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SUDKUR^ER

Dienstag, 4. Mai 1948

Gibt es Brot für alle in der Welt?

Kampf um die Grenzen des Bodenertrages — ein Kampf um die Zukunft der Menschheit

Seit Beendigung des Krieges schwebt ununterbrochen das Damoklesschwert schlechter Ernten über der Menschheit, ist die mangelnde Versorgung mit Lebens­mitteln in manchen Gelbieten, in erster Linie aber in Deutschland , zum Dauer­zustand geworden. Diese droht die menschliche. Gesellschaft in eine Masse von Einzelindividuen auf^ulösen, die um ihre nadcte Existenz ringend, von keiner­lei sonstigen moralischen Hemmungen be­haftet sind. Das alte Wort, wonach erst das Fressen und dann die Moral käme, ist zur einzigen Lebensmaxime von Mil­lionen geworden. Das Malthus ’sche Gesetz, das um die Wende des 19. Jahrhunderts die Welt erregte und unter dessen Bann noch im gewissen Sinne Karl Marx stand, wonach die Erzeugung von Nahrungsmit­teln hinter der Vermehrung der Bevöl­kerung Zurückbleiben würde, sowie das Gesetz von David Ricardo vom abneh­menden Bodenertrag scheinen sich jetzt, 150 Jahre nach ihrer Verkündung, tatsäch­lich zu bestätigen. Die Menschheit scheint die Grenzen ihrer Ernährung aus bisher zur Verfügung stehenden Quellen So weit erreicht zu haben, daß heute durch die Er­träge eines Teils der Welt, die Ausfälle in einem anderen nicht mehr ausgeglichen werden können.

Die Frage ist: Handelt es sich hierbei immer noch um die Nachwehen eines Krieges, (der wirklich ein Weltkrieg war, betrachtet man die Auswirkungen in Ost­ asien , Indien , und nicht nur in Europa ) oder sind wir wirklich an der Grenze, der landwirtschaftlichen Produktionsmöglichkei­

ten? Muß die Menschheit damit rechnen, daß Begriffe wie Rationierung, Kalorien — und schwarzer Markt — in Zukunft zu unseren ständigen Begleitern gehören wer­den? A. Metternich scheint dies als gegeben anzusehen. In seinem Buch „Die Wüste droht“ (Fr. Trüjen Verlag, Bremen ) warnt er, weiter wie bisher die Natur zu land­wirtschaftlichen LJöchstleistungen zu zwin­gen, welche die Fruchtbarkeit des Bodens vernichten, ebenso wie nach seiner Ansicht unsere derzeitigen Methoden des Fisch- und Walfanges die Existenzgrundlagen der Meeresfauna zugrunde richten. Er weist auf die Versteppung weiter Gelbiete Nord­ amerikas hin als Folge brutaler Anbau­methoden der Weizenfarmer, auf die Ver­karstungsgefahr infolge des Raubbaus am europäischen, zumal deutschen Wald, auf das Sinken des Grundwasserspiegels in Industriegebieten, auf die Tatsache, daß einer Verdoppelung der Zufuhr von Kunst­dünger nur eine wenige Prozent betragende Ertragssteigerung gegenübersteht, was theoretisch auch nicht anders zu erwarten ist. Aber er spricht kaum von all den Erfolgen landwirtschaftlicher Züchtung und Schädlingsbekämpfung, winterharten Getreidearten, erfolgreichen Aufforstungen und dergleichen. Er brandmarkt den Profit­willen der Farmer, die nach dem Grundsatz, nach uns die Sintflut, den Boden ausrauben; aber diese Zeiten sind doch im wesent­lichen vorüber. Mag auch im Einzelfall für die Ausbeutung des Bodens Gewinnstreben das Motiv gewesen sein, so kann dieser Vorwurf heute kaum noch erhoben wer­den, da im Augenblick anscheinend nicht

Höhere Leistung durch Gemeinschaftsarbeit

Unsere G.S.-Berichterstatterin besuchte Dög- gtngen auf der Baar, das erste südbadische Dorf, das sich genossenschaftlich organisiert hat.

Wir sitzen in der Stube eines Dögginger Bauern und unterhalten uns über die Dorfgenossenschaft, die dort ins Leben ge­treten ist. Wir sind nicht aus „ernährungs­politischen“ Gründen da, auch nicht als romantische Wandervögel, sondern aus Neugierde. Zuersteinmal hören wir, daß der Zusammenschluß der drei genossen­schaftlichen Einrichtungen des Dorfes — auch in anderen Dörfern der Umgebung — im Werden ist, z. B. in Bad Dürrheim . •Döggingen ist also kein Sonderfall, wenn es auch das erste Dorf in Südbaden ist, das den Zusammenschluß vollzogen hat. Vor allen sachlichen Erklärungen wird uns versichert, daß die genossenschaftliche Ordnung, die sich herausgebildet hat, un­abhängig von jeder Parteidoktrin ist. Es ist also anscheinend nichts mit den „linken Ideen“, die bei einer oberflächlichen Be­trachtung auf tauchen. Der Privatbesitz und die Privatinitiative bleiben voll erhalten. Auch die Flurbereinigung, die für eine rationelle Wirtschaftsweise sehr wichtig wäre, ist für die nähere Zukunft — im Gegensatz z>u dem bekannten Münsinger­sehen Dorf *— nicht vorgesehen.

Die Höfe sind im Durchschnitt 10—12 ha groß. Die Bauern wären also aus eigener Kraft nicht in der Lage, sich alle modernen Maschinen selbst anzuschaffen. Nun sind durch die Warengenossenschaft die Ein­richtungen gegeben worden, die für den einzelnen zu teuer und vor allem unratio­nell sind, wie z. B. eine Kleereibemaschine zur Gewinnung von Kleesamen. Die weit­sichtigeren Bauern rechnen nämlich mit

einer Umstellung auf Grassamenzucht, wenn erst der deutsche Getreidemarkt von Uebersee beliefert wird. Versuche in dieser Richtung haben jetzt schon in Dög­gingen Erfolge erzielt. Eine andere ge­meinsame Einrichtung ist die Drescherei, die in einem gemeindeeigenn Gebäude un - tergebfacht ist und in der Stunde 100—150 Garben drischt. Die Traktoren liegen lei­der seit einem Jahr still, weil die nötige Bereifung fehlt. Gegen eine tägliche Leih­gebühr von 50 Pfennig stehen dem Bauern alle modernen Hilfsmittel zur Verfügung,

Der Rechner der Spar- und Darlehns­kasse erklärt uns die Vorteile des Zusam­menschlusses von seinem Standpunkt. Die Spargelder der Bauern bleiben im Dorf. Sie kommen als Kredite dem Dorf zugut, sei es als Darlehen an Privatleute, sei es zur Anschaffung neuer Maschinen für die Genossenschaft. Die Kreditsuchenden sind persönlich bekannt. Nicht nur ihre mate­riellen Sicherheiten fallen ins Gewicht, sondern auch ihre persönliche Tüchtigkeit.

Durch den Zusammenschluß haben die drei genossenschaftlichen Einrichtungen einen gemeinsamen Vorstand und einen Aufsichtsrat. Von den sieben Vorstands­mitgliedern hat jeder ein Ressort. Ein Bauer, der Kenntnisse als Automechaniker besitzt, wird z. B. für den Maschinenpark verantwortlich gemacht. Alle diese Funk­tionen werden nebenamtlich übernommen. Im Gespräch mit dem bedächtig redenden Bauern wird spürbar, wie weit die Ge­danken der Verantwortungsbewußten in die Zukunft reichen, denn die volle Aus­wirkung der Zusammenarbeit eines gan­zen Dorfes — jeder Bauer in Döggingen ist Genosse — wird sich erst bei normalen wirtschaftlichen Verhältnissen auswirken,

Textilmärkte unter Konkurrenzeinflüssen

Wenn die englische Frau, nach den Berichten aus London , sich anscheinend noch nicht sehr mit der neuen ,,langen“ Mode befreundet, so 6ind dafür die englischen Textilfabrikanten umso interessierter, modisch „aktuell“ -zu bleiben. Daraus erklärt sich das Angebot an die Bizone, im Werte von zwei Milliarden Bekleidungsstücke zu liefern, die fündie.englische Konfektion leicht xu Ladenhütern werden könnten, da sie nodi nach alten Modegesichtspunkten angefertigt wur­den. Die Proteste der deutschen Textilindustrie gründeten auf der Tatsache, daß bei einer gleich-

„Letzter Schrei" unpopulär

Von unserer Londoner G.H.-Korrespondentin;

Ein langer Faltenrock in weichem Wollstoff bis zu -den Knödieln, ein Jäckchen einer lange ver­gessenen Mode, ein wippender Riesenhut — mo­dernes Stroh mit einer schweren üppigen Sei- dengamitur in Altrosa, da war „Et" — ,,The New Look". — „Die neue Linie" würde ich frei übersetzen. London zeigt allerhand vom „New Look" — in den großen Modehäusern, „Hutge­bäude" mit Blumen aus Paris , Straußfedern vom befreundeten Afrika , mit Bänfdern aus Samt und echter schwerer Seide; aber auf der Straße, selbst im Herzen von London , in seinem noch immer oder schon wieder vornehmen Westendviertel ist „The New Look" noch eine Seltenheit: Coupon­mangel, Geldmangel, aber auch 'die Liebe zum bewährten kurzen Rock und zum flotten Käpp­chen ist nicht so schnei! überwunden.

Mittags zum stehenden Lunch in einer der großen SelbstbedienungsbaTs in dem Londoner Confektionsviertei kommen die Angestellten der großen Modellhäuser zu ihrem Mahl zusammen. Der große übervolle Raum bietet das übliche Bild. Hastende Menschen, die sich an die Theke drängen und schnell etwas essen müssen, um Weiterarbeiten zu können. Wo sollte hier Raum sein für wippende Hüte, schwerfällige lange Kleider — Raum für abgemessene wiegende Be­wegungen? Die jungen Mädchen, die in der MNjrzahl das Publikum bilden, sehen noch ge­nau 60 aus wie zuvor. „The New Look" ist wohl vorerst nur für den Vorführraum ... Im Le­ben bemüht sich jede nach' wie vor „Girl" zn 6ein, denn das „Girl-Behavior" ist praktisch, die „Dame" paßt nicht zu unserin Leben und Kampf, zu unsem Verkehrsmitteln.

Und die Gespräche, die ich auffknge, kreisen meist um Mode: „Man kann die Röcke nicht ein­fach länger machen, man sieht die Saumlinie . . . dann ist auch der Mantel wieder kürzer wie der Rock . . . nein beides kann man nicht kaufen. Unmöglich, erstens keine Coupons, dann auch viel zu teuer". Ich habe genug gehört und gehe Ins Freie ... Es wird sich nicht durchsetzen, dafür wird schon Sir Stafford Cripps sorgen.

wertigen Rohstoffeinfuhr die deutsche Textilin­dustrie das Fünffache an Bekleidungsstücken anfertigen könnte. Dieses Argument scheint umso' berechtigter, da sich auf den textilen Rohstoffmärkten, besonders bei der Baumwolle, eine Flüssigkeit bemerkbar macht, die «ich auch auf amerikanische Exportinteressen auswirkt. (In der Bizone wurden unlängst weitere 27 Millio­nen Meter amerikanischer Baumwolltextilien zur Verarbeitung für die deutsche Bevölkerung frei­gegeben, wobei sich die bereits im März ge­währte Quote auf 54 Millionen Meter erhöht)

Die amerikanische Baumwollindustrie konnte ihren Export im vergangenen Jahr im Vergleich zum Vorjahre verdoppeln und mit 1,4 Milliarden Yards ein Vielfaches der Exporte von 1938 in Höhe von 360 Millionen Yards erreichen. Da die Kunstfaserindustrie ;n den USA in den letz­ten Jahren sehr stark ausgebaut wurde (an Kunstseide beträgt der Verbrauch 5,9 Pfund pro Kopf der Bevölkerung im Gegensatz zu 2,4 Pfund in der Vorkriegszeit), droht der Absatz von Baumwollerzeugnissen in den USA in eine Klemme zu kommen, die man durch umso stär- i kere Exporte wieder lösen möchte. Dies mag wohl auch der Hauptgrund für das Niedrighal­ten der deutschen Kunstfaserindustrie sein, für welche die Rohstoffe im eigenen Lande zum größten Teil vorhanden wären. Deutschlands Kunstseidenverbrauch ist von 7,1 Pfund pro Kopf in der Vorkriegszeit auf 1,6 Pfund pro Kopf ge­sunken. Deutschland , Italien und Japan haben vor dem Kriege % der Weltproduktion an Kunst­fasern erzeugt, während ihr Anteil im Jahre 1946 nur noch 13 % betrug. In der gleichen Zeit erhöhte aber Amerika seinen Anteil von 25 % auf 60 %

Absatzsorgen und Konkurrenzmotive mögen es auch gewesen sein, die auf der Konferenz In Manchester englische und amerikanische Baum- wollindustrielie bewogen, in eineih Memorandum die Beschränkung 'der Kapazität der japanischen Baumwollindustrie auf 3,5 Millionen Spindeln zu fordern. Japan verfügte vor dem Krieg über mehr als 10 Millionen Baumwollspindeln und be­lieferte mit England zusammen den Baumwoll- weltmarkt etwa zu zwei Drittel. Allerdings ist es zweifelhaft, ob derartige Argumentationen bei den Regierungen in London und in Washington Gehör finden werden, da man gerade in Wa­shington sich sehr uin die Wiederherstellung der Leistungsfähigkeit der japanischen Wirtschaft be­müht, deren Stärke auch heute nicht zuletzt in der Exportmöglichkeit für textile Rohstoffe liegt. Die Presse in den angelsächsischen Län­dern hat zum Teil recht energisch gegen das Memorandum der Manchester -Konferenz pro'e- stiert. Man kann diese Einsprüche als ein gutes Zeichen für eine leider oft zu vermissende Auf­geschlossenheit gegenüber weltwirtschaftlichen Aspekten anseben. V.

so viel erzeugt werden kann wie_jdie hun­grige Menschheit braucht. Das bedeutet aber, daß Kritik an landwirtschaftlichen und fischereiwirtschaftlichen Methoden erst dann sinnvoll wird, wenn gleichzeitig aufgezeigt werden kann, wie man anders die Menschheit ernähren, kann, ohne zu dem — jetzt in Japan praktiziertem, wohl kaum dem tatsächlichen Stand unseres Könnens und Wissens entsprechendem — primitiven' Mittel der Geburtenbeschränkung zu grei­fen, das sehr schwer so zu handhaben ist, daß au?h der Bedarf an menschlichen Ar­beitskräften stets gedeckt wird. Geburten­beschränkung kann sehr leicht zur Folge haben, daß eines Talges auf den Schultern einer Minderheit arbeitsfähiger Junger die Last der Versorgung einer Mehrheit nicht mehr arbeitsfähiger Greise liegt.

Eine Ausweichmöglichkeit läge vielleicht auf dem Gebiet der chemisch-synthetischen Nährmittelerzeugung; aber/ auch dieses Mittel wird von Metternich als natur­widrig abgelehnt, so daß man schließlich das Buch in Spengler’scher Untergangs- Stimmung, ohne irgend eine Hoffnung beiseite legt. Glücklicherweise kam zu

gleicher Zeit in dritter Auflage Paul de KruiÄs „Bezwinger des Hungers“ heraus (bei Willi Weismann in München ). Wenn dieses Buch inzwischen auch veraltet ist und die modernen, durch die Erfindung des Ultramikroskopes und des Elektronen- mikroskopes ermöglichten Ergebnisse der Virusforschung noch nicht erwähnt, und wenn es sich auch in zum Teil störender Weise nur auf nordamerikanische Ergeb­nisse stützt und dabei beispielsweise die deutschen Forschungen auf dem Gebiet der Maul- und Klauenseuche recht wenig ob­jektiv erwähnt, so gibt es doch ein so auf­schlußreiches Bild über die Wirkung der Forschung im Bereich der Erzeugung von Nahrungsmitteln, daß sich die durch Met­ternich arg mitgenommene Hoffnung auf eine bessere Zukunft doch wieder kräftig belebt. Die Wahrheit dürfte, wie so oft, ziemlich in der Mitte liegen, das heißt, es wird in Zukunft einiger Anstrengungen bedürfen, die der einzelne, ja nicht einmal das einzelne Volk mehr vollbringen kann, um die Ernährung der Weltbevölkerung zu sichern. Sichern aber läßt sie sich wohl noch trotz weiterer Zunahpre der Bevöl­kerung für eine ganze Weile. Mit Kriegen aber sollte man doch in Zukunft wesentlich vorsichtiger sein — der Massenhunger ist aus ihrer Begleitung nicht mehr fortzu­denken. H. C. G.

Um die Bodensee -Felchen

Nachkriegsfischerei im Zeichen stark gesunkener Fangergebnisse

Die deutschen Bodenseefischer hielten in Hagnau eine Tagung ab, auf der die jetzt anstehenden Probleme der Bodensee­fischerei, die zu einer Fischversorgung Südwestdeutschlands sehr viel beitragen könnte, erörtert wurden. 240 Fischer be­fahren gegenwärtig den See, 100 davon sind Ausländer. Die 475 qkm Bodenseefläche verteilen sich auf die Schweiz mit 178 qkm, auf Oesterreich mit 36 qkm, auf Baden mit 114 qkm, auf Württemberg mit 91 qkm und auf Bayern mit 55 qkm. Im Jahre 1947 wurden von den deutschen Bodenseefischern etwa 191000 kg Fische gefangen, von denen 122 000 kg an die Besatzungsmacht gingen. Bei der Ausrüstung mit dem not­wendigen Handwerkszeug' hat sich vor allem die Verarbeitung der zugeteilten Baumwolle (1947: 5000 kg) zu Flick- uhd Netzgarnen als schwierig erwiesen, da die meist in der Ostzone gelegenen Garn- faforiken ausgefallen sind. Vor allem hat die gegenwärtige Materialbeschaffenheit der Netze zur Folge, daß noch nicht aus­gewachsene Fische gefangen wurden. Ueber- haupt ist der Anteil der untermäßigen Blaufelchen am Gesamtfang verhältnis­

mäßig groß gewesen. Bei Fortsetzung des in deH letzten Jahren eingerissenen Raub­baus ist der Fischbestand des Bodensees bedroht. Man war sich auf der Tagung darüber einig, daß das Aiblieferungskon- tingent je nach dem Auftreten der Felchen beweglicher festgesetzt werden muß, wenn das Schonmaß eingehalten wenden soll.

Der Fischreichtum hat im Vergleich zur Jahrhundertwende, da Fischzüge mit 500 bis 1200 Blaufelchen am Tag keine Selten­heit waren, bedeutend nachgelassen, da heute zur Erfüllung eines Tageskontin­gents von 200 Stück u. U. nicht einmal auf die untermäßigen Fische verzichtet werden kann. Man führt diesen Rückgang vor allem auf die Einwirkungen der Industrie, auf den Raubbau sowie auf die durch Bomben und Sprengungen verursachten Schäden zurück. Die deutschen Bodenseefischer hof­fen vor allem von dem durch die Be­satzungsmacht verhängten Beschränkungen des Fanggebietes^ und der Fangzeiten be­freit zu werden.* Wenn früher deutsche Fischer 60 bis 70 Prozent der Fänge an Land brachten, so beträgt ihr Anteil heute nur noch 30 bis 40 Prozent. W. Ho.

Deutschland fehlt auf dem Farbenmarkt

Von unserem Sdiweizer-WirtschaftekorTespondenten

Schon in den letzten Nadrkriegsjahren hatten einige der großen sdiweizeristfien Exportfirmen auf die Strukturstörungen hingewiesen, die durch ■die zeitweilige Abschaltung der deutschen In­dustrie vom Weltmarkt entstanden ist und noch nicht behoben werden konnten. Audi in der Ge­neralversammlung der chemisch-p'harmazeuitisdien Großuntemehmung Ciba A.-G. in Basel wurde im Bericht über die günstige Geschäftslage 5m Chemiesektor betont, daß der Farbstoffmarkt noch immer durch zeitweiligen Ausfall Deutsch­ lands gekennzeichnet ist. Infolge der durch die Auflösung des I.G.-Farben-Konzerns in einzelne Stammwerke entstandenen Zersplitterung, der Schwierigkeiten m der Rohstoff- und Energie­versorgung sowie der starken Abnutzung al'ler Anlagen in Deutschland war den Bemühungen zur Steigerung der Produktion und zur Wieder­aufnahme des Exports bisher nur geringer Er­folg besdiieden. Audi die Tätigkeit der übrigen europäischen Farbstoffaibriken ist noch teilweise durch Mangelerscheinungen gehemmt. Dagegen entfalten, lediglich amerikanische Farbstoff-Kon­zerne eine größere Aktivität und beliefern nicht nur vermehrt die überseeischen Märkte, sondern vermögen mehr und mehr auch im europäischen Geschäft Fuß zu fassen. Im übrigen ist zu be­achten, daß der Bedarf an Farbstoffen :n zahl­

reichen Länderri* Europas , Südamerikas mit hoch­entwickelter Textilindustrie sowie in Indien Pläne für die Errichtung eigener Farbstoffabriken ent­stehen läßt.

Auf dem Heilmittelmarkt liegen die Verhä!*- nisse etwas anders. Die deutsche pharmazeu­tische Industrie ist auf dem Weltmarkt aller­dings noch immer ausgeschieden; dagegen ma­chen sich in verschiedenen Staaten nationalisier­te oder beschlagnahmte frühere Tochtergesell­schaften deutscher Konzerne durch ihre propa­gandistische und kommerzielle Aktivität bemerk­bar. Die Ciba ist zwar der Meinung, daß sie unter normalen Bedingungen solchen Erscheinun­gen durchaus gewachsen sei? die Vorgänge stän­den jedoch in engem Zusammenhang mit einer deutlich feststellbaren Tendenz der Verschärfung autarkistischer Bestrebungen in heute noch auf den Import angewiesenen Staaten, die die eigene pharmazeutische Fabrikation durch das Mittel der Handels- und Devisenpolitik zu fördern ver­suchen. Es sei denn auch eine Zunahme des Wettbewerbs auf sämtlichen Absatzmärkten fest­zustellen. Neben der amerikanischen Konkur­renz, die sich vorderhand besonders auf Latain- araeritoa und den Fernen Osten konzentriert, treten die bekannten europäischen Hersteller pharmazeutischer Spezialitäten auf den Plan, p

Mit und ohne tiommentar

Konstanz. Zum traditionellen Gedenktag für die Gefallenen der Fremdenlegion schreibt Robert Poulaine in den „Nouvelles de France' : fr Wie sollten nicht auch wir, da wir die Erinne­rung an Camerone beschwören, diese Helden ehren, die durch ihre Siege Frankreich das Empire geschenkt haben, dessen GrenzpfäMe sie unter Hingabe ihres Lebens % setzten, von den schweren Feld­zügen in Afrika bis nach Indochina , wo vielleicht in diesem Augenblick ein unbekannter Legionär im Kampf gegen die Rebellen des Viet Nam fällt . . .

Allen denen, die aus Mißgunst oder Unkennt­nis diese großartige französische Schöpfung, diesen Hort aller militärischen Tugenden herab­zusetzen suchen, wünsche ich am Morgen eines 30. April dabei sein zu können, wenn die Le­gionäre auf dem Höf der Vienot-Kaserne in Sidi - Bel - Abbes unter die Waffen treten, im Rhythmus der Trommeln und Horner der Spielleute mitzuschwingen, und dabei — wenn sie können — trockene Augen und ein ungerührtes Herz zu behalten.“

Die, wie Robert Poulaine schreibt, in der Kriegsgeschichte unerhörte Waffentat von Ca­ merone fand 1863 statt während der franzö­ sischen Intervention in Mexiko , einer Aktion, die zur Ersetzung des von Frankreichs Kaiser protegierten Habsburgers Maximilian als Kaiser von Mexiko führte im Rahmen der napoieo- nischen Idee einer Vereinigung der lateinischen Rasse in Amerika unter französischer Führung. Nach dem für diesen Plan ungünstigen Ausgang des amerikanischen Bürgerkrieges mußte be­kanntlich diese Konzeption aufgegeben werden, um einen bewaffneten Konflikt mit den USA zu vermeiden, die, der Monroe-Doktrin eingedenk, in ihrem Rücken keinen Einfluß europäischer Großmächte glaubten dulden zu können, durch den, wie sie meinten, das Gleichgewicht gestört worden wäre.

'London . Die „Times“ schreibt ln einem Leitartikel, es sei logisch, daß die amerika­ nischen Staaten auf der Konferenz von Bogota eine Zusammenarbeit beschlossen hätten, um den Kommunismus in der westlichen Hemisphäre so weit als möglich auszumerzen Wenn man je­doch unmittelbar danach für die Abschaffung der Kolonien in Amerika plädiert habe, so sei das nicht verständlich, da sich die Angriffe gerade gegen diejenigen europäischen Stalen richteten, die im Abwehrkampf gegen den Kommunismus stehen. ’

London . Vertreter der protestantischen und katholischen Kirche und aller politischen Par­teien, mit Ausnahme der Kommunisten, leiteten eine Kampagne für die Bildung einer christ­lichen westeuropäischen Union ein. Lord Hali­ fax erklärte: „Unsere Lebensweise, die so stark vom Christentum abhängt, ist heute von Mäch­ten bedroht, die vor keinen Kampfmethoden zu­rückschrecken.“

Brüssel. Im Verlaufe der Debatte über den Fün^mächtepakt erklärte Ministerpräsident und Außenminister Spaak , er habe in den letzten zwei Jahren der Sowjetunion zweimal einen Pakt mit Belgien angeboten, die Sowjets hätten jedoch nicht geantwortet.

London . Lord Vansittart erklärte: „Es gibt absolut keinen Grund für einen neuen Krieg, es sei* denn, daß der Kreml seine bisherige Politik beibehält... Ich glaube, daß Stalins Neigung sehr weitgehend die gleiche ist, dije Hitler hatte."

Berlin .' Im Haus der SowjetkuMur erklärte Oberst Treguboff: „Die kapitalistischen Länder sind zum Untergang verurteilt. Sie wissen, daß ein Krieg diese Entwicklung beschleunigen würde. Deshalb beschränken sie sich auf den Nervenkrieg . . . Der Haß der Erben Hitlers , die nur in der Etappe gekämpft haben, richtet 6ich gegen die Sozialisten, weil diese keinen Krieg wollen.“

Washington. Präsident Trumans Sekre­tär, Charles Roß. dementierte Meldungen, nach denen sein Chef dieser Tage vom Kongreß die Ermächtigung zu Waffenlieferungen an die Marshallplanländer verlangen werde. Damit ist, so erklärt man in Washington, nicht gesagt, daß eine militärische Unterstützung der West­paktstaaten nicht in Frage komme.

London . Ein britischer Oberst, deT die Fall- schirmtiuppen in Sizilien führte, hat eihe Firma „blue wings“ gegründet, der zahlreiche Kriegs­kameraden angehören, die alle während des Krieges ausgezeichnet sind. Er will auslän- . dischen und Provinzbesuchern ihren Aufenthalt so angenehm wie möglich machen, verfügt über eine größere Anzahl von Autos, organisiert Rei­sen, belegt füT seine Kunden Tische in Restau­rants, besorgt Hotels und Theaterkarten, vermit­telt Familienanschluß, erledigt Korrespondenzen und übernimmt auch Telefonkundendienst.

Jedenfalls eine n ü t z 1 i di e Betätigung . . .

Blick Aber die Grenzen

Basel. Die baselstädtische Regierung protestierte gegen den Bundesbeschluß in Sachen der Wiedervereinigung der Kon- tone Baselstadt und Baseliand.

Bern : Im Prozeß gegen Franz Burri und Genossen legte Bundesaniwalt Dr. Fürst eine Denkschrift des Hauptangeklagten an Himmler vor, in der erklärt wird, er ver­füge über eine einsatzbereite Kampftruppe von 1800 Mann, von denen 120 als Führer und 500 als „Truppe für den ersten Ein­satz“ ausgebildet seien.

Bern . Die Visumspflicht zwischen der Schweiz und Frankreich ist ab 1. Mai auf­gehoben.

Bern . Der Bundesrat beantragt das Ver­bot des Trainierens von Brieftauben von der Schweiz ins Ausland und umgekehrt, falls nicht das eidgenössische Militärdepar­tement seine Zustimmung erteilt hat.

Bern . Im März wurden fast 85 000 Dop­pelzentner lose verladene Orangen, vor­wiegend aus Italien , aber neuerdings auch aus Spanien , eingeführt. Das ist fast dop­pelt so viel Wie vor dem Kriege.

Bern . Ohne vorherige Ankündigung ist der gesamte Export aus Argentinien nach der Schweiz eingestellt worden. Man nimmt an, daß Argentinien das 1947 abge­schlossene Zahlungsabkommen zu ändern wünscht, nachdem der zugunsten Argen­ tiniens laufende Saldo aus dem Warenver­kehr erst nach Ablauf der fünfjährigen Vertragsdauer auszugleichen wäre.

Bern . Bundesrat Kobelt erklärte, die Schweiz wünsche an ihrer Neutralität fest­zuhalten und ein Militärabkommen mit ir­gendeiner der großen Mächtegruppen kä­me nicht in Frage.

WiL Die Generalversammlung des Schweizerischen Verbandes christlicher Postbeamten forderte günstigere und schnellere Aufstiegsmöglichkeiten, die end­liche Verwirklichung seiner Wünsche auf gerechte Entschädigung für Nachtarbeit und Beschränkung der Sonntagsarbeit auf ein Miaumum. Außerdem wurde die Bil­

dung einer Einheitsorganisation mit dem Christlich-Nationalen Verband des PTT - Personals beschlossen, dem Postangestellte angehören, die nicht Mitglieder des Ge­werkschaftsbundes sind.

Dornbirn . Auf einer Landestagung aller Kommandanten der Freiwilligen und Be­triebsfeuerwehren befaßte man sich mit einer Neuregelung des Feuerlöschwesens und stimmte dem Regierungsentwurf zur Ueberführung der Feuerwehren in öffent­lich-rechtliche Körperschaften zu. Nach dem alten Gesetz von 1888, das schon vor 1934 geändert werden sollte, waren die Wehren rein private Vereine, jedoch auch die reichsdeutsche Regelung befriedigte nicht, bei der die Feuerwehr einen Annex der Polizei darstellte und „Kasementon und Kadavergehorsam die Freiwilligkeit und Freiheit untergruben.“

Feldkirch . Die Handelskammer setzte sich für eine Erweiterung der eingeschränkten Geschäftszeiten für Handel und Gewerbe und bei den Bankinstituten ein. Die Le­bensmittelgeschäfte sind indessen vorerst noch zu sehr mit Markenkleben beschäftigt. Die Behörden und Aemter wurden gebeten, die Parteienverkehrszeiten den Wünschen der Bevölkerung besser anzupassen. Die Handelskammer selbst wird mit gutem Bei­spiel vörangehen.

Salzburg . In der 40. Zuteilungsperiode erhalten Kinder von 6 Ibis 12 Jahren täg­lich Yn Liter, Jugendliche 5 /s Liter und Er­wachsene % Liter Magermilch je Woche.

Salzburg . In der warmen Jahreszeit wer­den die Milchgeschäfte sonntags von 7.30 bis 9.30 Uhr geöffnet sein.

Brunn. Zur Zeit werden hier monatlich 135 000 qm Fensterglas produziert. Das ist mehr als vor dem Kriege. Die Kapazität des Werkes beträgt jedoch 300 000 qm. Falls das heutige Erzeugungsniveau beibe­halten werden kann, rechnet man damit, daß in zwei Jahren Fensterglas keine -Man­gelware mehr ist, j

Salzburg . Während Rasierklingen bisher 50 bis 75 Groschen kosteten, werden jetzt

von einer Firma in Fuschl solche zum Preise von 36 und demnächst zu 30 Groschen auf den Markt gebracht.

Wien . Ein Studienkomitee in der Natio­nalbank berät über eine Erhöhung des Dol­larkurses. Das Importprogramm für 1948/49 beträgt 536 Millionen Dollar, während aus dem Europa -Hilfsprogramm 186 Millionen kommen und durch Export und Anleihen weitere 270 Millionen Dollar zur Verfü­gung stehen werden. Es verbleibt somit ein ungedeckter Rest von rund 80 Millionen Dollar.

Wien . Wie Staatsminister Mc Neil im Unterhaus bekanntgaw erhielt Oesterreich im vergangenen Jahre nur rund 40 Prozent seiner Erdölerzeugung, rund 340 000 Ton­nen, für seinen eigenen Bedarf, und mußte infolgedessen rund 15 000 Tonnen Erdöl importieren.

Wien . Jugendliche von 12 bis 18 Jahren erhalten in Zukunft die Zusatzkarte für An­gestellte, und zwar auch dann, wenn ihnen auf Grund ihrer Tätigkeit bereits eine Zu­satzkarte zusteht.

Wien . Fachausschüsse der Holzindustrie haben einen Gesetzentwurf über obliga­torischen Holzschutz ausgearbeitet.

Wien . Von der nächsten Zuteilungs­periode ab werden zum erstenmal Mund­stückzigaretten nach Art der ehemaligen „Dames “ ausgegeben werden zum Preise von 25 Groschen.

Wien . Ueber dem Gemeindegebiet von Matzen in Nieder-Oesterreich fiel aus einem Flugzeug ein Sprengkörper; er ex­plodierte auf einem Kornfeld, verletzte einen Knaben uhd beschädigte einige Häuser.

SÜDKURIER

Verantwortlicher Redaktionsausschuß: Hermann Dörfiinger, L V. Josef HilngiaineT (CDU ); Rudi Goguel (KP); Herbert Gofdscheider (SP); Fried­rich Munding (DP); Hermann Fiebing — Verlag: Südkurier-Verlag G. m b. H — Drucke Druckerei Konstanz, Fischmarkt 5 — Für anververlangt ein- gesandte Manuskripte Qbem mmt die Redaktion keine Gewähr