9RUGHSALER POST

SUDD. HBIMATZBITUNO FÜR KRAICHOAU UND BRUHRAIN

Nummer TI

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Mittwoch, 28. März 1951

Einzelpreis 15 Pfennig

Adenauer plant Reise nach Paris

Kabinett berät neues Wirtschaftsprogramm

Bonn (UP). Bundeskanzler und Außen­minister Adenauer wird an der für den 12. April vorgesehenen Außenministerkonferenz der Schumanplan-Staaten in Paris wahr­scheinlich teilnehmen, verlautet aus dem Aus­ wärtigen Amt .

Aufgabe dieser Außenministerkonferenz wird es sein, die noch offenen politischen Fragen des Schuman -Planes zu klären, ins­besondere die Stimmverteilung bei den ein­zelnen Behörden der neuen Organisation, so­wie die Frage einer Beteiligung der Saar am S ehuman-Plan.

Bundespräsident Heuss wird Anfang April auf einem großen diplomatischen Empfang in Bonn die Beglaubigungsschreiben der Bot­schafter und Gesandten derjenigen Staaten in Empfang nehmen, die sich bis dahin entschlos­sen haben, ihre diplomatischen Vertreter bei der Bundesregierung akkreditieren zu lassen.

Die Berichte englischer Zeitungen, West­ deutschland subventioniere die Ausfuhr von Wirtschaftsgütem nach der Südafrikanischen Union , wurden von Vizekanzler Blücher de­mentiert. Angeblich sollte die Bundesrepublik 250 000 Dollar bereitgestellt haben, um da­mit den Einkauf von Rohstoffen für die Her­stellung von Lokomotiven für Südafrika zu finanzieren.

Erhöhung der Länderabgaben

Das Bundesfinanzministerium wird dem Bundeswirtschaftsministerium bis Mittwoch eine Reihe von Vorschlägen für Gesetzent­würfe zuleit«i, mit deren Hilfe die Finan­

zierung des neuen Wirtschaftsprogramms der Bundesregierung durchgeführt werden soll. Das Bundeskabinett wird sich dann am Frei­tag mit diesen Entwürfen beschäftigen und ebenso mit neuen Vorschlägen des Wirt­schaftsministers. Spätestens über das Wochen­ende soll dann der interministerielle Aus­schuß des Bundeskabinetts, dem neben dem Bundesfinanz- und Bundeswirtschaftsminister auch die Bundesminister für Wohnungsbau, Landwirtschaft, Verkehr, Arbeit und Mar­shallplan angehören, die endgültige Fassung der Gesetzentwürfe beschließen.

Wenn auch Einzelheiten über den Umfang der künftigen Belastung für Wirtschaft und Verbraucher offiziell noch nicht bekannt sind, so steht bereits nach Aussage zuständiger

Kreise fest, daß neue Mittel über alle drei bisher vorgeschlagenen Belastungsarten auf­gebracht werden sollen: Die Sonderumsatz­steuer, das Aufbausparen bei erhöhtem Ver­brauch und die Abführung von Abschreibungs­beträgen durch die gewerbliche Wirtschaft für Investitionen in den Grundstoffindustrien.

Der Bedarf an billigem Konsumbrot könne nicht gedeckt werden, da die Versorgung mit dem entsprechend billigen Mehl durchaus unzureichend sei, gab der „Zentralverband des deutschen Handwerks “ im Namen der Bäcker in der Bundesrepublik bekannt. Das Bun- desernährunigsministerium sei bisher ohne Erfolg auf diesen Zustand aufmerksam ge­macht worden. Das Bäckerhandwerk lehne daher jede Verantwortung ab.

Kurswechsel in Ostberlin ?

Separatfrieden Ostzone — Sowjetunion geplant?

Berlin (UP). Die Regierung der Deutschen Demokratischen Republik soll ihre Haltung gegenüber Aer Bundesregierung geändert and ihre Bemühungen zur Herbeiführung eines gesamtdeutschen Gespräches auf gegeben haben.

Wie dazu von unterrichteter Seite verlautet, soll diese Änderung in der politischen Ein­stellung gegenüber Bonn maßgeblich durch angebliche Zusicherung der Sowjets beein­flußt worden sein, daß die Sowjetunion noch im Jahre 1951 einen Friedensvertrag mit der DDR abschließen werde. Die Sowjetunion habe ferner der Ostzonen-Regierung gegen-

Acheson formuliert Solidaritätsprogramm

Vorschläge für die a merikanischen Republiken •— Welles warnt vor

deutschen „Gefahren“

Washington (UP). AußenministerAche- son forderte die ln Washington versammel­ten Außenminister der süd- und mittelameri­kanischen Republiken auf, zur gemeinsamen Verteidigung gegen den Kommunismus auf militärischem, politischem und wirtschaftli­chem Gebiet eng zusammenzuarbeiten und die dabei unumgänglichen Opfer gerecht und gleichmäßig zu verteilen.

Die USA — so sagte er — könnten nicht die ganze Last der Verteidigung allein tragen. Die amerikanischen Republiken müßten daher 1. Maßnahmen beschließen, die die interame­rikanische Verteidigungsbehörde in die Lage versetzen, die koordinierte Verteidigung der westlichen Hemisphäre zum frühest möglichen Zeitpunkt vorzubereiten; 2. Mittel und Wege finden, um die innere Sicherheit in den ein­zelnen Ländern zu gewährleisten und ihre demokratischen Einrichtungen sicherer zu un­termauern. und 3. die wirtschaftlichen Hilfs­quellen ganz Amerikas rationell erschließen und für die Verteidigung nutzbar machen.

In seinen weiteren Ausführungen beschul­digt Acheson die Sowjetunion einer unver­antwortlichen Erpressung der Völker, die nicht in Frieden leben dürften, weil sie einen gro­ßen Teil ihrer Vermögen für Rüstungsaus­gaben ausgeben müßten. Man sei daher ge­zwungen, jetzt endlich in aller Stärke aufzu­treten, um den Kreml zu belehren, daß man sich von ihm nicht länger unter Druck setzen lasse.

Der ehemalige Staatsekretär im amerikani­ schen Außenministerium, Sumner Welles , wandte sich in einem eben veröffentlichten Buch „Seven decisions that shaped history“ (sieben Entscheidungen, die Geschichte ma­chen) entschieden gegen die Aufrüstung der westdeutschen Bundesrepublik. Welles schreibt, die „ungeheuren Gefahren für die Zukunft“, welche die Wiederbewaffnung Westdeutsch­ lands heraufbeschwört, stünden in keinem Verhältnis „zu der geringen militärischen Un­terstützung“, die die Deutschen leisten könn­ten.

Welles macht der Politik Präsident Tru- mans den Vorwurf, sie habe keine feste Linie und habe den großen Fehler begangen, von der durch den verstorbenen Präsidenten Roo- sevelt vorgezeichneten Linie abzuweichen.

Weltlage ernster geworden

Anläßlich einer Pressekonferenz, bei der über die allgemeine Waffendienstpflicht und andere gesetzgeberische Maßnahmen militäri­scher Art gesprochen wurde, stellte Verteidi­gungsminister Marshall fest, die Weltlage sei gegenwärtig ernster als im November vorigen Jahres. Die amerikanische Regierung habe aber nicht die Absicht, mehr als sechs Divi­sionen nach Europa zu senden, um der ge­planten atlantischen Streitmacht unter General Eisenhower eingegliedert zu werden. Dies be­deute, daß noch vier Divisionen nach Europa geschickt werden sollen. Marshall lehnte es im übrigen ab, zum letzten Waffenstillstands­angebot General MacArthurs an Rotchina Stellung zu nehmen.

Ganz Südkorea ist befreit

Verhandlungen zwischen Tibet und Rot chin a

Tokio (UP): Der Feldzug der Streitkräfte der Vereinten Nationen zur Befreiung Süd­ koreas war am Dienstag praktisch beendet, da sich die nordkoreanischen und chinesischen Truppen fast überall über den 38. Breitengrad zurückgezogen haben.

Südkoreanische Verbände haben als erste seit Dezember den 38. Breitengrad über­schritten und das Dorf Yongpori an der Ost­küste besetzt. Die Front verläuft jetzt über das Gebirge quer durch Korea in einer Breite von etwa 200 km. Im Norden der Hauptstadt Seoul folgen die Amerikaner den chinesischen Truppen langsam nach. Nur im West«! halten die Kommunisten einen schma­len Streifen an der Küste südlich des 38. Breitengrades.

Der Präsident des internationalen Roten Kreuzes Paul Rügger ist zusammen mit vier anderen Delegierten aus Peking , wo er Be­sprechungen mit dem Premierminister der chinesischen Kommunisten, Tschou En Lai , über mögliche Hilfeleistungen des Roten Kreu­zes für die Opfer des koreanischen Krieges geführt hatte, nach Hongkong zurückgekehrt.

Aus unterrichteten indischen Kreisen ver­lautet, daß die Pekinger Regierung bereit ist.

Tibet eine interne Autonomie zuzugestehen, bei der sich die Chinesen jedoch die Kon­trolle der Außenpolitik und die Verteidigung des Landes Vorbehalt«!. Die Tibetaner hin­gegen sollen bereit sein, die Oberhoheit Chi­ nas anzuerkennen, doch wünschen sie keine Stationierung chinesischer Truppen innerhalb Tibets oder an den Grenzen des Landes. Un­ter diesen Aspekten wird wahrscheinlich eine tibetanische Delegation, die sich am Mittwoch nach Peking begeben wird, mit der kommu­ nistischen Regierung verhandeln.

US -Unterstaatssekretär George McGhee traf in der israelischen Neustadt Jerusalems ein. Er war vorher in Amman mit König Abdullah von Jordanien zusamm«igekommen und wird vom jordanischen Flugplatz Calandia bei Jeru­ salem aus im Flugzeug nach Kairo Weiter­reisen.

Kommunistische Versammlungen wurden von der brasilianischen Regierung verboten, nachdem es in der Stadt Belo-Horizonte zu Zusammenstößen gekommen war, wobei ein Polizeibeamter getötet und 30 Personen ver­letzt wurden.

über geäußert, daß man in Moskau stark mit dem Zustandekommen einer Pariser Außen- ministerkonferenz rechne, auf der ein Frie­densvertrag und der Abzug aller Besatzungs­truppen bis 1952 diskutiert würde.

Durch die Forderung des Bundeskanzlers Dr. Adenauer nach freien und geheimen Wah­len unter alliierter Kontrolle in ganz Deutsch­ land soll die Position der Ostregierung im Kampf für Deutschlands Einheit erheblich ge­schwächt worden sein, so daß diese Kam­pagne jetzt abgeblasen und eine neue für einen „Friedensvertrag noch im Jahre 1951“ gestartet werden wird. Diese neue Propa­gandawelle hat schon nach Otto Grotewohls letzter Rede am 14. März eingesetzt und wird ständig verstärkt.

Für die Weltjugendfestspiele wird in der Wuhlheide, im Osten Berlins , eine „Inter­nationale Pionier-Republik“ entstehen. Wie ADN berichtet, sollen dort 20 000 junge Pio­niere aus allen Ländern der Welt in vorbild­lich eingerichteten Zelten für vier Wochen untergebracht werden.

Vorwürfe mit Vertragsbruch

Jessup verweist auf den Balkan — Gromyko auf Potsdam

Paris (UP). Audi die 18. Sitzung der Au­ßenministerstellvertreter am Dienstag, die 5 Stunden dauerte und damit zur bisher läng­sten dieser Viermädite-Konferenz wurde, er­brachte keinen Fortschritt.

Dr. Philip Jessup unterbreitete im Namen der Westmächte die Forderung, der Außen­ministerrat möge über die Militär- und Men­schenrechtsklauseln der Friedensverträge mit Bulgarien , Ungarn und Rumänien beraten, gegen die von seiten dieser Staaten und von der Sowjetunion „systematisch und ständig“ verstoßen worden sei. Der Sowjetunion wurde dabei vorgeworfen, die Bildung von Streit- kräften, die stärker seien, als es gemäß den- Friedensverträgen gestattet ist, begünstigt und die Bestrebungen der Westmächte, für die Einhaltung der Friedensverträge zu sorgen, vereitelt zu haben.

Der sowjetische Delegierte Gromyko nahm davon Abstand, auf die Forderung der West­mächte direkt zu antworten. Er führte aber einen scharfen Gegenangriff gegen die West­mächte, die er bezichtigte, das Potsdamer Ab­kommen „brutal“ gebrochen zu haben, ein Wettrüsten durchzuführen und in Deutsch­ land mit „Hitler-Agenten“ zusammenzuarbei­ten Jessup wies die sowjetische Behauptung zurück, daß die USA ein Wiederaufleben des deutschen Militarismus begünstigten.

Vereinigung Irlands wird erwogen London sondiert mit Vorschlägen in Dublin

London (UP). Ein Plan, der die Beendi­gung der „Spaltung Irlands “ und die Auf­nahme eines „vereinigten Irland “ in den Atlantikpakt vorsieht, wird zur Zeit nach zu­verlässigen Informationen in britischen Re­gierungskreisen in Erwägung gezogen. Dieser Plan soll angeblich folgende Vorschläge ent­halten: 1. dem Parlament von Nordirland jene Vollmachten zu überlassen, die zur Zeit von Westminster ausgeübt werden; 2. ein gesamt­irisches Parlament zu schaffen; 3. König Georg VI. in der gleichen Weise an die Spitze des irischen Staates zu stellen, wie er zur Zeit Titular-Oberhaupt der Republik Indien ist.

Ein führendes Mitglied der Labour-Partei soll in Kürze nach Dublin reisen, um dort die Meinung der irischen Regierungskreise zu sondieren. Der ehemalige irische Ministerprä­sident Eamon de Valera soll bereits die An­sicht geäußert haben, daß die Regierung von Eire dem Vorschlag als „letzter Zuflucht“ höchstwahrscheinlich zustimmen werde. Be­kanntlich dringen die USA schon seit langer Zeit darauf, ein „vereinigtes Irland ? zu schaf­fen, das in den Atlantikpakt aufgenomnSen werden könnte.

Umrisse europäischer Wirtscholl

Von Dr. Hermann Reischle

Von Walter Rathenau stammt der Satz, daß die Ausschaltung des wirtschaftlichen Wett­bewerbs zwischen den Staaten einen hervor­ragenden Beitrag zum Frieden bedeute. Die jetzt von Belgien , Frankreich , Italien , Luxem­ burg , den Niederlanden und Deutschland auf 50 Jahre geschlossene „europäische Gemein­ schaft für Kohle und Stahl “ wird in erster Linie unter diesem Gesichtspunkt zu werten sein. Daß sich im übrigen jeder der 6 Partner der Montanunion etwas andere Vorstellungen vom Wert und Nutzen dieses Unternehmens macht, ist zweifelsfrei. So mag Frankreich vor allem der Gedanke einer rechtzeitigen zwi­schenstaatlichen Bindung der schwerindu­striellen Kräfte der Ruhr, Westdeutschland mehr die Taktik wirtschaftlicher Vorleistun­gen zugunsten einer beschleunigten politischen Handlungsfreiheit vorgeschwebt haben. Daß schließlich England beiseite bleibt, dürfte so­wohl auf außenpolitische Tradition und Ver­pflichtungen wie auf innerpolitische Erwägun­gen der Labour-Regierung zurückzuführen sein.

Rein wirtschaftlich und grundsätzlich gese­hen ist die Montanunion zu begrüßen. Sie räumt mit der Zwangsvorstellung auf, daß aus dem sogenannten freien Spiel der Kräfte, dem Auspendeln der Preise nach Angebot und Nachfrage, dem wirtschaftlichen Kampfe aller gegen alle die bestmögliche Harmonie und der umfassende Nutzen für alle entstehen müßte. Man gibt sich vielmehr bewußt eine gemein­same, handfeste Ordnung, dif gewiß man­cherlei Beschränkungen für den einzelnen Partner mit sich bringt. Aber es wird wenig­stens mutig auf das Ziel des europäischen Zu­sammenschlusses von den Grundindustrien her losmarschiert. Daß wir Deutschen — auch wenn wir die greifbarsten Opfer an Geld (Ausgleichsabgaben) und organisatorischen Vorteilen (zentraler Kohlenverkauf) bringen sollen — einen solchen Zusammenschluß prin­zipiell fürchten müßten, ist ein Märchen. Es kann nur bei denen verfangen, die durch unseren Zusammenbruch jegliches Selbstver­trauen verloren haben oder denen allein schon der Gedanke der Planung und Lenkung Pein bedeutet. Natürlich kann aus der „Ho­hen Behörde“ — der Begriff will uns im Hin­blick auf andere, aus der Besatzungspraxis stammende „Hohe“ Institutionen allerdings wenig gefallen — eine Mammutbürokratie entstehen. Ihre Bewährung wird daher davon abhängen, wieweit- es ihr gelingt, der Ini­tiative aller an Produktion und Markt betei-

Staatssekretär Dr. Westrick

übernimmt am 28. März den Posten eines Staats­sekretärs im Bundesiüirtschaftsministerium ah Nach­folger des bisherigen Staatssekretärs Sthalfejew. Dr. Ludgar Westrich studierte Rechtswissenschaf­ten und war zehn Jahre als Auslandskaufmann auf dem Balkan tätig. Dann wurde er Direktor der Ver­einigten Alumimum-Werke-AG. Er ist ferner Auf- sichtsratsmitglied bei den Ralk-Stickstoffwerken- AG. und bei dm hm-Werken-AG., außerdem Zeh- trdtreulüinder für die Vereinigten Industrieunter­nehmen und Mitglied des Direktoriums der Deut­elten Kohlenbergbauleitung

Bild: dpa