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Mittwoch, den 29. März 1950

AUS KRAICHGAU UND BRUHRAIN

Kirrlach

Unter den Vereinen FC Olympia Kirrlach, Spielvereinigung Oberhausen , FV 09 Philipps­burg und FV 1912 Wiesental fand eine Vor­besprechung im Gasthaus Bratwurstglöckl in Waghäusel statt, bei der über die Austragung des Pokaltumiers 1950 Abmachungen getrof­fen wurden, die für jeden Verein als bindend zu betrachten sind. Es wurde angeregt, jedem der beteiligten Vereine einen Preis zu*üerken- nen, sodaß insgesamt 4 Preise zur Verteilung kommen.

Austragungsorte: 4. 6. Philippsburg , 11. 6. Oberhausen , 18. 6. Wiesental, 27. 8. Kirrlach. Spieldauer 2 mal 20 Minuten, jeder gegen je­den.

Hambrüchen

Die Kirchenbehörde in Freiburg hat dieser Tage die Pfarrgemeinde Hambrücken an den Pfarrkurat Emil Gindele-Grötzirigen verliehen. Pfarrverweser A. Volkert, der seit dem Tode von H. H. Pfarrer Thoma im November letzten Jahres die Pfarrgemeinde betreute, wird am 19. April Hambrücken verlassen, um die Pfar­rei Oberschefflenz, Dekanat Mosbach, zu über­nehmen. Pfarrer Volkert hat in den fünf Mo­naten seines Hierseins wertvolle und segens­reiche Arbeit in der Pfarrgemeinde geleistet und die ganze Einwohnerschaft bedauert sein Scheiden, vor allem aber die Jugend, der er

ein einziger Spieler mußte in dem vergan­genen Jahre jiestraft werden, . was von dem guten Geist spricht, der in der Mann­schaft steckte. — Einen umfang- und auf­schlußreichen Kassenbericht gab anschließend der Kassier A. Etzkom. Die Gesamtvorstand­schaft konnte entlastet werden, -so daß man anschließend zur Neuwahl übergehen konnte. In geheimer Abstimmung wurden gewählt: Franz Böser zum 1. Vorsitzenden, Josef Bur­ ger zum 2. Vorsitzenden; Schriftführer und Kassier wurden für ein weiteres Jahr in ihren Aemtem bestätigt. Den Spielausschuß­vorsitz führt Emil Heß , Beisitzer wurden Hans Hubbuch, und Josef Hintermayer.

Der neue Vorstand forderte in seinem Schlußwort die Anwesenden auf, auch weiter­hin dem Verein die Treue zu halten. Ba.

Obergrombach

Herr Karl Eppele, Sohn des Landwirts Hu­bert Eppele, Hauptstraße 14, hat dieser Tage vor der Prüfungskommission in Bruchsal die Staatliche Baumwarteprüfurng mit gutem Er­folg abgelegt.

Am morgigen Donnerstag begeht Frau Luise Goldade geh. Janzer, Witwe des Landwirts

Franz Josef Goldade, Gondelsheimerstraße 2, in verhältnismäßig guter Gesundheit und gei­stiger Frische ihren 72. Geburtstag. Herzlichen Glückwunsch.

Am vergangenen Sonntag wurde im „Grünen Baum“ von der Firma Ringwald & Co. in Schifferstadt das Tabaksgeld für Haupt- und Obergut der Gruppe 1 ausbezahlt.

Am letzten Sonntag hatte die Ortssirene die aktiven Mitglieder der Freiwilligen Feuer­wehr zu ihrer ersten Frühjahrsprobe zusam­mengerufen. Nach dem Ausprobieren der generalüberholten Feuerwehrmotorspritze fand im Gerätehaus eine kurze Besprechung über die Festlegung der künftigen Uebungszeiten sowie über die Abhaltung der Generalver­sammlung und des diesjährigen Gartenfestes statt. Die nächste Feuerwehrprobe findet am Ostermontag, morgens 6 Uhr, statt. Das Gar­tenfest wurde auf einen noch näher zu be­stimmenden Sonntag im Juni festgelegt.

Unter Leitung des Badischen Feldbereini­gungsamtes Karlsruhe fand am Montag im Gasthaus zum Hirsch eine Versammlung aller an der Rebumlegung irp Gewann „Aeußerer Stahl“ beteiligten Winzer statt* um die weni­gen noch vorhandenen Schwierigkeiten zu be­lli Weiher

tum und Leben, die Verwirklichung der For­derungen der Religion im Alltag.

Fabrikant Albert Böser schilderte dann die Eindrücke auf seine Romfahrt und die Audienz beim Hl. Vater. Er stellte fest, daß dem Papst die Not in unserem Vaterlande ganz besonders zu Herzen gehe und er sich unablässig bemühe, Deutschland ' zu helfen. Der Ortsgeistliche, Pfarrer Vogel, dankte den Rednern für ihre trefflichen Ausführungen. Die Feier schloß mit dem Lied: Ein Haus voll Glorie schauet . . .

D.

Münzesheim haut

Im Bürgersaal des Rathauses versammelten sich am Samstag, auf Einladung der Genossen­schaft die Viehhalter bzw. Milcherzeuger. Bür­germeister Hörrle eröffnete die gut besuchte Versammlung und begrüßte besonders Herrn Oberrevisor Schaber vom Verband Bad . Land- wirtschaftl. Genossenschaften, Karlsruhe .

Das Hauptthema der Tagung bildete der Plan der örtlichen Genossenschaft, eine eigene Milchsammelstelle zu erstellen. Die Milchsam­melstelle war bisher in einem Mietsraum unter­gebracht. Herr Schaber setzte den Anwesenden ausführlich das Für und Wider dieses Planes auseinander. Auch könnte man in dieser Milch­zentrale einen Büro- und Kassenraum für die

Papstfeier

sich mit überaus großem Eifer gewidmet hat.

In der letzten Woche wurden die Gebeine eines kurz vor dem Einmarsch der Besatzungs­macht in der Nähe von Hambrücken gefallenen und auf dem Hambrücker Friedhof beerdigten Soldaten in seine Vaterstadt Bad-Kreuznach überführt. Die Ehefrau des Gefallenen hatte beim Fußballtoto gewonnen und damit konnte sie die Unkosten der Ueberführung bestreiten.

In der letzten Woche hat das 2. Schülertur­nier des Schachklubs mit annähernd 20 Teil­nehmern begonnen. Auch bei der Tischtennis- Abteilung des Schachklubs startete am letzten Mittwoch ein Ver^instumier. k.

Forst

Am vergangenen Samstag fand im Sport­haus die Hauptversammlung der FC Germa­nia statt. Vorstand Luft begrüßte die An­wesenden und machte sie mit der Tagesord­nung bekannt Schriftführer Krux verlas das Jahresprotokoll, aus dem zu ersehen war, daß der FC nicht nur großartige Feste aufziehen und schöne Erfolge erkämpfen konnte, son­dern daß die Mannschaft als wirkliche Sports­leute auch anständig zu verlieren weiß. Nicht

11 Jahre sind es nun her, daß Kardinal­staatssekretär Eugen Pacelli zum Papst ge­krönt wurde. Aus diesem Anlaß versammelte sich die Einwohnerschaft am Sonntag im Ro­sensaal zu einer Papstfeier In dankenswerter Weise hatten sich der Kirchenchor und der Mannergesangverein zur Verfügung gestellt und gaben durch ihre Darbietungen der Feier­stunde einen würdigen Rahmen. Als Festred­ner wurde Sozialbeamter Korn aus Heidelberg gewonnen, der es meisterhaft verstand, die Be­deutung des Papsttums zu beleuchten, das zur Zeit im erbittersten Ringen mit den Mächten des 1 Gotteshasses und der Staatsvergötzung steht. Das Bemühen unseres jetzigen Papstes Pius XII. sei die soziale Gerechtigkeit und den Frieden unter den Völkern zu schaffen. Wer nach Zeugnissen blühenden christlichen Le­bens in unserem Volke suche, dürfe die zahl­reichen ernsten Bemühungen um eine gerechte soziale Neuordnung nicht vergessen. Sie finde ihren Niederschlag in der tätigen Bruder- und Schwesternhilfe für die Vertriebenen. Sie zeige sich in der Erweckung des sozialen Verant- wortungsbetvußtseins in allen Ständen. Sie werde sichtbar vor allem im Kirchlichen Sied­lungswerk in Deutschland . Ueberall werde in der christlichen Welt daran gearbeitet, die gro­ßen Aufgaben zu lösen, welche die gegenwär­tige Notzeit jedem Christen unserer Tage noch stellen wird: enge Verbindung von Christen-

Hamburger Kunstmaler als Falschmünzer

Ein von der Polizei als „größter Falschgeld- Fabrikant in Hamburg , vielleicht sogar im Bundesgebiet seit dem Kriege“ bezeichneter Kunstmaler konnte am Dienstagabend von einem 22jährigen Hamburger Polizisten fest­genommen werden. Nach Mitteilungen der Hamburger Polizei wurden in der Wohnung des Kunstmalers Ottomar Anders aus Ham­ burg falsche Fünf-D-Markscheine im Werte von 150 000 Mark, sowie die nötigen Geräte zur Herstellung der Scheine gefunden. Die Ehefrau Anders war während der Haus­suchung aus dem Küchenfenster geflohen. Am Dienstagmorgen wurde der Ehemann zu einer an einem Baum erhängt gefundenen Frauen­leiche geführt, die er als seine Frau identifi­zierte. Nach Mitteilung der Polizei handelt es sich bei dem geständigen Anders um einen Familienvater von zwei Kindern, der seit län­gerer Zeit als Kunstmaler ohne jede Erwerbs­möglichkeit war. In seiner Wohnung wurden

außer den Geräten zur Herstellung des Falsch­geldes eine Reihe von Klischees zur Herstel­lung von Fahrkarten der Bundes- und Stadt­bahn (nach mehreren größeren Städten in ganz Westdeutschland gefunden. Verhaftet wurde Anders, als er versuchte, einem Ham­ burger Lebensmittelhändler mit einem ge­fälschten Schein zu bezahlen. Es wird ver­mutet, daß dieses der erste Versuch Anders war, Falschgeld in Verkehr zu bringen. Die Polizei bezeichnet ihn als Einzelgänger, der kaum Komplizen gehabt haben könne. Bei der sofort nach der Verhaftung erfolgten Hausdurchsuchung fand die Polizei im Bade­zimmer der Wohnung eine große Menge frischgedruckter Geldscheine, die zum Trock­nen auf eine Leine gehängt worden waren. Außerdem fand man eine mit öligen Säge­spänen gefüllte Trommel, die vermutlich zum künstlichen Altern und Zerknittern der Geld­scheine verwendet wurde.

reinigen. Gleichzeitig wählte die Teilnehmer­gemeinschaft ihren Vorstand. Anschließend fand eine Tagfahrt mit Geländebesichtigung statt, die über sämtliche Fragen der Um­legung vollends Klarheit schaffte, so daß noch diese Woche mit den Vermessungsarbeiten be­gonnen werden kann.

Rosinen und Datteln für Kuckucksuhren Karlsruhe . Der amerikanische Landwirt­schaftssachverständige der Hohen Kommis­sion, Mr. Pancoarst, sagte auf einem Bauern­forum des Kreises Karlsruhe , daß Apfelsinen, Rosinen und Datteln heute neben wichtigeren Dingen nach Deutschland eingeführt werden müßten, damit das Bundesgebiet andererseits seine Kuckucksuhren und andere für das Aus­land weniger wichtige Fabrikate ausführen könne.

Schüler befürworten ein Filmjugendverbot Pforzheim . Bei einer Umfrage eines Pforz- heimer Journalisten bei rund 150 Schüler und Schülerinnen im Alter von 16 bis 20 Jahren der Pforzheimer Berufs- und Oberschulen über die Einstellung zu den gegenwärtigen Filmen sprach sich die Mehrzahl der Befrag­ten für die Einführung eines Jugendverbotes aus. Als psychologisch am beachtenswertesten wurde von den Schülern der französische Film bezeichnet, während die amerikanischen Filme, mit wenigen Ausnahmen, abgelehnt wurden.

Wer den Schaden hat...

Bachen. Dem Leiter des Ernährungsamtes beim Landratsamt Buchen wurde vor eini­gen Tagen ein schwarzbebändertes und mit einer weißen Rose geschmücktes Päckchen zugestellt, das „An den Leiter des Emäh- rungsamtes, zur Zeit Minister ohne Ge­schäftsbereich“, adressiert war. Bei Oeffnung der Sendung stellte man fest, daß sie die letzte Lebensmittelkartenabrechnung der Gemeinde Rittberg enthielt. Dem Päckchen war ein Beileidsbrief beigefügt, der von den „trauernden Hinterbliebenen“, den Normal­verbrauchern von Rittberg unterschrieben war.

Mildisamiiielslelle

Sparkasse einbauen und auch hierfür die Miete ersparen. Im weiteren Verlauf wurde über die Ankaufsmöglichkeit von Baugelände abge­stimmt und volle Einmütigkeit erzielt. Die Vor­standschaft der Genossenschaft steht bereits in Verhandlungen zum Ankauf vom günstig gelegenen Gelände. Es darf also* bestimmt an­genommen werden, daß in absehbarer Zeit der Plan der Genossenschaft verwirklicht wird. — Fragen, betreffs Milcherzeugung und Milch­geldberechnung wurden von Herrn Schaber ausführlich und sachlich beantwortet.

In der Martinskirche wurden 20 Knaben und 7 Mädchen konfirmiert. Schon Tage vorher herrschte überall rege Geschäftigkeit, bis alles geputzt und gebacken war, und Küche und Keller für "die vielen Gäste gerüstet waren. Al­lenthalben war man bemüht, den Konfirman­den ihren Festtag besonders würdig zu gestal­ten. — h.

Neibsheim

Die Nähschule zeigt am Sonntag, 2. April, von 12 bis 13.30 Uhr und von 14 bis 18 Uhr im Saale des Schwesternhauses in einer Aus­stellung die im Laufe des vergangenen Jahres unter Leitung von Schw. Humilis gefertigten Kleider, Schürzen. Wäsche und Aussteuer­gegenstände. Die Einwohnerschaft ist herzlich zu dieser Ausstellung eingeladen.

Gestorben ist im Alter von 58 Jahren Frau Maria Westermann gieb. Klotz, Heidelshei- merstraße 18.

Am 31. 3. feiert Herr Gustav Kratzmeier seinen 79. und am 2. 4. Frau Elisabeth Haag geh. Vogel ihren 70. Geburtstag. Wir gratu­lieren und wünschen einen gesegneten Lebens­abend. h.

^TRANZISKA "J"

UND DIE SIEBEN RABEN rudolf anderi

MÜNCHNER KOMAS-VERLAG M~Ü N C HE N ■ P A S I N G. FRITZ-. REUTER-STR. |

52.

Der Hausknecht spitzt die Ohren. Dieser Pankraz ist umwittert von soviel Geheim­nissen, womöglich kommt da schon wieder eine merkwürdige Geschichte heraus — man hört in der letzten Zeit so Verschiedenes. — Doch, antwortet er, Herr Pankraz sei oben in seinem Zimmer; er solle nur folgen, bitte! Und damit geht er voran.

Der Fremde klopft an. Er hört ein kurzes „Herein“. Vorsichtig tritt der Besucher in das Zimmer. Pankraz steht am Fenster; er ist un­gehalten über die Störung, an ihm ist alles voll Unruhe und Unsicherheit, er möchte nichts anderes mehr als möglichst schnell fort — er hat auch nicht das mindeste Interesse mehr an den Dingen hier in Salzbrunn. Am liebsten würde er zu dem Fremden sagen: Was wollen Sie denn! Schauen Sie, daß Sie wieder fort- kommen! Ich habe keine Zeit für Sie! — Aber das würden ein paar Stunden später schon wieder alle Leute in Salzbrunn wissen! und daran hat er gerade jetzt kein Interesse.

Er erwidert den Gruß des Besuchers mür­risch „Was ist los?“ fragt er kurz.

Der Hagere kommt einen Schritt näher. „Ich weiß nicht, Herr Lodroner, ob Sie sich noch an mich erinnern“, stotterte er verlegen.

„Nein, bestimmt nicht. War sind Sie denn? ‘

„Pölsterle!“ antwortet der andere leise, „Quirin Pöltserle aus Oberham —“.

„Pölsterle!“ wiederholt Pankraz. Er krallt seine Hände um das Fensterbrett. „Wie kom­men Sie hierher ... und was wollen Sie von mir? Ich habe Sie doch nicht gerufen!“

„Das ist richtig. Ich komme auch ganz aus eigenem Antrieb. Der Besucher holt tief Atem, er wird nun ruhiger und sicherer. „Ihr Bruder

war nämlich bei mir, Ihr jüngster Bruder, ich glaube, er heißt Günther —“.

„Dieser Idiot —!“

„Ich habe nicht das Gefühl, daß Herr Günther ein Idiot ist“, weist der Hagere den Vorwurf zurück. Er kann sehr gewählt sprechen, er hat immerhin in seiner Jugend vier Klassen im Pennal gesessep, das merkt man ihm auch jetzt noch an. „Es geht nämlich darum, Herr Lodroner, daß die Ehre einer geachteten Dame auf dem Spiel steht und das Glück Ihres Herrn Bruders Ludwig ... den ich sehr schätze. Da­rum geht es. Ich bitte das zu bedenken.“

„Ja — und ?

„Warum muß ich das noch näher erklären! Herr Günther hat mir gesagt, daß Sie ... daß man hier der Meinung ist, daß Sie damals ... als ich noch Wirt im Waldhaus ... daß Sie also damals mit Fräulein Lambacher bei mir ge­wesen wären ... und nicht mit Frau Lodroner“.

„Kerl! Sagen Sie däs nicht so laut! Wenn ein Mensch Sie hört —!“

„Ich werde das noch viel lauter sagen — wenn Sie die ganze Geschichte nicht sofort in Ordnung bringen.“

„IcB? ^jnd Sie denn verrückt?“

„Ganz bestimmt nicht. Jetzt schon erst recht nicht. Ich erinnere mich noch genau an den Abend, als Sie zu mir kamen, mit dem Auto, mit der jungen Dame, von der ich später er­fuhr, daß sie die Frau Ihres Bruders, des Herrn Doktor Michael Lodroner aus Bischofshall ist ... der Herr Doktor war gerade verreist, nicht wahr? Und jetzt würden Sie mich wohl am liebsten zum Lügner stempeln? Und nennen mich einen Kerl und schreien mich an ... das brauche ich mir nicht gefallen zu lassen! Das nicht". Niemals!“

Die Stimme des Mannes aus Osterham ist nun so laut geworden, daß man sie auf den Gang hinaushört. Der Hausknecht unten am Treppenabsatz paßt höllisch auf, jedoch kann er glücklicherweise keine Einzelheiten verste­hen. Aber noch ein anderer vernimmt den Lärm, und das ist gerade der Mann, der ihn nach Pankraz Willen am allerwenigsten hören sollte ... Michael ist e s,-denn die Tür zu Char- lottes Zimmer war nach dem Weggang der Wärterin nur angelehnt. „Ich muß doch nach- sehen, was das für ein Spektakel ist!“ sagt der Arzt verwundert und steht auf. „Bleibe ruhig, Kind, ich bin gleich wieder da“. Damit ver­läßt er den Raum.

Er merkt sogleich, daß die streitenden Stim­men aus dem Zimmer kommen, das von Pan­kraz seit seiner Ankunft in Salzbrunn bewohnt wird.

Aber die zwei Männer dort haben keine Ahnung, daß man ihr Gespräch auch außerhalb der Tür hören kann, oder sie sind beide zu er­regt, daß sie diese Möglichkeit bedächten. Pan­kraz, wohl wissend, daß mit dem Erscheinen Pölsterles eine Wendung der Dinge eintreten kann, die seine Pläne für die nächsten Stun­den mit einem Male zerstören wird, Pankraz also ist auf den Besucher zugetreten: „Mann! Ich bitte Sie jetzt noch einmal im Guten, daß Sie das Maul halten. Sie wissen nicht, was Sie hier anriehten können. Was geht Sie das über­haupt an! Sie sind ein armer Schlucker sonst nichts, haben nicht einmal die Wirtschaft hal­ten können ... und jetzt kommen Sie hierher und machen solche Geschichten! Übrigens habe ich keine Zeit mehr für Sie. Verschwinden Sie jetzt. Ich habe anderes zu tun als mich mit Ihnen hier abzustreiten.“

Jeder andere Ton wäre besser am Platz ge­wesen als gerade dieser. Dem hageren Gast treten die Adern vor an den Schläfen. „Muß ich mir das gefallen lassen?“ schreit er, jetzt ist ihm alles gleich. „Muß ich mir vorwerfen las­sen, daß ich ein armer Teufel bin, ein armer Teufel, der gerade zu tun hat, daß er leben kann? So schön hab ichs fieilich nicht wie an­

dere Herrschaften, die in der Weltgeschichte herumfahren und heimkommen, wenn ihnen das Geld ausgeht, und die mit den Frauen ihrer Brüder herumhuren .. jawohl! Sie wissen doch, wen ich meine! Ich, Quirin Pölsterle, ich weiß es doch ganz genau, daß Sie damals mit Frau Charlotte Lodroner bei mir waren .... übrigens hat ja auch eine Frau es gesehen, wie Sie mit ihr weggingen ... und jetzt sagen Sie in Ihrer Gemeinheit, daß Fräulein Franziska diejenige gewesen wäre, die Sie Ihrer Zunei­gung für wert hielten ... und denken gar nicht daran, wie das Ihr Bruder Ludwig- treffen muß! So ist es doch, jawohl ... Sie Kerl Sie!“

Pankraz schäumt vor Wut. Seine Augen irren durch das Zimmer; da bleibt sein Blick auf dem Waffenschrank hängen, der von des Vaters Zei­ten noch hier steht und in derp neben einer Reihe von Gewehren auch einige Pistolen lie­gen. Der Schlüssel steckt in der Glastür. Pan­kraz, außer sich vor Zorn, stürzt hin, reißt die nächste Pistole heraus und legt sie an: „Noch ein Wort und ich schieße!“ keucht er, obgleich er gar keine Ahnung hat, ob das Ding über­haupt geladen ist. „Ich rate Ihnen, gehen Sie! Gehen Sie gleich! Oder ich weiß nicht mehr, was ich tue ... warum stehen Sie noch da! Fort —!“

Pölsterle weicht an die Tür zurück, aber da wird sie schon von außen aufgerissen.

Michael steht auf der Schwelle.

„Bleiben Sie da!“ sagt er, nach außen ruhig, während in seinem Innern der Aufruhr tobt. „Bleiben Sie. Ich habe auf dem Gang gestan­den und einiges mitanhören müssen. Mein Na­me ist Michael Lodroner, Doktor Michael Lo­droner ... und nun wiederholen Sie bitte, was Sie da eben gesagt haben. Vielleicht habe ich mich auch verhört. Doch, doch, sprechen Sie nur, ich bitte Sie ja darum, alles — der Reihe nach —“.

Jetzt stürzt Pankraz vor. „Der Kerl ist ja wahnsinnig!“ brüllt er. „Ich kenne ihn über­haupt nicht. Ich weiß gar nicht, was er will. Wahrscheinlich ist er verrückt.. . hör nicht hin, was er sagt —“

Fortsetzung folgt.