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ALTE UND NEUE HEIMAT

Die Flüdittingstrage in Straßburg

Daß die deutschen Vertreter in Straßburg die Flüditlingsfrage zur Sprache bringen wür­den, war von vornherein zu erwarten. Es ist mit der Rede von Gerstenmaier, der, von der kurzen Erklärung Pünders in der Eröffnungs­sitzung abgesehen, als erster Deutscher sprach, gleich zu Beginn geschehen. Und doch war Gerstenmaier nicht der erste, der diese Frage als ein europäisches Problem vor die Ver­sammlung brachte: Vor ihm hatten schon der Franzose An^re Philip, der Engländer Robert Boothby und der Holländer P. J. S. Serrarens v mit allem Nachdruck auf ihre Dringlichkeit hingewiesen. Philip ist Sozialist, Boothby Konservativer. Serrarens Katholik, und eben das ist das Erfreuliche, daß sich Vertreter aller Länder und aller Richtungen unter dem Beifall der ganzen Versammlung mit den deutschen Vertretern in diesem ihren drän­genden Anliegen solidarisch erklärten und eine sofortige Initiative forderten.

An die Seite der oben Genannten traten im Verlaufe der weiteren Debatten u. a. der schwedische Liberale B. O. Ohlin, der dänische Radikale Hermod Lannung und dann, am Samstag der zweiten Woche, Lady Tweeds­muir, die Stellvertreterin Churchills, die mit ihrer ersten Rede das deutsche Flüchtlings-

E roblem in den Mittelpunkt des Tages stellte.

t ady Tweedsmuir, die sich darauf berufen konnte, kürzlich in Berlin , Hamburg , Schles­ wig-Holstein und an der Ruhr gewesen zu sein, um sich an Ort und Stelle zu infor­mieren, sprach in so eindringlicher und herz­licher Weise von dem Massenelend der Ver­triebenen und von der unaufschiebbaren Not-, Wendigkeit, sofortige und durchgreifende Maßnahmen auf europäischer Ebene zu er­greifen, daß sie die größte Aufmerksamkeit fand. Als sie geendet hatte, erhob sich ein selten allgemeiner und anhaltender Beifall. Viele Abgeordnete und die Deutschen einer nach dem anderen gingen auf sie zu und reichten ihr die Hand. Hier ereignete es sich, daß deutsche Sozialdemokraten einer konser­vativen Rednerin öffentlich Dank sagten. So wie anderseits die konservative Lady der Sozialdemokratin, Louise Schröder , die vor Ihr über Berlin sprach, vor dem ganzen Hause ihre besondere Sympathie bezeugt hatte. Die beiden Deutschen , die nachher sprachen, der Sozialdemokrat Paul und der CDU -Mann Gerstenmaier, konnten von dem ausgehen, was Lady Tweedsmuir dargelegt hatte.

Inzwischen ist aus Mitgliedern der Juristi­schen und der Sozialen Kommission eine Ge­mischte Kommission gebildet worden, die sich mit dem Problem der Flüchtlinge befaßt und konkrete Vorschläge ausarbeiten wird, um sie dann der Vollversammlung zur Diskussion und Beschlußfassung vorzulegen. Es ist anzu­nehmen, daß hier die von der Römischen So­zialkonferenz der Europäischen Bewegung gemachten Vorschläge, die bekanntlich unter maßgeblicher deutscher Mitarbeit ausgearbei­tet worden sind, eine große Rolle spielen

werden. In Übereinstimmung mit diesen Vor­schlägen hat Gerstenmaier den Antrag ge­stellt, beim Europa -Rat ein Büro für Flücht­lingsfragen zu schaffen.

Man wird sagen dürfen, daß die Einsicht, die Lady Tweedsmuir ausgesprochen hat, daß nämlich Deutschland diese sozialen und wirt­schaftlichen Lasten, die das Flüchtlings­problem bedeutet, nicht alleine tragen kann, in Straßburg zu einer allgemeinen Einsicht geworden ist. Ebenso die Erkenntnis, die von der Engländerin beschworen wurde, daß näm­lich ein sozialer Zusammenbruch Deutsch­ lands den Zusammenbruch ganz Europas nach sich ziehen würde. Alle Wirtschafts- und So­zialmaßnahmen werden, so rief die Rednerin aus — und dieses Wort aus dem Munde, nein, aus dem Herzen einer Konservativen ver­dient hervorgehoben und festgehalten zu werden —, schließlich vergeblich sein, wenn den Millionen der Flüchtlinge in der Mitte Europas nicht entscheidend geholfen wird. Wenn wir das Problem der deutschen . Flücht­linge und das der italienischen Arbeitslosen nicht lösen, so hatte der holländische Christ­lichsoziale Serrarens schon am dritten Tag, mitten in der Debatte über die europäische Verteidigung, leidenschaftlich ausgerufen,

dann wird kein Atlantikpakt und keine euro­ päische Armee das Chaos aufhalten können. Und ein drittes Wort verdient hervorgehoben und festgehalten zu werden — dieses Wort des englischen Arbeiterparteilers A. J. Cham­pion: Der Krieg in China ging nicht auf den Schlachtfeldern, sondern auf den Reisfeldern verloren. Der französische Sozialist Andre Philip hat das alles auf die prägnante, alar­mierende Formel gebracht, daß es neben der militärischen Atombombe noch eine andere gebe: die Atombombe des Massenelends. Und diese soziale Atombombe sei, so fügte er hinzu, gefährlicher als die militärische.

Das Prinzip der Einstimmigkeit, sagte Paul Reynaud in seiner messerscharfen Kritik am Minister-Komitee und an der Satzung, be­deutet Lahmlegung. Das ist, das .Dilemma des Europa -Rates zeigt es, nur allzu wahr. Aber tatsächliche Einstimmigkeit in guten, in notwendigen Maßnahmen, ist, wenn sie er­reicht werden kann, umso erfreulicher. Wir haben die Zuversicht, daß die Straßburger Versammlung in der Flüchtlingsfrage ein­mütig zu großen, durchgreifenden Beschlüs­sen kommen wird. Und ob man nicht auch die Hoffnung haben darf, daß das Minister- Komitee sich der Xiringlichkeit dieses An­liegens nicht verschließen und die Straßbur­ger Beschlüsse in dieser Sache einstimmig gutheißen wird?

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Größte Industrie der Heimat vertriebenen

Das kleine Städtchen an der Lausitzer Neiße hat sich einst durch Umsicht und deutsche Tüchtigkeit Weltgeltung- geschaffen. Im Schmelztiegel der Ausweisung ist dieser Glanz verblaßt. Das Städtchen ist heute von Menschen fremder Zunge bewohnt, — von Menschen, die ein Staatsbefehl verpflichtet hat. Tschechischerseits gibt man sich alle Mühe, jenen von den Sudetendeutschen be­gründeten Ruhm von Gablonz in der Welt auszunutzen.

Die Gablonzer Industrie war innerhalb der Tschechoslowakischen Republik, nach den Skodawerken in Pilsen , die zweitgrößte Ex­portfirma. Bis 34 Millionen Dollar jährlich wurden dereinst Waren aus ihren Produk­tionsstätten ins Ausland verkauft. Die Aus­weisung hat eine tragische Unterbrechung geschaffen. Es läßt sieh auch an dem Beispiel Gablonz nachweisen, wie der Haß gegen alles Deutsche selbst dort wirkte, wo man aus wirtschaftlicher Erwägung lieber eine Scho­nung hätte walten lassen sollen. Nichts davon,

Das stark ausgeprägte Gefühl der Zusam­mengehörigkeit der Gablonzer sowie nüchtern erwogene Ansiedlungsmomente bedingten so­wohl in der Ostzone, in Österreich als auch in der deutschen Westzone den Verbleib in eini­germaßen geschlossenen Gruppen. In der Ost­zone wurden sie in den Glasgebieten Thürin­ gens , Sachsens und Brandenburgs angesetzt. Ihre wichtigsten Standorte sind dort Gehren , Ilmenau und Arnstedt im Thüringer Wald , Döbern in der Niederlausitz sowie Heidenau

Leerstehende Häuser und Wohnungsnot

Wie eine Lawine wälzt sich der Zustrom der tschechischen .„Neuansiedler“ in das ehemals von Deutschen bewohnte Gebiet, um nicht nur die durch die Aussiedlung der Sudeten­ deutschen leergewordenen Häuser und Woh­nungen zu besiedeln, sondern hauptsächlich, um das den Deutschen enteignete Hab und Gut zu „übernehmen“. Das Hauptaugenmerk wurde da ganz besonders auf angenehme und luxuriöse Wohnungen gerichtet, um dabei besonders wertvolle Wohnungseinrichtungen zu ergattern. Da nun aber die Aussiedlungs­aktion bisweilen langsamer vonstatten ging als der Zustrom der Ansiedler, mußte Wohn- raum geschaffen werden, und es wurde ganz einfach ein großer Teil der Deutschen vor­läufig umgesiedelt. Die Umsiedlung geschah in der Form, daß die Deutschen ganz einfach ihre Kisten packen, ihr Mobilar stehen las­sen mußten, um in der Stadt in eine Keller­wohnung oder auf dem Dorfe in ein, nach tschechischer Ansicht minderwertiges Haus einquartiert zu werden.

In den Zeitungen wurde berichtet, daß die von den Deutschen hinterlassenen Wohnungen in verwahrlostem Zustande vorgefunden wurden, daß der Anfang für die Neuansiedler schwer sei, um diese Wohnräume wieder in­stand zu setzen. Das muß getan werden, um Neuansiedler mit etwas schwächeren Nerven nicht dem Gedanken verfallen zu lassen, daß sie doch eigentlich in Unrechtem Gut sitzen, daß Menschen aus den Wohnstätten verjagt wurden, die jahrzehntelang darin gearbeitet und gedarbt hatten, nur um sich diese Wohn­stätten zu erhalten. Doch die größte Propa­ganda ist nicht imstande, diesen Gedanken­gang restlos zu unterdrücken. Das böse Ge­wissen drückt, es läßt sich nicht ganz ab­schütteln und die Furcht vor der Wiederkehr der Sudetendeutschen ist groß. Diese Furcht geht soweit, daß es ihnen Gespenster Vor­macht. In einer Landwirtschaft z. B. wurde auch der erblindete Sohn ausgesiedelt als be­reits die tschechischen „Neuansiedler“ davon Besitz ergriffen hatten. Die jetzt dort wal­tende tschechische Bäuerin erklärt immer und wieder, daß sie jedesmal, sooft sie beim Mel­ken der Kühe sitzt, den blinden Sohn der ehemals deutschen Besitzer in der Stalltür stehen sieht

Nach Anordnung der Verwaltungsstellen über die den Deutschen enteigneten Häuser werden neunzigtausend leerstehende Häuser in allernächster Zeit abgetragen mit der Be­gründung, daß sie unbewohnbar wären. Dazu wurde in den einzelnen Gemeinden im ver­

flossenen Jahre „vorgearbeitet“, indem leer­stehende Häuser ganz einfach angezündet wurden. Es gibt Gemeinden, in denen in die­ser Zeit bereits dreißig bis vierzig Häuser niedergebrannt wurden, um sich dadurch die lästigen Arbeiten des Abtragens zu ersparen. Täglich heulten die Sirenen wie in der Zeit der Bombenangriffe, ja, es kam vor, daß während der Löscharbeiten an einem Hause bereits wieder ein Feuer in der entgegen­gesetzten Dorfecke aufflammte. Dies alles ge­schieht in einem Europa , in dem Millionen Menschen infolge der Kriegseinwirkungen obdachlos geworden sind und weitere Millio­nen nach dem Kriege aus ihrem heimatlichen Wohnsitz vertrieben wohnungslos in der Welt herumirren. Das geschieht in einem Staaten­system, das den Menschen der ganzen Welt eine glücklichere Zukunft und Wohlstand ver­spricht. -ebu-

und Olbemhau in Sachsen . Bis Ende 1947 hatten 27 Betriebe der Hohlglasveredelung in Ilmenau , Arnstedt und Lauscha Fuß gefaßt und mit 150 weiteren wieder ins Leben ge­rufenen Bijouteriebetrieben die Produktion aufgenommen. Mitte 1948 liefen bereits in den fünf Landkreisen Sachsen-Anhalts 225 Gab­lonzer Teilwerke.

Bunter sieht das Bild in der Westzone aus. Ebenfalls in einigen Siedlungszentren grup­piert, dehnt sich hier die Standortlage von Südlbayem bis in. das entfernte Schleswig- Holstein . Das ist gerade für diese Industrie sehr bedauerlich, denn sie bildete früher aus produktionstechnischen Gründen standortmä­ßig ein geschlossenes Ganzes. Die neuen Stät­ten Westdeutschlands liegen in und um Kauf­ beuren , Bayreuth , Schwäbisch Gmünd , Aalen , Karlsruhe , Kraiburg am Inn, Oberursel im Taunus, Trappenkamp (Schleswig-Holstein ) und Lebenstedt bei Braunschweig . Die Gab­lonzer Industrie zählt heute rund 1200 Einzel­firmen und ist, trotz erheblicher Zersplitte­rung, die größte und immerhin noch die ge­schlossenste industrielle Siedlung der Heimat­vertriebenen in der Bundesrepublik!

Bei der Gablonzer Industrie handelt es sich um Erzeugnisse, bei denen der Wert der Roh­stoffe lediglich 10 bis 15 Prozent des Wertes des Endproduktes darstellt, d. h. es handelt sich um höchst arbeitsintensive Erzeugnisse mit geringem Rohstoffverbrauch. Hinzu kommt noch, daß die benötigten Rohstoffe aus dem eigenen Lande stammen und nicht erst auf kostspieligem Umweg beschafft werden müssen. Für das rohstoffarme und an Ar­beitskräften reiche Deutschland gewinnen? diese zwei Gesichtspunkte besondere Bedeu­tung.

Das Schicksal der Neu-Gablonzer wird zu­nächst ein Tauziehen sein. Bei ihnen ist Op­timismus zu Hause. Sie sind mit ihrem Fleiß und ihrer Ausdauer, vor allem aber mit ihrem künstlerisch-technischen Können und auch mit ihrem Unternehmungsgeist bekannt. Da­mit sie ihre Aufgabe mit dem besten Effekt für die deutsche Außenwirtschaft erfüllen können, müssen noch einige Voraussetzungen geschaffen werden. Eine Kreditunterstützung für Investitionszwecke bildet die dringlichste Maßnahme.

Sie sind noch mitten im denkwürdig-einzig­artigen Gründerstadium der neuen Existenz. Mit leeren Händen kamen sie an, bettelarm an materiellen Gütern. Ihre fachliche Befähi­gung hat sie wieder in den Vordergrund tre­ten lassen. Sie sind abermals dabei, Bezie­hungen mit der Außenwelt und diesmal Deutschland dringend benötigte Devisen zu bringen. Julius Keil-Tatra.

Humor aus der alten Heimat

In einem Dorf im schönen Kreise O r t e 1 s - bürg hatte der Lehrer seine Schüler in die Ferien entlassen. Er war zufrieden mit ihnen gewesen. Seine kleinen .Masuren verehrten ihn und er liebte sie. Besonders aber war er stolz darauf, daß er sie allesamt zur Höflich­keit anderen gegenüber erzogen hatte. Ein jeder lüftete vor den Erwachsenen auf der Straße seine Kappe und entbot den Tages­gruß.

Nun waren so an die zwei Wochen ins Ferienland vergangen, als der Lehrer einmal zum Kaufmann in den-Laden trat und dort schon den kleinen Paul Duscha vor dem Ver­kaufstisch stehen sah. Der sah ihn sich auch genau an, griente über das ganze Gesicht, machte verschmitzte Augen und — guckte fort. Kein Ton kam aus seinem Munde. „Nanu Paul!“, ärgerte sich der Lehrer, „warum

f rüßt du denn nicht?“ — „Denn wir haben erien!“ strahlte Paul seinen Lehrer an.

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Beim Verlassen des Bahnsteigs in Pracha- titz weigert sich ein Bauer beharrlich, seine Fahrkarte abzugeben: „Naa, naa, wenn ich die Kart’n hergeben tät, wird mir nacha mei Alte nit glaub’n, daß i das Geld verfahr’n und nit versoff’n hab!“

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Von einer Verehrerin war Wrangel ein Papagei geschenkt worden, der die Worte. „Papa Wrangel “ sprechen' konnte. Das Wun­dertier zu betrachten, hatte auch König

Friedrich IV., dem Feldmarschall einen Be­such angesagt, und als er mit dem Gefolge das Zimmer betrat, probierte sogleich einer des Gefolges den Vogel auf: „Jacob, kennst du mich?“ Der Papagei rollte aufgeregt den Kopf und schwieg.

Da lachte der König: „Sie müssen ihn rich­tig fragen.“ Er trat vor das Bauer: „Jacob kennst du mir?“ — „Papa Wrangel ! Papa Wrangel!“ kreischte der Papagei und machte dem König eine höfliche Verbeugung.

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In ein Prager Gasthaus kommt ein Sude­tendeutscher und bestellt sich Gulasch mit Knödeln. Er kostet und fragt betrpffen den Wirt: „Sagen Sie, Herr Wirt, ist das nicht vom Pferd?“

Der Wirt stammelt entschuldigend: „Er­lauben Sie, bittä,- abär di Knödl

nich!“

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Die Geschichte wird nicht nur von den schlesischen Polkwitzem erzählt, sondern ein­mal von diesen, dann von andern Landschaf­ten.' Darum lassen wir den Namen weg:

Da liefen zum Ärger des Dorfschulzen die Leute immer-über ein Stück Gemeindeland, wenn sie in di% Kirche oder zum Kramer wollten. So ließ denn der gute Mann gleich­falls eine Tafel errichten, auf der geschrieben stand: „Dieser Weg ist kein Weg. Wer es dennoch tut, bezahlt einen Thaler und fließt in’ die Gemeindekasse.“

Friedrich Neumann , geboren am 19. 12. 1875 in Kleinreußen (Ostpreußen ), wurde 1945 auf der Flucht von seinen Angehörigen getrennt. Alle Bemühungen, seinen Aufenthalt zu ermitteln, schlugen bisher fehl. Um es zu ermöglichen, daß Neumann wieder mit seinen Angehörigen zu­sammengeführt werden kann, werden Angaben erbeten: Kriminalamt für die britische Zone, Hamburg 36, Karl-Muck-PIatz 1, Abt. FM.

(dpa -Bild)

Königsberg heute

Der Westberliner „Tagesspiegel “ veröffent­licht einen Stimmungsbericht Jürgen Schülers über Königsberg . Vier Fünftel der Stadt sind zerstört, schildert er. Dom, Oper und Uni­versität sind vernichtet. Das Wahrzeichen Königsbergs , der Schloßturm, ist auf einer Seite aufgerissen. Auf dem „Platz der Be­freiung“ vor dem erhalten gebliebenen Schloß stehen noch die unzerstörten Denkmäler von Kaiser Wilhelm, Bismarck und Schiller.

Im Nordwesten Königsbergs sind die Stadt­teile Juditten, Ratshof, Aamalienau, die Hu­fen und Charlottenburg der Vernichtung ent­gangen. Prominente Russen wohnen dort. Vom Hauptbahnhof fahren täglich Züge auf eingleisigen Strecken nach Rußland und Po­ len . Als einziges öffentliches Gebäude ist das Amtsgericht unbeschädigt geblieben. Dort sitzt die NKWD . Der Königsberger Oberste So-

g jet residiert im ehemaligen Raiffeisen- ochhaus. Das frühere Finanzpräsidium ist Hauptquartier des Oberkommandierenden, die ehemalige Mädchengewerbeschule „Haus der Roten Armee“.

Die nach dem Vertreiben von 300 000 Kö­nigsbergern in der Stadt verbliebenen 2000 Deutschen fristen unter den rund 120 Q00 Rus­sen ein kümmerliches Dasein. Ursprünglich waren sie als Arbeitskräfte sehr geschätzt und blieben zum Teil auch auf verantwor­tungsvollen Posten. Nachdem, sich die Russen eingearbeitet hatten, mußten die Deutschen ihre Stellungen verlassen. Geld und Lebens­mittelkarten erhält nur, wer von den Russen beschäftigt wird. Für die Deutschen wird zweimal wöchentlich eine Zeitung herausge­geben, die hauptsächlich Berichte aus Rußland bringt. Die sowjetamtliche Berliner „Tägliche Rundschau“ ist die einzige in Deutschland ge­druckte Zeitung, die man in Königsberg kau­fen kann.

Die Umgebung der Stadt ist nicht wieder zu erkennen. Ganze Dörfer verschwanden, weil die Russen Holz und Steine für andere Bauten benötigten. Das Land außerhalb der Kolchosen ist versteppt und verwahrlost, Alle deutschen Bauern sind vertrieben. Ihr Land wurde russischen Stellen übergeben, (dpa )

Ausradiert

Ein größeres tschechisches Arbeitskommando bricht seit kurzem- die sudetendeutsche Ort­schaft Ulrichsgrün ab. Der Ort Neumugl hat mit der Sprengung des Schulhauses aufgehört zu bestehen. Lediglich die Kapelle ist noch nicht abgetragen.

Menschenhandel mit Deutschen Wie wenig der deutsche Mensch in den von Russen und Polen besetzten deutschen Gebie­ten östlich von Oder und Neisse gilt, geht aus einer Mitteilung von Ausgewiesenen aus Pommern hervor, die kürzlich im Lager Friedland eintrafen. Sie berichteten nämlich, daß sie zunächst auf einem unter russischer Verwaltung stehenden Gut in Pommern als Landarbeiter gearbeitet hätten. Da der Russe aber noch v- -angenen Jahr her Kar­

toffelschulden bei einem benachbarten Gut/ das unter polnischer Verwaltung steht, hatte, und keine Geldmittel besaß, schickte er kurz entschlossen diese deutsche Familie zu den Polen .

Der Tschiripik kommt zum Apotheker in die Stadt und bittet um ein Pulver für seine Frau. „Was fehlt ihr denn?“ fragt ihn der Apothekejgehilfe. „Was wird ihr auch fehlen? Sie ist bloß faul und krächzt herum. Aber sie quält mich, ich soll ihr Pulver bringen.“ — „Da helfen diese Pulver am besten, jeden Morgen eins auf nüchternen Magen!“ erwi­dert lachend der Apotheker und wischt dem Zigeuner rechts und links eine herunter.

Der Tschiripik dankt untertänigst und geht. Anderntags ist er wieder da. „Nun, hat’s ge­holfen?“ fragt der Apotheker. „Gleich aufs erste“, antwortet der Zigeuner. „Schon beim ersten Pulver sprang sie von der Truhe und war gesund. Das andere Pulver bringe ich hier zurück.“ Mit diesen Worten holt er tüch­tig aus und „patzt“ dem Apothekergehilfen ein reichlich verzinstes herunter und — ver­schwindet-