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Ijtite 4 / Nr. 73

SUDKURIER

B

Freitag, 19. September 1947

Sic transii ,..

Berlin . Sämdkh» reit Kriegsende kt Deutsch­ land aofgefühzten an»erika«»is«ben Hüne bisch­ten bisher, wie die Nachrichten-Kontrolle der US -Mdiatärregfening mitteilte, einen Gewinn von annähernd drei Müffiarden Mark, ein, meidet •Südena“.

Hollywood . Noch einer amerikanischen ,,Volksabstimmung" ist Ingrid Bezgman der größ­te Kasseijerfotg dies Jahres 1946. Eine von Bim. kritHoem gebildete Jury bingegen bezeichnet» Oäivia de HaviUand als „Beste" i Ingrid Berg- tean rangiert erst an dritter Steile . . .

Cannes . Das bleiche, schmale Geeicht net­ter einem Strohhut im Stile von 1800 ver b orgen, stieg in Cannes ein Fräulein Hansen au» Stock­ holm ab kn Gaittioo-Hotel, eine Frau in himmei- blauem, weitem Kleide — Greta Carbo , . ., die noch aus der StumroEfageH kt die Gegen­wart hineinragt, einst die Erste wer, und sich euch heute noch — behauptet.

Paris . Buster Keaten traf mit seiner stän­dig lächelnden Jungen Frau in Paris ent, wo er für 25 000 Francs Tagesgage in einem großen Zirkus auftreten wird. — Er ist jetzt 51, und lacht inaner noch nicht Ala der Tonfilm geboren wurde, mußte er ins Sanatorium. Dann kehrte er zum Film zurück, aber nicht mehr auf seinen alten Platz an der Spitze.

Kopenhagen . Asta Nielsen , die dem Film das Tor zur Kunst öffnete, und der der Tonfilm das Lebenslicht ansblies, ist heute — wobllbe- ktailte Besitzerin eines Kinos.

London . Mr. Rank, Joseph Arthur Rank , Ist einer der reichsten Männer der Weit Er ist beute fast sechzig, wird auf 200 Mülienen Dol­lar geschätzt, hatte, wie sein Großvater und Vater einst ein Mühlengesdiäiff, und ist Metho­dist In dieser Eigenschaft schuf er im Jahre 1930 seine ersten religiösen Kurzfilme. Heute gehören ihm von 4500 englischen Filmtheatern die 600 besten, er besitzt einen großen Teil des englischen Verieihgeschäftes und rund zwei Drittel der englischen Ateliers. Seine Vorliebe gehört dem ernsten und klassischen Film. Die Verfilmung von Shakespeares , .Heinrich V" brachte ihm einen Besucherrekord, und der Shaw-Film „Cäsar und Cleopatra" kostete fünf Millionen Dollar — zwanzig Prozent mehr als der amerikanische Super-Großfilm „Vom Winde verweht”.

Er bet die Monopolstellung Hollywoods in England gebrochen und hat seine Fühler schon nach USA , Frankreich , Oesterreich und Deutsch­ land ausgestreckt.

Am Broadway besitzt er bereits ein Uiauffüh- tungstheater für englische Filme, hat mit Willi Forst eine Interessengemeinschaft geschlossen und Interessiert sich für die Reste der UFA!

Sie traneit gloria muudi . , ,

Paris . „Der amerikanische Fiter zieht" — So erklärte der amerikanische Filmzar Eric Johm- aton unlängst im „American Club" in Paris — überall, wo er das Feld erobert, amerikanische Waren nach sich. So habe Lana Turner entschei­denden Anteil an der Steigerung des Pullover- Verkaufes, und ein Küchenschrank, der in ei­nem amerikanischen Film gezeigt wurde, sei von zweitausend Argentiniern sofort nach der Vor­stellung bestellt worden.

Eric Johmstom, einstiger Präsident der Handels­kammer von Hollywood , ist heute Vorsitzender des FUmpnoduzenten- und Verleiheir-Verbendes in USA . Sein berühmter Vorgänger war Will Hayes, der vor nun, wohl 25 Jahren einen Fitet- Monalfcodex aufstellte, der die Produktion vor Monaipamnien bewahren und damit das Geschäft wenigstens von dieser Seite her sichern sollte. Kodex-Verwalter ist Herr Breen, der mit seinen Mitarbeitern seit 1935 rund 35000 Drehbücher geprüft und rund 50 000 die Morel betreffende Aeudeningsvorschläge gemacht hat. Hier ist die Steile, die den 30 Sekumden-Mammalfcufl über­wacht, — allerdings brauchten Charles Boyer und Ingrid Bergman insgesamt IS 1 /* Stunden, bis ihr Kuß in dem neuen Remarque -Film „Are de Triomtphe" richtig „saß". Hier ist di« Stelle, wo dafür gesorgt wind, daß von den dreißig Liebhabern der „Amber“ nur noch sechs übrig bleiben, und daß der Geliebte nicht mehr wie im Roman, in der Badewanne sitzend empfangen, sondern Sie nur noch zum Abendessen einge­laden wind . . . das Uebrige muß sich der Zu­schauer d«n*n selbst denken. Hier ist die Stelle, wo unter der strengen Diktatur der öffentlichen Meinung eine Seibstvexweftungszensur der Film­industrie ihres Amtes waltet, und wo, wie ein französischer Beobachter einmal behauptete, un­ter diesem Einfluß, jene WirkÜchkeitstremdheit des Films entsteht, die einen erfahrenen Ameri­kaner einmal jungen Europäern raten ließ, man solle sich in Amerika nicht den Film zum Vor­bild nehmen, sonst würde man in Liebesdingen Zucht weit kommen . , .

Nim, es gibt anderes als die Liebe — zu Frauen, auch die Liebe zum östlichen Bundes­genossen scheint von hier aus über das „Weiße Haus " des Heran Roosevelt seinerzeit ihre fil­mische Prägung gefunden zu haben, eine Liebe, die machen Fümieuten beute vom Rongreßkomi- tee für unamerikanische Umtriebe recht übelge- nommen wird. Dafür soll nun auf Herrn Mar­sballs Geheiß in Zukunft mehr „die Schönheit, der Reichtum, die Generosität und die unwieder- stiehliche Kraft des amerikanischen Kontinents" stärker in den Vordergrund treten! der Sitten­kodex soll in Zukunft mehr dem Geist als dem Buchstaben nach befolgt werden! e* werden weniger Gangster und weniger Whisky-Gläser zu sehen setei ein besonderes taformattonftyüro ist geschaffen, um Unkultur und BiHdungsfebler aus den Filmen femzuhalien

Durch die neuen Zensurbestimmungen wind sich die von manchen behauptete Lebensfremdheit des amerikanischen Filmes wandeln, und jene Le­be ns Wahrheit erreicht werden, die etwa Helmut Käutners erstem Nachkriegsfilm „In jenen Ta­gen" fehlt . . . weil der Held «eines Werkes, — ein Auto vom Typ Oiynqna —, bereits im Jahre 1933 existiert, während es von rechtswegeu erst ein paar Jahr» später geboren worden sein dürft» . . ,

NEUE BÜCHER

Geno Hartleub, „Anselm, der Lehrling", Romani Willy He 11pach, „Tedeun ", Laien- brevief einer Paotfaeotogte; Verlag Christian Wegrner, Hamburg .

Otto Flake , „Nietzsche ", Rückblick auf eine Philosophie! Verlag P. Keppier, Baden-Baden .

Anton Schnack , .Arabesken um das ABC"i August Bwdteley, „Auswanderung nach Süd­ amerika "! Charles Baudelaire , „Mein ent­blößtes Herz", Tagebudu Kurt PfisteT, „Bea- tBce Cenex", Prozesse der Weltgeschichte, Bd. 1: Verlag Kurt Desth, München .

Lotte Hoffmann-Lnschnat, „Hier irate Lehmnm!"| Schröder Verlag, Baden-Baden .

A. Scher ff ig, „Der Rechtscbreibbelfer"! Verlagshaus Darmstadt . Wolfgang Schröter, Danosladt.

Netty Sachs, „In den Wohnamgan das To­des", Gedichte! Johannes R. Bacher, „Wer Volk der Deutschen **! Aufbau-Verlag , Berlin .

Fritz Erl er, „Soriaüsrans ata G ege nwart» - aufgaber"! Neckar-Verlag, H erber t Hotefearuer, Schwenningen a. Neckar .

Manfred Schmidt, „Bilderbuch für Ueber- tebeuds“! RowoMt Verlag, Stuttgart/Hamburg .

„Aufmunterung zur Freude", Aus deutscher Lyrik; „Der Wettlauf zwischen dem Igel und dem Hasen auf der kleinen Heide b«i Buxte- hnda"i Heran« Hübeoer-Verleg, Besün,

Wettstreit der Traumfabriken

fetesnafioaate Filmfestspiel» sind augenblick­lich di» große Mode. Nach Brüssel, Locarno und Venedig ist Cannes jetzt der Schauplatz eines internationalen Fümtneffena, an dem nicht weniger als 18 Nationen teänabmen.

Locarno . „Die Sonne brennt, der Himmel lacht in strahlender Bläue, die Erde glüht, die Judasbäume heben sich ' mit ihren roten Blüten von den betäubend duftenden, weißen Magnolien ab, und die Palmen fächeln majestätisch im kaum spürbaren Winde und verheißen mehr Kühlung als sie in Wirklichkeit spen­den ...” So etwa fängt das „St. Galler Tagblatt ” die Stimmung von Locarno ein. „Unversehens sieht man sich über­lebensgroßen Bildern berühmter Film­stars gegenüber, die von allen Straßen­ecken, von den Häuserwänden, ja sogar von den Dächern herunter den Passanten anlächeln und ihn in einen Taumel der Gefühle reißen. Joan Crawford , Marlene Dietrich , Greer Garson — zum Greifen nahe, wenn auch nur aus Pappmachd, wem schlüge da das Herz nicht höher, um so mehr, als sich jetzt ln Locarno ja nur die Filmbegeisterten treffen? Male­risch ringeln sich schwarze Locken über verführerisch ausgeschnittenen Abend­kleidern; goldblond türmen sich blonde Mähnen zu Phantasiefrisuren, schöner und prachtvoller, als sie die Häupter ge­wöhnlicher Sterblicher jemals zieren. — „Oh, qu’ell est ravissante!" ruft elegisch ein junger Franzose und betrachtet mit schmachtenden Blicken Hedy Lamarr , und ein junges Mädchen stößt vor Char­les Boyers Bild aus: „Himmlisch!” und wird unter der Glut der samtigen Augen ganz rot. Unerschütterlich gelassen blei­ben nur die Engländer. Nicht einmal die Hitze.kann ihnen etwas anhaben. Kühl und unnahbar schlendern sie von einem der Filmgötterstandbilder zum nächsten, murmeln höchstens: „Well!” und nur der Tonfall verrät, ob es sich um Anerken­nung oder Mißbilligung handelt. Vor Dolores del Rios schwungvoll gerafften Röcken und ihrem blitzenden Lächeln stellt ein Gummi kauender Amerikaner in immerhin nicht mehr ganz jugend­lichen Jahren sachlich fest: „That ’s the cream in my coffee!”

Venedig . „Infolge der Belegung zahlreicher Hotels durch die Amerikaner herrscht eine unglaubliche Zimmernot, und selbst die Unterbringung der aus­ländischen Delegationen scheint nicht leicht zu sein” berichten die „Basler Nach­richten”. Die USA sind offiziell beteiligt, die Regierung hat die Einladung ange­nommen und einen Delegierten geschickt, der aber nicht in der internationalen Jury sitzt. Dagegen beteiligten sich nicht die der „Motion Picture Association ” ange­schlossenen „Großen”; dennoch wurde die Biennale mit einem ihrer Filme eröffnet, jedoch auf dem Umweg über den italie­nischen Verleih. Filme aus 23 Ländern werden gezeigt. Von ihnen ist jedoch nur die Hälfte offiziell beteiligt, und das wird vermutlich die Aufgaben der internatio­nalen Jury erleichtern. — Können „in­offizielle" Filme prämiiert werden?”. Die Biennale, die wieder dort anzuknüpfen versucht, wo die Verbindungen mitten während der Vorführungen in jenem ver­hängnisvollen Herbst von 1939 so jählings abgerissen wurden, hat es nicht leicht. Dennoch — die Stadt ist zauberhaft: stimmungsvolle Vorführungen zur Nacht­zeit im Innenhof des Dogenpalastes und die Nachtvorstellungen, die Publikum und Kritiker von der Gondel aus genie­ßen. Empfänge folgen Empfängen. Doch fehlt ihnen die rechte Anziehungskraft, weil kaum eine der bekannten Filmgrö­ßen hier ist, dafür aber in Hülle und ^Fülle die offiziellen Vertreter aller Län- ’der versammelt sind.

Basel. „Drei- bis viermal mehr Kohlen”, lautet die Schlagzeile eines Inserats, das für Wärmezähler für Zentralheizungen Reklame macht. Bei den viel höheren Kohlenzuteilungen könnten die Mieter : wieder in den Genuß des Zentralheizungs­komforts kommen, heißt es weiter. Und das Berner Kriegs-Industrie- und Arbeits­amt teilt mit, daß elektrische Heizung noch nicht wieder gestattet werden kön­ne; man werde die Energie-Lieferungen überall dorthin einstellen, wo elektrische Energie durch Brennstoffe ersetzt werden könne.

Basel. Der Ausfall an britischen Ferien­gästen könne nur durch amerikanische Touristen wettgemacht werden, führt die .Basler National-Zeitung" aus. Man lasse aber die amerikanischen Zivilisten, die in der Verwaltung der amerikanischen Zone tätig sind,- mit ihren Familien nicht als freie Touristen in die Schweiz herein, son­dern sie seien genötigt, sich den sieben­tägigen Touren der militärischen Urlau­beraktion anzuschließen, „um die Daseins­berechtigung eines ansehnlichen Verwal­tungsapparates in Bern zu dokumentieren.” Schon die Gl’s selbst hätten wenig Lust, mit Befehlston im „freiesten Land der Welt” herumgeführt zu werden.

BaseL Aus dem Wallis wurden dieses Jahr rund 5000 t Erdbeeren in 2740 Eisen­bahnwagen nach der übrigen Schweiz ver­schickt. Für den Transport der fast 9000 t Kirschen wurden 3000 Wagen benötigt. Die durch Trockenheit und Hagel schwer be­einträchtige Aprikosenemte ergab 3000 t. Für die starke Ernte in Mostbimen sind mindestens 20 000 Wagen zu zehn Tonnen erforderlich.

Sitten. Zu einem jüngst ergangenen Di­visionsgerichtsurteil wegen „Dienstver­säumnis und Schwächung der Wehrkraft“ schreibt der „Walliser Bote“: „Täglich und stündlich werfen wir den Deutschen vor, daß ai » keinen aktiven Widerstand gegen

Cannes . „Es ist eine Oase des Frie­dens, der Besinnung und des Ausspan- nens, ein Traumland von Schönheit, von Jugend und Lebensfreude, wie wir es gern im Film sehen möchten und von dem wir uns gar nicht vorstellen können, daß es wirklich existiert, daß wir es hier vor uns sehen und sozusagen mit Händen greifen können." An der mit herrlichen Palmen bestandenen Strandpromenade, dem Boulevard de la Croisette, ist in einer Rekordzeit von vier Monaten ein tausend Plätze fassendes Filmtheater entstanden mit allen Errungenschaften der Technik. Cannes will ein „Salzburg " des Films werden. Neu hinzugekommen sind gegen­über dem Vorjahre Argentinien , Brasi­ lien , Bulgarien , Griechenland , Luxem­ burg , Oesterreich und Jugoslawien . Weg­geblieben sind Rußland , Tschechoslowakei und Dänemark . „Das Leben auf der Croisette ist von einer faszinierenden Buntheit. — So viel schöne Frauen sah man selten beisammen, Blumen, Musik, rassige Automobile, und draußen im Golf Dutzende von Segeljachten, die wie große weiße Vögel über das silbergraue Meer schweben. Hier in Cannes ist für Kopf­hänger kein Platz; hier müssen,, schreibt „Kosmos ”, selbst die eingefleischtesten Hypochonder wieder zu lebensfrohen, le­bensbejahenden Optimisten werden.”

Ja, Cannes ...

Hollywood contra Europa

Es war in Locarno . Inoffiziell lief der deutsche Käutner -Film „In jenen Tagen”. Während der Vorführung verließ, so be­richtete die Zürcher „Tat”, der Verleih­vertreter einer der größten amerikanischen Produktionsfirmen den Saal und gab in einer Hotelbar vor versammelten Gästen ein vernichtendes Urteil über das soeben Gesehene ab. In denselben Tagen berich­tete ein Filmkritiker der „Basler Nach­richten“, ihm habe während der Vorführung von John Fords „My darling Clementine ” ein Zürcher Theaterbesitzer, dem er im empfehlenden Gespräch die Kunst des Re­gisseurs (die wirkliche Kunst war), mit dem Hinweis der oberflächlich auf acht geschätzten Zahl der Toten zu kompen­sieren gedachte, rundweg erklärt: „Das isch doch nüüt, da lauft doch ntiüt . . .”

Die „Neue Zürcher Zeitung ” aber stellte kürzlich fest, der Erfolg mancher Filme in Europa zeige, daß der amerikanische Film nicht nur die Kleidung der Europäerinnen, sondern auch ihr Gemütsleben bestimme. Die gegenwärtige Filmkrise sei nicht ein amerikanisches, sondern ein planetares Phänomen.

Nach Locarno ergab eine Durchsicht der Pressestimmen, daß nach dem allgemeinen Urteil die Durchschnittsqualität des ita­ lienischen Films am höchsten stehe, wäh­rend an zweiter Stelle Frankreich , an drit­ter und vierter Stelle England und Ame­ rika folgen. Und die „Tat” stellte fest, daß von 18 Zeitungen unter 24, Käutners Film ein ausgezeichnetes, von drei weiteren ein gutes Urteil gehabt habe. Ausgesprochen schlechte Filme seien von der Kritik wirk­lich heruntergemacht worden; indessen sei man freilich bisweilen auf Streifen, die „mit einem Goldlack literarischen Pseudo­wertes überzogen” waren, auf amerika- ni „bestseller ”, hereingefallen.

Wer hat da recht? Als die Zurückhal­tung Amerikas in Venedig bekannt win­de, schrieben die „Basler Nachrichten”, vielleicht scheue man eich nach dem Miß­erfolg der amerikanischen Filme in Brüs­sel, eich dem Entscheid einer internatio­nalen Jury zu unterziehen und zöge es vor, die unverbindlichen Abstimmungen des Publikums in Cannes als sicherer für die Propaganga über eich ergehen zu lassen? . . .

das Naziregime geleistet haben, daß sie es nicht wagten, den Tyrannen zu er­schießen, wie unser Altvater Teil den Geßler erschossen hat. Und, wenn einer den Mut hat, trotz der schändlichen Ver­bote in den katholischen Organisationen mitzuwirken, wenn er dafür zur Strafe eingesperrt, zwangsrekrutiert und 18 Mo­nate sibirische Gefangenschaft auf sich nehmen muß, dann finden sich noch Schweizer , die ihm das zur Schuld an­rechnen ..Das Urteil hatte erklärt, der Soldat hätte sich darüber klar sein müs­sen, daß seine Tätigkeit in der verbotenen Organisation zum Verlust seiner Freiheit und dadurch zu nicht rechtzeitiger Rück­kehr von seinem Urlaub aus Deutschland hätte führen müssen.

Bern . In der Schweizer Sozialdemokratie bestehen, so behauptet das „St. Galler Tagblatt ”, tiefgehende Meinungsverschie­denheiten über che Einstellung der Partei zur Sowjetunion . Der Rücktritt eines Re­dakteurs der „Berner Tagwacht” aus dem Berner Stadtrat wird in dieser Richtung gedeutet.

Frauenfeld. Der Bäckermeister mit sei­nem 70 000-Franken-Auto existiert tat­sächlich, wie die „Thurgauer Zeitung” ihren Lesern mitteilt, er lebe in Genf . Im Thurgau brauche sich kein Bäcker oder Konditor, geschweige denn der ganze ge­werbliche Mittelstand getroffen zu fühlen, so wie dieser es, seiner Reaktion nach, offenbar tat.

Vaduz. Die Einheiten der 1. Russischen Nationalarmee haben Liechtenstein ver­lassen. In einem Zeitungsartikel sprechen sie ihren Dank aus, daß sie als politische Emigranten nicht ausgeliefert wurden, sondern daß man ihnen Gastfreundschaft zuteil werden ließ.

Innsbruck . Am Jahrestag des österrei­ chisch -italienischen Abkommens über Süd­ tirol wird in politischen Kreisen darauf

hingewiesen, daß die Maßnahmen der ita-

Wie dem auch sei — Her Gallup weiß einen Ausweg, sogar ohne Fragebogen. Hopkins Empfindungsmesser, Televoter genannt. Er zeichnet sozusagen ein Kar­diogramm des Films, den Verlauf der Gehirn wellen während der Vorführung auf. Wird der Mensch von dem Kunst­werk kaum berührt, gäbe es, so wird be­richtet, bloß Alphawellen, ist er aber be­wegt, so träten neue Wellen hinzu.

Freilich ist wohl noch nicht ganz sicher, ob der Zuschauer nun freudig — oder ärgerlich berührt wird, aber vielleicht be­kommt man das auch noch einmal her­aus. Vorläufig scheint es jedenfalls nicht immer ganz sicher zu sein, wer aus einem internationalen Wettstreit als „objektiver” Sieger hervorgeht.

Vorläufig wogt im Kampfe der Produ­zenten, der Stars und der Regisseure das Schlachtenglüek noch hin und her. Das neueste ist, daß Hollywood London den Krieg erklärt hat. Es begann ernst zu werden, als Attlee im Unterhaus ver­kündete, daß ausländische Filmproduzenten nicht mehr als 25 Prozent ihres Gewinnes aus England beziehen dürften i die Brük- ken wurden abgebrochen, nachdem Herr Eric Jahnston, der amerikanische Filmzar, über England das Fümembargo für sämt­liche Spiel- und Kurzfilme verhängte. Die Folgen sind vorläufig noch unabsehbar. Normalerweise erbrachte der englische Filmmarkt rund 75 Prozent der amerika­ nischen Filmexporteinnahmen, der Export aber stellte baren Gewinn dar, denn die Produktionskosten amortisierten sich be­reits im amerikanischen Binnengeschäft, - und die Filmproduktion ist drüben die drittgrößte Industrie.

Es gibt auch andere unerwartete Fol­gen: Die französische Regierung

sieht sich gezwungen, die Einfuhr eng­lischer Filme zeitweilig zu sperren, denn in England werden nach den letzten Ver­ordnungen alle ausländischen Filme einer Sondersteuer von 75 Prozent unterworfen Und obgleich sich diese Maßnahme ei­gentlich gegen amerikanische Filme richtet, mußte sie — nach den unter dem Einfluß der Dollaranleihen geformten Handelsverträgen —, alle ausländischen Filme treffen. Es war klar, daß nun auch Frankreich sich revanchierte, und keine englischen Filme mehr zuläßt — doch ist diese Filmsperre paradox, da weder die britische noch die französische Regierung diesen „Krieg” wünscht.

Die französische Filmproduktion hat auch ihre Sorgen. Marcel Pagnol , Mit­glied der Akademie, hat eie kürzlich aus­gepackt. Die Industrie ist nicht mehr ren­tabel, schon 1946 gab es ein Defizit von einer Milliarde. Nur zu 40 Prozent könne sie ihre Produktionskosten durch den Ver­leih in Frankreich selbst decken. Die Bi­lanzen seien auch dadurch besonders be­lastet, daß man Rohstoffe auf dem schwar­zen Markt kaufen müsse, und nicht im­mer in bester Qualität. So würden im Mo­nat durchschnittlich 6 bis 7 Millionen Me­ter Rohfilm verbraucht, das heißt minde­stens ebensoviel wie 1938, obwohl weniger Filme gedreht würden. Das Problem der Devisen 6ei drückend, und eine Lösung sei wohl nur dann zu erwarten, wenn der amerikanische Markt dem französi­ schen Produzenten mindestens jährlich eine Woche einräumte. Das würde ge­nügen, um die Produktion von neuem rentabel zu machen.

Freilich würde das wohl Gegendienste verlangen - und schon heute befindet sich ein großer Teil der Pariser Urauffüh­rungstheater in amerikanischen Händen. Wo ist der Ausweg? In der Schweiz wurde dieser Tage festgestellt, daß das einzige Land, in dem sich bis jetzt der amerikani­ sche Film ungehindert tummeln könne,

lienischen Regierung zugunsten der deutsch­sprachigen Bevölkerung sich noch immer „im Stadium der Vorbereitung“ befänden. Auch der geplante Autonomieentwurf sei noch nicht ausgearbeitet.

Wien . Die französische Delegation der Staatsvertrags-Komnfission antwortete dem Oesterreichischen Gewerkschaftsbund auf eine Anfrage über das nach dem Anschluß beschlagnahmte Eigentum der gewerk­schaftlichen Organisationen, sie erachte es für gerecht, wenn den Gewerkschaften ihr früheres Eigentum zurückerstattet werde.

Wien . Wie „United Preß“ meldet, ist Kurt von Schuschnigg mit seiner Familie in New York eingetroffen und erklärte bei seiner Ankunft, er komme als „Displaced person “ wie viele Tausende anderer Euro­päer, „um ein ruhiges Leben zu führen...“

Wien . In einer Ministerratssitzung wurde eiklärt, daß größere Mengen von Män­teln, Jacken, Arbeitshosen usw. als Prä­mienware für die Ablieferung von Ueber- kontingenten landwirtschaftlicher Erzeug­nisse bestimmt worden seien. Um Getreide einzusparen, sei es notwendig, die Geflü­gel-, Kleintier- und Schweinebestände zu vermindern.

Wien . Nach einer Meldung von Radio Prag hat Oesterreich von der Tschecho­ slowakei Zucker im Werte von 715 000 Pfund Sterling gekauft. Die erste Liefe­rung ist bereits in Wien eingetroffen.

WörgL Der Tiroler Arzt Thomas Zin- gerle behauptet, ein Heilmittel gegen die spinale Kinderlähmung gefunden zu ha­ben, das auch bei fortgeschrittenen Fäl­len wirksam sei und selbst bei Säuglin­gen keine schädlichen Nebenwirkungen zeige.

Wen. Alle 17 Vorstellungen der Wie­ner Staatsoper in London sind ausver­kauft. Ministerpräsident Attlee. Außen­minister Bevin und die Minister Hynd und Lord Pakenham haben ihr Erscheinen zu­gesagt.

die Schweiz sei - bis vor kurzem noch Schweden , das jedoch vorläufig keine ame­ rikanischen Filme mehr akzeptieren kön­ne. Und schon erscheinen in Schweizer Zeitungen ganzseitige Inserate, die sich für die Unterstützung des Schweizer Fil­mes einsetzen. Und die Kritiker haben an dem amerikanischen Film so mancherlei auszusetzen. Uebrigens nicht nur die Schweizer , und ein Zyniker könnte viel­leicht feststellen, daß sich - wenn schon andere Gründe zu einer Abwehrstellung vorhanden sind, so auch zur rechten Zeit die ideologischen Kontroversen einstellen.

Indessen steht Rene Clains Urteil nicht allein, daß „Hollywood zu viele Filme produziere, die in erster Linie den Kin­dern gefallen.“ Und Marlene Dietrich hat kürzlich erklärt, der englische Film könnte deshalb besser sein als der amerika­ nische , weil er „so erwachsen“ sei. Auch der Fiknzar, Herr Eric Jofanston selbst, oder Leute aus seiner Umgebung, haben sich über den wachsenden Widerstand in Europa Gedanken gemacht und schon vor einiger Zeit bemerkt, man müsse die „alte Idee aufgeben, an die Mentalität von Her­anwachsenden und Unreifen” zu appe He­ren, sondern vielmehr „in den Begriffen von Prestige, Kunst und Kultur zu den­ken” - über Geschäfte und Konfektione- waren hinaus.

Für die Kinder

Nach den neuesten Bestimmungen dürfen die Kinder unter 16 Jahren wegen Ueber- füllung der Kinos nur noch die Sonn- und Feiertags- oder die besonderen Nachmittags­vorstellungen besuchen. 1936 wurde ein Filmstudio für Kinderfilme gegründet. Auch die anderen Filmstudios steilen bin und wieder Jugendstücke hei. Verfilmt werden vielfach Volksmärchen, außerdem typische Volksenzählungen: während des Krieges gab man heroischen Legenden den Vorzug. Ein Pionier für den Jugendfilm ist Alexander Ptouschko, berühmt auch durch seine Puppen- zeichmwgen, er erhielt bereits vor zehn Jah­ren mit seinem Film „Der neue Gulliver" in Paris die Goldene Medaille. Zu den be­rühmtesten Jugendfilmen gehören: „Die Kindheit Gorkis" und seine Fortsetzung „Wie ich mein Brot um mein Studium ver­diente"! Filme, die auch im Ausland gezeigt wurden. Auch der AbenteurerfHm kommt zu seinem Recht. So wurden nach Werken von Jules Verne „Die Kinder des Kapitäns Grant” und „Die geheimnisvolle Insel" ge­filmt Von Stevenson wurde „Die Schatz­ insel " gedreht und noch während des Krie­ges „Der Fürst der Bettler" nach Mark Twain . In den letzten Jahren sind Gegenwartefilme hergestellt worden, in denen die Jugend sich selbst auf der Leinwand sah. Den Film­leuten gelang es mühelos, geeignete Kinder für ihre Rollen zu finden. Doch gibt es keine Kinderstars. Die Teilnahme eines Kindes an einem Film ist immer nur eine einmalige Auszeichnung — in UdSSR .

Mit und ohne Kommentar

„Es ist eine allbekannte Tatsache, daß gerade deshalb immer wieder der Kampf und Krieg den Stoff für Romaine und Filme liefern muß, weil hier jede Charaktereigenschaft krasser zum Ausdruck kommt, weil auf dem düsteren Hinter­grund des immensen Leddes Güte und Liebe hel­ler leuchten und auch irgendwie an Wert ge­winnen, da sie so selten sind. Selten, aber da­für umso größer . . . Aber muß in einem Film, der ausdrücklich für Tierfreunde, und das will doch heißen, gemütvolle Menschen geschaffen wurde, auf der anderen Seite, gleichsam als Aus­gleich für die Sentimentalität, an die niedrigen Gefühle der Besucher appelliert werden? . , . Will man uns glauben machen, daß irgend ein x-beliebiger deutscher Soldat (der Film liebt ja die Typisierung, und so ist wahrscheinlich auch in dem bewußten Streifen nicht „irgendein Sol­dat", sondern der deutsche Soldat schlechthin gemeint) beim bloßen Anblick eines fremden Hundes, von dem er kaum mehr als den Schwanz gesehen, aus reiner Freude am Töten schießt und ihn verwundet und die Jagd auf das verletzte Tier dann mit doppelter Wut fortsetzt. Es ist direkt frappant, wie das Publikum darauf reagiert Die Entrüstungsrufe wollen kein Ende mehr nehmen . . Man hört, je nach Tempera­ment, lautere oder leisere Verwünschungen der deutschen Barbaren — kurzum, die liebliche Hundegeschichte verwandelt sich in eine Hetz­propaganda . . . Als Mensch mit Seele . . . empfindet man eine tiefe, hoffnungslose Trauer . ." Neue Politik, Zürich

New York . Der erste UNO -Film: „Charta der Völker" ist fertig. Ein Kulturfilm mit zwan­zig Minuten Laufzeit, einer von. vierzehn ge­planten. Er berichtet über die Unterzeichnung der Atlantic-Charta , die che Grundlage der UNO daTstellt, zeigt die Konferenz von San Franzisco, auf der der Bund der Völker besiegelt wurde, und schließt mit der ersten Vollversammlung.

Genf . Ende August fand im alten Völker­bundspalast die Uraufführung eines Films des Londoner „Central Office of Information" statt, eines fast einstünddgen Filmes mit Ausschnitten aus 150 Filmen von 10 Nationen.

Der von der britischen Regierung finanzierte Film trägt den Titel „The world is Ti<h"i seine ersten Zuschauer waren die Delegierten der FAjO - Konferenz. Er zeigt, wie reich die Weit ist, wie z. B. irgendwo Lebensmittel ver­brannt werden, während anderswo die Men­schen vor Hunger zusacmmenbrechen. „Ueber- fluß und Mangel müssen zu einem Ausgleich kommen", verkündet La Guardia von der Leine­wand. Eine Männerstimme fragt: „Hungersnot? Lächerlich! Man kann kriegen, was man will, man muß nur wissen, wo ..." und eine Frauen­stimme ertönt: „Jedermann wußte, wo, aber sie hatten nicht das Geld, um dorthin zn gehen ..." Am Schluß wird der Han der FAO aaseinander­gesetzt, und, während schon das Wort „Ende" arufblendet, erklingt noch einmal die Stimme von Sir John Boyd Orr , dem Präsidenten der Orga­nisation der UNO für Ernährung und Landwirt­schaft, sein Kopf steigt mahnend aus der Leine­wand: „Unser Plan kamt nur realisiert werden, wenn die Regierungen ihre volle Unterstützung geben. Sie tun es, wenn Brr, das Volk, es ver­langt ..."

Das Wort hat das Volk. Das Volk alter Völker. Ist es ein« Realität?

SUDKURIER

Veranwortlkfaer Redaktionsausschuß: Hermann Dörfhnger (CDU ) Rudi Gognel (KP), Herbert Goidschekier (SP). Friedrich Munding (DP), Her­mann Fiebing — Verlag: Südkurier-Verlag GmbH — Druck: Druckerei Konrianz. Fischmarkt 5 — Für unverlangt etegesandt» Manpskripte ü b te fiimffn! di» Rad ak tio» hataartfli Haftung

Blick aber die Grenzen