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SDDKURIEB
Freitag, 2. August 1946
Zur Ernährungslage
Von offizieller Seite wird uns mitgeteilt:
Als im vorigen Jahre die nationalsozialistische Gewaltherrschaft in Deutschland unter den Schlägen der alliierten Armeen zusammenbrach, war sich die deutsche Bevölkerung darüber klar, daß bei der zum großen Teil von den Deutschen selbst bewirkten oder wenigstens verschuldeten Verwüstung und Zerrüttung des Landes die Volksernährung sehr bald ernsten Schwierigkeiten begegnen mußte.
Sobald sich übersehen ließ, daß die heimische Ernte den Bedarf nicht decken könne, bemühte sich die Militärregierung aus eigener Initiative darum, ergänzende Zufuhren, vor allem an Brotgetreide, aus dem Ausland zu beschaffen. Es gab dabei aber von vornherein drei Bedingungen:
1. Da der Krieg den anderen Ländern von Hitler und dem deutschen Volk aufgezwungen worden war, konnte das deutsche Volk nicht beanspruchen, höhere Rationen zu erhalten als die Völker, die Opfer seiner Angriffe geworden waren.
% Da auch in vielen anderen Teilen der Welt mit einer Hungersnot zu rechnen war. nicht nur in Deutschland , konnte die verfügbare Menge von Lebensmitteln auf dem Weltmarkt nicht in vollem Umfange den deutschen Hungergebieten zugeführt werden
3. Um die aus dem Ausland eingeführten Lebensmittel zu bezahlen, mußte sich das deutsche Volk bemühen, durch seine Arbeit Exportgüter zu beschaffen, deren Erlös für die Einfuhr von Nahrungsmitteln verwendet werden konnte. Im Rahmen dieser Grenzen hat sich die Politik der französischen Militärregierung seitdem auf dem Gebiete der Ernährung bewegt. Für die Brotversorgung der Besetzungstruppen ist seitdem überhaupt kein einheimisches Getreide aus der französischen Zone verwendet worden. Soweit im übrigen Requisitionen für die Besatzungstruppen notwendig waren, bleibt ihr Umfang um ein Vielfaches hinter dem zurück, was seinerzeit die Deutschen aus Frankreich während der Besetzung herausgeholt haben.
Daß die Volksemährung in Deutschland ln den Uebergangsmonaten vor der neuen Ernte besonders ernst werden müsse, ließ sich voraussehen. Die französische Militärregierung bedurfte dazu nicht der Hinweise deutscher Stellen. Sie hat von sich aus das Notwendige veranlaßt, damit der Anschluß an die Brotversorgung aus der neuen Ernte sichergestellt wurde, und dies zu einer Zeit, als die Parteien, die Gewerkschaften und die Kirchen noch nicht daran dachten, bei ihr bestimmte Schritte zu unternehmen. Wenn es heute manchmal kurzfristige Stockungen bei der Mehllieferung an die Bäckereien gibt, so ist dies unvermeidlichen Störungen im Transport zuzuschreiben. Den Beweis dafür, daß die Militärregierung über die Brotversorgung auf lange Sicht vorausschauend disponiert hat, erbringt die Tatsache, daß die Brotration in der französischen Zone seit langer Zeit stabil gehalten werden konnte, ohne Schwankungen wie anderwärts zu unterliegen.
Die Lieferung von Frühkartoffeln aus Frankreich , die in der vorigen Woche begann und sich auf das ganze badische Besatzungsgebiet erstreckte, ist ein weiteres I Zeugnis dafür, daß die Militärregierung bereit und in der Lage ist, im Falle be- <
sonderer Schwierigkeiten helfend einzugreifen, ohne daß es dazu einer besonderen Vorstellung bedürfte. Selbstverständlich sind ihrem Bemühen Grenzen gezogen, einmal durch die erwähnten engen Verhältnisse auf dem Weltmarkt, und zweitens dadurch, daß sich auch Frank reich von den schweren Bedrückungen während der deutschen Besetzung noch nicht erholt hat, so daß auch heute noch große Teile der französischen Bevölkerung mit kärglichen Rationen vorliebnehmen müssen. Es wird noch etwa zwei Monate dauern, bis das Getreide aus der neuen Ernte den Weg zu den Verbrauchern finden wird. Diese Uebergangsfrist muß die deutsche Bevölkerung zu überstehen suchen, damit sie dann wieder mehr Sicherheit für ihre Ernährung unter den Füßen haben kann.
Brotversorgung der Bevölkerung
Die französische Militärregierung gibt bekannt:
Hs ist der französischen Besatzungszone nicht möglich, mit ihrer eigenen Getreideerzeugung die Brotversorgung der Bevölkerung sitherzu- stellen. Der Getreidebedarf beziffert sich unter normalen Verhältnissen auf 700 000 Tonnen. Für die Versorgungsperiode 194546 stand zur Ernährung der Bevölkerung jedoch nur eine Getreidemenge zur Verfügung, die 247 000 Tonnen betrug. Infolgedessen wäre die Einfuhr von 500 000 Tannen Getreide notwendig gewesen. Der Getreidemangel in der ganzen Welt ließ jedoch die Einfuhr von nur 220 000 Tonnen Getreide zu. Es war deshalb unumgänglich, die Brotration zunächst im Monat März auf 275 Gramm täglich und dann im Laufe des zweiten Vierteljahres auf 200 Gramm täglich herabzusetzen.
Dank dieser Rationskürzung war es möglich, den Uebergang zur nächsten Ernte sicherzustellen, und es kann daher vom 1, August ab eine Erhöhung der Brotration um 50 Gramm täglich und eventuell, ab 1. September eine solche um weitere 50 Gramm täglich zusätzlich ins Auge gefaßt werden Es ist selbstverständlich, daß fühlbarere Erhöhungen der Brotration vom Ausfall der nächsten Ernte und vor allem von der pünkt- c liehen Erfüllung der Ablieferungspflicht seitens des deutschen Bauern abhängen. Unter Berücksichtigung des Getreidemangels in der ganzen Welt unternimmt die französische Verwaltung ihr Möglichstes, um die größten Mengen an Getreide einzuführen. Sie darf infolgedessen auch erwarten, daß die deutsche Landwirtschaft ihr die Ernte, die auf dem Boden der Besetzungszone eingebracht wird, in ihrem ganzen Umfang zur Verteilung zur Verfügung stellt, besonders, da sämtliche abgelieferten Mengen Getreide ausschließlich deutschen Verbrauchern zugeführt werden
Schätzung und Planung für 1946/47
Die im letzten Jahr aufgetretenen Schwierigkeiten in der Aufbringung, Erfassung und Verteilung der bewirtschafteten landwirtschaftlichen Erzeugnisse waren zum Teil darauf zurückzuführen, daß für das durch die Einteilung in Besatzungszonen abgetrennte Südbaden noch keine genauen Unterlagen bezüglich der Bodenbenutzung, Ernte usw. getrennt Vorlagen. Die Ergänzung der Hofkarte durch die Anbau- und Leistungskarte, sowie die Erfahrungen au der diesjährigen Ernte werden voraussichtlich bessere Voraussetzungen für eine gerechte Kontingentierung und Erfassung der landwirtschaftlichen Erzeugung ermöglichen.
Angesichts der Dringlichkeit der Mehlversorgung wurden schon seit Mitte Juni laufend Ernteschätzungen für das Brotgetreide in jedem Bezirk vorgenommen: ein deementsprechender Druschplan ist aufgestellt und wird laufend den Schätzungen und Ablieferungen angeglichen. Die Erfassung von als Saatgut geeigneten Bestän- ' den wird schon vor der Ernte vorbereitet
Aus- und Einfuhr der französischen Zone
Entsprechend den Beschlüssen des Alliierten Kontrollrats wird die Ausfuhr der französischen Zone zu Weltmarktpreisen verkauft und in US - Dollar auf ein Verrechnungskonto bezahlt. Ein von der französischen Verwaltung kontrolliertes Außenhandelsamt führt die Verrechnung der An- nnd Verkäufe durch. Der deutsche Erzeuger verkauft an dieses Amt in Mark auf der Basis der deutschen Inlandpreise. Der Einführer kauft von ihm gleichfalls in Mark zu den in der Zone üblichen Preisen.
Schnittholz z. B. wird zum Preise von 116 RM. für die Tonne angekauft und zum Preise von 19 US.-Dollar (190 RM.) in Frankreich verkauft. Dadurch wird es möglich, in Amerika für 115 US -Dollar je t (einschließlich der Transportkosten) erstandenen Weizen zu einem Preise von nur 200 RM. (gleich 20 US -Dollar) in Deutschland zu verkaufen. 20% der Dollar-Erlöse werden zurückgestellt, um eventuell als Reparationszahlung zu dienen.
Somit sind vier Fünftel der deutschen Arbeit, die der Ausfuhr dient, unmittelbar dem Ankauf auf den Weltmärkten von Rohstoffen und unentbehrlichen Lebensmitteln für das Leben der deutschen Bevölkerung selbst gewidmet.
Für die Zeit vom 1. 8. 45 bis zum 31. 3. 46
sind für den Außenhandel der Zone mtt dem nichtdeutschen Ausland folgende Ergebnisse zu verzeichnen:
Aoilikr
(Zahlungseingänge auf der Basis von 80%, unter Berücksichtigung des Abzugs für Reparationszahlungen) Erzeugnis Verkaufserlöse
Landw. Erzeugnisse u.
Nahrungsmittel . .517 421
Rohstoffe.11504 9 314
Fertigerzeugnisse für industr. Erzeugn. . 5 368 4 325
Verbrauchsgüter . . 1492 1 143
Insgesamt 18 818 15 203
Einfuhr
Erzeugnisse Werte in 1 000 US -Dollar
Landw. Erzeugnisse u. Nahrungsmittel 9 639 Rohstoffe 3 473
Fertigwaren 159
Dienstleistungen 1269
Insgesamt 14 540
Der Ausfuhrerlös ist also zur Bezahlung von Einfuhren verwandt worden, die vor allem aus Nahrungsmitteln bestanden.
Kurze Meldungen
Die Erzeugung von Roheisen und Barrenstahl in der amerikanischen Zone ist in der Woche vom 13.—20. Juli erneut angestiegen. Die Erzeugung an Roheisen belief sich auf 5100 Tonnen, an Barrenstabl auf 4900 Tonnen, während die Erzeugung von Fertigstahl mit 3 900 Tonnen fast unverändert blieb. *
Die Firma Siemens & Halske hat die Produktion von Wasserkühlern von Berlin nach Erlangen verlagert.
Aus zerstörten Militärflugzeugen tn der amerikanischen Zone wird sich genügend Aluminium bergen lassen, um den Zivilbedarf der amerikanischen Zone für etwa zwei Jahre zu decken. Man schätzt, daß in den Zerstörten Flugzeugen etwa 10 000 Tonnen verwendbares Aluminium enthalten ist. Diese Menge, zusammen mit sonstigen Vorräten von etwa 20 000 Tonnen, wird den Friedensbedarf an Aluminium der amerikanischen Zone Deutschlands für etwa fünf Jahren decken. Die Erzeugung von Neu-Aluminium ist in Deutschland bekanntlich verboten.
Der Gaststättenbetrieb „M i t r o p a hat am 20. Juni sein 50jähriges Bestehen gefeiert. Der erste Wagen der Gesellschaft fuhr auf der Strecke von Dresden nach Görlitz . Im Augenblick verkehren Mitropawagen wieder zwischen Halle und Berlin , sie sollen auch in nächster Zeit im Bereich der Eisenbahndirektion Dresden den Verkehr wieder aufnehmen.
Nach einem Bericht des amerikanischen Finanzministeriums sind die Goldvorräte in den USA , die während des Krieges sich von dem
1941 erreichten Höchststand von 22,8 Milliarden Dollar um 3 Milliarden Dollar vermindert hatten, jetzt wieder im Ansteigen.
Der Verlag Bequna-Zentrale, Remscheid- Lennep, gibt Adreßbücher aller Zonen heraus. Erschienen sind „Die Industrie in der britischen Zone" und „Der Handel in der britischen Zone". Das Großbezugsquellenwerk „Die Industrie in der französischen Zone" ist in Vorbereitung. Noch nicht erfaßte Firmen wenden sich an den Verlag. Der Handel soll alsbald erfaßt werden, so daß baldiges Erscheinen erwartet werden kann.' Wir verweisen auf die heutige Anzeige.
Eine Ansstellnng ln Stuttgart Eine Exportausstellung deutscher Finnen, auf der 300 Betriebe Tausende von Mustern ihrer Erzeugung zur Schau bringen, wurde am 1. Aug. im württembergisefaen Landesmuseum in Stutt gart eröffnet Sie soll drei Monate dauern und wird von Wirtschaftlern aus den Vereinigten Staaten , sowie Geschäftsleuten und Ausschüssen aus dem übrigen Aulande besucht werden. Unter den interessantesten Ausstellungsartikeln wird sich ein 1 Vsstödciges, fertiges Haus befinden, dessen Hersteller die Firma Kübler in Göppin gen ist. Diese Firma hat sich bereits vor dem ersten Weltkriege als eine der ersten deutschen Firmen mit dem Bau von Fertighäusern beschäftigt. Bei dem Bau des Hauses wird teilweise Beton und Glaswolle benutzt. In einem der Räume werden nur Holzerzeugnisse aus Württemberg-Baden ausgestellL Die meisten dieser Artikel sind Gebrauchsgegenstände, unter anderem Schüsseln, Teller, Holzschnitzereien und Einlagearbeiten.
Süddeutsche Rundschau
Sh wiesen nicht, warum sie sich geheiratet haben
Fast 2000 Ehepaare warten in München auf den Tag, an dem auch ihr Fall vor Gericht behandelt wird. So berichtet M. Lütgenhorst in der „Süddeutschen Zeitung “, der wir die nachstehenden Angaben entnehmen. Allein vom 1. Juni bis 1. Juli wurden am Landgericht I über 700 Scheidungen eingereicht. Vorläufig kommen nur die einfachen Fälle zur Verhandlung, die Pärchen, die jetzt vor Gericht erscheinen, machen den Richtern im großen und ganzen wenig Mühe. Sie geben ihre ehewidrigen Verhältnisse meistens ohne Umschweife zu und verlassen nach dem Urteilsspruch vielfach in durchaus freundschaftlichem Einvernehmen wieder den Gerichtssaal.
Fast immer sind es Kriegsehen, die geschieden werden. Die Gründe hierfür liegen vor allem in der Auflösung der normalen Lebensverhäitni6se während des Krieges. Die jungen Leute, die durch Ehestandsdarlehen und falsche Propaganda über den Ernst der Ehe hinweggetäuscht wurden, schrecken jetzt vor den Konsequenzen ihrer übereilten Handlungsweise zurück. „Ich weiß heute noch nicht, warum ich geheiratet habe", 6agte eine junge Frau zum Richter. Sie hatte auf dem Rückmarsch der deutschen Truppen einen Berufsoffizier kennengelernt und sich Hals über Kopf mit ihm verheiratet. Jetzt hat ihr Mann keinen Beruf, und die so schnell geschlossene Ehe ging wieder auseinander. Das Hauptmotiv aller Ehekonflikte ist jedoch die Untreue. In den meisten Fällen haben sich die jungen Frauen während der Abwesenheit ihres Mannes mit anderen Männern getröstet Andere wollen geschieden werden, weil es ihnen zu viel Arbeit macht, ihre Schwerkriegsbeschädigten Männer zu pflegen. Die Hauptursache
Aus dem französisch besetzten Gebiet kommen immer noch Reisende in die ame rikanische Zone, ohne einen Passierschein zu haben. Das amerikanische Militärgericht in Karlsruhe verurteilte mehrere junge Mädchen, die bei der Bahnhofs- kontrolle ohne Passierschein angetroffen wurden, zu zehn Tagen Gefängnis mit Strafaufschub unter der Bedingung, daß sie bis zum Abend des gleichen Tages die amerikanische Zone verlassen haben mußten. —e—
Die Lanz-Werke in Mannheim arbeiten gegenwärtig wieder mit einer Belegschaft von 2150 Arbeitern und 500 Angestellten. Das Werk stellt trotz schwerer Zerstörung einzelner Anlagen Schlepper und Stahldrescher her. Auch Ersatzteile werden angefertägt.
Um die kirchliche Betreuung der katho-
der heute so überaus zahlreichen Ehescheidungsbegehren ist zweifellos — wie ein Münchner Richter sehr treffend sagte — die Tatsache, daß in den letzten Jahren viel zu jung und unter zu ungünstigen Verhältnissen geheiratet wurde.
Neuartige Prothese für Oberschenkelamputierte
Eine neuartige Prothese für Oberschenkelamputierte zum Preise von 53 Mark 6tellt zur Zeit die orthopädische Firma Ha- bermann in 'München her. Zu ihrer Verarbeitung wird Leichtmetall, das noch aus Militärbeständen vorhanden ist, verwendet. Die Knie- und Fußgelenke sind besonders stabil und haben auswechselbare Metallachsen. Durch eine Saugvorrichtung wird die Prothese befestigt und nur für Notfälle steht ein Gurt zur Verfügung. Die Lieferung dieser Prothesen hat Ende Juli begonnen und soll mit Unterstützung weiterer Firmen monatlich 10 000 Stück betragen. Die Gesamtzahl der Oberschenkel- amputierten in Bayern beträgt rund 15 000 Personen, in der amerikanischen Zone 45 000 und in Europa 250 000, ohne die sowjetische Besetzungszone.
Bergung des Nürnberger Kunstbesdtzes
Der während des Krieges verlagerte Kunstbesitz des „Germanisdien Nationalmuseums" in Nürnberg wird jetzt wieder nach Nürnberg zurücktransportiert. Fast 95 Prozent der reichen Sammlung des Museums, darunter die gesamte Bibliothek, sind von den Kriegsereignissen verschont geblieben. Die Werke der Nürnberger Städtischen Kunstsammlung, die zugleich mit dem wertvollen Kunstbesitz der Alt- ♦lümberger Kirchen und den wichtigsten unersetzlichen Werken aus Privathand geborgen wurden, sind ebenfalls fast vollständig erhalten.
lischen Flüchtlinge in evangelischen Gemeinden zu ermöglichen, hat der württem- bergische evangelische Oberkirchenrat die Ueberlassung von Kirchen oder anderen kirchlichen Räumen für katholische Gottesdienste genehmigt, nachdem das bischöfliche Ordinariat in Rottenburg die Gegenseitigkeit zugesagt hat.
Das Wirtschaftsamt in Stuttgart hat eine Abteilung „Möbelausgleich" ins Leben gerufen. Auf freiwilliger Basis soll hier ein Ausgleich des Bedarfs geschaffen werden. Innerhalb der letzten sechs Wochen 6ind über 2000 Möbelstücke aller Art, hauptsächlich jedoch Stühle, Tische und Bettladen, zur Abgabe gemeldet worden.
Zwei auf dem Hofgut Gaisbühl bei Reutlingen wohnhafte Mädchen wurden nachts, nur mit einer Nachtjacke bekleidet, von Unbekannten entführt. Bisher
sind die Mädchen noch nicht zurückgekehrt und ihr Aufenthalt ist unbekannt.
Durch Polizei in Kempten wurden Einbrecher gestellt, die sich anschickten, ein Lebensmittellager auszuräumen. Die Diebe, meist Polen , hatten bereits mehrere Zentner Zucker auf einem mitgeführten Wagen verladen, als sie überrascht und gestellt wurden. Es kam zu einem Feuergefecht, in dessen Verlauf ein Pole schwer verletzt wurde.
Ein Landwirt aus Simmozheim schlug sein Kind, weil es nicht essen wollte, derartig mit einem Gummischlaudi und einem Löffel, daß es in der folgenden Nacht an den Folgen der Mißhandlungen starb. Sechs andere Kinder waren diesem Landwirt bereits weggenommen und in Fürsorgeerziehung gegeben worden. Dieser unmenschliche Vater erhielt jetzt eine Gefängnisstrafe von fünf Monaten.
Die in diesem Jahr gemeldeten Schwarzwildschäden in Hessen -Pfalz ergeben ein erschreckendes Bild über Umfang und Höhe der eingetretenen Schäden an wertvollsten Gütern der Ernährungswirtschaft. Allein im Landkreis Neustadt a. d. Haardt wurden durch Wildschweine 9‘/t Tausend Zentner Kartoffeln, 700 Zentner Roggen und 140 Zentner Weizen vernichtet. Die sich täglich steigernden Schäden sind besorgniserregend.
Zwischenrufe
Opfer des Krieges — Naziopfer Viele haben das Unglück, durch eine Kriegsbeschädigung gehemmt, ihren bisherigen Beruf nicht mehr ausüben zu können. Es sei zugegeben, daß es nicht immer einfach ist, besondere Wünsche des Einzelnen zu berücksichtigen. Wir jedoch, die wir selbst in diesen drückenden Schuhen stek- ken, verstehen sehr wohl zu unterscheiden zwischen den herrschenden Schwierigkeiten und der Interesselosigkeit, ja manchmal Starrköpfigkeit verschiedener Amtsstellen. Wenn ein Beamter einem Kriegsversehrten gegenüber in stupidem Phlegma antwortet: „Hättet ihr den Krieg nicht angefangen", 60 zeugt das nur von einer primitiven engstirnigen Denkweise Es sei uneingeschränkt, anerkannt, daß dem vom vergangenen System politisch Verfolgten geholfen werden muß. Aber berechtigt ist die Frage: Durch was unterscheiden sie sich von den Opfern des Krieges? Wir Soldaten fragen alle, die es angeht: Wäre es manchmal nicht möglich, uns Kriegsversehrten etwas mehr menschliches Mitgefühl und Verständnis sowie auch positive Hilfe zuteil werden lassen? Wir sind dann gerne bereit, tatkräftig mitzuhelfen.
Quer durch die Zonen
Die Saison der
Die warmen Sommertage sind die Saison der Leichtathleten In aller Welt steigen mit der Fortsetzung der Jahreszeit die Leistungen und geben einen Blick für den gegenwärtigen Leistungstandard, der wohl bei den demnächst stattfindenden Europameisterschaften im Kampf der internationalen Vertreter einen Kulminationspunkt erreicht. Wir veröffentlichten bereits die Ergebnisse verschiedener Landesmeisterschaften, denen heute jene von Belgien vom vergangenen Sonntag in Brüssel folgen: 100 m: Pol Braekman 10,7 S. — 200 m: Jean Daems 22,1 S. — 400 m: H. Kurmen 49 S. — 800 m: Richard Brancart 1:55,3. — 1500 m: C. de Vuyst 3:56,5. — 5 000 m: Gaston Reiff 14:54. — 110 m Hürden: Pol Braekman 14,8 S. — 200 m Hürden: P. van de Sype 25,7 S. — 400 m Hürden. R. Prevot 56,7 S. — Hochsprung: Atme Becquet 1,80 m. — Weltsprung: Julien Hutsebaut 6,84 Meter. — Kugel: Roger Verhas 13,43 m — Diskus: Raymond Kintziger 43,79 m (Landesrekord). — Speer: Emile Ninnin 51,89 m.
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Einen Hammerwurf von 57,90 m meldet Stock holm durch den Schweden E. Johannson. Laess- ker wurde Doppelsieger im 100 m-Lauf mit 10,9 und im Weitsprung mit 7,34 m, Erikson lief die 1500 m in 3:50,6 Min. In der Tschechoslowakei sprang Zila 1,93 m ho chund Boehms erreichte im Stabhochsprung 4 m. — In Helsingborg lief der Schwede Reine Gustafsson 800 m-Europa- Jahresbestzeit in 1:50,4. Wallander lief 400 m Hürden in 54,0, G. Strand sprang 7,15 m weit In Norwegen kam Kaas im Stabhochsprung auf 4,15 m, was ebenfalls Europa -Jahresbestleistung bedeutet In Helsinki lief der Finne Savolainen 100 m in 10,7, Sarkama 5 000 m in 14:31, Nik- kanen warf den Speer 71,71 m und Taminen den Hammer 50,75 m. In Griechenland warf Syllas den Diskns 49,77 m, in Iugoslawien sprang Urbin 7,32 m weit Der Este Heino Lipp, der bisher im Kugelstoßen bereits mit 15,78 m die europäische Jahresbeetleistung und den rassischen Rekord hielt verbesserte sich jetzt in Moskau auf 16,22 m. Er ist damit ziemlich nabe an den Europnrekord des im Kriege gefallenen Deutschen Woellke von 16,60 m herangekommen.
In Brünn lief der Holländer Slykhuis über 3000 m mit 8:15.5 einen neuen Landesrekord und die Europa -Saisonbestleistung des Jahres.
Neue iberische Rekorde stellten der Portugiese Paquete im 100 m-Lauf mit 10,5 und Fernandey im 400 m-Hürdenlauf mit 55,1 auf.
In der Sowjetunion lief Karakulov 100 m in 10,9 und 200 m in 22,3, Komarov 400 m in 49,4. Im Weitsprung erreichte Kusnezov 7,46 m, der 40jährige Stabhochspringer Osolin sprang 4,10 m und Sjechtelj warf den Hammer 52,72 m.
Kaiserslautern in Villingen und Singen
Die bekannte 1. Elf des FC. Kaiserslautern mit Nationalstürmer Walter spielt am Samstagabend (3. 8.) in Villingen und am Sonntag (4. 8,) in Singen. Nach den beiden hohen Siegen der Pfälzer in Freiburg (11:2!) und Rheinfeld en (13K)i) darf man auf das Abschneiden der beiden Oststaffelvertreter gespannt sein.
Kaiserslauterner Fußball-Lehrspiele
Wie der „Südkurier" am Dienstag mitteilte, gewann der FC Kaiserslautern zwei Freundschaftsspiele in Freiburg bzw. Rheinfelden mit 11:2 bzw. 13:0. Die Kaiserslauterner wurden im Voraus mit dem Prädikat „Süddeutsche Extra- Klasse" belegt und rechtfertigten in den beiden Spielen ihren Ruf durchaus. Die Freiburger und Rheinfelder Zuschauer waren begeistert von dem hervorragenden Spiel der Gäste. Was diese an Zweckmäßigkeit, Ballführung, Kombination, Stal-
Leichtathleten
lungsspiel, Rasanz und als Folge all dieser Eigenschaften an erfolgreichen Torschüssen boten, war nichts weniger als eine „Fußballschau" in des Wortes bester Bedeutung. Das Glanzstück dieser Mannschaft ist unstreitig die Angriffsreihe mit dem Innentrio Walter—Grewenig—Basler.
Nachgemeldete Fußballergebnisse: Säckingen gegen Fortuna Freiburg 0:5: Säckingen Ib gegen Wehr II 6:0; Sdiopfheimer SV.—Fortuna Frei burg 2:7; SV. Weil—Sportfreunde Fahrnau 3:3 (um die Oberrheinmeisterschaft): Sigmaringen gegen Gammertingen 5:2: Sigmaringen II—Meß- kirch II 5:0: Sigmaringendorf —-Ostrach 6:0: Krau chenwies —Bingen 8:1-, Mengen—FC. Pforzheim 1:7: Riedlingen —FC. Pforzheim 0:14: Lenzkirch gegen Rötenbach 10:5: Lenzkirch Jgd.—Rötenbach Jgd. 3:1: Rheinfelden II—Zell I 10:0: Rheinfelden Jgd.—Tiengen A Jgd. 1:1: Lindau gegen Baienfurt 5:0; Lindau II— Markdorf I 3:1. Biberadi— VfR. Pforzheim 2:3.
Wieder Ruderregatten in Deutschland
Der durch den Krieg schwer in Mitleidenschaft gezogene Rudersport rüstet sich für neue Veranstaltungen. Am 11. August finden Ruderveranstaltungen in Offenbach und Rauxel statt, am 25. August in Witten (Ruhr ) und Flörsheim (Main ), am 1: September in Offenbach (Stadt- achter), am 8. September in Frankfurt und in Homberg (Niederrhein ). In Gießen , Essen, Hei delberg und Lübeck werden wettere Regatten geplant — In Konstanz dagegen, wo der Rudersport früher in hohem Kurs stand, sind solche Pläne zunächst überflüssig, da die Ruderer nicht auf den Bodensee (Grenzsee) dürfen, abgesehen davon, daß ihnen seit Kriegsende die Boote fehlen.
In Deutschland wird erwogen, die noch bestehenden- Rudervereine in einen Regatta-Verband zusammenzufassen, der dem 1937 aufgelösten Deutschen Ruderverband gleichkommt.
Eine Frage an die Sportbebörde
Bekanntlich fand am vergangenen Sonntag in Saarbrüen zwischen dem FC. Saarbrücken und dem SV. Rastatt ein Spiel um die Zonenmeisterschaft statt, das die Saarbrücker 5:0 gewannen. Wie wir nun erfahren, handelte es sich dabei um das Vorspiel. Das Rückspiel ist für deen 11. August nach Rastatt angesetzt worden. — Für die Entscheidung um die badische Meisterschaft der französischen Zone, die zwischen den beiden Staffelmeistem VfL. Konstanz und SV. Rastatt ausgefochten wurde, wurde nur ein Entscheidungsspiel auf neutralem Platz (Freiburg festgesetzt. Terminnot bestand seinerzeit nicht mehr, da die Durchführung einer deutschen Fußballmeisterschaft nicht mehr zur Debatte stand. Es ist uns unerfindlich, wieso in dem einen Fall der Meister durch Vor- und Rückspiel ermittelt wird, während man sich im anderen Falle auf ein Spiel beschränkte. Sowohl Rastatt als auch Konstanz hätten sicher gerne je ein Spiel auf ihrem eigenen Platz gesehen.
Der Sportdienst im Rundfunk
Die meisten deutschen Sender haben einen Sportdienst eingerichtet, der die neuesten Sportnachrichten jeden Sonntagabend zu festen Zeiten durchgibt. Hamburg um 19.30 Uhr und 21.55 Uhr, Stuttgart um 19.55 Uhr, München um 21.00 Uhr und 22.15 Uhr, Frankfurt 'M. ab 21.30 und Berlin von 22.15 Uhr an. Der Südwestfunk bringt seine Sportsendung bis auf weiteres um 22.30 Uhr aus dem Studio Koblenz . Radio Stuttgart bringt am Montag um 19 Uhr eine weitere Sportsendung unter dem Motto „Sport am Wochenende".
Kurz notiert
Ein anläßlich des FIFA -Kongresses in Luxem burg ausgetragenes Fußball-Länderspiel Luxemburg—Norwegen wurde von den Luxemburgern überraschend mit 3:2 (0:1) gewonnen.
Der bekannte Internationale Jakob, früher Jahn-Regensburg , der schon mehrfach das Tor der deutschen Nationalmannschaft hütete, spielte erstmals wieder nach längerer Pause und zwar beim FC Lichtenfels, wo er jetzt ansässig ist.
Ein Fußball-Länderkampf Schweiz — Oesterreich ist für den 10, November 1946 nach Bern vereinbart worden.
Holländischer Sprintermeister bei den Radfahramateuren wurde Byster, bei den Berufsfahrern van Vliet vor Derksen. Die Stehermei- stersdiaft über 100 km gewann van der Voort. Im Professional-Verfolgungsrennen über 5 km siegte Peters vor Schulte.
Walter Lohmann , der letzte deutsche Meisterfahrer hinter Motoren, holte sich in Braunschweig Siege über Kilian, Schorn, Nothdurft und Kre- wer und neuerdings in Bochum das Steherrennen vor Schorn, Kilian, Vopel und Zims.
Der Dortmunder Kilian gewann bei Steherrennen in Hannover die Läufe über 30 km und 50 km, während der Kölner Schorn über 20 km sieegreich blieb.
Ein Straßenrennen um den „Großen Preis von Hannover " sicherte sich der Amateur Nowa- kowski (Hannover ).
Im Wuppertaler Stadion gewann Lohmann den Industriepreis über 20 km in der Zeit von 15,16 Minuten vor Kilian (10m zurück) und Schorn ( 100 ).
Der Kieler Adolf Witt gewann gegen den Hei delberger Nachwuchsboxer Kupsch n. P. im Hauptkampf der Berliner Freiluft-Boxkämpfe auf der Waldbühne hinter dem Olympiastadion .
Den Titel eines Box-Schwergewichtsmeisters von Italien erhielt Luigi Musina zugesprochen. Sein Herausforderer, der Titelverteidiger Spag- nola, wurde wegen Tiefschlages in der vierten Runde disqualifiziert.
Der britische Meister Bruce Woodcock schlug in Manchester den Franzosen Albert Renet in der 6. Runde durch k. o. und wurde nach diesem Erfolg als Europameister im Schwergewicht ausgerufen.
Frankreichs Amateurboxer gewannen in Wien gegen eine österreichische Boxvertretung mit 6:2 Punkten
Die Crawl-Staffel der „Dauphins de Toulouse" verbesserte den Landesrekord über 4x200 m von 9:29,5 auf 9:28,2.
Die dänische Schwimmerin Ragnhild Hveger, die z. Z. 46 Weltrekorde hält, hat den Entschluß gefaßt, nicht mehr aktiv aufzutreten. Sie trainiert gegenwärtig den Nachwuchs.
In Ralst (Holland ) verbesserte die holländische Schwimmerin Nel Van Vliet den Weltrekord im 100 m Brustschwimmen für Frauen von 1:19,8 auf 1:19,4. Bisherige Rekordinhaberin war die Deutsche Gisela Graß.
Bei den Internationalen Tennismeisterschaften von Frankreich gewannen die Amerikanerinnen Brough/Osborne das Damendoppel, Betz'Patty (USA .) das gemischte Doppel, Petra/Bemard das Herrendoppel, Osbome (USA .) das Dameneinzel und Bernaard im Herreneinzel.
An der Universität Frankfurt beginnt mit dem nächsten Wintersemester am 30. September die Ausbildung von Turn- und Sportstudenten.
SUDKURIER
Verantwortlicher Redaktionsausschuß: Hermann Fiebing, Hermann Dörflinger (CSV), Rudi Goguel (KP). Dr Robert Winzer (SP), Friedrich Munding (DP). — Verlag: Südkurier-Verlag. — Druck: Druckerei Konstanz, FlsdunarkJ 5. — Für unverlangt eingesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Haftung.