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SUDKUKIEB
dann möglich, wenn sowohl von seiten Rußland wie auch der USA die Förderung der so dringend notwendigen sozialen und politischen vor die eigenen machtpolitischen Interessen gestellt wird. go.
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Der Vertrag von Montreux , der 1936 «wischen Großbritannien , Rußland , Frank reich , Bulgarien , Griechenland , Japan , Ru mänien , Jugoslawien und der Türkei abgeschlossenwurde und die Frage der Dardanellen regelt, soll revidiert werden. Die Sowjetunion wünscht den Ausschluß der Mächte aus dem Vertrag, die nicht am Schwarzen Meer liegen und wünscht, daß sie gemeinsam mit der Türkei die Meerengen militärisch bewache. Das ist der Kern der Auseinandersetzungen, die jetzt entstanden sind und die zeitweise selbst die Ereignisse auf der Pariser Friedens konferenz überschatteten.
Die Politik der Sowjetunion , die auf die Meerengen gerichtet ist, ist nicht neu und geht im Grunde zurück auf eine Konzeption Peters des Großen, der erkannt hatte, welche Bedeutung der Ausgang aus dem Schwarzen Meer für ein in die Weltpolitik hineinreichendes russisches Reich haben müßte. Nach den Wechselfällen der Jahrhunderte — der verlorene Krimkrieg brachte z. B. für Rußland das Verbot, eine Flotte im Schwarzen Meer zu halten — brachten die Verträge von Lausanne und 1936 von Montreux eine der Türkei kon- venierende Regelung. Kriegsschiffe durften danach die Enge nur durchfahren, wenn sie den Flotten der Mächte am Schwarzen Meer angehörten. Handelsschiffe sollten freie Durchfahrt erhalten, im Kriege jedoch nur dann, wenn sie unbewaffnet waren und keine Ladungen an Bord führten, die einem Kriegführenden nützlich sein konnten.
Die Meerengenfrage wurde auf derAus- senministerkonferenz in Moskau und auf den Konferenzen von Teheran 1943, Yalta 1945 und Potsdam 1945 behandelt und dabei insbesondere auch die britischen Interessen der Sicherung des durch das Mittel meer führenden Weges nach Indien herausgestellt. Die Vereinigten Staaten zeigten ein lebhafteres Interesse als je zuvor für diese Frage. Auf die Kündigung des tür kisch -russischen Freundschafts- und Neutralitätspaktes zu Beginn des Jahres 1945, der zwanzig Jahre gelaufen war, began
nen Vorverhandlungen über eine neue Regelung der Dardanellenfrage einzutreten. Als Verhandlungsgrundlage ist die Türkei mit dem Vorschlag der Angelsachsen einverstanden, der vorsieht: freie Durchfahrt im Krieg und Frieden für die Handelsschiffahrt aller Nationen, freie Durchfahrt für die Kriegsschiffe der Sowjetunion , Ru mäniens , Bulgariens und der Türkei , freie Durchfahrt für die Kriegsschiffe anderer Nationen unter der Bedingung, daß die Durchfahrt im Auftrag der Vereinten Na tionen erfolgt und die genannten Schwarz - meerstaaten damit einverstanden sind.
Die russische Note an die Türkei geht über die Forderungen der amerikanischen Anregung hinaus und schlägt die Regelung der Meerengenfrage als eine Angelegenheit vor, die nur die Mächte des Schwarzen Meeres Eingehe. Damit wären Frank reich , Großbritannien , die Vereinigten Staaten und andere Mächte, die zum Teil noch den Vertrag von Montreux zeichneten, ausgeschlossen. Die russische Note fordert ferner, daß die Türkei und die So wjetunion gemeirisam die Mittel für die Verteidigung der Meerengen orgainisieren sollen. Die Türkei legt sich äußerste Zurückhaltung auf, unterstreicht jedoch das Bündnis und die Freundschaft mit Groß britannien . Trotz des Schweigens, das sich über die Vorverhandlungen bisher gelegt hat, dürfte die ErwEirtung, daß ein neuer Kompromiß gefunden wird, nicht übertrieben sein. R. W.
Der Übertritt in die Sowjetzone
Bebra. Ohne amtliche Zuzugsgenehmigung wird der Uebertritt in die sowjetische Zone nicht gewährt, teilt der Kommissar für Flüchtlinge und Ausgewiesene in Bebra mit. Die von den zuständigen Kommissaren für Flüchtlinge und Ausgewiesene ausgestellten Ueberführungsausweise genügen hierzu nicht, da noch keine entsprechende Vereinbarungen mit der sowjetischen Militäradministration getroffen werden konnten. — Es mußten daher zahlreiche Flüchtlinge und Ausgewiesene, sowie Evakuierte die aus den Ländern Bayern und Württem berg-Baden , auf Grund des Länderratsbeschlusses vom 6. August 1946 von den zuständigen Kommissaren für Flüchtlinge und Ausgewiesene zur Grenzübertrittsstelle Bebra geschickt worden waren, wieder zurückgeschickt werden.
Paris . General de Gaulle hat einem i Vertreter der Agentur „France-Presse “ I über das Verfassungsproblem eine Erklärung abgegeben.
Auf die Frage: „Befriedigt Sie der Verfassungsentwurf, wie er in erster Lesung von der verfassungsgebenden Versammlung Emgenommen worden ist?“ antwortete General de Gaulle: „Nein, denn trotz allem ist dieser Entwurf tatsächlich der gleiche, den die Wähler am 5. Mai zu recht abgelehnt haben. Eine allmächtige Versammlung, eine VersEunmlungsregierung, ein Staatsoberhaupt ohne jegliche Befugnisse, keine zufriedenstellende Organisation der französischen Union. Ein derartiges Regime für Frankreich und die fran zösische Union müßte uns meiner Ansicht nach letzten Endes die Anarchie oder die Diktatur bringen.“
„Der Präsident der französischen Union sowie der Rat der französischen Union müßten reelle Befugnisse haben und den förderalistischen Ministem müßte tatsächlich ein förderalistischer Charakter gegeben werden. Wenn, was ich hoffe, die Wähler den vorliegenden Verfassungsentwurf ablehnen sollten, dann müßte die neue Versammlung rasch einen neuen schaffen, der Einnehmbar wäre und der also angenommen "werden würde. Es würde dann in diesem Falle möglich sein,
| dem Lande vorzuschlagen, die im Novem- I ber für 7 Monate gewählte Versammlung automatisch für 4 oder 5 Jahre im Rahmen der Verfassung beizubehalten. Ein einziger Volksentscheid würde gleichzeitig das Verfassungsproblem und die Frage der Mandatsverlängerung für die im November Gewählten lösen.
„Angesichts der derzeitigen Lage Frank reichs und der französischen Union scheint mir kein anderes Problem wichtiger zu sein, als dasjenige des Wiederaufbaues des republikanischen Staates. Von diesem Problem hängen alle anderen ab. In diesem Zusammenhang glaube ich nicht, daß der bisher im Parlament von der Mehrheit eingeschlagene Weg der richtige ist.“
Freier Zeituagsaustausdi
Berlin . General Robert A. McClure , der Leiter der Informationskontrolle der amerikanischen Militärregierung für Deutschland , gab bekannt, daß die fran zösischen Besatzungsbehörden seinen Vorschlag vom 27. August über einen freien Austausch von deutschen Zeitungen, Zeitschriften, Büchern und anderen Veröffentlichungen zwischen den einzelnen Zonen angenommen haben. Die britischen Besatzungsbehörden hatten den Vorschlag bereits früher angenommen.
Endergebnisse der Gemeindewahlen
Gesamte französische Zone
Baden-Baden . Nach Eingang der amtlichen Endergebnisse aus Hessen -Pfalz und Südwürttemberg lautet das Gesamtergebnis für die Gemeinderatswahlen in der französischen Besatzungszone Deutsch lands folgendermaßen:
Eingeschriebene Wähler
3 312 153
abgegebene Stimmen
2908 860
gültige Stimmen
2 742 741
1285 611
SP
571 666
Unabhängige
357 859
KP
174 417
72 081
Verschiedene
280 261
Baden
Baden-Baden . Nach einem amtlichen Endergebnis aus Baden haben von 674 321 Wahlberechtigten 564 390 Personen von ihrem Stimmrecht Gebrauch gemacht. Dies entspricht einer Prozentzahl von 79,64 %. Von den 537 062 gültigen abgegebenen Stimmen entfallen auf die einzelnen Parteien: CSV 287 666, SPD 75 030, KPD 32 044, Demokratische Partei 45 005, Unabhängige 80 000, Sonstige 17 317 Stimmen. Die CSV erhielt 3498 Sitze, die SPD 383 Sitze, die KPD 85 Sitze, die De mokratische Partei 191 Sitze, die Unabhängigen 1676 Sitze und die sonstigen Parteien 116 Sitze.
Südwfflrttemberg
Baden-Baden . Das Gesamtergebnis Südwürttembergs für die Gemeinderatswahlen lautet:
Eingeschrieb. Wähler 592 060 abgegeb. Stimmen 512146 gültige Stimmen 485 368
KP 24 373— 59 Sitze
Paris . Im Mittelpunkt des politischen und territorialen Ausschusses für Italien stand die Erklärung des amerikanischen Delegierten, Senator Tom Connally , zur Triester Frage. Nachdem der jugoslawische Delegierte Cardelj die bereits vorgebrachten Ausführungen seiner Delegation über den zukünftigen Status Triests wiederholt hatte, ergriff Senator Connally das Wort. Er sprach sich entschieden für das vom Rat der Außenminister vorgeschlagene Gouvemeursystem aus. „Triest ist international und muß es bleiben“, erklärte Connally . „Es muß stark genug sein, um die Rechte und Freiheiten seiner Einwohner frei von jedem äußerlichen Einfluß irgendeiner anderen Macht sichern zu können.“ Jugoslawien und Italien müßten eine Regelung der Triester Frage annehmen, die im guten Glauben mit der echten Absicht und dem Wunsche getroffen werden, daß sie zu einem Erfolg führen wird. Wenn Italien und Jugoslawien die Regelung nicht annähmen, so verletzten sie damit ihre Pflicht gegenüber der Welt. „Wir dürfen kein neues Danzig schaffen. Der Freistaat Triest muß frei sein von Jugoslawien , frei von Italien , frei von Intrigen und von Verschwörungen.“
Die Frage des Status der freien Stadt Triest stand auch weiter im Mittelpunkt der Diskussionen des politischen und territorialen Ausschusses für Italien . Der jugoslawische Delegierte wies erneut daraufhin, daß Jugoslawien die „französische Linie“ nicht anerkennen könne. Die einzige Möglichkeit, die Lebensdauer des internationalen Gebiets von Triest zu verlängern, sei, daß Jugoslawien dieses „Findelkind“ adoptiere. Auch der polnische Delegierte wandte sich gegen einen südafrikanischen Vorschlag zur Errichtung eines intematio- len Gebietes um Triest . Er sprach seinen
SP 66112 — 271 „
DVP 27 076 — 67 „
Freie Wählervereinig. 144 196 — 2430 „
Nicht Listenbewerber 36 930— 627 „
Zu der Wahl im Saargebiet
Baden-Baden . Gewisse Zeitungen der englischen Zone und vor allem der englische Rundfunk haben ungenaue Ergebnisse der Gemeinderatswahlen im Saar gebiet veröffentlicht Die Agentur France-Presse in Saarbrücken hat folgende Berichtigung nach Paris gemeldet:
Gewisse französische und ausländische Zeitungen haben Ergebnisse veröffentlicht, aus denen hervorgeht, daß die Partei für die Angliederung des Saargebiets an Frankreich angeblich nur 5000 Stimmen erhalten hat Es ist in diesem Zusammenhang notwendig darauf hinzuweisen, daß die 5500 Stimmen (diese Zahl ist im übrigen ungenau) von denen in diesen Meldungen die Rede ist, sich lediglich auf die in Saarlouis aufgestellten Lokallisten beziehen, diese Liste, zu deren Programm tatsächlich die Angliederung des Saargebietes an Frankreich gehört, hat 10 von 27 Sitzen erhalten. Von den 17 übrigen Sitzen verteilen sich 10 unter diejenigen Parteien, welche für die wirtschaftliche Angliederung an Frankreich eintreten.
Es sei im weiteren darauf hingewiesen, daß die Christliche Volkspartei und die Sozialdemokraten, deren wichtigster Programmpunkt die wirtschaftliche Angliederung des Saargebiets an Frankreich ist, 80,5 Prozent der abgegebenen Stimmen erhalten haben, zu denen 11,5 Prozent hinzuzuzählen sind, die von Listen stammen, welche ebenfalls für die wirtschaftliche Angliederung an Frankreich eintreten.
Zweifel über den Bestand eines solchen Staates aus.
Im Militärausschuß wurde die Diskussion über die Größe der zukünftigen ita lienischen Armee fortgesetzt.
Weltsicherheitsrat
Lake Success. Der polnische Delegierte im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen , Dr Lange, übergab den Vorsitz Ein den sowjetischen Abgeordneten Gro- myko, der lange erklärte, daß die einseitige Unterstützung der griechischen Monarchisten durch Großbritsinnien zu einer Gefahr für den Weltfrieden werden könne. Zu dem .kürzlich unterbreiteten Vorschlag, die derzeitige polnische Grenze vielleicht zu revidieren“, sagte Dr. Lange, daß immer noch der „Schatten von Mün chen “ regiere. Es müßten unverzüglich Schritte unternommen werden, „um einen internationalen Konflikt auf dem Balkan zu vermeiden.“
Der ukrainische Delegierte, Manuilsky, wiederholte im Verlaufe der Sitzung seine Beschwerde über den Terror griechischer monarchistischer Elemente und über die „britische Einmischung in die griechische Politik.“ Der griechische Vertreter, Den- dramis, gab dem sowjetischen Delegierten zur Antwort, daß die Sowjetunion , wenn sie etwas mehr Verständnis für die Schwierigkeiten seines so stark verwüsteten Landes aufbringe, bestimmt die Dankbarkeit des griechischen Volkes erringen könne.
Meteorit — nicht Geschoß
New York . Die Nachrichten über „geheimnisvolle Geschoße”, die schwedisches Gebiet überflogen haben sollen, wurden von dem schwedischen Atomphysiker und
Freitag, 20. ’SeptemlJer^WS
Nobelpreisträger Dr. Carl Manne Siegbahn, als „Hysterie” bezeichnet.
Siegbahn erklärte bei seiner Ankunft in New York Pressevertretern gegenüber, er habe selbst eins dieser „Geschoße" untersucht und festgestellt, daß es sich um einen Meteoriten handelte. Er fügte hinzu, daß er in bezug auf das Vorhandensein von „Geschößen" sehr skeptisch sei.
Befreiung von Kriegsgefangenen
Befreiung von Kriegsgefangenen Opfern des Faschismus aus französischer Gefangenschaft
Die Union des Immigres Allemands Anti- Nazis, 65 Boulevard Arago, Paris 13, teilt mit:
Angehörige von Kriegsgefangenen, die sich in französischen Depots befinden und die unter Hitler wegen antifaschistischer Betätigung bestraft wurden, werden gebeten, ein Befreiungsgesuch an Monsieur le General Directeur de s Prisonniers de Guerre ennemis, Paris (Frankreich ), zu richten. Diesem Gesuch muß eine amtlich beglaubigte Photokopie oder eine amtlich beglaubigte Abschrift eines der folgenden Dokumente beiliegen:
1. Gestapo -Aktenauszüge, 2. Gefängnisentlassungsscheine, 3. Zuchthausentlassungsscheine, 4. Gefängnisregisterauszüge, 5. Zuchthausregisterauszüge, 6. Bescheinigung über KZ-Aufenthalt, a) KZ-Krankenhausre- gisterauszüge, b) Aerztliche Bescheinigung über körperliche Mißhandlungen, 7. Wehrunwürdigkeitserklärungen.
Die Befreiungsgesuche sind zu adressieren an: Monsieur Joh. K. Weiß, c/o „UDIA”, 65 Boulevard Arago, Paris 13, der dieselben an Monsieur le Göneral Directeur des Prisonniers de Guerre ennemis weiterleiten wird.
Anmerkung: Die Befreiungsgesuche müssen in französischer Sprache gehalten sein; Briefe ins Ausland dürfen nur 20 Gramm wiegen. In jedem Falle ist lediglich eines der angeführten Dokumente beizufügen. Zweckmäßig beschafft sich jeder Antragsteller zusätzlich eine Bescheinigung der zuständigen Vereinigung ehemaliger politischer Gefangener,, die ebenfalls französischen Wortlaut tragen muß. Zum Beispiel:
Bescheinigung
„Auf Grund vorgelegter amtlicher Dokumente wird dem deutschen Kriegsgefangenen (folgen: Vorname, Zuname. Tag, Monat, Jahr und Ort der Geburt sowie genaue Kriegsgefangenschaftsanschrift) bescheinigt, daß er ©ich vom ... bis ... im Konzentrationslager . . . befand und daß er am . . . vom Konzentrationslager aus zwangsweise eingezogen wurde".
Es erscheint wichtig, diese Bescheinigung beizufügen.
Kurzmeldungen
Die britische Mittelmeerflotte lief im Rahmen von friedensmäßigen Manövern aus Malta aus. Admiral Willis der Oberkommandierende der englischen Mittelmeerflotte, erklärte zuvor, daß möglichst viele Schiffe an den Manövern teilnehmen werden.
Heiraten zwischen in Deutschland stationierten britischen Soldaten und Frauen oder Mädchen deutscher Nationalität sind nach Ausführungen eines britischen Stabsoffiziers, die er am 16. September Pressevertretern gegenüber in Herford machte, unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt.
Kurt Schulz, der 17 Jahre alte Anführer einer Gruppe ehemaliger Mitglieder der „Hitler-Jugend ", die sich selbst „Schwarze Hand ” nannten, wurde durch ein sowjetisches Militärgericht am Dienstag zum Tode durch Erschießen verurteilt.
Athen . Die griechische Regierung hat die Abhaltung des geplanten E A M - Kongresses und die Durchführung öffentlicher Demonstrationen der EAM für den 27. September, den Jahrestag de© griechischen Widerstandes gegen die deutsche Besetzung, verboten.
„Riviera” von Franz Molnar
Molnar, ein Budapester, war einer der meistaufgeführten Lustspielverfasser. Es wird berichtet, daß er im Kaffeehaus schreibe und täglich ein Zeitungsfeuilleton, wöchentlich eine Kurzgeschichte und alljährlich ein Theaterstück als Pensum ansehe. Da kommt etwas zusammen.
Seine Vorzüge liegen im gefälligen, zuweilen witzigen Dialog. Er war der Hausautor der Kurfürstendamm-Theater. In seinem Stück. „Riviera” geht er etwas tiefer. Ein etwas gespenstisches Warenhausmilieu mit den „stummen Gästen”, den Kleiderpuppen. Darinnen Misch, anscheinend Dekorateur, jedenfalls kleiner Angestellter, und seine Geliebte Louise, auch kleine Angestellte. Der Dritte, das Schicksal, Azela, der Besitzer des Warenhauses und von 75 oder 78 Euideren großen Unternehmungen. Dieser Azela und Misch waren einst Freunde. Azela hat in Ame rika seinen Weg gemacht, Misch blieb kleiner Angestellter. Warum? Er hat sich bei erotischen Dressuren aufgehalten, bei Louise, die er aus dem Hinterhaus holte, und bei ihren Vorgängerinnen. (Nachfolgerinnen stehen in Elvira und Cibulka schon bereit) Nim kommt Azela zurück, als einer der „Herren der Welt”, durch sein Geld. Ihm gehört auch die Riviera, an der er sich grade ein bißchen vom Geldmachen erholen will und wo er schon zwei Schlafzimmer bestellt hat, obwohl er noch gar nicht weiß, wer das zweite bevölkern solL Er sieht Louise, hält sie für geeignet, kommt aber davon ab, als er sieht, dEiß sie mit seinem ehemaligen Freund Misch verbunden ist Leuten seiner Art liegt es nicht, aus erotischen Dingen große Affären zu machen.
Misch ist wütend, wütend über die Welt, die er nicht zu Füßen zwang, während es „dem Lump” Azela gelang, wütend, daß
dieser ihm seine Geliebte wegnehmen will; er ist zwei Stunden lang wütend und das ist Euistrengend. Louise, Typus Mimi, Tb mit Rauschzuständen bei 37,8 Grad, hängt aber Ein ihrem Misch, an diesem amant sans tendresse, obwohl auch sie davon träumt, einmal die große Welt an der Riviera genießen zu können. Nun, ists nicht die Wirklichkeit, so seis der schöne Traum, ein Traum von der Riviera inmitten der Puppen und der Schaufensterdekoration. Man betrinkt sich. Leider nicht mit Champagner, sondern mit ordinärem Schnaps. Das ist auch anstrengend, anderthalb Stunden lang Trunkenheit Es fehlt der romantische Zauber, die Entrückung in eine „unbeschwerte” Atmosphäre. Und schließlich kommt Azela, wundert sich und reist ab. Misch aber haut sich auf das feinste Sofa in der Möbelabteilung. Und Louise steht mit leeren Händen da.
Dramaturgisch ist das alles mehr Exposition, Episode, als Hsindlung, Drama. Die Inszenierung von v. Diemen weit treffend und bühnenwirksam. Ob nicht durch kleine Retouchen an der Figur des Misch etwas am Unangenehmen dieses Eintänzertypus zu mildem wäre? Durch Persönlichkeit und Routine stand der Misch von Renä Deltgen im Vordergrund. Eine markante und bis in Feinheiten gehende Charakterzeichnung, die einem nichts schenkte und dadurch das Morbide und Liebenswürdige der Louise (Gertrud Meyen ) noch wirksamer machte. Diese Rolle ist schwer durch die fatale Trunkenheit; umso mehr zählt es, daß die Darstellerin Mitgefühl zu wecken verstand. Der durch einen sentimentalen Zug etwas verwischte Charakter des weltgewandten Azela fand in Eugen Bergen einen vorzüglichen Dsirsteller: Weltmann, unverbindlich liebenswürdig, achselzuckend. Zu erwähnen wäre noch die Elvira von Ursula S t r ä u 1 i, die Nächste im Repertoire Mischs, Einscheinend Anfängerin, die Erfreuliches verspricht Beim FEiktotum
Martin (Heinz Miller) wäre weniger mehr gewesen. Die komische Wirkung muß sich von selbst ergeben. Nettes Bühnenbild mit beschränkten Mitteln von Ulrich Damrau, weniger glänzend als am Kurfürstendamm , wo aber wahrscheinlich nicht besser gespielt worden wäre. Zum Schluß gabs Beifall und viel Blumen.
Fr. Munding
Violinabend Wisata
Ohne Zweifel ist Prof. Wisata der Typ des romantisch-dämonischen Geigers, dessen förmlich vulkanisches Temperament durch eine enorme, vielseitig schillernde Technik den Zuhörer in den Bannkreis seines kühnen und großartigen Spiels hineinzuziehen vermag. Angesichts der Heftigkeit und Intensität der seelischen Ausbruchsstadien, die in ihrer Selbst berausch ung eine gleichwohl echte, aber beinahe fieberhaft grotesk anmutende Pantomime erzeugen und die Ausführung fast zur „Vorführung" werden lassen, wenn nicht die Ehrfurcht vor echter künstlerischer Entrückung darüber hinwegsehen könnte, müssen die geigerischen Leistungen de6 Künstlers auch ihre psychologische Berücksichtigung finden. Der Hang Wisatas, jeden sich darbietenden musikalischen Stoff zu dramatisieren, zu dämonisie- ren, einem aus vollsaftigem Musikanten- tum entspringenden inneren Bewegungsgesetz zu unterwerfen, da s zur rhythmischen Formsprengung neigt, bedarf noch der Selbstkorrektur im Sinne einer mäßigenden Mitte und Vergeistigung der stilistischen Ausdrucksmittel. Vitalis g-moll-Chaconne erklang in zwar herrlicher, großräumiger Tongebung, war aber zu schnell gespielt, ebenso wie der etwas überhastete •/* Rhyth- nfus des „Allegro molto” der Mozartschen A-Dur-Sonate (K. V. 305). Der Künstler verfügt über eine bewundernswerte Intonations- Sicherheit, eine ausgiebig schwungvolle und doch wieder elegante Bogenführung, die nirgends maniriert wirkt. Die Geläufigkeit der linken Hand ist außerordentlich, der
Triller, selbst mit dem vierten Finger, geschieht fast unmerklich und mit unerhörter Schnelligkeit. In Francks A-Dur-Sonate, vom Klavier übrigens glänzend bewältigt, hätte das lyrisch-impressionistische Element im ganzen einer biegsameren, weicheren Hervorhebung bedurft Der Anfang des Z Satzes (Allegro ) war zu rhapsodisch-zigeunerhaft In der Kontrastierung der Dynamik — W. kennt ein hauchzartes, fast filtriertes piano — dürfen die Mittelwerte nicht vergessen werden.
Im zweiten Teil des Programms erwies sich Prof. Wisata als ein Meister des kleinen, virtuosen Kabinettstückes. Vortrefflich gespielt war Paganini « Caprice Nr. 21 mit ihrer Sextenkantilene, ebenso zeigten de Falla’s „Jota” und Ravels „Habanera " das nötige spanische Temperament und Lokalkolorit. Bartoks „Rumänische Tänze” waren in ihrer motorisch-burlesken Urwüchsigkeit dem Künstler auf den Leib zugeschnitten. Aus den Dreingaben heben wir die feine Ausführung des Brahm'schen A-Dur-Walzers hervor. Fräulein Odile Crussard verhalf dem Abend durch ihre hervorragende Bewälti- i gung des Klavierparts und durch ein feinfühliges Mitgehen zu einem vollen Erfolg. Der Beifall der zahlreichen Zuhörer war herzlich und kam aus begeisterten Herzen.
Dr. G. Lenzinger
Prof. Bavink über Weltentstehung
Der bekannte Naturphilosoph, Professor Bavink , sprach im Bürgersaal in Konstanz über „Weltentstehung im Lichte der heutigen Naturwissenschaft."
Von den Schöpfungsmythen des Altertums und den historischen Weltentstehungstheorien ausgehend, entwickelte der Vortragende die Auffassung des Weltbildes seit Beginn der Neuzeit etwa so, daß die Erde ein Korn in einem Sonnensystem, das Sonnensystem ein Körnchen im Milchstraßensystem, und dieses wiederum ein Körnchen in einem System von Nebeln ist, welches
unendlich schien. Sollten die Folgerungen, die aus den Ergebnissen der Physik der letzten 30—40 Jahre gezogen werden, und die auf Arbeiten von Einstein , Dirac, Jeans, Hubble , von Weizsäcker und Pascual Jor dan zurückgehen, richtig sein, 60 würde das Weltsystem seine Unendlichkeit verlieren und für den vierdimensionalen Betrachter zu einem in sich geschlossenen, sich ständig ausdehnenden Weltall werden; fast so, wie eine Schlange, die sich in den Schwanz beißt und sich dabei ständig aufbläst. Seine Größe wäre ursprünglich verschwindend klein und seine ständige Ausdehnung würde nach dieser Hypothese mit den physikalischen Grundgesetzen übereinstimmen. Und nach drei übereinstimmenden Methoden ergibt sich das Alter unseres Weltalls zu etwa zwei bis drei Milliarden Jahren.
Durch eine Ueberlegung über Relativität der Zeit, denn eine Veränderung de© Zeitmaßstabes wäre unmerklich, wird auch die Frage nach dem Zustand der Welt vor ihrem Anfang sinnlos. So errechnen heute Mathematiker und Physiker, was einstmals weltweise Philosophen in dichterischer Ahnung sagten. Nach Prof. Bavink schiene sich aus den Ergebnissen der modernen Physik eine Art von Gottesbeweis in einer n-ten Dimension abzuzeichnen.
Durch seine pädagogisch meisterhafte und gelegentlich von feinem Humor gewürzte Vortragsweise brachte auch denen der Abend viel Anregung, denen trotz vielem Bemühen der abstrakte Gedankenflug in die vierte Dimension ein böhmisches Dorf geblieben sein mag und für die der Inhalt de© Vortrages vielleicht nur eine neue Allerweltspatentsformel bot Dr. Schuh