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SUDWESTDEUTSCHER SPIEGEL

Mittwoch, 84. Dezember 19*2

Um Fernsehsender im Gebiet von Stuttgart

Vorbereitende Messungen ifir die Aufstellung eines Senders vorgenommen

Weihnochtsierien nach dem Herzen des Winter­sportlers

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Wenn auch in unserer unmittelbaren Umgebung die­ses Jahr zum Fest alles grün ist, so hat der Winter schon in Bergen des nördlichen Schwarzwaldes end­gültig seinen Einzug gehalten. Die Winter Sportler haben sich für die Feiertage Deutschlands Skigebiete als Aufenthalt herausgesucht. Die Skiläufer auf un­serem Bild scheinen im Spätlicht des Tages von ihrer Wanderung heimzukehren. Die langen Schatten deu­ten jedenfalls darauf hin.

Schwarzwald ein schneesicheres Wintersport­gebiet

Der Schwarzwald zählt nicht weniger als 66 Win­tersportplätze in 790 bis 1200 Metern Höhe, von de­nen 14 über 1000 Meter hoch liegen. Die meisten hochgelegenen Wintersportplätze liegen nach einer Aufstellung des Badischen Fremdenverkehrsverban- des damit nicht etwa in Bayern , sondern im Schwarz­ wald . Wenn man berücksichtigt, daß, die Schnee­sicherheit etwa von 700 bis 850 Metern Höhe an in allen übrigen Gebirgen am stärksten zunimmt, darf man den Schwarzwald zu den schneesicheren Winter­sportgebieten zählen. Im Schwarzwald liegt die un­tere Grenze der Schneesicherheit im Durchschnitt der Monate Dezember bis März zwischen 650 bis 700 Metern. Von dieser Höhe an steigt die Schnee­sicherheit rasch an. In der Wintersportsaison De­zember bis März sind im Schwarzwald in 850 Meter Höhe 60 Tage, in 950 Meter Höhe 90 .Tage und darü­ber fast die ganze Saison schneesicher.

Wie wird das Weiter?

Zu den Feiertagen unbeständig und wenig freundlich

Weitere Störungen werden vom Atlantik auf das Festland übergreifen, so daß der unbeständige Wit­terungscharakter keine Aenderung erfahren wird. Es ist auch vorläufig nicht mit einem neuerlichen Kälte­einbruch zu rechnen. Heute und morgen meist dun­stig und ziemlich trüb. Bei mäßigen südwestlichen Winden leichter Sprühregen möglich. Tagestempera­turen um oder etwas über 5 Grad. Am zweiten Feiertag voraussichtlich keine wesentliche Änderung, jedoch leichter Temperaturrückgang.

Der Süddeutsche Rundfunk führt seit zwei Wochen in Verbindung mit dem Rundfunk-Technischen In­stitut Nürnberg im Raum Stuttgart eingehende Mes­sungen durch, deren Ziel es ist, den günstigsten Punkt für die Aufstellung eines starken Fernseh­senders zu finden. Dieser Sender soll bereits im kom­menden Jahr aufgestellt werden.

Für die Messungen werden folgende Geräte ver­wendet: ein Sender, der kurzzeitige Impulse von be­trächtlicher Leistung (einige Kilowatt) aussendet, und ein in einen Volkswagen-Omnibus eingebautes kom­pliziertes Empfangsgerät, das eine genaue Auswer­tung der vom Sender ausgestrahlten Impulse gestat­tet. Der Meßwagen besitzt einen Gittermast, der für die Empfangsbeobachtungen ähnlich wie eine Feuer­wehrleiter hochgeklappt und ausgefahren werden kann. Die Stuttgarter Bevölkerung, die diesen Meß­wagen in sämtlichen Stadtteilen in den nächsten Wo­chen antreffen wird, kann sich dabei selbst ein Bild machen, mit welcher Gründlichkeit in dem bergigen Gelände in und um Stuttgart vorgegangen wird, um für den kommenden Stuttgarter Fernsehsender den günstigsten Aufstellungsort zu finden, der dann tat­sächlich auch in allen Stadtteilen einen guten Emp­fang verbürgt.

Wie in verschiedenen Veröffentlichungen auch in der Stuttgarter Presse bereits mitgeteilt wurde, baut die Bundespost zur Zeit eine Uebertragungsstreeke für Fernseh-Programme, eine sogenannte Dezimeter­verbindung von Hamburg über Hannover , Köln nach Frankfurt . Diese Verbindungsstrecke soll bis zum Herbst nächsten Jahres bis Stuttgart ausgebaut sein, so daß die Stuttgarter Bevölkerung dann ebenfalls in den Genuß des gemeinschaftlichen Fernseh-Pro- gramms der westdeutschen Rundfunkanstalten kom­men kann.

Neue Kehler Rheinbrüche geplant

In Straßburg sind Einzelheiten des kürzlich von der Internationalen Rheinzentralkommission genehmig­ten Projektes einer neuen Eisenbahnbrücke zwischen Kehl und Straßburg bekannt geworden. Die neue Brüche, mit deren Bau im nächsten Jahr begonnen wird, soll die jetzige, unmittelbar nach Kriegsende gebaute eingleisige Brücke ersetzen.

Für den neuen Eisenbahnweg über den Rhein sind zwei parallel laufende Brückenkonstruktionen auf zwei Pfeilern mit je einem Gleis vorgesehen. Die eine Brückenhälfte wird bereits 1954 fertig sein. Die andere Hälfte mit dem zweiten Gleis soll 1956 in Betrieb genommen werden. Die neue Eisenbahnüber­führung wird 3,25 m höher liegen als die jetzige. Auf die gleiche Höhe soll später auch die Straßenbrücke Kehl—Straßburg gehoben werden. Die Fahrrinne für

Kurzmeldungen aus

:: Die Klosterstadt Alpirsbach im Kinzigtal wird nach einer Mitteilung der Eisenbahndirektion Karls­ruhe im kommenden Jahr ein neues Bahnhofs­gebäude erhalten, das die bisherige Bahnhofsbaracke ablösen soll. Für den Bau des Bahnhofs steht der Direktion im Rechnungsjahr 1953 ein Kredit in Höhe von 130 000 Mark zur Verfügung. Weitere 120 000 Mark hofft die Direktion aus eigenen Mitteln auf­bringen zu können.

:: Ein Mannheimer Unternehmer hat die Produk­tion einer zwanzig Gramm schweren Schreckschuß­pistole „Gangsterschreck“ aufgenommen, die am Schlüsselbund getragen werden kann. Die auf Grund der gerade in Mannheim sich häufenden Taxiüber­fälle entwickelte Kleinstpistole aus Messing hat ein Kaliber von drei Millimetern und eine Gesamtlänge von 34 Millimetern. Ein Zelluloidmagazin faßt zwan­zig Schuß Platzpatronen. Die Firma hat bereits einen Exportauftrag nach Schweden über 70 000 solcher Zwanzig-Gramm-Pistolen abgeschlossen.

:: Nach fünfmonatiger Bauzeit ist die neue Hoch­spannungsleitung Stockach — Weüdorf in den letzten Tagen in Betrieb genommen worden. Sie verfügt

die Schiffahrt wird unter der neuen Eisenbahnbrücke 85 m breit sein, während sie gegenwärtig nur 55 m breit ist.

Fürstin zu Wied 75 Jahre alt

Die Tochter des letzten Königs von Württemberg , Fürstin Pauline zu Wied, beging am vergangenen Freitag in Ludwigsburg in aller Stille ihren 75. Ge­burtstag. Die Jubilarin lebt zurückgezogen auf ihrem Gut Marienwahl bei Ludwigsburg . Trotz ihres hohen Alters leitet sie noch das Gestüt „Weil“. Zu ihrem Geburtstag überbrachten ihr der Oberbürgermeister von Stuttgart Dr. Arnulf Klett , der Landrat des Kreises Ludwigsburg , Dr. Hermann Ebinger, und der Oberbürgermeister von Ludwigsburg , Dr. Doch, ihre Glückwünsche.

Deutsch -schweizerische

Zwischen Deutschland und der Schweiz

Die deutsch-schweizerische Grenze steht vor allen deutschen Grenzen in bezug auf die Zahl der Grenz­übertritte bei weitem an erster Stelle. Nach Anga­ben, die am Montag von der Oberfinanzdirektion Freiburg gemacht wurden, sind im Juli^dieses Jahres in der Bundesrepublik rund 9,3 Millionen Grenz­übertritte registriert worden. Davon entfielen 43,8 Prozent auf den Bereich der Oberfinanzdirektion Freiburg . Allein die Grenze zwischen Weil und Kon­ stanz war daran mit 40 Prozent beteiligt. Im Sep­tember dieses Jahres entfielen von acht Millionen Grenzübertritte 3,8 (48 Prozent) auf die im Bereich der Oberfinanzdirektion Freiburg liegenden Grenz­abschnitte mit Frankreich und der Schweiz . Auf die Schweizer Grenze kamen dabei 44,1 Prozent, auf die französische Grenze 3,9 Prozent.

Auch bei den Uebertritten im Kleinen Grenzver­kehr steht die deutsch-schweizerische Grenze an der Spitze. Im Juli wurden im Gebiet der Bundes­republik 5,4 Millionen Grenzübertritte registriert, wovon 3,24 Millionen auf die deutsch-schweizer­ische Grenze entfielen. Von über einer Mülion Kraftfahrzeugen, die im ersten Halbjahr 1952 die deutschen Grenzen in beiden Richtungen passierten, wurden 320 000 im Bereich der Oberfinanzdirektion Freiburg registriert. ,

Schwiegertochter Auriols flog Weltrekord

Die als Fliegerin weltbekannte 34jährige Schwie­gertochter des französischen Staatspräsidenten Auriol stellte am Sonntag einen neuen Weltrekord für Frauen über 100 km Flugstrecke auf, die sie mit dem

S üd Westdeutschland

über eine Spannung von 45 000 Volt und stellt eine wesentliche Verbesserung der Stromversorgung des Bodenseegebietes dar.

Gastod beim Stollenkneten

Bei der Zubereitung des Weihnachtsstollens wur­den ein 76jähriger Mann und sein 49jähriger Sohn in der Nacht zum Sonntag in Coburg durch aus­strömendes Leuchtgas getötet. Beim. Kneten de s Tei­ges muß versehentlich der Gashahn aufgedreht wor­den sein. Als ein' Bäckerbote die Weihnachtsstollen am anderen Morgen abholen wollte, bemerkte er einen starken Gasgeruch. Hausbewohner ließen die Wohnung öffnen und fanden die beiden Männer tot auf ihren Stühlen sitzen. Die Hände des Sohnes waren noch voller Teig. Auf der Schwelle des Sau­mes lag bewußüos die Mutter. Sie wurde sofort ins Krankenhaus eingeliefert und ist außer Lebens­gefahr. Sie war früher zu Bett gegangen, hatte sich über das lange Aufbleiben ihres Mannes und ihres Sohnes gewundert, wollte noch einmal nach ihnen sehen und brach dann bewußtlos zusammen.

Heufi zum Fest in Lörrach

Bundespräsident Theodor Heuß ist am Montag ge­gen 17 Uhr in der südbadischen Grenzstadt Lörrach eingetroffen, wo er im Kreise der Familie seines in Lörrach wohnenden Sohnes, Direktor Ernst Heuß , die Weihnachts- und Neujahrsfesttage verbringen wird. Der Bundespräsident kam von Stuttgart , wo er an der Beisetzung des am Donnerstag verstorbenen FDP -Bundestagsabgeordneten Ernst Mayer teilge­nommen hatte. Professor Heuß reiste ohne jede Be­gleitung in einem Sonderwagen, der an einen fahr­planmäßigen Schnellzug nach Basel angehängt war. Da es sich um einen rein privaten Besuch in der süd­badischen Grenzstadt handelt, hatten sich zur Be­grüßung des Bundespräsidenten am Lörracher Haupt­bahnhof nur Verwandte und enge Freunde eingefun­den. Professor Heuß will bis zum 2. Januar in Lör­ rach bleiben. Während dieser Zeit will er auch Ver­wandten seiner verstorbenen Gattin im benachbar­ten Basel einen Besuch abstatten.

Grenze „stark gefragt''

finden die meisten Grenzübertritte statt

Stundenmittel von 856 km in rund drei Minuten durchflog; Jacqueline Auriol benutzte einen „Mistral 76“ und flog einen festen Kurs zwischen den süd­französischen Städten Avignon und Istres . Erst beim zweiten Versuch konnte sie ihren früheren eigenen Rekord überbieten, den sie im Mai 1951 mit 818 km aufgestellt hatte. Den Weltrekord für Männer über die gleiche Strecke von 100 km hält der amerikani­ sche Oberst Fred J. Ascani mit 1023 Kilometer in der Stunde. Die junge Fliegerin war im November von Präsident Truman mit einem Preis ausgezeichnet worden. Ihr Mann, der Sohn des französischen Staatspräsidenten, ist ebenfalls Flugzeugführer. Einer ihrer beiden Söhne, der 14jährige Jean-Claude, kann auch bereits ein Flugzeug lenken.

Protest gegen Jagd aus dem Hubschrauber

Gegen das unweidmännische Verhalten amerika­nischer Flieger, die seit etwa drei Wochen in den überschwemmten Teilen des Hessischen Rieds, be­sonders im Altrheingebiet, von einem Hubschrauber aus Wildenten, Hasen und Rehwild jagen, hat das Darmstädter Regierungspräsidium bei den zuständi­gen amerikanischen Stellen Protest eingelegt. Regie­rungsdirektor Heinrich Ahl teüte am Montag mit, er habe am Sonntag selbst drei Stunden lang be­obachtet, wie der Hubschrauber in etwa zehn bis fünfzehn Meter Höhe über das Ueberschwemmungs- gebiet flog und aus dem Flugzeug mit Schrotflintein auf die Wildenten geschossen wurde, die seit einigen Wochen zu Tausenden im Ueberschwemmungsgebiet eingeflogen sind. Der größte Teil der angeschossenen Tiere verludere im Wasser, da der Hubschrauber nur auf nicht überschwemmten Erhebungen lande und die Besatzung die dort hegenden Tiere ein­sammle, während die übrigen liegen bleiben.

Aber, aber Herr Inspektor . . .

Einen „Lausbua“ und einen „Rotzbua“ hatte ein Regierungsinspektor aus Freiburg einen uniformier­ten Hilfsposten, der eine französische Garage zu be­wachen hatte, im Februar dieses Jahres nach einer Faschingsveranstaltung genannt. Er hatte den Posten mit den Worten „Was willsch denn du mit deinem komischen Hut?“ angesprochen und mit Fäusten ge­gen das Schilderhäuschen getrommelt. Als der Po­sten ihm mit einer Festnahme gedroht hatte, war .es zu einem Handgemenge gekommen, bei dem der Herr Oberinspektor seinen Gegner mit ein paar wohlgezielten Schwingern für einige Minuten in das Reich der Träume befördert hatte. Wegen dieses eigenartigen Benehmens stand der Inspektor, der bei einer Freiburger staatlichen Behörde tätig ist und früher einmal Polizeibeamter war, nun zum vierten- mal vor den Schranken des Gerichts, da er jedesmal gegen die Strafe von 150 Mark Berufung eingelegt hatte. Aber auch die Kleine Strafkammer des Land­gerichts Freiburg fand, daß das Benehmen des Herrn Oberinspektors eines Beamten unwürdig sei und verwarf die Berufung.

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. und sie sahen seinen Stern'

Die Wissenschaft und der Weihnachts stern von Bethlehem

Am Heiligen Abend glitzert an der Spitze des festlich geschmückten Weih'nachtsbaumes ’■ ein be­sonders hell glänzender Stern. Er ist das Symbol der Gestirnung, die vor rund 2000 Jahren die) Weisen aus dem Morgenlande zur Hirtenhütten nach, Beth­ lehem , zur Geburtsstätte des Heilands, führte. Kein anderes Ereignis am Sternenhimmel hat so stark die Gemüter der Menschen bewegt wie gerade diese Erscheinung. Es ist heute kein Zweifel mehr daran, daß zur Geburt Christi tatsächlich eine Himmels­erscheinung von besonders auffallender und anhal­tender Pracht zu beobachten war. Alle astronomi­schen und auch verschiedene historische Untersu­chungen zeigen, daß die entsprechenden Berichte im Matthäus-Evangelium wahr sind und daß sie hohen geschichtlichen Wert besitzen.

Leider ist der Text des Evangeliums in vielem sehr unklar. Deshalb war es sehr schwer, die wahre Natur des Sterns von Bethlehem festzustellen. In astronomischer Hinsicht wirkte besonders verwir­rend, daß in der Bibel immer nur von einem Stern die Rede ist. Viele Astronomen vertreten deshalb die Auffassung, daß der Christus-Stern ein Komet, und zwar der sogenannte Komet Halley, war. Nach dem englischen Forscher Professor Crow hat dieser Schweifstern, der alle 76 Jahre in Erdnähe kommt, im Herbst des Jahres 742, nach dem alten Juliani­schen Kalender, das heißt nach unserer neuen Zeit­rechnung im Jahre 12 der Zeitenwende, am Himmel gestanden. Als er sichtbar wurde, schickte Raneb - chru, der Oberpriester des Sonnengottes Re in Mem­phis, Putiphra, den Leiter der Sternwarte in Anu, auf eine regelrechte astronomische Forschungsreise in das Land der Israeliten, die die Aegypter Apriu nannten. Dieser Priester und Forschungsreisende, der, nach seinen recht ausführlichen Berichten, ein sehr gründlicher und gescheiter 1 Kopf gewesen sein muß fand den aus China schon angekündigten rot- äugigen Kometen „Sopdet“ am ersten Tage de« Mesori. Die Umsetzung des ersten Mesori aus dem ägyptischen, Kalender nach chronologischen und astronomischen Regeln ergibt den 17. September de» Jahres 12 alter Zeitrechnung, ein Zeitpunkt, zu dem der Stern am Abendhimmel leuchtete. Einige Wochen später hatte sich seine Position am Himmel so weit verschoben, daß er sehr gut den himmelkundigen Magiemin der Richtung von Ost nach West, auf einer 41tägigen Reise, über 1290 km hinweg den Weg nach Bethlehem gezeigt haben kann.

Diese Untersuchungen des englischen Forschers sind zweifellos interessant. Sie stimmen jedoch nicht mit den" geschichtlichen Ereignissen überein, die sich zur Zeit der Geburt Christi zugetragen haben sol­len. So wird im Matthäus-Evangelium erwähnt, daß der Befehl der allgemeinen Schätzung, der Maria

und Joseph zur Reise nach Bethlehem veranlaßt«, von Kaiser Augustus ausging. Während der Regie­rungszeit dieses Herrschers fanden jedoch nur im Jahre 11 und im Jahre 7 vor der Zeitenwende all­gemeine Volkszählungen statt. Also nicht im Jahre 12, dem Jahr des großen Schweifstems. Aber auch das Jahr 1, das nach dem römischen Abt Dionysius Exeguius das Jahr „Incarnatio l5omini“, da s Ge­burtsjahr Christi ist, stimmt nicht. Mehr und mehr kommt man zu der Ueberzeugung, daß Jupiter und Saturn, die im Jahre 7 im Sternbüd Fische wieder­holt so eng beieinander standen, daß ihr Licht zu einem Licht verschmolz, die Messiasgestirnung waren.

Die Konjunktion der beiden Planeten-Sterne war eine dreimalige. Am 29. Mai des Jahres 7 trafen die beiden Planten zum erstenmal zusammen. Die Be­wegung verriet, daß das Treffen damit nicht zu Ende war. Die Magier trafen deshalb Vorbereitungen zum Aufbruch. Als die beiden Sterne nach vier Monaten, am 3. Oktober, zum zweitenmal nebeneinander stan­den, verließen sie ihre Heimat. Anscheinend ist did Stelle des Evangeliums: „Wir haben seinen Stern gesehen im Morgenland“ falsch übersetzt worden. Sie muß richtiger lauten: „Wir haben seinen Stern im Morgenaufgang gesehen“. Die Geschenke, Gold, Weihrauch und Myrrhen, weisen auf ein im Süden gelegene« Land hin, während der Bericht, daß sie

vom Stern nach Bethlehem geführt wurden, auf ein im Osten gelegenes Land — etwa Persien — schlie­ßen läßt. Darauf deuten auch noch einige andere alte Berichte hin, z. B. das „Oprs Imperfectum“, ein la­teinischer Kommentar zum Matthäus-Evangelium, und die „Akte des Apostels Thomas “, deren Spuren sich bis in die mittelalterliche „Legende Aurea “ des Jacobus a Voragine verfolgen lassen. Auf den meisten älteren Magierdarstellungen tragen diese stets per­sische Kleidung. Jedenfalls scheinen die Magier kurz vor der dritten Konjunktion in Jerusalem eingetrof- fen zu sein, etwa am 4. Dezember. Niemand wußte jedoch in der Hauptstadt etwas von dem „neugebo­renen König der Juden“. Dem Bibeltext zufolge sind die Magier dann wieder dem Stern gefolgt, der ihnen die Richtung nach Bethlehem zeigte. Tatsächlich stand das Doppelgestirn Jupiter und Saturn während dieser letzten Magier-Reisetage von Jerusalem aus gesehen genau in der Richtung, in "der Bethlehem liegt. Zu dieser Zeit durchliefen die nahe beieinander stehenden Sterne kurz nach Einbruch der Dunkelheit den Meridian. Die Gestirnung führte die Magier also westwärts zu dgn beiden bethlehemisehen Hügeln, wo die Hütte mit dem neugeborenen Jesuskind stand.

Eines zeigen jedenfalls alle Untersuchungen: Der Bericht vom Stern von Bethlehem ist wahr. Deshalb sollte das Symbol dieses Sterns am weihnachtlichen Lichterbaum nicht nur glänzender Schmuck sein. Er sollte immer wieder alle Menschen daran erinnern, daß vor rund 2000 Jahren unter dem Leuchten des Messiassterns verkündet wurde: „Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen“.

Illusion und Wirklichkeit

Ernste Gedanken zum Weihnachtsfest 1952

In einer großen deutschen Stadt hat ein Kreis von Schriftstellern eine literarische Adventsfeier mit dem Thema „Lametta oder Lukas 2?“ gehalten. Die jungen und älteren Autoren, radikale Christen, radi­kale Sozialisten und radikale Humanisten • vereint, und die Schauspieler und Schauspielerinnen 1 , die ihre Werke lasen, wollten die „Weihnachtsbotschaft ge­gen den Weihnachtsrummel“ stellen. Es war in der gleichen Stadt, in der am Vormittag des ersten Ad­vent, als die Glocken die Weihnachtszeit einläuteten, eine Kamevalsgesellschaft eine öffentliche „Sitzung“ veranstaltete.

Die Schriftsteller hatten den Besuchern ihrer „ra­dikalen“ Adventsstunde vor allem Worte und Verse geboten, die im Erlebnis der ersten Nachkriegsjahre mit ihrer äußeren Not und ihrer inneren Tiefen­bereitschaft entstanden waren. Hernach meinte je­mand, der von dieser Veranstaltung und ihrem The- ,ma gehört hatte, ironisch: „Dann muß man wohl hungern, um richtig Weihnachten feiern zu können“. So alternativ wars bei den um die rechte Weihnacht besorgten Schriftstellern wohl nicht gemeint gewe­

sen. Aber doch sicherlich in der paradoxen Aussage eines 1946 entstandenen Weihhachtsgedichtes: „ . . . ward Armut des Stalles auch unser Teil, und sind uns Krippe und Kreuz beschieden — wie nahe ist uns der Welten. Heil . . .“

Steht dies eine nicht fest: Wir haben Weihnachten in der Gefahr und Weihnachten in der Not erlebt — draußen an der Front und drinnen in der Heimat Aber haben wir das Christfest nicht trotzdem, nein gerade deshalb in seinem Kern gefeiert? Heute ist Weihnachten in Gefahr, ist das Fest selbst in Not. Der Prozeß der Verharmlosung und Verkitschung des Heiligen zum Egoistisch-Familiären und Spie­lerisch-Romantischen ist seit vielen Jahrzehnten, wenn nicht seit mehr als einem Jahrhundert im Gange. Vor fünfzig Jahren schon schrieb Friedrich Naumann : „Christ ist geboren, der Arme, das Kind ohne Bett, da s Kind ohne irdischen Vater — und um diese Geburt zu feiern, werden in allen ehren­werten und begüterten Familien goldene Uhren, ge­malte Tassen, gepolsterte Stühle, schön gebundene Dichtungen, reizende süße Kleinigkeiten verschenkt!

Die Armen erhalten zwar auch etwas — einen Baum im Saal des Gasthofs und einige Filzschuhe, Woll­jacken, Aepfel und Lichter — aber Brüder der Rei­chen sind sie an diesem Tage fast weniger als sonst. Herr Jesus , wozu bist Du eigentlich gekommen? Läßt Du es Dir gefallen, daß diese Gesellschaft Weihnacht feiert? . . .“

Und es gab ja dann auch eine Zeit, die dem Fest der Christen den letzten Sinn nehmen und es zum „Fest der Deutschen “ machen wollte. Noch hören wir die röhrende Stimme eines obersten Propagan­dachefs über den Aether: „Weihnachten — das Fest der deutschen Familie“. Zur gleichen Zeit wurde den Zeitungen verboten, in ihren Weihnachtsartikeln Über j „ein gewisses Kind“ zu schreiben. Es durfte nur vom „deutschen Lichtfest“ die Rede sein . . .

Unterdes ist Weihnachten zum Fest der Hebung des geschäftlichen Umsatzes geworden. Die Licht­reklamen auf den Straßen sind mit dem in uralten Prophetenliedern verheißenen Licht der Weihnacht gleichgeschaltet worden. Und nebenher geht auch noch die Weihnachtsbotschaft von der Krippe, den Hirten und den Engeln. Weniger in Gestalt des Glau­bens als der Erinnerung an längst vergangene Kin­dertage. Aber die Christabendgottesdienste sind überfüllt. Die Krippenromantik gehört dazu wie Schnee, Weihnachtsmärchen, Knecht Ruprecht und Gänsebraten. Auf den Kanzeln mit der gleichen ernsten Absicht dargelegt, daß mit dem Weihnachts­frieden zunächst einmal der Friede in der Seele des einzelnen als Vorbereitung für den Frieden unter den Menschen gemeint sei . . .

Ueberall: Illusion, Illusion. Und die Illusion einer entgötterten Welt, die dennoch Weihnachten feiern will, zerplatzt dann zuweilen mit lautem Knall, wenn man — ein grausiges Symbol! — in der Zei­tung liest, daß irgendwo in einem europäischen Land ein Greis von mehr als 70 Jahren, der in den Waren­häusern den VJeihnachtsmann gemimt hatte, den Gashahn aufdrehte, weil er von seiner kümmer­lichen Rente nicht existieren konnte. „Er glaubte nicht mehr an den Weihnachtsmann . . . .“

Aber Weihnachten ist kein Wintermärchen und keine Illusion. Weihnachten ist Wirklichkeit ohne allen frommen und unfrommen Schein. Es ist Zei­chen der einfachen und zugleich überwältigenden realen Tatsache des Einbruchs des Göttlichen in die Welt.

Wir standen an dem frischen Grabe eines Freun­des — an einem trüben, feuchten Novembertag. Auf dem Hügel lagen noch die Kränze mit dem von der Nässe gebleichten Schleifen. Neben dem neuen Grab war ein älteres, und beide gehörten zueinander. Ueber den Gräbern erhob sich ein Kreuz, auf dem nichts weiter stand als das Weihnachtswort: Ehre sei Gott in der Höhe . . . Sollte hier nicht an der Stätte des Todes lebendig enthüllt sein, was Weih­nachten bedeutet: Die neue Wirklichkeit, die wahre Existenz . . .? Eugen Schmidt