Seite

Seite 2 ! Nr. 106

SODKU2IEB

Freitag, 6. September 1946

nismus, noch glauben sie an die vielen poli­tischen Parteien, welche die Alliierten er­laubt haben. Nach ihrer Meinung haben diese Parteien die Gewalt, irgendetwas zu versprechen, nicht, da sie ja von der ultima­tiven Entscheidung der Alliierten abhängig sind. Sie fühlen, daß eine gerechte politi­sche Zukunft Deutschlands sich nur durch eine begeisterte und spontane Bewegung aus dem augenblicklichen Vakuum bilden kann.

„Der leere Magen argumentiert nicht sehr aufbauend, er kritisiert immer den, der für seine augenblickliche Ration verant­wortlich ist. — Die Deutschen , wie wir alle wissen, brauchen Führerschaft und Richtung. Ein Jahr zurück fanden wir sie führerlos, hoffnungslos und daher unterwürfig. Heute aber, nach einem Jahr, sind sie immer noch ohne Führerschaft und führende Ideen. Aber

Fortsetzung von Seite 1 Von Papen

Die Kraft des Bösen hat Deutschland unrettbar in die Katastrophe getrieben. Sollen deshalb auch diejenigen verdammt werden, die im Kampf des Glaubens gegen den Unglauben gekämpft haben? Justice Jackson kam zu der Feststellung, ich sei nur der frömmelnde Agent einer imgläu­bigen Regierung gewesen? Oder was gibt Sir Hartley Shawcroß das Recht mit Hohn und Verachtung zu sagen: „Er zog es vor, in der Hölle zu herrschen, anstatt im Him­mel zu dienen?“ Steht nicht die Frage nach der Verteidigung der transcendenten Werte heute noch stärker im Mittelpunkt der Bemühungen um den Neubau der Welt? Ich glaube, daß ich mit einem rei­nen Gewissen mich der Verantwortung stellen kann. Liebe zu, Heimat und Volk waren allein entscheidend für alle meine Handlungen.

Neurath

„Getragen von der Ueberzeugung, daß auch vor diesem Hohen Gericht sich die Wahrheit und Gerechtigkeit gegen allen Haß, Verleumdung und Verdrehung durch­setzen wird, glaube ich den Worten meines Verteidigers nur das eine hinzufügen zu sollen, daß mein Leben der Wahrhaftigkeit und Ehrenhaftigkeit, der Erhaltung des Friedens und der Völkerverständigung, der Menschlichkeit und Gerechtigkeit geweiht war, und ich mit reinem Gewissen dastehe,

Dresden . Die Sozialistische Einheits­partei ist aus den Gemeindewahlen im Bundeslands Sachsen am Sonntag als weit­aus stärkste Partei hervorgegangen, ob­wohl sie mit 48,42 Prozent der abgegebe­nen Stimmen keine absolute Mehrheit er­rungen hat. An zweiter und dritter Stelle folgen nach dem vorläufigen amtlichen Wahlergebnis die Liberal-Demokratische Partei mit 20,21 und die Christlich-Demo­ kratische Union mit 19,72 Prozent der abge­gebenen Stimmen, während 9,81 Prozent ungültig waren. Der Rest verteilt sich auf Splitterparteien. Die Wahlbeteiligung be­trug 93,65 Prozent.

Insgesamt wurden in den 2 402 Gemein­den Sachsens von 3 547 575 Wahlberechtig­ten 3 322 342 Stimmen abgegeben, die sich wie folgt verteilen: SED 1 608 851, LDP 671 271, CDU 655147, Bauemhilfe 29 493, Frauenausschüsse 24 663, sonstige 6 939 Stimmen. Ungültig 325 878 Stimmen. Der zweite Platz der LPD gilt als Ueberraschung dieser Wahl. Die hohe Zahl der ungültigen Stimmen wird als ein Protest der Anhänger der Sozialdemokratischen Partei gegen die SED angesehen. Die LPD und die CDU ha­ben zusammen 39,93 Prozent der abgegebe­nen Stimmen erhalten.

Autonomie für Südtirol ?

Mailand . Der italienische Minister­präsident de Gasperi erklärte in einem

sie werden zu einem Volk mit der er­drückenden Schwere ihres Schicksals, zu einem Volk mit einem schweren, kaum noch tragbaren Joch. Vieles was iq Deutsch­ land jetzt geschieht, ist unabwendbar. Vie­les muß noch getan werden. Sehr Vieles und Gutes haben wir schon getan, aber wir haben den Deutschen in Deutschland keine Inspiration, keine Ideale gegeben, und ein Mensch kann ohne Ideale einfach nicht leben."

Clifford steht keineswegs alleine da. Es mehren sich die Stimmen auch in Frank­ reich , ja sogar in USA , die zur Verständi­gung mahnen. Die Vorkämpfer der Demo­kratie in Deutschland , die bisher auf schwie­rigstem Posten standen, werden es als eine wertvolle Unterstützung begrüßen, wenn die von Clifford herausgestellten Ideen in den alliierten Ländern sich vertiefen werden.

nicht nur vor mir selbst, sondern auch vor der Geschichte und vor dem deutschen Volk. Und wenn trotzdem ihr Spruch auf schuldig lauten sollte, so werde ich auch dieses zu tragen wissen und es auf mich nehmen, als ein letztes Opfer, das ich meinem Volke bringe, dem zu dienen der Sinn und der In­halt meines ganzen Daseins war.”

Als Reichsprotektor für Böhmen und Mäh­ren macht ihn die Anklage für die grau­same Ausrottungspolitik, die sich insbe­sondere gegen die tschechoslowakische In­telligenz richtete, verantwortlich.

Fritzsche

Fritzsche bestritt zunächst einige von der Anklagebehörde gegen ihn erhobene Vorwürfe und behauptete, daß seine Rund­funkansprachen keinen aufhetzerischen Charakter getragen hätten. Er bedauere es jedoch, daß er nicht die Lehre von der Herrenrasse vertreten, daß er nicht den Haß gegenüber anderen Völkern gepredigt und nicht zu Angriffskrieg, Gewalttat, Mord und Unmenschlichkeit aufgefordert habe. „Denn wenn ich dies alles getan hätte“, sagte Fritzsche, „dann hätte sich das deutsche Volk von mir gewandt und das System abgelehnt.“ (Glaubt Fritzsche tatsächlich, mit diesem Bluff das Gericht täuschen zu können? Er hat nicht offen zu diesen Verbrechen aufgerufen, durch seine geschickte Berichterstattung und Kom­mentierung appellierte er jedoch an die primitiven Instinkte des Hasses).

Interview, daß Italien für die ehemaligen österreichischen Gebiete von Südtirol eine Autonomie in Beziehung auf Verwaltung und Politik plane. Der italienische Mini- sterpräsdient sagte ferner, daß Italien die Behandlung der Minderheiten in den Pro­vinzen Venezia-Trientina und Bozen unter die Aufsicht der Un stellen würde, wenn die Un den Schutz aller Minderheiten ein­schließlich der italienischen Minderheiten in Jugoslawien gewährleisten würde.

UNO und die Schweiz

Bern . Der schweizer Außenminister Max Petitpierre erklärte in einem Inter­view, daß die Schweiz erst dann einen An­trag auf Mitgliedschaft bi der UN stellen würde, wenn die schweizer Neutralität von der UN ausdrücklich anerkannt worden sei. Bei einer Volksabstimmung über die Frage der Mitgliedschaft in der UN würde, wie der Außenminister weiter ausführte, der größte Teil des schweizer Volkes sich sicherlich zugunsten der Neutralität und gegen die Mitgliedschaft bei der UN ent­scheiden.

Die schweizer Außenpolitik wurzele, wie Petitpierre besonders hervorhob, tief in dem Gedanken der Neutralität und der Unabhängigkeit. Die letzten Entwicklun­gen auf dem Gebiete der internationalen Politik haben diese Haltung verstärkt.

Heimkehrer

Entlassene Kriegsgefangene von Singen

ei. Die Nachricht von den 120 000 deut­ schen Heimkehrern aus Rußland hat man­cher Gattin und manchen Eltern wieder Hoff­nung gebracht, daß auch ihr Mann oder ihr Sohn bei diesen Glücklichen 6ein werde. Und nun warten viele Tausende auf die Rückkehr ihrer Angehörigen.

In den letzten Wochen kam ein größerer Transport über das russische Entlassungs­lager Frankfurt an der Oder zurück. Unter diesen Heimgekommenen befanden 6ich auch Singener und Konstanzen Ihre Eindrücke und Erlebnisse in der Gefangenschaft las­sen wir sie selbst erzählen.

August Benz, Rielasinger Str. 128, be­richtet: „Seit dem 18. Juni 1940 6tand ich im Felde. Bei meiner Gefangennahme am 30. April 1945 gehörte ich dem Nachschub Leningrad an. Nach Weihnachten 1945 kamen wir in ein Waldlager. Dieses lag 200 km südwärts von Moskau . Es waren 1000 Mann dort untergebracht Unsere Ar­beit war streng und hart, die Verpflegung mangelhaft, aber die Behandlung sehr gut. In hygienischer Hinsicht herrschte großer Mangel, es fehlte den Russen hauptsächlich an Medikamenten. In der Lagerbehandlung gab es einen Arzt und zwei Schwestern. Die Gestaltung der Freizeit wurde erst im Juli 1946 durdigeflihrt. Die knappe Freizeit aber war eine Erholung und ein Genuß. Wir spielten Fußball, Handball und vergnügten uns mit Kegelspielen, die ja in Rußland sehr beliebt sind. Auch deutsche Zeitungen, die an den Schaukästen angebracht waren, konnten wir lesen. Die ersten Rote-Kreuz- Karten wurden im April ausgegeben. Aber was sind 200 Karten für 1000 Mann? Ich kam erst am 27. Juni zum Schreiben an die Reihe. Eg war eine große Freude für mich, endlich meinen Angehörigen Nachricht geben zu können. Fünf Tage vor meiner Ankunft er­hielten sie meine Zeilen. Unser Trans­port war der erste größere in die franzö­sische Zone. Mit mir fuhren noch zwei Steiß- linger und ein Gaienhofer Kamerad nach Hause. In unserem Transport befanden sich auch Stalingradkämpfer, die man vielleicht schon längst unter den Toten wähnte. Ich freue mich, daß ich wieder zuhause bin und werde nach einer gründlichen Erholungszeit, die ich notwendig brauche, mein Leben von neuem beginnen.

Karl Weber, Hohentwiel6tr. 17, erzählt: „Am 11. Januar 1940 wurde ich zur 15. Inf.- Div. in der Tschechoslowakei eingezogen. Anschließend war ich vier Jahre in Frank­ reich , im Frühjahr 1945 kam ich wieder in die Tschechoslowakei und wurde dort bei Kapitulation gefangengenommen. Von den Tschechen interniert und mit vielen Kame­raden geschlossen den Russen übergeben. Wir marschierten durch die Tschechoslowakei 500 km weit bis nach Auschwitz . Von dort aus wurden wir nach Rußland abtranspor­tiert. Unser Lager befand sich im nördlichen Ural und war mit etwa 1300 Mann belegt. Die erste Zeit War es dort für uns nicht gut. Das ungünstige Klima und die nicht ge­wohnte Kost hatte vielen Kameraden ge­sundheitlich ziemlich geschadet. Die Behand­lung jedoch war ausgezeichnet, niemand wurde je geschlagen. Auch 6onst konnten wir uns über nichts beklagen. Nur arbeiten mußten wir sehr schwer, hauptsächlich im Kohlenschacht und im Steinbruch. Die Ar­beitszeit dauerte im Sommer zehn und im Winter acht Stunden. Ich war vom August 1945 bis März 1946 in diesem Lager. Als ich dann krank wurde, kam ich in ein Lazarett in der Nähe des Lagers, in dem die Be­handlung sehr gut war. Auch die Kost war besser. Wir wurden von mehreren russischen Aerztinnen behandelt. Am 18. August er­folgte meine Entlassung. Im Hauptentlas­sungslager Frankfur an der Oder erhielten wir frische Kleider und Wäsche. Da wir bei den Russen überhaupt kein Geld bekamen, wurden uns auch noch 3 Mark ausgehän- digt für die Reise. Diese Spende erhalten

aus Rußland

und Konstanz berichten ihre Erlebnisse

alle Heimkehrer. Sie wird von der Frank­ furter Bevölkerung laufend gesammelt. Während der Fährt durch Deutschland hatte sich die deutsche Zivilbevölkerung sehr gut benommen. An den Stationen, an denen wir etwas Aufenthalt hatten, schenkten uns die Leute Obst und andere Dinge, die sie ge­rade besaßen, sogar ihr Vesperbrot gaben sie uns.

Emil Z i r e 11, Scheffelstr. 37, schildert uns: „In den letzten Tagen des Krieges kämpfte ich beim 32. Div. Batl. in Deutsch­ land . Ende Juli 1945 kam ich nach Frankfurt a. d. O. und am 18. August nach Brest-Litowsk . Ein Unfall machte eine Behandlung im Spezial- Hospital in Brest notwendig. Dort blieb ich bis zum 1. August 1946. An diesem Tage verlud man mich nach Frankfurt an der Oder , wo ich mich zwei Tage aufhielt. Die Verpflegung in Rußland war mangelhaft, auch die Behandlung war nicht gut. Da ich bei den Gefangenen war, die durch den Mangel an Rote-Kreuz-Karten den Angehö­rigen keine Nachricht geben konnten, hatte meine Familie bis zu meiner Ankunft am 21. August kein Lebenszeichen von mir.

Alfons B i e 1 e r, Worblinger Str. 6, der noch sehr krank i6t und den wir nicht selbst sprechen konnten, ließ uns sagen, daß er 6edt Kriegsbeginn eingezogen war, zweimal im Osten und zweimal im Westen gekämpft hatte. Er wurde öfters verwundet. Von drei Nachrichten, die er seiner Familie sandte, ist nur eine einzige angekommen. Er ist sehr unterernährt und muß sich in Kranken­hausbehandlung begeben.

Von den gesamten 120 000 Mann, die aus der russischen Gefangenschaft entlassen werden, sind die meisten krank oder in­valid. Von einer Verschleppung der deut­ schen Soldaten nach Sibirien , wie bei uns oft die Gerüchte laufen, war keinem der Heimkehrer etwas bekannt. Sie bestätigten uns, daß die Behandlung in den russischen Lagern, mit Ausnahmen natürlich, durchweg gut sei. Ebenfalls die Pflege in den Laza­retten, soweit der Mangel an Medikamen­ten sich nicht allzu fühlbar macht.

Joachim Winkler-Konstanz, Emmishofer Straße 2, war Oberleutnant und Kompa­niechef in der Nachrichten-Ausbildungs- Abteilung 23. Bei einem Gegenstoß gerät

Neunzigtausend amerikanische Seeleute sind in den Streik getreten.

Bei dem griechischen Volksent- scheid gaben, wie amtlich bekanntgege­ben wurde, von 1 394 67t Wählern 1 019 801 ihre Stimme für die Rückkehr des griechi­schen Königs ab. Bei einigen Zusammen­stößen während der Wahl wurden 20 Per­sonen nach bisherigen Meldungen getötet.

Der Mut der deutschen Frau in ihrem Kampf gegen die Not habe ihr einen tiefen Respekt eingeflößt, erklärte Miß Deneke, eine der 2 Vertreterinnen der englischen Frauenvereine, die an einer Veranstaltung der rheinischen Frauen­organisationen in Düsseldorf teilnahmen.

Der Direktor der Berliner Oper, Michael Bohnen wird demnächst vor einer Son- der-Spruchkammer erscheinen. Er wird be­schuldigt, durch seine Denunziationen die Verhaftung mehrerer Demokraten veran­laßt zu haben, die in kleinere KZ-Lager verbracht wurden.

Wie man aus London erfährt, soll der frühere Oberbefehlshaber einer deutschen Heeresgruppe an der Ostfront, Feldmar­schall von Kleist den jugoslawischen Behörden ausgeliefert werden, die hierum ersuchten, um ihn al« Kriegsverbrecher vor Gericht zu stellen.

Friedrich Wolff und Dr. Werner Keuthen, die von 1933 bis 1941 im Auftrag des Volksgerichtshofes als Untersu­chungsrichter in Kassel tätig waren und

er am 28. April 1945 verwundet in russi­sche Gefangenschaft. Frankfurt a. d. Oder ist die erste Station. Zwei Teller Suppe, die obligate Kascha und ein Pfund unge­nießbares saures Brot sind die tägliche Nahrung. Die ärztliche Behandlung ver­sehen deutsche Arzte. Medikamente sind so selten, die Sterblichkeitsziffer wächst daher rapid. Zwischendurch wieder ein­mal Umquartierung in ein anderes Lager. 800 Offiziere aller Grade liegen wie die Heringe in einer Garage. Zwar gibt es für sie nur einen Wasserhahn, ein Benzin­faß als Toilette, aber dafür ist das Essen weitaus reichlicher. Ja, es gibt sogar 40 g Zucker am Tag und dazu keine Arbeit. Ende Oktober geschieht die Verladung der noch immer Invaliden nach dem Osten. 45 Mann kommen in einen Waggon, auch Männer mit offenen Wunden. Nach neun Tagen beginnt die 33tägige Fahrt, während der „laufend gestorben wird“, nach Ruß­ land . Endziel der Fahrt war eine Lager­gruppe etwa 400 km ostwärts Leningrad . Eine Stunde nach der Ankunft gab es den ersten politischen Vortrag, dafür aber anschließend sechswöchige Ruhe in der Quarantäne. Die Verpflegung ist auch hier unter den gegebenen Umständen reichlich. Fast zwei Liter Suppe, gutes Brot, Zucker und sogar 15 Zigaretten pro Tag. Als Un­terkunft dient eine Riesenbaracke, die bis zu 500 Mann Platz zu bieten hat. Weil es den Oefen an Holz mangelt, bekommt jeder Pelzjacken und wattierte Hosen, ln hygienischer Hinsicht herrscht immer noch Mangel, besonders an Medikamenten. Zu arbeiten brauchen die Invaliden nicht. Da­gegen sind die Arbeitsfähigen in der Land­wirtschaft, beim Straßen- und Eisenbahn­bau sowie in Lagerwerkstätten tätig. Noch immer ist das Essen reichhaltig, aber ein­seitig und Winkler ist überzeugt, daß die russischen Soldaten auch nicht mehr be­kamen. Im übrigen gab es zur geistigen Betreuung Varietes, eine vierköpfige Ka­pelle und einen Lagerchor und außerdem war jeder Bhracke ein Politruk für poli­tische Vorträge zugeteilt. Im übrigen brauchten die Offiziere ab Hauptmann nicht zu arbeiten. Auch schnitt man ihnen nicht die Haare und sie genossen auch sonst manche Vorteile.

Nun wünschen wir unseren Heim­kehrern eine recht gute Erholung und völlige Genesung! Und den anderen Fami­lien unserer Stadt wünschen wir die baldige Rückkehr ihrer Angehörigen!

von der hiesigen Spruchkammer gesucht wurden, sind nach eine? polizeilichen Mit­teilung dieser Tage festgenommen worden.

Die Nachricht von einer bevorstehenden Bekanntgabe der Verlobung des Prinzen Philipp von Griechenland mit Prinzes­sin Elisabeth von England wird in zuständigen griechischen und britischen Kreisen Londons nur als Echo eines Gerüch­tes betrachtet, dem irgendeine Bedeutung beizumessen sich nicht lohnt

Im Verlauf erneuter Demonstrationen gegen die Uebergangsregierung wurden seit dem 1. September in Bombay 9 0 Per­sonen getötet und 300 verletzt. — In allen Stadtteilen Bombays ereigneten sich Messerstechereien, Brandstiftungen und andere Gewalttätigkeiten, bei denen über 1 000 Personen festgenommen wurden.

Der amerikanische Flugzeugträger „Franklin Roosevelt “ und andere Einheiten der amerikanischen Flotte haben den italienischen Hafen Neapel zur Wei­terfahrt nach Griechenland verlassen.

Das Bundesministerium für Volkser­nährung beziffert auf Grund der im Mo­nat Mai ausgegebenen Lebensmittelkar­ten die Bevölkerung Oesterreichs mit rund 7 Millionen.

Die spanische Regierung lehnt es ab, die Verfolgung des ehemaligen belgischen Rexistenf ührers Leon Degrelle zu unterstützen, wie aus einer amtlichen Er­klärung der spanischen Regierung her­vorgeht.

Letzte Worte der Nürnberger Angeklagten

Die Wahlen in Sachsen

Wahlbeteiligung betrug 93 Prozent

Kurz gemeldet

Zürcher Theater

Zürich hat in seinem Schauspiel­haus ein Theater, um das man es benei­den kann Aber vor allem muß man es um den Leiter dieses Theaters beneiden, um Dr. Wälterlin. Man schaut auf­merksam, was dort gemacht wird und wie es gemacht wird, nicht nur in der Schweiz , auch in Deutschland und wohl auch anderwärts. Dr. Wälterlin improvi­siert nicht, wie jetzt auch der Prospekt der neuen Spielzeit beweise, er verfolgt mit augenscheinlicher Klarheit ein Ziel und dieses Ziel ist: Die Dramatik zu ei­nem lebendigen Spiegelbild der geistigen Strömungen unsrer komplizierten Zeit zu machen. Er versucht es durch Auswahl und Zusammenstellung der Stücke und durch eine auf das Geistige, auf die Her­ausarbeitung der Idee gerichteten Insze­nierung, für die ein gut abgestimmtes Ensemble und nicht sensationelle Star­schauspielerei das geeignete künstlerische Mittel ist Dazu gehören aber eine hohe Meinung von den Aufgaben der Schau­spielkunst viel künstlerisches Feingefühl und eine große Behaarlichkeit, alles Dinge, die bei Theaterleitern nicht gerade selbstverständlich sind und die zunächst sicher nur das Verständnis und den» Bei­fall der feineren Köpfe finden. Wohl dem, der solche findet!

Wir in Deutschland haben uns ange­wöhnt in der Schweiz sozusagen ein Land der unbegrenzten Möglichkeiten zu sehen. Jeder hat dort Geld, es kann alles gewagt werden! Daß aber gerade in geordneten realen Verhältnissen höchst behutsam ge­rechnet werden muß, läßt man ganz aus­ser acht. Für Improvisationen ist da schon kein Raum, nicht einmal lm Thea­ter; es sei denn, man spekuliere auf Schaulust und Vergnügungssucht. Aber das ist nicht Sache des Züricher Schau­spielhauses und seines Leiters. Auch in

der Schweiz muß man die feineren Köpfe erst zusammensuchen und in einer Ge­meinde versammeln, um das Publikum zu haben, das man als Resonanz für eine geistige Theateraufführung braucht. Das Geld allein machts nicht, wie man sich hier so naiv denkt.

Dr. Wälterlin sagte in Konstanz in einem Vortrag, das Zürcher Schauspielhaus habe seit 1933 die Aufgabe gehabt, der heimat­los gewordenen deutschen Kunst Heimat und Pflegestätte zu sein. Die Aufgabe sei jetzt erfüllt und es gebe sie an die deut­ schen Theater zurück.

Gewiß, es wird in Deutschland da und dort schon wieder viel Erfreuliches getan, aber es steht alles auf schwankendem Grund, auf allen Gebieten, vorweg auf dem empfindlichsten, auf dem der Kunst. Man lebt auch heute noch hauptsächlich ..von der Substanz“. Und wer weiß, ob die Aufgabe des Zürcher Theaters, seines Leiters und seiner Gemeinde, die Aufgabe des Bewahrens und Weiterführens, fortan nicht noch anspruchsvoller und subtiler sein wird als in den letzten zwölf Jahren, in denen man wenigstens den Geist der Verneinung und Zerstörung klar und deut­lich vor Augen sah und wußte, wie etwas n i ch t zu machen war?

Wir meinen dabei nicht, daß dies eine Aufgabe der Mildtätigkeit sei, sondern eine Aufgabe zu Nutz und Frommen der Menschheit . Denn es wäre doch merk­würdig. wenn ein derartig von einer in­neren und äußeren Katastrophe heimge­suchtes Volk, wie das deutsche , einem neuen Geist der Menschheit auch in künst­lerischer Prägung nicht wertvolle Beiträge zu leisten hätte!

Nach dem Prospekt des Zürcher Schau­spielhauses sollen in der kommenden Spielzeit u. a. folgende Werke auf geführt werden: Schiller „Jungfrau von Orleans “, Goethe „Stella” und „Schauspiel für Lie­bende“, Kleist „Amphytrion“, Eichendorff „Die Freier“, Grillparzer „Ottokars Glück und Ende

“, Nestroy „Das Mädel aus der Vorstadt“, Hauptmann „Der Biberpelz “, Cäsar von Arx „Brüder in Christo“, Max Frisch „Chinesische Mauer “, Zuckmayer „Des Teufels General “, Brecht „Der kau­ kasische Kreidekreis “, Sartre „Die Sie­ger“, Anouilh „Eurydike “, Camus „Cali- gula“, Vermorel „Jeanne mit uns“, Eliot „Mord in der Kathedrale“. Cowen „Fami­lienporträt“, Saroyan „Mein Herz ist im Hochland“, Gribojedow „Verstand bringt Leiden “ und Ibsen „Baumeister Solneß“ mit Albert Bassermann . Mdg.

THEATER UND FILM

Kulturveranstaltungen in Lin­ dau . Die vom 14. September bi« 6. Oktober stattfindende Ausstellung in Lindau ist zwar vor allem dem wirtschaftlichen Leben von Stadt und Kreis gewidmet, wird aber begleitet und umrahmt von künstlerischen Veranstaltungen. Ueber Ziel, Zweck und Planung der Ausstellung wird ein Presse­empfang am 6. September im Lindenhof Schachen Auskunft geben. Die Eröffnung findet am 14. September statt: am Abend dieses Tages wird „Figaros Hochzeit " durch das Augsburger Stadttheater aufgeführt In den 3 Wochen folgen dann weitere 7 Vor­stellungen verschiedener Bühnen, 5 Kon­zerte, 3 Dichterlesungen und 3 wissenschaft­liche Vorträge. Die in Lindau lebenden Komponisten und Dichter werden dabei be­sonders zu Worte kommen. Die Volkskunst ist vertreten mit einem Westallgäuer Hei­matabend. Vom 27. bis 29. sollen die Kultur- referenten des Bodenseegebietes zu fach­lichen Gesprächen Zusammenkommen und am 6. Oktober ist ein Treffen der Dichter vom Bodenseegebiet geplant bei dem man hofft auch schweizerische und österreichi­sche Dichter begrüßen zu können.

Neuer französischer Film. Im Großen Saal des Kurhauses Baden-Baden fand che deusche Uraufführung des franzö­ sischen

Filmes „Dezembernacht" (Nuit de Decembre) mH großem Erfolg statt. Das gleichnamige Gedicht Alfred de Mussets gab Titel und Grundstimmung, in die das bewegte Kunst- und Liebesieben des großen Pianisten Darmont durch das Drehbuch von Jacot und Andre Legrand hineinprojiziert wurde. Pierre Blancher machte den von den Frauen umschwärmten Künstler auch in sei­nem einmaligen Abenteuer glaubhaft mit der reizvollen Denöe Saint-Cyr. Er zerbricht an seinem, an „Don Juans letztem Aben­teuer", wie der Film heißen könnte, wächst aber zugleich zu selbstlosem Verzicht für seinen Schüler und — seine bisher nicht ge­kannte Tochter empor. Regie, Darstellung, Musik und Photographie sichern diesem er­greifenden Künstlerfilm den unbestrittenen wirkenden Erfolg. Bs.

KULTURNACHRICHTEN

* Goethes Geburtshaus. Mit so vielen Erinnerungsstätten ist auch das Ge­burtshaus Goethes in Frankfurt a. M. durch Bombenangriffe zerstört worden. Nur rauchgeschwärzte Ruinen sind übrig ge­blieben. Nun veröffentlicht Professor Beutler einen Aufruf zum Wiederaufbau des Hauses. Auch die Amerikaner zeigen Interesse für diesen Plan. Die Bilder, Mö­bel und die Bibliothek sind erhalten. Nach dem Plan des seit langem für das Hoch6tift tätigen Architekten Josseaux soll im Au­gust 1949, am 200. Goethe-Geburtstag, der Neubau abgeschlossen sein. Indessen wird auch der schönste Neubau, bis in den letz­ten Winkel hinein getreu, nicht mehr das Haus sein, in dem Goethe seine Jugend er­lebte.

Weltausstellung in Paris 194 9. Die französische Nationalversammlung hat am 9. August einen von den sozialistischen Abgeordneten eingebrachten Gesetzentwurf angenommen, der für da« Jahr 1949 die Or­ganisation einer Internationalen Ausstellung in Paris vorsiehL

Diagnose

Von Willi Lindner

Wenn du, an nichts Böses denkend, deinen Schritt zur Arbeit lenkend, plötzlich, kaum dir recht bewußt, mehrmals heftig niesen mußt;

wenn mit Hustenreiz und Prickeln sich die Dinge dann entwickeln, daß es dir im Kopfe klopft und dir gar die Nase tropft;

wenn dir dann die Zigarette schmeckt wie Stroh aus einem Bette, oder auch die Mutzepfeife so, als wär’ der Tabak Seife;

wenn du dann mit Widerwillen Wasser schluckst mit Brompastillen und bekämpfest andrerseits gurgelnd deinen Hustenreiz;

wenn nebst mancherlei Beschwerden dir dann schwer die Glieder werden, wenn du frierst und trotzdem heiß bist, wechselnd rot und käseweiß bist;

wenn du dich, trotz Widerstreben, in dein Bette mußt begeben, um nach gründlichem Erhitzen sieben Decken durchzuschwitzen;

wenn in solcher Kümmemuß

selbst, die Liebste dir zum Kuß

weigert ihre Rosenlippe,

dann, mein Freund, hast du die Grippe!

Keine Landschaftsreklame. In England scheint man einen guten Ge­schmack zu haben. Man will nämlich keine Reklameschilder mehr dulden, die das Landschaftsbild stören. Bisher haben private Vereinigungen britischer Rekla­meagenten ihre Mitglieder ersucht, Fir­men nicht zu berücksichtigen, die derlei Propaganda treiben.