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Mittwoch, 24. Dezember 1952

Nummer 299 / Seite v

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Weihnachtsspielplan ist klein beisammen

Deutsche Mannschaften vorwiegend auf Auslandsreisen

Ueber die Weihnachtsfeiertage reisen mehrere deutsche Mannschaften ins Ausland. So flog bereits die Frankfurter Eintracht mit dem Regierungsflugzeug des Generals Nagib nach Kairo , Tennis-Borussia Berlin weilt ebenso wie Kidcers Offenbach in Spanien , der VfR Mannheim reist über Frankreich nach Gibraltar . Teilweise dehnen sich diese Ferienreisen auch bis Neujahr aus. Am zweiten Weihnachtsfeier­tag gibt es einige Punktespiele.

Elf Zweitligisten beenden die Vorrunde

i. FC Bamberg — Union Böchingen ; SSV Reutlin- gen — VfL Neckarau; Karlsruher FV — Jahn Re­gensburg; Singen 04 — Schwaben Augsburg ; FC Frei- kurs — ASV Cham ; 1. FC Pforzheim — Darmstadt ; ASV Feudenheim — ASV Durlach ; Bayern Hof — Hessen Kassel ; TSV Straubing — SV Wiesbaden.

Der Terminplan der zweiten Liga Süd wurde durch Spielabsetzungen und -Ausfälle gründlich durcheinandergebracht, so daß am kommenden Sonn­tag, an dem die Vorrunde der zweiten Liga Süd hätte abgeschlossen werden sollen, nur elf Vereine ihr „Soll“ erfüllt haben werden. Am weitesten im Rückstand ist der Tabellenzweite Jahn Regensburg, der noch drei Spiele in der Vorrunde austragen muß. Jahn und der Spitzenreiter Hessen Kassel , die beide am vorigen Sonntag pausierten, stehen am letzten Sonntag des Jahres 1952 vor schweren Aus­wärtshürden. Hessen Kassel muß zum Tabellen­dritten Bayern Hof, der im Siegesfalle sogar die Hessen überflügeln kann. Jahn Regensburg reist zum Karlsruher Fußballverein, der sich just im rich­tigen Augenblick wieder gefangen hat und nach seinem Auswärtssieg in Wiesbaden zu Hause als Favorit angesehen werden kann. Niederlagen der beiden Spitzenmannschaften würden zu einer inter­essanten Zusammenballung der Spitzengruppen füh­ren, zumal da auch Wiesbaden und Durlach in den Kampf der Spitzengruppe eingreifen können. Für Wiesbaden ist dazu die Voraussetzung eines Sieges beim TSV Straubing, der allerdings reichlich un­wahrscheinlich erscheint, während der ASV Durlach nicht ganz ohne Hoffnungen nach Feudenheim fährt. Auch der SSV Reutlingen beabsichtigt wieder zur Spitzengruppe vorzudringen, was ihm uarch einen Erfolg über den Tabellenletzten VF Neckarau auch glücken müßte. Neckaraus Situation wird sich damit abermals verschlechtern. Es bleibt ihm nur noch die Hoffnung, daß auch der ASV Cham in Freiburg keine großen Lorbeeren ernten wird. Pforzheims „Club“ dagegen müßte sich etwas aus dem gefähr­lichen Sog durch einen Heimsieg über Darmstadt herausretten können. Union Böckingen hat sich durch eine Reihe von Erfolgen ins Mittelfeld durch­kämpfen können.

Die deutschen Fußballer haben sich zum Jahres­schluß eine große Aufgabe gestellt. Der erste Akt wurde gegen Jugoslawien in Ludwigshafen gespielt, der zweite folgt sogleich am kommenden Sonntag in Madrid gegen Spanien . Der triumphale Erfolg über Jugoslawien ' hat das Selhstbewußtsein der deutschen Fußballer zweifellos erheblich gestärkt. Man braucht nicht besonders zu betonen, daß das „spanische Abenteuer“ ungleich schwerer sein wird, als der so glücklich verlaufene erst Kampf gegen Jugoslawien . Die Strapazen des Ludwigshafener Kampfes, Nachwehen der festlichen Freuden und die Flugreise auf die Pyrenäen -Halbinsel können dabei eine Rolle spielen. Noch viel stärker aber wird sich auswirken, daß die deutschen Fußballer vermutlich für die Furia Espanola als Opfer dafür herhalten müssen, um die unerwartete spanische Niederlage gegen Argentinien vor drei Wochen vergessen zu machen. Das ohnehin temperamentvoll brennende spanische Feuer wird womöglich auf noch größere Hitze gebracht, um den deutschen Gegner zu „ver­brennen“. Aber brauchen war etwa mit ähnlichen Hemmungen nach Spanien starten wie seinerzeit nach Paris ? Bestimmt nicht!

Pedro Escartin „spionierte“-selbst Im Südwest-Stadion war der spanische Verbands­trainer Pedro Escartin ein mehr als aufmerksamer Beobachter. Er tat nichts anderes als kurz vorher Sepp Herberger in Madrid : Ein wenig über den Zaun sehen, was der Nachbar kann! Das ist inter­national so üblich, die gegnerische Mannschaft nach Möglichkeit unter die Lupe zu nehmen. Escartin mußte von der Leistung der deutschen Mannschaft beeindruckt sein. Hinter seinen anerkennenden und höflichen Worten verbarg sich aber doch die Sorge, wie seine eigene Elf mit diesem unerwartet starken deutschen Gegner fertig werden wird. Escartins Aufgabe ist nicht leicht. Er will seine Mannschaft verjüngen. Der erste Schritt wurde vor dem Spiel gegen Argentinien vorgenommen. Die Operation gelang nur teilweise. So schlug der Läufer Ramoni (23 Jahre) glänzend ein. Anders war es mit dem verjüngten Innensturm. Der Mittelstürmer Escudore versagte glatt. Das temperamentvolle Publikum schrie immer wieder: „Zarra-Zarra!“ Es wolle seinen Zarra Wiedersehen, der bei der Weltmeisterschaft in Südamerika Spaniens populärster Spieler war. Ob Zarra wiederkommen wird? Wahrscheinlich, denn das Innentrio versagte gegen Argentinien . Sonst hätte die Feldüberlegenheit gegen diesen Gegner auch ausgewertet werden müssen. Die überragenden Leute waren die Flügelstürmer Basora und Gainza, denen die deutsche Abwehr nur mit sorgfältigstem Markieren Paroli bieten kann. Das Durchschnitts­

in Stuttgart , Karlsruhe und Mannheim weilen internationale Fußballgäste. Am ersten Feiertag ha­ben die Stuttgarter Kickers im Neckarstadion den jugoslawischen Tabellenzweiten Spartak Subotica zu Gast. Am gleichen Tag gastiert beim Karlsruher Sportclub Mühlburg-Phönix der Luxemburgische Meister Spora Luxemburg, der einen Tag später, am zweiten Feiertag, in Mannheim gegen Waldhof an- tritt. Die Oberligamannschaft des VfR Mannheim wird am 21. Dezember in Orleans und am 25. und 26. Dezember in Gibraltar gegen dort stationierte Einheiten der britischen Marine und Luftwaffe Freundschaftsspiele austragen. Durch die in Nord­ afrika herrschenden Unruhen sind die geplanten Spiele des VfR Mannheim in Tunis unmöglich ge­worden. Aus diesem Grund ist der VfR Mannheim mit südfranzösischen und spanischen Vereinen in Unterhandlungen für weitere Spiele getreten.

Eintracht - VfB an Silvester

Der Spielausschußvorsitzende des SFV hat das am 13. 12. ausgefallene Fußball-Meisterschaftsspiel Ein­tracht Frankfurt — VfB Stuttgart auf den 31. De­zember nach Frankfurt angesetzt. Spielbeginn ist 14.30 Uhr. Bekanntlich kommt die Eintracht erst am Vortage von ihrer Aegypten-Reise zurück, beim VfB weilen Bögelein und Retter mit der deutschen Mannschaft in Spanien und kehren ebenfalls erst vor dem bedeutungsvollen Punktespiel zurück.

Nur drei Spiele bei Nordbadens Amateuren

Viernheim — Brötzingen; Leimen — Mühlburg - Phönix; Friedrichsfeld — Knielingen.

In der nordbadischen Fußballamateurliga finden am kommenden Sonntag nur drei Spiele statt, deren

alter der spanischen Elf, die gegen Argentinien an­trat, betrug 26,5 Jahre.

Siegreiches Team braucht nicht geändert zu werden

Es gab einmal eine glückliche Aera im deutschen Fußball. Sie begann, als damals die „Breslauer Elf“ gefunden war. Ob ein ähnlicher Abschnitt vor uns liegt, seit die „Augsburger Elf“ gefunden wurde? Der Bundestrainer wird zufrieden mit der Mannschaft sein, die nach der Schweiz nun auch Jugoslawien besiegte; Diese Erfolge müssen neuen Impuls geben. Jedenfalls sieht jetzt die Aufgabe leichter lösbar aus. Auf einen deutschen Erfolg in Madrid kann man kaum rechnen, höchstens hoffen. Aber die deutsche Mannschaft wird in zuversichtlicherer Stimmung fahren. Dieser Sieg über die eingespielte Mannschaft des Olympiazweiten Jugoslawien kann kaum ge­schmälert werden.

Uebrigens haben die deutschen Fußballer bei dem wechselvollen Abschneiden mit Spanien auf spani­schem Boden recht gut abgeschnitten. Das gilt nicht nur den Erfolgen deutscher Vereinsmannschaften südlich der Pyrenäen , etwa dem 1. FC Nürnberg,

Wer den letzten BMW -Wagen der Vorkriegszeit kannte und als Fahrer seine vorzüglichen Eigen­schaften schätzen lernte, sah dem Wiedererscheinen der neuen BMW -Wagen der Nachkriegszeit erwar­tungsvoll entgegen. Nach langen Jahren des Wieder­aufbaues, zäher Entwicklungsarbeit und ausgedehn-

ter Versuche ist jetzt der neue BMW 501 auf den Markt gekommen, der an die alten BMW -Tradition anschließt, und dabei aber alle Vorzüge und Verbes­serungen der Neuzeit auf dem Gebiete des Auto­mobilbaues auf sich vereinigt. Der neue Wagen, der als sechssitzige Limousine ab Werk München 15 150 Mark kostet, ist ein Fahrzeug für den anspruchsvol-

Ausgang nur für die Reihenfolge irn Mittelfeld der Tabelle maßgebend ist. Für Brötzingen und Friedrichs­ feld dürften knappe Erfolgsaussichten bestehen. In Leimen steht Mühlburg -Phönix vor einer schweren, doch keineswegs unlösbaren Aufgabe.

Zum 17. Mal Australien - USA im Daviscup

Adelaide ist vom 29. bis zum 31. Dezember Schau­platz des Endkampfes um den diesjährigen Davis­pokal, der Herausforderungsrunde zwischen Austra­ lien und den USA . Beide Nationen standen sich bis­her 16mal in der Herausforderungsrunde gegenüber, wobei die USA neunmal und Australien siebenmal erfolgreich blieben. Insgesamt brachten es die USA auf 17, Australien auf 10 Siege in diesem Wettbewerb. Australien holte sich den Pokal aus den USA 1950 und verteidigte ihn 1951 mit 3:2 erfolgreich.

Australien gilt auch für diese 17. Begegnung in Adelaide als klarer Favorit. Mit seinen beiden Wim­bledon-Siegern Sedgman, McGregor sowie Rose und dem Nachwuchsspieler Hoad haben die „Känguruhs“ eine überaus starke Vertretung zur Stelle, gegen die die „Yankees“ mit Seixas, Trabert, Richardson und Clark einen sehr schweren Stand haben werden. Sei­xas gelang zwar kürzlich auf australischem Boden ein glatter Erfolg über Sedgman, ob er ihn jedoch inj Davispokal wiederholen kann, ist mehr als frag­lich. Der Weltranglisten-Erste Sedgman ist für seine beiden Einzelpunkte gut, und auch das Doppel, seit langem eine Domäne .der Australier, dürfte einen klaren Sieg bringen, mit welcher Kombination die „Känguruhs“ auch spielen werden. Auch der zweite australische Einzelspieler müßte gegen den zweiten der USA einen Erfolg buchen können, und es ist durchaus möglich, daß nur Seixas den Ehrenpunkt für den Herausforderer durch einen Erfolg über Au­ straliens Nummer zwei herausholen kann. So kann ein glatter 4:1-Gewinn Australiens herausspringen. Selbst ein 5:0 könnte nicht überraschen. Ein knap­peres Ergebnis ist nur möglich, wenn neben Seixas auch Trabert 'oder Richardson über sich selbst hin­auswachsen.

der Spaniens Spitzenmannschaften schlug. Auch die- deutsche Ländermanhschaft blieb bisher dort erfolg­reich. Die Chance des Platzvorteils wiegt da an­scheinend nicht so schwer.

45 Minuten Originalbericht aus Madrid

Auf eine Uebertragung vom Länderspiel Spanien gegen Deutschland am 28. Dezember in Madrid hat der DFB keinen Einfluß. Direktübertragungen aus dem Chamartin-Stadion steht also nichts im Wege. Wie wir erfahren, werden die spanischen Sender den gesamten Spielverlauf, die deutschen Sender die zweite Halbzeit übertragen. Reporter ist Karl Brum­me. Da das Länderspiel erst um 15.30 Uhr deutscher Zeit beginnt, ist mit der Rundfunkreportage aus Ma­ drid zwischen 16.15 Uhr und 17.00 Uhr zu rechnen.

len Fahrer. Leistung, Form und Linie, Geräumigkeit und Innenausstattung sind der Gegenwart angepaßt.

Das äußere Bild des Wagens vermittelt einen ge­pflegten Eindruck. Die gewölbte, großflächige Wind­schutzscheibe ohne Mittelsteg bietet eine ausgezeich­nete Sicht. Der rechte Vorderkotflügel ist vom Fah­rersitz aus gut sichtbar, so daß das Fahren und Par- ■ken erleichtert wird. Die Seitenfenster sind voll ver­senkbar. Die strömungsgünstige, viertürige Karosse­rie, bei deren Entwicklung größte Sorgfalt darauf verwendet wurde, sechs Fahrzeuginsassen behaglich Platz zu bieten, entspricht in ihrer Formschönheit und reichhaltigen Innenausstattung neuzeitlicher Au­tomobil-Architektur. Lüftung und Beheizung erfol­gen nach modernen Gesichtspunkten.

Interessant ist ein Blick auf die technischen Daten des BMW 501. Er hat einen Sechszylinder-Viertakt- Reihenmotor mit einer Leistung von 65 PS bei 4400 U/min. Der Hubraum beträgt 1971 ccm. Der Kraft­stoffbehälter, der im Wagenheck untergebracht ist, faßt 58 Liter, davon acht Liter Reserve. Der Benzin­verbrauch beläuft sich auf 10 bis 12 Liter pro 100 km je nach Fahrweise. Die Höchstgeschwindigkeit ist mit 138 Stundenkilometer angegeben; Autobahn-Dauer­geschwindigkeit 120 km. Der neue BMW a^s neuestes Fahrzeug auf dem deutschen Automarkt wird im In- und Ausland seine Freunde finden.

Nun hinein ins Feuer der Furia Espanola

Deutschlands Fußballer treten am 28. Dezember in Madrid gegen Spanien an

Der neue BMW 501 ist jetzt herausgekommen

Die mit Interesse erwarteten BMW -Wagen sind da - Fahrzeugtyp Air anspruchsvolle Fahrer

Vom deutschen FuBballsieg gegen Jugoslawien

Vor 70 000 Zuschauern schlug die deutsche Fußbai l- Nationalmannschaft am 21. Dezember im Ludwigs - hafener Rheinstadion die Mannschaft von Jugoslawien mit 3:2 Toren. (Wir berichteten bereits am Montag

ausführlich über dieses temperamentvolle Spiel).

„Lepa, Lepa" schrie Miss Buza

Nachklänge zum Ludwigshafener Fußball- Länderspiel

Nur klein war die Kolonie der Jugoslawen auf der Riesentribüne des Ludwigshafener Stadions, als Deutschlands Fußballer gegen Jugoslawien aus dem 1:2 einen 3:2-Sieg erfochten. Eine nette interessante schwarzhaarige Frau saß neben unserem E. L.-Repor- ter. Sie war aus Jugoslawien . Dies stellte sich heraus, als Deutschland in Führung ging. Miss Ruza (auf deutsch „Fräulein Rosa“) war erschreckend bleich. Sie brüllte aber anschließend „Lepa, Lepa“ („schön, schön“), als ihre Landsleute im Hexenkessel der 70 000 ausglichen und dann sogar mit 2:1 in Führung gingen. Ihre zarte Hand „zertrümmerte“ fast die Schulter des Zeitungsmannes, als sie ihre Freuden­ausbrüche auf schwachen Reporter-Schultern aus- . tobte. Doch nur kurze Zeit lachte sie. Ihr Gesicht wurde wieder streng slawisch, ihre grellgrüne Kopf­bedeckung schien sich gelb vor Neid zu verfärben, als es 2:2 hieß. Und wirklich, Tränen tropften aus ihren schwarzen Augen, als unser Rahn den „Rahm “ für Deutschland durch sein drittes siegbringendes Tor abschöpfte ...

Totoquoten

West-Süd-Block:

Zwölferwette: 1. Rang: 72 Gewinner je 7470.90 DM. 2. Rang: 2467 Gewinner je 217.70 DM. 3. Rang: 27 022 Gewinner je 19.70 DM.

Zehnerwette: 1. Rang: 887 Gewinner je 368.40 DM. 2. Rang: 13 264 Gewinner je 24.40 DM. 3. Rang: 85 644 Gewinner je 3.60 DM.

Toto-Gewinnauszahlung frühestens am 27. Dezember

, Die Gewinne des 21. West-Süd-Wettbewerbs kön­nen, wie der Württembergisch-Badische Toto mitteil­te, wegen der Feiertage und der Schließung der Post­scheckämter frühestens am 27. Dezember'ausgezahlt werden.

firnfinn Bergmann kommt nicht

Der norwegische Ski-Verband gab am Montag offiziell bekannt, daß der Olympia-Sieger im Spe­zial-Sprunglauf, Arnfinn Bergmann, nicht nach Deutschland reisen wird. Bergmann sollte einen Lehrgang der deutschen Spezial-Springer leiten und außerdem Anfang Januar an verschiedenen Sprung­lauf-Wettbewerben in Deutschland teilnehmen. Berg­manns Landsmann Halvor Naess, der zusammen mit Toni Brutscher vierter beim Spezial-Sprunglauf in Oslo wurde, wird an seine Stelle treten.

Wintersport im Schwarzwald

Das Schwarzwälder Wintersportprogramm erlebt an den Weihnachtsfeiertagen seinen ersten Höhe­punkt. Am zweiten Feiertag geben sich die Schwarz­wälder Skispringer in Schönwald und Furtwangen ein Stelldichein. Da die beiden Schanzen nur fünf Kilometer auseinanderliegen, ist es wahrscheinlich, daß die Springen zeitlich so gelegt werden, daß die Teilnehmer sich an beiden beteiligen können. Auf der Hundseck führt der Skiclub Bühlertal seinen Weihnachtstorlauf durch, zu dem zahlreiche bekannte Schwarzwälder gemeldet haben. Der in Wieden vor­gesehene Abfahrtslauf auf dem Rollspitz wurde auf 28. Dezember verlegt.

Wirtschaftlicher Rückblick und Ausblick

1952 kritisch, aber ohne Erschütterungen - Problematische Aufgaben stehen bevor

Von Arbeitsminister Ermin Hohlwegler

Die Tätigkeit des Arbeitsministeriums erstreckt sich für das neue Bundesland zeitlich nur auf das zweite Halbjahr. Zunächst war es notwendig, die Organisation zu stellen unter Heranziehung guter Mitarbeiter aus den alten Ländern. Sie ist entstan­den mit geringem Personalaufwand und unter Ab­gabe der Verwaltbungsarbeit an die Landesmittel­behörden.

Der Bund hat ein neues Betriebsverfassungsgesetz erlassen, dessen Zustandekommen sehr umstritten war und künftighin auch noch umstritten sein wird. Unser Land, besonders aber Südbaden, mußte eine enorme Verschlechterung eintauschen. Das neue Ge­setz bringt nur im sozialen Sektor das unmittelbare Mitbestimmungsrecht, hingegen im personellen eine Abschwächung und im ökonomischen Abwandlun­gen. Die Arbeitnehmer haben in größeren Betrieben mit dem Arbeitgeber Wirtschaftsausschüsse zu bil­den, die zu einer vertrauensvollen Zusammenarbeit' in den Betrieben mit der Weitung des Blickfeldes für alle Wirtschaftsvorgänge, auch für die Arbeitneh­merseite, führen können. Es wird sich zeigen, wie sie funktionieren und ob dort in aller Offenheit und ln gegenseitigem Verantwortungsgefühl gearbeitet wird. Alle bestehenden Aufsichtsräte und die, die in den größeren Unternehmungen errichtet werden müssen, werden zu einem Drittel mit Arbeitnehmern besetzt. Auch die Handhabung dieser Gesetzesbestimmung seitens der Unternehmerschaft wird den Belegschaf­ten zeigen, inwieweit ihnen Vertrauen bei der Fest­setzung der Zahl der Gesamtaufsichtsratsmitglieder durch die Gesellschaften entgegengebracht wird. In Unternehmungen, die mehrere Betriebe haben, kann ein Gesamtbetriebsrat errichtet werden. Das ist eine Neuerung, weil die Betriebsrätegesetze aller Länder bis jetzt nur den Begriff „Betrieb“ kannten. Das Ge­setz ist eine Aufforderung an die Wirtschaftstenden,

also Arbeitgeber und Arbeitnehmer, auf der jetzt bestehenden Grundlage zusammenzuarbeiten. Kei­nesfalls wäre es gut, wenn die Handhabung des .Ge setzes nur aus Rechtsdeuteleien und die Inanspruch­nahme der Arbeitsgerichte bestünde. Diejenigen, die die Zusammenarbeit frei und vertrauensvoll finden, werden besser daran sein, als jene, die bei jeder Zu­sammenarbeit zuerst das Gesetz befragen.

Die Kriegsopferverbände haben mit ihrem Ver­langen auf eine 13. Rente als Teuerungsausgleich im Bundestag bei den größeren Parteien Entgegen­kommen gefunden. Diese wurde hälftig vor Weih­nachten, der Rest im Mai 1953 gezahlt.Rentner au§ der Invaliden- und Angestelltenversicherung erhal­ten eine mäßige Erhöhung, die aus Gerechtigkeits­gründen, und weil es durchaus möglich wäre, 10 Pro­zent hätte betragen müssen.

Im Arbeitsleben ist es ohne große Auseinanderset­zungen und ohne Erschütterungen für die Wirtschaft gerade noch abgegangen. Mehrmals sah es kritisch aus. Die Lehren daraus zu ziehen, sollte nicht ge­scheut werden.

Wenn auch die Organisation des Arbeitsministe­riums im hauptsächlichsten steht, müssen jetzt noch einige Landesmittelbehörden weniger umorganisiert, als eher verstärkt und auch in neue zusätzliche Auf­gabengebiete eingewiesen werden. Das Arbeitsmini­sterium sieht sich genötigt, den Arbeitsschutzdienst zu verstärken. Bei einem größeren Teil der Industrie und des Handwerks finden wir beim technischen und beim sozialen Arbeitsschutz befriedigende Zu­stände. Aber in vielen Mittelbetrieben und dann in verschiedenen Sparten bei Handel und Handwerk kennen wir Zustände, die oftmals ein sofortiges Ein­greifen erfordern. Auch die Wirtschaft könnte dem Staat Kosten ersparen, wenn sie mehr mithelfen würde. Ueber die Lehrlingsverhältnisse werden zur 1

Zeit Erhebungen angestellt; die Oeffentlichkeit wird I wird, wie wir ihn kennen, ob der Verhaltenheit oder

von deren Ergebnis erfahren.

Für die Einführung eines 9. Schuljahres fehlt es an Lehrern und an Schulräumen, aber auch an der Einsicht mancher Volkskreise. In der Schweiz wer­den in der Volksschule mindestens zwei Sprachen gelernt, in Amerika kann keiner unter dem 16. Jah­re aus der Schule kommen. Beide Länder sind uns aber im Bildungsniveau und Amerika in der Pro­duktion sogar haushoch überlegen. Wir müssen dem jungen Menschen mehr das Rüstzeug vermitteln, das er in seinem Beruf und für das Leben braucht.

Im Sozialgerichtswesen besteht im Lande Baden- Württemberg eine Rechtsuneinheitlichkeit, die auf Landesebene nicht ängeglichen werden kann, weil der Bund hier bereits gesetzgeberisch tätig geworden ist. Die Gerichte werden örtlich so gelegt, daß ein Rich­ter voll ausgelastet ist; die sogenannten fliegenden Kammern werden bevölkerungsnah arbeiten ^können.

Der gute Landesdurchschnitt an Arbeitslosen in Baden-Württemberg (ca. 3 Prozent) besagt nicht, daß alle Bezirke gleich gut beschäftigt sind, sondern es gibt starkprozentige Arbeitslosennester, die im Pro­gramm für die Arbeitsbeschaffung volle Aufmerk­samkeit haben müssen. Das Landesarbeitsbeschaf- fungsprogramni wird sich zunächst auf die Vermeh­rung der Arbeitsplätze beziehen müssen, die von der Witterung unbeeinflußbar sind. Erst nach dem Win­terauslauf besteht Aussicht auf Durchführung von Projekten des Sofortprogramms. Bei der angespann­ten Finanzlage des Landes sind die Aufwendungen, die für die Arbeitsbeschaffung gemacht Werden, hö­her zu bewerten, als dies vordem der Fall war.

Der „Arbeitsgemeinschaft für Wirtschafts- und Arbeitsbeziehungen“ wurde arbeitgeber- und arbeit- nehmerseits verhalten zugestimmt. Sie hat gute Fortschritte gemacht und Erfolge zu verzeichnen. Bei einer Industriegewerkschaft hat sie völlige Ableh­nung erfahren. Arbeitsminister Stetter hat während seiner Tätigkeit als Minister manches für die Ver­ständigung der Partner im Wirtschaftsleben erbrin­gen können. Er führt diese Arbeitsgemeinschaft und

Ablehnung sich nicht entmutigen lassen. Verbände mit vorgefaßter Meinung sind ungleich schwerer zu­sammenzubringen, als mutvolle Einzelpersönlichkei­ten. Wer die richtigen sucht, wird sie finden. Nichts gegen die Partner und ihre Vertragsautonomie soll und wird hier gesagt werden. Das kann aber kein Hindernis sein, von denen, die jahraus jahrein Zu­sammenarbeiten, diejenigen zu Gesprächen zusam­menzuführen, die guten Willens sind. Wir müssen das Zusammenleben fördern, in der Wirtschaft zuerst.

Das Land Südbaden hat bis jetzt ein funktionsfä­higes Schlichtungswesen. Es ist geeignet, auch hart­näckige Partner zum Vertragsverhältnis zu führen. In den nördlichen Teilen des Landes ist die Ver­tragshilfe des Ministeriums beansprucht worden. Das Schlichtungswesen für das ganze Land wird von der Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite kaum noch ab­gelehnt. Das Ministerium hat kein Interesse, sich in die Regelung der Arbeitsbeziehungen einzumischen. Eine Schlichtung, bei der die freigebildeten Schieds- ausschüsse auf autonomer Grundlage den Vorzug haben sollen, ist jedoch vonnöten. Die Vergangenheit hat gelehrt, daß solche Schiedsstellen nicht funktions­fähig geworden sind, weil der eine Partner durch Fernbleiben die Schlichtung verunmöglicht hat. Zweitrangig und dort, wo erhebliche Gefahren für die Allgemeinheit bestehen, muß die staatliche Schlichtung tätig werden können.

Das Leben steht nie still und dem Ministerium stehen für das Jahr 1953 organisatorische, gesetzge­berische und auch problematische Aufgaben bevor. Die Mitarbeiter sind aufgeschlossen und immer be­reit, die Partner im Wirtschaftsleben zu beraten, aber auch allen kleinen Leuten mit Alltagssorgen, die in unserem Bereich liegen, zu helfen. In den Sprechstunden bei der Bevölkerung hat sich gezeigt, daß der überwiegenden Mehrheit aller Ratsuchenden geholfen werden konnte. Gerade die Aermsten der Armen sollen wissen, daß sie Rat und Hilfe auch im Einzelfall erbitten können, mündlich oder schriftlich. So sehen wir die Aufgabe zu Beginn.