Montag, 18. September 1950
SCH EHEN
ZEITG
Sfmtiu als Vatlild
Das Ereignis des Sonntags war für Offen burg das Fußballspiel um den Bundespokal Nordbaden—Südbadeir auf der Stegermatt, das übrigens zehn Minuten zu früh angepfiffen wurde. War es ein Zufall, daß sich beide „Länder“ acht Tage vor der Volksbefragung, ob sie wieder zueinander wollen, auf dem Fußballplatz gegenüberstanden? Man ist versucht, dieses durch Los zustande gekommene Zusammentreffen eine Laune des Schicksals zu nennen. Wollte es schauen, ob sich beide Landesteile noch gut vertragen? Die Repräsentanten von Nord und Süd ließen in dieser Beziehung keine Wünsche offen. Es war ein faires Spiel in freundschaftlichem Geist. Der Stuttgarter Schiedsrichter leitete souverän. Auch die badische und die Bundesflagge neben der vollbesetzten neuen Tribüne haben gut zueinander gepaßt Wenn die Gemüter in den beiden politischen Lagern nur ebenfalls so ruhig blieben, wie es die beiden Lager der Anhänger von Nord und Süd gestern waren. Die Sportler gaben wieder einmal ein Vorbild.
Nach Spielende setzte ein großer Zustrom nach dem Vergnügungspark auf der Kronenwiese ein. Wider Erwarten hatte Petrus ein Einsehen, so daß die Schausteller wohl auf ihre Rechnung kamen. Die Jugend hatte natürlich am Abend noch nicht genug, als die Karussells die letzte Runde drehten, die letzte Schallplatte ablief, die Drehorgeln verstummten und die bunten Lichter erloschen. Aber heute beginnt ja erst der richtige Jahrmarkt. Vom Marktplatz bis zum Oelberg stehen die Stände. Sie warten auf die Besucher von Stadt und Land. Es wird jeder etwas finden.
Die Hilber-Messe in HL Kreuz
Am Sonntag sang anläßlich des Patroziniumsfestes der Hl.-Kreuz-Kirche der Kirchenchor unter Leitung von J. M. Fasbender eine Messe in D-Moll des Schweizer Komponisten J. B. Hilber. Das Werk liegt stilistisch zwischen der Linie der Romantik und moderner Harmonik. Die Partitur ist sehr ansprechend und eingängig, durchsichtig und klar im Bau. Der Kirchenchor hat mit seiner Leistung wiederum seine Qualitäten bewiesen, die ihm — unter exakter Schulung J. M. Fasbenders — einen beachtlichen Namen und Ruf verliehen haben. Als Solisten waren die Sopranistin "Angela Rohrbach, Karlsruhe , und der schon öfters gehörte Offenburger Bariton Hans Haa- ser, eingesetzt worden. Der Bariton sang mit sehr ansprechendem Ton, sicher und dominierend. Die Sopranistin stand etwas zu weit zurück und kam so stimmlich nicht voll zur Geltung. Die Messe, die öfters an Kompositionen moderner deutscher Komponisten erinnert (O. E. Schilling), stellt eine wesentliche Bereicherung musikalischer Kirchenliteratur dar, obwohl sie nicht als modern oder neu gelten kann. Sie gab dem festlichen Hochamt einen tiefen Gehalt und war der würdige Mittelpunkt des Patroziniumsfestes in der Hl.-Kreuz-Kirche, von der aus diesem Anlaß die Kirchenfahnen wehten. or.
Wir gratulieren
73 Jahre alt wurde dieser Tage Karl Sertel, wohnhaft in der Grabenallee 14.
Von der Deutschen Angestellten-Gewerkschaft, Ortsgruppe Offenburg , wird uns geschrieben:
Die Wirtschaftspolitik der Bundesregierung hat für die Arbeitnehmer Verhältnisse ausgelöst, die die soziale Verpflichtung diesen gegenüber vermissen lassen.
Der sich aus dem Mißverhältnis von Preisen und Löhnen und Gehältern ergebende niedrige Stand der Realeinkommen der Arbeitnehmer und anderer sozial schwacher Gruppen, entspricht in keiner Weise deren berechtigten Ansprüchen auf angemessene Beteiligung am Sozialprodukt. Die Realeinkommen entsprechen zudem nicht den Leistungen der Arbeitnehmerschaft beim Neuaufbau der westdeutschen Wirtschaft. Diese Tatsachen rechtfertigen die von der DAG eingeleiteten Tarifbewegungen.
Die Arbeitslosigkeit hat immer noch einen Umfang, der weit über das aus strukturellen Gründen erklärbare Maß hinausgeht. Die Massenarbeitslosigkeit ist aber die Quelle sozialen Elends und damit auch die Ursache einer tatsächlichen und weiterhin möglichen politischen Fehlentwicklung.
Der Hauptvorstand der DAG gibt der Meinung Ausdruck, daß die derzeitige Wirtschaftspolitik sich nicht als das geeignete Mittel erwiesen habe, um der bisherigen Schwierigkeiten Herr zu werden. Der unter Kriegs- und Nachkriegsfolgen in besonderem Maße leidenden westdeutschen Wirtschaft fehlen wesent
In diesen Tagen hat die Weinlese bereits begonnen. Der Termin ist in den Dörfern der Niederung immer früher gelegt als zum Beispiel in dem Gebirgsdorf Durbach . Der wochenlange Regen hat dem Behang viel geschadet In den Berglagen allerdings ist noch mit guten, gesunden Leseergebnissen zu rechnen. Hier wird auch die Qualität eine weit bessere sein als in den nieder gelegenen Reben. Das war immer so, aber dieses Jahr wird dies besonders stark hervortreten.
Hinzu kommt, daß in verschiedenen Gegenden die Hagelwetter große Schäden verursacht haben, die sich jetzt erst richtig auswirken, da die angeschlagenen Trauben infolge des regnerischen Wetters in Fäulnis übergehen und die gesunden Trauben anstecken. Aus diesem Grunde waren die Reb- gemeinden auch gezwungen, die Vorlese etwas auszudehnen und früher als beabsichtigt zu herbsten. Die gesunden Trauben versucht man nun noch etwas stehen zu lassen, in der Hoffnung, daß ihnen noch ein paar Sonnentage beschieden seien und die Oechsle-Grade, die bisher bei 80 bis 90 liegen, noch steigern werden.
Dfe Hoffnungen auf einen sowohl qualitativ wie quantitativ hervorragenden Herbst haben sich, das kann in Bezug auf die Qualität heute schon gesagt werden, nicht erfüllt. Damit schwinden aber auch die Hoffnungen, daß das „Viertele“ nach dem Herbst billiger würde, immer mehr, es müßte denn sein, daß die reichliche Ernte zu einer Preissenkung der Tischweine führt.
Aus den schon angeführten Gründen ist die diesjährige Weinlese sehr früh. In normalen Jahren liegt die Lese meistens in der Mitte des Monats Oktober. Selten liegt sie in der zweiten Hälfte des September. Aller
liche Voraussetzungen zu einer solchen Wirtschaftspolitik.
Der. Hauptvorstand der Deutschen Angestellten-Gewerkschaft fordert, daß die Bundesregierung die Ueberwindung des aus Arbeitslosigkeit herrührenden sozialen Elends zum Leitmotiv ihrer Wirtschaftspolitik macht. Die aus diesen Erwägungen zu fordernde Vollbeschäftigungspolitik gebietet insbesondere eine Geld-, Kredit- und Investionspolitik im Sinne einer straffen staatlichen Lenkung. Die Behauptung, eine derartige Politik führe zwangsläufig zur Rückkehr in allseitig nicht gewünschte Formen der Zwangswirtschaft, ist nicht beweisbar
Eine Besserung der Beschäftigungslage und die daraus resultierende breitere Streuung der Kaufkraft wird sich auch auf die Realeinkommen dadurch günstig auswirken, daß sie die Möglichkeit einer sozialen Steuerpolitik schafft. Die aus dem Neuzugang von Beschäftigten zu erwartende Steigerung der Produktivität wird eine unerwünschte Preisentwicklung verhindern.
Die in Auswirkung der gegenwärtigen Wirtschaftspolitik für die Arbeitnehmer geschaffene unbefriedigende Lage erfährt eine Verschärfung durch den Umstand, daß der von der Bundesregierung verfolgte Kurs nicht einheitlich ist, insbesondere wird auf den Widerspruch hingewiesen, der zwischen der Linie des Bundeswirtschaftsministeriums und dem Agrarprotektionismus des Bundesernährungsministeriums liegt.
dings gab es auch schon Jahre, in denen man früher mit der Lese begann oder beginnen mußte. 1540 waren die Trauben schon in der Mitte des August aüsgereift. In jenem Jahr hatte es von März bis Oktober nur einigemal geregnet Die Sommerhitze stieg sehr hoch und die Trauben reiften gesund, so daß, wie im Jahre vorher, wieder ein Vollherbst in den Reben stand. Aus jener Zeit stammt auch das Wort: „Fünfzehnhundertdreißigundr- neun galten die Fässer mehr als der Wein“. In den Jahren von 1800 bis 1870 wurde zwei- undzwanzigmal erst in den letzten Tagen des Oktober geherbstet.
Als gesegnete Weinjahre sind zu verzeichnen die Jahre 1236, 1261, 1336, 1376, 1386,
1473, 1539, 1540, 1631, 1729, 1746, 1753, 1766,
1780, 1793, 1795, 1802, 1811, 1822, 1834, 1857,
1859, 1865, 1869, 1893, 1898, 1900, 1911, 1921
usw. Als schlechte Jahre gelten vor allem die Jahre 1649, 1650, 1651, 1652. Also vier Jahre hintereinander war die Arbeit der Winzer beinahe umsonst. 1709 gab es in unserer Gegend „buchstäblich keinen Tropfen
Wein“, so sagt der Chronist. 1805, 1816, 1817, 1837, 1847, 1860, 1862 und 1863 waren wieder schlechte Jahrgänge.
Auch in diesem Jahrhundert gab es Jahrgänge mit geringem Ertrag, jedoch stieg mit der Zunahme der systematischen Pflege der Trauben und des Weines die Qualität der
40 jähriges Geschäftsjubiläum
Ortenberg , (s) Sattlermeister F e i ß t ist im August 1910 aus Diersburg hierher zugezogen und hat hier eine Sattlerwerkstätte eröffnet. Er hat dann in Ortenberg ein eigenes Haus erworben und sich mit einer hiesigen Bürgerstochter verheiratet. Nun kann er auf eine 40jäh- rige Tätigkeit als selbständiger Handwerker zurückblicken. Während dieser Zeit hat er es verstanden, einen guten Kundenkreis auch aus den Nachbargemeinden zu erwerben. Wir gratulieren dem tüchtigen Meister zu seinem Geschäftsjubiläum und wünschen ihm noch weitere Erfolge und viele Jahre guter Gesundheit.
Eine verdiente Schrankenwärterin Ohlsbach , (ü) Auf vielfachen Wunsch wurde im Jahre 1928 der Haltepunkt Ohlsbach der Bundesbahn eröffnet. Bis zum Tode des Eisenbahners Josef Huber im Jahre 1945 wurde er von diesem und im Anschluß von seiner Ehefrau betreut. Am 1. September hat nun Frau Anna Huber wegen Ueber- lastung die Dienstgeschäfte dem Heimatvertriebenen Josef Kusch übergeben. Sie selbst hat die benachbarte Schrankenwärteragentur Reichenbach übernommen. Durch ihre Gefälligkeit und stete Hilfsbereitschaft hat sich die Scheidende die Sympathien der Einheimischen sowie der vielen Passanten erworben.
Ohlsbachs Altersjubilare
Ohlsbach , (ü) Theresia Frietsch (Frietsche- jörgi) vollendet am 18. 9. das 73. Lebensjahr. Es sind vier Jahre her, seit die schaffige Mitbürgerin mit ihrem Gemahl im großen Familienkreise — sie ist Mutter von sieben noch lebenden Kindern — die „Goldene“ feiern konnte. Das gleiche Alter erreicht tags darauf der noch rüstige Zigarrenwerkmeister a. D. Franz Ruf auf der Siedlung. 71 Jahre alt wird Leopold Beck am Wald. Die Ortsälteste, Frau Katharina Schindler, geh. Schnurr, wird am 21. 9. 85 Jahre alt. Sie verbringt ihren Lebensabend wohlumsorgt im Familienkreise der ältesten Tochter im Ortsteil Schlauch. Am Freitag vollendet der Landwirt Heinrich Kie fer sein 78. Lebensjahr Allen Altersjubila- ren die besten Wünsche zum Wiegenfeste.
Ausflug der Jungfrauenkongregation Ohlsbach, (ü) Von erlebnisreicher sonntäglicher Omnibusfahrt, die die schönsten Stellen des südlichen Schwarzwaldes ansteuerte, kehrte in den Abendstunden die Jungfrauenkongregation zurück. Viel Interessantes gab es vor allem in Triberg , St Peter und Frei burg zu sehen.
Weine. Besonders in diesem Jahr wird der Winzer und seine Genossenschaften eine strenge Auslese halten müssen. Der Orten- auer Winzerstand weiß, was er seinem Ruf als Erzeuger von Spitzenweinen schuldig ist
X.
Vorzeitiger Herbstbeginn in Durbach Durbach, (m) Nach dem Beschluß der Herbstkommission vom Samstag, den 16. 9. 1950, beginnt die Weinlese in Durbach mit der Vorlese am Mittwoch, den 20. September 1950. Der vorzeitige Herbstbeginn in Durbach ist auf die Witterungsverhältnisse zurückzuführen.
Gendarmerie -Wachtmeister niedergestodien
Schwere Bluttat in Oberkirdi — Messerheld in der Waggonia zuhause
Am Freitagabend gegen 19 Uhr wurde der Gendarmeriewachtmeister Willi Salenbacher vom Gendarmerieposten Oberkirch von dem
Schandtaten verleitet, jedenfalls rechnen sie damit, daß sie dem Auge des Gesetzes überlegen sind.
Frühzeitige Weinlese in der Ortenau Infolge
des schlechten Wetters mußte der Herbst vorverlegt werden
Otfetdüttet UmstUau
Keine Vollanstalt mehr?
Da die Oberklassen des Oken-Gymna- siums (früher Mädchen-Oberrealschule) nur sehr schwach besetzt sind, werden die Obersekunda, Unterprima und Oberprima wahrscheinlich demnächst aufgelöst. Das Oken- Gymnasium wird dann, wie früher, nur sechs- klassig weitergeführt. Klassen mit sieben oder acht Schülerinnen sind finanziell nicht mehr tragbar, so daß es kaum gelingen wird, die Vollanstalt zu erhalten. Aus diesem Grund hat auch Direktor Krumm um seine Versetzung nachgesucht. Seine Versetzung nach Singen ist bereits ausgesprochen. Sollte sie Wirklichkeit werden, würde Offenburg eine Lehrkraft verlieren, die kaum ersetzt werden könnte, zumal Prof. Krumm auch im öffentlichen und kirchlichen Leben unermüdlich tätig war.
Die Mädchen-Realschule besaß schon in früheren Jahren nur sechs Klassen, weil mit der sogenannten mittleren Reife die meisten Mädchen die Schule verlassen haben. So ist es auch heute wieder. Hinzu kommt, daß die Klostersehule wieder eröffnet worden ist, das Gymnasium im eigenen Gebäude wieder einen uneingeschränkten Unterricht erteilen kann und daß das Kinzigtal in Hausach eine Vollanstalt erhalten hat, für Offenburg also jetzt ausfällt. In Gengenbach ist die frühere Bürgerschule im Wiederaufbau begriffen; sie wird ebenfalls eine Art Realschule werden.
Der Aufbau dieser Schulen im Kinzigtal bedeutet einerseits eine große Erleichterung für die Schüler im Schulbesuch, da für sie der lange und anstrengende Anfahrtsweg zur Schule wegfällt, andererseits verlieren die Offenbur ger Höheren Schulen Schüler aus dem Kinzigtal, was sich für sie besonders finanziell auswirkt
Auszahlung der Renten
Die Auszahlung der Kriegsversehrtenrenten findet schon am 20. September statt Alle übrigen Renten werden am 29. und 30. September gezahlt.
Schlecht besuchter Wochenmarkt
Auf dem Offenburger Wochenmarkt wurden folgende Preise für Obst, Gemüse und sonstige Waren festgestellt: Rotkraut 12—15, Weißkraut 10—12, Weißkraut zum Einschneiden (Zentner) 5.—, Bohnen 25—30, Erbsen 30 bis 35, Spinat 25, Tomaten 10—15, Kartoffeln 7—8, Zwiebeln 10—20, Wirsing 10—15, Gelbe Rüben 10—15, Rahnen 10—15, Kopfsalat 18, Endiviensalat 10—20, Blumenkohl 100—120, Lauch 10, Feldsalat 100, Kohlraben 10, Essiggurken 10—30, Essiggurken zum Einmachen (100 Stück) 180. Obst: Birnen 20—30, Aep- fel 10—25, Zwetschgen 10—20, Pfirsich 20—35, Brombeeren 40, Trauben, inländ., 50, ausl. 60, Pfifferlinge 60—70, Suppenhühner und junge Hähnchen 200—250, frische Landeier 24—25. Anfuhr gut, Marktbesuch infolge der schlechten Witterung sehr mäßig.
Schleppender Schweinemarkt
Dem Schweine- und Ferkelmarkt am 16. September in Offenburg wurden 57 Ferkel zugeführt. Der Höchstpreis für das Paar betrug 110 DM, der niedrigste Preis 80 DM. Der Marktverlauf war schleppend.
Der Fahrer war schuld
Zu dem tödlichen Verkehrsunfall am Freitagnachmittag am nördlichen Ortsausgang von Ortenberg erfahren wir ergänzend, daß die Schuld einwandfrei den Fahrer des Lkw aus Schwenningen trifft. Die Bremse des Lkws war defekt, außerdem war er überladen.
berufslosen 18 Jahre alten Leo Friedrich Groh, wohnhaft am Offenburger Kinzigdamm (Waggonia), mit einem Stilett niedergestochen. Die Verletzungen sind nach den im Krankenhaus Bad Peterstal getroffenen Feststellungen glücklicherweise nicht lebensgefährlich.
Friedrich Groh hausierte am Freitag ohne Wandergewerbeschein in Oberkirch und Umgebung. Dabei hat er unterwegs reichlich Alkohol zu sich genommen. Zwischen 18 und 19 Uhr ging er durch die Hauptstraße von Oberkirch , warf dort einige Kinderwagen um und belästigte die Bevölkerung. Daraufhin wurde beim Gendarmerieposten Oberkirch Anzeige erstattet. Der diensthabende Wachtmeister Salenbacher begab sich sofort auf die Verfolgung des Beschuldigten, den er auf der Flucht bei der Oelmühle Walz in Oberkirch mit seinem Fahrrad einholen konnte.
Als der Gendarmeriewachtmeister Groh zur Rede stellte, zog dieser sofort ein Stilett und bedrohte Salenbacher. Bei der Abwehr der Bedrohung mittels Gummiknüppel wurden dem Gendarmeriewachtmeister mit dem Stilett zuerst zwei Stiche in die Hüftgegend und dann ein Stich in den Hinterkopf beigebracht. Willi Salenbacher hatte ziemlich Blutverlust. Der Messerheld konnte nur mit Hilfe zweier beherzter Männer überwältigt werden.
Leo Groh ist der Stiefsohn des berüchtigten Händlers Radenheimer von der Siedlung Waggonia, der vor einigen Jahren wegen Totschlags zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt wurde und diese nun absitzt
Der Vorfall hat wiederum gezeigt wie nötig es ist daß die Polizei- und Gendarmeriebeamten mit einer Schußwaffe ausgestattet sind. Denn gegenüber solchen gefährlichen Elementen, wie sie heute unsere Gegend unsicher machen, sind sie mit einem Gummiknüppel unterlegen und müssen immer den kürzeren ziehen. Außerdem werden diese Elemente dadurch, daß die Polizei- bezw. die Gendarmeriebeamten nicht genügend Schußwaffen beritten, indirekt zu ihren
Abschied von Georg Späth
Durbach . (1) Es war ein überaus großer Trauerzug, der dem im Alter von 75 Jahren 'verstorbenen Georg S p ä th „ Gutspächter im Obertal, zum Friedhof folgte. Feuerwehr und Gesangverein bildeten die Spitze des Zuges durchs Tal zum Gottesacker. Nach einem Trauerlied des Männerchores sprach Forstrat Beiker, Offenburg , ehrende Worte und legte an seiner letzten Ruhestätte einen Waldkranz nieder. Desgleichen ehrte den Entschlafenen Baron v. Neveu, dessen Gut und Wald der Verstorbene betreut hatte, als er dem schweren Berufe eines Holzakkordanten entsagen mußte. Mit seinem ganzen Wissen und Können ist er seinem Gutsherrn zur Seite gestanden und hat ihn mit seinen langjährigen Erfahrungen unterstützt. Als äußeres Zeichen der Dankbarkeit legte der Baron ebenfalls ein prächtiges Blumengebinde nieder. Dasselbe tat auch der Kommandant der hiesigen Freiwilligen Feuerwehr.
Zwei Grabhügel schlossen sich Nesselried, (v) Am letzten Sonntag wurde an der Seite seiner Gattin der in der Heidelberger Klinik verstorbene Jakob Foshäg unter großer Anteilnahme hier beigesetzt. Der Verstorbene stammt aus Kehl und war hierher evakuiert worden. Als seine Gattin starb, zog er zu einem seiner Kinder. Die Erfüllung seines sehnlichsten Wunsches, in die Vaterstadt zurückkehren zu dürfen, war ihm nicht mehr vergönnt. — Kaum hatte sich der Grabeshügel geschlossen, läutete schon wieder die Totenglocke. Sie galt dem geachteten, weit über die Grenzen des Dorfes hinaus beliebtes Bürger und Landwirt Anton Vollmer, Ein schweres Leiden hatte ihn schon vor Wo» chen aufs Krankenlager gezwungen. Unter großer Anteilnahme von nah und fern wurde der erst 47jährige beigesetzt. Der Vorstand des Männergesangvereins legte am Grab seines langjährigen Mitglieds einen Kranz .nieder; ein Trauerchor war der letzte Gruß.