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SÜD WESTDEUTSCHER SPIEGEL
Mittwoch, 17. Dezember 1952
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In der bayerischen Spielwaren- und Glasbläserstadt Neustadt bei Coburg füllen sich die weihnachtlichen Warenlager. Kleine Weihnachtsbäume, die geschmückt verpackt werden können, werden von jenen Ländern gekauft, denen das Klima ein natürliches Tannengrün verweigert.
Exkönig Carol n. in Sigmaringen
Exkönig Carol II. von Rumänien und seine Gattin Helena, die ehemalige Madame Lupescu, trafen am Montag auf Schloß Krauchenwies bei Sigmaringen zu einem mehrwöchigen privaten Besuch beim Fürsten Friedrich von Hohenzollem ein. Der Fürst ist Chef des rumänischen Königshauses, das 1866 aus einer Seitenlinie des Fürstenhauses von Hohenzollern -Sig- maringen hervorgegangen war. Exkönig Carol II. steht im 60. Lebensjahr und lebt gegenwärtig in Esto- ril in Portugal im Exil. Er regierte von 1930 bis 1940 und wurde durch Marschall Antonescu gezwungen, zugunsten seines Sohnes Michael abzudanken, der als letzter rumänischer König im Dezember 1947 unter sowjetischem Druck ebenfalls auf den Thron verzichten mußte.
Baden-Württemberg braucht Obstbauschulen
Der Leiter der staatlichen Obstbauschule Nürtingen , Landwirtschaftsrat H. Gruft, beanstandete dieser Tage auf einer Tagung der Baumwarte des Kreises Tü bingen , daß in Baden-Württemberg , das mit 21000 Hektar über ein Drittel der Gesamtobstanbaufläche des Bundesgebiets verfüge, nur eine Obstbauschule besteht. Gruft wies auf das Beispiel Hollands hin, wo es bei einer Obstanbaufläche von 6000 Hektar 32 Obstbauschulen gebe. Der Mangel an Schulen und Ausbildungsmöglichkeiten zeige sich nicht zuletzt darin, daß in Baden-Württemberg der Durchschnittsertrag je Baum mit 126 kg niedriger liege als in anderen, vergleichbaren Ländern. So betrage der Durchschnittsertrag in Dänemark , das den Obstbauern ebenfalls bessere Ausbildungsmöglichkeiten biete, 132 kg Obst je Baum.
Fast einen Meter Schnee im Schwarzwald
Nach neuen Schneefällen am Montag und Dienstag hat der Schnee in den Gipfellagen des Südschwarzwaldes wieder fast einen Meter erreicht. Auf Pulverschnee werden überall gute bis sehr gute Schneeverhältnisse für den Wintersport angetroffen. Auch in der Rheinebene hat sich eine geschlossene Schneedecke gebildet, so daß Abfahrten bis ins Flachland möglich sind. Im Hochschwarzwald sind neue Schneefälle zu erwarten. Bei leichter Frostmilderung bleiben die guten Wintersportverhältnisse voraussichtlich erhalten. In tieferen Lagen ist mit Regen und Tauwetter zu rechnen. Die einzelnen Wintersportplätze melden:
Herzogenhorn: 80 cm, 20 cm neu Pulver, minus 9. Feldberg: 70 cm, 15 cm neu Pulver, minus 7. Schau- insland: 60 cm, 15 cm neu Pulver, minus 7. Hinter zarten : 40 cm, 20 cm neu Pulver, minus 3. Brend- Rohrhardsberg: 70 cm, 35 cm neu Pulver, minus 6. Kniebis: 50 cm, 10 cm neu Pulver, minus 7. Hornisgrinde: 30 cm, 20 cm neu Pulver, minus 5. Hundseck: 35 cm, 20 cm neu Pulver, minus 7. Ruhestein: 40 cm, 15 cm neu Pulver, minus 6 Grad.
Wie wird das Wetter?
Tauwetter bis in höhere Lagen zu erwarten
Ein Tiefdruckgebiet, das über die britischen Inseln hinweg zur Nordsee zieht, ersetzt die eingeströmte Kaltluft durch mildere Meeresluftmassen, wobei es verbreitet, bis in höhere Lagen, zu Tauwetter kommen wird. Ueberwiegend stark bewölkt und in Regen übergehender Niederschlag bei lebhaften südwestlichen Winden. Temperaturen tagsüber bis über 5 Grad ansteigend.
Gesetz über Leitung der Landeskirche
Evangelische Landessynode Baden tagt im neuen Jahr in Herrenalb
Die Evangelische Landessynode Baden wird sich auf ihrer Tagung vom 3. bis 6. Januar 1953 in Herrenalb mit dem vom erweiterten Oberkirchenrat vorgelegten Entwurf eines Gesetzes über die Leitung der Landeskirche befassen. Im Sinne des Entwurfs ist Kirchenleitung nicht die Bezeichnung für ein bestimmtes, in seiner Zuständigkeit besonders herausgehobenes Einzelorgan der Landeskirche, sondern das Zusammenwirken von Landessynode, Landesbischof, evangelischem Oberkirchenrat und erweitertem Oberkirchenrat.
Die Leitung der badischen Landeskirche ist nach dem Wortlaut des Entwurfs geistlich und rechtlich eine Einheit, die nicht aufgegeben werden kann. Alles Recht hat allein dem Auftrag der Kirche zu dienen. Abgeändert wurde in dem Entwurf die bisherige Bestimmung, nach der 39 Synodale durch die Bezirkssynoden gewählt werden. Damit soll vermieden werden, daß das Gesetz bei einer Vermehrung der Zahl der Kirchenbezirke geändert werden müßte. Auch die Zahl der Mitglieder der Landessynode, die vom Landesbischof berufen werden, wird von zehn auf vierzehn erhöht.
Der erweiterte evangelische Oberkirchenrat wird nach dem Entwurf dasjenige Organ der Landeskirche Baden sein, das die Mitglieder der Landessynode, die des evangelischen Oberkirchenrats und die Kreisdekane zusammenfaßt.
terie-Regiments ißt, das in Fürth bei Nürnberg stationiert ist, wurde für schuldig befunden, in der Nacht zum 28. November auf dem Truppenübungsplatz Hohenfels die 24 Jahre alte Hausfrau Anna Maria Krems mehrmals vergewaltigt zu haben. Beide Urteile müssen noch von der obersten Gerichtsinstanz in Washington bestätigte werden. Der Hohen- felßer Prozeß wird in einigen Tagen mit der Anklage gegen sieben andere farbige Soldaten fortgesetzt werden, die unter Führung von Bryson und Pugh in der fraglichen Nacht die deutsche Bauarbeiterkantine des Truppenübungsplatzes Hohenfels überfallen und die deutschen Arbeiter dort bedroht und mißhandelt haben.
150 Eisenbahnschwellen gestohlen
Auf der Neckartal-Bahnstrecke Eberbach—Hirschhorn wurden vor kurzem 150 ausgebaute stählerne Eisenbahnschwellen gestohlen. Die Schwellen hatten, wie das Bundesbahnbetriebsamt Mannheim am Dienstag mitteilt, entlang der Bahnstrecke zwischen und neben den Gleisen gelegen. Die 2,5 m langen Eisenschwellen, deren Einzelgewicht etwa 70 kg beträgt, sind vermutlich mit einem großen Lastkraftwagen abgefahren worden. Die Bundesbahn nimmt an, daß der Wagen auf der dicht neben der Bahnböschung liegenden Landstraße in Richtung Frankfurt oder in Richtung Heilbronn abgefahren ist.
Jugend ioideit Werheverbof für Fremdenlegion
Das Verbot der Werbung für die französische Fremdenlegion im Gebiet der Bundesrepublik forderte am Montag der Kreisjugend-Ausschuß Mann heim -Land in einem an Behörden und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens gerichteten Schreiben, ln dem Schreiben wird mitgeteilt, daß vor einigen Tagen im Landkreis Mannheim zwei Jugendliche in angetrunkenem Zustand von Werbern der Fremdenlegion nach Landau in der Pfalz verschleppt worden sein sollen. Einer der beiden habe fliehen können, von dem anderen fehle bis jetzt jede Spur. Bei der gegenwärtigen Rechtslage stünden die deutschen Behörden derartigem Vorgehen machtlos gegenüber. Das Verhalten der Werber sei einer abendländischen Kulturwation unwürdig. Die im Kreisjugendausschuß zusammengeschlossenen Jugendverbände mahnen in ihrem Schreiben Eltern und Erzieher, die Jugend durch rechtzeitige Aufklärung vor diesen Gefahren zu schützen.
Kaller Krieg auf dem Briefumschlag
Ein Mannheimer Bürger erhielt dieser Tage einen Brief aus Ostberlin , der zwei zeitgeschichtlich bemerkenswerte Stempel trägt. Der von der Sowjetzonen- Post zum „Monat der deutsch-sowjetischen Freundschaft“ auf den Brief gestempelte schwarze Aufdruck appelliert an den Empfänger: „Lernt vom Sowjetvolk, lernt vom großen Stalin, wie man den Sozialismus aufbaut“ . „und was dabei herausgekommen ist“ lauten die Worte, die von der Post in Westberlin als Kommentar in roter Farbe auf den Umschlag gestempelt wurden.
Bühl wiU selbst Siedlungen bauen
Nachdem das Projekt einer geschlossenen Groß Siedlung in Bühl , die mit Hilfe der Lutheran Church im Laufe von zehn Jahren errichtet werden sollte, gefallen ist, beabsichtigt die Stadt Bühl , zunächst selbst eine Siedlung aufzubauen. Wie Bürgermeister Dr. Kist am Dienstag auf Anfrage mitteüte, besteht die Absicht, auch Gewerbebetriebe und mittlere Industrien anzusiedeln, da bei der Uebervölkerung der Stadt neue Arbeitsplätze geschaffen werden müssen. Die Stadt hat jedoch, so bemerkte Dr. Kist weiter, die Hoffnung nicht aufgegeben, doch noch amerikanische Mittel für Siedlungszwecke zu erhalten.
Der große Plan, über den die Lutheran Church mit der Stadt Bühl verhandelt hatte, sah die Unterbringung von einigen tausend Siedlern und die Ansiedlung und Erweiterung von Industrien bei Bühl vor. Die Lutheran Church hat jedoch inzwischen ihren Plan abgeändert. Sie will die ihr zur Verfügung stehenden Mittel für den reinen Siedlungsbau und nicht für die Schaffung neuer und die Erweiterung bestehender Industrien verwenden. Aus diesem Grund werden die Mittel voraussichtlich auf eine Reihe von Siedlungsprojekten in Deutschland verteilt. Für die Durchführung eines solchen Teilprojekts dürfte auch die Stadt Bühl in Frage kommen. Die Siedlungsaktion wird von der Lutheran Church in Verbindung mit dem Evangelischen Hüfswerk vorbereitet.
Lebenslänglich auch für 2. Gewaltverbrecher
Das oberste Kriegsgericht der 43. US -Infanterie- Division in Augsburg verurteüte am Montag den 23 Jahre alten farbigen Gefreiten Otis J. Pugh wegen Vergewaltigung und Teilnahme an einom Aufruhr zu lebenslänglich Zuchthaus und zu unehrenhaftem Ausschluß aus der Armee. Damit erhielt Pugh die gleiche Strafe wie sein Mittäter Tommy Bryson am Donnerstag voriger Woche. Pugh, der mit, Bryson zusammen Angehöriger des 169. Infan-
Ein Landesbeamten-Gesetz ist in Sicht
Beamtenbezüge sollen den gestiegenen Lebenshaltungskosten angepaßt werdeu
Der Vorsitzende des Württembergisch-Badischen Beamtenbundes, Brodhag, Stuttgart , gab in Freiburg auf einer Kundgebung des Badischen Beamtenbundes bekannt, daß das badisch-württembergische Innenministerium gegenwärtig ein Landesbeamtengesetz vorbereite. Finanzminister Dr. Karl ^Frank wolle die Beamtenbezüge den gestiegenen Lebenshaltungskosten soweit wie möglich anpassen. Auch werde alles getan, um in Baden-Württemberg eine Auszahlung der Zuschläge zu den Gehältern noch vor dem Weihnachtsfest zu erreichen. Brodhag teilte mit, daß zur Zeit ein Zusammenschluß der beiden benachbarten Landesverbände zu einem einheitlichen Landesverband Baden-Württemberg des Deutschen Beamtenbundes vorbereitet werde.
Der erste Bundesvorsitzende des Deutschen Beamtenbundes, Oberregierungsrat Schäfer, Köln , hatte zuvor die baldige Verabschiedung des fast fertiggestellten Bundesbeamtengesetzes gefordert. In diesem Gesetz müsse den Beamten ausdrücklich das Recht auf politische Betätigung zugestanden werder
Bunker gehören der Bundesrepublik
Das Landgericht Zweibrücken hat in einem zivilen Rechtsstreit um die Eigentumsverhältnisse ah den Bunkern des ehemaligen Westwalls entschieden, daß der Boden, auf dem die Bunker stehen, Eigentum der betreffenden Bauern ist. Die Bunker selbst seien Eigentum der Bundesrepublik. Der Bund könne zwar die Bunker durch beauftragte Firmen „ausschlachten“ lassen, es müsse dann aber der ganze Bunker entfernt und der Zustand wiederhergestellt werden, wie er vor dem Bau des Westwalls bestanden habe. Es dürften also nicht nur die wertvollen Materialien aus den Bunkern ausgebaut werden, sondern es müßten auch die übrigen wertlosen Dinge abtrans-
Kurzmeldungen aus Süd Westdeutschland
:: Der Heidelberger Stadtrat wird am kommenden Donnerstag zum erstenmal seit Kriegsende wieder im historischen Saal des alten Rathauses tagen. Der Saal war 1945 beschlagnahmt und seitdem von einem ame rikanischen Gericht als Verhandlungsraum benutzt worden. Der Stadtrat hielt seine Plenarsitzungen bisher in einem Verwaltungsgebäude der Stadt oder in einem Nebenraum der Stadthalle ab.
:: Die in Freiburg erscheinende Zeitschrift „Die illustrierte Woche“ ist für die Dauer von drei Monaten in Frankreich verboten worden. Eine Begründung des am Dienstag im Staatsanzeiger veröffentlichten Verbots wurde nicht gegeben.
:: In Mannheim -Schönau ist der 70. Städtische Kindergarten im Mannheimer Stadtgebiet fertiggestellt worden. Wie eine Sprecherin des Stadtjugendamtes am Dienstag bei einer Besichtigung mitteilte, dürfte dieser neue Kindergarten, der mit einem Kostenaufwand von 130 000 Mark aus Bundesmitteln errichtet worden ist, einer der schönsten im ganzen Bundesgebiet sein. Die Anlage enthält zwei Gruppenräume und (Binen großen Spielraum für Kinder und ist nach den modernsten pädagogischen Gesichtspunkten eingerichtet. Es ist vorgesehen, daß die Kinder auch im Kindergarten essen können, hauptsächlich diejenigen, deren Mütter berufstätig sind.
:: Ein Metzgermeister aus Wolfach , der mit dem Ffehrrad unterwegs war, wurde von seinem Schwie
gersohn mit dem Beü niedergeschlagen, als dieser ihn mit dem Fahrrad überholte. Glücklicherweise traf der Täter sein Opfer nicht schwer, so daß es nur leichtere Verletzungen davontrug. Als Anlaß zu der Tat werden Familienstreitigkeiten vermutet. Der Schwiegersohn wurde von der Gendarmerie festgenommen.
:: Zum Dank: für die großherzigen Spenden, insbesondere die Schulspeisung, die das amerikanische Volk in den schweren Nachkriegsjahren deutschen Kindern zukommen ließ, werden am kommenden Freitag 20 Schulkinder aus dem Schwarzwaldort St. Blasien in ihren heimatlichen Trachten dem amtierenden amerikanischen Hohen Kommissar Samuel Reber eine Schwarzwaldtanne als Weihnachtsgruß überbringen. In Bonn wül die Schwarzwälder Schülertrachtengruppe auch dem Bundespräsidenten und dem Bundeskanzler einen Weihnachtsbesuch abstatten.
:: Mitglieder des Hechinger Kreisrats fuhren dieser Tage mit einem Personenwagen die Straßen im Kreisgebiet ab, um sich ein genaues Bild über den Straßenzustand zu verschaffen. Ein Bürgermeister schlug vor die Kreisratsmitglieder sollten das nächstemal seinen alten Opel für die Rundfahrt verwenden, da sie dann die Schlaglöcher besser fest- halten könnten. Die Kreisratsmitglieder versprachen, den Vorschlag in „wohlwollende Erwägung“ zu ziehen.
portiert werden. Die Grundstücke selbst dürften auch von Beauftragten des Bundes nur mit Genehmigung des Besitzers betreten werden.
Mörder von Schmiden festgenommen
Der Täter der Mordtat von Schmiden bei Stuttgart ist am Montag von Beamten der Kriminalhauptstelle der Landespolizei in Stuttgart festgenommen worden. Er ist geständig. Im Interesse der weiteren Ermittlungen werden weder der Name des Täters noch das Tatmotiv bekannt gegeben.
Am Samstag mittag war in einem Garten zwischen Schmiden (Kreis Waiblingen) und dem Steinhaldenfeld bei Stuttgart die Leiche des 21 Jahre alten, aus Ungarn stammenden Bauhilfsarbeiter Johann Fetzer unbekleidet und gefesselt aufgefunden worden
Blutbad im Schafpferch
Am Montagmorgen fand ein Schäfer in seinem Pferch m Sindelfingen 22 verendete Schafe. Die Tiere waren in der Nacht von einem streunenden Hund gerissen worden. Sie waren derartig zugerichtet, daß ihr Fleisch nicht mehr verwertet werden konnte. Im Kreis Böblingen ist dies in kurzer Zeit der dritte Fall, daß streunende Hunde in Schafpferche eindpingen und schweren Schaden anrichten. Vor drei Wochen waren in einem Pferch in Herrenberg von einem Hund 28 Schafe gerissen worden. Damals hatte ein Förster, der hinzugekommen war, den streunenden Hund erschossen.
Der 31jährige Küster Hans Hubert Helpenstein wurde kürzlich durch das Schwurgericht München-Gladbach zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilt. Damit wurde die grauenvolle Mordtat, die Helpenstein am 27. Januar in einer München -Gladbacher Kirche an seiner 23jährigen Ehefrau verübte gesühnt. Unser Bild zeigt den Angeklagten im Gespräch mit seinem Verteidiger Dr. Esser..
Eine Halbzeitbilanz der ersten Liga Süd
Nur Eintracht, Karlsruher Sportclub und Schweinfurt erreichten das gesteckte Ziel
Die Vorrunde der Süddeutschen Fußball-Meisterschaft 1952/53 ist zu Ende. Ehe die 16 Vereine am 4. Januar nach den Weihnachtsferien das Punktspielprogramm wieder aufnehmen, ist Zeit, Rückschau zu halten.
Mit den besten Hoffnungen starteten alle Mannschaften im August in die Punktspiele. Aber nur bei drei Vereinen haben sich praktisch alle Hoffnungen erfüllt: beim Herbstmeister Eintracht Frankfurt, beim Karlsruher Sportclub Mühlburg/Phönix und bei Schweinfurt 05. Die westdeutsche Blutauffrischung hat den Frankfurtern sichtlich gut getan. Die Stärke der Frankfurter ist die Deckung, aus der heraus klug operiert wird. „Die Eintracht hat Glück gehabt“, das ist eines der Schlagworte in Süddeutschlands Fußballkreisen. Vergessen wir aber nicht: Glück hat auf die Dauer nur der Tüchtige. Und diese Eigenschaft kann den Frankfurtern nun einmal nicht abgesprochen werden, obwohl nicht weniger als 6 Spiele in der bereits einen gewissen Ruhm erlangten 87. Minute entschieden wurden, einige andere in den letzten 10 Minuten. Hier hatte die Eintracht immer noch die Kraft, ihre Gegner mattzusetzen. Seit dem 2. Spielsonntag, als die Frankfurter von den Bayern geschlagen nach Hause fuhren, haben die Eintrachtleute kein Spiel mehr verloren. Und das soll in der ausgeglichenen süddeutschen ersten Liga erst einmal ein anderer Verein nachmachen. Daß die Mannschaften im Süden ausgeglichen sind, beweist das einfache Zahlenspiel eines Vergleiches des Tabellenzweiten mit dem Tabellenvorletzten. Diese beiden Vereine trennen nur 8 Punkte. In Süddeutschland gibt es also keine Mannschaften, die als ausgesprochene Punktlieferanten angesprochen werden können, wie etwa im Norden, Westen und Südwesten.
Trotz alledem: die größten Aussichten auf die Mei
sterschaft räumt man dem VfB Stuttgart und den Offenbacher Kickers ein. Der vierte Platz des VfB ist relativ, denn er hat ja noch ein Spiel ausstehen (gegen die Eintracht). Beide Mannschaften haben in der Rückrunde den großen Vorteil, neun Heimspiele und nur sechs Auswärtsspiele abwickeln zu müssen. Man rechnet in Stuttgart und Offenbach deshalb mit mindestens 18 Punkten (aus den Heimspielen). Das Sprungbrett für die Rückrunde hat man sich aller
dings günstiger vorgestellt. Die Heimniederlagen des VfB gegen Nürnberg und von Offenbach gegen den KSC verdarben das Rezept ein klein wenig. Stuttgart hoffte auf eine Ausgangsbasis für die Rückrunde von 20:10 Punkten, Offenbach mit einem ähnlichen Konto.
Der VfB Mühlburg , durch die Fusion mit Phönix inzwischen zum Großverein Karlsruher Sportclub Mühlburg/Phönix geworden, erklärte vor dem Saisonstart: „Unser Ziel ist es, unter die ersten zwei zu kommen.“ Das ist den Mühlburgem auch geglückt, obwohl sie — fast traditionsgemäß — zwischendurch eine Krise mitmachten, die ihnen einen noch besseren Punktestand versagte. Mühlburg mit den Blutauf-
Toto-Volltreffer als Weihnachtsgeschenk
Zwei Frauen und ein Mann als „Stammtipper" belohnt
Drei Toto-Volltreffer vor Weihnachten trafei) zur rechten Zeit vor dem Einkauf am „Goldenen Sonntag“ als Ueberraschungsquoten ein. In der Nähe von Köln und außerdem im Kohlenpott hat Fortuna wieder einmal drei Gewinner des West-Süd-Blocks mit je 185 544 Mark glücklich gemacht Stammtipper mit kleinen Beträgen, also keine Systemtipper waren es, die dreimal je 185 544 Mark gewannen. Die 27jährige kaufmännische Angestellte einer Seifen- und Waschmittelfabrik in der Nähe Kölns war nach Feststellung ihres Zwölfers so perplex, daß sie nicht mehr sprechen konnte, Kameradinnen mußten ihr mehrere Male telefonischen Bescheid einholen, als sie dann erfuhr, daß es wirklich 185 000 DM waren. Mit ihrer Mutter und Geschwistern kann sie sorgenlose Weihnacht feiern. Sie aber geht dann ins Gebirge, erstmalig im Leben, um sich dort mit ihrem Glück vertraut zu machen. — In der Nähe von Kassel lachten Vater und Söhne, als Frau Schneidermeister ihre mit Würfeln hervorgebrachte Tipreihe an die „sachverständigen“ Reihen ihrer Männer hinsetzte. Jetzt aber war das Lachen auf
ihrer Seite. Sie holte Vorschuß und die ganze Familie verschwand auf Urlaub. Die Schneider-Werkstatt wqrde geschlossen! — Ueberhaupt nicht anzutreffen war der Gewinner von Bochum . Die Toto- Glücksbringer fanden die Wohnung verschlossen. Dieser 185 000-Mark-Gewinner war mit Kind und Kegel „abgereist“. Unbekannt wohin! Er genießt sein Glück in der Stille.
Gerade-jetzt am Jahresschluß ziemt es sich, wieder einmal die Toto-Rekordliste in Erinnerung zu rufen. Der deutsche Rekord steht ja bekanntlich auf 384 520 D-Mark, den ein Polizeirentner aus der Kölner Gegend, aus Bergheim , hält. Jetzt kam wieder einer der drei Hauptgewinne nach der Kölner Gegend. — Zweimal stieg seit Bestehen des Fußball-Totos die Quote über 300 000, elfmal über 200 000 und zusammen kamen (mit den drei neuesten 185 000-Mark- Gewinnem) bereits 58 Glückliche über die 100 000 D-Mark. Rekordquoten des Jahres 1952 sind die zweimal 211 471 D-Mark, die am 29. Juni 1952 nach Wiesbaden und wieder — nach Köln fielen.
frischungen aus der näheren Umgebung wird auch in der zweiten Runde tüchtig mitmischen.
Die große Ueberraschung in Süddeutschland ist jedoch der dritte Platz von Schweinfurt 05 bei Halbzeit. Schweinfurt , das in den letzten Jahren immer hart um den Verbleib kämpfen mußte, ist groß herausgekommen — ein Verdienst von Trainer Anderl Kupfer und vor allen Dingen der Neuzugänge Rath und Osterhorn, die gut eingeschlagen haben. Vor allen Dingen von Rath droht immer Gefahr.
Hoffnungslos ist die Situation noch für keine Mannschaft: nicht einmal für die Ulmer „Spatzen“, die das Tabellenende zieren. Den Ulmern fehlt aber Spritzigkeit und Reife. Schwere Enttäuschung herrscht in München und Nürnberg . Beide Münchner Vereine unter den letzten Vier! Wann hat es das schon einmal gegeben? Und der „Club“, der ein Stück deutsche Fußballgeschichte verkörpert, auf Platz 12 . . . Trotzdem: Nürnberg ist der Anschluß gelungen. Die Mannschaft zählt immer noch zu den reifsten in Süd deutschland . Aber sie ist zu verspielt. Wenn die entschlossene Stoßkraft zurückkehrt, wird mit dem „Club“ wieder zu rechnen sein. Am Ende der Saison sollte er wenigstens unter den ersten sechs stehen.
Mit ihren Mittelfeldplätzen sind Fürth , Waldhof , Kickers Stuttgart, VfR Mannheim, BC Augsburg und Aschaffenburg nicht restlos zufrieden. Denn: was heißt schon Mittelfeldplatz im Süden. Bereits übermorgen kann er mit einem der letzten Plätze eingetauscht sein, so dicht liegen die Mannschaften beisammen. Hier wird es noch erbitterte Kämpfe absetzen. Waldhof gefiel durch seine Heimstärke, die Stuttgarter Kickers durch ihre 42 Tore (der höchsten Zahl in Süddeutschland ), denen allerdings auch 39 Gegentore entgegenstehen, und Fürth durch seine wiedererlangte Kampfkraft. Der VfR Mannheim war manches Mal recht launisch. Aschaffenburg verlor nach einem guten Start etwas von seiner Stoßkraft, und der BC Augsburg scheint sich just im richtigen Moment noch gefangen zu haben.
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