Seite 2 / Nr. 2?

SUDKURIER

B Wü

Samstag / Sonntag, 5./*6. März 1949

einem obligatorischen Wahlgesetz gewählt ■werden sollte, bestehe die Gefahr, daß Länder mit CDU Mehrheiten nachdem rela­tiven Mehiheitswahlredit und Länder mit CDU -Minderheitan nach einem mehr oder weniger modifizierten Verhältniswahlrecht wählten. Dies müsse starke fand uner­wünschte Machtvenzernuingen im Bundes- parlamemt hervorrufen.

Eine sehr geteilte Beurteilung fanden die Ratschläge der Gouverneure zur Finanz­hoheit, welche praktisch die .Errichtung dop­pelter FmanzverwaJtunigen mit dem Schwer­gewicht bei den Ländern zur Folge haben 'müssen. Auch che Anregung, die Länder­grenzen gegebenenfalls bas zum Abschluß eines Friedensvertrages im bisherigen Zu­stand aufrecht zu erhalten und deshalb die entsprechenden Artikel des Grundgesetzes ■über die neue Abgrenzung der Länder fal­

len zu lassen, wird im Parlamentarischen Rat nicht begrüßt. Die meisten Abgeord­neten halten es nicht für wahrscheinlich, daß die deutschem Ministerpräsidenten von der Möglichkeit noch Gebrauch machen können, die erforderlichen und von den Gouverneuren verlangten „konstruktiven Vorschläge" zur Ländemeubdldung noch vor Abschluß der Bonner Arbeiten machen zu können. Jakob Kaiser bedauerte in diesem Zusammenhang auch die Vorbehalte gegen die Einbeziehung Berlins . Der Hauptvor­stand der Sozialdemokratischen Partei ist zu einer Tagung nach Köln Ende der kom­menden Woche einberufen. Sozialdemo­kratische Abgeordnete versicherten in die­sem Zusammenhang Pressevertretern, Dr. Schumacher habe seine anfänglich scharfe kritische Stellungnahme zu dem Memoran­dum bereits etwas modifiziert.

Wohieb antwortet Müller

„Ich habe nicht den Ehrgeiz, das alte Baden zu vergrößern“

Freiburg . Der Staatspräsident von Südbaden , Leo Wohieb, hat nunmehr das Schreiben Dr. Müllers, des Staatspräsiden­ten von Württemberg-Hohenzollem, vom 28. Februar beantwortet

In seiner Antwort erklärt Staatspräsi­dent Wohieb u. a.: „Ich lege besonders Wert darauf, zu wiederholen, daß es sich nicht um eine Konferenz irgendeines amt­lichen Charakters gehandelt hat, mit dem Ziel, eine Abtrennung eines Gebietsteiles von Württemberg-Hohenzollem vorzube­reiten”, Sondern daß befreundete Politiker als Privatleute verschiedener Parteizuge­hörigkeit es für richtig hielten, zusam- menizukomimien, um die ihnen ganz beson­ders am Herzen liegenden Fragen zu be­sprechen. „Auch Beamten wird man nicht verbieten können, an privaten Besprechun­gen teilzunehmen, wenn sie es für rich­tig halten. Ich kann darin keine schwere Pflichtwidrigkedt sehen und muß mich ge­gen Ihren Vorwurf verwahren.”

Wohieb erklärte weiter, die Konferenz­teilnehmer seien nicht „Gäste Badens” ge­wesen, sondern Gäste der teilnehmenden Badener. „Die Besprechung auf Burg Windeck am 18. Februar galt”, so heißt es in dem Schreiben abschließend, „in erster Linie der Beratung von beabsichtigten Aenderungsanträgen unserer Abgeordne­ten im Parlamentarischen Rat, Dr. Fecht, zu den Artikeln 25 und 26 des Bonner Grundgesetzes, welche die Neugliederung des Bundesgebietes in durchaus zentrali­stischer Weise regeln wollen. In dieser Frage sind die beiden getrennten badi­schen Landesteile in besonderem Maße in­teressiert, da nach der vorgeschlagenen Formulierung jede örtliche plebiszigäre Mehrheit in Fragen künftiger Länder­grenzen durch ein Bundesplebiszit gebro­chen werden kann. Das ist eine völlige Verkennung demokratisch-föderalistischer Grundsätze, die nicht hingenommen wer­den sollte.

In dieser Frage ist aber auch Hohen- zollem nicht unbeteiligt. Wenn maßgeben­den politisch interessierten Herren dieses Gebietes daher die Teilnahme an den Be­sprechungen offen gehalten wurde, dann geschah das, um in Fortführung eines seit Jahren gepflegten freundnachbarlichen Gedankenaustausches, auch ihnen ein Mit­spracherecht in der auch Hohenzollem be­treffenden Frage zu geben.

Pfalz war nicht dabei

Tatsächlich hat auch, wie Sie wissen, ein Vertreter aus Hohenzollem als „Beofoach-

WETTERVORHERSAGE

Im Laufe des Samstag taid Sonntag zuneh­mende Bewölkung und Temneraturanstiegi, im übrigen noch. kalt.

Sdmeebericht:

Oberstaufen 50 cm Neuschnee, Pulver, 4 Grad minus. Feldberg 80—100 cm Neuschnee, 6 Grad nriraua.

ter” an der Besprechung teilgenommen und Ihnen durchaus mit meinem Einver­ständnis und Ihrer Weisung gemäß über den Verlauf berichtet. Politiker aus der Pfalz , die über nordbadische Herren um gastweise Teilnahme gebeten hatten, wa­ren nicht anwesend, wovon ich Sie wegen gewisser Mißdeutungen bitten möchte, Kenntnis nehmen zu wollen. Daß ich zur Bildung eines Kamites für ein freies Ho­henzollem aufgefordert hätte, entspricht nicht den Tatsachen, wohl aber kamen die nord- und südbadischen Herren überein, für ihren Bereich Arbeitsgemeinschaften zu bilden, wenn es zu einem Plebiszit über die Länderverednigung kommen soll­te, damit dem demokratischen Grundrecht der freien Meinungsäußerung entspre­chend, auch jene Badener öffentlich zu Wort kommen können, die in einer Län­dervereinigung zur gegenwärtigen Unzeit nicht das Heil für ihre Heimat erblicken.”

Der südbadische Staatspräsident schreibt weiter, es habe sich wohl erübrigt, Poli­tiker aus Stuttgart und Tübingen zu der Zusammenkunft zu bitten, da sie mit den beiden Artikeln des Grundgesetzes sicher­lich einverstanden seien, weil durch sie „über die Wiedervereinigung Württem­bergs hinaus die großschwäbische Staats­bildung gesichert werde.” Mit Bezug auf Hohenzollem stellte Wohieb fest, daß es Dr. Müller nicht entgangen sein dürfte, daß es auf seinem demokratischen Selbst­bestimmungsrecht bestehe, wenn es zu einer Vereinigung von Baden und Würt­ temberg nicht komme. Maßgebende ’ poli­tische Persönlichkeiten Hohenzollerns würden übrigens den für ihr Gebiet zu­stehenden Abgeordneten bitten, die Ab­änderungsvorschläge Dr. Fechts im Par­lamentarischen Rat zu unterstützen.

„Ich bin daher persönlich der Auffas­sung”, fährt Wohieb fort, „daß die unter­nommenen Schritte, die nur der Wahr­nehmung der jedem Staatsbürger zuste­henden demokratischen Rechte diente, we­der in Ihre Zuständigkeiten eingreifen, noch eine Umgehung oder Verletzung frü­herer Vereinbarungen über die Länder­grenzen darstellen, sondern diese völlig unberührt lassen.

Ich habe nicht den Ehrgeiz, das alte Ba­den zu vergrößern, wohl aber ist es meine persönliche Pflicht, als Demokrat und Ba­dener dafür einzutreten, daß Gesamtbaden in den Fragen seines Fortbestandes oder Aufgehens in Württemberg ehrliche Selbstbestimmungsrechte erhält und daß es nicht unter Ausnutzung eines durch Besatzungswillen geschaffenen Zustandes stückweise auf der Landkarte überklebt wird. Einem wirklich demokratischen und gesamtbadischen Plebiszit wird sich jeder Badener beugen, auch wenn das badische Volk sich mehrheitlich für die Länder- vereinigung aussprechen sollte. Nur auf die Durchsetzung eines echten demokrati­schen Fair play kommt es mir an, sonst ist jede Volksabstimmung eine Farce.

Die „letzte Marschverpflegung“

Prozesse gegen die Hersteller des BLausäurepräparats Zyklon B

Frankfurt (J.F.-Eigenbericht). Un­ter großer Beteiligung begann das Frank­ furter Schwurgericht die Verhandlung gegen die Deutsche Gesellschaft für Schäd­lingsbekämpfung (Degesch). Angeklagt ist der Geschäftsführer Dr. Gerhard Peters , der Prokurist Hans Ulrich Kaufmann und der Versandleiter Amend der Firma, denen vorgeworfen wird, im Auftrag des Reichs­leiters der SS und Adolf Hitlers das zur Schädlingsbekämpfung bestimmte Blau­säurepräparat Zyklon B an unbekannte Täter geliefert zu haben, obwohl die An- ■giekliagteii damals schon wußten, daß mit Hilfe dieses Präparats Menschen getötet wurden. Die Anklage lautet auf Beihilfe zum Mord in mindestens 300 000 Fällen.

In seiner Anklagerede führte Staats­anwalt Dr. Erbs aus, daß in den KZ nach wissenschaftlichen Schätzungen über 4 Mil­lionen Menschen erschlagen, erschossen, er­tränkt, erstickt und vergiftet wurden. Die Anklage könne beweisen, daß in den KZ mit Zyklon B gearbeitet worden sei. Dr. | Peters gab zu, er sei unter strengster Schweigevenpflichtung von der Absicht der SS unterrichtet worden, die Hinrichtung von Verbrechern und die Tötung geistig und körperlich unheilbarer Kranker, „so­

weit das menschlich vertretbar sei”, mit Hilfe von Blausäuregas vorzunehmen. Als weiterer Zeuge erklärte der Generalanwalt für die Wiedergutmachung in Bayern , Dr. Philipp Auerbach,, der selbst in Berlin zum Tode verurteilt worden war und dann als Chefchemiker in Auschwitz eingesetzt wurde, daß er brieflich in diese Vorgänge Einsicht genommen habe. Naich seinen Schilderungen wurden 1944 in Birkenau täglich fünf Züge mit Häftlingen in die Krematorien geschickt. Aus einem There- sienstädter Transport seien 200 000 Kranke in einer Aktion vernichtet worden. Mit eigenen Augen habe er erlebt, wie seine Schwester mit ihren fünf Kindern den Gang zur Vergasung antrat. In diesen Tagen war es nichts außergewöhnliches, daß die SS jüdische Kinder mit dem Kopf an eine Miauer schleuderte, um sie zu töten.

An die einzelnen Transporte seien auch jeweils Dosen mit dem Präparat Zyklon B ausgegeben worden, die man in grausiger Ironie „letzte Marschverpflegung" genannt habe. In Auschwitz sind nach Schätzungen des Zeugen etwa 4,6 Millionen Menschen getötet worden. Mitte November 1944 wur­den die Vergasungen plötzlich eingestellt.

Wirtschaftsvertrag Schweiz -Bizone gescheitert

Alliierte Delegation nach Frankfurt abgereist

Zürich . (P.-Eigenbericht.) Die seit Mitte Februar in Bern geführten Verhand­lungen über eine Aenderung des zwischen der Schweiz und Westdeutschland beste­henden Wirtschaftsvertrages sind unter­brochen worden. Es ergab sich in den Ver­handlungen, daß ein Teil der zur Debatte stehenden Spezialfragen so kompliziert waren, daß die alliierte Delegation das Bedürfnis hatte, vor einer endgültigen Stellungnahme neue Instruktionen aus Frankfurt zu holen. Nach der Abreise der alliierten Delegation und der ihnen beige­gebenen deutschen Sachverständigen hofft man auf Schweizer Seite, daß in abseh­barer Zeit ein Termin für die Wiederauf­nahme der Besprechungen mitgeteilt werde. Auch gibt man sich der Hoffnung hin, daß der seit dem Herbst in Kraft be­findliche Wirtschaftsvertrag mit der Bi- zone weiter in Funktion bleibt und daß insbesondere die seitens der JEIA zuge­sagten Textilkontingente ohne Verzöge­rung abgewickelt werden können.

In den Verhandlungen zeigte sich, daß auf schweizerischer Seite der Wunsch be­stand, die für Westdeutschland eingeräum­ten Exportkontingente zu erweitern und einen Teil der deutschen Exportguthaben für Zwecke des Versicherung.?- und Ka­pitalverkehrs abzuzweigen. Auch sollte

ein Weg gesucht werden, um deutsche Lungenkranke in hochalpine tuberkulöse Heilstätten unterzubringen.

Alte Münzen ungültig

Frankfurt . Auf Grund des zweiten Gesetzes zur Neuordnung des Geldwesens (Emiissionsgesetz) werden folgende Münzen und Behelfsgeldscheine zum 31. März 1949 auf gerufen: 1. die Münzen im ursprüng­lichen Nennwert von fünfzig Reichspfen­nig, die fünf deutsche Pfennige gelten, zehn Reichs- bzw. Rentenpfennige, die einen deutschen Pfennig gelten; 2. Be­helfsgeldscheine der Länder der französi­schen Besatzungszone, die nur in der fran­zösischen Zone gesetzliche Zahlungskraft besitzen, im ursprünglichen Nennwert von fünfzig Pfennig, die fünf deutsche Pfen­nige gelten, zehn Pfennig, die einen deut­ schen Pfennig gelten.

Die aufgerufenen Geldzeichen verlieren mit Ablauf des 31. März 1949 ihre Eigen­schaft als gesetzliches Zahlungsmittel. Sie werden im Auftrag der Bank Deutscher Länder von den Landeszentralbanken der amerikanischen, britischen und französi­schen Zone bis zum 30. April 1949 auf Verlangen gegen gesetzliche Zahlungsmit­tel umgetauscht. Mit Ablauf des 30. April gerufenen Münzen und Behelfsgeldschei­nen.

Bischof Dr, Sproll von Rottenburg f

Katholiken Württembergs trauern um ihren Oberhirten

Tübingen . Am 4. März 1949 starb Bischof Dr. Johannes Baptista Sproll in Rottenburg an den Folgen einer Lungen­entzündung. Er war geboren am 2. Okto­ber 1870 in Schweinhausen (Kreis Biberach / Riß ). Nach seiner Priesterweihe im Jahre 1895 war er u. a. Subregen® am Priester­seminar Rottenburg ; er trat dann im Jahre 1909 in die Seelsorge über, wurde 1912 Domkapitular, 1913 Generaivikar, 1916 Weihbischof und 1927 Nachfolger des Bischofs Dr. v. Keppler auf dem Rotten- burger Bischofsstuhl.

Die unchristliche Herrschaft des Natio­ nalsozialismus stellte den Bischof vor schwerste Aufgaben. Er hat auf vielen Bischofstagen, vor allem bei der Jugend und bei den Männern, mit apostolischem Freimut das Wort Gottes verkündet. Daß |

er dadurch den damaligen Machthabern ein Dom im Auge war, wußte er, küm­merte sich aber nicht darum. Seine Nicht- beteiiigung an der Wahl am Palmsonn­tag, 10. April 1938, benützten seine Feinde zum Anlaß offener Verfolgung, die zuerst zu wüsten Ausschreitungen und dann zur Verbannung führten. Am 24. August 1938 schaffte ihn die Gestapo außer Landes.

Zur größten Freude der Diözese konnte Bischof Sproll am 12. Juni 1945 wieder in seine Bischofsstadt zurückkehren und am 14. Juni feierlich im Dom Einzug halten. Im Februar 1949 erkrankte Bischof Dr. Sproll ernstlich. Der deutsche Episkopat erleidet durch seinen Tod einen schweren Verlust und auch das katholische Volk Württembergs trauert tief um seinen Ober- | hirten.

Miniatur-Blockade beendet

Frankfurt . Der Chef der amerika­nischen Militärpolizei in Frankfurt , Oberst Wood, überreichte am Donnerstag offiziell den Mitgliedern der sowjetischen Repatri­ierungskommission den Befehl Marschall Sokolowskis, in die sowjetische Zone zu­rückzukehren. Die Kommission hat am Freitagmorgen Frankfurt verlassen.

Inzwischen ist auf Beschluß des Kom­mandos der sowjetischen Besatzungstrup­pen die amerikanische Such- und Exhu­mierungskommission gleichfalls aus der sowjetischen Zone ausgewiesen worden Die amerikanischen Offiziere und Soldaten wurden aufgefordert, das Territorium der sowjetischen Zone unverzüglich zu ver­lassen.

Der amerikanische Staatssekretär Dean Acheson erklärte, General Clay habe ihn wegen der Ausweisung der sowjetischen Repatriierungskommission aus der ameri­ kanischen Zone in Deutschland nicht be­fragt.

Nachrichtensperre über Ostseehäfen

Berlin . Ueber die Häfen Wismar , Ro­ stock und Stralsund ist durch die SMA eine inoffizielle Nachrichtensperre verhängt worden. Die Ostseehäfen, die hauptsächlich der sowjetischen Besatzungsmacht dienen, sind mit über mannshohen Zäunen um­geben worden, die von patroullierenden Posten bewacht werden. Selbst das so- wjetisch-lizenzierte Nachrichtenbüro ADN konnte von seinen Zweigstellen Schwerin und Wismar keine Reportagen über die dortigen Häfen erhalten, weil über tech­nische Einrichtungen und Höhe des Um­schlages keine Angaben gemacht werden dürfen.

Bayern im Brennpunkt

München . (W. W. Eigenbericht). Dr. Konrad Adenauer , der Präsident des Par­ lamentarischen Rates , beabsichtigt, den bayerischen Ministerpräsidenten nach Bonn zu bitten, um in letzter Minute einen Kompromiß zwischen den gegenseitigen Einstellungen zum Grundgesetz zu erzie­len. Vielleicht nicht zu Unrecht ist man in Bonn der Ansicht, daß die Kritik der Mili­tärbefehlshaber an dem Bonner Grundge­setz mit der bayerischen Kritik weitgehend übereinstimmt. Konzessionen von bayeri­scher Seite würden so unter Umständen einen Meinungsausgleich zwischen dem Parlamentarischen Rat und den Militärbe­fehlshabern ermöglichen, jedoch müßte man dazu aber auch Bayern gegenüber eine größere Kompromißbereitschaft zei­gen, als dies bisher der Fall gewesen ist.

„Aibeitsgemeinsdiaft der Badener " in Nordbaden

Karlsruhe. Wie Südena erfährt, wurde am 28. Februar im Landbezirk Nordbaden des Landes Württemberg- Baden der Verein „Arbeitsgemeinschaft der Badener ” .mit Sitz in Karlsruhe ge­gründet. Zweck des Vereins ist die Ver­tretung der badischen Interessen bei einer Volksabstimmung über das Schicksal Ge­samtbadens. Der Verein will diese Ab­stimmung propagandistisch vorbereiten und fördern. Er verfolgt keine politischen Ziele und wird satzungsgemäß nach der Entscheidung über die Neugliederung Ge­samtbadens aufgelöst. Die Gründung wur­de für notwendig erachtet, weil die Par­teiführungen der bis jetzt in Nordbaden zugelassenen Parteien die Vereinigung von Gesamtbaden mit Gesamtwürttemberg zu einem Südweststaat empfehlen, was von einem großen Teil der nordbadischen Bevölkerung abgelehnt werde.

SÜDKURIER

Verlag: Südkurier G. m. b. H. Konstanz Redaktion : Verantwortlich Herbert C Gold- sdteider. Politik Herbert C Goldsdieider, Kon­rad Gunst. Wirtschaft Dr. Gustav Adolf Groß. Kultur Friedrich Mnnding, Ludwig Emanuel

Reindl. Heimat Alois Beck, Herbert Steinert. Sport Alfred Strobel

Verlad und Redaktion Konstanz Marktstätte 4 Drude : Druckerei Konstanz. Fischmarkt 5 .

Peter Paul Bertram:

FÜNFECKS

Copyright by Prometheus Verleg

31 Gröbenzel] bei München

Befriedigt verließ Roger die Komman­dantur, eilte in die kleine Stadt und gab ein langes Chiffretelegramm nach Gibral­ tar auf, in welchem er um Erlassung eines radiotelegr.aphischen Steckbriefes gegen den „Hidalgo“ bat.

•

Zwei Stunden später glitt der „Hidalgo”, mit Roger an Bord, aus dem Hafen von Las Palmas . Rogers Berechnung batte nicht getrogen, und der pockennarbige, weiß­blonde Norweger hatte sich nach kurzem Zögern und Feilschen bereit erklärt, ihn auf die „Hartem“ zu bringen.

Das Meer war recht bewegt, so daß Ro­ger bald einen Anfall von Seekrankheit vorschützen und sich in seine Kabine zu­rückziehen konnte. Dort saß er dann län­gere Zeit hindurch in angestrengtes Nach­denken versunken. Er hatte sich rasch an­nähernd über die innere Gliederung des Schiffes unterrichtet und wußte, daß ach­tem die Offiziere, im Kastell die Mann­schaftsräume und mitschiffs sechs Passa­gier-Kabinen untergebracht waren.

„In einer der anderen fünf Kabinen ist also Vivian eingeschlossen", überlegte er, „die Frage ist nur, in welcher!”

Er erhob sich und schlich zur Tür. Eben als er den Knopf drehen wollte, hörte er draußen auf dem Gang Schritte; durch das Schlüsselloch blickend, erkannte er Kapi­tän Olafson und hinter ihm einen Steward. Einen Augenblick lang blieb Olafson vor Rogers Kabine lauschend stehen und ging dann weiter, bis an das Ende des Ganges . Der Klang eines auf schnappen den Schlos­

ses drang an Rogers Ohr, eine Türangel kreischte leise, und dann folgte völlige Stille. Einige Minuten später kamen die zwei Männer wieder zurück.

Bald darauf erschien Olafson in Rogers Kabine, musterte seinen Gast etwas miß­trauisch und erklärte: „Gegen vier Uhr werde ich die „Hartem’’ anfunken und an- fragen, ob sie Sie aufnimmt. Andernfalls muß ich Sie in Gomera ans Land setzen!”

Roger dankte, starkes Uebelbefinden vorschützend, worauf der Kapitän sich mit trockener Höflichkeit empfahl und die Ka­bine verließ. Nach kurzem Warten schlich Roger zur Türe, überzeugte sich, daß der Gang leer war und eilte, ohne einen ei­gentlichen Plan, nur von dem Wunsch ge­trieben, Vivian zu sehen und aus ihrer sicher qualvollen Lage zu befreien, noch einen Augenblick lang blieb Olafson vor der gegenüberliegenden mittleren Kajüte. Auf sein Anklopfen erfolgte keine Ant­wort, er drehte den Knopf, die Türe gab nach und ließ ihn eintreten. Rasch blickte er sich um; der Raum war offenbar unbe­wohnt. Roger konnte zu seiner größten Freude feststellen, daß eine Verbindungs­türe zur benachbarten Kabine vorhanden war. Er preßte sein Ohr an das Schlüssel­loch, versuchte dann vorsichtig zu öffnen und setzte, als er die Türe versperrt fand, MacAUisters Universal-Dietrich in Tätig­keit.

Nach einem kurzen Versuch gab das Schloß nach. Die Kabine war halb ver­dunkelt, auf dem Bett lag eine regungs­lose Gestalt, an Händen und Hißen ge­bunden, einen Knebel im Mund: es war Vivian.

„Hände hoch!" rief plötzlich neben ihm Kapitän Olafson. Herumfahrend sah Ro­ger eine schwere Pistole auf sich gerichtet

„Sie scheinen sich ja schnell an den See­gang gewöhnt zu haben”, sagte der Nor­weger spöttisch. „Ihre Krankheit kam mir gleich nicht ganz echt vor. Na, jedenfalls habe ich mir die Freiheit genommen, in

Ihrem Namen der „Harlem" eine Absage zu funken. Wir werden also mit dem Hol­länder nicht Zusammentreffen, und ich werde das Vergnügen haben, mich ein wenig mit Ihnen über Ihre Absichten zu unterhalten!”

Roger mußte sich sagen, daß sein Spiel verloren war, und zugleich bereute er es, diesen Streich so unüberlegt unternommen zu haben. Freilich, eine Möglichkeit des Erfolges gab es noch und die lag bei Kap.i- tän Olafson. So wandte er sich an diesen und sagte so ruhig wie er konnte:

„Hören Sie mich an, Kapitän Olafson. Sie wissen wohl, wer ich bin und daß große Machtmittel hinter mir stehen. Wenn Sie mich und Miß Vivian Karakerian unver­letzt im nächsten Hafen absetzen, biete ich Ihnen eine große Summe und garantiere Ihnen Straflosigkeit. Der Herr des Fünf­ecks is tot, von ihm haben Sie nichts mehr zu befürchten.”

Die Stimme des Norwegers klang ent­mutigend kalt und hart als er antwortete: „Alle Schätze der Welt hätten für mich keinen Sinn, wenn ich den erhaltenen Be­fehl nicht ausführe.”

„Aber hören Sie doch, Mann“, wieder­holte Roger, „Karakerian ist tot! Sie brau­chen sich an seine Befehle nicht mehr zu halten!“

„Tot oder lebendig — ich muß ihm ge­horchen!“ knurrte Olafson. „Es gibt viele Haie in diesen Gewässern“, sagte er dann trocken. „Sie werden auch als guter Schwimmer nicht viele Chancen haben, wenn ich Sie über Deck befördert habe. Sehen Sie nur hinaus! Kennen Sie die kleinen Dreiecke?“

Roger blickte durch die Luke und be­merkte wirklich einige jener dreieckigen Flossen, die die Anwesenheit der gefräßi­gen Räuber der See anzeigen.

Aber er bemerkte auch noch etwas an­deres. Kaum hundert Meter von der Yacht entfernt, erhob sich plötzlich ein massiger Körper aus dem Wasser, der wie ein Rie- senwalflsch aussah. Rogers Herz pochte mit Ungestüm gegen die Rippen, und ei­

nen Augenblick war er von innerer Er­regung so übermannt, daß er sich stützen mußte, um nicht umzusinken. Gleich dar­auf gewann er jedoch seine Fassung wie­der.

Blitzartig zeichnete sich in seinem Gehirn das Vorgehen ab, das er einzu­schlagen hatte. Er wandte sich um, blieb aber vor dem Bullauge stehen, so daß er es mit dem Rücken verdeckte.

Im nächsten Augenblick erhopen sich aufregende Rufe an Deck, eiliges Hin- und Herläufen wurde hörbar. Roger trat rasch zur Seite und gab dadurch das Bull­auge frei. Olafson warf einen Blick auf das Wasser hinaus und erstarrte Tod und Teufel“, stieß er hervor.

Auf diesen Augenblick hatte Roger ge­wartet. Mit aller Kraft, deren er fähig war, ließ er die Faust auf Olafsons Hand niedersausen. Die Pistole fiel zu Boden. Doch eine Sekunde später hatte sich der herkulische Norweger auf Roger gestürzt, der den Riesenkräften seines Gegners nicht gewachsen war. Schon lag er auf dem Rücken und fühlte die Hand Olafsons an seiner Gurgel.

Da ertönte klar und scharf von der Tür her der Befehl: „Im Namen Seiner Briti­ schen Majestät, ergeben Sie sich!“

Als Roger, von seinem Widersacher be­freit, sich erheben konnte, sah er einen Offizier in der weißen Tropenuniform der englischen Marine vor sich. Einige Matro­sen waren eben bemüht, den wütend um sich schlagenden Norweger unschädlich zu machen.

„Leutnant Jenkins von Seiner Majestät Unterseeboot AR 409“, sagte der Offizier, Roger die Hand schüttelnd. „Wir haben den Telegrammwechsel zwischen dem „Hidalgo“ und der „Harlem“ aufgefangen und sind sofort herangekommen, da wir schon vorher den Steckbrief gegen den „Hidalgo“ erhalten hatten. Anscheinend sind wir gerade im richtigen Augenblick aufgetaucht!“

Als Roger mit Hilfe des Engländers Vivian von ihren Fesseln und Knebeln befreit hatte, stellte es sich heraus, daß sie ohnmächtig geworden war; doch schon eine halbe Stunde später konnte sie, schwach lächelnd, für die zarten Liebko­sungen danken, mit denen Roger sie über­schüttete.

Heimkehr

Die „Transvaal“ dampfte gegen Norden. Vivian und Roger standen an der Ree­ling des Promenadendecks und sahen auf die unruhige See hinaus.

„Dort ist England “, bemerkte Roger, auf eine ferne dunkle Linie deutend, die sich am Rand der See abzuzeiehnen begann „In ein paar Stunden ist unsere Reise zu Ende.“

Er sagte es mit einem Seufzer. Die we­nigen Tage der Seefahrt auf der „Trans­vaal“, auf die das Unterseeboot sie über­schifft hatte, waren den beiden wie im Fluge vergangen. Das ständige Zusammen­sein in dem engbegrenzten Raum eines Passagierdampfers, im behaglichen Nichts­tun nach Tagen voll Aufregung und Ge­fahren war in ungetrübtem Glück ver­laufen. Alle Schatten der Vergangenheit waren von ihnen gewichen. Nun aber tauchten sie wieder vor ihnen aut

„Noch nie bin ich so ungern nach Eng­ land zurückgekehrt“, sagte Vivian seuf­zend, „mir graut vor dem großen Hause in Berkeley Square und seinen Erinnerun­gen. Ich werde es aufgeben und zunächst in einem Hotel Wohnung nehmen.“

Roger pflichtete ihr eifrig bei. „Auch ich werde möglichst rasch reinen Tisch machen. Die Beichte, die ich jetzt Onkel Phil und Sir William Hadleigh machen muß, wird meine letzte Prüfung sein. Wenn ich wie­der meinen eigenen Namen trage und all den Wust von Lügen und Täuschungen von mir abgeworfen habe, werden wi» erst unser Glück voll genießen können.* (Fortsetzung folgt)