2.JAHRGANG • TAGBLATT FÜR BODEWSEE • SCHWARZWALD UND DAS OBERE DONAUGEBIET • NUMMER 110

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Molotow über die polnische Westgrenze

Potsdamer Abkommen kann nicht widerrufen werden

Berliner Spiegel

Telegramm unseres Berliner Korrespondenten

Berlin . Molotows Erklärung gegen eine Revision des Umfangs des jetzigen polnisch verwalteten Gebietes ist hier plötzlich zum Mittelpunkt der Auseinan­dersetzungen geworden. Alle Blätter des sowjetischen Sektors bringen Molotows Erklärung im Wortlaut und in großer Auf­machung, auch die in diesem Sektor er­scheinenden Blätter der CDU und LDP. Das Ostproblem wird bei der besonderen Nähe der Grenze und der starken Ver­bindung der Bevölkerung mit den abge­trennten Gebieten von vornherein auf dem internationalen und politisch bewegten Boden Berlins als Brennpunkt der künf­tigen Friedensregelung empfunden. Bisher wurde dieses Problem allerdings nur in persönlichen Gesprächen erörtert.

Eine erstmalige öffentliche Stellung­nahme in der Sowjetzone fand anläßlich der Rede Jakob Kaisers vor vier Wochen in Görlitz , hart an der Grenze des polni­schen Verwaltungsgebietes, statt. Kaiser sprach damals die bestimmte Hoffnung

Nürnberger Urteil erst am 30. September

Nürnberg . Die Urteilsverkündung im Nürnberger Kriegsverbrecherprozeß ist auf den 30. September verschoben worden.

aus, daß entsprechend den Potsdamer Be­stimmungen die Friedenskonferenz die endgültige Grenzfestsetzung verbessern werde. Als Erstvorgang rief diese Stellung­nahme viel Aufsehen hervor und wurde seitdem wiederholt in Versammlungen be­rührt. Auf dem sozialdemokratischen Par­teitag. am Sonntag in Berlin sprach Franz Neumann den Wunsch nach den Grenzen von 1937 aus, unter Verzicht auf Ost­preußen. Am Tage vor Molotows Erklärung brachte das kommunistische Zentralorgan „Neues Deutschland” in Großaufmachung eine Darlegung über eine wahre nationale Politik, worin gesagt wird, daß die Grenz­frage vom Weltvertrauen abhängig sei, das aber nur zu erwerben sei durch die Beseitigung des Grundbesitzes und der Konzerne auch in der Westzone. Molotows Erklärung ist umso wichtiger, als vielfach in Gesprächen die kommunistische Auf­fassung verbreitet wird, daß ein Wahlaus­gang im kommunistischen Sinne eine Re­vision im Osten ermöglichen würde.

Der Unterschied zwischen der Byrnes- Rede und der Molotow-Eiklärung zur Ost­frage wird plötzlich im gerade beginnenden Wahlkampf im Berliner Stadtparlament, obwohl ein außenpolitisches Problem, zum Mittelpunkt stadtkommunaler Fragen ge­macht. In politischen Kreisen ist man der Meinung, daß damit der tiefere Sinn der Auseinandersetzungen um die Viermächte­stadt klargelegt ist. Es besteht große Wahrscheinlichkeit, daß bis zum Wahltag am 20. Oktober die Diskussionen in Berlin von diesem Thema beherrscht sind. Auch die überraschende Verkündung des Wahl­termins für die Landtage in der sowjeti­schen Zone wird als ein Teil dieser Aus­einandersetzung empfunden, weil damit erstmalig in der Ostzone politische Körper­schaften geschaffen werden, die in Reden und Resolutionen Stellung nehmen kön­nen. In diesem Sinne ist es bezeichnend, daß die Gemeindeverfassungen in der So­wjetzone einen Einleitungssatz erhielten, der gemäß der Stellungnahme gegen den Föderalismus von einem einigen und un­teilbaren Deutschland spricht.

Z ü r i ch. Im Rathaus zu Zürich fand am Donnerstagvormittag ein offizieller Empfang Winston Churchills durch die Züricher Behörden statt. Auf seiner Fahrt zum Rathaus bereitete die Bevölkerung dem englischen Staatsmann einen begei­sterten Empfang.

Anschließend begab sich Churchill nach der Universität. In der großen Aula wurde er vom Rektor der Universität Zü­ rich begrüßt, der ihm eine Huldigungs­adresse überreichte. In seiner Rede stellte Churchill einleitend fest, daß Deutschland gesündigt habe und daß die Schuldigen bestraft werden sollen. Mit der Vergel­tung müsse es aber einmal ein Ende neh­men und es müsse Vergessen und Ver­zeihen an die Stelle treten. Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und Freiheit müssen wie­der herrschen.

„Ich werde Ihnen jetzt eine Erklärung abgeben, die Sie in Erstaunen setzen wird“, so erklärte Churchill . „Der erste Schritt für die Neuschaffung einer euro­ päischen Familie muß in der engen Part­nerschaft Frankreichs und Deutschlands bestehen, die geistig frei und groß sein müssen. Die materielle Macht spielt da­bei nicht die erste Rolle.“

Es sei augenblicklich eine Atempause m der Welt festzustellen, der Kanonendon-

Paris . Der sowjetische Außenminister Molotow wandte sich in einem Interview mit einem Vertreter der amtlichen polni­schen Presseagentur gegen die Auffassung, daß die westlichen Grenzen Polens einer Revision unterzogen werden können. — Im Verlauf des Interviews nahm der sowjeti­sche Außenminister zu Außenminister Byr­nes Stuttgarter Rede Stellung.

Molotow erklärte, das Potsdamer Abkom­men, das von Truman , Stalin und Attlee unterzeichnet wurde, habe die polnischen Westgrenzen bereits festgelegt. Eine neue Grenzziehung bedürfe nur noch einer for­mellen Bestätigung auf einer Konferenz über den Friedensvertragsentwurf mit Deutschland . Molotow wies dann darauf hin, daß zwei Millionen Deutsche au s den Gebieten, die nunmehr von Polen besetzt sind, ausgewiesen wurden. „Allein der Ge­danke, all dies wieder rückgängig zu ma­chen, erscheint unglaublich.''

Zur Haltung der sowjetischen Regierung hinsichtlich der polnischen Westgrenze, wozu Byrnes erklärt hatte, diese Grenze sei nicht endgültig, wies Molotow u. a. dar­auf hin, daß nunmehr seit über einem Jahr die polnische Westgrenze entlang der Linie Swinemünde—Oder—westliche Neiße ver­laufe. Der Kontrollrat habe die Aufnahme der aus diesen Gebieten angesiedelten deut­ schen Bevölkerung ausgearbeitet Mehrere Millionen Polen seien indessen in diesen westpolnischen Gebieten ansässig gewor­den. „Diese Tatsachen zeigen, daß die Mächte in keiner Weise voraussetzten, daß die Entscheidung der Potsdamer Konferenz in irgendeiner Form in der Zukunft revi­diert werden sollte."

Die historische Entscheidung der Potsda­ mer Konferenz hinsichtlich der polnischen

Freiburg/Br . Am 5. September 1946 wurden bei der Oeffnung eines Massen­grabes in der Gemeinde Haslach 210 neue Opfer der Naziverbrechen entdeckt. Am vergangenen Dienstag sprach bei der Bei­setzung dieser Opfer Gouverneur Pene in Haslach . Gouverneur Pene führte aus:

„Meine Herren und Damen! Wir haben bereits von den großen Todeslagern ge­hört. Gleich beim Zusammenbruch des Hitlerregimes im April/Mai 1945 hatten wir die Beschreibung der Lager Buchen­ wald , Mauthausen , Neuen-Gamme, Neue- Bremme und so vieler anderer gelesen. Wir waren Zeugen der Rückkehr zunächst einiger weniger, dann immer zahlreicherer jener lebenden Skelette, die nur durch einen raschen Sieg der Alliierten dem sicheren Tod entrissen worden sind. Nach­dem wir die «-schreckende Bilanz von Millionen Opfern aufgestellt hatten, konn­ten wir glauben, daß das Gespenst der Deportierung endgültig gebannt sei, aber jeder neue Tag, jede neue Woche bringen die Entdeckungen neuer Greuel.

Am 5. September 1946 brachte die Oeff­nung eines Massengrabes in der Gemeinde Haslach die Entdeckung von 210 neuen Opfern der Naziverbrechen. Ihre sterb­lichen Ueberreste befinden sich in einem derartigen Zustand, daß nur 8 davon mit ziemlich großer Wahrscheinlichkeit iden­tifiziert werden konnten. 48 wurden mit

ner sei verstummt, nun müßten aber auch die Reden verstummen, die den Frieden gefährden.

Smut8 über Deutschland

Abderdeen. Deutschland muß wieder in das System der westlichen Welt einge- fügt werden, erklärte der südafrikanische Ministerpräsident Feldmarsdiall Smuts in einer Rede, die er in Abderdeen (England ) hielt. Wenn man dies nicht tue, sei Deutsch­ land verloren, und es würde ein gefährli­ches Vakuum in Europa geschaffen. — Der Feldmarschall fuhr fort, daß die militärische Bedrohung durch Deutschland ein füralJe- mal gebrochen werden muß. dies sei aber nicht die einzige Gefahr. Es könne eine nicht weniger gefährliche Situation für die Zukunft entstehen, wenn Zentraleuropa , das heißt Deutschland und seine Nachbar­länder, in eine soziale und wirtschaftliche Lage treiben würden, die den Untergang bedeute. — „Deutschland hat sich gegen die westliche Zivilisation fast unverzeihlich versündigt. Wir müssen dafür sorgen, daß sich so etwas nicht wiederholt Wir müssen aber auch die Gefahr im Auge behalten, die in der Bestrafung liegt. Es muß in Deutsch­ land die Hoffnung auf ein besseres Leben geben.

Westgrenzen, sagte Molotow abschließend, kann nicht widerrufen werden, denn die Tatsachen beweisen, daß es unmöglich ist, es jetzt noch zu tim. Das ist die Haltung der sowjetischen Regierung zu dieser Frage. «

W a r s ch a u. „Unsere Grenzen an der Oder und an der Neiße sind unantastbar”, erklärte, wie Radio Warschau meldet, der stellvertretende polnische Ministerpräsident Gomolka unter anderem in einer Rede, die er auf einem Erntefest hielt

Die Deutschen , so führte Gomolka weiter aus, würden niemals nach Polen zurückkeh­ren, denn das neue Polen werde seine frü­heren Fehler nicht wiederholen. Wenn man sich Illusionen darüber gemacht habe, daß die polnische Zukunft nach dem Westen orientiert sei, dann habe die Byrnes-Rede diese Illusionen zerschlagen.

Erstes Echo aus USA

New York . In einem Leitartikel schreibt die „New York Times ” zu der Erklärung, die Außenminister Molotow in Beantwortung der Stellungnahme Außen­minister Byrnes zu den polnischen West­grenzen abgegeben hatte: „Sie ist nicht unbedeutend, daß die russische Erklärung unmittelbar nach Abhaltung der deutschen Wahlen, während derer den Deutschen die Möglichkeit einer neuen Teilung Polens vorgegaukelt wurde, — was jedoch nicht den gewünschten Erfolg brachte —, und kurz vor den polnischen Wahlen, die im Herbst stattflnden sollen, abgegeben wurde. Hauptsächlich ist sie aber wegen ihrer Auswirkungen auf' die gegenwärtigen Meinungsverschiedenheiten hinsichtlich Deutschlands und wegen ihres Verhält­nisses zur Auslegung von Abkommen, bei

geringerer Wahrscheinlichkeit identifiziert, und der Rest, also 154, ist vollständig un­bekannt.

Wir wissen nicht, ob es sich um Lands­leute von uns oder um Alliierte bandelt, um Deutsche oder Angehörige anderer Nationalitäten. Wir wissen infolgedessen nicht, welchen Familien, wir unsere Sym­pathie zum Ausdruck bringen können. Wir können nur einmal mehr unser Entsetzen und unsere Entrüstung darüber zum Aus­druck bringen und aus den Verbrechen, die wir hier vor uns haben, unsere Lehren ziehen.

Frankreich , das eine beträchtliche An­zahl von Verschleppten aufzuweisen hat (in vorliegendem Fall sind die Franzosen die Mehrheit) wird aus diesen Greueltaten keinen Anlaß zu Racheakten nehmen, aber es glaubt mit seinen Alliierten, daß es seine Pflicht ist, die Erziehung des deutschen Volkes wieder in die Hand zu nehmen und ihm den Abscheu über das Regime der Schande und des Mordes einzuimpfen, das das deutsche Volk zu einer beispiellosen Niederlage geführt hat Ihr Deutsche , die ihr mir zuhört, ihr sollt gegen die Kollektivpsychose reagieren, von der ein­zelne eurer Landsleute ergriffen waren, und die sie zu Mitläufern Hitlers ge­macht hat Diejenigen unter euch, die nur aus Schwäche schuldig geworden sind und die es nicht fertig gebracht haben, aktiv gegen das barbarische Nazi­system zu kämpfen, haben eine Pflicht zu erfüllen. Ihr seid der zivilisierten Welt der Hitler und seine Clique nur grauen­hafte Zerstörung und massenhaften Mord gebracht hat, gegenüber schuldig, alles zu tun, was in euren Kräften steht, solche Greuel zu verhindern. Ihr befindet euch bereits, ich hoffe dies bestimmt, auf dem Wege des Wiederaufbaues. Die große Be­reitwilligkeit, mit der ihr vergangenen Sonntag zur Wahlurne geschritten seid, beweist, daß der demokratische Geist bei euch Einzug gehalten hat, aber seid auf der Hut, damit vorübergehende Schwierig­keiten. für die übrigens das Hitlerregime allein verantwortlich ist, nicht aus Ver­zweiflung euch wieder dazu bringen, den Verlockungen verbrecherischer Propheten zu erliegen. Ihr müßt alle die Irrtümer einsehen, die ihr entweder in Gedanken, durch Taten oder Pflichtvergessenheit be­gangen habt, ihr müßt eure ehemaligen Gegner gerecht beurteilen, die bestrebt sind, einen schrecklichen Krieg zu ver­hindern, und müßt euch auf keinen Fall durch schlechte Führer auf Abwege brin­gen lassen.

Erklärt heute feierlich am Grabe der hier beigesetzten Opfer, daß euer erstes Zukunftsziel darin bestehen wird, den demokratischen Völkern zu helfen, in Deutschland und der Welt ein Regime sozialen Friedens, internationaler Zusam­menarbeit und Güte aufzurichten.*

denen die Sowjetunion ein Partner ist, wichtig. Die Vereinigten Staaten und Großbritannien sind auf Grund der Ver­einbarungen von Yalta und Potsdam ver­pflichtet, eine Revision der polnischen West-Grenzen zugunsten Polens zu un­terstützen, um Polen für die von der So­ wjetunion im Osten übernommenen Ge­biete zu entschädigen. Dadurch, daß wir uns nicht auf die Annahme einseitiger Entscheidungen, welche Rußland vorzu­nehmen sich entschließt, festlegen, kann auch die Sowjetunion dies nicht tun, ohne die während des Krieges getroffenen Ver­einbarungen und Grundsätze, für die sie selbst gekämpft hat, zu verletzen.

Eine Wallace-Erklärung

Washington . Die innenpolitische Krise Amerikas , die durch die aufsehen­erregende Rede Wallaces hervorgerufen wurde, hat eine neue Entwicklungsstufe erreicht.

Die diplomatischen Kreise stellen zwei Tatsachen heraus: 1. Wallace bleibt wei­terhin in der Regierung. Seine Unter­redung mit dem Präsidenten verlief in sehr „freundschaftlicher Form“. 2. Die ein­zige vom Handelsminister übernommene Verpflichtung besteht darin, „bis zur Be­endigung der Pariser Konferenz keine Rede mehr zu halten.“

In der Umgebung Trumans spricht man davon, daß das Ergebnis der Unterredung ein großer Erfolg des Präsidenten sei, während es in der Umgebung Wallaces heißt, daß der Handelsminister, wenn er den Forderungen des amerikanischen Re­gierungschefs nachgegeben, es nur deshalb getan habe, weil Truman mehrere seiner Argumente akzeptiert hat, darunter vor allem das, das eine „Milderung der ameri­ kanischen Politik gegenüber Rußland be­zweckt

Neues britisch -französisches W irtschaftsabkommen

London . Der Abschluß eines britisch - französischen Finanz- und Wirtschafts- Abkommens wurde gleichzeitig in London und Paris bekanntgegeben. In dem Ab­kommen sprechen die beiden Regierungen den Wunsch nach Herstellung größerer Freizügigkeit und allgemeiner Ausdehnung des Welthandels aus.

Ueber die grundsätzliche Handhabung des Zahlungsverkehrs wurde ein Ueberein- kommen erzielt. Einzelheiten über finan­zielle Bestimmungen, die als Folge der großen französischen Ankäufe in Sterling- Währung innerhalb der vergangenen zwei Jahre erforderlich wurden, sind in einem Sonderabkommen enthalten. Es wurde be­schlossen, mindestens alle drei Monate regelmäßig Wirtschaftsberatungen abzu­halten, um die Handels- und Finanz- Bilanz zwischen Frankreich und dem Ster­ling-Block zu überprüfen, Schwierigkeiten zu beseitigen, die sich aus der Durchfüh­rung des Abkommens ergeben sollten und die Aufgaben des Wiederaufbaus mit den Plänen der Regierungen beider Länder in Einklang zu bringen.

Bei Bekanntgabe des Abschlusses dieses Abkommens erklärte der französische Fi­nanzminister Robert Schumann in Paris , man könne nicht von Großbritannien ver­langen, daß es nur Luxuswaren von Frank­ reich kaufe. Frankreich werde also von nun an Großbritannien lebenswichtigere Waren zur Verfügung stellen.

Uranium in Frankreich

Paris . Eins der größten Uraniumvor- kommen der Erde ist, wie französische Bergbauingenieure mitteüen, kürzlich in Frankreich im Gebiet von Limoges entdeckt worden. Die Ingenieure versichern, Frank­ reich rücke damit in die Reihe der ersten „Atomnationen” ein.

Die Uramumvorkommen reichen bis in eine Tiefe von rund 700 Metern und er­strecken sich auf ein etwa 5 Quadratkilo­meter großes Gebiet. Die Uraniummine liegt unter dem Gebiet einer kleinen Ort­schaft mti dem Namen Ambazac . Die Ein­wohner von Ambazac fanden bereits vor mehreren Jahren Uranium in einer Tiefe von etwa 2 Metern unter der Erdoberfläche. Sie hatten jedoch wenig Verwendung für die schweren Steine, die sie damals fanden, und in denen dieses kostbare Metall enthal­ten war. In ihrer Unwissenheit verwandten sie die Uraniumerze al s Schotter zum Aus­bessern von Straßen.

Einer der Ingenieure erklärte, nachdem er die Vorkommen in Ambazac geprüft hatte, der Name dieser kleinen Ortschaft wird in einigen Jahren genau so berühmt sein, wie che Namen Mocsul oder Ploesti.

STREIFLICHTER

Der Kampf, den de Gasperi in Paris um die Milderung der Friedensbedingungen für Italien führt, die leidenschaftlich« Reaktion auf die Behandlung der Triester Frage, lassen die innerpolitische Situation des Landes scheinbar in die zweite Reih? treten. Tatsächlich zeichnen sich aber hier am Horizont bedenkliche Symptome für eine Auseinandersetzung ab.

Für den Fremden, der einige Tage in Rom , Mailand oder einer andern Groß­stadt verbringt, scheint alles in Ordnung und das Wirtschaftsleben blüht nach den harten Schlägen des Krieges auf. Die Lä­den sind gefüllt, ja überfüllt mit den ver­lockendsten Dingen — Fleisch, Butter, Käse, Eier werden in großen Mengen zum freien Verkauf angeboten. Gaststätten, Varietes und Tanzlokale überbieten sich in ihren Lockungen. Und wer kann kaufen, wer amüsiert sich? Noch nicht 5 % der Be­völkerung verfügt über die notwendigen Einkünfte, um von dieser „Befreiung“ von dem Bewirtschaftungszwang profitieren zu können und die noch bewirtschafteten Le­bensmittel wie Brot, Zucker und Oel wer­den in so bescheidenen Mengen zugeteilt, daß sie niemals ausreichen können. Der Schwarze Markt feiert Triumphe, seine Nutznießer werden Millionäre und benut­zen ihren Reichtum so wie sie es nach ih­rer Geisteshaltung für richtig ansehen. Das Volk darbt Ein Arbeiter kann mit seinem Tageslohn auf dem Schwarzen Markt etwa 2 kg Brot kaufen.

Diese soziale Krise ist dank der sprich­wörtlichen Genügsamkeit der Italiener bisher ohne wesentliche Folgen geblieben, wenn auch die Ausdrücke der Unzufrie­denheit in Sizilien, aber auch in Nordita- • lien zum Nachdenken mahnen. Die Regie­rung will durch Verbilligungsaktionen und Lohnerhöhungen eine Anpassung des Lohnniveaus an die Preise vornehmen, um damit gleichzeitig der drohenden Inflation zu begegnen, ohne daß bisher Erfolge oder auch nur energische Maßnahmen erkenn­bar sind. Zu dieser latenten Krise kom­men die akuten Schwierigkeiten, die di« Regierung de Gasperi innerhalb des Kabi- nettes hat und die sich besonders in dem Angriff des kommunistischen Führers Togliatti ausdrücken, der die übrigen Re­gierungsmitglieder beschuldigt, durch ihre ablehnende Einstellung gegenüber der So­ wjetunion die harte Haltung Molotows hinsichtlich der Friedensbedingungen Ita­ liens veranlaßt zu haben. R. W.

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Am 21. August brach der offene Bür­gerkrieg in China aus, nachdem schon monatelang mehr oder weniger heftige örtliche Auseinandersetzungen zwischen den beiden Parteien stattgefunden hatten. Daneben laufen unentwegt unter Vermitt­lung des amerikanischen Generals Mar­shall und in jüngster Zeit von Leighton Stuart Konferenzen zwischen Tschiaflg- kai-Schek und Dschu-en-Lai, um eine Beilegung des Konfliktes zu erzielen. Die in der Presse bisher veröffentlichten Be­richte über die Lage in China lassen nur unklar die eigentlichen Ursachen der Kämpfe erkennen. Sie sprechen von Ver­fassungsfragen, von der Schaffung eines Nationalrates, von der Beteiligung sämt­licher Parteien an der Regierung und von der Einführung einer Anzahl sozialer Re­formen — Probleme, die eigentlich keine unüberwindlichen Schwierigkeiten zu bie­ten brauchten. Die eigentlichen Ursachen der chinesisch.Auseinandersetzungen lie­gen indessen viel tiefer. Seit 35 Jahren, seit der großen chinesischen Revolution unter Sun-yat-sen, befindet sich China in einem Zustand latenter Klassenkämpfe. Die landlosen Bauern fordern Enteignung des Großgrundbesitzes, Abschaffung des mit­telalterlichen Pachtunwesens, Abschaffung der Polizeiwillkür und Gewährung demo­kratischer Freiheit. Die Kuomintang- Partei, die sich zunächst zum Vorkämpfer für diese Ideen gemacht hatte, geriet un­ter Tschiang-kai-Scheks Leitung immer mehr und mehr unter den Einfluß eben jener reaktionären Kreise, die zu bekämp­fen sie ausgezogen war. Der unter Füh­rung von Tschen-Li-Fu stehende reaktio­näre Flügel dieser Partei hat die entschei­denden Machtpositionen im Staate — Po­lizei, Justiz und Armee — in Händen. So kann die Ablehnung der Kommunisten und ihrer Verbündeten, der Sozialdemo­kraten, des Jugendbundes und der demo­kratischen Liga, nicht wunder nehmen, denen Tschiang-kai-Schek vorschlug, zu­nächst ihre bewaffneten Streitkräfte auf­zulösen und dann unbewaffnet in die von Tschen-Li-Fu beherrschte Regierung ein­zutreten. Die Spannungen zwischen den Großmächten hat zu einer weiteren Kom­plizierung der Lage geführt. Während General Marshall zwischen den Parteien vermittelt, werden die Regierungstruppen mit amerikanischen Bombenflugzeugen und Waffen ausgerüstet, denen die Kom­munisten dementsprechend mit sowjeti­schem Kriegsmaterial antworten. Ein« Beilegung des Konfliktes scheint nur

Die Irrtümer einsehen

Gouverneur Pene bei der Beisetzung von 210 Opfern des Nationalsozialismus

Vergeltung muß ein Ende nehmen

Churchill sprach in Zfirieh