Dienstag, 4. Mai 1948

HEIMAT

KURIER

B

Nr. S4 / Seite 3

ßaöifcht

UnDeechronfh

Nicht allee ift fo rolchtig

wü. Eine alte richterliche Belehrung heißt, daß Unkenntnis nicht vor Strafe schützt. Immerhin wird das mit der Viel­zahl der Gesetze immer schwieriger. Es gibt allmählich eine ganze Anzahl mehr Verordnungen, als der gewöhnliche Sterb­liche behalten kann. Verträgliche Naturen helfen sich heute so, daß sie die Kenntnis bestimmter behördlicher Verlautbarungen die für den Tagesgebrauch wissenswert sind, voraussetzen und die übrigen erst be­achten, wenn ihre Anwendung akut zu werden droht.

Das ist zwar nicht ganz korrekt, aber verständlich. Der Mensch hat heute genug zu denken und zu sorgen, als daß er seinen Kopf unnötig belasten will. In der Praxis kommt man mit der beobachteten Gepflo­genheit auch zumeist aus.

Schlimmer wird es dagegen, wenn ein­zelne Aemter darüber hinaus noch den Ehrgeiz entwickeln, eine Unzahl von Dienstvorschriften herauszugeben, die das geplagte Publikum auseinanderhalten soll.

Es mag einer Dienststelle zugestanden sein, daß sie für ihren internen Betrieb gewisse Anweisungen ergehen läßt, damit eine ge­ordnete Abwicklung des Publikumsver­kehrs gewährleistet ist. Unglückseligerwei­se glauben aber die meisten Aemter, diese Vorschriften verpflichtend an die Oeffent- licbkeit bringen zu müssen. Das Publikum wird damit sozusagen in den Anweisungs­bereich der Behörde einbezogen.

Kannsich ein Behördenleiter, der solche Vorschriften niederlegt, nicht vorstellen, daß wir alle andere Sorgen und Lasten haben, als daß wir seine Anordnungen ken­nen müssen? „Sie hätten wissen müs­sen ...”. wird man oft in einem Büro emp­fangen/ weil der Beamte hinter dem Schal­ter nicht begreifen kann, daß zwar er seine Dienstanweisungen aus beruflichen Grün­den kennen muß, wiT aber,noch lange nich/ weil wir auch einen Beruf haben und in ihm wie privat noch eine Menge anderer Dinge wissen müssen.

Wichtig? Was ist wichtig? Viele Aemter sollten endlich lernen, daß wir merkwür­dig viele Sachen, die für ihren Dienstge­brauch unentbehrlich sind, gamicht zu wis­sen brauchen. Wir sind der Auffassung, daß gerade auch auf diesem Gebiete allzu viel vorausgesetzt wird, was immer Aerger er­gibt.

Und den will doch auch die Behörde ver­meiden!

Flafchenpoft oon öer Höri

Das Bild einer idyllischen Landschaft

Dort wo der schöne Bodensee am aller­schönsten ist, am Untersee nämlich:, liegt die Halbinsel Höri. Ein seltsamer Name, nicht wahr? Der Heimatforscher leitet ihn von der Tatsache ab, daß das Gebiet mit­samt den Bewohnern bis zur Säkularisation dem Bistum Konstanz hörig gewesen.

In der kleinen Stadt am Bahnhof in Ra­ dolfzell , wartet der ,Höriexpreß‘, wartet oder wartet auch nicht. Ein Gefährt, beste­hend aus zweieinhalb massiven Behältern, das zunächst an Noahs Dschunke mit An­hängseln erinnert, sich jedoch wegen der unbestreitbaren Tendenz den hineingestopf­ten Inhalt allmählich zum Gären zu bringen, auch zutreffend mit einem Silo vergleichen läßt. Kosenamen wie Rumpelkiste, Knajlibus oder auch ,Knochenschüddler‘ sind von den zahllosen Klienten keineswegs böse ge­meint. Hat doch selbst die Hühnerleiter, mittels welcher der Mann von der Straße zum Passagier des Vehikels avanciert, durchaus ihre Reize: sie ist anderthalb Me­ter hoch und es lohnt sich daher, beim Er- klupmen den Damen den Vortritt zu lassen.

Durch eine Allee würdiger Pappeln rollen wir in den hingebreiteten Garten der Höri ein, zur Rechten die Zuckerhüte des Hegaus, Knkerhand die schimmernden Wasser. Moos heißt der erste, Iznang der zweite Halt, wo­bei wir das Geburtshaus des berühmtesten Eingeborenen passieren, einen stattlichen Fachwerkbau, in dem der .Wunderdoktor' Franz Anton Mesmer den ersten Schrei ge­tan. Die Straße führt durch laubige Wälder, nach Gundholzen folgt Horn, und wir steigen aus, einfach deshalb, weil es unver­zeihlich, den einzigartigen Rundblick vom hochgelegenen Kirchhof zu versäumen. Hier möchte man wirklich begraben sein, ja — selbst in besseren Zeiten! Soll ich die Schönheitspflästerchen dieser fraulichen Landschaft einzeln mit Namen beschwören, auf winklige Städtchen, altersgraue Herren­sitze und selig verträumte Dörfer plump mit dem Zeigefinger deuten, indes du kaum .hinhören wirst, gefangen vom Widerspiel der ziehenden Wolken im grünen Spiegel des Sees? Soll ich mit gelahrtem Räuspern betonen, daß wir auf uraltem Kulturboden stehen, daß etwa die Geschichte der abend­ländischen Kunst mit den Klosterkirchen auf jener Insel voraus unlösbar verbunden? Dem fernen Leser würden solche Stichworte so wenig nützen wie dem Maler im Atelier die Aufschriften seiner Tuben, wenn er die Farben nicht aus der Erinnerung an das ge­schaute Bild artig zu mischen und miteinan­der in Einklang zu bringen versteht.

Ein Fußpfad führt uns zum Ufer hinab. Dort, sozusagen auf der Zungenspitze der Höri, ist Hornstaad gelegen, ein anmutiger Weiler, in längst vergangenen Tagen .Kno­tenpunkt* der heimischen Seefahrt gewesen. Zwischen mannshohem Riedgras, an knorri­gen Weiden vorbei, zieht sich der Weg am Strande dahin, die waldigen Höhen der Schweiz zum Greifen nah gegenüber. Wir richten die Uhr nach dem Kirchturm von drüben. In Gaienhofen hat Hermann Hesse lange gelebt, erst als ^fieter im oberen Stock eines Bauernhofes, später im eigenen Heüh. Wesentliche Werke seiner Frühzeit sind hier entstanden. Im .Bilderbuch* und anderen Skizzen jener Jahre, ist die Atmo­sphäre von Landschaft und See duftig wie Staub von Falterflügeln zeitlos geworden. Hemmenhofen ist das Malerdorf, nicht nur der Höri, sondern am Bodensee überhaupt, obwohl es ein Dorf ohne Maler hier beinah nicht gibt. Zwei der bedeutendsten deut­ schen Künstler, Heckei und Dix, leben mit andern am Orte. Wenn es der Zufall will, begegnen wir ihnen auf unserem Wege.

Jedes der Dörfer hat seinen eigenen Stil, jedes ist vom anderen verschieden. Wan­gen, der Wohnsitz des Dramatikers Bacmei- ster, hat stark südlichen Einschlag und, dank der oft kubusförmigen Häuser, ein fast kleinstädisches Gepräge. Wahrhaft frie- denswichtig ist die lokale Industrie: Gärt­nereien! Fruchtbaumbestandene Wiesen wechseln mit Gemüsefeldern und Beeren­kulturen. Das Land, überwiegend vbn Kleinbauern bestellt, ist vielfältig aufge­teilt und wirkt bunt gesprenkelt wie das Kopftuch der Fischerstochter, die eben die Netze aufhängt. Am Gestade wechseln Vil­len mit Wochenendhäuschen zierlichster Proportion. Kattenhorn, auch so ein Künst­lernest, gehört schon zum Dorf an der Grenze. Dieses, bereits im 8. Jahrhundert VkundUch erwähnt, ist als ehemaliger Sitz

eines Chorherrenstifts und als Fundgrube seltener Versteinerungen bekannt. Der ,An- drias Scheuchzeri*, das Skelett eines Riesen­salamanders, zunächst für die Ueberreste des ersten Menschen gehalten, erregte anno dazumal Aufsehen und — Heiterkeit. Liegt Oehningen noch am Untersee , heißt das Städtchen überm Schlagbaum schon Stein am Rhein. In der Tat, der See ist, sich lang­sam verströmend, zum Rhenus flumen ge­worden. Hier sei auch unsere Flaschenpost in die Fluten 'gegeben: als ein Gruß vom .kleinen Zeh Deutschlands*! H. A.

Die Fliegergeschädlgten in Baden

In Villingen fand am 24-/25. April die erste Bundestagung und verfassungsgebende Versammlung des Bundes der Fliegerge­schädigten in Baden (Sitz Freiburg ) mit De­legationen aus dem ganzen Land Baden (französische Zone) statt. Ein Vertreter aus der US -Zone war als Gast anwesend. Zum Bunidesvorsitzenden wurde Konrad Müller, Freiburg , einstimmig gewählt. Der Präsi­dent des Zentralverbandes, A. Bauser , Stuttgart , betonte in einem längeren Re­ferat, daß eine falsche Durchführung der Währungsreform und des Lastepausgleiches eine Gefahr für die deutsche Demokratie sei. Das Gremium faßte eine Resolution an die Staats regierung, in der sich der Bund gegen eine schematische Abwertung des Geldes wehrt und für eine Blockierung der Guthaben eintritt. Ferner wird ein gerech­ter sozialer Lastenausgleich gefordert.

Die Zeppelinwerft soll gesprengt werden

Die ehemalige Zeppelinwerft in F r i e ck richshafen soll geräumt werden. In diesem Zusammenhang sollen größere Sprengungen vorgenommen werden. Der Gemeinderat der Stadt Friedrichshafen befürchtet umfangreiche Gebäudeschäden an den in nächster Nähe liegenden Wohn­vierteln, die durch die Kriegsereignisse ohnehin schon schwer gelitten haben. Es wurde deswegen beschlossen, eine Abord­nung an die Landesregierung nach Tü­ bingen zu senden, um eie zu veranlassen, in dieser Angelegenheit au intervenieren. Die Sprengungen in den ehemaligen Dor- nierwerken werden demnächst abgeschlos­sen. Die Schäden an den umliegenden Ge­bäuden werden von der Stadt getragen.

Gründung der physikalischen Gesellschaft der französischen Done In der Johannes-Gutenberg-Universitat in Mainz wurde am letzten Donnerstag die physikalische Gesellschaft der franzö­sischen Zone im Beisein von Vertretern der Militärregierung, der staatlichen und städtischen Behörden, der technischen Hochschulen und Universitäten gegründet. Die neue Gesellschaft will die Tradation der früheren deutschen physikalischen Gesellschaft fortführen und einen engen Kontakt mit den Wissenschaftlern des In- und Auslandes halten. Professor DfTKlumfo wurde zum ersten Vorsitzenden der Ge­sellschaft gewählt.

IL Kongreß der FDJ Baden

Die Freie Demokratische Jugend in Ba­den — französische Zone — führt vom 15. bis 17. Mai 1948 in Singen a. H. ihren II. Kongreß, der sich mit allen vor der Jugend stehenden Problemen befassen wird, durch. Als Umrahmung der zwei­tägigen öffentlichen Beratungen des Kon­gresses finden mehrere Veranstaltungen statt.

Tuberkulosebekämpfung im Grenzland

lö Vor kurzem fand in Basel eine Ar­beitskonferenz zur Bekämpfung der Tu­berkulose statt. Neben den Vertretern der deutsch -schweizerischen Arbeitsgemieln- schaft für die Tuberkulose -Bekämpfung im Grenzland nahmen Delegierte der schweizerischen und deutschen Behörden und Krankenkassen an der Tagung teil. Den Vorsitz führte Nationalrat Schneider, Basel. Erfreulich war besonders die Mit­teilung der Badischen Landesversicherungs- anstalt. daß es gelungen sei, die Grenz­landhellstätte Schweigmatt (bei Schopf­ heim durch die Uebemahme der Pension „Waldlust” auf 105 Krankenbetten zu er­weitern.

Badischer Bahnhof Basel wieder unter deutscher Verwaltung

lö Mit dem 1. Mai wurde der „Badische Bahnhof Basel” wieder unter deutsche Verwaltung gestellt. Für das deutsche Personal werden im BBB auch weiterhin Werkskantinen unterhalten. Eine wichtige Neuerung * ist, daß die deutsche Bahnver­waltung des BBB wieder vor den zustän­digen Schweizer Gerichten klagen und verklagt werden kann. Alle Beförderungs­preise und Nebengebühren ab BBB müs­sen in Schweizerfranken bezahlt werden. Ab 9. Mai (Sommerfahrplan) werden nun alle Züge wieder in Basel eingesetzt, was besonders für die Bevölkerung im badi­schen Oberland eine große Erleichterung bedeutet. Auch für den Bahnhof Weil, der durch den starken Eil-, D- und FD-Zug- verkehr überlastet war, tritt mit dem neuen Fahrplan eine fühlbare Entlastung ein, was um so erfreulicher ist, als der Bahnhof für dien umfangreichen Verkehr viel zu klein war.

12 000 Eisenbahnwagen wurden repariert

Einen interessanten Einblick in ein we­sentliches Gebiet des wirtschaftlichen Wiederaufbaus gab eine Werkfeier der Arbeiter des Eisenbahnausbesserungswer­kes Ludwigshafen anläßlich der Wie­derherstellung des 12 000. Güterwagens. In oft kühn anmutender Improvisation ist es gelungen, das bei Kriegsende bis zu 85% zerstörte Werksgelände wieder zu einer leistungsfähigen Produktionsstätte zu machen. Die monatliche Durchschnitts­zahl der reparierten Waggons stieg von 109 im Juli 1945 auf 710 im April 1948. Im Bereich der Eisenbahndirektion Mainz wurden seit dem Zusammenbruch insge­samt 30 000 Eisenbahnwagen wiederher­gestellt. _

Ottenburg. Der Kulturbund beschloß, in der Zeit vom 19. bis 27. Juni 1948 eine „Ortenauer Kulturwoche" durchzuführen, die alle Gebiete kulturellen Schaffens umfassen soll.

Die größte Sprengung fett Helgolanö

Zerstörung der Vulkanwerke bei Haslach im Kinzigtal

Am letzten Mittwoch wurden die unter­irdischen Vulkanwerke bei Haslach im Züge der Maßnahmen zur Entwaffnung Deutsch­ lands gesprengt. Nicht weniger als 74 to Sprengstoff waren erforderlich, um die Werke zu zerstören. Umfangreiche Vermes­sungen und Gesteinsuntersuchungen mußten vorgenommen werden, bis die Sprengung ausgelöst werden konnte, die nach Ausfüh­rung des verantwortlichen französischen Offiziers mit Ausnahme der Zerstörung Hel­ golands alle übrigen im Rahmen der deut­ schen Entwaffnung vorgenommenen Maß­nahmen dieser Art übertrifft. Wie der mit den Vorbereitungen zur Sprengung beauf­tragte französische Pionieroffizier dem Sü- dena-Vertreter erläuterte, waren die Vul­kanwerke ursprünglich ein seit 1903 berg­baumäßig betriebener Steinbruch, in dem Hornblende gewonnen wurde. 400 m weit war ein System bis zu 10 m hohej Stollen in den Berg getrieben worden. Nichts war naheliegender als der Gedanke, diese fast unzerstörbaren Schächte zu einem unter­irdischen Rüstungswerk auszubauen. Es blieb allerdings bei den Vorbereitungen, denn bevor die Maschinen, die hier Flug­motoren hersteilen sollten, den Berg hin­aufgeschafft werden konnten, hatte die deutsche Kapitulation dem Plan ein Ende gesetzt.

Bereits im November 1947 war ein Teil der Werke mit einem Aufwand von 64 to Sprengstoff zerstört worden. Die Erschüt­terungswelle wurde s. Z. von den Seismo­graphen im benachbarten Straßiburg, aber

auch in Baden und Stuttgart aufgezeichnet. Hieraus entstand der Gedanke, den zweiten, noch umfangreicheren Teil des Zerstörungs­werkes der Wissenschaft nutzbar zu ma­chen. Der Leiter des Instituts physical du globe in Straßburg , Rotte, gab vor der Sprengung einen kurzen Ueberblick über die Art der beabsichtigten Untersuchungen, die sich sowohl auf die Ausbreitung der Er- schütterungs- wie der Schallwellen erstrek- ken sollten. Von Haslach nach Straßburg und von Haslach nach Stuttgart waren zu diesem Zweck zwei „Versuchslinien“ mit zahlreichen Meß- und Beobachtungsstellen eingerichtet worden. Ferner waren Beobach­tungsstationen in Oesterreich an den Unter­suchungen beteiligt. Man erhofft sich von diesen Untersuchungen wertvolle Auf­schlüsse für die gesamte Erdbebenforschung.

Mit Spannung erwartete ein kleiner Kreis von militärischen Beobachtern die Spren­gung, die genau um 16.30 Uhr ausgelöst wurde. Der Berg schien zu erbeben, eine gewaltige Stichflamme schlug aus den Schachteingängen und setzte den grünen­den Wald über der Steinbruchwand in Brand. Ein riesiger' Rauchpilz stieg in Se­kundenschnelle hoch empor. Wenige Au­genblicke später ein kurzer, scharfer Knall, schv/ächer als man in Anbetracht der unge­heuren Sprengsioffmengen erwarten konnte, dann lag der Berg wieder ruhig da. Aller­dings mit gänzlich verändertem Gesicht. Die Stolleneingänge waren verschwunden und die Steinbruchwand hatte sich in eine GesWähalde verwandelt.

Sorgen unö Aufgaben öer Staöt Frefburg

In der letzten Freiburger Stadtratssitzung wurde die Ernährungslage durchgesprodien. Es wurde erwähnt, daß an der einen Stelle Gemüse nicht schnell genug ausgegeben wird, daß irgendwo in der Stadt seit eini­ger Zeit einige Tonnen Salzheringe unter- gebracht sind und daß die in Freiburg in den Gasthäusern liegenden Kartoffeln unter Umständen doch nicht nach Konstanz transportiert werden müssen. Dann refe­rierte Bürgermeister Geiler über einen neuen Plan, wie man vielleicht in Zukunft den alten Leuten und Kriegsbeschädigten zu Brennholz verhelfen will. Da man ja doch Flüchtlinge auch im Landkreis Frei­ burg aufnehmen müsse, habe man sich schon in Norddeutschland nach geeigneten Berufsholzhauern umgesehen, die aus dem Osten kommen und ihre Familien mitbrin­gen. Sieben Familien habe man bereits im Landkreis Freiburg verteilt, während an­dere in der Gegend von Zell a. H. unter­gebracht worden seien. Er hoffe, auf diese Weise genügend Holzhauerkolonnen zu- sammenaubekommen, daß die Selbstaufbe- reiter von ihrem Pflichtster befreit werden könnten.

Ungerecht« Kartoffelverlagerungen?

Das Badische Miinisterdujn der Land­wirtschaft und Ernährung teilt mit: Inder Sitzung des Freiburger Stadtrates wunde jüngst gegen die ,,Kartoffelrücklieferungen ins Seegebiet”, die als ungerechtfertigt und unzweckmäßig dargestellt wurde, leb­hafte Klage geführt. Anlaß dazu gab die Erklärung des Leiters des Ernährungsam- tas Dr. Reiner, daß nach einer Verordnung des Ernährungsministeriums jener Teil der eingelagerten Kartoffeln, der nicht durch Kartoffelmarkenabgalbe abgedeckt sei, unter Anrechnung des Schwundsatzes von den Gaststätten und Notküchen — mit Ausnahme reiner Suppenküchen — zurückgegeben werden müsse. Es wurde richtig hinzugefügt, daß den Gaststätten und Notküchen jene Mengen belassen wer­den, die in den kommenden Monaten vor-

Das Schloß derer zu Schönau in Sächingen •

^Vls die Stadt Säckingen vor etwas mehr denn 20 Jahren für einen bescheidenen Kaufpreis das alte Schloß Derer von Schönau samt Park er­warb, tat sie es vor allem aus historischen Gründen. Das Schloß, das mit der Geschichte der Stadt so innig verwachsen ist, wie das Fri- dolinsmünsteT, sollte der Allgemeinheit zur Ver­fügung stehen, nachdem lange Jahrzehnte nur selten ein AuserwäM'ter der Bürgerschaft Schloß und Park hatte betreten dürfen.

Schon einmal, vor mehr denn hundert Jahren, hatte der Säckinger Stadtrat beschlossen, das zum Verkaufe ausgeschriebene Schloß zu erwer­ben und damit ein Mitglied des Stadtnates 1*- traut. Dieser hatte wohl das Schloß gekauft, aber für sich, und der Gemeinderat hatte trotz aller RechtsandTobungen das Nachsehen.

Historische Anhaltspunkte über die Bau- geschichte des Schlosses liegen nicht vor. Nur Malzacher behauptet in seiner „Geschichte von Sädringen", daß nach der Zerstörung des Schlosses Rheinsbeig bei Rothaus -Muig die Fa­milie von Schönau Steine von dort nach Säckin­ gen zum Bau des Säckinger Schlosses habe füh­ren lassen. Ist dies wirklich der Fall gewesen, dann kann es sich nur um Baumaterial für eine Erweiterung des Säckinger Schlosses gehandelt haben, denn nach seiner Gesamtanlage zu urtei­len beginnt die Baugeschichte des Schönauei Schlosses in Säckingen im 13. oder 14. Jahrhun­dert, wenn sie nicht noch älter ist, was. durch die Aufdeckung der Fundamente eines gewal­tigen Rundtuimes bei der Orangerie im ■ Jahre 1946 zur größten Wahrseinlichkeit geworden ist.

Die auf einer Insel mitten im Rheinstrom er­baute alte Waüdstadt Säckingen war auf zwei Seiten vom Wasser völlig gedeckt und gesichert, nur auf der Südseite war die Stadt gut angreif­bar und mußte deshalb mit besonders starken Werken versehen weiden. Dies zeigen die alten Befestigungspläne, die dem Schlosse in deT Stadt­verteidigung eine besondere Rolle zuweisen. Deshalb befand sich auch der Haupteingang des alten, noch nicht umgebauten Schlosses auf der Nordseite und wurde erst, nachdem die Stadt als befestigter Platz zu existieren auf gehört hatte, nach der Südseite verlegt, was im Anfang des 18. oder gegen Schluß des 17. Jahrhunderts der Fall gewesen ist, nachdem die beiden vorderen Ecktürme (Nordtürme) abgerissen wurden, um das Baumaterial für den heutigen mittleren Turm der Südseite au liefern. Das Schloß Derer von

Schönau spielte das ganze Mittelalter hindurch die Rolle eines starken Sperr Joris im System der Stadtverteidigung gegen Süden (Schweiz ) hin. Die Häuser der heutigen Schönaugasse bildeten mit dem alten Kloster der Framziskane rinnen die durch innere Tore gesicherte zweite Linie.

Ein Meriansches Bild zeigt die mi Ziegeln ver­sehene Ringmauer beim Schlosse, die vom Süd- 06 türm des Schlosses nach dem Diebsturm am Rhein verlief, während am Südwestturm die 2,5 Meter starke Ringmauer anschloß, die zum Autor hin lief und auf deren Ecke das heutige Scheffel­denkmal steht. Vor der Ringmauer befand sich der tiefe Wallgraben, über den noch im 18. Jahr­hundert vom mittleren Turm aus eine Zugbrücke führte. Durch Scheffels „Trompeter" ist dann die Stadf des hl. Fridolin in der ganzen Kultur- weit weiterhin bekannt geworden daß es sich bei der unter seltsamen Umständen zustande ge­kommenen Ehe des Franz Werner Kirchhoffer, welche die Grundlage des Epos bildete, mit der ahnenstolzen Maria Ursula von Schönau um ei­nen wahrhaften Liebesbumd gehandelt haben muß, geht schon aus dem tapferen Zusammenhal­ten der Beiden gegenüber den Anfeindungen der zwei Söhne des alten Freiherrn hervor, die das väterliche Erbteil nicht herausgeben wallten und beim alten bärbeißigen Stadthauptmann v. Gram­mont in Laufenburg einen ewigen Landes verweis gegen Schwester und Schwager beantragten, mit dem listigen Hintergedanken, daß sie bei Eintritt der Landesverweisung das Erbe ruhig selber ver­zehren könnten.

Aber es scheint schon so zu sein, daß der Herr „Trumpeter" von Recht und Gesetz mehr verstanden hat, als seine beiden adeligen Schwä­ger und deshalb auch beim Kaiser Recht bekam. Das Erbgut wind dann der gewiegte Kaufmann Franz Werner Kirchhoffer zum Bau der Fähran- lagen beim Gallustuim und zum Erwerb des Eisenhammers im Mettlenmattengebiet verwendet haben, die ihm viel Geld einbrachten. Wo das, wie es auf dem Grabstein heißt, in gegenseitiger Liebe unvergleichliche Ehepaar in Sädringn dann gewohnt hat, ist unbekannt, im Schlosse weiden die beiden Brüder es nicht geduldet haben.

Wenige Jahre noch und ein Jahrhundert wird verflossen sein, seit der Rechtspraktikant Dr. Jo­sef Scheffel um die mittemächtige Stunde von der badischen Schnellpost zu zweijähriger Dienst­leistung in Säckingen abgesetzt worden ist. Was er hier und in der Umgebung erlebt und ent­deckt, hat einen staunenswerten literarischen Niederschlag ja fast alias modernen Sprachen ge­funden« Emil Gersbach

Max Planck — Revolutionär wider Willen

Anläßlich der Arbeitsaufnahme der Freiburger Wissenschaftlichen Gesellschaft hatte man am 23. April zu einer Gedenkfeier zum 90. Geburts­tag des im vergangenen Jahr verstorbenen gro­ßen deutschen Gelehrten Max Planck eingeladen. Nach einigen einführenden Worten des Rektors der FreiburgeT Universität, Prof. Dr. v. Dietze, sprach Prof Dr. Hönl über „Max Planck als Physiker".

Planck, der Revolutionär wider Willen, der aus Liebe zu den physikalischen Einheitsbegrif­fen Physiker wurde, und der dann durch 6eine Entdeckung der Quantentheorie diesen physika­lischen Einheitsbegriff in Frage stellte, der eine Renaissance der abendländischen Physik und in der Folge seiner Entdeckung eine ganze Kaskade von Entdeckungen heraufbeschwor, verstand es, die Naturwissenschaften m ein rechtes Verhält­nis zur Religion zu bringen — das waT Anfang und Beschluß des Vortrages von Professor Hönl. „Nur in der eigenen Tiefe vermag die Physik zu sagen, was sie ist Das innerste aber, was sie sagen kann, ist die mathematische Ge­nauigkeit der Natur", sagte er, und: Naturfor­schung treiben, sei Einblick in die Notwendig­keit der Vorgänge der Natur nehmen. Es gelte, das bloße kausale Denken zu brechen; Plan­mäßigkeit sei die Bedingung der Kausalität — und hier wirke Plancks Entdeckung als befreien­de Tat. Die Quantenlehre, die die ganze klas­sische Physik in eine Krise brachte, gehört zu den großen Abenteuern der Wissenschaft. Ihr Abenteurer war der nüchterne Wissenschaftler Max Planck , der seine Doktorarbeit mit 21 Jah­ren mit „summa cum laude" schrieb und von da aus einen keizengraden Weg in die schwindeln­de Höhe der Quantentheorie ging.

Dag Orchestre national in Baden-Baden

Das Gala-Konzert däs Pariser Rundfunk-Or­chesters unter Roger Desormiere hatte neben dem Baden-Badener Publikum bedeutende Gäste, zum Teil auf Einladung des SWF., hierher ge­führt, Pressevertreter und Musikverleger, Kom­ponisten und ausübende Künstler aus anderen deutschen Städten. Als Solistin war die Geigerin Ginette Neveu mitgekommen. Das Konzert wur­de für sie, für den Dirigenten und das Orchester zu einem Erfolg, dessen Ausdruck nicht enden- wollender Jubel war. Neben dem Violinkonzert von Brahms hörte man zwei Uraufführungen für Deutschland : Igor Strawinskys „Sinfonie in drei Sätzen" und „Bacchus und Ariadne ", eine Or­chestersuite von Albert Roussel , -Rr.

aussichtlich durch Markenabgabe abge­deckt werden können. Diese Maßnahme ist nacht so unzweckmäßig und hart, wie in der Staditratssitzung geschildert wurde. Es hat sich nämlich in den Gaststätten der Brauch herausgebildet, daß die Gäste, die dort ständig essen, ihre Kartoffeln, die sie im Herbst eingekellert haben, selbst mit- bringen. Daher stelle sich mehr und mehr heraus, daß die Gaststätten üherbevor-' ratet wurden. Die bei ihnen eingelagert«! Kartoffeln würden nach aller Voraussicht nie durch Marken abgedeckt werden kön­nen. Ueberdies ist Freiburg -Stadt im Herbst hundertprozentig beliefert worden, da es an Kreise gekoppelt war, die er­hebliche Kartoffelüberschüsse hatten. Da­gegen konnte z. B. im Landkreis Konstanz die Umlage nicht voll erfüllt werden. Erst nach der letzten Phase der Abliefe­rung zeigte sich, daß die Erzeugerechaft ca. 80% der Veranlagung zu leisten ver­mochte. Es ist daher ein Gebot der Ge­rechtigkeit und des Ausgleichs unter den Verbraucheren, wenn jene Mengen, die in Freiburg voraus sichtlich nie durch Marken abgedeckt werden können, nach dem Kom- stanzer Gebiet verlagert werden.

Süöroeftöeutfche Umfchau

Freiburg . Bei einer Kontrolle der Bäckereien in Freiburg -Stadt wurde ein erheblicher Mehr­verbrauch an Mehl festgestellt, der zu den ab­gelieferten oder in den Betrieben noch vorhan­denen Brotmarken in einem krassen Mißverhält­nis steht. Es ist deswegen auf behördliche An­ordnung vierzehn Bäckermeistern die Back­erlaubnis vorläufig entzogen und ihr Geschäft vorübergehend geschlossen worden.

Donauesdiingen. Aus der fürstl. fürstenberg - ischen Sammlung wurde Cranachs „Faunenfami­lie", ein Gemälde, das dem Jahre 1527 zuge­schrieben wird und einen Wert von 50000—60000 Mark besitzt, gestohlen. Man nimmt an, daß das Bild das verhältnismäßig klein ist, unter dem UebeTzieher versteckt durch die Kontrolle ge­bracht wurde. Ein Verdacht hinsichtlick des Tä­ters besteht noch nicht.

Kembs. Das Auftauchen eines Seehundes im Rhein in der Nähe der Schleuse von Kembs hat sofort sämtliche Fischer der Umgebung zu- sammengerufen, die 6ich vergeblich bemühten, das Tier zu fangen. Der Direktor des Zoos von Basel erklärte, daß das Tier nicht für den Zoo­logischen Garten bestimmt war und daß es sehr wahrscheinlich vom Meer stromaufwärts ge­schwommen sei.

Stodcach. Ein 26 Jahre alter, ehemaliger SS- Angehöriger, der von der Kriminalpolizei Ra­ vensburg seit langem gesucht wird, konnte in Rorgenwies verhaftet werden. Der SS-Angehö- rige gehörte einer Einbrecherbande an. Er wird sich nunmehr wegen 20 Käserei-Einbrüchen und etwa 75 Fahrraddiebstählen zu verantworten haben.

Schwackenreute. Eine unbekannte Diebesban­de br^di mittels Nachschlüsseln im Ziegenstall eines kriegsversehrten Bahnbeamten ein. Die Täter schnitten vier prächtigem Ziegen die Köpfe ab, nahmen zwei Tiere an Ort und Stelle aus, während die zwei anderen am etwa 20 m ent­fernten Waldrand ausgenommen wurden. Eine fünfte ältere Ziege und die Köpfe der vier ge­schlachteten Tiere blieben im Stalle zurück, da­gegen waren auch die zwei einzigen Hasen ver­schwunden. Von den Tätern — man vermutet eine motorisierte Bande — fehlt jede Spur.

Friedrichshafen . Im benachbarten Manzell fand ein Lehrling eine Stabbrandbombe. Sein ju­gendlicher Freund brachte sie zur Explosion. Da- - bei wurde ihm die rechte Hand weggerissen, während der andere mehrere Fingerglieder ver­lor und im Gesicht so schwer verletzt wurde, daß die Gefahr des Verlostes der Sehkraft be­steht.

Lindau . Im Zug nach Kempten wurde eine Frau von einem jungen Burschen angeschossen, als niemand im Abteil war. Der Bursche ver­setzte der Frau außerdem noch mehrere l*isto- lenschläge auf den Kopf, raubte ihr die Arm­banduhr und versuchte die Angegriffene aus dem Zug hinauszuwerfen. Da die Frau sich wehrte und um Hille schrie, sprang der Verbrecher aus dem fahrenden Zug.

Karlsruhe . Nach längerer Krankheit starb hier im Alter von 66 Jahren Redakteur Hermann Winter. Er war früher viele Jahre Redakteur am „Volksfreund" in Karlsruhe und Landtags­berichteistatter der sozialdemokratischen Partei­presse Badens . Seit dem Jahr 1947 war er als Redakteur an der „Süddeutschen Allgemeinen“ in Karlsruhe tätig.

Bergzabern. In Oberotterbach stieß eine Grup­pe junger Leute, die einen Spaziergang in den nahen Bienwald unternommen hatten, auf eine Mine, die explodierte. Zwei Mädchen im Alter von 12 und 21 Jahren wurden geitötet, drei wei tere verletzt

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