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Seite 6 / Nummer 293

SÜD WESTDEUTSCHER SPIEGEL

Mittwoch, 17. Dezember 1952

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In der bayerischen Spielwaren- und Glasbläserstadt Neustadt bei Coburg füllen sich die weihnachtlichen Warenlager. Kleine Weihnachtsbäume, die geschmückt verpackt werden können, werden von jenen Ländern gekauft, denen das Klima ein natürliches Tannen­grün verweigert.

Exkönig Carol n. in Sigmaringen

Exkönig Carol II. von Rumänien und seine Gattin Helena, die ehemalige Madame Lupescu, trafen am Montag auf Schloß Krauchenwies bei Sigmaringen zu einem mehrwöchigen privaten Besuch beim Fürsten Friedrich von Hohenzollem ein. Der Fürst ist Chef des rumänischen Königshauses, das 1866 aus einer Seitenlinie des Fürstenhauses von Hohenzollern -Sig- maringen hervorgegangen war. Exkönig Carol II. steht im 60. Lebensjahr und lebt gegenwärtig in Esto- ril in Portugal im Exil. Er regierte von 1930 bis 1940 und wurde durch Marschall Antonescu gezwungen, zugunsten seines Sohnes Michael abzudanken, der als letzter rumänischer König im Dezember 1947 unter sowjetischem Druck ebenfalls auf den Thron verzich­ten mußte.

Baden-Württemberg braucht Obstbauschulen

Der Leiter der staatlichen Obstbauschule Nürtingen , Landwirtschaftsrat H. Gruft, beanstandete dieser Ta­ge auf einer Tagung der Baumwarte des Kreises Tü­ bingen , daß in Baden-Württemberg , das mit 21000 Hektar über ein Drittel der Gesamtobstanbaufläche des Bundesgebiets verfüge, nur eine Obstbauschule besteht. Gruft wies auf das Beispiel Hollands hin, wo es bei einer Obstanbaufläche von 6000 Hektar 32 Obstbauschulen gebe. Der Mangel an Schulen und Ausbildungsmöglichkeiten zeige sich nicht zuletzt darin, daß in Baden-Württemberg der Durchschnitts­ertrag je Baum mit 126 kg niedriger liege als in an­deren, vergleichbaren Ländern. So betrage der Durch­schnittsertrag in Dänemark , das den Obstbauern ebenfalls bessere Ausbildungsmöglichkeiten biete, 132 kg Obst je Baum.

Fast einen Meter Schnee im Schwarzwald

Nach neuen Schneefällen am Montag und Dienstag hat der Schnee in den Gipfellagen des Südschwarz­waldes wieder fast einen Meter erreicht. Auf Pulver­schnee werden überall gute bis sehr gute Schneever­hältnisse für den Wintersport angetroffen. Auch in der Rheinebene hat sich eine geschlossene Schnee­decke gebildet, so daß Abfahrten bis ins Flachland möglich sind. Im Hochschwarzwald sind neue Schnee­fälle zu erwarten. Bei leichter Frostmilderung blei­ben die guten Wintersportverhältnisse voraussichtlich erhalten. In tieferen Lagen ist mit Regen und Tau­wetter zu rechnen. Die einzelnen Wintersportplätze melden:

Herzogenhorn: 80 cm, 20 cm neu Pulver, minus 9. Feldberg: 70 cm, 15 cm neu Pulver, minus 7. Schau- insland: 60 cm, 15 cm neu Pulver, minus 7. Hinter­ zarten : 40 cm, 20 cm neu Pulver, minus 3. Brend- Rohrhardsberg: 70 cm, 35 cm neu Pulver, minus 6. Kniebis: 50 cm, 10 cm neu Pulver, minus 7. Hornis­grinde: 30 cm, 20 cm neu Pulver, minus 5. Hundseck: 35 cm, 20 cm neu Pulver, minus 7. Ruhestein: 40 cm, 15 cm neu Pulver, minus 6 Grad.

Wie wird das Wetter?

Tauwetter bis in höhere Lagen zu erwarten

Ein Tiefdruckgebiet, das über die britischen Inseln hinweg zur Nordsee zieht, ersetzt die eingeströmte Kaltluft durch mildere Meeresluftmassen, wobei es verbreitet, bis in höhere Lagen, zu Tauwetter kom­men wird. Ueberwiegend stark bewölkt und in Regen übergehender Niederschlag bei lebhaften südwest­lichen Winden. Temperaturen tagsüber bis über 5 Grad ansteigend.

Gesetz über Leitung der Landeskirche

Evangelische Landessynode Baden tagt im neuen Jahr in Herrenalb

Die Evangelische Landessynode Baden wird sich auf ihrer Tagung vom 3. bis 6. Januar 1953 in Herrenalb mit dem vom erweiterten Oberkirchenrat vorgelegten Entwurf eines Gesetzes über die Leitung der Landes­kirche befassen. Im Sinne des Entwurfs ist Kirchen­leitung nicht die Bezeichnung für ein bestimmtes, in seiner Zuständigkeit besonders herausgehobenes Ein­zelorgan der Landeskirche, sondern das Zusammen­wirken von Landessynode, Landesbischof, evangeli­schem Oberkirchenrat und erweitertem Oberkirchen­rat.

Die Leitung der badischen Landeskirche ist nach dem Wortlaut des Entwurfs geistlich und rechtlich eine Einheit, die nicht aufgegeben werden kann. Al­les Recht hat allein dem Auftrag der Kirche zu die­nen. Abgeändert wurde in dem Entwurf die bisherige Bestimmung, nach der 39 Synodale durch die Bezirks­synoden gewählt werden. Damit soll vermieden wer­den, daß das Gesetz bei einer Vermehrung der Zahl der Kirchenbezirke geändert werden müßte. Auch die Zahl der Mitglieder der Landessynode, die vom Lan­desbischof berufen werden, wird von zehn auf vier­zehn erhöht.

Der erweiterte evangelische Oberkirchenrat wird nach dem Entwurf dasjenige Organ der Landeskirche Baden sein, das die Mitglieder der Landessynode, die des evangelischen Oberkirchenrats und die Kreis­dekane zusammenfaßt.

terie-Regiments ißt, das in Fürth bei Nürnberg sta­tioniert ist, wurde für schuldig befunden, in der Nacht zum 28. November auf dem Truppenübungs­platz Hohenfels die 24 Jahre alte Hausfrau Anna Maria Krems mehrmals vergewaltigt zu haben. Beide Urteile müssen noch von der obersten Gerichtsin­stanz in Washington bestätigte werden. Der Hohen- felßer Prozeß wird in einigen Tagen mit der Anklage gegen sieben andere farbige Soldaten fortgesetzt werden, die unter Führung von Bryson und Pugh in der fraglichen Nacht die deutsche Bauarbeiter­kantine des Truppenübungsplatzes Hohenfels über­fallen und die deutschen Arbeiter dort bedroht und mißhandelt haben.

150 Eisenbahnschwellen gestohlen

Auf der Neckartal-Bahnstrecke Eberbach—Hirsch­horn wurden vor kurzem 150 ausgebaute stählerne Eisenbahnschwellen gestohlen. Die Schwellen hatten, wie das Bundesbahnbetriebsamt Mannheim am Diens­tag mitteilt, entlang der Bahnstrecke zwischen und neben den Gleisen gelegen. Die 2,5 m langen Eisen­schwellen, deren Einzelgewicht etwa 70 kg beträgt, sind vermutlich mit einem großen Lastkraftwagen abgefahren worden. Die Bundesbahn nimmt an, daß der Wagen auf der dicht neben der Bahnböschung liegenden Landstraße in Richtung Frankfurt oder in Richtung Heilbronn abgefahren ist.

Jugend ioideit Werheverbof für Fremdenlegion

Das Verbot der Werbung für die französische Fremdenlegion im Gebiet der Bundesrepublik for­derte am Montag der Kreisjugend-Ausschuß Mann­ heim -Land in einem an Behörden und Persönlich­keiten des öffentlichen Lebens gerichteten Schreiben, ln dem Schreiben wird mitgeteilt, daß vor einigen Tagen im Landkreis Mannheim zwei Jugendliche in angetrunkenem Zustand von Werbern der Fremden­legion nach Landau in der Pfalz verschleppt worden sein sollen. Einer der beiden habe fliehen können, von dem anderen fehle bis jetzt jede Spur. Bei der gegenwärtigen Rechtslage stünden die deutschen Behörden derartigem Vorgehen machtlos gegenüber. Das Verhalten der Werber sei einer abendländischen Kulturwation unwürdig. Die im Kreisjugendausschuß zusammengeschlossenen Jugendverbände mahnen in ihrem Schreiben Eltern und Erzieher, die Jugend durch rechtzeitige Aufklärung vor diesen Gefahren zu schützen.

Kaller Krieg auf dem Briefumschlag

Ein Mannheimer Bürger erhielt dieser Tage einen Brief aus Ostberlin , der zwei zeitgeschichtlich bemer­kenswerte Stempel trägt. Der von der Sowjetzonen- Post zum „Monat der deutsch-sowjetischen Freund­schaft“ auf den Brief gestempelte schwarze Aufdruck appelliert an den Empfänger: „Lernt vom Sowjet­volk, lernt vom großen Stalin, wie man den Sozialis­mus aufbaut“ . „und was dabei herausgekommen ist“ lauten die Worte, die von der Post in Westberlin als Kommentar in roter Farbe auf den Umschlag ge­stempelt wurden.

Bühl wiU selbst Siedlungen bauen

Nachdem das Projekt einer geschlossenen Groß Siedlung in Bühl , die mit Hilfe der Lutheran Church im Laufe von zehn Jahren errichtet werden sollte, gefallen ist, beabsichtigt die Stadt Bühl , zunächst selbst eine Siedlung aufzubauen. Wie Bürgermeister Dr. Kist am Dienstag auf Anfrage mitteüte, besteht die Absicht, auch Gewerbebetriebe und mittlere In­dustrien anzusiedeln, da bei der Uebervölkerung der Stadt neue Arbeitsplätze geschaffen werden müssen. Die Stadt hat jedoch, so bemerkte Dr. Kist weiter, die Hoffnung nicht aufgegeben, doch noch amerikanische Mittel für Siedlungszwecke zu erhalten.

Der große Plan, über den die Lutheran Church mit der Stadt Bühl verhandelt hatte, sah die Unterbrin­gung von einigen tausend Siedlern und die Ansied­lung und Erweiterung von Industrien bei Bühl vor. Die Lutheran Church hat jedoch inzwischen ihren Plan abgeändert. Sie will die ihr zur Verfügung ste­henden Mittel für den reinen Siedlungsbau und nicht für die Schaffung neuer und die Erweiterung be­stehender Industrien verwenden. Aus diesem Grund werden die Mittel voraussichtlich auf eine Reihe von Siedlungsprojekten in Deutschland verteilt. Für die Durchführung eines solchen Teilprojekts dürfte auch die Stadt Bühl in Frage kommen. Die Siedlungsaktion wird von der Lutheran Church in Verbindung mit dem Evangelischen Hüfswerk vorbereitet.

Lebenslänglich auch für 2. Gewaltverbrecher

Das oberste Kriegsgericht der 43. US -Infanterie- Division in Augsburg verurteüte am Montag den 23 Jahre alten farbigen Gefreiten Otis J. Pugh wegen Vergewaltigung und Teilnahme an einom Aufruhr zu lebenslänglich Zuchthaus und zu uneh­renhaftem Ausschluß aus der Armee. Damit erhielt Pugh die gleiche Strafe wie sein Mittäter Tommy Bryson am Donnerstag voriger Woche. Pugh, der mit, Bryson zusammen Angehöriger des 169. Infan-

Ein Landesbeamten-Gesetz ist in Sicht

Beamtenbezüge sollen den gestiegenen Lebenshaltungskosten angepaßt werdeu

Der Vorsitzende des Württembergisch-Badischen Beamtenbundes, Brodhag, Stuttgart , gab in Freiburg auf einer Kundgebung des Badischen Beamtenbundes bekannt, daß das badisch-württembergische Innen­ministerium gegenwärtig ein Landesbeamtengesetz vorbereite. Finanzminister Dr. Karl ^Frank wolle die Beamtenbezüge den gestiegenen Lebenshaltungskosten soweit wie möglich anpassen. Auch werde alles ge­tan, um in Baden-Württemberg eine Auszahlung der Zuschläge zu den Gehältern noch vor dem Weih­nachtsfest zu erreichen. Brodhag teilte mit, daß zur Zeit ein Zusammenschluß der beiden benachbarten Landesverbände zu einem einheitlichen Landesver­band Baden-Württemberg des Deutschen Beamten­bundes vorbereitet werde.

Der erste Bundesvorsitzende des Deutschen Beam­tenbundes, Oberregierungsrat Schäfer, Köln , hatte zuvor die baldige Verabschiedung des fast fertigge­stellten Bundesbeamtengesetzes gefordert. In diesem Gesetz müsse den Beamten ausdrücklich das Recht auf politische Betätigung zugestanden werder

Bunker gehören der Bundesrepublik

Das Landgericht Zweibrücken hat in einem zivilen Rechtsstreit um die Eigentumsverhältnisse ah den Bunkern des ehemaligen Westwalls entschieden, daß der Boden, auf dem die Bunker stehen, Eigentum der betreffenden Bauern ist. Die Bunker selbst seien Eigentum der Bundesrepublik. Der Bund könne zwar die Bunker durch beauftragte Firmen „ausschlach­ten“ lassen, es müsse dann aber der ganze Bunker entfernt und der Zustand wiederhergestellt werden, wie er vor dem Bau des Westwalls bestanden habe. Es dürften also nicht nur die wertvollen Materialien aus den Bunkern ausgebaut werden, sondern es müßten auch die übrigen wertlosen Dinge abtrans-

Kurzmeldungen aus Süd Westdeutschland

:: Der Heidelberger Stadtrat wird am kommenden Donnerstag zum erstenmal seit Kriegsende wieder im historischen Saal des alten Rathauses tagen. Der Saal war 1945 beschlagnahmt und seitdem von einem ame­ rikanischen Gericht als Verhandlungsraum benutzt worden. Der Stadtrat hielt seine Plenarsitzungen bis­her in einem Verwaltungsgebäude der Stadt oder in einem Nebenraum der Stadthalle ab.

:: Die in Freiburg erscheinende Zeitschrift „Die illustrierte Woche“ ist für die Dauer von drei Mo­naten in Frankreich verboten worden. Eine Begrün­dung des am Dienstag im Staatsanzeiger veröffent­lichten Verbots wurde nicht gegeben.

:: In Mannheim -Schönau ist der 70. Städtische Kindergarten im Mannheimer Stadtgebiet fertigge­stellt worden. Wie eine Sprecherin des Stadtjugend­amtes am Dienstag bei einer Besichtigung mitteilte, dürfte dieser neue Kindergarten, der mit einem Ko­stenaufwand von 130 000 Mark aus Bundesmitteln er­richtet worden ist, einer der schönsten im ganzen Bundesgebiet sein. Die Anlage enthält zwei Gruppen­räume und (Binen großen Spielraum für Kinder und ist nach den modernsten pädagogischen Gesichtspunk­ten eingerichtet. Es ist vorgesehen, daß die Kinder auch im Kindergarten essen können, hauptsächlich diejenigen, deren Mütter berufstätig sind.

:: Ein Metzgermeister aus Wolfach , der mit dem Ffehrrad unterwegs war, wurde von seinem Schwie­

gersohn mit dem Beü niedergeschlagen, als dieser ihn mit dem Fahrrad überholte. Glücklicherweise traf der Täter sein Opfer nicht schwer, so daß es nur leich­tere Verletzungen davontrug. Als Anlaß zu der Tat werden Familienstreitigkeiten vermutet. Der Schwie­gersohn wurde von der Gendarmerie festgenommen.

:: Zum Dank: für die großherzigen Spenden, ins­besondere die Schulspeisung, die das amerikanische Volk in den schweren Nachkriegsjahren deutschen Kindern zukommen ließ, werden am kommenden Freitag 20 Schulkinder aus dem Schwarzwaldort St. Blasien in ihren heimatlichen Trachten dem amtie­renden amerikanischen Hohen Kommissar Samuel Reber eine Schwarzwaldtanne als Weihnachtsgruß überbringen. In Bonn wül die Schwarzwälder Schü­lertrachtengruppe auch dem Bundespräsidenten und dem Bundeskanzler einen Weihnachtsbesuch abstatten.

:: Mitglieder des Hechinger Kreisrats fuhren dieser Tage mit einem Personenwagen die Straßen im Kreisgebiet ab, um sich ein genaues Bild über den Straßenzustand zu verschaffen. Ein Bürgermeister schlug vor die Kreisratsmitglieder sollten das näch­stemal seinen alten Opel für die Rundfahrt ver­wenden, da sie dann die Schlaglöcher besser fest- halten könnten. Die Kreisratsmitglieder versprachen, den Vorschlag in „wohlwollende Erwägung“ zu ziehen.

portiert werden. Die Grundstücke selbst dürften auch von Beauftragten des Bundes nur mit Geneh­migung des Besitzers betreten werden.

Mörder von Schmiden festgenommen

Der Täter der Mordtat von Schmiden bei Stuttgart ist am Montag von Beamten der Kriminalhauptstelle der Landespolizei in Stuttgart festgenommen wor­den. Er ist geständig. Im Interesse der weiteren Ermittlungen werden weder der Name des Täters noch das Tatmotiv bekannt gegeben.

Am Samstag mittag war in einem Garten zwischen Schmiden (Kreis Waiblingen) und dem Steinhalden­feld bei Stuttgart die Leiche des 21 Jahre alten, aus Ungarn stammenden Bauhilfsarbeiter Johann Fetzer unbekleidet und gefesselt aufgefunden worden

Blutbad im Schafpferch

Am Montagmorgen fand ein Schäfer in seinem Pferch m Sindelfingen 22 verendete Schafe. Die Tiere waren in der Nacht von einem streunenden Hund gerissen worden. Sie waren derartig zugerich­tet, daß ihr Fleisch nicht mehr verwertet werden konnte. Im Kreis Böblingen ist dies in kurzer Zeit der dritte Fall, daß streunende Hunde in Schafpfer­che eindpingen und schweren Schaden anrichten. Vor drei Wochen waren in einem Pferch in Herrenberg von einem Hund 28 Schafe gerissen worden. Damals hatte ein Förster, der hinzugekommen war, den streunenden Hund erschossen.

Der 31jährige Küster Hans Hubert Helpenstein wur­de kürzlich durch das Schwurgericht München-Glad­bach zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilt. Da­mit wurde die grauenvolle Mordtat, die Helpenstein am 27. Januar in einer München -Gladbacher Kirche an seiner 23jährigen Ehefrau verübte gesühnt. Unser Bild zeigt den Angeklagten im Gespräch mit seinem Verteidiger Dr. Esser..

Eine Halbzeitbilanz der ersten Liga Süd

Nur Eintracht, Karlsruher Sportclub und Schweinfurt erreichten das gesteckte Ziel

Die Vorrunde der Süddeutschen Fußball-Meister­schaft 1952/53 ist zu Ende. Ehe die 16 Vereine am 4. Januar nach den Weihnachtsferien das Punktspiel­programm wieder aufnehmen, ist Zeit, Rückschau zu halten.

Mit den besten Hoffnungen starteten alle Mann­schaften im August in die Punktspiele. Aber nur bei drei Vereinen haben sich praktisch alle Hoffnungen erfüllt: beim Herbstmeister Eintracht Frankfurt, beim Karlsruher Sportclub Mühlburg/Phönix und bei Schweinfurt 05. Die westdeutsche Blutauffrischung hat den Frankfurtern sichtlich gut getan. Die Stärke der Frankfurter ist die Deckung, aus der heraus klug operiert wird. „Die Eintracht hat Glück gehabt“, das ist eines der Schlagworte in Süddeutschlands Fußball­kreisen. Vergessen wir aber nicht: Glück hat auf die Dauer nur der Tüchtige. Und diese Eigenschaft kann den Frankfurtern nun einmal nicht abgesprochen werden, obwohl nicht weniger als 6 Spiele in der be­reits einen gewissen Ruhm erlangten 87. Minute ent­schieden wurden, einige andere in den letzten 10 Mi­nuten. Hier hatte die Eintracht immer noch die Kraft, ihre Gegner mattzusetzen. Seit dem 2. Spielsonntag, als die Frankfurter von den Bayern geschlagen nach Hause fuhren, haben die Eintrachtleute kein Spiel mehr verloren. Und das soll in der ausgeglichenen süddeutschen ersten Liga erst einmal ein anderer Verein nachmachen. Daß die Mannschaften im Süden ausgeglichen sind, beweist das einfache Zahlenspiel eines Vergleiches des Tabellenzweiten mit dem Ta­bellenvorletzten. Diese beiden Vereine trennen nur 8 Punkte. In Süddeutschland gibt es also keine Mann­schaften, die als ausgesprochene Punktlieferanten an­gesprochen werden können, wie etwa im Norden, We­sten und Südwesten.

Trotz alledem: die größten Aussichten auf die Mei­

sterschaft räumt man dem VfB Stuttgart und den Offenbacher Kickers ein. Der vierte Platz des VfB ist relativ, denn er hat ja noch ein Spiel ausstehen (gegen die Eintracht). Beide Mannschaften haben in der Rückrunde den großen Vorteil, neun Heimspiele und nur sechs Auswärtsspiele abwickeln zu müssen. Man rechnet in Stuttgart und Offenbach deshalb mit mindestens 18 Punkten (aus den Heimspielen). Das Sprungbrett für die Rückrunde hat man sich aller­

dings günstiger vorgestellt. Die Heimniederlagen des VfB gegen Nürnberg und von Offenbach gegen den KSC verdarben das Rezept ein klein wenig. Stuttgart hoffte auf eine Ausgangsbasis für die Rückrunde von 20:10 Punkten, Offenbach mit einem ähnlichen Konto.

Der VfB Mühlburg , durch die Fusion mit Phönix inzwischen zum Großverein Karlsruher Sportclub Mühlburg/Phönix geworden, erklärte vor dem Saison­start: „Unser Ziel ist es, unter die ersten zwei zu kommen.“ Das ist den Mühlburgem auch geglückt, ob­wohl sie — fast traditionsgemäß — zwischendurch eine Krise mitmachten, die ihnen einen noch besseren Punktestand versagte. Mühlburg mit den Blutauf-

Toto-Volltreffer als Weihnachtsgeschenk

Zwei Frauen und ein Mann als „Stammtipper" belohnt

Drei Toto-Volltreffer vor Weihnachten trafei) zur rechten Zeit vor dem Einkauf am „Goldenen Sonn­tag“ als Ueberraschungsquoten ein. In der Nähe von Köln und außerdem im Kohlenpott hat Fortuna wieder einmal drei Gewinner des West-Süd-Blocks mit je 185 544 Mark glücklich gemacht Stammtipper mit kleinen Beträgen, also keine Systemtipper waren es, die dreimal je 185 544 Mark gewannen. Die 27jährige kaufmännische Angestellte einer Seifen- und Waschmittelfabrik in der Nähe Kölns war nach Feststellung ihres Zwölfers so per­plex, daß sie nicht mehr sprechen konnte, Kamera­dinnen mußten ihr mehrere Male telefonischen Be­scheid einholen, als sie dann erfuhr, daß es wirklich 185 000 DM waren. Mit ihrer Mutter und Geschwi­stern kann sie sorgenlose Weihnacht feiern. Sie aber geht dann ins Gebirge, erstmalig im Leben, um sich dort mit ihrem Glück vertraut zu machen. — In der Nähe von Kassel lachten Vater und Söhne, als Frau Schneidermeister ihre mit Würfeln hervorgebrachte Tipreihe an die „sachverständigen“ Reihen ihrer Männer hinsetzte. Jetzt aber war das Lachen auf

ihrer Seite. Sie holte Vorschuß und die ganze Fa­milie verschwand auf Urlaub. Die Schneider-Werk­statt wqrde geschlossen! — Ueberhaupt nicht anzu­treffen war der Gewinner von Bochum . Die Toto- Glücksbringer fanden die Wohnung verschlossen. Dieser 185 000-Mark-Gewinner war mit Kind und Kegel „abgereist“. Unbekannt wohin! Er genießt sein Glück in der Stille.

Gerade-jetzt am Jahresschluß ziemt es sich, wieder einmal die Toto-Rekordliste in Erinnerung zu rufen. Der deutsche Rekord steht ja bekanntlich auf 384 520 D-Mark, den ein Polizeirentner aus der Kölner Gegend, aus Bergheim , hält. Jetzt kam wieder einer der drei Hauptgewinne nach der Kölner Gegend. — Zweimal stieg seit Bestehen des Fußball-Totos die Quote über 300 000, elfmal über 200 000 und zusam­men kamen (mit den drei neuesten 185 000-Mark- Gewinnem) bereits 58 Glückliche über die 100 000 D-Mark. Rekordquoten des Jahres 1952 sind die zweimal 211 471 D-Mark, die am 29. Juni 1952 nach Wiesbaden und wieder — nach Köln fielen.

frischungen aus der näheren Umgebung wird auch in der zweiten Runde tüchtig mitmischen.

Die große Ueberraschung in Süddeutschland ist je­doch der dritte Platz von Schweinfurt 05 bei Halbzeit. Schweinfurt , das in den letzten Jahren immer hart um den Verbleib kämpfen mußte, ist groß heraus­gekommen — ein Verdienst von Trainer Anderl Kup­fer und vor allen Dingen der Neuzugänge Rath und Osterhorn, die gut eingeschlagen haben. Vor allen Dingen von Rath droht immer Gefahr.

Hoffnungslos ist die Situation noch für keine Mann­schaft: nicht einmal für die Ulmer „Spatzen“, die das Tabellenende zieren. Den Ulmern fehlt aber Spritzig­keit und Reife. Schwere Enttäuschung herrscht in München und Nürnberg . Beide Münchner Vereine un­ter den letzten Vier! Wann hat es das schon einmal gegeben? Und der „Club“, der ein Stück deutsche Fußballgeschichte verkörpert, auf Platz 12 . . . Trotz­dem: Nürnberg ist der Anschluß gelungen. Die Mann­schaft zählt immer noch zu den reifsten in Süd­ deutschland . Aber sie ist zu verspielt. Wenn die ent­schlossene Stoßkraft zurückkehrt, wird mit dem „Club“ wieder zu rechnen sein. Am Ende der Saison sollte er wenigstens unter den ersten sechs stehen.

Mit ihren Mittelfeldplätzen sind Fürth , Waldhof , Kickers Stuttgart, VfR Mannheim, BC Augsburg und Aschaffenburg nicht restlos zufrieden. Denn: was heißt schon Mittelfeldplatz im Süden. Bereits über­morgen kann er mit einem der letzten Plätze einge­tauscht sein, so dicht liegen die Mannschaften bei­sammen. Hier wird es noch erbitterte Kämpfe ab­setzen. Waldhof gefiel durch seine Heimstärke, die Stuttgarter Kickers durch ihre 42 Tore (der höchsten Zahl in Süddeutschland ), denen allerdings auch 39 Gegentore entgegenstehen, und Fürth durch seine wiedererlangte Kampfkraft. Der VfR Mannheim war manches Mal recht launisch. Aschaffenburg verlor nach einem guten Start etwas von seiner Stoßkraft, und der BC Augsburg scheint sich just im richtigen Moment noch gefangen zu haben.

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