Ssite 4 / Nr. 81

SBDKUltlEl

Freitag, 30. Juli 1948

Ruhrstahl in westlicher Brise

Von unserem Korrespondenten Peter Lintorf

Das war die Sensation der Eingeweihten: Mitten in das britische Gebäude der Kon­zernentflechtung ist ein Sonderzug mit Fach­leuten der amerikanischen Stahlindustrie hi­neingefahren. Seit einem guten Jahr wird die Errichtung eines amerikanischen Schwer­punktes an 4er Ruhr als Logik der Situation erwartet. Aber vorerst sind nur einige Ame­rikaner in der Kohlenbergbauleitung erschie­nen, während die Briten die Stahlindustrie allein ordneten, d. h. sie aus den Konzernen nahmen und durch Gen.-Dir. Dinkelbach zu neuen Betriebsgesellschaften zusammenfüg­ten. Dieser umfassende Vorgang, der nicht nur Konzernreste der verarbeitenden Indu­strie, sondern auch aktive und verbissene Konzernherren zurückließ, wurde kaum ge­stört durch papierne Offensiven von Wirt­schaftlern und Rechtsgelehrten, welche in Gutachten die Rechtmäßigkeit dieser Aktion bezweifelten. Er wurde dagegen gefördert durch wachsende Rentabilität Bis dieser Son­derzug mit den Männern der USA Steel Ex­port-Corporation eintraf.

Es steht fest, daß den Amerikanern eine deutsche Jahreserzeugung von sechs Millio­nen Tonnen Stahl nicht ausreicht. Sie brau­chen vielleicht sogar das Doppelte, wenigstens aber 10,2 Mill. t, weil ihre heimischen Werke den Anforderungen der Länder des Marshall­plans nicht nachkommen können. Die Kom­mission, erste Fachkräfte, hat daher durch persönliche Besuche, in vielen Unterredungen und mit genauen Fragebogen die Möglichkei­ten der deutschen Schwerindustrie geprüft Sie hat die Meinung der alten Konzerne, mit Dr. Hermann Reusch an der Spitze, gehört, daß durch die Entflechtung der zu rationeller Betriebsführung durchkonstruierten Konzerne die Stahlpreise zu hoch lägen, daß mithin eine neue Ordnung gefunden werden müsse. Sie keimt die deutsche Meinung, daß aus­ländisches Kapital zu beschleunigter Erhöhung der deutschen Stahlkapazität notwendig sei. Sie weiß um die Reserve der maßgeblichen britischen Behörde, Dinkelbachs Treuhand­verwaltung, die nachweist, daß sie sich im Rahmen des Vierjahresplans zur Steigerung der Stahlerzeugung auf 10,2 Mill. t selbst

helfen könnte, daß aber eine Vorverlegung dieses Ziels oder gar seine Erhöhung in er­ster Linie eine Koksfrage sei. Vielleicht ist den Amerikanern sogar ein gefährliches Wort ins Ohr geflüstert worden: Dtnkelbächs „Ueberkonzern” habe die deutsche Stahlindu­strie ungewollt und unbewußt zur Verwand­lung in eine Sowjet-A.G. reif gemacht Es spielen viele Intrigen um diese Kommission.

Die 8 alten Konzerne der westdeutschen Montanwirtschaft mit ihren 385 Tochtergesell­schaften sind die natürlichen Gegner Jeder Dekartellisierung oder Entflechtung. Eines ihrer gewichtigsten Argumente ist daß die Entflechtung organisch gewachsene Gebilde der Stahlindustrie gewaltsam auseinander­reiße. Eine durch diese großen Gebilde aufs höchste entwickelte Verbundwirtschaft würde zerstört und die Leistungs- und Wettbewerbs­fähigkeit der deutschen Eisen- und Stahl­industrie müsse dadurch auf di® Dauer ge­fährdet werden. Unter Verbundwirtschaft versteht man den organischen Zusammenhang der einzelnen Produktionsstufen von der Roh­stoffproduktion bis zum Fertigfabrikat Es handelt sich also um den reibungslosen Ma­terialfluß vom Roheisen über den Rohstahl, die Walzwerkerzeugnisse, die Schmiede- und Gußproduktion bis zur Weiterverarbeitung im Brücken, und Hochbau, Maschinen- und Apparatebau. Darüber hinaus sichert die Ver­bundwirtschaft die Ausnutzung der in den unteren Produktionsstufen — Verhüttung der Eisenerze, Verkokung der Fettkohle — abfal­lenden Wärme, der Gase, Energien und che­mischen Grundstoffe.

Einen scharfen Eingriff in die Verbund­wirtschaft brachte der horizontale Schnitt, der durch die Abtrennung des Kohlenberg­baus 1946, bereits vor dem Beginn der Stahl- entflechtung, vollzogen wurde. Daß jedoch durch die Konzerhe eine konsequente Durch­führung der Verbundwirtschaft nicht garan­tiert war, und daß die Konzerne unter Um­ständen sogar ein Hindernis für ihre volle Entfaltung sein können, zeigte sich gerade am Beispiel des Kohlenbergbaus. Für die Entstehung der Konzerne waren weniger die

Gesichtspunkte größtmöglicher Rationalisie­rung im Rahmen der Gesamtwirtschaft maß­gebend. Bestimmend war das Bestreben, sich gegenüber den rivalisierehden Konzernen konkurrenzfähig zu halten. Rein steuermäßige Erwägungen haben gleichfalls oft die Bildung von Konzernen begünstigt. Eine wichtige finanzielle Funktion der Konzerne bestand darin, daß sie unterschiedliche Gewinnspan­nen auf den einzelnen Produktionsstufen aus­glich. Die Vertreter der Konzerne sagen, daß deshalb die Ausgliederung der Eisen schaf­fenden Werke zu verwerfen sei, weil diese sich allein nicht tragen könnten. Die Treu­handverwaltung unter Direktor Dinkelbach dagegen steht auf dem Standpunkt, daß ein gerechter Preis, der gleiche Bedingungen für alle schaffe, die einzig mögliche Lösung die­ser Frage ist.

Indessen, die Amerikaner sind zunächst ein­mal heimgefahren. Sie hatten nicht die Be­fugnis, Klarheit zurückzulassen. Aber einige kleine Explosionen im Wirtschaftsministerium des Sozialdemokraten Professor Nölting dien­ten dem Ausdruck der Ueberzeugung, daß nun wenigstens die widersinnigsten Demon­tagefälle der Walzwerk- und Röhrenindustrie abgebogen werden. Aber Deutsche vermögen noch nicht in das Räderwerk der mächtigen alliierten Maschine jinzugrelfen, und die Ge­werkschaften, deren Einfluß in den entfloch­tenen Hütten-A-G.’s erheblich ist, haben zwar den gemischten deutsch -angelsächsischen Stahlausschuß der Person ihres Hauptfeindes Reusch wegen vor einigen Wochen zu Fall gebracht, ahnen aber, daß das kein Sieg war, wenn sich auch die Amerikaner eingehend mit Sozialdirektoreh und Betriebsratsvor- sitzeaden über die Verhältnisse der deutschen Stahlarbeiter unterhalten haben. Dr. Pündar (CDU ) hat dem Landtag von Nordrhein-West­ falen , als alliierte Meinung mitgeteilt, daß die deutschen Volksvertretungen noch kein Recht hätten, die Sozialisierung der Grund­stoffindustrien zu erörtern. Die SPD des Landes macht aber den rechten Flügel der CDU für diese Meinung verantwortlich. Ob das richtig ist oder nicht, es weht irgendwie ein andrer Wind an der Ruhr, kein „anti­britischer” oder „kapitalistischer ”, sondern es ist einfach eine Marshallplan-Brise. Was damit außer erhöhter Leistung hereingeweht wird, weiß noch niemand.

Die Olympische Flagge weht

Das Weltfest der Völker in London hat begonnen

A. St. Nun weht hoch über dem 100 000-Mann- Stadion von Wembley -London (über das Eröff- nungszermoniell der Olympischen Spiele berich­ten wir auf Seite 1) die Olympische Flagge mit den fünf verschlungenen Ringen, die die fünf Erdteile symbolisieren. Sie verschwisterte sich mit den Fahnen von 60 Nationen, deren beste Athleten bei den XV. Olympischen Spielen um die Siegespalme kämpfen. Die Flamme, die aus der olympischen Feuerschale bis zum 14. August' gen Himmel lodert, schmiedet Herz und Geist der Olympioniken zu Kameradschaft und Freundschaft und läßt die Völker über Länder, Meere und Grenzen hinweg einander näher rücken

So bildet Olympia 1948 nach den Dissonanzen vergangener schrecklicher Jahre die Harmonie eines Weltfestes der Völker von dem einige zwar sich von selbst ausschlossen und andere erst für 1952 ihre Einladung erwarten dürfen. Sport und Jugend sind es, die wie kein Mit­tet weltlicher Macht das einigende Band erdball- umspannend schließen.* Wir- wissen, daß Deut­ sche , Russen und Japaner, wenn auch nicht als Kämpfer in der Arena, so dbch als stumme Zeu­gen am Londoner Fest teilnehmen. Die Olym­pische Glocke von Helsinki 1952 soll dann die Jugend der ganzen Welt rufen.

London soll dafür Schrittmacher sein. Wir er­innern uns eines Bildes im Olympischen Stadion zu Berlin 1936. Da lagen lächelnd friedlich im vertrauten Gespräch der blonde deutsche Mei­sterspringer Lutz Lang und der schwarze Welt- rekordmann Jesse Owens . Eine wundervolle Mo­mentaufnahme des Friedens, der Kameradschaft und der Freundschaft inmitten einer Atmosphäre, die sonst von Rassenhaß troff.

Jetzt gelten auf Aschenbahn, an Sprunggrube, auf Rasen, an Geräten und im Wasser nicht mehr Namen und Herkunft. Es entscheiden Uhr und Bandmaß, Leistung und Willen. Die Ergeb­nisse der letzten Zeit deuten darauf hin, daß manche Zeiten und Maß« von vergangenen Olym­piaden und Weltmeisterschaften in den Schatten gestellt werden. An solchen Meldungen wollen wir dann den Willen zur Disziplin des Körpers, zur Hochleistung und’ Konzentration auf eine gute Sache erkennen, die es wert wäre, auf än­dere Lebensgebiete übertragen zu werden.

Sollen wir die deutschen Athleten bedauern die in den kommenden 14 Tagen die Londoner Startschüsse nicht hören werden und die heute schon in der Lage wären, beachtet zu werden? Gewiß! Aber es stünde uns schlecht an, im Schmollwinkel zu grollen oder gar bösartig bei­seite zu stehen zu einem Zeitpunkt, der uns die Aufgabe stellt, die Voraussetzung für künf­tige Einladungen zu schaffen.

Erste Resultate aus London

Diie Auslosung und terminger'chte Durchfüh­rung der Fußballrunde bei den Olympischen Spielen hat zwei Vorentscheidungen notwendig gemacht. Die beiden Vorrundenspiele ergaben einen Sieg Luxemburgs gegen Afghanistan von 6:0 (in Brighton ), Holland schlug Irland in Ports­ mouth 2:0. Die Afghanen spielten bei der Par­tie keine Rolle und kamen über „Anfängerqua- Ittäten” nicht hinaus. Die bessere Technik de: Holländer gab beim anderen Spiel den Ausschlag.

Londoner Olympianotizen

Die internationale Presse ist in London durch rund 800 Mann vertreten. Im Wembley wird während den Wettkampftagen mit einem stünd­lichen Ausgang von 1500 Ferngesprächen ge­rechnet.

Riesige Mengen von Erfrischungen und Eßwa- ren werden täglich zum Hauptstadion und Empire- Pool in Wembley geführt. Bi« zum Beginn der Wettkämpfe werden je 70 000 Flaschen Bier und Mineralwasser 40 000 Cakes und Geschirr für den- Ausschank von zehntausenden Tassen Kaffee und Tee bereitgestellt sein und nachher erfolgt täglicher Nachschub.

Bemerkenswert sind auch einige Zahlen von den 31 Unterkunftszentren. Für die Ausstattung der Camps wurden benötigt: 34 000 Betttücher, 30 000 m Voihangstoff, 13 000 Stühle, 36 000 ir­dene Gefäße, 36 000 Stück Besteckbestandteile und 4000 Kleinderschränke. Zur Mithilfe für die Lagerleiter wurden 700 Studenten aus allen Lan­desteilen beigezogen und weitere 700 Hilfskräfte wurden dem Verpflegungsdienst zur Verfügung gestellt.

Das in London versammelte Internationale Olympische Komitee verweigerte die Zulassung einer Vertretung des neuen Staates Israel aus formellen Gründen. Der Staat wurde bekanntlich am 15. Mai 1948 ausgerufen, besaß aber dazumal kein nationales olympisches Komitee.

Wie auf dem Kontinent herrscht auch in Eng­ land eine außergewöhnlich große Hitze, die nach der Regenperiode um so drückender empfuo- den wird. Ganz im Element fühlen sich bei die­sen Verhältnissen die Südafrikaner und die ar­gentinischen Boxer. Meteorologische Sachver­ständige sind der Meinung,'daß das schöne Wet­

ter noch lange Inhalten werde, so daß mit einer „schwarzen” Rekordernte, d. h. großen Erfolgen der Farbigen, Zu rechnen ist.

Rumänien hat seine Beteiligung an den Olym­ pischen Spielen rückgängig gemacht.

Olympische Spiele im Rundfunk

Der Südwestfunk, Radio Stuttgart und der Nordwestdeutsche Rundfunk geben täglich von 22.15 bis 22.45 Uhr Reportagen von den Olym­ pischen Spielen in London . Eine Vorschau über die Sportereignisse des Tages kommt täglich von 7.00 bis 7.05 Uhr.

Holländerinnen laufen Weltrekord

Die holländische Frauen-Nationalmannschaft stellte im Haag einen neuen Weltrekord über 4A110 Yards auf. Sie durchlief die Strecke in 47,7 Sekunden,

Bei einem Leichtathletibvergleidiekampf Td Krefeld, den Niederrhein vor Westfalen und Mit­ telrhein gewann, wurden zwei neue Jahresbest­leistungen erzielt: über 4 mal 100 m von Preu­ßen-Krefeld 42,0 Sek. und im Stabhochsprung von Landschulze-Köln 3,85 m. Weitere Resultate: 100 m: Fischer-Krefeld 10,6 Sek.j 800 m: Grüns­felder (Niederrhein ) 1:54,7 Min.j 110 m Hürden: Troßbach (Mittelrhein ) 15,6 Sek.j Wteit&prung:

# Krön (Niederrhein ) 7.13 m. — In Hamburg er­reichte der Einheimische Steffens im Weitsprung 7,28 m und damit die gleiche Weite wie kürzlich der Münchener Luther. Olympiasieger Hein schleuderte den Hammer 54,70 m.

Weitere deutsche Jahresbestleistungen werden aus München gemeldet. Der bayerische Sprinter- roeisitier Wigner-Zimdorf durchlief die 200 m in 22 Sek., Vogt-VfL. München kam über 400 m auf 48,9 Sek. Eberlein 1860 München unterbot über 3000 m die bisherige Bestleistung von Bolzhau­ser-Eßlingen (8:50,4 Min.) mit 8:44,3 Min. und im Hochsprung erreichte der deutsche Meister Kop- penwallner-VfL. München 1,93 m. Sehr beachtlich ist die 800-m-Zeit des erst vor kurzem am Knie operierten Frankfurters Ulzheimer, der in seiner Spezialstrecke in Mannheim mit 1:52,2 Minuten ebenfalls Jahresbestzeit lief. Storch-Fulda schleu­derte den Hammer 53,20 m, Vogt-Fulda erzielte im Dreisprung 14,14 m. In Hamburg gab es durch Erika Borchert-Bieß (Hamburger SV ) mit 11,9 Sek. für die 80 m Hürden eine deutsche Jahres­bestleistung für Frauen, ln Berlin erzielte Klopf­

fleisch im Weitsprung 7,25 m, Böder im Speer werfen 60,50 m.

Neuer Boxweltmeister

Der Engländer Freddie Mills schlug in Lon­ don den amerikanischen Boxweltmeister im Halb­schwergewicht, Gus Lesnevich, und wurde dadurch neuer Titelträger. Sein Punktvorsprung nach 15 Runden war sehr gering und ist lediglich auf drei Niederschläge in der 10. Runde zurückzu- führen. — Bei der gleichen Veranstaltung vep teidigte der englische Europameister im Feder­gewicht, Thompson, seine Meisterschaft gegen den Franzosen Pierre Montane.

Tschechoslowakei gewann Europazonen-Finale

Das Europa -Endspiel um den Daviscup führte in Prag die Tennisspieler der Tschechoslo­ wakei und Schwedens zusammen. Die Tschechen haben sich sehr viel vorgenommen, und sie be­gannen auch verheißungsvoll. Nach den beiden ersten Einzelspielen führten sie bereits 2:0. Der Schwede Torsten Johansson zeigte sich dem Tschechen Cernik nur selten gewachsen und wur­de nach zweistündiger Partie 6:4, 4:6, 6:3, 6:3- geschlagen. In der Partie Drobny (T) — Bergelin (Sch) verlor der Schwede nacheinander 11 Spiele, ehe er sein Gleichgewicht fand. Nachher konnte er sich nur schwer den wuchtig geschlagenen Bällen des Tschechen erwehren, und einige Fehl­schläge BeTgelins im dritten Satz führten früh­zeitig die Entscheidung herbei. Dro-bny siegte 6:0, 6:3, 7:5. Schon in der nächsten Begegnung, dem Doppel, war der Kampf entschieden. Das tschechische Paar Drobny/Cernik hatte keine Mühe, die Schweden Bergelin/Johansson mit 6:2, 6:1, 6:2 überraschend leicht zu besiegen.

In der Amerika-Zone unterlag Cuba gegen Au­ stralien 5:0. Australien trifft nunmehr im Finale der Amerikarunide auf die Mannschaft von Mexiko .

*

Das internationale Tennisturnier von Baden- Baden gewann im Herren-Einzel der Franzose Bemaid, der erst kürzlich die Wimbledon -Fina­listen Falkenburg und Bromwich schlug.

Bei einem Tennisturnier in Krefeld spielte Frau Hamann-Enger gegen Frl. Zehden 7:5, 6:3; Buchholz kam nach einem 6:3, 6:2 gegen F. Hen­kel ins Endspiel.

Gottfried 1 v. Cramm besiegte bei einem Schau­kampf in Wiesbaden den Berliner Werner Beuth- ner in zwei sehr schnellen Sätzen 6:3, 6:4. Mit Ferdinand Henkel gewann er auch das Doppel gegen Beuthner/Gulcz 7:5, 6:1, 7:5.

Hörmann-München deutscher Kriteriumsmeister

^ehr aktiv sind die deutschen Radsportler. In Gießen wurde der dritte Lauf zur deutschen Kri­teriumsmeisterschaft ausgetragen. Zwar gewann hier der Dortmunder Diederichs vor Börmann, aber der Münchener wurde doch Gesamtsieger (aus drei Läufen) mit 73 Punkten vor dem Vor- jahreemeister Berger-Rosenheim und vor B-autz- Dortmund. — Ein Steherrennen über 30 km in Bamberg gewann der Westdeutsche Metze vor Umbenhauer. — Ein Rundstreckenrennen über 60 km in Ingolstadt holte sich der Münchner Preiskeit vor Schwarzer-Nürnberg und Mirke- München . — Im Braunschweiger Stundenrennen siegte der deutsche Meister Schorn mit 69,750 km vor Lohmann, der nur einen Meter zurücklag. Das 1000-m-Zeitfahren gewann Lohmann mit 59,7 Sekunden.

SUdwfirttemberg

erkürt seine Leichtathletikmeister

Das sportbegeisterte Alb6tädtchen Tailfingen (Hofaenzollem) ist am 1. August der Schauplatz der Leichtathletikmeisterschaften von Südwürt- temberg/HohepzoHem. Der gute Ruf der Tail-. finger Kampfbahn und die Gastfreundschaft sei­ner Bürger ließen eine starke Teilnahme vermu­ten. Diese Erwartungen wunden erheblich über­troffen, denn aus allen Landesteilen liegen zahl­reiche Meldungen vor, vqr allem aus Ravensburg , Friedrichshafen , Balingen , Tübingen und Tailfin­ gen . Rund 150 männliche und 50 weibliche Sport­ler (mit 270 bzw. 100 Nennungen) gehen an den Start zu den Binzelkämpfen. In den Staffeln rin­gen 25 Männer- und 10 Frauenmannschaften um den Sieg. Sämtliche Vorjafcresmeister erscheinen am Start

Pokalsieger gegen Pokalsieger

Die Pokalsieger von Süldbaden (Eintracht Sin­gen) und von Südwürttemberg (SpVgg Trossin­gen) treffen sich am kommend ea Sonntag auf dem neutralen Villinger Platz zur vorbereitenden Ermittlung des Pokalsiegers der gesamten fran­zösischen Zone. Der Sieger tri8t später auf den Pokalsieger des nördlichen Zonenbereiche,

Sonderzug zum Fußball-Endspiel

Von Freiburg aus verkehrt ein Sonderzug zum Endspiel um die Deutsche Fußball-Meisterschaft in Köln . Der Sonderzug verläßt am Sen»tag, 7. August abertde Freiburg und trifft am Sonn-

tagmorgen in Köln ein. Die Rückfahrt erfolgt am Sonntagabend, Ankunft in Freiburg Montagfrüh. Fahrpreis fÜT Hin- und Rückfahrt ab Freiburg 22.-D-Mark.

Meisterfahrer starten in Reutlingen

Das am kommenden Sonntag, 1. August zum erstenmal staittündende Rundstreckenrennen in Reutlingen weist mit 'ungefähr 165 Meldungen eine starke Besetzung auf. Unter anderem er­scheinen Georg Meier, München Fleischmann, Hamburg , Schuhmann Tübingen, H. P. Müller, Bielefeld , L. Krauß, München am Start. Die 3-2 km lange Rennstrecke wurde durch die tatkräftige Unterstützung der Stadt Reutlingen in guten Zu­stand versetzt. Das Fahrverbot für Kraftfahr­zeuge an Sonntagen ist am 1. August für Süd­baden und Südwürttemberg aufgehoben.

Kon notiert

Der schweizerische Fußballdufc FC Schlieren (Zürich ) weilte zum drittenmal in Deutschland und spielte gegen den Meister der Bezirksklasse Heidelberg .

Fritz Szepan hat nach Beendigung seiner akti­ven Laufbahn den Posten eines Fußballobmann« bei Schalke 04 übernommen.

Im olympischen Lager Richmond wurde die olympische Flegge entwendet.

Juventus Turin schlug auf einer Schcwedenreise Norrköping überraschend 4:0 und unterlag gegen AIK Stockholm mit 3:2.

Im Saarland hat «ich ein provisocriscbeg olym­pisches Komitee gebildet.

Der größte Teilnehmer der amerikanischen Olympiamannschaft mißt 2,13 m: es ist der Bas- ketballspieler Robert Kurland.

Der russische Fußballmeister „Zentralclub der Roten Armee" trug kürzlich in Potsdam und an­deren Städten der Ostzone Spiele gegen Mann­schaften der Sowjet-Armee aus.

Die Sportler in der Sowjetzoae, die seit einiger Zeit von der Freien Deutschen Jugend (FDJ ) ge­leitet werden, begrüßen sich jetzt weisungsge­mäß mit „Gut Sport“.

Bei der Hamburger Ruderregatta gewann die Lübecker RG den 1. Seniorvierer, der RC Han­nover den 2. Seniorachter, der RC Hamburg den JunioTaditer.

Dar SV Planitz hat nun doch noch (zu spät) die Genehmiguitg erhalten für die Teilnahme an dar deutschen Fußballmeisterschaft.

Handelsverkehr nach Frankreich vereinfacht

Beim Badischen Ministerium der Wirtschaft und Arbeit wurde eine Neuerung für Zonenkom­pensation mit den Departements der fndUstrie- und Handelskammern Reifort, Mülhausen , Kol- roar, Straßburg und Metz getroffen. Die Abtei­lung im Ministerium vertritt deutscherseits sämt­liche französisch besetzten Gebiete in Deutsch­ land einschließlich des französischen Sektors von Berlin . Import und Export werden beiderseits deviseulos im Clearing-Verfahren durchgeführt. Zahlung und Gutschrift erfolgt deutscherseits für Import und Export in Mark, französisdierseits für Import und Export in Francs, so daß jeder der Beteiligten die Währung seines Landes er­hält. Maßgebend für die Preisgruodlage sind die derzeitigen von der Preisprüfungsstelle ge­nehmigten Preise.

Dos Verfahren ist folgendes: Ein Vorentwurf des Vertrages wild der Preisprüfungsstelle beim Badischen Ministerium der Wirtschaft und Arbeit über die Abteilung Zonenkompensation zugelei­tet. Nach der Preisgenehmigung erfolgt der Ab­schluß zwischen Käufer und Verkäufer unmittel­bar in Form eines Vertrages. Die entsprechende Lizenz wird französischerseits von der CTCCC Straßburg und deutscherseits vom Oficomex den Vertragspartnern zugestellt. Das Verfahren wird schnellstens durchgeführt. Das Genehmigungs­verfahren dauert bi-s zur Rechtsgültdgkeit im all­gemeinen eine Woche.

Obst, Gemüse und Wein in Südbaden frei

Im Zuge der Neuordnung auf dem Gebiete der Verwaltung und Bewirtschaftung, sind nunmehr Obst, Gemüse und Wein von der Bewirtschaf­tung freigegeben worden. Die Verpflichtung zur Erfüllung restlicher Besatzungsumlagen bleibt be­stehen. Ueber die Aufhebung der Bewirtschaf­tung von Branntwein wird in den nächsten Ta­gen entschieden weiden. Die Ausfuhr von Obst aus Südbaden ist nach wie vor genehmigungs­pflichtig.

Keine Ermäßigung der Telegrammgeb Uhren

Wie von zuständigen Stellen mitgeteilt wird, tritt in -der französischen Zone am 1. August keine Aenderung der Telegrammgebühren ein. Die Frage, ob und wieweit zu einem späteren Zeitpunkt, eine Angleichung an die mit Wir­kung vom 1. August herabgesetzten Gebühren der Bizone vorgenommen werden kann, wird auf Grund der Entwicklung des Telegrammverkehrs seit dar Währungsreform weiter geprüft. Auswirkungen der Transitverkehrssperre

Im Zusammenhang mit der Sperre der Eisen­bahntransporte von den Nachbarländern Deutsch­ lands durch die Bizone in die sowjetische Zone gab der Leiter der Bahntransportabteilung der britischen Militärregierung bekannt, daß haupt­sächlich die Schweiz , Italien , die skandinavischen Länder und die Benelux-Staaten betroffen wor­den seien. Ehe Sowjetzone habe vertragsgemäß Braunkohle und Bauholz und zwar monatlich von 25 OCX) t nach der Schweiz auszufübren. Italien habe dagegen nach der Sowjetzone Schwefel und Magnesium in derselben Höhe zu liefern. Be­züglich der Transporte jach den skandinavischen Ländern, die sonst meist über Flensburg abge­wickelt wurde, strebt die sowjetische Zone eins vorübergehende Verlegung des Transportweges nach dbn Häfen Rostock und Stettin an. Aus der iBizone erhielt die sowjetische Zone monatlich Lieferungen von rund 200 000 t. Der Anteil an Ruhrkohle belief sich dabei auf «twa 120 000 t.

14,1 Milliarden Besatzungskosten

Die anerkannten und versteckten Aufwendun­gen für die Besatzungsmächte, Reparationen, De- rmlitarisierungen, Geldzuwendungen usw. für ähnliche Zwecke machten im Etatjahr 1946/47 für alle vier Zonen und Berlin zusammen im Durch­schnitt 214 RM je Kopf der Bevölkerung aus. Dabei entfallen auf den Einzelnen in Berlin 145 R'M, in der Sowjetzone 438 RiM, US-Zone 122 RM, britische Zone 124 und französische Zone 194 R'M. Insgesamt betrugen diese Aufwendungen 1946/47 rund 14.1 Mrd. Reichsmark.

Schwedisches Holz für Deutschland

Dänemark hat von den 50 000 Standards Holz, die es laut Handelsvertrag von Schweden ab­

nehmen soll, bisher nur die Hälfte kaufen kön­nen, da die schwedischen Exporteure zurückhal­tend sind. Der Grund ist darin zu suchen, daß die Schweden in anderen Ländern bessere Preis« erzielen. So wurden 25 000 Standards vorteü- halt nach Deutschland verkauft.

Zur Frage des Energieexpecte«

In einem Schreiben des Wirtschaftsministeriuinj an den Direktor der Verwaltung für Wirtschaft in Frankfurt wird festgelegt, daß die Export. Meferungen an Strom und Gas nJch Frankreich und Belgien Kohlenwerte von erheblichem Aus­maße darstellen. Zum Teil kämen diese Export- liefenungen aus Kraftwerken die selbst in der französischen Zone liegen. Diese Kraftwerke ge-‘ hören aber zu 50 bzw. 77'/« dem REW und sind vom REW ausschließlich zu dem Zweck erbaut unld betrieben, die Industrie und die sonstige« Verbraucher seines eigenen Versorgungsgebietes mit Strom zu beliefern. Dieses Versorgungsgebiet liegt aber vornehmlich im vereinigten Wirtschafts­gebiet. Die übrigen Stromlieferungen, an Frank­ reich , insbesondere die Lieferungen über die Lei- tung Koblenz -Lanöres gehen zwar aus der fran­zösischen Zone, stellen aber reine Lieferungen aus den Wärmekraftwerken des Landes Nord­ rhein-Westfalen dar. F.

Kommeiltar zu den Lebensversicherungen

Zu dem in Nr. 58 v. 20. 7. 48 erschienenen Ar- tekl „Schwergetroffene Lebensversicherungen" wird uns aus Fachkreisen ergänzend mitgeteilt:

Es trifft zwar zu, daß unmittelbar vor dem Ablauf stehende Lebensversicherungen am här­testen betroffen werden, doch ist die Einbuße, die diese erleiden, keineswegs, größer als bei Sparkonten, Pfandbriefen usw. Der weitaus größ. te Teil der Lebensversicherungen läuft aber erst in fernerer Zeit ab. Eine Abwertung im Verhält- nis 1:10 erfolgt nur im Verhältnis der bisher angesammelten Deckungsrücklagen. Dabei ist noch besonders zu berücksichtigen, daß Beiträge, die vor dem Stichtag der Währungsreform bis zum Ende des laufenden Zahlungsabsdmittas in RM gezahlt sind, bis zur nächsten Fälligkeit ier Beitragszahlung in voller Höhe ln D-Mark an­gerechnet werden.

Als Beispiel: Eine abgekürzte Kapital versiehe- rung, die am 1. 6. 38 über RM 10 000.— abge­schlossen wuirde und im Jahre 1968 abläuft, ist heute nach dem Währungsschnitt gemäß der vom Aufsichtsamt für die Privatversidiexungen her­ausgegebenen Tabelle mit 7600.— D-Maric in- Kraft. Der erste Beitrag in D-Mark in diesem Falle ist, wenn jährliche Zahlung vereinbart wurde, erst am 1. 6. 49 zu entrichten. Außerdem bleiben fast alle ab 1946 abgeschlossenen Versi­cherungen in voller Höhe erhalten. Weiterhin ist — wie auch aus dem früher an dieser Stelle erschienenen Artikel hervorgeht — zu hoffen, daß eine Aufwertung der alten Guthaben bis zu einer Höhe von 20 Prozent möglich wird, wo durch der Verlauf der Lebensversicherungen sich zwangsläufig günstiger stellt. Entscheidend wird sein, daß die Versicherungsnehmer soweit irgend möglich ihre Beiträge weiterbezahlen. Dann kann damit gerechnet werden, daß durch fälligwerden­de Gewinnanteile aus Ueberzinsen und Unter- Sterblichkeit eine laufende Verbesserung der VersicheTungsleistungen elntritt. Die Versihe- rungsgeselischaften werden ihre Versicherungs­nehmer in Kürze über di« derzeitige Höhe ihrer Versicherungen benachrichtigen können. Luger

Kurzmeldungen

Aus England traf dier erste Transport von 17 000 t Kohle im Hamburger Hafen ein.

Auf 1 % bis 2 Mrd. D-Mark wird der Bedarf derd eutschen Eisenbahn zur Beseitigung ihrer Kriegsschäden und zur Wiederherstellung des früheren Verkehrsstandes geschätzt.

Die US-Armee hat auf das für 6ie vorge­sehene Kontingent von 721 Volkswagen aus der Produktion des 3. Quartals dieses Jahres ver­zichtet.

Die Sowjetregierung hat beschlossen, den Betrag, den Bulgarien aus dem Erlös der deutschen Vermögenswerte an die Sowjetunion zu bezahlen hat, von 9 auf 4,5 Mill. Dollar her­abzusetzen.

Wissenschaft im Dienste der Kosmetik

Neuigkeiten in der Kosmetik überraschen und überzeugen uns nicht mehr. Die gepflegte Frau bedient sich der nuancereichen Schönheitsmittel in beliebiger Qualität und wartet sehnsüchtig auf den Erfolg (der nicht immer eintritt). Wlas aber würde die schönheitslüsterne Frau dazu sagen, wenn sie eine? Tages, zwar mit dem bisherigen Wunsche, ihr Haar färben zu lassen, zum Fri­seur geht, aber schon nach sieben Minuten mit der gewünschten Farbe und mit effektvollerem Glanz ihrer Haare unter der Haube hervor- komrot? Oder innerhalb drei Wochen Behand­lung verwandelt sich das gelichtete Haar des Gatten in den Wuchs eines Apoll? Aber die« ist nur ein kleiner Teil dessen, was ein französi­scher Kosmetiker in Zusammenarbeit mit deut­ schen Wissenschaftlern, Ingenieuren und Tech­nikern in den vergangenen drei Jahren in Kon­ stanz fertiggestell hat. Obschon das bis jetzt streng gehütete Geheimnis des „Percutor"-Sy- stems noch nicht direkt der Oeffentlichkeit zu­gänglich gemacht wird, so ist doch der „Süd- kurier” die erste Zeitung, die über diese Er­findung berichten kann, die geradezu eine Re­volution — oder Fortschritt — (wie man es nennen will) der Kosmetik darstellt. Ein Besuch bei dem Erfinder gibt uns näheren Aufschluß.

Die Erfindung, deren Vorarbeit bl« 1994 zu­rückreicht, ermöglicht erstmalig ein vollkommen zuverlässiges und genaues Einbringen von kos­metischen und medikamentehaltigen Substanzen in und durch die Haut hindurch, wobei die Haut selbst unberührt bleibt. Die Präparate, werden zunächst pneumatisch (ohne Injektionsspritze) in die Haut gebracht, mittels elektrischer Schwach­ströme durch die Gewebe geleitet und an den gewünschten Behandlungsorten zur Wirkung ge­bracht. Da diese Versuche bereits in die Me­dizin übergehen, war es notwendig, daß der Er­finder sein Verfahren durch verschiedene Wis­senschaftler, darunter auch deutsche Universitäts­professoren, prüfen und begutachten ließ. In den wissenschaftlichen Arbeiten der Aerzte und For­scher kommt dabei zum Ausdrude, daß das Ver­fahren sowohl für kosmetische als auch für me­dizinische Behandlungen (innere Medizin z. B. bei Herzstörungen) empfohlen und ungeahnte Mög­lichkeiten der Therapie eröffnen wird.

Das Steckenpferd des Erfinders, die Haarbe­handlung, erreichte im Laufe der letzten Jahre ihre Lösung: Mittels einer Saugglocke wird die Luft über der zu behandelnden Hautstelle verdünnt) mit einer Düse das Präparat auf die geöffneten Poren der Hautoberfläche — unter Aufrednterhaltung des Unterdrucks — zerstäubt und schließlich mit einem leichten Ueberdruck in die Tiefe gedrückt. Mit dieser Tiefenwirkung wenden zum erstenmal in der Kosmetik, bezw. Haarbehandlung, die Talgdrüsen und Haarwur­zeln beeinflußt Resultat: Die bis dahin haar­lose Kopfhaut weist nach drei Wochen einen be­ginnenden Haarwuchs auf.

Die neuen Geräte verkürzen nicht nur die Dauer des Färbens auf sieben Minuten, — son-, dem die Haare besonders wunechvoller Freuen können bei NichtgefoUen in dereelben Zeit in eine andere Nuance umgefärbt werden. Ein

Nachfärben wie es bisher üblich war fällt weg, da die Farbe schon aus der Wurzel nachwächst. Lediglich ist alle vier bis fünf Monate ein Nach- fülleh des Reservoirs um die Haarwurzeln not­wendig. Welche Wohltat für farbenfreudige Da­men, wenn sie zu ihren Abendkleidern die Haare in die nuancereichsten Farbtöne färben lassen können: grün, blau oder rot Ganz wie es die Mode verlangt . . .

Wie der Erfinder weiter erklärte, werden die Forschungsarbeiten in Frankreich , wo die Er­richtung einer Weltzemtralsteile geplant ist, wei­ter fortgesetzt und ausgebaut. Um die_Erfindung abeT auch breitesten Kreisen zur Verfügung stel­len zu können, ist die Rückkehr in den Groß- stadttrubel von Paris notwendig geworden, -bl-

Es geschehen sonderbare Dinge

Jenseits von Gut und Böse. Drei Tage nach der Währungsreform erschien auf einer Bank in Husum (Schleswig-Holstein ) ein alter Mann, um Geld (nach der alten Währung) von seinem Kon­to abzuheben. Der Ahnungslose war sehr er- stacAt, als man ihm erklärte, daß er kein Geld erhalten könne, denn mittlerweile sei ja die Währungsreform eingelreten. Schließlich be­kannte der Mann freimütig, daß er weder ein Rundfunkgerät besitze noch eine Zeitunt^lese.

Der fürsorgliche Chef. Einen schlauen „Trick" hatte sich ein Kenrptener Geschäftsmann ausge­dacht, indem er bei seiner Bank 1080 DM abhob, um angeblich seine 18 Angestellten auszubezah­len. Mittlerweile hatte er seine Belegschaft be­reits entlassen. Dafür sitzt nun der Chef.

Das schlechte Gewissen. Das Ansbacher Ton­film-Theater „G.L.“ verspricht jetzt allen den­jenigen Besuchern eine Freikarte für eine Vor­stellung, die glauben, vor der Währungsreform im Theater schlecht behandelt worden zu 6ein.

Hakenkreuz aus Hafer. Piloten der US -Luit- streitkräfte bemerkten in einem Kornfeld bei Weiden (Oberpfalz ) ein riesiges Hakenkreuz- Die deutsche Polizei stellte fest, daß da6 Haken­kreuz aus nichts anderem als gus Hafer bestand, der in dieser Form angepflanzt war. Der Bauer, dem das Feld gehörte, meinte, das könnte nur sein TaglöhneT gemacht haben, den er entlasse# habe. Die amerikanische Militärregierung ord* nete an, den HaleT abzumähen.

Der Waschmaschinen-Prinz. Ex-Prinz Alexan­ der von Jugoslawien , der sein Vaterland IW* verließ und sich seitdem in England auihält, reis? seit einigen Monaten als Vertreter in Wasch* maechinen. Nach dem Warum befragt, erklärt* der Prinz, daß er schließlich von etwas leben müsse und außerdem: „Waschmaschinen habe# sicher, eine aute Zukunft.”

Der Bttcherhamster. Der Chef der Würzburg ^ Universitäit»Biu<hhandlung hortete seit Jahre# wissenschaftliche und schöngeistige Bücher i* einem solchen Ausmaß, daß sein Haus buchstäb­lich bis unter das Dach mit Ballen von Lehr* büchern angefüllt war. - Selbst die Wa6Chkü<h* war mit Büchern vollgepfropft.