie für dumm.
Der Kaufmann, wie sich’s gehört, konnte gut rechnen. „Richtig“, sagte er, „Ich werde Arithmetikstunden geben!“
Die Bäume und Sträucher, die verirrt in den Straßen der Stadt standen, hatte der Herbst gesegnet. Selbstverständlich, als wäre ihr Fallen kein Sterben, regneten die Blätter auf das steinerne Pflaster, um gleich darauf, erschrok- ken, daß sie ihre Ruhe nicht auf weichem Boden finden konnten, wirbelnd durch die Luft zu jagen.
An den Häuserwänden entlang ging ein alter Mann In der Hand hielt er einen Stock, den er aber gar nicht nötig zu haben schien, sein Gang war aufrechter, als dies sein Alter erwarten ließe. Zweiundneunzig Mal hatte er schon die Blätter fallen gesehen. Ab und zu blieb er stehen und schaute fragend um sich. Er schien etwas zu suchen. Als er an einer Gruppe erzählender Hausfrauen vorbeikam, fragte er; „Wissen Sie vielleicht, wo der Herr Triconi wohnt? Ich meine den Kunstmaler Vincent Triconi,“ Zeigte der Alte noch einmal.
„Ach so, den alten Narren — ha, ha —,* lachten die Hausfrauen, „den kennt ja jedes Kind. Gehen Sie nur dort um die Ecke, da werden Sie schon Kinder herumturnen sehen, da ist auch sein Keller, sein Loch.“
Gleich darauf stieg der Mann dunkle, verfallene Stiegen hinab, wo ihm feuchte Moderluft entgegenschlug. „Hallo, Vincent, mach auf!“ rief er und pochte an die Tür, die er sich mühsam ertastet hatte. „Ein alter Jugendfreund möchte zu Dir!“
Das Kellerloch des Malers Triconi war angehäuft mit den merkwürdigsten Gegenständen, die alle auf dem Boden herumlagen. Stöße von Büchern, wild durcheinander. Daneben, darüber Notenblätter, verstaubte Manuskripte, mit grellen Farben beschmierte Malutensilien, und ln der Ecke, kaum konnte man es sehen, stand im Halbdunkel eine Staffelei. Vor dieser hatte sich Triconi erhoben und schlürfte nun stöhnend und gekrümmt seinem Jugendfreund entgegen.
„Was ich hier treibe?“, sagte er mit einer Stimme, der man es anhörte, daß sie schon lange nicht mehr gebraucht worden war. „Ich suche,“ sprach er mühevoll, brüchig, dann schwieg er.
„Ich verstehe Dich nicht!“
Die Augen des Malers waren verschleiert und starrten ins Leere. Seine letzten Haare glänzten matt in dem schmalen Lichtstrahl, den das Kellerfehster hereinließ. Für einen Moment konzentrierte sich sein Blick auf seinen Besuch, doch das schien ihm Mühe zu machen, gleich versank er wieder im Dunklen. Dann gab er zur Antwort:
„Ich suche das Geheimnis der Kunst, das letzte, das sie ewig macht. Frage nicht, wie es mir geht, ich bin nicht mehr, die Frage wäre unnütz, Vincent Triconi ist tot. Was Du siehst, ist sein Schatten, sein ruheloser Schatten, der seine letzte Ruhe, die Größe sucht. Weißt Du, wer der Größte war? Goya. Goya war es, seine Kunst ist Beginn, der große Aufbruch. Nietzsche hat mich es gelehrt, er ist der größte Dichter. Die Größe liegt im Zerrissenen, im Maßlosen, im Unmoralischen. Die Größe ist grenzenlos und nicht mehr auf dieser Welt. Darum habe ich Abschied genommen von ihr. Was ich suche, das ist auch das Geheimnis meiner Kunst. Niemand kennt mich, Kinder werfen mir Steine durch das Fenster und schreien mir nach auf der Straße. Die Leute nennen mich einen Narren. Sie beschimpfen nicht mich. Ich bin tot, ich spüre es nicht. Aber eines Tages werden sie kommen und werden meine Bilder in seidenen Tüchern aus diesem Loch tragen-.“
Mit aufgerissenen Augen, die knöchernen Finger in seinen schmutzig braunen Mantel ge- krampft, starrte er auf das Bild, an dem er gerade malte, aus einem schwarzen, mit Wolken beladenen Himmel blickte fahlgelb die Fratze eines Dämons. Zuunterst auf der Erde lag ein Frauenleib, grell beleuchtet, blutig geschlagen von einer Peitsche, die, von unsichtbarer Hand geführt, darauf niedersauste.
Da sagte der Besuch, mit seinen Blicken erschrocken auf dem Bild haftend;
Tür. Kinder hatten ihm wieder nachgeschrien, sind ihm nachgelaufen bis er verschwunden vier. Sie hatten wieder ihren Spaß daran, ihm Steine durch das Fenster zu werfen, zu ihm, der mit aufgerissenen Augen vor seiner Staffelei saß.
Die Hand
Von Rolf Mayr
Vier Entdecker neuer Welten und Sonnen, fast nackt, kaum der Wut des Meeres entronnen“,
so beginnt eine Fabel von La Fontaine . Die vier Schiffbrüchigen sind ein Kaufmann, ein Hirt, ein Adliger und ein Königssohn. Sie sitzen am Strande des neuen Landes, das sie entdecken wollten und beraten.
Der Prinz jammerte über das Elend der Großen dieser Erde, sagte, wie schön und lustig er früher gelebt habe und wie traurig er jetzt daran sei. Der Hirt dagegen meinte, man solle die Vergangenheit vergessen und lieber aufs künftige Wohl denken: „Was hilft das Klagen“, fragte er, „wär’s gleich ein Tränenstrom? Arbeiten wir; der Weg allein er führt nach Rom !“ Die andern staunten über die kluge Sprache des Hirten. So sprechen, dünkte sie, gebühre allein einem Staatsmanne, den der Himmel mit
„Und ich erteile politischen Unterricht!“ rief der Prinz.
„Und ich“, bemerkte der Edelmann, „ich eröffne eine Schule für Wappenkunde!“ _
Als ob die Wilden mit solchem Firlefanz etwas anfangen könnten, dachte der Hirt und sprach: „Freunde, trefflich habt ihr geredet! Jedoch, vergeßt nicht, der Monat hat dreißig Tage. Wollt ihr solange fasten? Ihr gebt mir zwar einige Hoffnung. Schön. Aber kann man Hoffnung essen? Ich hab nämlich Hunger. Wer schafft uns ein Mittagsmahl? Oder ein Abendbrot? Darum handelt sich’s zunächst. Eure Wissenschaft ist etwas kurz. Ich will sie verlängern.“
Sprach's, erhob sich und ging über den Strand in den nahen Wald Dort schnitt er einige Weidenruten, und machte Pfeifen daraus. Dann sammelte er Reisig, schnürte es in Bündel, ging damit ins Dorf, verkaufte Reisig und Pfeifen und kehrte mit einem Topf voll Mais und zwei Hühnern zu seinen Kameraden zurück.
Sie machten Feuer und setzten den Maistopf darauf. Dann rupften sie die Hühner, und als das Mahl verzehrt war, sprach der Hirt:
„Ich sage nur,
zum Leben braucht’s nicht viel Verstand.
Die beste Hilfe gab uns die Natur:
es ist die Hand.“
Die Kirchlurmfreppe
Von Margarete von Olfers
Der Fremde stand zu abendlicher Stunde vor dem gotischen Dom, der sich aus einer ihn umdrängenden Umgebung kleiner Häuser und düsterer Gassen zum Himmel erhob. Der Fremde hatte das Portal mit den klugen und törichten Jungfrauen verlassen, er war aus dem Innern des Doms gekommen. Nun sah er zum Turm auf oder versuchte es wenigstens, indem er den Kopf weit zurücklegte. Dabei überkam ihn plötzlich die Lust, den Turm zu besteigen.
Er suchte den Küster auf, der die Schlüssel zu der Turmtreppe hatte, und wurde von einem alten weißhaarigen Mann zurück und in den Dom hineingeführt. Dort erklärte der Fremde, er könne den Turm nun wohl allein besteigen, der Alte solle sich der Anstrengung doch lieber nicht unterziehen. Aber der schüttelte den Kopf und meinte, daß dieses seine Pflicht und er überdies gewohnt sei, die vielen Stufen emporzusteigen. So ging er dem Fremden voraus, und wider Erwarten stieg er die gewundene Steintreppe behender hinauf als der noch junge Mann, den er führte. Aber er hielt jedes- maUnfier’ftgaft'ffi? Fremd?-inne hielt und, sich aus einem der schmalen Fenster hinauslehnend, hinab sah auf die Häupter steinernen Getiers, das sich aus dem Turm hinausreckte.
Die Steintreppe führte in engen Windungen empor, die Mitte der Stufen hatte eine kleine Senkung, rechts und links war der Raum sehr karg bemessen. Es war ziemlich dunkel, und eine merkwürdige Stimmung erfaßte den Fremden, der dem Alten in seinem weiten Lodenkragen und mit dem leuchtend weißen Haar wie einem Geist folgte, der ihn höher und höher führte. Es war nicht anders, als stiege er aus der Welt der Dämonen und des steinernen Getiers, aus der Dunkelheit des nun in den Schatten der Nacht ruhenden Kuchenschiffes aufwärts in das Licht.
Ueber einen Bodenraum gelangten sie dann zu einer anderen Tür, die aufgeschlossen werden mußte, und wieder führte eine Treppe in Windungen aufwärts. Durch die Luken und Fensterläden fiel immer helleres Licht, man fühlte das Wehen des Windes. Der Alte stieß eine eiserne Tür auf und trat auf eine Plattform. Sie waren angelangt. Sie standen in dem blendenden Goldlicht des Abendhimmels, an dem die Wolken so eilig dahinsegelten wie
weiße, beladene Schiffe, die zum Hafen zogen. Die Stadt lag tief unter ihnen, ihr lautes Leben drang nicht mehr zu dieser Höhe hinauf. „Es ist mir, als stände ich auf einem Leuchtturm am Ufer eines Meeres“, sagte der Fremde. Der Alte, dessen Haar im Winde wehte, wandte sich ihm lächelnd zu: „Da haben Sie nicht Unrecht, der Kirchturm, und dieser vor allem, ist den Menschen ein Leuchtturm, zu dem sie aufschauen können aus der Wirrnis der Straßen und des täglichen lärmenden Lebens unten in der Stadt. Es tut aber gut, einmal die Mühsal der Turmtreppe zu überwinden und selbst hier oben zu stehen, alles Dunkle unter sich zu lassen und den Weg zu wagen an Drachen und Getier vorbei in die Schlankheit der höchsten Säulen empor, und in der Höhe zu stehen, die nur noch den Himmel über sich hat.“
Der Mantel des Alten, vom Winde gebläht, schlug wie zwei mächtige Flügel. Den Fremden hätte es nicht in Erstaunen gesetzt, wenn sein Führer sich plötzlich in einen mächtigen Vogel verwandelt hätte und in den goldenen Abendhimmel hineingeschwebt wäre, höher - und höher — Adler des heiligen Johannes vielleicht. „So möchte ich hier wohnen“, antwortete der Fremde sehnsüchtig, er war noch sehr jung und leicht von Traurigkeit verschattet, „wie ein Einsiedler in der Höhe, und nichts anderes kennen als Licht und Himmel und nächste Nähe Gottes.“ Der Alte wandte den Blick aus den sich ständig wandelnden, lichtumsäumten Wolken. Er sah den Fremden gütig an, und indem er ihn nach langem, schweigendem Verweilen auf der Plattform des Turmes wieder in die Dunkelheit der abwärtsführenden Treppe wies und sie die steinernen Stufen hinabgingen, hinab, hinab, sagte er bedachtsam auf die Worte des jungen Fremden:
„Es ist gut, sich bewußt zu sein, daß das Dunkle in uns ist und wir erst aus diesem Bewußtsein heraus würdig werden, zur Höhe zu steigen. Die Heimat ist unten das Kirchenschiff, der Raum, in dem wir gemeinsam knien und beten, sonst könnte uns das Licht blenden, die Höhe zum Verhängnis werden.
Wenn wir aber soweit gekommen sind und den festen Boden gefunden haben, wohl uns, dann wird uns die Treppe des Glockenlurms zur Jakobsleiter.“
„Komm mit!“
Eine bedeutsame Ausstellung im Freiburger Augustinermuseum
Es war ein Schlag ins Gesicht der gesamten Kun~t, als die Nationalsozialisten eines Tages das Ve.k d^r Käthe Kollwitz verboten und unter die „entart.ta Kunst“ einreihten. Wer bis dahin noch n.cht g.m-.Kt haue, wohin die „Kulturpolitik“ dieser Totengräber des deutschen Kiwstschatiens zielte, dem muliu nunmehr kiar sein, daß alles geächtet war, was groß und heilig war, am schöpferischen deutschen G is . Schließlich war ja bei diesem Verbot so etwas wii Konsequenz: die zum Staatssystem erhobene Lüge konnte eine Kunst nicht dulden, die nichts ais Wahrheit ist, aufrütteinde, schonungslose, str«*hiei*de, schmerzliche, erschütternde Wahrheit.
So wurde die unbequeme Mahnerin zur Menschlichkeit auf kaltem Weg beseitigt. Käthe Kon^itz uni ihre Kunst verschwanden aus unseren Augen und der billige Optimismus der nationalsozialistischen Kunsthändler pries dafür anderes an: die jämmcrl chen Piakate, die das „Haus der Deutschen Kunst “ a.ijänr- lich füllten, die Kraftmeierei einer Plastik, we.ch^r der Mensch nichts als ein Bündel Muskein war, die propagandistische Zweckkunst der billigen Anre ßere*.
Nun sind sie zurückgekommen, diese Blatter der Käthe Kollwitz , und sie haben nichts verloren Vun ihrer Aktualität, nichts von ihrer erschütternden Eindringlichkeit, nichts von der Urgewalt und Unmittelbarkeit der künstlerischen Aussage, nichts von d_m jähen, revolutionären Geist, nichts von der unsagoar tiefen Mütterlichkeit und umfassenden Mexuch ich- keit. Im Gegenteil. Diese Kunst ist Ausdi-uck uuen unserer Zeit, diese Sprache der Not und der Mahnung wird heute verstanden, man braucht nur ein paar Titel zu nennen, und man weiß was gemeint ist: „Gefallen!* 4 , „Gefangen“, „Schlachtfeld“, „Die WLwe“, ,»Brotr\ „Hunger“, „Mütter“ „Der Tod greift nach Kindern“, „Wien stirbt rettet seine Kinder ‘... es ist, als erzählten sie uns die grausige Chronik eines Zeitalters, so monumental ist diese Handschi itt, d e höchste Kunst mit höchster Einfachheit verbindet.
Die Käthe-Koüwitz-Ausstellung, die das Fie.burger Augustinermuseum Jetzt eröffnet hat, darf a s e.n künstlerisches Ereignis ersten Ranges gewertet w-irden. Aus der Schweiz , wohin diese Werke nach der Verbannung gerettet wurden, ist sie zu uns gekommen, die Museen Basel, Bern und Zürich sow.e einige Schweizer Privatsammler haben die 94 Werke umfassende Schau großzügig zur Verfügung gesteht. W.r sich in sie vei tieft, erhält ein nahezu lüeKemoses Bi.d des Schaffens und der schöpferischen Persönl chKeit der Käthe Kollwitz . Die großen Zyklen, Rad.erungen und Holzschnittfolgen sind da* der berühmte „Wecer- aufstand“, von Gerhart Hauptmanns sozialem Drama angeregt, der gewaltige Zyklus „Bauernkrieg , in dem der Krieg schlechthin zeitlose Gestalt gewonnen hat, die sieben Holzschnitte zum Weltkrieg sowie die Lithographienfolge „Tod“ vielleicht das Auf ut- telndste, was die Künstlerin geschaffen hat. Neb.n den zahlreichen Einzelbiättern, in denen selbst das Plakat eine hohe künstlerische Form erhält, begeg en uns immer wieder die Selbstbildnisse, dieses Frauenantlitz, das uns mit erschütternder Emdringi ch ^cit zeigt, wie nahe aie Künstlerin selbst ihren Geschöpfen steht, den „Erniedrigten und Beieid.gten“, die ihre Kunst in säkularer Größe verherrlicht. Was die Frei burger Ausstellung besonders wertvoll macht s nd die Zeichnungen und Entwürfe zu den g aphi chen Blättern, die uns einen Blick in die Werkstatt der Künstlerin tun lassen und mit aller Deutlichkeit dartun, daß diese harte Anklägerin auch der zart sten Töne fähig ist Einige Fotos zeigen, wie Käthe Koll- witz auch eine Plastikerin von großem Form t gewesen ist. s. 2u
„Stefan mit der langen Nase”
Es hat sich bei uns eingebürgert, daß die Bühnen den Kindern in dei weihnachtlichen Zeit ein weihnachtliches Märchenspiel aufführen, und man Ws.iß nie, ob es sich hierbei um eine obligate oder vornehme Pflicht handelt; odei ist dies zwingender Brauch geworden, den man beibehalten müßte? Für den Fad ließe sich befürchten daß eines Tages die Märchen nicht ausreichen, um den Theaterau o. en genügend Stoffe zu liefern. Denn Märchen müssen nun einmal herhalten für ein Weihnachtsspiei. Ob es Dornröschen heißt, Schneewittchen Aschenbrö iel oder Zwerg Nase! Irgendwo ist schon Platz für den We hnachtsbaum und auch für unser Weihnachtsüed „Stille Nacht“ — und das weihnachtliche Spiel ist gemacht. Es würde nicht wunder nehmen, wenn e nes Tages jemand Rotkäppchen oder den Wolf samt den Sieben Geißlein zu einem Weihnachtsspiei mach e.
Willy Grübs „Stefan mit der langen Nase“ bewegt sich in diesen traditionellen Bahnen, so diß man einmal mehr bemerkt, welch zufäll ges Ereignis Weihnachten in dieser Art Bühnenliteratur geworden ist. Hauffs Märchen „Zwerg Nase“ hat Pate gestanden. Es bot dem Autor die Motive an, die er geschickt zu nutzen verstand. Sauber in den Grundlinien und fo ge- richtig hat er das Spiel zusammengebaut, so daß dramaturgisch nichts einzuwenden ist. Man me kt dem Spiel aber an, daß es eine literarische Vorlage hat — eine Märchenerzählung —. die sich einer theaterwirksamen Übersetzung nur schwer erschließt. Die Kinder merkten dies und gingen erst dann mit, wenn auf der Bühne gehandelt wurde.
Grüb hat die Uraufführung selbst inszeniert und den märchenhaften Charakter seines Spiels gar nicht übel getroffen. (Ein hübscher Einfall war es. das Ballett durch Flitzblitz aus der Kiste holen zu lassen.) Renate Rieß entwarf die Bühnenbilder dazu und stellte eine nette Szenerie zwischen Münster und Kaufhaus auf die Bretter. Die leichten Ba'Uttänze machten einen anmutiger Eindruck. Die Mustk von Werner Bochmann war zu schwer für das Sp el und weder weihnachtlich noch märchenhaft. Die Schauspieler boten ansprechende Leistungen ohne daß es zu einem rechten überzeugenden Solei aus Lurt und Laune gekommen wäre wenn nicht nur die Rollen ausgefüllt werden sollen. Das lag aber wen ger an den Spielern als dem Märchenspiel se’bst. Die Kinder spendeten herzlichen Beifall. Dr. Th. Ueberdick.
Sp&ü-ll&tUddrfCH dtt
Pokal-Endspiel ersf am 22. Dezember
Er sagte das sehr laut und bestimmt, faßte den Maler an seinem schmutzigen Man iel und zerrte ihn die Stufen hinauf. Auf der Straße waren Kinder, doch sie getrauten sich nicht zu schreien, weil der Narr nicht alleine ging. Blätter umwirbelten sie. „Du bist wie die Blätter,“ sagte der Besuch, „die das Leben von sich gestoßen hat, um sie wieder aufzunehmen. Aber da ist das harte Pflaster und der Wind, der sie darüber jagt. Bis sie liegen bleiben, irgendwo in einer Ecke, um auf einen Wagen geladen zu werden. Auf einen schmutzigen Wagen“.
„Wo willst Du hin mit mir?“, fragte der Maler.
„Hörst Du nicht die Orgel? Fühlst Du nicht die Ruhe, die diese Steine umgibt? Das mächtige Gewölbe, diese heilige Ruhe, diese Größe?“ — Sie traten in das Münster , ganz hinten blieben sie stehen, neben einer der breiten und doch so feingegliederten Säulen. An den Bänken knieten die Betenden. Die Luft war erfüllt ■•on den Klängen der Orgel: Johann Sebastian Bach .
„Nein, nein, Vincent; die Größe liegt nicht im Maßlosen,“ sagte er flüsternd, sich zu dem Maier beugend, der unentwegt vor sich auf den Boden stierte. „Nein, nein Vincent, die wahre Größe liegt in der gebändigten Fülle, im Gesetz. Das Geheimnis der Kunst aber liegt in der Erlösung, im Überirdischen, in der Erhebung, in der Reinigung. Kunst ist nicht Aufbruch, sie ist Abschluß, sie zerreißt nicht, sie findet sich. Sie findet sich hier, hier vor Gott , im Glauben, in der Ehrfurcht vor dem letzten. Nur hier kann sie Ruhe und Maß finden, ohne das es keine Erlösung gibt.“
Da hob der Maler Vincent Triconi seine Hände, preßte sie auf seine Ohren, schloß die Augen und sagte: „Schweig!“ Dann ging er hinaus, schlürfend, brüchig, nach vorne gene'gt. Hart schlug sein Stock auf das steinerne Pflaster. Er verschwand in seinem Loch und schloß die
Wie der Sportbeauftragte amtlich mitteilt, muß aus technischen Gründen das Endspiel um den Pokal der Militärregierung von Baden um acht Ta ge verschoben werden und findet nunmehr am 22. Dezember 1946 endgültig in Freiburg (Mösle-Stadion) statt.
Sport-Zonenkonferenz ln Freiburg i. Br.
Auf, Veranlassung der zuständigen Steile der Militärregierung für die französisch besetzte Zone findet am 16 . und 17. Dezember In Freiburg eine Sport-Zonenkonferenz statt.
Nun auch eine Handball-Pokalrunde Nachdem die Fußbail-Pokalrunde in Baden zu Ende geführt ist, beginnt nun im Januar nächsten Jahres eine Handball - Po kalrunde um die Pokalmeisterschaft der französisch besetzten Zone. V n jedem regionalen Verband werden die besten Mannschaften teilnehmen, die auf Grund von Au-schei- dungskämpfen innerhalb der Verbände festgesteilt werden.
Der Kampf um die Punkte Nachdem die Pokalrunde in der französisch besetzten Zone Badens praktisch ihr Ende gefunden hat, verlagert sich das Interesse mehr und mehr wieder auf die bereits im Gang befindlichen Rundenspiele. So verzeichnet die badische Fußball-Oberliga am dritten Dezembersonn.ag mit 13 Begegnungen ein umfangreiches Programm.
In der Staffel West greift der ASV Freiburg zum erster. Male in die Pflichtspiele ein uni ist Gast des SC Baden-Baden. Die Kurstädter scheinen ihre gegen Ende der letzten Sa son offenbarte Krise überwunden zu haben wofür die vi tr Punkte aus den ersten beiden Spielen sch'agender Beweis sind. Der ASV Freiburg wird s ch daner in Baden-Baden sehr strecken müssen, wenn er zu einem Erfo’g kommen wil». Audi die Sportfreunde Lahr reihen sich zum ersten Male in die Runde ein und treffen auf eigenem Platz auf B 1 a u w e i ß Freiburg . Auch den Haslacftern kann man kei-»e großen Aussichten mit auf den Weg geben. Da dis Terminliste dieses Sonntags bere*ts fertigest _*llt war, als die Verlegung des Pokalendspte’es vom 15. auf den 22. Dezember bekannt wurde, ist auch der dritte
Freiburger Verein, Fortuna , auf Reisen. Im benachbarten Emmer, dingen werden die Fwiiun,n einen wesentlich härteren Widerstand zu überwinuen haben als am vergangenen Sonntag. Es wird sich h er zeigen, ob die neulot mierte Elf sich auch gegen einen stärkeren Gegner durchzusetzen vermag, im Renchial stehen sich mit Oberkirch und Riege! w edar zwei Neulinge gegenüber. Beide haben bisher noch keine Lorbeeren ernten können, so daß die Punkte hart umstritten sein werden
Die Staffel Ost hat in Eintracht Singen einen überlegenen Tabellenführer, der nach vier Spielen acht Punkte und ein Torverhältnis von 25:) aufweist. Auch in Donaueschingen sollte für die Mannen vom Hohentwiel keine Gefahr b.stehen. Radolfzell hat den Tabellenletzten Riela- singen zu Gast und dürfte für zwei weitere Punkte gut sein. Gottmadingen hat bisher noch keine überzeugenden Leistungen gezeigt, aber auf eigenem Platz könnten die Chancen gegen den Neuling Stockach ausgenützt werden. Der SpV Neustadt muß diesmal nach Engen . Trotzd~m die Schwarzwälder über eine erhebliche Kampfkraft verfügen, kann man ihnen gegen den TaDelienzwe.ten keine Erfolgsaussichten einräumen.
In der Staffel Süd wird sich am Sonntag vielleicht eine Änderung in der Tabelienführung ergeben, da es nicht ausgeschlossen erscheint, daß Schopf- heim in Fahinau einen oder gar beide Punkte einbüßt. Dafür sollte dann Rheinfelden die Spitze übernehmen, das gegen Zell reelle Aussichten hat Auch Wyhlen sollte sich gegen Wehr durchsetzen könnn, ebenso kann Weil gegen T umringen und W a 1 d s b u t gegen I s t e i n ohne weiteres in Front erwartet werden.
Badische Handballoberliga Keine besonderen Höhepunkte weisen die v*er Spiele der badischen Handbalioberliga auf. Die Begegnung Zähringen — Lörrach, die b»re>ts um 9.30 Uhr stattfindet ist die einzige g> ößere sportliche Veranstaltung in Freiburg . An einem S eg der Lörrscher Gäste ist kaum zu zweifeln. In Rast a 11 wird sich der FV Steinbach zwei weitere Punkte holen und auch der SV Offenburg sol’te sich gegen Niederbühl durchsetzen können. De Begegnung Lahr gegen T e n i n g e n muß in ihrem Ausgang als offen angesehen werden.
Süddeutsche Meisterschaft
In der süddeutschen Meisterschaftsrunde stehen wieder einige interessante Begegnungen auf dem Programm des 15. Dezember, a en voran das Spiel der ,,K ltebiätter“ gegen den VfB Stuttgart . Die Fürther haben sich in den letzten Spielen stetig nach oben gearbeitet, so daß es die Schwaben schon schwer haben dürften, zu einem vollen Erfolg zu kommen. Die einzelnen Paarungen lauten:
VfL Neckarau — Schweinfurt 05, Viktoria Aschaffen- burg — 1. FC Nürnberg Spvgg. Fürth — VLB Stuttgart, Eintracht Frankfurt — FC Bamberg, Kickers Offenbach — Karlsruher FV. Phönix Karlsruhe — SV Waldhof , Bayern München — Ulm 46 Stuttgi tcr Kickers — BC Augsburg Schwaben Augsburg — FoV Frankfurt. Spielfrei. VfR Mannheim, 1860 München .
SpV Neustadt — SpV Donaueschingen 2:1 (1:1)
Der SpV Neustadt hatte als Oberliga-Neuling einen guten Start und konnte sich im ersten Sp ei nach hartem, ausgeglichenem Kampf zwei Punkte sichern. Nach 20 Minuten Spielzeit fiel durch den Rechtsaußen das erste Tor für Neustadt. Die Gäste drängten hierauf mächtig und stellten noch vor Ha b- zeit aus einem Gedränge heraus den Gleichstand her. Nach Seitenwechsel hatte Neustadt etwas mehr vom Spiel und konnte in der 60. Minute durch den Mit .ei- Stürmer die Führung an sich reißen. Obwohl Don u- eschingen mit aller Gewalt versuchte den Au~g eich zu erreichen, hielt Neustadt das Resutat bis zum Schlußpfiff durch. Sehr gelitten hat das Spiel durch die mangelhafte Leitung des Schiedsrichters Weid- egger aus Bräunlingen .
Wie der Kreissportbeauftragte für den Kreis Neustadt L Schw. mitteilt mußte die für den 7 12. festgesetzte Besprechung infolge Verhinde ung d * Landessportbeauftragten auf Samstag, 14. Dezember verschoben werden. Die Besprechung findet an di 2 - sem Tage um 15 Uhr im Gasthaus zur Krone in Neustadt i. Schw. statt. An dieser Besprechung sollen alle Vereine, auch Wintersportvereine te 1- nehmen. Da das Wintersportprog^amm festge’egt werden soll, werder auch die Freiburger Winter*port- vereine vertreten sein.