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Seite 2 / Nr. 110

SUDKUKIEB

dann möglich, wenn sowohl von seiten Rußland wie auch der USA die Förderung der so dringend notwendigen sozialen und politischen vor die eigenen machtpoliti­schen Interessen gestellt wird. go.

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Der Vertrag von Montreux , der 1936 «wischen Großbritannien , Rußland , Frank­ reich , Bulgarien , Griechenland , Japan , Ru­ mänien , Jugoslawien und der Türkei ab­geschlossenwurde und die Frage der Dar­danellen regelt, soll revidiert werden. Die Sowjetunion wünscht den Ausschluß der Mächte aus dem Vertrag, die nicht am Schwarzen Meer liegen und wünscht, daß sie gemeinsam mit der Türkei die Meer­engen militärisch bewache. Das ist der Kern der Auseinandersetzungen, die jetzt entstanden sind und die zeitweise selbst die Ereignisse auf der Pariser Friedens­ konferenz überschatteten.

Die Politik der Sowjetunion , die auf die Meerengen gerichtet ist, ist nicht neu und geht im Grunde zurück auf eine Konzep­tion Peters des Großen, der erkannt hatte, welche Bedeutung der Ausgang aus dem Schwarzen Meer für ein in die Weltpolitik hineinreichendes russisches Reich haben müßte. Nach den Wechselfällen der Jahr­hunderte — der verlorene Krimkrieg brachte z. B. für Rußland das Verbot, eine Flotte im Schwarzen Meer zu halten — brachten die Verträge von Lausanne und 1936 von Montreux eine der Türkei kon- venierende Regelung. Kriegsschiffe durf­ten danach die Enge nur durchfahren, wenn sie den Flotten der Mächte am Schwarzen Meer angehörten. Handels­schiffe sollten freie Durchfahrt erhalten, im Kriege jedoch nur dann, wenn sie unbe­waffnet waren und keine Ladungen an Bord führten, die einem Kriegführenden nützlich sein konnten.

Die Meerengenfrage wurde auf derAus- senministerkonferenz in Moskau und auf den Konferenzen von Teheran 1943, Yalta 1945 und Potsdam 1945 behandelt und da­bei insbesondere auch die britischen Inte­ressen der Sicherung des durch das Mittel­ meer führenden Weges nach Indien her­ausgestellt. Die Vereinigten Staaten zeigten ein lebhafteres Interesse als je zuvor für diese Frage. Auf die Kündigung des tür­ kisch -russischen Freundschafts- und Neu­tralitätspaktes zu Beginn des Jahres 1945, der zwanzig Jahre gelaufen war, began­

nen Vorverhandlungen über eine neue Re­gelung der Dardanellenfrage einzutreten. Als Verhandlungsgrundlage ist die Türkei mit dem Vorschlag der Angelsachsen ein­verstanden, der vorsieht: freie Durchfahrt im Krieg und Frieden für die Handels­schiffahrt aller Nationen, freie Durchfahrt für die Kriegsschiffe der Sowjetunion , Ru­ mäniens , Bulgariens und der Türkei , freie Durchfahrt für die Kriegsschiffe anderer Nationen unter der Bedingung, daß die Durchfahrt im Auftrag der Vereinten Na­ tionen erfolgt und die genannten Schwarz - meerstaaten damit einverstanden sind.

Die russische Note an die Türkei geht über die Forderungen der amerikanischen Anregung hinaus und schlägt die Regelung der Meerengenfrage als eine Angelegen­heit vor, die nur die Mächte des Schwar­zen Meeres Eingehe. Damit wären Frank­ reich , Großbritannien , die Vereinigten Staaten und andere Mächte, die zum Teil noch den Vertrag von Montreux zeichne­ten, ausgeschlossen. Die russische Note fordert ferner, daß die Türkei und die So­ wjetunion gemeirisam die Mittel für die Verteidigung der Meerengen orgainisieren sollen. Die Türkei legt sich äußerste Zu­rückhaltung auf, unterstreicht jedoch das Bündnis und die Freundschaft mit Groß­ britannien . Trotz des Schweigens, das sich über die Vorverhandlungen bisher gelegt hat, dürfte die ErwEirtung, daß ein neuer Kompromiß gefunden wird, nicht über­trieben sein. R. W.

Der Übertritt in die Sowjetzone

Bebra. Ohne amtliche Zuzugsgenehmi­gung wird der Uebertritt in die sowjetische Zone nicht gewährt, teilt der Kommissar für Flüchtlinge und Ausgewiesene in Bebra mit. Die von den zuständigen Kommissaren für Flüchtlinge und Ausgewiesene ausge­stellten Ueberführungsausweise genügen hierzu nicht, da noch keine entsprechende Vereinbarungen mit der sowjetischen Mili­täradministration getroffen werden konn­ten. — Es mußten daher zahlreiche Flücht­linge und Ausgewiesene, sowie Evakuierte die aus den Ländern Bayern und Württem­ berg-Baden , auf Grund des Länderratsbe­schlusses vom 6. August 1946 von den zu­ständigen Kommissaren für Flüchtlinge und Ausgewiesene zur Grenzübertrittsstelle Be­bra geschickt worden waren, wieder zurück­geschickt werden.

De Gaulle zum französischen Verfassungsentwurf

De Gaulle begründet erneut seine Ablehnung

Paris . General de Gaulle hat einem i Vertreter der Agentur „France-Presse “ I über das Verfassungsproblem eine Erklä­rung abgegeben.

Auf die Frage: „Befriedigt Sie der Ver­fassungsentwurf, wie er in erster Lesung von der verfassungsgebenden Versamm­lung Emgenommen worden ist?“ antwor­tete General de Gaulle: „Nein, denn trotz allem ist dieser Entwurf tatsächlich der gleiche, den die Wähler am 5. Mai zu recht abgelehnt haben. Eine allmächtige Ver­sammlung, eine VersEunmlungsregierung, ein Staatsoberhaupt ohne jegliche Befug­nisse, keine zufriedenstellende Organisa­tion der französischen Union. Ein derarti­ges Regime für Frankreich und die fran­ zösische Union müßte uns meiner Ansicht nach letzten Endes die Anarchie oder die Diktatur bringen.“

„Der Präsident der französischen Union sowie der Rat der französischen Union müßten reelle Befugnisse haben und den förderalistischen Ministem müßte tatsäch­lich ein förderalistischer Charakter gege­ben werden. Wenn, was ich hoffe, die Wähler den vorliegenden Verfassungsent­wurf ablehnen sollten, dann müßte die neue Versammlung rasch einen neuen schaffen, der Einnehmbar wäre und der also angenommen "werden würde. Es würde dann in diesem Falle möglich sein,

| dem Lande vorzuschlagen, die im Novem- I ber für 7 Monate gewählte Versammlung automatisch für 4 oder 5 Jahre im Rah­men der Verfassung beizubehalten. Ein einziger Volksentscheid würde gleichzeitig das Verfassungsproblem und die Frage der Mandatsverlängerung für die im Novem­ber Gewählten lösen.

„Angesichts der derzeitigen Lage Frank­ reichs und der französischen Union scheint mir kein anderes Problem wichtiger zu sein, als dasjenige des Wiederaufbaues des republikanischen Staates. Von diesem Problem hängen alle anderen ab. In die­sem Zusammenhang glaube ich nicht, daß der bisher im Parlament von der Mehrheit eingeschlagene Weg der richtige ist.“

Freier Zeituagsaustausdi

Berlin . General Robert A. McClure , der Leiter der Informationskontrolle der amerikanischen Militärregierung für Deutschland , gab bekannt, daß die fran­ zösischen Besatzungsbehörden seinen Vor­schlag vom 27. August über einen freien Austausch von deutschen Zeitungen, Zeit­schriften, Büchern und anderen Veröffent­lichungen zwischen den einzelnen Zonen angenommen haben. Die britischen Besat­zungsbehörden hatten den Vorschlag be­reits früher angenommen.

Endergebnisse der Gemeindewahlen

Gesamte französische Zone

Baden-Baden . Nach Eingang der amtlichen Endergebnisse aus Hessen -Pfalz und Südwürttemberg lautet das Gesamt­ergebnis für die Gemeinderatswahlen in der französischen Besatzungszone Deutsch­ lands folgendermaßen:

Eingeschriebene Wähler

3 312 153

abgegebene Stimmen

2908 860

gültige Stimmen

2 742 741

CDU

1285 611

SP

571 666

Unabhängige

357 859

KP

174 417

DVP

72 081

Verschiedene

280 261

Baden

Baden-Baden . Nach einem amt­lichen Endergebnis aus Baden haben von 674 321 Wahlberechtigten 564 390 Personen von ihrem Stimmrecht Gebrauch gemacht. Dies entspricht einer Prozentzahl von 79,64 %. Von den 537 062 gültigen abge­gebenen Stimmen entfallen auf die ein­zelnen Parteien: CSV 287 666, SPD 75 030, KPD 32 044, Demokratische Partei 45 005, Unabhängige 80 000, Sonstige 17 317 Stim­men. Die CSV erhielt 3498 Sitze, die SPD 383 Sitze, die KPD 85 Sitze, die De­ mokratische Partei 191 Sitze, die Unab­hängigen 1676 Sitze und die sonstigen Parteien 116 Sitze.

Südwfflrttemberg

Baden-Baden . Das Gesamtergeb­nis Südwürttembergs für die Gemeinde­ratswahlen lautet:

Eingeschrieb. Wähler 592 060 abgegeb. Stimmen 512146 gültige Stimmen 485 368

KP 24 373— 59 Sitze

Paris . Im Mittelpunkt des politischen und territorialen Ausschusses für Italien stand die Erklärung des amerikanischen Delegierten, Senator Tom Connally , zur Triester Frage. Nachdem der jugoslawi­sche Delegierte Cardelj die bereits vorge­brachten Ausführungen seiner Delegation über den zukünftigen Status Triests wie­derholt hatte, ergriff Senator Connally das Wort. Er sprach sich entschieden für das vom Rat der Außenminister vorgeschla­gene Gouvemeursystem aus. „Triest ist international und muß es bleiben“, er­klärte Connally . „Es muß stark genug sein, um die Rechte und Freiheiten seiner Einwohner frei von jedem äußerlichen Einfluß irgendeiner anderen Macht sichern zu können.“ Jugoslawien und Italien müßten eine Regelung der Triester Frage annehmen, die im guten Glauben mit der echten Absicht und dem Wunsche getrof­fen werden, daß sie zu einem Erfolg füh­ren wird. Wenn Italien und Jugoslawien die Regelung nicht annähmen, so verletz­ten sie damit ihre Pflicht gegenüber der Welt. „Wir dürfen kein neues Danzig schaffen. Der Freistaat Triest muß frei sein von Jugoslawien , frei von Italien , frei von Intrigen und von Verschwörun­gen.“

Die Frage des Status der freien Stadt Triest stand auch weiter im Mittelpunkt der Diskussionen des politischen und ter­ritorialen Ausschusses für Italien . Der ju­goslawische Delegierte wies erneut darauf­hin, daß Jugoslawien die „französische Li­nie“ nicht anerkennen könne. Die einzige Möglichkeit, die Lebensdauer des interna­tionalen Gebiets von Triest zu verlängern, sei, daß Jugoslawien dieses „Findelkind“ adoptiere. Auch der polnische Delegierte wandte sich gegen einen südafrikanischen Vorschlag zur Errichtung eines intematio- len Gebietes um Triest . Er sprach seinen

SP 66112 — 271 „

DVP 27 076 — 67 „

CDU 187 676 — 1779 „

Freie Wählervereinig. 144 196 — 2430 „

Nicht Listenbewerber 36 930— 627 „

Zu der Wahl im Saargebiet

Baden-Baden . Gewisse Zeitungen der englischen Zone und vor allem der englische Rundfunk haben ungenaue Ergebnisse der Gemeinderatswahlen im Saar gebiet veröffentlicht Die Agentur France-Presse in Saarbrücken hat folgende Berichtigung nach Paris gemeldet:

Gewisse französische und ausländische Zeitungen haben Ergebnisse veröffentlicht, aus denen hervorgeht, daß die Partei für die Angliederung des Saargebiets an Frankreich angeblich nur 5000 Stimmen erhalten hat Es ist in diesem Zusammen­hang notwendig darauf hinzuweisen, daß die 5500 Stimmen (diese Zahl ist im übri­gen ungenau) von denen in diesen Mel­dungen die Rede ist, sich lediglich auf die in Saarlouis aufgestellten Lokallisten beziehen, diese Liste, zu deren Programm tatsächlich die Angliederung des Saarge­bietes an Frankreich gehört, hat 10 von 27 Sitzen erhalten. Von den 17 übrigen Sit­zen verteilen sich 10 unter diejenigen Parteien, welche für die wirtschaftliche Angliederung an Frankreich eintreten.

Es sei im weiteren darauf hingewiesen, daß die Christliche Volkspartei und die Sozialdemokraten, deren wichtigster Pro­grammpunkt die wirtschaftliche Anglie­derung des Saargebiets an Frankreich ist, 80,5 Prozent der abgegebenen Stimmen er­halten haben, zu denen 11,5 Prozent hin­zuzuzählen sind, die von Listen stammen, welche ebenfalls für die wirtschaftliche Angliederung an Frankreich eintreten.

Zweifel über den Bestand eines solchen Staates aus.

Im Militärausschuß wurde die Diskus­sion über die Größe der zukünftigen ita­ lienischen Armee fortgesetzt.

Weltsicherheitsrat

Lake Success. Der polnische Dele­gierte im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen , Dr Lange, übergab den Vorsitz Ein den sowjetischen Abgeordneten Gro- myko, der lange erklärte, daß die ein­seitige Unterstützung der griechischen Monarchisten durch Großbritsinnien zu einer Gefahr für den Weltfrieden werden könne. Zu dem .kürzlich unterbreiteten Vorschlag, die derzeitige polnische Grenze vielleicht zu revidieren“, sagte Dr. Lange, daß immer noch der „Schatten von Mün­ chen “ regiere. Es müßten unverzüglich Schritte unternommen werden, „um einen internationalen Konflikt auf dem Balkan zu vermeiden.“

Der ukrainische Delegierte, Manuilsky, wiederholte im Verlaufe der Sitzung seine Beschwerde über den Terror griechischer monarchistischer Elemente und über die „britische Einmischung in die griechische Politik.“ Der griechische Vertreter, Den- dramis, gab dem sowjetischen Delegierten zur Antwort, daß die Sowjetunion , wenn sie etwas mehr Verständnis für die Schwierigkeiten seines so stark verwüste­ten Landes aufbringe, bestimmt die Dank­barkeit des griechischen Volkes erringen könne.

Meteorit — nicht Geschoß

New York . Die Nachrichten über „ge­heimnisvolle Geschoße”, die schwedisches Gebiet überflogen haben sollen, wurden von dem schwedischen Atomphysiker und

Freitag, 20. ’SeptemlJer^WS

Nobelpreisträger Dr. Carl Manne Siegbahn, als „Hysterie” bezeichnet.

Siegbahn erklärte bei seiner Ankunft in New York Pressevertretern gegenüber, er habe selbst eins dieser „Geschoße" unter­sucht und festgestellt, daß es sich um einen Meteoriten handelte. Er fügte hinzu, daß er in bezug auf das Vorhandensein von „Geschößen" sehr skeptisch sei.

Befreiung von Kriegsgefangenen

Befreiung von Kriegsgefangenen Opfern des Faschismus aus französischer Gefangenschaft

Die Union des Immigres Allemands Anti- Nazis, 65 Boulevard Arago, Paris 13, teilt mit:

Angehörige von Kriegsgefangenen, die sich in französischen Depots befinden und die unter Hitler wegen antifaschistischer Betätigung bestraft wurden, werden gebe­ten, ein Befreiungsgesuch an Monsieur le General Directeur de s Prisonniers de Guerre ennemis, Paris (Frankreich ), zu richten. Die­sem Gesuch muß eine amtlich beglaubigte Photokopie oder eine amtlich beglaubigte Abschrift eines der folgenden Dokumente beiliegen:

1. Gestapo -Aktenauszüge, 2. Gefängnis­entlassungsscheine, 3. Zuchthausentlassungs­scheine, 4. Gefängnisregisterauszüge, 5. Zuchthausregisterauszüge, 6. Bescheinigung über KZ-Aufenthalt, a) KZ-Krankenhausre- gisterauszüge, b) Aerztliche Bescheinigung über körperliche Mißhandlungen, 7. Wehr­unwürdigkeitserklärungen.

Die Befreiungsgesuche sind zu adressieren an: Monsieur Joh. K. Weiß, c/o „UDIA”, 65 Boulevard Arago, Paris 13, der dieselben an Monsieur le Göneral Directeur des Pri­sonniers de Guerre ennemis weiterleiten wird.

Anmerkung: Die Befreiungsgesuche müs­sen in französischer Sprache gehalten sein; Briefe ins Ausland dürfen nur 20 Gramm wiegen. In jedem Falle ist lediglich eines der angeführten Dokumente beizufügen. Zweckmäßig beschafft sich jeder Antragstel­ler zusätzlich eine Bescheinigung der zu­ständigen Vereinigung ehemaliger politi­scher Gefangener,, die ebenfalls französi­schen Wortlaut tragen muß. Zum Beispiel:

Bescheinigung

„Auf Grund vorgelegter amtlicher Doku­mente wird dem deutschen Kriegsgefangenen (folgen: Vorname, Zuname. Tag, Monat, Jahr und Ort der Geburt sowie genaue Kriegsgefangenschaftsanschrift) bescheinigt, daß er ©ich vom ... bis ... im Konzentra­tionslager . . . befand und daß er am . . . vom Konzentrationslager aus zwangsweise eingezogen wurde".

Es erscheint wichtig, diese Bescheinigung beizufügen.

Kurzmeldungen

Die britische Mittelmeerflotte lief im Rahmen von friedensmäßigen Ma­növern aus Malta aus. Admiral Willis der Oberkommandierende der englischen Mit­telmeerflotte, erklärte zuvor, daß mög­lichst viele Schiffe an den Manövern teil­nehmen werden.

Heiraten zwischen in Deutschland statio­nierten britischen Soldaten und Frauen oder Mädchen deutscher Nationali­tät sind nach Ausführungen eines britischen Stabsoffiziers, die er am 16. September Pressevertretern gegenüber in Herford machte, unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt.

Kurt Schulz, der 17 Jahre alte Anführer einer Gruppe ehemaliger Mitglieder der „Hitler-Jugend ", die sich selbst „Schwarze Hand ” nannten, wurde durch ein sowjeti­sches Militärgericht am Dienstag zum Tode durch Erschießen verurteilt.

Athen . Die griechische Regierung hat die Abhaltung des geplanten E A M - Kon­gresses und die Durchführung öffentli­cher Demonstrationen der EAM für den 27. September, den Jahrestag de© griechischen Widerstandes gegen die deutsche Besetzung, verboten.

Triest : kein neues Danzig

Pariser Diskussionen werden fortgesetzt

Konstanzer Stadttheater

„Riviera” von Franz Molnar

Molnar, ein Budapester, war einer der meistaufgeführten Lustspielverfasser. Es wird berichtet, daß er im Kaffeehaus schreibe und täglich ein Zeitungsfeuilleton, wöchentlich eine Kurzgeschichte und all­jährlich ein Theaterstück als Pensum an­sehe. Da kommt etwas zusammen.

Seine Vorzüge liegen im gefälligen, zu­weilen witzigen Dialog. Er war der Haus­autor der Kurfürstendamm-Theater. In seinem Stück. „Riviera” geht er etwas tiefer. Ein etwas gespenstisches Waren­hausmilieu mit den „stummen Gästen”, den Kleiderpuppen. Darinnen Misch, an­scheinend Dekorateur, jedenfalls kleiner Angestellter, und seine Geliebte Louise, auch kleine Angestellte. Der Dritte, das Schicksal, Azela, der Besitzer des Waren­hauses und von 75 oder 78 Euideren großen Unternehmungen. Dieser Azela und Misch waren einst Freunde. Azela hat in Ame­ rika seinen Weg gemacht, Misch blieb kleiner Angestellter. Warum? Er hat sich bei erotischen Dressuren aufgehalten, bei Louise, die er aus dem Hinterhaus holte, und bei ihren Vorgängerinnen. (Nachfol­gerinnen stehen in Elvira und Cibulka schon bereit) Nim kommt Azela zurück, als einer der „Herren der Welt”, durch sein Geld. Ihm gehört auch die Riviera, an der er sich grade ein bißchen vom Geldmachen erholen will und wo er schon zwei Schlafzimmer bestellt hat, obwohl er noch gar nicht weiß, wer das zweite be­völkern solL Er sieht Louise, hält sie für geeignet, kommt aber davon ab, als er sieht, dEiß sie mit seinem ehemaligen Freund Misch verbunden ist Leuten seiner Art liegt es nicht, aus erotischen Dingen große Affären zu machen.

Misch ist wütend, wütend über die Welt, die er nicht zu Füßen zwang, während es „dem Lump” Azela gelang, wütend, daß

dieser ihm seine Geliebte wegnehmen will; er ist zwei Stunden lang wütend und das ist Euistrengend. Louise, Typus Mimi, Tb mit Rauschzuständen bei 37,8 Grad, hängt aber Ein ihrem Misch, an diesem amant sans tendresse, obwohl auch sie davon träumt, einmal die große Welt an der Ri­viera genießen zu können. Nun, ists nicht die Wirklichkeit, so seis der schöne Traum, ein Traum von der Riviera inmitten der Puppen und der Schaufensterdekoration. Man betrinkt sich. Leider nicht mit Cham­pagner, sondern mit ordinärem Schnaps. Das ist auch anstrengend, anderthalb Stunden lang Trunkenheit Es fehlt der ro­mantische Zauber, die Entrückung in eine „unbeschwerte” Atmosphäre. Und schließ­lich kommt Azela, wundert sich und reist ab. Misch aber haut sich auf das feinste Sofa in der Möbelabteilung. Und Louise steht mit leeren Händen da.

Dramaturgisch ist das alles mehr Ex­position, Episode, als Hsindlung, Drama. Die Inszenierung von v. Diemen weit treffend und bühnenwirksam. Ob nicht durch kleine Retouchen an der Figur des Misch etwas am Unangenehmen dieses Eintänzertypus zu mildem wäre? Durch Persönlichkeit und Routine stand der Misch von Renä Deltgen im Vordergrund. Eine markante und bis in Feinheiten gehende Charakterzeichnung, die einem nichts schenkte und dadurch das Morbide und Liebenswürdige der Louise (Gertrud Meyen ) noch wirksamer machte. Diese Rolle ist schwer durch die fatale Trunken­heit; umso mehr zählt es, daß die Darstel­lerin Mitgefühl zu wecken verstand. Der durch einen sentimentalen Zug etwas ver­wischte Charakter des weltgewandten Azela fand in Eugen Bergen einen vor­züglichen Dsirsteller: Weltmann, unver­bindlich liebenswürdig, achselzuckend. Zu erwähnen wäre noch die Elvira von Ursula S t r ä u 1 i, die Nächste im Repertoire Mischs, Einscheinend Anfängerin, die Er­freuliches verspricht Beim FEiktotum

Martin (Heinz Miller) wäre weniger mehr gewesen. Die komische Wir­kung muß sich von selbst ergeben. Nettes Bühnenbild mit beschränkten Mitteln von Ulrich Damrau, weniger glänzend als am Kurfürstendamm , wo aber wahrschein­lich nicht besser gespielt worden wäre. Zum Schluß gabs Beifall und viel Blumen.

Fr. Munding

Violinabend Wisata

Ohne Zweifel ist Prof. Wisata der Typ des romantisch-dämonischen Geigers, dessen förmlich vulkanisches Temperament durch eine enorme, vielseitig schillernde Technik den Zuhörer in den Bannkreis seines kühnen und großartigen Spiels hineinzuziehen ver­mag. Angesichts der Heftigkeit und Intensi­tät der seelischen Ausbruchsstadien, die in ihrer Selbst berausch ung eine gleichwohl echte, aber beinahe fieberhaft grotesk an­mutende Pantomime erzeugen und die Aus­führung fast zur „Vorführung" werden las­sen, wenn nicht die Ehrfurcht vor echter künstlerischer Entrückung darüber hinweg­sehen könnte, müssen die geigerischen Lei­stungen de6 Künstlers auch ihre psychologi­sche Berücksichtigung finden. Der Hang Wisatas, jeden sich darbietenden musikali­schen Stoff zu dramatisieren, zu dämonisie- ren, einem aus vollsaftigem Musikanten- tum entspringenden inneren Bewegungsge­setz zu unterwerfen, da s zur rhythmischen Formsprengung neigt, bedarf noch der Selbstkorrektur im Sinne einer mäßigenden Mitte und Vergeistigung der stilistischen Ausdrucksmittel. Vitalis g-moll-Chaconne erklang in zwar herrlicher, großräumiger Tongebung, war aber zu schnell gespielt, ebenso wie der etwas überhastete •/* Rhyth- nfus des „Allegro molto” der Mozartschen A-Dur-Sonate (K. V. 305). Der Künstler ver­fügt über eine bewundernswerte Intonations- Sicherheit, eine ausgiebig schwungvolle und doch wieder elegante Bogenführung, die nirgends maniriert wirkt. Die Geläufigkeit der linken Hand ist außerordentlich, der

Triller, selbst mit dem vierten Finger, ge­schieht fast unmerklich und mit unerhörter Schnelligkeit. In Francks A-Dur-Sonate, vom Klavier übrigens glänzend bewältigt, hätte das lyrisch-impressionistische Element im ganzen einer biegsameren, weicheren Her­vorhebung bedurft Der Anfang des Z Satzes (Allegro ) war zu rhapsodisch-zigeunerhaft In der Kontrastierung der Dynamik — W. kennt ein hauchzartes, fast filtriertes piano — dürfen die Mittelwerte nicht vergessen werden.

Im zweiten Teil des Programms erwies sich Prof. Wisata als ein Meister des klei­nen, virtuosen Kabinettstückes. Vortrefflich gespielt war Paganini « Caprice Nr. 21 mit ihrer Sextenkantilene, ebenso zeigten de Falla’s „Jota” und Ravels „Habanera " das nötige spanische Temperament und Lokalko­lorit. Bartoks „Rumänische Tänze” waren in ihrer motorisch-burlesken Urwüchsigkeit dem Künstler auf den Leib zugeschnitten. Aus den Dreingaben heben wir die feine Ausfüh­rung des Brahm'schen A-Dur-Walzers her­vor. Fräulein Odile Crussard verhalf dem Abend durch ihre hervorragende Bewälti- i gung des Klavierparts und durch ein fein­fühliges Mitgehen zu einem vollen Erfolg. Der Beifall der zahlreichen Zuhörer war herzlich und kam aus begeisterten Herzen.

Dr. G. Lenzinger

Prof. Bavink über Weltentstehung

Der bekannte Naturphilosoph, Professor Bavink , sprach im Bürgersaal in Konstanz über „Weltentstehung im Lichte der heutigen Naturwissen­schaft."

Von den Schöpfungsmythen des Alter­tums und den historischen Weltentstehungs­theorien ausgehend, entwickelte der Vor­tragende die Auffassung des Weltbildes seit Beginn der Neuzeit etwa so, daß die Erde ein Korn in einem Sonnensystem, das Sonnensystem ein Körnchen im Milchstraßen­system, und dieses wiederum ein Körnchen in einem System von Nebeln ist, welches

unendlich schien. Sollten die Folgerungen, die aus den Ergebnissen der Physik der letzten 30—40 Jahre gezogen werden, und die auf Arbeiten von Einstein , Dirac, Jeans, Hubble , von Weizsäcker und Pascual Jor­ dan zurückgehen, richtig sein, 60 würde das Weltsystem seine Unendlichkeit verlieren und für den vierdimensionalen Betrachter zu einem in sich geschlossenen, sich ständig ausdehnenden Weltall werden; fast so, wie eine Schlange, die sich in den Schwanz beißt und sich dabei ständig aufbläst. Seine Größe wäre ursprünglich verschwindend klein und seine ständige Ausdehnung wür­de nach dieser Hypothese mit den physika­lischen Grundgesetzen übereinstimmen. Und nach drei übereinstimmenden Methoden er­gibt sich das Alter unseres Weltalls zu et­wa zwei bis drei Milliarden Jahren.

Durch eine Ueberlegung über Relativität der Zeit, denn eine Veränderung de© Zeit­maßstabes wäre unmerklich, wird auch die Frage nach dem Zustand der Welt vor ihrem Anfang sinnlos. So errechnen heute Mathematiker und Physiker, was einstmals weltweise Philosophen in dichterischer Ahnung sagten. Nach Prof. Bavink schiene sich aus den Ergebnissen der modernen Physik eine Art von Gottesbeweis in einer n-ten Dimension abzuzeichnen.

Durch seine pädagogisch meisterhafte und gelegentlich von feinem Humor gewürzte Vortragsweise brachte auch denen der Abend viel Anregung, denen trotz vielem Bemühen der abstrakte Gedankenflug in die vierte Dimension ein böhmisches Dorf geblieben sein mag und für die der Inhalt de© Vortrages vielleicht nur eine neue Al­lerweltspatentsformel bot Dr. Schuh

Urteilslosigkeit Was läßt sich nicht dem kenntnis- und urteilslosen gro­ßen Haufen in den Kopf setzen? Zumal wenn man ihm Vorteil und Gewinn vor­spiegelt Und zu welcher Untat ist der Mensch nicht fähig, dem man etwas in den Kopf gesetzt hat? (A. Schopenhauer j